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Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse

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Gabi Reitinger
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Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse

Beitrag von Gabi Reitinger »

Auswahl von Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Kernkraft vom 27.4.2026:

Inhalt:
40 Jahre nach Tschernobyl – Filmfestival in Budweis.
Anti-Atom-Aktivisten: Das Übel, das wir ausrotten müssen, sagt Minister Červený in einer Fernsehendebatte.
Die Nation, die die Kernenergie weltweit am lautesten ablehnte, beginnt ihre Meinung zu ändern. Was ist mit den Österreichern passiert?
Erbe nach Tschernobyl - Interview.
Das Regime verharmloste Tschernobyl. Bei Kiew fuhren Radfahrer Rennen.
Neue Tochtergesellschaft soll innerhalb eines Jahres entstehen, plant die Führung von ČEZ.
Warnung namens Tschernobyl

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40 Jahre nach Tschernobyl – Filmfestival in Budweis
27.4.2026 Ekolist.cz

Die Südböhmischen Mütter (Jihočeské matky) erinnern bereits seit ihrer Gründung zu Beginn der 90er Jahre an die Katastrophe von Tschernobyl. Über verschiedene Happenings, eine Konferenz im Senat, Fotoausstellungen, Gespräche mit Liquidatoren und Benefizkonzerte für die Opfer von Tschernobyl konzentrieren sich unsere Aktivitäten zum Jahrestag der Havarien in Tschernobyl und Fukushima nun schon im zehnten Jahr auf die Organisierung des Filmfestivals Tschernobylfest.

Dieses Themen- und Diskussionsprojekt hatte seinen Pilotjahrgang im Jahr 2016 und fand nach und nach nicht nur in České Budějovice (Budweis), sondern auch in Prag und Český Krumlov statt. Der diesjährige Jahrgang findet erneut in České Budějovice im Kino Kotva statt, und zwar am Montag, den 27. April, ab 8:30 Uhr.
Das Hauptziel des Festivals ist es, der Öffentlichkeit das Thema der Nuklearkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima durch Dokumentarfilme, Diskussionen und persönliche Zeugnisse näherzubringen. Das Festival konzentriert sich nicht nur auf historische Ereignisse, sondern auch auf deren langfristige Folgen und aktuelle Bezüge – so war beispielsweise die Frage der Bedrohung von Atomanlagen in Zeiten der Kriegskonflikte ein großes Thema bei den Diskussionen der letzten Jahre.
Unter den Gästen des Festivals finden sich Dokumentarfilmer, Fotografen, Publizisten und Zeitzeugen. In der Vergangenheit konnten die Zuschauer beispielsweise auch die sogenannten „Tschernobyl-Kinder“ treffen – eine Verwaltungsbezeichnung für Kinder, die zum Zeitpunkt des Unfalls in kontaminierten Gebieten (insbesondere in der heutigen Ukraine und Weißrussland) aufwuchsen und erhöhter Strahlung ausgesetzt waren. An den Debatten nehmen Experten teil, die sich langfristig mit dem Thema befassen, wie zum Beispiel der Fotograf und Publizist Václav Vašků, der die Tschernobyl-Zone wiederholt besucht. Die Gespräche bieten somit nicht nur Fakten, sondern auch starke menschliche Geschichten.
Das Programm richtet sich primär an Schulen, steht jedoch auch der breiten Öffentlichkeit offen.
„Als Organisatoren des Festivals reagieren wir auf die veränderten Sehgewohnheiten, weshalb ein Teil des Programms online zugänglich gemacht wird. Auf der Website cernobylfest.cz stehen zudem Arbeitsblätter zu den einzelnen Filmen sowie weitere Materialien wie Videoaufzeichnungen von Diskussionen oder Interviews mit Filmemachern und Protagonisten zur Verfügung,“ sagt Monika Witingerova von den Südböhmischen Müttern.
„Aus dem Feedback, das uns von den Zuschauern erreicht – sei es unmittelbar bei den Debatten oder anschließend im Austausch mit Lehrkräften –, schließen wir, dass das Tschernobylfest eine attraktive Plattform ist, die Filmvorführungen mit Bildung und vor allem Raum für eine offene Diskussion zu den Themen Energie, Umwelt und Gesundheit verbindet. Kritisches Denken – also der Versuch, die Realität in ihrer ganzen Komplexität auf der Grundlage verifizierter Informationen und menschlicher Erfahrungen zu verstehen – halten wir beim Thema Kernenergie, aber nicht nur dort, für essenziell,“ ergänzen die Organisatoren.
/gr/



Anti-Atom-Aktivisten: Das Übel, das wir ausrotten müssen, sagt Minister Červený in einer Fernsehendebatte
26. April 2026 CNN Prima News

Bild: Umweltminister  Igor Červený /Motorosten/ im Interview für CNN Prima NEWS


Der Umweltminister Igor Červený (Motoristen) hält die Art und Weise, wie der Regierungsbeauftragte Filip Turek (für Motoristen) in den sozialen Netzwerken der Umweltorganisation Duha damit gedroht hat, sie von der Liste der Antragsteller für einen Fonds zu streichen, nicht für eine Drohung. In einem Interview für CNN Prima NEWS grenzte er sich scharf von Gegnern der Kernenergie ab – er bezeichnet sie als „ein Übel, das wir ausrotten müssen“.



Umweltminister Červený:
„Mit Streiks und Demonstrationen habe ich nicht das geringste Problem, aber ein grundlegendes Problem habe ich mit Vereinigungen, die sich gegen den Bau von Kernkraftwerken stellen. Es handelt sich um eine saubere Energiequelle, unsere Kernkraftwerke gehören zu den sichersten der Welt. Für mich ist das ein Übel, das ausgerottet werden muss, weil es eine Bedrohung für das Wesen der Gesellschaft darstellt. Wir können nicht in die Steinzeit zurückkehren.

Ich rufe immer dazu auf, dass wir einen goldenen Mittelweg finden. Tschechien braucht Mobilität für Dienstleistungen, Waren und Materialien – wer dies grundsätzlich sabotiert, ist aus meiner Sicht ein Terrorist. Finden wir eine optimale Lösung.

Quelle:
https://cnn.iprima.cz/zlo-ktere-musime- ... .sznhp.box

/gr/




Die Nation, die die Kernenergie weltweit am lautesten ablehnte, beginnt ihre Meinung zu ändern. Was ist mit den Österreichern passiert?
Autor: Marek Kerles
26.4.2026 Info.cz


KOMMENTAR VON MAREK KERLES

In allen Umfragen nach der nuklearen Katastrophe von Tschernobyl lehnten die Österreicher die Nutzung der Kernenergie mit überwältigender Mehrheit ab. Doch 40 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl beginnt sich das zu ändern. Vor allem die jüngere Generation der Österreicher betrachtet die Ablehnung der Kernenergie inzwischen als einen Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können.

Schon die Schlagzeilen der Freitagsausgaben österreichischer Zeitungen vor dem sonntäglichen 40. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe zeigen, dass sich in Österreich rund um die Kerbnkraft etwas Wichtiges zu bewegen beginnt. „Studie zeigt, dass sich die Einstellung zur Kernenergie ändert“, schreibt die Zeitung NÖ Nachrichten. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommen auch Die Presse und andere Tageszeitungen: „Österreicher überdenken ihre Haltung zur Kernenergie“, heißt es in der Überschrift eines Artikels in Die Presse.

Bewegung weg vom Extrem...

Es ist dabei zu betonen, dass die Österreicher seit Langem zu den Nationen gehören, die sich weltweit am stärksten gegen die Nutzung der Kernenergie stellen. Zum Anführer der Anti-Atom-Bewegung wurde Österreich gerade nach der Explosion in Tschernobyl. Die Bevölkerung fühlte sich durch diese Katastrophe in ihrer Weitsicht bestätigt, nachdem sie acht Jahre zuvor (1978) in einem Referendum mit knapper Mehrheit die Inbetriebnahme des bereits fertiggestellten österreichischen Kernkraftwerks Zwentendorf abgelehnt hatte.

Auch wenn das Ergebnis des Referendums in erster Linie eine politische Angelegenheit war (der damalige Bundeskanzler Kreisky hatte die Inbetriebnahme Zwentendorfs mit seinem Verbleib im Amt verknüpft), führte die spätere Katastrophe von Tschernobyl dazu, dass sich die österreichische öffentliche Meinung eindeutig auf die Seite der Kernenergiegegner verschob.

In praktisch allen Umfragen lag der Anteil der Kernkraftgegner unter den Österreichern bei etwa 90 % – und das noch vor relativ kurzer Zeit. Noch im Jahr 2022, also nach Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine, lehnten 72 % der Österreicher es ab, die unsichere energiepolitische Zukunft durch den Bau eines eigenen Kernkraftwerks zu lösen.

Die Energiekrise im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran scheint jedoch nach 40 langen Jahren die ablehnende Haltung gegenüber der Kernenergie in der österreichischen Gesellschaft zu verändern.

In einer aktuellen Umfrage des Instituts Spectra stimmten 49 % der österreichischen Befragten der Aussage zu, dass die Ablehnung der Kernenergie ein „Luxus ist, den wir uns nicht mehr leisten können, um die Energiesicherheit in Europa zu gewährleisten“. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so wirkt, stellt dies einen deutlichen Meinungsumschwung dar.

Dabei ist die jüngere Generation in der Frage der Nutzung der Kernenergie offener als die ältere. Unter den unter 50-Jährigen hält sogar eine Mehrheit (57 %) die Ablehnung der Kernenergie für einen unnötigen Luxus. Bei den Älteren sind es 43 %.

https://www.info.cz/zpravodajstvi-a-kom ... a-generace
/gr/


Erbe nach Tschernobyl
25.04.2026 Magazin Víkend DNES (CZ) Autor Ivan Brezina
Rubrik: Interview ~ Seite: 4

VOR 40 JAHREN IST ES PASSIERT. Am 26. April 1986 ereignete sich eine Katastrophe, die unser Leben bis heute beeinflusst – nur anders, als wir denken. Darüber sprach mit uns der Kernphysiker Ondřej Novák.

• Hat die Explosion von Tschernobyl vor 40 Jahren Tschechien gefährdet?
Erhöhte Radioaktivität wurde bei uns im April 1986 zwar gemessen, ihre gesundheitlichen Auswirkungen waren jedoch vernachlässigbar. Erwähnt werden sollten eher die psychologischen Effekte. Das damalige tschechoslowakische Regime informierte uns nicht über den Unfall. Das führte zu zahlreichen Gerüchten, die die Menschen stressten. Angst schadet der Gesundheit. Auch das, was uns real nicht bedroht, kann sich in Angstzuständen und Depressionen äußern.

