Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien vom 9.Juli 2026:
Inhalt:
OECD: Verdreifachung der Kernenergiekapazität bis zur Mitte des Jahrhunderts erfordert grundlegende Veränderungen.
Kinder der Erde: Die Auswirkungen der zweiten Wasserverkehrskonzeption werden umfassend bewertet.
Stromautobahnen für Europa – Europa verstärkt die Netze.
Windkraftanlagen gefallen vielen Menschen einfach nicht. Referenden scheitern, weil die Unterstützung des Staates fehlt, meint ein Experte.
Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken in Tschechien stieg im Juni aufgrund höherer Strompreise um 85 %
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OECD: Verdreifachung der Kernenergiekapazität bis zur Mitte des Jahrhunderts erfordert grundlegende Veränderungen
Autor: Jiří Puchnar
8. Juli 2026, oenergetice.cz
Eine neue Analyse der OECD-Kernenergieagentur (NEA) zeigt, dass die derzeitigen politischen Ziele im Bereich der Kernenergie das tatsächliche Bautempo deutlich übersteigen. Um die ehrgeizigsten Ausbauszenarien zu erreichen, wird nicht nur die Wahl der Technologie entscheidend sein, sondern vor allem die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte, die Kapazität der Lieferketten und eine gesicherte Finanzierung.
Die Kernenergieagentur der OECD (NEA) hat den Bericht „Nuclear Energy Outlook: Global Installed Capacity to 2050 and Beyond“ veröffentlicht. Darin wird die mögliche Entwicklung der weltweit installierten Kernkraftkapazität bis zum Jahr 2050 sowie darüber hinaus analysiert. Nach Einschätzung der NEA rückt die Kernenergie nach Jahrzehnten des Rückgangs in vielen OECD-Staaten wieder in den Mittelpunkt der Energiepolitik – insbesondere im Zusammenhang mit Energiesicherheit, Dekarbonisierung und industrieller Wettbewerbsfähigkeit.
Eine ähnliche Analyse veröffentlicht regelmäßig auch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO).
Vier Entwicklungsszenarien bis zum Jahr 2050...
Der Bericht arbeitet mit vier Szenarien:
Im Niedrigszenario würde die weltweit installierte Kernkraftleistung im Jahr 2050 lediglich 347 GWe erreichen, da neue Projekte die Stilllegung eines Teils der bestehenden Kraftwerke in den OECD-Staaten nicht ausgleichen könnten.
Das ehrgeizige Szenario geht von 883 GWe aus. Dieses setzt sowohl auf einen stärkeren Ausbau neuer Großreaktoren als auch auf den verstärkten Einsatz kleiner modularer Reaktoren (SMR).
Erst das Transformationsszenario sieht eine installierte Leistung von rund 1.324 GWe im Jahr 2050 vor – also mehr als das Dreifache der heutigen Kapazität. Nach Einschätzung der NEA ist nur dieses Szenario geeignet, das Ziel einer Verdreifachung der weltweiten Kernkraftkapazität bis 2050 tatsächlich zu erreichen.
Das Transformationsszenario stützt sich unter anderem auf langfristige nationale Ausbauziele, beispielsweise auf den Plan der Vereinigten Staaten, ihre Kernkraftkapazität von derzeit rund 100 GW bis zum Jahr 2050 auf 400 GW zu erhöhen, sowie auf das indische Ziel, bis zum Jahr 2047 eine installierte Leistung von 100 GW zu erreichen. Neben dem Neubau berücksichtigt das Szenario auch den langfristigen Weiterbetrieb bestehender Reaktoren sowie den umfangreichen Einsatz kleiner modularer Reaktoren.
Schwerpunkt des Ausbaus verlagert sich außerhalb der OECD...
Die NEA weist außerdem auf eine geografische Verschiebung beim Ausbau der Kernenergie hin.
Zwar entfallen derzeit noch rund 78 % der weltweiten Kernkraftkapazität auf OECD-Staaten, der Großteil der aktuell im Bau befindlichen Reaktoren entsteht jedoch außerhalb dieser Ländergruppe.