• Was war die Ursache des Unfalls von Tschernobyl?
Darüber wurden mehrere Serien gedreht, die den Ablauf technisch Minute für Minute erklären – welches Experiment die Sowjets durchführten, was sie ein- und ausschalteten. Oft wird dabei jedoch das politische System vergessen, das wohl am wichtigsten war. Der Schlüssel zum Verständnis ist die Atmosphäre der damaligen Zeit. Ich erkläre es mit einem Vergleich: Wenn man betrunken auf der Autobahn in die falsche Richtung fährt, braucht man sich über einen Unfall nicht zu wundern. Egal, ob das Auto gut oder schlecht ist – es wird passieren. Fährt man jedoch nüchtern, aufmerksam und regelkonform, ist die Chance hoch, dass nichts passiert, selbst mit einem alten Auto. Der Tschernobyl-Reaktor war so ein „Oldtimer“ – keineswegs ein modernes Auto mit Airbags und Assistenzsystemen. Hätten die Bediener das respektiert und nach Vorschrift gearbeitet, wäre nichts geschehen. Sie nutzten den Reaktor jedoch falsch, und die Technologie war nicht robust genug, das zu verzeihen.
• Also sowjetischer Schlendrian und Ignoranz?
Es gibt einen großen Unterschied darin, wie wir im Westen mit Kernenergie umgehen. Dennoch müssen wir uns ständig daran erinnern, Regeln einzuhalten. Schauen Sie sich die Straßen an – viele fahren zu schnell oder mit schlechten Autos. Man glaubt, man schafft es auch mit Restalkohol. In Tschernobyl dachte man ebenfalls, Vorschriften ließen sich umgehen. Dieser Ansatz war Ausdruck des kommunistischen Systems. Solche Nachlässigkeit gibt es in der europäischen Kernenergie nicht – Sicherheitsregeln werden streng eingehalten.
• Könnte so etwas auch in Temelín oder Dukovany passieren?
Ich müsste Science-Fiction-Autor sein, um mir ein Szenario vorzustellen, in dem es bei uns zu einer so massiven Freisetzung radioaktiver Stoffe kommt wie in Tschernobyl. Theoretisch vielleicht denkbar, praktisch halte ich es für nahezu unmöglich.
• Worin unterscheidet sich der Tschernobyl-Reaktor von denen in Temelín und Dukovany?
Ganz grundlegend – ein Generationenunterschied. Der Tschernobyl-Reaktor hatte viele konstruktive Nachteile. Die Reaktoren in Tschechien sind deutlich fortschrittlicher – ein Unterschied von Jahrzehnten.
• Zum Beispiel?
Zum Beispiel die Schutzhülle – das Reaktorgefäß. Man kann es sich wie einen riesigen Topf vorstellen, der sehr hohen Druck und Temperaturen aushält. Selbst bei einem Unfall hält er die radioaktiven Stoffe im Inneren. Zusätzlich gibt es das sogenannte Containment, ein widerstandsfähiges Stahlbetongebäude. Selbst wenn der „Topf“ versagen würde, würden keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangen. Tschernobyl hatte nichts davon.
• Ich habe gelesen, dass der Reaktor auch zur Plutoniumproduktion diente. Ist das möglich?
Das werden wir wohl nie sicher wissen – die Sowjets hielten es geheim. Es stimmt jedoch, dass dieser Reaktortyp die Plutoniumproduktion gut ermöglichte.
• Wäre das auch in Temelín oder Dukovany möglich?
Extrem schwierig – und vor allem nicht geheim. Unsere Reaktoren stehen unter Kontrolle internationaler Behörden, werden überwacht und regelmäßig inspiziert.
• Worin unterscheidet sich ein Kernkraftwerk von einem Kohlekraftwerk?
Das Grundprinzip ist gleich: Dampf erzeugen, der eine Turbine antreibt. Unterschiede gibt es viele – Kohlekraftwerke sind weniger leistungsfähig und verursachen Schadstoffe, während Kernkraftwerke viel strengere Sicherheitsanforderungen haben.
• Also im Grunde ein Kessel, der nur anders beheizt wird?
Genau. In einem Kohlekraftwerk wird Energie aus chemischen Bindungen freigesetzt. In einem Kernkraftwerk gehen wir tiefer – wir verändern Bindungen im Atomkern. Diese enthalten viel mehr Energie, daher ist Kernspaltung deutlich effizienter.
• Worin unterscheidet sich das von einer Atombombe?
Das Prinzip ist gleich. Der Unterschied ist die Kontrolle: Im Reaktor läuft die Spaltung langsam und gleichmäßig ab, in der Bombe explosiv.
• Wie kontrolliert man die Kettenreaktion?
Durch das Absorbieren eines Teils der Neutronen. So bleibt die Reaktion stabil und es kommt nicht zur Explosion.
• Wie viel Uran wird in Temelín verbraucht?
In jedem Block etwa 92 Tonnen Brennstoff, von denen jährlich etwa ein Viertel genutzt wird. Kohle würde man für die gleiche Leistung millionenfach mehr benötigen.
• Wie steuert man einen Reaktor?
Mit Steuerstäben, die Neutronen absorbieren, sowie weiteren Mitteln wie Borsäure.
• Was steigt aus den Kühltürmen auf?
Reiner Wasserdampf – kein Rauch.
• Entweicht Radioaktivität?
Nur in vernachlässigbaren Mengen, weit unter gefährlichen Grenzwerten.
• Welcher Anteil an Kernenergie wäre für Tschechien sinnvoll?
Derzeit etwa 40 %, mehr wäre sinnvoll – besonders im Winter. Drei bis sechs neue Reaktoren wären ideal.
• Steht eine Renaissance der Kernenergie bevor?
Ja, und sie hat bereits begonnen – aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen.
• Welche Folgen hatte Tschernobyl für die Energiepolitik?
Viele Länder wandten sich von der Kernenergie ab. Deutschland schaltete im Jahre 2023 seine letzten Reaktoren ab – eine Entscheidung, die heute teils kritisch gesehen wird, da sie zu höheren Emissionen und Importabhängigkeit führte.
/gr/




Das Regime verharmloste Tschernobyl. Bei Kiew fuhren Radfahrer Rennen
25.04.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 9 Autor: Jiří Nováček

Morgen jährt sich die Tragödie im Kernkraftwerk Tschernobyl zum vierzigsten Mal. Die tschechoslowakischen Medien berichteten über den Unfall überwiegend nach offiziellen sowjetischen Meldungen, und das Regime verharmloste die Situation. Zur gleichen Zeit fand beispielsweise in Kiew das Friedensrennen statt, obwohl die Region nur wenige Dutzend Kilometer vom Unglücksort entfernt war.
Die tschechoslowakischen Zeitungen und das Fernsehen berichteten über den Unfall des Reaktorblocks im Kraftwerk in Tschernobyl – ebenso wie die Medien im damaligen sozialistischen Block – nur mit leichter Verzögerung. Ausweichend, vage und ohne Zusammenhänge. Die größte Katastrophe eines Kernkraftwerks in der Geschichte wurde verharmlost. Heute kann man ihnen das kaum vorwerfen, denn die Zeitungen übernahmen nahezu sofort die ersten offiziellen Meldungen der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS. Ende April und Anfang Mai, als die radioaktive Wolke bereits Mittel- und Westeuropa erreicht hatte, präsentierten Fernsehen und Zeitungen der Bevölkerung die Geschichte des Unfalls so, wie sie von der offiziellen, zensierten Propaganda angepasst worden war.

ALLES IST IN ORDNUNG….
Die erste Meldung erschien am Montag, dem 28. April, um 21 Uhr Moskauer Zeit, als das sowjetische Staatsfernsehen sie kurz in seiner Hauptnachrichtensendung „Wremja“ bekannt gab. Zu diesem Schritt wurden die Sowjets von Schweden gezwungen, wo im Kraftwerk Forsmark erhöhte Radioaktivität gemessen und deren Ursprung in der UdSSR lokalisiert wurde. Über die Explosion berichtete sofort zum Beispiel Radio Free Europe.
In der Tschechoslowakei erschien die erste Erwähnung am Dienstag, dem 29. April – drei Tage nach der Explosion. Eine zehnzeilige Meldung der Tschechoslowakischen Nachrichtenagentur wurde von allen Tageszeitungen auf den Innenseiten abgedruckt, als erste von Rudé právo, unten auf Seite sieben. „Wie unsere Öffentlichkeit in den Massenmedien informiert wurde, kam es im Kernkraftwerk Tschernobyl in der UdSSR zu einem Unfall. Auf dem Gebiet der ČSSR werden kontinuierliche Messungen der Luftströmungen durchgeführt, und während der gesamten Messzeit wurde kein Anstieg der Radioaktivität festgestellt“, schrieb die Zeitung.

FRIEDENSRENNEN….
Das tschechoslowakische Regime hatte jedoch nicht den Mut, sich der sowjetischen Interpretation der Ereignisse zu widersetzen, selbst als der Westen bereits alarmiert war. Deshalb zog der Tschechoslowakische Verband für Körperkultur und Sport die Nationalmannschaft der Radfahrer nicht vom Prolog und der ersten Etappe des Friedensrennens zurück, das damals am 6. Mai in Kiew startete. Die Radfahrer traten in einer radioaktiv belasteten Umgebung weniger als zwei Wochen nach dem Unfall an – Tschernobyl war nur 130 Kilometer entfernt.
Nach damaligen tschechoslowakischen Medien „unterlagen“ die Nationalteams aus Belgien, Italien, Großbritannien und den USA „feindlicher Propaganda“, als sie ihre Teilnahme absagten und nach Hause zurückkehrten. Die Mannschaften aus der Schweiz, den Niederlanden, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich holten ihre Flugtickets gar nicht erst ab und flogen überhaupt nicht nach Kiew. Das Friedensrennen startete dennoch – obwohl die Krankenhäuser in Tschernobyl und Umgebung bereits mit Menschen mit schweren Symptomen der Strahlenkrankheit überfüllt waren.

UNSER SIEGER….
Die tschechoslowakischen Berichterstatter schilderten die Situation als idyllisch. Rudé právo schrieb, dass die Menschen in der Umgebung von Tschernobyl ein ungestörtes normales Leben führten und dass an den Mai-Festen in Kiew über hunderttausend Menschen teilnahmen. „All dies sind Beweise dafür, dass der Unfall das Leben der ukrainischen Metropole in keiner Weise bedroht hat und somit auch nicht die Gesundheit der Teilnehmer des Friedensrennens.“
Der Sieger der Auftaktetappe, der damals einundzwanzigjährige Jozef Regec aus Dukla Brno, bezahlte seinen Start später mit schweren gesundheitlichen Problemen, die mit übermäßiger Strahlenbelastung zusammenhingen. Im Jahr 2005 mussten Ärzte ihm eine von Krebs befallene Niere entfernen.

ES IST EINE KAMPAGNE….
Das tschechoslowakische Fernsehen und die Zeitungen ließen es nach dem Unfall an keiner Gelegenheit fehlen, auf eine „hetzerische Kampagne des verrotteten Kapitalismus und Imperialismus“ hinzuweisen, der sich verschworen habe, das sozialistische Lager zu destabilisieren. „In den Vereinigten Staaten und in einer Reihe weiterer Länder verbreiten gewisse Kreise Erfindungen und Märchen, die an die Grenze des Absurden gehen. Es werden Stimmen laut, den USA das Recht auf sofortige Inspektion und Untersuchung vor Ort zu gewähren. Durch künstliches Anfachen der Kampagne soll offenbar die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von der Barbarei und Schändlichkeit der jüngsten amerikanischen Aggression gegen Libyen, von den Atomtests in Nevada, die die Empörung der gesamten Menschheit hervorriefen, sowie vom militaristischen Programm der ‚Star Wars‘ abgelenkt werden“, schrieb die Tschechoslowakische Nachrichtenagentur.

WIR BRECHEN REKORDE!
Die Tschernobyl-Tragödie schaffte es nie auf die Titelseiten. Der Leitartikel der Gewerkschaftszeitung Práce widmete sich einer feierlichen Versammlung der Werktätigen und der Jugend der Hauptstadt der damaligen Tschechoslowakei, deren Teilnehmer auf der halben Titelseite „das revolutionäre Vermächtnis erfüllten“.
Rudé právo berichtete über die 15. Plenarsitzung des Zentralrats der Gewerkschaften, die bestätigte, dass das Programm des 17. Parteitags der Kommunistischen Partei auch das Programm der Mitglieder der Revolutionären Gewerkschaftsbewegung sei. In der Diskussion traten 39 Teilnehmer auf, und alle lobten die vorbildliche Initiative der Bergleute aus dem Magnesitwerk in Lubeník, die sich verpflichtet hatten, eine Rekordmenge an Gestein abzubauen.
/gr/


Neue Tochtergesellschaft soll innerhalb eines Jahres entstehen, plant die Führung von ČEZ
25.04.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autor: Tomáš Ventura
Rubrik: Wirtschaft - Seite: 11

Die Führung des Energiekonzerns ČEZ hat die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft vorgeschlagen, in die aus der bestehenden Struktur der Verkauf und die Verteilung von Energie, der Handel sowie Energiedienstleistungen ausgegliedert werden sollen. Es handelt sich um den ersten Schritt zur geplanten Verstaatlichung des Unternehmens.

„Um unsere Ziele zu erreichen, ist es notwendig, die Struktur der ČEZ-Gruppe anzupassen und zu optimieren“, sagte der Generaldirektor von ČEZ, Daniel Beneš, und fügte hinzu, dass diese Überlegungen bereits durch die vergangene Energiekrise nach Beginn des Krieges in der Ukraine verstärkt worden seien.
„Derzeit stehen wir erneut vor einer globalen Krise, und diese Notwendigkeit besteht nicht nur fort, sondern nimmt sogar zu“, ergänzte er.

Die Tochtergesellschaft wird zunächst zu 100 Prozent im Besitz von ČEZ sein. „In Zukunft will ČEZ hier auf jeden Fall die Mehrheit behalten, das heißt mindestens 51 Prozent. Für die Mitarbeiter ändert sich nichts“, fügte Beneš hinzu.
Die Ausgliederung der neuen Tochtergesellschaft wird seiner Ansicht nach eine Maximierung des Wertes und eine bessere Bewertung der einzelnen Teile der ČEZ-Gruppe ermöglichen. „Dieser Schritt berücksichtigt auch das Vorhaben, das im Regierungsprogramm verankert ist – nämlich die 100-prozentige Kontrolle über den Erzeugungsbereich von ČEZ zu erlangen, ohne den Staatshaushalt zu belasten“, erklärte Beneš.

„Der nächste Meilenstein ist die Gründung der Tochtergesellschaft mit dem Ziel bis zum Ende des ersten Quartals des kommenden Jahres. Was den weiteren Schritt betrifft, also den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung, wird sich angesichts der breiten Palette an Möglichkeiten auch das Timing unterscheiden“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Pavel Cyrani. Er gilt auch als Hauptkandidat für die Position des Leiters der neuen Tochtergesellschaft.
Der Staat hält derzeit etwa 70 Prozent der Aktien von ČEZ, der Rest gehört Minderheitsaktionären. Die Verstaatlichung des Unternehmens ist eines der erklärten Ziele der aktuellen Regierung, und durch den Aufkauf der Anteile der Minderheitsaktionäre würde der Staat zum alleinigen Eigentümer werden. Premierminister Andrej Babiš kündigte kürzlich an, dass das Kabinett den gesamten Prozess der vollständigen Übernahme von ČEZ spätestens bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahr 2029 abschließen will.
Laut dem Analysten von XTB, Jiří Tyleček, handelt es sich um einen grundlegenden Vorschlag in der langjährigen Debatte über die Transformation des heimischen Energieriesen. „Die Realität des Vorschlags ist, dass der Staat die hundertprozentige Kontrolle über die strategische Stromerzeugung in der Muttergesellschaft behält, während saubere und stabile Vermögenswerte in die Tochtergesellschaft verlagert werden“, sagte er. Durch den Verkauf eines Anteils an der Tochtergesellschaft werde das Unternehmen Kapital für die Finanzierung des Baus neuer Kernkraftwerksblöcke erhalten. „Das Unternehmen wird also zunächst die Eigentümerstruktur optimieren und anschließend die Verstaatlichung durch den Rückkauf eigener Aktien durchführen“, fügte Tyleček gegenüber ČTK hinzu.

Der Verkauf eines Teils der neuen Gesellschaft könnte seiner Ansicht nach einen Marktmaßstab für die Bewertung der Vermögenswerte schaffen und damit eine faire Grundlage für ein mögliches zukünftiges Angebot zum Rückkauf der Aktien der Muttergesellschaft ČEZ bilden.
„Die Bewertung der neuen Gesellschaft wird entscheidend sein, da die gewonnenen Mittel für den Aufkauf von Aktien über die 90-Prozent-Schwelle hinaus verwendet werden und die verbleibenden Aktionäre anschließend verdrängt werden“, sagte Tyleček. Die Einberufung der Hauptversammlung und die Veröffentlichung des Vorschlags zeigen seiner Ansicht nach, dass eine politische Einigung über die Art der Verstaatlichung sehr nahe ist.
Foto von ČTK: Führung von ČEZ. Der Staat hält etwa 70 Prozent der Aktien des Unternehmens, der Rest gehört Minderheitsaktionären.
/gr/


Warnung namens Tschernobyl
25.04.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Seite 13 Autor: Tomáš Řepa

Tschernobyl, eine nicht einmal fünfzehntausend Einwohner zählende Kleinstadt im Norden der Ukraine, wurde vor 40 Jahren zu einer Warnung für die ganze Welt, wie Technik nicht nur durch Fehler, sondern auch durch mangelhafte Kommunikation, Leistungsdruck und maximale Servilität versagen kann.
Vor vierzig Jahren, am 26. April 1986 um 1:23 Uhr morgens, erschütterte eine Explosion den Norden der damaligen sowjetischen Ukraine, die sich innerhalb weniger Stunden zu einer der bedeutendsten Katastrophen der modernen Geschichte entwickelte. Im Reaktorblock Nummer 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl geriet ein Experiment außer Kontrolle, das Sicherheitsverfahren überprüfen sollte. Das Ergebnis war kein Fortschritt – sondern ein aufgerissener Reaktor, brennender Graphit und eine radioaktive Wolke, die innerhalb weniger Tage große Teile Europas erreichte.

Tschernobyl war jedoch nicht nur ein „Unfall“. Es war das Ergebnis eines Zusammenspiels technischer Mängel, menschlicher Entscheidungen und systemischen Versagens, die sich über Jahre angesammelt hatten. Gerade diese Kombination macht die Katastrophe von Tschernobyl bis heute zu einer der wichtigsten Fallstudien – nicht nur für die Kernenergie, sondern auch für Krisenmanagement, Politik und das Funktionieren autoritärer Regime.
Der Bau des Kraftwerks begann im Jahre 1970, in Betrieb genommen wurde es im Jahre 1977. Der verhängnisvolle Test im Jahr 1986 hatte dabei ein relativ „banales“ Ziel: zu überprüfen, ob die Turbine nach einem Stromausfall kurzfristig das Kühlsystem des Reaktors versorgen kann, bis die Dieselgeneratoren anlaufen. Das Problem war, dass dieser Test unter Bedingungen stattfand, für die der Reaktor nicht ausgelegt war. Die Bediener senkten die Leistung auf ein gefährlich niedriges Niveau und schalteten zugleich wichtige Sicherheitssysteme ab. Der Reaktor arbeitete dabei in einem instabilen Zustand, der an sich bereits riskant war.
Im entscheidenden Moment versuchten die Operatoren, den Reaktor durch Drücken des AZ-5-Knopfs abzuschalten. Paradoxerweise beschleunigte gerade dieser Schritt die Katastrophe. Eine konstruktive Eigenschaft des Reaktors führte kurzfristig zu einer Leistungssteigerung statt zu deren Absenkung – und innerhalb weniger Sekunden kam es zu einer unkontrollierten Kettenreaktion. Es folgten zwei Explosionen, die den Reaktor zerstörten und seinen Kern freilegten.

Kraftwerk für Schönwetterbedingungen...
Was folgte, war keine nukleare Explosion im eigentlichen Sinne, sondern eine Kombination aus Dampfexplosion und Graphitbrand, der enorme Mengen radioaktiver Stoffe freisetzte. Das kontaminierte Material verbreitete sich anschließend je nach Wetterlage in der Atmosphäre.
Um zu verstehen, warum der Unfall überhaupt geschehen konnte, muss man sich die Konstruktion des Reaktortyps RBMK ansehen, der in der Sowjetunion weit verbreitet war. Ein grundlegendes Problem war der sogenannte positive Dampfblasenkoeffizient – eine Eigenschaft, bei der die Leistung des Reaktors steigt, wenn sich Wasser in Dampf verwandelt, statt zu sinken. Das bedeutete, dass sich der Reaktor unter bestimmten Bedingungen selbst „hochschaukeln“ konnte.
Eine weitere Schwäche lag in der Konstruktion der Steuerstäbe. Diese hatten Graphitspitzen, die beim Einfahren zunächst kurzzeitig die Reaktivität erhöhten. Im Normalbetrieb war das ein Detail – in einer Krise jedoch ein fataler Konstruktionsfehler.
Im Gegensatz zu westlichen Kraftwerken fehlte dem RBMK- Reaktor zudem eine vollwertige Schutzhülle (Containment), die das Austreten von Radioaktivität verhindert hätte. Nachdem der Reaktor zerstört war, stand einer massiven Kontamination der Umgebung nichts mehr im Weg. Mit anderen Worten: Es handelte sich um eine Technologie, die bei korrektem Betrieb funktionierte – bei Abweichungen jedoch gefährlich instabil war.

Es wäre jedoch zu einfach, die Schuld allein der Technik zuzuschieben. Tschernobyl war das Ergebnis eines grundlegenden menschlichen Versagens – und vor allem der Atmosphäre eines totalitären Systems, das auf Lügen beruhte. Die Bediener verletzten Sicherheitsvorschriften, schalteten Schutzsysteme ab und ignorierten Warnsignale. Gleichzeitig arbeiteten sie in einem System, das ihnen entscheidende Informationen über die Gefahren des Reaktors vorenthielt. Einige Konstruktionsmängel wurden sogar geheim gehalten und erst infolge dieser Katastrophe behoben.
Hinzu kam der Druck, den Plan zu erfüllen und den Test abzuschließen. Das sowjetische Industriesystem stellte Leistung und Gehorsam über Sicherheit und kritisches Denken. Das Ergebnis war eine Situation, in der Menschen riskante Entscheidungen trafen, ohne deren Folgen zu verstehen.
Unmittelbar nach der Explosion starben zwei Mitarbeiter des Kraftwerks, Valerij Chodemtschuk und Wladimir Schaschenok. In den folgenden Wochen starben Dutzende weitere Menschen an akuter Strahlenkrankheit. Feuerwehrleute und Arbeiter, bekannt als „Liquidatoren“, kämpften oft ohne ausreichenden Schutz gegen das Feuer und die Radioaktivität. Viele von ihnen bezahlten mit ihrem Leben oder mit dauerhaften gesundheitlichen Folgen.
Die nur wenige Kilometer entfernte Stadt Prypjat wurde erst am 27. April evakuiert – also mehr als 24 Stunden nach der Explosion. Insgesamt wurden etwa 350 000 Menschen umgesiedelt.

Mehrere Hiroshimas und Nagasakis….
Die radioaktive Wolke breitete sich über Europa aus. Zuerst wurde sie in Schweden entdeckt, was die Sowjetunion unter ihrem neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow dazu zwang, den Unfall einzugestehen. Anfangs war es nämlich eine vertuschte Katastrophe gewesen.
Die insgesamt freigesetzte Radioaktivität war um ein Vielfaches höher als bei den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Die langfristigen Folgen von Tschernobyl lassen sich nur schwer beziffern und sind bis heute Gegenstand von Debatten. Sicher ist jedoch, dass die Katastrophe Tausende Fälle von Schilddrüsenkrebs verursachte, insbesondere bei Kindern.
Große Gebiete wurden kontaminiert, und es entstand eine sogenannte Sperrzone mit einem Radius von etwa 30 Kilometern, die bis heute existiert. Das Reaktorgebäude wurde bereits im Jahre 1986 mit einem Stahlbetonsarkophag umhüllt, um weitere Kontamination zu verhindern. Im Jahre 2019 wurde eine neue Schutzhülle fertiggestellt, die die ursprüngliche Konstruktion umschließt.

Für den Unfall von Tschernobyl wurden nach Ermittlungen der sowjetischen Behörden vor allem leitende Mitarbeiter des Kraftwerks verurteilt, nicht jedoch die Konstrukteure des Reaktors oder die politische Führung. Der Prozess fand im Jahre 1987 in der Stadt Tschernobyl statt und hatte stark exemplarischen Charakter.
Zu den Hauptverurteilten gehörte Anatolij Djatlow, der als stellvertretender Chefingenieur den verhängnisvollen Test leitete und dessen Durchführung trotz offensichtlicher Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften durchsetzte. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die gleiche Strafe erhielt Viktor Brjuchanow, verantwortlich für den Gesamtbetrieb des Kraftwerks und die Sicherheitskultur. Ebenfalls zehn Jahre bekam Nikolai Fomin, zuständig für die technische Aufsicht über den Reaktorbetrieb.
Der Gerichtsprozess war damals in hohem Maße politisch motiviert. Die sowjetische Führung brauchte Schuldige – und fand sie vor allem auf der Ebene des Kraftwerks. Keiner der Konstrukteure des RBMK-Reaktors oder der höheren Ministerialstrukturen wurde verurteilt, obwohl spätere Analysen klar zeigten, dass Konstruktionsfehler und systemisches Versagen eine entscheidende Rolle spielten.