Von den weltweit rund 70 GWe an Kernkraftkapazität, die sich derzeit im Bau befinden, entfallen etwa 80 % auf Nicht-OECD-Staaten. Den größten Anteil hat dabei China mit mehr als 33 GWe.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch auf dem Markt für Kernenergietechnologien wider. Nach Angaben der NEA verfügen China und Russland über eine starke internationale Marktposition, während Anbieter aus OECD-Ländern zwar über bedeutende Projektpipelines verfügen, diese jedoch weniger weit entwickelt sind.
Für Staaten, die eigene Kernenergieprogramme ausbauen wollen, wird daher neben der Finanzierung auch die Einbindung in stabile und diversifizierte Lieferketten von entscheidender Bedeutung sein.
Ohne Laufzeitverlängerungen rücken die Ziele in weite Ferne….
Eine zentrale Rolle spielt nach Auffassung der NEA auch der langfristige Weiterbetrieb bestehender Kernkraftwerke.
Bei zahlreichen Reaktorblöcken in OECD-Staaten laufen die ursprünglichen Betriebsgenehmigungen bereits vor 2040 aus. Eine Verlängerung der Laufzeiten auf 60 Jahre und in einzelnen Fällen sogar auf 80 Jahre könnte einen erheblichen Teil der bestehenden Reaktoren erhalten und den Druck verringern, große CO₂-arme Erzeugungskapazitäten kurzfristig ersetzen zu müssen.
Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass Kernkraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als 50 GWe in OECD-Staaten bislang noch keine Genehmigung besitzen, die einen Betrieb bis zum Jahr 2040 ermöglicht. Würden diese Anlagen nicht weiterbetrieben, würde sich sowohl der Bedarf an Neubauten als auch der Aufwand zur Sicherstellung einer stabilen Stromversorgung deutlich erhöhen.
Menschen, Industrie und Kapital entscheiden über den Erfolg…...
Nach Einschätzung der NEA hängen die ambitionierteren Ausbaupfade der Kernenergie vor allem von drei Faktoren ab:
• der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte,
• den Kapazitäten der Lieferketten,
• sowie ausreichenden Finanzierungsmöglichkeiten.
In vielen OECD-Ländern hat die geringe Zahl neu gebauter Kernkraftwerke in den vergangenen 25 Jahren dazu geführt, dass industrielle Kompetenzen und Erfahrungen bei der Umsetzung großer Kernenergieprojekte verloren gegangen sind.
Die Agentur empfiehlt deshalb den Übergang von einzelnen, isolierten Projekten hin zu langfristigen Bauprogrammen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Staaten mit vergleichbaren energiepolitischen Zielen.
Deutlich höhere Investitionen erforderlich…..
Nach Einschätzung der NEA sind die finanziellen Anforderungen enorm.
Die weltweiten Investitionen in neue Kernkraftwerke beliefen sich in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf rund 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr, wobei der größte Teil auf Projekte in China und Russland entfiel.
In den OECD-Staaten müssten die jährlichen Investitionen jedoch erheblich steigen:
• in den vergangenen zehn Jahren: durchschnittlich 12 Milliarden US-Dollar pro Jahr,
• im ehrgeizigen Szenario: rund 68 Milliarden US-Dollar jährlich,
• im Transformationsszenario: etwa 143 Milliarden US-Dollar jährlich.
In den 2030er-Jahren könnte der jährliche Finanzierungsbedarf sogar auf nahezu 200 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Angesichts des Drucks auf die öffentlichen Haushalte wird nach Auffassung der NEA die Einbindung privaten Kapitals unverzichtbar sein. Voraussetzung dafür sind jedoch Projekte mit einer klaren Risikoverteilung, einem verlässlichen Ertragsmodell sowie staatlichen Mechanismen zur Begrenzung von Bau-, Markt- und politischen Risiken.
Ohne solche Instrumente, so das Fazit der NEA, dürfte ein erheblicher Teil der angekündigten Ausbaupläne für die Kernenergie lediglich auf dem Papier bestehen bleiben und nicht über das Stadium politischer Zielsetzungen hinauskommen.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... adni-zmeny
/gr/
Kinder der Erde: Die Auswirkungen der zweiten Wasserverkehrskonzeption werden umfassend bewertet
9.7.2026 Ekolist.cz
Die Mehrheit der insgesamt siebenundvierzig Vorschläge von Kindern der Erde wurde berücksichtigt
Das Umweltministerium hat am 23. Juni 2026 den Abschluss des Ermittlungs /Scoping-Verfahrens veröffentlicht. Demnach werden die Umweltauswirkungen der „Wasserverkehrskonzeption für den Zeitraum 2026–2035“ einer detaillierten Bewertung unterzogen.
Das Verkehrsministerium muss im Rahmen der Konzeption sechsundzwanzig Anforderungen erfüllen, darunter die Bewertung grenzüberschreitender Auswirkungen auf den deutschen Abschnitt der Elbe sowie auf Natura-2000-Gebiete.
Zum Entwurf der Konzeption gingen Stellungnahmen von fünfundzwanzig Stellen ein, darunter aus der Öffentlichkeit lediglich von zwei Unternehmen und von Kindern der Erde / Děti Země. Nach deren Auffassung bestand die Mitteilung zur Konzeption vor allem aus einer Ansammlung unterschiedlichster fragwürdiger Ideen.
„Wir haben eine umfangreiche Stellungnahme mit siebenundvierzig Vorschlägen eingereicht, von denen die Mehrheit in die sechsundzwanzig Anforderungen des Abschlusses des Scoping-Verfahrens aufgenommen wurde.
Die übrigen Vorschläge betreffen den Inhalt der Konzeption. Wir fordern, neben der Nullvariante und der Ausbauvariante auch eine ökologische Variante zu bewerten. Das bedeutet: an der Elbe keine neuen großen Bauvorhaben für den Güterverkehr, sondern lediglich Rekonstruktionen und Modernisierungen; an der Elbe, der Moldau und dem Baťa-Kanal keine neuen großen Bauvorhaben für den Personenverkehr, sondern lediglich Rekonstruktionen und Modernisierungen sowie höchstens neue Anlegestelle.
Darüber hinaus schlagen wir vor, auf einem Drittel der Länge der Elbe, der Moldau und der March Renaturierungs- und Revitalisierungsmaßnahmen in den Flussläufen und Auen durchzuführen“, erläutert der Vorsitzende von Kindern der Erde / Děti Země, Miroslav Patrik, die wesentlichen Einwände.
„Die Mitteilung zur Konzeption war eine Ansammlung merkwürdiger Ideen verschiedener Interessengruppen. Es bleibt daher abzuwarten, welchen Inhalt die eigentliche Konzeption haben wird. Nach unserer Auffassung handelt es sich lediglich um ein Instrument der Baulobby mit dem Ziel, rund fünfunddreißig Milliarden Kronen aus öffentlichen Mitteln ohne wirtschaftlichen oder verkehrlichen Nutzen auszugeben, da das Interesse am Gütertransport auf dem Wasser gegenwärtig wie auch künftig äußerst gering ist.
Die Verwirklichung großer Bauvorhaben an der Elbe würde zudem die letzten Reste wertvoller Auenlandschaften mit Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten zerstören und den Wasserhaushalt erheblich beeinträchtigen“, erklärt Patrik.
Nach Auffassung von Kindern der Erde / Děti Země wird in der Mitteilung zur Konzeption außerdem demagogisch behauptet, dass weitere Bauvorhaben an der Elbe für den Ausbau der Kernenergie notwendig seien, insbesondere für den Transport großer und schwerer Komponenten zu den Kernkraftwerken Dukovany (etwa sechs Transporte pro Reaktorblock) und Temelín.
Aus dem Beschluss der tschechischen Regierung Nr. 739 vom 23. Oktober 2017 geht jedoch hervor, dass der Transport dieser Komponenten von Hamburg nach Týnec nad Labem ohne jegliche Neubauten möglich ist, also ohne das Wehr bei Děčín, ohne den Kanal bei Přelouč und ohne den Hafen in Pardubice.“
Stromautobahnen für Europa – Europa verstärkt die Netze
9.72026 MF DNES Seite 13 Dasa Hyklova
Ein großer Teil der europäischen Übertragungsnetze wurde vor mehr als vierzig Jahren errichtet. Die Netze entstanden in einer Zeit, in der Strom überwiegend von wenigen großen Kohle- und Kernkraftwerken erzeugt und anschließend zentral verteilt wurde.
Heute hat sich das Energiesystem grundlegend verändert. Millionen von Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen speisen dezentral Strom in das Netz ein. Die bestehende Infrastruktur ist für diese neue Situation jedoch nur unzureichend ausgelegt.