Ein Sargnagel für die UdSSR….
Aus ökologischer Sicht ergab sich zugleich ein Paradox: Während der Mensch das Gebiet verließ, konnte sich die Natur allmählich erholen. Tschernobyl wurde zu einem unbeabsichtigten Experiment darüber, wie sich Ökosysteme ohne menschlichen Einfluss entwickeln.
Politisch hatte Tschernobyl erhebliche Auswirkungen auf die Sowjetunion. Die Katastrophe legte die Schwächen des Systems, seine Intransparenz und seine Unfähigkeit, auf Krisen zu reagieren, offen. Sie trug zur Politik der „Glasnost“ bei und indirekt auch zur Schwächung des Regimes, das wenige Jahre später zusammenbrach.
Tschernobyl ist nicht nur ein historisches Ereignis. Es ist eine Warnung, die bis heute aktuell ist. Es zeigt, dass technologische Systeme nicht nur durch Fehler scheitern können, sondern durch eine Kombination negativer Faktoren – schlechte Ideen, unzureichende Kommunikation, Leistungsdruck und extreme Servilität.
Es zeigt auch, dass Transparenz und Offenheit kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für Sicherheit sind. Und vielleicht die wichtigste Lehre: Katastrophen dieser Art entstehen nicht plötzlich. Sie entstehen lange zuvor – in Entscheidungen, die klein, routinemäßig und unbedeutend erscheinen. In Tschernobyl trafen diese Entscheidungen in einer einzigen Nacht zusammen. Und veränderten die Welt.
/gr/

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Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Gabi Reitinger
Beiträge: 601
Registriert: Mi 6. Okt 2021, 11:34

Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse

Beitrag von Gabi Reitinger »

Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien vom 29.4.2026:

Inhalt:

Tag gegen das Endlager: Am Standort Hrádek wurden Quellen geöffnet. Der Bohrer wurde von Waldfeen vertrieben.
In der Region Jihlava wurde gegen ein Atomendlager protestiert.
Tage gegen das Endlager 2026 – Gemeinden geben den Kampf gegen das Atommüllendlager nicht auf.
Fernwärmeleitung aus Dukovany: Was sie den Haushalten in Brünn bringen wird.
CEZ soll bis zum Jahr 2029 verstaatlicht werden.
Die Zusammenarbeit mit Tschechien bei kleinen Kernreaktoren ist Teil der Annäherung Großbritanniens an die EU, sagt ein britischer Minister.
„Die Türen nicht nur für Jungs öffnen.“ Tschechien wird in der Kernenergie Tausende neuer Techniker brauchen.
Bulgarien will zwei neue Kernkraftwerksblöcke in Kozloduy zu einem Festpreis bauen
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Tag gegen das Endlager: Am Standort Hrádek wurden Quellen geöffnet. Der Bohrer wurde von Waldfeen vertrieben
Sonntag, 19. April 2026

An mehreren Orten der Republik fand an diesem Wochenende die jährliche Aktion „Tag gegen das Endlager“ statt. Das Lager für abgebrannte Brennelemente war heute Nachmittag auch am Standort Hrádek, der sich in der Region Jihlava befindet, zentrales Thema. Das Motto des diesjährigen Treffens lautete: Quellen öffnen ohne Bohren.

Es gab zwei Möglichkeiten, sich an der Aktion zu beteiligen. Die Menschen konnten entweder gemeinsam vom Kirchplatz in Dolní Cerekev aus zu Fuß gehen, oder sich direkt am Veranstaltungsort des Happenings im Wald bei der Schwarzen Quelle treffen.

An der Kirche warteten etwa zwanzig Menschen, die Aktivisten trugen bunte Kleidung und Schleifen, wie es auf dem Plakat der Organisatoren stand. In ihren Rucksäcken hatten die Teilnehmer Becher für das Wasser aus der Quelle dabei. Dort kamen weitere dreißig Menschen an, und das trotz schlechten Wetters. „Seit dem Morgen regnet es, das ist schade, aber es hält uns definitiv nicht ab“, lächelte eine Teilnehmerin an der Quelle.

Der Tag gegen das Endlager findet am Standort Hrádek jedes Mal an einem anderen Ort statt. Wie einer der Organisatoren, Petr Kovář vom Kollektiv Roztoč, erklärte, trafen sich die Interessierten in diesem Jahr an einer Quelle – so wie früher im Frühling, wenn traditionell die Quellen „geöffnet“ wurden. Gleichzeitig liegt der Ort in der Nähe einer Stelle, an der einer der Tiefbohrungen stattfinden soll.

Heute war es jedoch nicht so idyllisch, wie es scheinen könnte. Zur Quelle kam zuerst ein riesiger Bohrer, doch wurde er durch Gesang von Waldfeen vertrieben.
„Sie gruben, sie bohrten, ich lag noch da,
sie sangen, sie kreischten, ich lief auch schon.
Grabt nur, bohrt nur, ich kann nicht mehr.
Singt und ruft, ich helfe euch gern,“
klang es von den Feen während der rituellen Vertreibung des Bohrers.

Der größte Auftrag der Geschichte

Anschließend ergriff der Bürgermeister Zdeněk Dvořák (parteilos) das Wort und sprach über die aktuelle Entwicklung rund um das Endlager. „In der vergangenen Woche hatten wir ein Treffen mit Firmen, die sich in den kommenden zwei, drei bis fünf Jahren in unserem Gebiet bewegen sollen. Mit ‚wir‘ meine ich Vertreter aller acht betroffenen Gemeinden am Standort Hrádek“, erläuterte Dvořák. Den Unternehmen wurde laut ihm vom Staat der größte Auftrag der Geschichte erteilt: die Vermessung von vier endgültigen Standorten, an denen künftig ein Endlager für radioaktiven Abfall entstehen soll.

Dvořák veranschaulichte alles anhand einer vorbereiteten Tafel mit mehreren Dokumenten, die sich vor allem auf geplante Bohrungen bezogen. „Am meisten interessieren uns wohl die Tiefbohrungen, die auch die größten Risiken darstellen können. Gegen sie kämpfen wir relativ erfolgreich – Sie haben wahrscheinlich auch von einigen Klagen gehört, denn die Sorgen sind beträchtlich. Eine dieser Bohrungen soll bis zu 1200 Meter tief sein. In solche Tiefen wird normalerweise nicht gebohrt. Deshalb haben sich alle Geologen aus Tschechien und der Slowakei zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das als einziges dem Staat ein Angebot für die Erkundungsarbeiten unterbreitet hat – und dafür das Dreifache der Summe verlangt, die der Staat zahlen wollte“, schilderte Dvořák. Er fügte hinzu, dass das Ergebnis erwartbar gewesen sei: Die Ausschreibung wurde aufgehoben und zumindest in diesem Jahr wird nicht gebohrt.

Der Bürgermeister von Dolní Cerekev erwähnte auch, dass es am Standort nicht nur um das Endlager geht. Kürzlich tauchte die Information auf, dass durch Dolní Cerekev die Autobahn D20 führen könnte. Wie in vielen Gemeinden ist auch hier das Thema Windkraftanlagen aktuell. Dvořák sprach zudem kurz über das geplante Wasserreservoir Batelov und erinnerte an eine kürzlich vorgestellte Visualisierung möglicher Varianten des oberirdischen Areals.

Teil des Happenings war auch eine Gedichtrezitation von Matěj Kolář aus dem Verein KUŠ, die musikalische Begleitung übernahmen lokale Sängerinnen der Gruppe Kolegyně Korále. Bei der anschließenden informellen Diskussion konnten sich die Teilnehmer Würstchen über dem Feuer grillen.

Sorge um Trinkwasser

Die betroffenen Gemeinden an den vier Standorten wehren sich seit Langem gegen den Bau eines Endlagers. Vertreter aus Hrádek argumentieren beispielsweise mit möglichen negativen Auswirkungen auf die lokalen Trinkwasserquellen. Sie weisen darauf hin, dass durch ihr Gebiet eine europäische Wasserscheide verläuft. Das Wasser fließt von dort sowohl in das Wasserreservoir Hubenov, das Jihlava versorgt, als auch in das Einzugsgebiet der Želivka. Ihr Anwalt Luboš Kliment fand zudem im vergangenen Jahr ein Dokument, in dem ein Schutzgebiet im Einzugsgebiet des Flusses Jihlava verzeichnet ist. In trockenen Jahren half Wasser aus diesem Fluss, die Bewohner von Jihlava zu versorgen.

„Es ist offensichtlich, dass der Staat einerseits die Platzierung eines tiefengeologischen Endlagers für radioaktive Abfälle am Standort Hrádek erwägt und andererseits sich in diesem Gebiet wichtige Trinkwasserquellen von nationaler Bedeutung befinden, für die der Staat Schutzgebiete festgelegt hat, um diese Schlüsselressourcen zu sichern“, erklärte bereits früher der Rechtsvertreter des Standorts Hrádek, Luboš Kliment.

Eine mögliche Errichtung eines Endlagers für nuklearen Abfall am Standort Hrádek würde etwa fünftausend Einwohner in acht betroffenen Gemeinden betreffen.
Der Tag gegen das Endlager fand in diesem Jahr zum zehnten Mal statt. Organisiert wird er von Gemeinden und Vereinen, die den Bau eines tiefengeologischen Endlagers für radioaktiven Abfall ablehnen.

Der Bau eines solchen Endlagers, in dem tausende Tonnen abgebrannter Brennelemente dauerhaft gelagert werden sollen, wird von der Verwaltung für radioaktive Abfälle vorbereitet. Ein geeigneter Standort wird seit den 1990er Jahren gesucht. Derzeit ist die Auswahl auf vier Standorte eingegrenzt: Janoch in Südböhmen, Březový potok in der Region Plzeň, Horka bei Třebíč und Hrádek bei Jihlava.

Quelle: https://jihlavska.drbna.cz/z-kraje/jihl ... -vily.html
/gr/


In der Region Jihlava wurde gegen ein Atomendlager protestiert
20.04.2026   Quelle: Nasregion.cz
Autorin: Simona Knotková

Am Sonntag nahmen etwa 50 Menschen am Tag gegen das Endlager in Dolní Cerekev bei Jihlava teil. Sie trafen sich zur Öffnung der Schwarzen Quelle im Wald unterhalb des Felsens Přední skála. Der Standort gehört zu den vier Orten, die von der Verwaltung für radioaktive Abfälle SURAO für ein mögliches tiefengeologisches Endlager geprüft werden. Die Einwohner lehnen das Vorhaben seit Langem ab. Der diesjährige Untertitel lautete „Quellen öffnen ohne Bohren“, da sich in unmittelbarer Nähe der Veranstaltung ein Tiefbohrpunkt befinden soll, sagte Bürgermeister Zdeněk Dvořák (parteilos).

Vor zwei Wochen stellten sich in den Gemeinden Geologen und Geotechniker vor, die in den kommenden Jahren Messungen durchführen werden, und erklärten, was im Gebiet passieren soll, so Dvořák. Den Auswahlprozess für das Endlager hält er für fehlerhaft, ebenso die Nichteinhaltung des geplanten Zeitplans. Zudem sieht er keine ausreichenden staatlichen Garantien.

„Im vergangenen Jahr wurde eine Studie vorgestellt, die den Standort des oberirdischen Areals bei uns bestimmen sollte. Uns wurde gesagt, dass wir dazu keine Stellung mehr nehmen können. Es wurde stark gedrängt, damit alles ausgewertet wird und noch vor Weihnachten eine Entscheidung fällt. Nach den aktuellen Informationen aus der vergangenen Woche wird diese Entscheidung frühestens im September fallen“, sagte Dvořák.

Der Tag gegen das Endlager fand am Sonntag auch in Budišov bei Třebíč statt. Bereits am Samstag blockierten etwa 100 Menschen aus Protest gegen das geplante Endlager im Gebiet Březový potok bei Klatovy eine Hauptstraße zwischen Plzeň und Horažďovice. Im Dorf Velký Bor gingen sie eine Stunde lang mit Transparenten und Fahnen über die Straße und diskutierten anschließend im Kulturhaus.

Die Verwaltung für radioaktive Abfälle SURAO arbeitet mit vier Standorten, an denen ein Endlager entstehen könnte: Horka und Hrádek in der Region Vysočina, Janoch nahe Temelín in Südböhmen und Březový potok bei Klatovy. Ab dem Jahr 2050 sollen dort dauerhaft tausende Tonnen abgebrannter Brennelemente aus Kernkraftwerken gelagert werden. Alle vier Standorte reichten im vergangenen Jahr Klagen gegen das Umweltministerium ein, da sie mit der Genehmigung geologischer Untersuchungen nicht einverstanden sind. Einige Klagen wurden bereits abgewiesen.

Der Staat soll bis zum Jahr 2030 den geeignetsten Standort auswählen. Das tiefengeologische Endlager soll laut Plänen die endgültige Lösung für den Umgang mit radioaktiven Abfällen darstellen. In etwa 500 Metern Tiefe sollen vor allem tausende Tonnen abgebrannter Brennelemente dauerhaft gelagert werden.