Dadurch kann erneuerbarer Strom häufig nicht dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird. Bei hoher Solarstromproduktion entstehen deshalb regelmäßig negative Strompreise. Gleichzeitig müssen Wind- und Solaranlagen zeitweise vom Netz genommen werden, obwohl sie Strom erzeugen könnten.
Nach Angaben der Europäischen Kommission werden bis zum Jahr 2040 dafür Investitionen von rund 1,2 Billionen Euro erforderlich sein.
Derzeit sind europaweit etwa 180 neue Übertragungsprojekte geplant. Ein wesentlicher Teil dieser Vorhaben befindet sich jedoch noch im Genehmigungsverfahren.
Das europäische „Grids Package“
Im Dezember 2025 stellte die Europäische Kommission das sogenannte „Grids Package“ vor. Dieses Gesetzespaket befindet sich inzwischen im Gesetzgebungsverfahren zwischen Rat der Europäischen Union und Europäischem Parlament.
Die wichtigsten Ziele sind:
• Beschleunigung der Genehmigungsverfahren.
• Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen.
• Verbesserung der gemeinsamen Netzplanung.
• Höhere Investitionen in die Strominfrastruktur.
• Besserer Schutz kritischer Energieinfrastruktur vor Sabotage und Cyberangriffen.
Beispiel Italien – Modernisierung rund um Cortina d'Ampezzo
Im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen wurden im Raum Cortina d'Ampezzo zahlreiche Stromleitungen modernisiert.
Dabei wurden viele alte Freileitungsmasten entfernt, zahlreiche Leitungsabschnitte unterirdisch verlegt, moderne Stahlmasten mit schlankem Design errichtet, kompakte Tragwerke verwendet, die deutlich weniger Fläche beanspruchen, Isolatoren farblich an die umgebende Landschaft angepasst.
Das Projekt sollte sowohl die Versorgungssicherheit erhöhen als auch die landschaftlichen Eingriffe verringern.
Genehmigungen dauern wesentlich länger als der Bau
Ein zentrales Problem besteht darin, dass Genehmigungen in Europa durchschnittlich acht bis zwölf Jahre dauern.
Die eigentliche Bauzeit beträgt dagegen häufig lediglich rund zwei Jahre.
Nach europäischen Statistiken wartet mehr als die Hälfte aller bis zum Jahr 2030 geplanten Übertragungsprojekte noch immer auf ihre Genehmigung.
Beispiel Deutschland – SuedLink
Als besonders bekanntes Beispiel nennt der Artikel das Projekt SuedLink.
Dabei handelt es sich um ein etwa 700 Kilometer langes Hochspannungs-Gleichstromsystem, das Windstrom aus Norddeutschland nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren soll.
Die Planung begann bereits im Jahre 2012.
Aufgrund massiver Proteste gegen neue Freileitungen wurde im Jahre 2015 beschlossen, die Leitung weitgehend als Erdkabel auszuführen.
Diese Entscheidung machte umfangreiche Neuplanungen erforderlich:
• neue Trassen,
• umfangreiche Umweltverträglichkeitsprüfungen,
• geologische Untersuchungen,
• Untersuchungen tausender Grundstücke.
Dadurch verzögerte sich das Projekt um mehrere Jahre; die Fertigstellung wird nun für das Jahr 2028 erwartet. Gleichzeitig stiegen die Kosten auf etwa das Dreifache der ursprünglichen Schätzung.
Beispiel Spanien–Frankreich
Ein weiteres Beispiel betrifft die Stromverbindung zwischen Spanien und Frankreich.
Spanien verfügt über sehr große Solarkapazitäten, kann jedoch wegen unzureichender grenzüberschreitender Netzkapazitäten nur begrenzte Strommengen exportieren.
Abhilfe schaffen soll eine neue Untersee- und Erdkabelverbindung durch den Golf von Biscaya.
Obwohl das Projekt als europäisches Vorhaben von gemeinsamem Interesse gilt, verzögerte sich seine Umsetzung erheblich.
Gründe dafür waren:
• komplizierte Abstimmungen zwischen französischen und spanischen Behörden,
• Umweltprüfungen,
• Schutz des Unterwasser-Canyons von Capbreton,
• Änderungen der Trassenführung zum Schutz empfindlicher Meeresökosysteme.