Quelle: ČTK
/gr/


Tage gegen das Endlager 2026 – Gemeinden geben den Kampf gegen das Atommüllendlager nicht auf
20.04.2026 Zdravy domov Vysocina

Trotz sehr ungünstigen regnerischen Wetters versammelten sich am Sonntagnachmittag im Garten der Kindertagesstätte in Budišov rund 150 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter der kommunalen Selbstverwaltungen zur landesweiten Aktion „Tage gegen das Endlager“. Das Protest- und Informations­treffen, das traditionell vom Verein Zdravý domov Vysočina mitorganisiert wurde, zeigte deutlich, dass die betroffenen Gemeinden des Standorts Horka nicht bereit sind, im Kampf gegen den Bau eines tiefengeologischen Endlagers für radioaktive Abfälle aufzugeben. Die Gemeinden bereiten weitere rechtliche Schritte vor und wollen ihre Verpflichtungen gegenüber den Bürgern nicht aufgeben.

Hauptthema des Treffens waren die aktuellen Maßnahmen des Staates und der Verwaltung für radioaktive Abfälle (SÚRAO), die nach Ansicht der Vertreter des Standorts weiterhin die Rechte der Öffentlichkeit und der Gemeinden ignorieren. Der Bürgermeister der Gemeinde Rudíkov, Zdeněk Souček, informierte die Anwesenden über die kürzlich erfolgte gerichtliche Abweisung der Klage gegen die Festlegung von Untersuchungsgebieten durch das Umweltministerium:
„Das Gericht hat unsere Klage am 30. März abgewiesen. Wir werden eine Kassationsbeschwerde einreichen. Wir wollen alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, damit uns später niemand vorwerfen kann, wir hätten sie nicht genutzt.“

Zdeněk Souček fügte hinzu, dass den Gemeinden paradoxerweise die derzeitige organisatorische Unfähigkeit des staatlichen Unternehmens in die Hände spiele.
„SÚRAO bewältigt die Erkundungen organisatorisch nicht. Die Ausschreibung für Tiefbohrungen wurde aufgehoben, weil das Firmenkonsortium ein dreimal höheres Angebot abgegeben hat als erwartet. Das verschafft uns zeitlichen Spielraum für weitere Schritte.“

Einer dieser Schritte ist auch eine Beschwerde beim Aarhus-Ausschuss und bei der Europäischen Kommission, die von Oldřich Svoboda vom Verein Zdravý domov Vysočina vorgestellt wurde. Er wies insbesondere auf die offensichtliche Missachtung der Rechte der Bürger hin, sich am Entscheidungsprozess zu beteiligen:
„Der Kern der Sache ist, dass die Öffentlichkeit aus Sicht der Wirksamkeit keinerlei Rechte hat, keine Möglichkeiten einer effektiven Beteiligung, um sich zu dem Problem zu äußern. Die Tschechische Republik ist jedoch Unterzeichnerin der Aarhus-Konvention.“

Oldřich Svoboda warnte gleichzeitig vor dem aktualisierten Konzept der Abfallwirtschaft, bei dem der Staat die Gesamtkosten bereits auf astronomische 560 Milliarden CZK schätzt (für den Zeitraum 2025 bis 2200, also für 175 Jahre für bestehende und geplante Kernkraftanlagen). Den größten Posten stellen die Kosten für Bau und Betrieb eines Endlagers dar – ca. 275,5 Mrd. CZK (49,3 %), gefolgt von den Kosten für die Stilllegung von Kernkraftwerken – ca. 171,4 Mrd. CZK (30,7 %), den Kosten für die Lagerung abgebrannter Brennelemente – ca. 79,6 Mrd. CZK (14,2 %) sowie den Kosten für die Verarbeitung und Endlagerung sonstiger radioaktiver Abfälle – ca. 32,8 Mrd. CZK (5,9 %). Dies sei laut den Gemeinden ein alarmierender Anstieg.

Das Treffen wurde vom Bürgermeister von Budišov, Petr Piňos, abgeschlossen, der die Ausdauer der lokalen Bevölkerung und die Einheit der meisten Gemeinden im Standort Horka würdigte:
„Wir müssen weiterkämpfen. Sechs Gemeinden sind solidarisch geblieben, und wir verwenden die staatlichen Zuschüsse für Anwälte. Was wir von SÚRAO erhalten, setzen wir wieder gegen sie ein“, sagte Piňos. Gleichzeitig dankte er dem Verein Zdravý domov Vysočina für 25 Jahre kontinuierlicher Arbeit.

Die Vertreter der Gemeinden waren sich am Ende des Treffens einig, dass der Prozess der Auswahl des endgültigen Standorts letztlich eine rein politische Entscheidung sein werde, da die geologischen Bedingungen der verbleibenden Standorte nach den Untersuchungen wahrscheinlich sehr ähnlich ausfallen werden. Die Bürgermeister sind daher bereit, die Interessen der Bewohner des Standorts Horka mit allen verfügbaren Mitteln zu verteidigen – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
Quelle:
 https://www.zdravydomovvysocina.cz/l/dn ... oti-hurao/
/gr/


Fernwärmeleitung aus Dukovany: Was sie den Haushalten in Brünn bringen wird
29.04.2026 Monatszeitung Starolískovecký zpravodaj Seite: 12

In einer Zeit, in der die Energiepreise je nach Entwicklung auf den Weltmärkten stark schwanken, bereiten die Stadtwerke Brünn ein Projekt vor, das eine grundlegende Veränderung bringen kann. Die Fernwärmeleitung aus dem Kernkraftwerk Dukovany soll Wärme liefern, deren Preis nicht von den Schwankungen der Gaspreise abhängt. Für die Haushalte bedeutet dies eine höhere Planbarkeit sowie stabile und langfristig günstige Preise. Die Stadtwerke Brünn planen den Bau einer etwa 42 Kilometer langen Leitung, die die bei der Stromerzeugung in Dukovany entstehende Wärme in die Stadt bringt. In Brünn werden daran neue und modernisierte Verteilnetze anschließen, die die neue Quelle mit dem bestehenden Fernwärmenetz verbinden. Nach der Fertigstellung könnte die Leitung bis zu die Hälfte des jährlichen Wärmeverbrauchs der Stadt decken.
An die neue Quelle werden Haushalte angeschlossen, die Fernwärme nutzen – also etwa 250 000 Einwohner –, aber auch Schulen, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen. Ein wesentlicher Vorteil wird die deutliche Verringerung der Abhängigkeit von Erdgas sein – sein Anteil an der Wärmeerzeugung könnte von derzeit rund 80 % auf etwa 10 % sinken. Brünn erhält damit eine starke und stabile Wärmequelle für die kommenden Jahrzehnte.

Das Projekt wird auch einen bedeutenden ökologischen Effekt haben. Durch die Nutzung der Wärme aus dem Kernkraftwerk könnten jährlich bis zu 135 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, was den Emissionen von etwa 50 000 Autos entspricht.
Wenn alles nach Plan verläuft, könnte der Bau im nächsten Jahr beginnen, die Fertigstellung wird für das Jahr 2032 erwartet. Die Fernwärmeleitung knüpft damit an die Tradition der Brünner Fernwärmeversorgung an und trägt dazu bei, zuverlässige und langfristig nachhaltige Wärmeversorgung auch für kommende Generationen sicherzustellen.
Weitere Informationen zum Projekt und seiner Vorbereitung finden Interessierte auf der Website
www.horkovod.cz
/gr/

CEZ soll bis zum Jahr 2029 verstaatlicht werden
29.04.2026 Wochenzeitung Týden, Rubrik: Wirtschaft - Seite: 24

Die ersten Schritte zur Verstaatlichung des Energieunternehmens ČEZ wird der Staat auf der diesjährigen Hauptversammlung der Firma im Juni unternehmen. Premierminister Andrej Babiš (ANO) will die Verstaatlichung bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 abschließen. Weitere konkrete Schritte spezifizierte er nicht.

Der Staat hält über das Finanzministerium rund 70 Prozent der Aktien von ČEZ, der Rest gehört Minderheitsaktionären. Durch den Aufkauf der Anteile der Minderheitsaktionäre würde der Staat zum alleinigen Eigentümer werden. Zur geplanten Verstaatlichung sagte Babiš, dass diese nicht schnell verlaufen werde, die ersten Schritte jedoch auf der Hauptversammlung im Juni erfolgen sollen. „Der Plan zur Verstaatlichung gilt. Es ist wichtig, damit wir den Bürgern und der gesamten Wirtschaft helfen können. Energie ist dafür entscheidend“, betonte der Premier. Seiner Meinung nach hätte das Unternehmen niemals privatisiert werden dürfen, und seine Verstaatlichung sei notwendig für eine bessere Kontrolle der Energiepreisentwicklung sowie für die weitere Entwicklung des Energiesektors.
Die Regierung hatte bereits in den vergangenen Monaten angekündigt, dass der Verstaatlichungsprozess noch in diesem Jahr beginnen und etwa zweieinhalb Jahre dauern soll. Der Gesamtpreis werde sich laut einer Erklärung des Industrie- und Handelsministers Karel Havlíček (ANO) vom Januar nach dem damaligen Aktienkurs richten. In der Vergangenheit räumte er jedoch ein, dass die Verstaatlichung etwa 250 Milliarden Kronen kosten könnte. Die Opposition kritisiert den Plan zur Verstaatlichung von ČEZ seit Langem. „Ein solcher Schritt ist keine Angelegenheit einer einzigen Regierung und einer einzigen Legislaturperiode. Die Verstaatlichung von ČEZ wird die Kontrolle des Staates über die Energiepreisentwicklung nicht verbessern“, erklärte der Schattenminister für Industrie und Handel Pavel Drobil (ODS). Nach Ansicht der Opposition wird der Aufkauf der Aktien erhebliche Auswirkungen auf die Verschuldung des Unternehmens sowie auf den Staatshaushalt haben, da ČEZ dann keine Dividenden aus dem Gewinn ausschütten würde. „Das ergibt wirtschaftlich keinen Sinn“, sagte der ehemalige Industrie- und Handelsminister Lukáš Vlček (STAN).
Analysten zeigen sich jedoch gegenüber den Argumenten für und gegen die Verstaatlichung versöhnlicher. „Meiner Meinung nach sind alle Argumente gültig, und erst die zukünftige Entwicklung wird zeigen, ob die Verstaatlichung eine gute Entscheidung war“, sagte der XTB-Analyst Jiří Tyleček. Seiner Ansicht nach wird dieser Schritt der Regierung immer als kontrovers bewertet werden.

Schrittweiser Prozess
Auf der Hauptversammlung des Unternehmens im Juni wird eine Präzisierung des gesamten Verfahrens erwartet. Es könnten zwei Varianten in Betracht kommen. „Entweder beginnt ČEZ damit, eigene Aktien von Minderheitsaktionären zurückzukaufen und anschließend einzuziehen, um den Staatsanteil auf 90 Prozent zu erhöhen, oder die Regierung wird von Anfang an auf eine Aufspaltung des Unternehmens gemäß dem Umwandlungsgesetz drängen“, sagte der Analyst von Capitalinked.com, Radim Dohnal.
„Ein Squeeze-out kann nicht erfolgen, solange der Hauptaktionär keinen Anteil von 90 Prozent hält“, wies Tyleček hin. Der Prozess der Verstaatlichung des Energieunternehmens ČEZ werde daher auch seiner Ansicht nach schrittweise verlaufen. „Man muss damit rechnen, dass der Prozess allmählich verläuft“, fügte er hinzu. Auf der Hauptversammlung könnte die Öffentlichkeit laut Tyleček erfahren, dass das Unternehmen in zwei Teile aufgespalten wird – einen vollständig staatlichen Produktionsbereich und einen privaten Vertriebs- und Handelsbereich. „Es ist jedoch weiterhin nicht ausgeschlossen, dass der Staat die gesamte Firma ČEZ übernehmen will“, sagte Tyleček. Darüber hinaus könnten laut ihm Änderungen der Satzung auf der Tagesordnung stehen, um den Prozess zu vereinfachen. Der Staat sollte außerdem einen konkreten Finanzierungsplan vorlegen.