Dadurch verschob sich die geplante Inbetriebnahme von 2025 auf Ende 2028 beziehungsweise Anfang 2029.
Politische Entwicklungen...
Am 26. Juni erzielten die Wirtschaftsminister der EU-Mitgliedstaaten eine gemeinsame Position zum Grids Package.
Zu den wichtigsten Elementen gehören:
• deutlich schnellere Genehmigungen,
• für zentrale Infrastrukturprojekte grundsätzlich eine maximale Verfahrensdauer von einem Jahr,
• Einführung einer neuen Kategorie prioritärer Projekte zum Schutz kritischer Infrastruktur,
• Beginn der Trilog-Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, Rat und Kommission.
Einschätzung von Luděk Niedermayer...
Der Europaabgeordnete Luděk Niedermayer bewertet das Gesetzespaket grundsätzlich positiv.
Nach seiner Auffassung wurden die Stromnetze ursprünglich für ein vollständig anderes Energiesystem konzipiert und bremsen heute sowohl Investitionen als auch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien.
Er betrachtet insbesondere folgende Punkte als wichtig:
• bessere europäische Netzplanung,
• schnellere Genehmigungen,
• stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit,
• höhere Investitionen.
Gleichzeitig bezeichnet er den Ratsbeschluss als politischen Kompromiss und nicht als ideale Lösung.
Kritik an einer stärkeren Zentralisierung...
Mehrere Mitgliedstaaten sehen die Pläne der Europäischen Kommission kritisch.
Sie befürchten insbesondere:
• eine zu starke Zentralisierung der Netzplanung,
• Eingriffe in nationale Energiestrategien,
• zusätzliche Bürokratie,
• steigende Kosten.
Exportländer wie Schweden sorgen sich darüber hinaus vor steigenden inländischen Strompreisen durch stärkere internationale Vernetzung.
Transitstaaten lehnen es teilweise ab, Infrastruktur mitzufinanzieren, die hauptsächlich dem Stromtransport anderer Länder dient.
Europäische „Energy Highways“
Im Rahmen des neuen mehrjährigen EU-Haushalts schlägt die Kommission vor, den Haushalt des Energieinfrastrukturfonds CEF-E erheblich aufzustocken.
Die Mittel sollen vorrangig in strategische grenzüberschreitende Stromverbindungen („Energy Highways“) fließen.
Außerdem soll der Anteil grenzüberschreitender Projekte schrittweise erhöht werden – zunächst auf zehn Prozent und später auf fünfundzwanzig Prozent.
Position von WindEurope
Der europäische Windenergieverband WindEurope kritisiert, dass die Mitgliedstaaten wieder größeren Einfluss auf die europäische Netzplanung erhalten sollen.
Nach Ansicht des Verbandes droht dadurch erneut eine Zersplitterung der Planung.
WindEurope weist darauf hin, dass derzeit mehr als 500 Gigawatt geplanter Windkraftleistung auf Netzanschlüsse oder Genehmigungen warten.
Langsame und komplizierte Verfahren würden:
• den Ausbau erneuerbarer Energien verzögern,
• das industrielle Wachstum bremsen,
• die Elektrifizierung erschweren,
• hohe Energiepreise aufrechterhalten.
Politische Erfolgsaussichten
Der Ratskompromiss von mehr als zwanzig Mitgliedstaaten unterstützt.
Niedermayer geht deshalb davon aus, dass letztlich auch im Europäischen Parlament eine Mehrheit zustande kommen dürfte, vermutlich mit Unterstützung mehrerer Fraktionen.
Die entscheidende Frage sei seiner Einschätzung nach nicht mehr, ob das Gesetzespaket verabschiedet werde, sondern wie umfangreich die endgültige Fassung ausfallen werde.
Steigender Strombedarf….
Dabei wird auf den seit dem Jahr 2010 erstmals wieder strukturell steigenden Stromverbrauch Europas aufmerksam gemacht.
Als wichtigste Ursachen dafür werden genannt:
• stark wachsender Bedarf von Rechenzentren,
• Boom der Künstlichen Intelligenz,
• Elektrifizierung des Wärmesektors,
• zunehmende Elektromobilität.
Nach Einschätzung von BloombergNEF könnte Strom bis zum Jahr 2043 zum dominierenden Energieträger Europas werden.
Die Europäische Kommission rechnet deshalb bis dahin allein für den Netzausbau mit Investitionen von rund 584 Milliarden Euro.
Der Ausbau der europäischen Stromnetze wird als unverzichtbare Voraussetzung für die Energiewende, die Versorgungssicherheit und langfristig niedrigere Strompreise dargestellt. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Großprojekte, dass langwierige Genehmigungsverfahren, Umweltprüfungen, politische Konflikte und unterschiedliche nationale Interessen den Netzausbau erheblich verzögern und verteuern.
Siehe auch hier: https://www.idnes.cz/ekonomika/domaci/e ... nomika_hyk
/gr/
Windkraftanlagen gefallen vielen Menschen einfach nicht. Referenden scheitern, weil die Unterstützung des Staates fehlt, meint ein Experte
9.7.2026 Tschechischer Rundfunk / irozhlas.cz
Die Tschechische Republik landete unter den 27 EU-Mitgliedstaaten auf dem letzten Platz bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Sogar Polen, das traditionell von Schwerindustrie und Kohlebergbau geprägt ist, baut Wind- und Solarenergie deutlich schneller aus. „Für die Zukunft könnte das ein großes Problem für die tschechische Wirtschaft werden. Ein Mangel an Energiequellen, die dazu beitragen, den Großhandelspreis für Strom zu senken, könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigen“, sagt Martin Sedlák vom Verband für moderne Energie im Interview Plus.
Gerade Polen nennt er als Beispiel eines Landes, das bei den erneuerbaren Energien in den vergangenen fünf Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat. Entscheidend seien ein berechenbares Investitionsumfeld und eine vergleichsweise schnelle Umsetzung von Projekten, was die Kosten weiter senke.
Zudem herrscht in Polen sowohl bei der früheren als auch bei der aktuellen Regierung Einigkeit über die Bedeutung grüner Energie. Die Regierung kommuniziert aktiv mit der Öffentlichkeit, unter anderem als Reaktion auf den Einfluss Russlands, das Mythen und Desinformation nicht nur über erneuerbare Energien, sondern auch über geplante Kernreaktoren verbreitet.
„Schon heute sehen wir, dass der jährliche Unterschied beim durchschnittlichen Großhandelspreis für Strom zwischen Deutschland – wo erneuerbare Energien häufig mehr als 50 Prozent des Strommixes ausmachen – und Tschechien bis zu einer Krone pro Megawattstunde betragen kann. Das ist ein erheblicher Wettbewerbsnachteil“, warnt Sedlák. Künftig könne sogar Polen Tschechien überholen.
Mittelfristig sollte der Anteil erneuerbarer Energien nach seiner Einschätzung von derzeit 17 Prozent auf etwa ein Drittel steigen und anschließend auf rund die Hälfte anwachsen. Die andere Hälfte der Stromerzeugung sollen Kernkraftwerke übernehmen.
„Wir müssen das Vertrauen in erneuerbare Energien wiederherstellen und zeigen, dass diese Lösung tatsächlich Versorgungssicherheit bietet. Gleichzeitig müssen wir das Vertrauen der Menschen vor Ort stärken, damit sie entsprechende Projekte akzeptieren. Wenn der Staat sogenannte Beschleunigungszonen einführt, kann er den betroffenen Gemeinden zusätzliche Ausgleichsleistungen anbieten“, erklärt er.
Nicht direkt hinter meinem Haus ...
Sedlák weist darauf hin, dass die Mehrheit der tschechischen Bevölkerung den Ausbau der Windenergie grundsätzlich unterstützt. Problematisch werde es jedoch häufig, wenn es um konkrete Projekte gehe – also um die Frage, ob man eine Windkraftanlage direkt in der Nähe des eigenen Wohnorts haben möchte.
„Es ist völlig legitim, wenn die Einwohner einer Gemeinde darüber diskutieren, ob sie Windkraftanlagen auf ihrem Gebiet wollen oder nicht. Der Bürgermeister kann Fachleute einladen. Wichtig ist, dass die Diskussion ausgewogen geführt wird und sowohl Befürworter als auch Gegner zu Wort kommen“, sagt der Experte.