Auswirkungen auf die Aktien
Der Manager des Unternehmens Cyrrus, Tomáš Pfeiler, erwartet von der Hauptversammlung eine genauere Festlegung des Zeitplans für den Aktienrückkauf. „Die Informationen könnten jedoch allgemein bleiben – es könnte eine Preisspanne, die Dauer des Rückkaufs und Ähnliches genannt werden. Ein genauer Rückkaufpreis wird aber vermutlich nicht genannt“, so Pfeiler. Die Überlegungen zur Verstaatlichung spiegeln sich nämlich bereits in der Bewertung der ČEZ-Aktien am Markt wider; Babiš’ Erklärung ließ die Aktien des Unternehmens erneut steigen. „Es gibt die Aussicht auf einen konkreteren Zeitplan. Dennoch würde ich keinen wesentlichen Anstieg erwarten, da die weitere Entwicklung unklar bleibt und der eigentliche Rückkauf mehrere Jahre dauern kann“, fügte Pfeiler hinzu.
/gr/


Die Zusammenarbeit mit Tschechien bei kleinen Kernreaktoren ist Teil der Annäherung Großbritanniens an die EU, sagt ein britischer Minister
29.04.2026 0:00 Hospodářské noviny Autor: Martin Ehl, Seite 7

Interview
Im blühenden Garten der britischen Botschaft in Prag schwärmte der britische Minister für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie, Peter Kyle, am Freitag im Gespräch mit HN davon, welche großartige Zukunft die britisch-tschechische Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Produktion kleiner Kernreaktoren erwartet. Nur wenige Stunden zuvor hatten ČEZ und Rolls-Royce nämlich eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach in Temelín mit den Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines solchen Reaktors begonnen werden soll.
„Es handelt sich um eine Schlüsseltechnologie, die Teil unserer nationalen Infrastruktur im Vereinigten Königreich wie auch in der Tschechischen Republik sein wird, und wir werden über Lieferketten miteinander verbunden sein“, sagte Kyle. „Es ist eine Partnerschaft, die technisch, wirtschaftlich und diplomatisch über Jahrzehnte Bestand haben wird.“

Modulare Reaktoren werden ihm zufolge bereits Mitte der 2030er Jahre verfügbar sein und künftig einen der entscheidenden Faktoren der europäischen Energiesicherheit darstellen sowie die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. „Wir treten in ein neues nukleares Zeitalter ein – mit großen Kraftwerken, die von einer Flotte kleiner Reaktoren ergänzt werden, die näher an den Orten des Energiebedarfs stehen“, erklärte der Minister, der kürzlich den Bau des großen Kraftwerks Hinkley Point C „inspiziert“ hat und dessen Regierung grünes Licht für den Bau eines weiteren Kernkraftwerks in Sizewell gegeben hat.
Die britisch-tschechische Zusammenarbeit bei kleinen modularen Reaktoren wird es ihm zufolge ermöglichen, die Rolle Europas bei kritischen Technologien zu stärken. Tschechien soll dabei eine wichtige Rolle in den Lieferketten spielen und so zu größerer energetischer und wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit Europas beitragen. Details der Zusammenarbeit überlässt der Politiker jedoch den Unternehmen und betont, dass sie Teil einer Strategie sei, Großbritannien enger an die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union anzubinden.

Die Regierung von Premierminister Keir Starmer bemüht sich nämlich, neue Beziehungen zu Brüssel aufzubauen. „Großbritannien muss seine Beziehungen zur EU als vorrangige Partnerschaft entwickeln“, betonte Kyle und fügte hinzu, dass London und Prag sich auch in dieser Hinsicht nahe stehen – etwa aufgrund ihrer Ablehnung von Regulierungen im Geschäfts- und Handelsbereich. „Der Beitritt zu Programmen wie Horizont oder Erasmus ist erst der Anfang. Es ist der erste Schritt, um Chancen wieder zu eröffnen, die wir durch den Brexit verloren haben“, unterstrich Kyle.
Großbritannien begrüßt ihm zufolge tschechische Investitionen in Schlüsselunternehmen wie Royal Mail oder die National Lottery, die derzeit umfassend modernisiert werden. „Die Tatsache, dass wir Investitionen der Tschechischen Republik in kritische Systeme unseres Landes begrüßen – in Unternehmen, die so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind wie Royal Mail. Britischer als Royal Mail geht es kaum“, betonte der Minister. „Das zeigt, dass wir unsere Beziehung zur Tschechischen Republik wirklich instinktiv auf eine Weise annehmen, die natürlich erscheint – und die, wie ich hoffe, bei Ihren Lesern ein Gefühl des Stolzes hervorruft.“

Auch wenn der Eigentümer von Royal Mail, Daniel Křetínský, derzeit in Großbritannien wegen der von ihm vorangetriebenen Veränderungen auf Kritik stößt? Laut Kyle war es gerade das von Křetínský vorgeschlagene Modernisierungsprogramm, das den Ausschlag für seine Auswahl gegeben habe. Gleichzeitig sei allen bewusst, dass „Veränderungen in jeder Organisation und in jeder Branche schwierig sind“.
Noch stärker beschäftigt derzeit jedoch nicht nur die britische Regierung die aktuelle Energiekrise infolge der Schließung der Straße von Hormus. Dies löst beispielsweise Debatten über eine stärkere Nutzung von Öl- und Gasressourcen in der Nordsee aus. „Öl und Gas werden noch jahrzehntelang Teil unseres Energiemixes sein“, bestätigte der Minister. „Unsere oberste Priorität ist der Übergang zu erneuerbaren Energien, zur Kernenergie und zu heimischen Quellen, damit wir gegenüber globalen Schocks widerstandsfähig sind.“

Die aktuelle Situation in den Lieferketten beurteilt die Regierung laut Kyle realistisch. „Handelsorganisationen aus der Luftfahrt- und Automobilbranche sagen uns, dass für die nähere Zukunft ausreichend Vorräte im System vorhanden sind“, betonte er. Auf die Frage, wie diese „nähere Zukunft“ angesichts von Prognosen zu verstehen sei, wonach Europa in sechs Wochen das Flugbenzin ausgehen könnte, antwortete er: „Derzeit fordern wir die britischen Bürger nicht auf, ihr Verhalten zu ändern, da die Unternehmen sagen, dass dies nicht notwendig ist.“
Die Beziehungen Großbritanniens zu den USA sind derzeit auch wegen der britischen „Nichtunterstützung“ des amerikanischen Angriffs auf den Iran angespannt. Noch in dieser Woche soll König Karl III. diese bei einem lange geplanten Besuch in Washington glätten. Einen Tag vor Kyles Reise nach Prag drohte Trump Großbritannien mit hohen Zöllen, falls es seine zweiprozentige Digitalsteuer nicht abschafft, die auf amerikanische Unternehmen wie Apple, Google und Meta abzielt. „Präsident Trump ist ein bemerkenswerter Verhandler im Immobilienbereich. Und er nutzt Taktiken aus diesem Bereich auch in der Diplomatie – was früher nie der Fall war und sehr effektiv ist“, sagte Peter Kyle.

Anschließend lobte er seinen Chef, Premierminister Keir Starmer, dafür, dass er im vergangenen Jahr als Erster ein Zollabkommen mit Trump geschlossen habe. Für die Verhandlungen mit Trump, der gerne markante Aussagen in sozialen Netzwerken verwendet, wählte er einen interessanten Vergleich: „Ich versuche den Menschen zu zeigen, dass Verhandlungen mit ihm wie ein unterirdischer Fluss sind. Oben kann es ziemlich stürmisch sein, aber unter der Erde fließt eine große Menge Wasser sehr ruhig – und so ist es meiner Meinung nach auch zwischen uns und Amerika“, schloss Peter Kyle.
Die Vereinbarung zwischen ČEZ und Rolls-Royce über die Entwicklung und Produktion kleiner Kernreaktoren ist eine Partnerschaft, die technisch, wirtschaftlich und diplomatisch über Jahrzehnte Bestand haben wird.
martin.ehl@hn.cz
/gr/



Die Zusammenarbeit mit Tschechien bei kleinen Kernreaktoren ist Teil der Annäherung Großbritanniens an die EU, sagt ein britischer Minister
29.04.2026 0:00 Hospodářské noviny Autor: Martin Ehl, Seite 7
Interview
Im blühenden Garten der britischen Botschaft in Prag schwärmte der britische Minister für Wirtschaft, Energie und Industriestrategie, Peter Kyle, am Freitag im Gespräch mit HN davon, welche großartige Zukunft die britisch-tschechische Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Produktion kleiner Kernreaktoren erwartet. Nur wenige Stunden zuvor hatten ČEZ und Rolls-Royce nämlich eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach in Temelín mit den Vorbereitungsarbeiten für den Bau eines solchen Reaktors begonnen werden soll.
„Es handelt sich um eine Schlüsseltechnologie, die Teil unserer nationalen Infrastruktur im Vereinigten Königreich wie auch in der Tschechischen Republik sein wird, und wir werden über Lieferketten miteinander verbunden sein“, sagte Kyle. „Es ist eine Partnerschaft, die technisch, wirtschaftlich und diplomatisch über Jahrzehnte Bestand haben wird.“

Modulare Reaktoren werden ihm zufolge bereits Mitte der 2030er Jahre verfügbar sein und künftig einen der entscheidenden Faktoren der europäischen Energiesicherheit darstellen sowie die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. „Wir treten in ein neues nukleares Zeitalter ein – mit großen Kraftwerken, die von einer Flotte kleiner Reaktoren ergänzt werden, die näher an den Orten des Energiebedarfs stehen“, erklärte der Minister, der kürzlich den Bau des großen Kraftwerks Hinkley Point C „inspiziert“ hat und dessen Regierung grünes Licht für den Bau eines weiteren Kernkraftwerks in Sizewell gegeben hat.
Die britisch-tschechische Zusammenarbeit bei kleinen modularen Reaktoren wird es ihm zufolge ermöglichen, die Rolle Europas bei kritischen Technologien zu stärken. Tschechien soll dabei eine wichtige Rolle in den Lieferketten spielen und so zu größerer energetischer und wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit Europas beitragen. Details der Zusammenarbeit überlässt der Politiker jedoch den Unternehmen und betont, dass sie Teil einer Strategie sei, Großbritannien enger an die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union anzubinden.

Die Regierung von Premierminister Keir Starmer bemüht sich nämlich, neue Beziehungen zu Brüssel aufzubauen. „Großbritannien muss seine Beziehungen zur EU als vorrangige Partnerschaft entwickeln“, betonte Kyle und fügte hinzu, dass London und Prag sich auch in dieser Hinsicht nahe stehen – etwa aufgrund ihrer Ablehnung von Regulierungen im Geschäfts- und Handelsbereich. „Der Beitritt zu Programmen wie Horizont oder Erasmus ist erst der Anfang. Es ist der erste Schritt, um Chancen wieder zu eröffnen, die wir durch den Brexit verloren haben“, unterstrich Kyle.
Großbritannien begrüßt ihm zufolge tschechische Investitionen in Schlüsselunternehmen wie Royal Mail oder die National Lottery, die derzeit umfassend modernisiert werden. „Die Tatsache, dass wir Investitionen der Tschechischen Republik in kritische Systeme unseres Landes begrüßen – in Unternehmen, die so tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind wie Royal Mail. Britischer als Royal Mail geht es kaum“, betonte der Minister. „Das zeigt, dass wir unsere Beziehung zur Tschechischen Republik wirklich instinktiv auf eine Weise annehmen, die natürlich erscheint – und die, wie ich hoffe, bei Ihren Lesern ein Gefühl des Stolzes hervorruft.“

Auch wenn der Eigentümer von Royal Mail, Daniel Křetínský, derzeit in Großbritannien wegen der von ihm vorangetriebenen Veränderungen auf Kritik stößt? Laut Kyle war es gerade das von Křetínský vorgeschlagene Modernisierungsprogramm, das den Ausschlag für seine Auswahl gegeben habe. Gleichzeitig sei allen bewusst, dass „Veränderungen in jeder Organisation und in jeder Branche schwierig sind“.
Noch stärker beschäftigt derzeit jedoch nicht nur die britische Regierung die aktuelle Energiekrise infolge der Schließung der Straße von Hormus. Dies löst beispielsweise Debatten über eine stärkere Nutzung von Öl- und Gasressourcen in der Nordsee aus. „Öl und Gas werden noch jahrzehntelang Teil unseres Energiemixes sein“, bestätigte der Minister. „Unsere oberste Priorität ist der Übergang zu erneuerbaren Energien, zur Kernenergie und zu heimischen Quellen, damit wir gegenüber globalen Schocks widerstandsfähig sind.“

Die aktuelle Situation in den Lieferketten beurteilt die Regierung laut Kyle realistisch. „Handelsorganisationen aus der Luftfahrt- und Automobilbranche sagen uns, dass für die nähere Zukunft ausreichend Vorräte im System vorhanden sind“, betonte er. Auf die Frage, wie diese „nähere Zukunft“ angesichts von Prognosen zu verstehen sei, wonach Europa in sechs Wochen das Flugbenzin ausgehen könnte, antwortete er: „Derzeit fordern wir die britischen Bürger nicht auf, ihr Verhalten zu ändern, da die Unternehmen sagen, dass dies nicht notwendig ist.“
Die Beziehungen Großbritanniens zu den USA sind derzeit auch wegen der britischen „Nichtunterstützung“ des amerikanischen Angriffs auf den Iran angespannt. Noch in dieser Woche soll König Karl III. diese bei einem lange geplanten Besuch in Washington glätten. Einen Tag vor Kyles Reise nach Prag drohte Trump Großbritannien mit hohen Zöllen, falls es seine zweiprozentige Digitalsteuer nicht abschafft, die auf amerikanische Unternehmen wie Apple, Google und Meta abzielt. „Präsident Trump ist ein bemerkenswerter Verhandler im Immobilienbereich. Und er nutzt Taktiken aus diesem Bereich auch in der Diplomatie – was früher nie der Fall war und sehr effektiv ist“, sagte Peter Kyle.