Er weist außerdem die Behauptung zurück, Windkraftanlagen gefährdeten die Gesundheit der Menschen, etwa durch Lärm. Die tschechischen Lärmschutzvorschriften gehörten seiner Aussage nach zu den strengsten in Europa.
Seiner Ansicht nach dienen solche Argumente häufig als Vorwand dafür, dass viele Menschen Windkraftanlagen in der Landschaft schlicht nicht schön finden und deshalb auf Desinformation zurückgreifen. Gleichzeitig müsse Tschechien alle Formen erneuerbarer Energien ausbauen, da sie sich im Jahresverlauf gegenseitig ergänzen können.
„Ich glaube, dass es uns gelingen wird, diese Energiequellen kontinuierlich auszubauen. Voraussetzung ist allerdings ein gesellschaftlicher Konsens. Die Volksabstimmungen während der Parlamentswahlen gingen ungefähr fifty-fifty aus. In diesem Jahr zeigt sich jedoch ein Trend, dass sie häufiger scheitern und Projekte abgelehnt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Unterstützung durch den Staat fehlt“, meint Sedlák.
Entscheidend sei zudem die persönliche Erfahrung. Er würde beispielsweise den Ministerpräsidenten gerne in einen Windpark mitnehmen. „Wenn jemand Bedenken gegenüber solchen Projekten hat, sollte er sich einen Windpark aus der Nähe ansehen. Dann wird er feststellen, dass keine schädlichen Partikel freigesetzt werden und dass die Lärmbelastung bei Einhaltung der vorgeschriebenen Abstände zu Wohngebieten unproblematisch ist“, schließt Sedlák.
Quelle:
https://www.irozhlas.cz/ekonomika/vetrn ... 082342_ntu
Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken in Tschechien stieg im Juni aufgrund höherer Strompreise um 85 %
Autor: Jan Budín
4. Juli 2026, oenergetice.cz
Die Stromerzeugung in der Tschechischen Republik stieg im Juni gegenüber dem Vorjahr um mehr als 1 TWh auf 5,66 TWh. Verantwortlich dafür waren vor allem Braunkohle- und Kernkraftwerke, während Solaranlagen nur geringfügig mehr Strom produzierten als im Vorjahr. Der Stromverbrauch nahm trotz der heißen Tage am Monatsende nur leicht zu. Der wichtigste Impuls für die höhere Stromerzeugung ging daher vom Spotmarkt und der angespannten Lage auf den regionalen Strommärkten aus.
Nach den auf Energostat veröffentlichten Daten erreichte die Stromerzeugung in Tschechien im Juni 5,66 TWh. Gegenüber Juni 2025 mit 4,51 TWh entspricht dies einem Anstieg um 1,15 TWh beziehungsweise um mehr als 25 Prozent. Dieser deutliche Zuwachs war jedoch nicht auf erneuerbare Energien zurückzuführen, sondern vor allem auf den verstärkten Einsatz konventioneller Kraftwerke.
Den größten Beitrag leisteten die Braunkohlekraftwerke, die 1,44 TWh Strom ins Netz einspeisten. Das waren rund 660 GWh mehr als im Vorjahresmonat – ein Anstieg von etwa 85 Prozent.
Auch die Kernkraftwerke steigerten ihre Produktion deutlich: Sie erhöhten ihre Erzeugung von 2,12 TWh auf 2,52 TWh, also um knapp 400 GWh. Zusammengenommen erklären diese beiden Erzeugungsarten den überwiegenden Teil des gesamten Produktionsanstiegs.
Auch Gaskraftwerke erhöhten ihre Stromerzeugung von 240 GWh auf 301 GWh. Ihr Beitrag blieb jedoch deutlich geringer als jener von Kohle- und Kernkraftwerken.
Demgegenüber produzierten Wasserkraftwerke weniger Strom als im Vorjahr. Ihre Erzeugung sank von 121 GWh auf knapp 100 GWh. Auch die Stromproduktion aus Biomasse ging zurück – von 241 GWh auf 210 GWh.
Solarstrom blieb auf hohem Niveau…..
Photovoltaikanlagen speisten im Juni 677 GWh Strom ins Netz ein. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres mit 655 GWh entspricht dies lediglich einem leichten Anstieg.