Anschließend lobte er seinen Chef, Premierminister Keir Starmer, dafür, dass er im vergangenen Jahr als Erster ein Zollabkommen mit Trump geschlossen habe. Für die Verhandlungen mit Trump, der gerne markante Aussagen in sozialen Netzwerken verwendet, wählte er einen interessanten Vergleich: „Ich versuche den Menschen zu zeigen, dass Verhandlungen mit ihm wie ein unterirdischer Fluss sind. Oben kann es ziemlich stürmisch sein, aber unter der Erde fließt eine große Menge Wasser sehr ruhig – und so ist es meiner Meinung nach auch zwischen uns und Amerika“, schloss Peter Kyle.
Die Vereinbarung zwischen ČEZ und Rolls-Royce über die Entwicklung und Produktion kleiner Kernreaktoren ist eine Partnerschaft, die technisch, wirtschaftlich und diplomatisch über Jahrzehnte Bestand haben wird.
martin.ehl@hn.cz
/gr/



„Die Türen nicht nur für Jungs öffnen.“ Tschechien wird in der Kernenergie Tausende neuer Techniker brauchen
29.04.2026
irozhlas.cz
Autor: Tomáš Jeník

Tschechien wird in den kommenden zehn Jahren Tausende neue Absolventen technischer Fachrichtungen benötigen. Grund dafür ist sowohl der Generationswechsel bei den bestehenden Beschäftigten in Temelín und Dukovany als auch die neuen Reaktoren, deren Bau das Land beschlossen hat. Solche Anlagen werden auch etwa von Frankreich, Großbritannien und Ungarn errichtet, und auch Polen setzt auf Kernenergie.
Die Kernenergie beschäftigt in Tschechien bereits jetzt Tausende Menschen. Direkt in den beiden Kernkraftwerken in Dukovany und Temelín arbeiten fast 2000 Personen. In beiden Fällen musste es zu einem Generationswechsel kommen. Im vergangenen Jahr stellte ČEZ in beiden Kraftwerken knapp 250 neue Mitarbeiter ein.
Der Direktor der Abteilung Kernenergie des ČEZ-Konzerns, Bohdan Zronek, betonte jedoch, dass für die Zukunft die Förderung der technischen Bildung sowie ein gewisser Mentalitätswandel entscheidend seien.
„Man muss die Türen nicht nur für Jungs, sondern auch für Mädchen öffnen, damit sie in technische Berufe einsteigen. Sobald wir diese Barriere durchbrochen haben, stellen wir fest, dass sie oft sogar besser sind und gemischte Teams besser funktionieren“, erklärte er gegenüber Radiožurnál.
Laut Zronek ist es dabei nicht notwendig, dass alle eine eng spezialisierte Ausbildung haben. Eine allgemeine technische Ausbildung bilde die Grundlage, die erforderliche Spezialisierung könne man später direkt im Unternehmen erwerben.

Höhere Anforderungen
Der Leiter der Staatlichen Aufsichtsbehörde für nukleare Sicherheit SUJB, Štěpán Kochánek, wies jedoch darauf hin, dass die Arbeit in der Kernenergie erhöhte Anforderungen an die Menschen stellt.
Ein Operator eines Kernkraftwerks benötigt beispielsweise bis zu acht Jahre Erfahrung in niedrigeren Positionen. Noch anspruchsvoller sind laut Kochánek zusätzliche Anforderungen.
„Wir verlangen bestimmte persönliche und psychologische Eigenschaften. Etwa Stressresistenz, die Fähigkeit, eigenständig Entscheidungen zu treffen, Widerstandsfähigkeit gegenüber monotoner Tätigkeit oder Einflüssen sowie emotionale Stabilität und so weiter“, zählt er auf.
Nach seinen Worten stellen einige dieser Anforderungen für junge Menschen eine Hürde dar, da sie mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erwarten. Auch seine Behörde möchte daher einige Kriterien lockern.
Die Kernenergie steht zudem vor dem Problem, dass Absolventen technischer Studiengänge heute eine große Auswahl an Karrieremöglichkeiten haben. František Steiner, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik an der Westböhmischen Universität in Pilsen, weist darauf hin, dass die Nachfrage nach Absolventen außerordentlich hoch ist.
„Früher suchten Arbeitgeber geeignete Absolventen während der Abschlussprüfungen. Heute ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen so weit fortgeschritten, dass sie verschiedene Stipendienprogramme anbieten, die bereits in Diplomarbeiten integriert sind“, erklärt er.

Das Thema schon in der Grundschule
Nach Steiner ist es zu spät, Schüler erst an Fachmittel-Schulen für ein technisches Studium zu gewinnen.
Damit müsse man bereits in den Grundschulen beginnen. Die Personalchefin des Instituts für Kernforschung in Řež, Zuzana Trtíková, ist sogar der Ansicht, dass es entscheidend sei, die Eltern von den Perspektiven der Kernenergie zu überzeugen. Dabei habe sie derzeit ein starkes Argument:
„Einen neuen Kernkraftwerksblock bauen wir nicht jeden Tag – und wir bauen ihn hier bei uns. Und die Menschen können wir natürlich auch für weitere Projekte einsetzen, etwa für kleine modulare Reaktoren und Ähnliches“, erklärt sie.
Insgesamt beziffert das Industrieministerium den Bedarf an neuen Absolventen technischer Studiengänge auf 8000. Deshalb sollen die Kapazitäten technischer Fachrichtungen um Dutzende Prozent erhöht werden. Und wenn selbst das nicht ausreicht, wird man Fachkräfte aus dem Ausland holen müssen – etwa aus Südkorea, wo es genügend davon gibt.
Wovor man hingegen vermutlich keine große Angst haben muss, ist eine starke Abwanderung nach Polen. Tomáš Ehler vom Ministerium für Industrie und Handel sagt dazu:
„Wir haben einige Erfahrungen – es gab ein paar Fälle, in denen Polskie Elektrownie Jądrowe oder auch Unternehmen, die kleine modulare Reaktoren vorbereiten, versucht haben, einige Leute aus Tschechien zu gewinnen. Aber soweit ich weiß, waren sie nicht besonders erfolgreich.“
Laut Ehler wird Tschechien paradoxerweise nicht nur durch eine gewisse geringe Bereitschaft der Tschechen, für Arbeit umzuziehen – selbst innerhalb des Landes –, profitieren, sondern vor allem dadurch, dass tschechische Nuklearexperten in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren genügend Arbeit im eigenen Land haben werden.

Quelle: https://www.irozhlas.cz/zpravy-domov/ot ... 290825_ako


Bulgarien will zwei neue Kernkraftwerksblöcke in Kozloduy zu einem Festpreis bauen
Jiří Salavec
29. April 2026, oenergetice.cz

Bulgarien setzt die Vorbereitungen für den Bau von zwei neuen Kernkraftwerksblöcken im Kraftwerk Kozloduy fort. Auf eine weitere Verlängerung des Ingenieurvertrags einigte sich das Land mit dem südkoreanischen Unternehmen Hyundai E&C. Die beiden neuen Blöcke vom Typ AP1000 mit einer installierten Leistung von 2300 MW sollen nach Regierungsplänen in den Jahren 2035 und 2037 den Betrieb aufnehmen. Neben konventionellen Kernkraftwerksblöcken erwägt das Land auch den Bau neuer modularer Reaktoren, um die Kernenergie im Energiemix zu erhalten.

Der bulgarische Energieminister traf sich mit Vertretern des südkoreanischen Unternehmens Hyundai Engineering and Construction (Hyundai E&C) sowie mit dem südkoreanischen Botschafter, um die weitere Zusammenarbeit beim Bau der neuen Kernkraftwerksblöcke zu besprechen. Bulgarien hatte im November 2024 mit Hyundai E&C einen Ingenieurvertrag für zwei amerikanische Blöcke des Typs AP1000 im Kraftwerk Kozloduy unterzeichnet. Der Minister stellte die Forderung, dass beide Blöcke zu einem Festpreis errichtet werden, insbesondere angesichts negativer Erfahrungen mit früheren Projekten, die sich übermäßig verzögerten und verteuerten.
„Als eine Maßnahme gegen unbegründete Preissteigerungen habe ich offiziell die Enteignung der für die neuen Blöcke benötigten Grundstücke zu marktüblichen Preisen beantragt“, betonte der bulgarische Energieminister Trajčo Trajkov.

Die Vertreter beider Seiten einigten sich darauf, den Ingenieurvertrag um weitere 14 Monate zu verlängern, damit die Vorbereitungsarbeiten ohne unnötige Verzögerungen fortgesetzt werden können. Die Gültigkeit des Vertrags muss noch von der Leitung des Kernkraftwerks Kozloduy sowie von der staatlichen Gesellschaft Bulgarian Energy Holding bestätigt werden. Vertreter von Hyundai E&C verpflichteten sich, mindestens 30 % der Arbeiten an bulgarische Unternehmen zu vergeben.
„Das Fachwissen und die langjährigen Erfahrungen Bulgariens im Betrieb von Kernkraftwerken machen das Land zu einem sicheren und zuverlässigen Partner bei der Umsetzung solch umfangreicher Projekte“, fügte Trajkov hinzu.

Ersatz für auslaufende Kernkraftwerksblöcke
Das einzige bulgarische Kernkraftwerk Kozloduy verfügte über sechs Reaktoren vom Typ WWER. Die ersten vier Blöcke vom Typ WWER-440 aus den 1970er- und 1980er-Jahren wurden jedoch in den Jahren 2002 und 2006 stillgelegt – eine der Voraussetzungen für den EU-Beitritt des Landes. Die beiden weiteren Reaktoren vom Typ WWER-1000, die 1987 und 1991 in Betrieb genommen wurden, wurden modernisiert und erzeugen etwa ein Drittel des bulgarischen Stroms.
An der Erweiterung des Kraftwerks Kozloduy um weitere Blöcke arbeitet Bulgarien bereits seit mehr als zehn Jahren. Nach aktuellen Plänen soll der eigentliche Bau fünf Jahre dauern, wobei der erste neue Block 2035 in Betrieb gehen soll, der zweite zwei Jahre später. Die bulgarische Regierung plant zudem weitere neue Blöcke, die die Blöcke Kozloduy 5 und 6 nach dem Jahr 2050 ersetzen sollen. Der Neubau von Kernkraftwerken könnte dabei auch kleine modulare Reaktoren umfassen.

Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... fixni-cenu

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Mgr. Gabriela Reitingerova
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Gabi Reitinger
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Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse

Beitrag von Gabi Reitinger »

Ausgewählte Zeitungsartikel aus Tschechien zum Thema Energie vom 30.April 2026:

Inhalt:
Wir kaufen kleine modulare Reaktoren, die noch nicht existieren. Sie werden sich verteuern, warnt Experte Sequens.
SMR-Projekt in Temelín näher zur Realisierung.
KHNP hat das Konzeptdesign beider Blöcke in Dukovany abgeschlossen.
Der tschechische Staat hat mit dem Unternehmen ČEZ eine Zusammenarbeit im Bereich der „modularen Kernenergie“ vereinbart.
Ist Rolls-Royce der beste Partner für ČEZ?
Aufgespaltene Firma ČEZ verschafft sich Spielraum für neue Investitionen

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Wir kaufen kleine modulare Reaktoren, die noch nicht existieren. Sie werden sich verteuern, warnt Experte Sequens
29.04.2026
Český rozhlas / Tschechischer Rundfunk

In Temelín soll ab dem Jahr 2035 ein kleiner modularer Reaktor Strom erzeugen, und Tschechien würde sich damit zugleich zu einem der europäischen Vorreiter beim Bau dieses Reaktortyps entwickeln. „Das ist ein sehr optimistischer Plan. Die neuen Reaktoren befinden sich erst im Genehmigungsprozess, und davon wird sich dann ableiten, wann sie in Tschechien gebaut werden könnten“, bewertet der Energieexperte Edvard Sequens von der Umweltorganisation Calla im Interview Plus.