Nach dem historischen Rekord im Mai mit 701 GWh blieb die Solarstromerzeugung zwar auf einem sehr hohen Niveau, war jedoch nicht der Haupttreiber des Anstiegs der gesamten Stromproduktion im Juni.
Stromverbrauch stieg nur leicht...
Der Stromverbrauch in Tschechien belief sich im Juni auf 4,84 TWh. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte er sich lediglich um rund 120 GWh.
Der Monatswert wirkt damit insgesamt wenig außergewöhnlich, obwohl die Stromnachfrage während der Hitzetage deutlich höher lag als in den kühleren Phasen des Monats.
Dies entspricht auch den Daten des Unternehmens Amper Meteo. Demnach stieg während der Hitzewelle der Netzstrombezug erheblich an, gleichzeitig wurde jedoch ein Teil des zusätzlichen Strombedarfs für Klimaanlagen durch Strom aus privaten Photovoltaikanlagen gedeckt.
Windflaute und eingeschränkte Kernkraft belasteten den regionalen Strommarkt….
Die Hauptursache der hohen Spotmarktpreise lag daher nicht im Stromverbrauch, sondern in den regionalen Marktbedingungen.
In Deutschland war die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen im Juni wiederholt ungewöhnlich niedrig. Sobald die Solarstromproduktion am Abend rasch zurückging, mussten teurere regelbare Kraftwerke die Stromnachfrage decken.
Das deutlichste Preissignal zeigte sich am vergangenen Mittwochabend.
Nach Daten von EPEX Spot wurde Strom auf dem deutschen Intraday-Markt zeitweise zu 868 Euro/MWh gehandelt. In Frankreich lagen die Preise bei über 414 Euro/MWh, während Abendkontrakte in Großbritannien bis zu 426 Pfund/MWh erreichten.
Auch in Tschechien wurden Rekordpreise am Spotmarkt verzeichnet, die sich der Marke von 700 Euro/MWh näherten.
Die Situation wurde zusätzlich durch die eingeschränkte Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke in Europa verschärft.
In Frankreich mussten mehrere Kernkraftwerksblöcke ihre Leistung reduzieren, weil die hohen Wassertemperaturen in den Flüssen die Kühlung erschwerten. Ähnliche Einschränkungen betrafen auch das schweizerische Kernkraftwerk Beznau.
Auch in Großbritannien war die angespannte Lage spürbar: Der Netzbetreiber warnte während der Hitzewelle vor geringeren Leistungsreserven.
Die Entwicklung im Juni zeigt somit, dass sommerliche Strompreisspitzen auf den europäischen Strommärkten künftig an Bedeutung gewinnen könnten. Ursache ist nicht allein die höhere Nachfrage durch Klimatisierung, sondern das Zusammenwirken von Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit von Kraftwerken, grenzüberschreitenden Stromflüssen und einer begrenzten Flexibilität der Stromsysteme.
Wichtiges Signal für den geplanten Kohleausstieg in Tschechien…..
Für Tschechien ist die Entwicklung im Juni vor allem vor dem Hintergrund des geplanten Ausstiegs aus der Kohleverstromung von Bedeutung.
Gerade die Braunkohlekraftwerke reagierten im Juni stark auf die Marktsituation und trugen wesentlich dazu bei, die Stromerzeugung in einer Phase angespannter regionaler Märkte zu erhöhen.
Mit ihrem schrittweisen Ausscheiden aus dem Markt wird diese Rolle künftig durch eine Kombination aus neuen Gaskraftwerken, Energiespeichern, Lastmanagement und grenzüberschreitendem Stromhandel übernommen werden müssen.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Batteriespeichern. Die große Differenz zwischen den niedrigen Strompreisen zur Mittagszeit – bei hoher Solarstromproduktion – und den hohen Preisen in den Abendstunden schafft Möglichkeiten sowohl für Preisarbitrage als auch für die Bereitstellung von Systemdienstleistungen.
Sollte die installierte Photovoltaikleistung weiter zunehmen, wird es ohne einen deutlich schnelleren Ausbau von Flexibilitätsoptionen künftig sowohl mehr Stunden mit sehr niedrigen Strompreisen als auch häufiger Phasen mit extrem hohen Preisen nach Sonnenuntergang geben.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... ice-nez-25
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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