Foto: Der Energieexperte Edvard Sequens von der Umweltorganisation Calla.

Die tschechische Regierung hat sich mit dem britischen Unternehmen Rolls-Royce auf den Bau eines modularen Reaktors geeinigt, mit dem Bau soll im Jahre 2030 begonnen werden. Laut Sequens ist dies jedoch eine sehr optimistische Einschätzung, da Design und Funktionsfähigkeit der Reaktoren bislang weder genehmigt noch verifiziert wurden.

Ist das tschechische Engagement bei der Entwicklung kleiner Reaktoren vorteilhaft? Hören Sie sich das gesamte Interview mit dem Energieexperten Edvard Sequens von der Umweltorganisation Calla an.
„Rund um modulare Reaktoren gibt es viel Propaganda. Meiner Meinung nach war auch die Pressekonferenz ein Versuch, der tschechischen Öffentlichkeit zu zeigen, dass etwas passiert – obwohl sich das Projekt eher verzögert“, erklärt er.

„Das Unternehmen Rolls-Royce versucht, PR zu machen und Reaktoren zu verkaufen, die derzeit überhaupt noch nicht existieren. Von der britischen Regierung hat es Milliarden Kronen für die Entwicklung erhalten, und anschließend helfen auch die Aktionäre – dazu gehört auch das Unternehmen ČEZ, das sich für diesen Reaktortyp entschieden und etwa 20 Prozent der Gesellschaft erworben hat.“
Die bisherige Entwicklung zeigt, dass die Entwicklung modularer Reaktoren die Zukunft der Kernenergie bestimmen könnte, da ihre Serienproduktion und die Möglichkeit einer einfacheren Montage die Baukosten von Kernkraftwerken senken sollen. Andererseits kann sich die Entwicklung durch Verzögerungen oder Sicherheitsprobleme verteuern, ebenso durch notwendige Überarbeitungen von Konzept und Design.
„Der modulare Reaktor ist nicht einfach von großen Typen abgeleitet, vielmehr werden viele Dinge neu entwickelt. Und das dauert Jahre, eher Jahrzehnte“, warnt Sequens und fährt fort:
„Ich hoffe, dass es eine Wette auf das richtige Pferd ist. Aber wenn ich eigenes Geld investieren müsste, würde ich das zum jetzigen Zeitpunkt und mit dem aktuellen Wissensstand nicht tun. Wenn Tschechien nämlich den weltweit zweiten Reaktor dieses Typs haben will, wird es ein sehr teurer Reaktor sein.“
Die Regierung habe die Vereinbarung seiner Meinung nach vor allem in der Hoffnung geschlossen, tschechische Unternehmen und Entwickler in den Produktions- und Testprozess einzubinden. Auch das sei jedoch unsicher, da Rolls-Royce bereits Vorabkooperationen mit großen internationalen Unternehmen abschließt, etwa mit Siemens.

Kapazität geologischer Tiefenlager...
Neben dem Preis fehlen Sequens in der öffentlichen Debatte auch Informationen über die tatsächliche Größe und die Betriebsanforderungen modularer Reaktoren sowie Überlegungen zum Umgang mit nuklearem Abfall.
„Die Menschen stellen sich aufgrund populärer Artikel etwas Kleines vor – etwas auf einem Lastwagen, einen Container, der irgendwo abgestellt und später wieder abtransportiert wird. In Wirklichkeit ist er aber ungefähr so groß wie ein Reaktor in Dukovany“, betont er und ergänzt:
„In diesem Fall ist es Aufgabe des Staates, die Dinge klar zu benennen. Es wird hier ein Kernkraftwerk gebaut, und das hat Folgen – Sicherheitszonen, Flugverbotszonen, Millionen Kubikmeter Wasser zur Kühlung und so weiter.“
Gleichzeitig appelliert er, dass das Vertrauen Tschechiens in die Kernenergie nicht die Bedeutung der Sicherheit überdecken dürfe. Auch die Frage der Weiterverarbeitung des verwendeten Urans müsse geklärt werden.

„In der öffentlichen Debatte sollte ebenfalls daran erinnert werden, dass auch aus kleinen Reaktoren große Mengen abgebrannten Brennstoffs entstehen, für die wir bislang keine andere Verwendung haben, als das künftige geologische Tiefenlager immer weiter zu vergrößern“, merkt er an.
„Da die Abfallmenge auch mit der Verlängerung der Betriebsdauer von Dukovany steigt, stellt sich die Frage, ob ein einziges Tiefenlager ausreichen wird. Ich würde hoffen, dass ja – denn es handelt sich um eine extrem teure Anlage mit erheblichen Risiken im Betrieb. Ob die bisherigen Standorte jedoch ausreichend Kapazität haben, kann ich derzeit nicht sagen.“

Sind die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima bereits vergessen? Wie sicher werden modulare Reaktoren sein? Und ist das tschechische Engagement in der Entwicklung kleiner Reaktoren sinnvoll? Hören Sie sich die vollständige Aufzeichnung des Interviews an.

Quelle:
https://www.irozhlas.cz/veda-technologi ... 292139_vsl
/gr/


SMR-Projekt in Temelín näher zur Realisierung
28.04.2026, Wochenzeitung Technický týdeník ~ /hK/
Rubrik: Aktuelles ~ Seite: 2

Am Freitag, dem 24. April, haben das tschechische Unternehmen ČEZ und die britische Firma Rolls-Royce SMR, an der ČEZ einen Anteil von etwa 20 % hält, einen Vertrag über die Durchführung vorbereitender Arbeiten (Early Works Contract) unterzeichnet. Dadurch kann mit der Erstellung von Dokumentationen und Unterlagen für die Genehmigungsverfahren zum Bau eines kleinen modularen Reaktors (SMR) in Temelín begonnen werden.
Das Projekt zum Bau kleiner modularer Reaktoren in der Tschechischen Republik schreitet mit der Unterzeichnung dieses Vertrags zwischen ČEZ und Rolls-Royce SMR in die nächste Phase voran. Dank dieser Vereinbarung kann nun die Ausarbeitung der Dokumentation und der Unterlagen für Lizenz- und Genehmigungsverfahren für den Bau eines kleinen modularen Reaktors (SMR) in Temelín beginnen.
Es handelt sich um einen Ingenieurvertrag, der noch keine Lieferungen von Anlagen umfasst. Es ist also weder eine Investitionsentscheidung noch der Beginn der Bauarbeiten. Die vorbereitenden Arbeiten werden die Dokumentation für die Umweltverträglichkeitsprüfung, Unterlagen für nukleare und baurechtliche Genehmigungen sowie damit verbundene Projektarbeiten direkt in Temelín umfassen.

In Südböhmen könnte damit der zweite kleine modulare Reaktor von Rolls-Royce SMR weltweit entstehen. Der erste wird am traditionellen Kernenergiestandort Wylfa im Vereinigten Königreich gebaut. Der Vertrag knüpft nämlich an die Vereinbarung über die Lieferung der ersten drei kleinen modularen Reaktoren von Rolls-Royce SMR am britischen Standort Wylfa sowie an die bisherige Zusammenarbeit beider Unternehmen an.
ČEZ hat außerdem ein Memorandum of Understanding zum SMR-Programm mit dem Ministerium für Industrie und Handel der Tschechischen Republik unterzeichnet. Auf dieser Grundlage wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich unter anderem mit dem Investorenmodell und möglichen Finanzierungsquellen, der Gestaltung des Notifizierungsprozesses gegenüber der Europäischen Kommission sowie mit der weiteren zwischenstaatlichen Zusammenarbeit zwischen der Tschechischen Republik und dem Vereinigten Königreich für den erfolgreichen Bau von SMR in beiden Ländern befassen wird. Die Mitglieder der Gruppe werden auch an der regulatorischen und legislativen Unterstützung sowie an der Vorbereitung der Bedingungen für den Bau von SMR in Tschechien arbeiten.
Kleine modulare Reaktoren sind einer der Grundpfeiler der langfristigen Strategie von ČEZ und der modernen Energiewirtschaft der Tschechischen Republik.
Der erste „tschechische“ kleine modulare Reaktor soll somit in der Nähe des bestehenden Kernkraftwerks in Temelín entstehen. ČEZ entwickelt jedoch auch ein Projekt in Tušimice am Standort des derzeitigen Kohlekraftwerks und prüft weitere Standorte. Gerade die bestehenden Standorte von Kohlekraftwerken erscheinen langfristig als geeignet, da SMR neben der Stromerzeugung auch eine zuverlässige Wärmequelle für umliegende Städte darstellen werden. ČEZ hat im Jahre 2024 eine strategische Partnerschaft mit Rolls-Royce SMR geschlossen. Dadurch beteiligt sich das Unternehmen direkt an der Entwicklung und Vorbereitung der Technologie kleiner modularer Reaktoren. ČEZ wurde zu einem bedeutenden Minderheitsaktionär des britischen Unternehmens und erwarb einen Anteil von etwa 20 %. Damit ist es ein strategischer Investor mit bedeutenden Rechten im Unternehmen. Jedes Kraftwerk von Rolls-Royce SMR wird 470 MWe stabile, kostengünstige und emissionsfreie Elektrizität erzeugen – eine Menge, die ausreichen würde, um den Bedarf von einer Million Haushalten für mindestens 60 Jahre zu decken. Kleine modulare Reaktoren werden künftig Teil des Energiemixes der Tschechischen Republik sein – neben großen Kernkraftwerken, Gaskraftwerken und erneuerbaren Energiequellen.
/gr/


KHNP hat das Konzeptdesign beider Blöcke in Dukovany abgeschlossen
28.04.2026, Wochenzeitung Technický týdeník /ah/
Rubrik: Aktuelles, Veranstaltungen, Bildung - Seite: 4

Die Gesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II) hat von KHNP die Dokumentation des Konzeptdesigns für beide geplanten neuen Blöcke in Dukovany erhalten. Es handelt sich um die erste Stufe der Projektdokumentation des neuen Kraftwerks.
Die Vorbereitung des Baus einer neuen Kernenergiequelle am Standort Dukovany hat einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Projektinvestor, die Gesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II), hat vom Hauptauftragnehmer KHNP die Dokumentation des Konzeptdesigns (sog. Conceptual Design) beider zukünftiger Blöcke erhalten. Es handelt sich um die erste Stufe der Projektdokumentation, die die Gesamtlösung des Kraftwerks beschreibt, einschließlich aller Anpassungen gegenüber der Standardausführung des Projekts APR1000, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, das gesetzliche Umfeld der Tschechischen Republik, die spezifischen Standortbedingungen sowie die im Vertrag definierten Anforderungen des Investors zu berücksichtigen. KHNP hat mehrere zehntausend Anforderungen in das Konzeptdesign eingearbeitet.
Die Dokumentation des Konzeptdesigns umfasst mehrere zehntausend Seiten mit Textteilen, Zeichnungen und Schemata für das Kraftwerk als Ganzes sowie für seine einzelnen Systeme (z. B. Systeme des Primärkreislaufs einschließlich Sicherheitssystemen, Systeme des Sekundärkreislaufs, Kühlsysteme usw.).
„An der Bewertung des Konzeptdesigns arbeiten allein bei EDU II etwa 60 Personen, weitere Dutzende prüfen es im Rahmen der Gesellschaft Energoprojekt Praha, die uns ingenieurtechnische Unterstützung bietet. Auf Seiten unserer koreanischen Partner haben mehrere hundert Personen das Konzeptdesign vorbereitet. Dieses wichtige Dokument, von dem die weiteren Stufen der Projektdokumentation ausgehen werden, haben wir fristgerecht gemäß dem vertraglichen Zeitplan erhalten. Nun werden wir es mehrere Wochen lang im Detail prüfen, kommentieren und mit seinen Autoren besprechen“, erklärte Viktor Černý, Direktor des technischen Bereichs der Gesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II).
Das Konzeptdesign ist die erste der geplanten Stufen der Projektdokumentation. Ihm ging die Übergabe von Teilen der Ausgangsdokumente für die Erstellung des Antrags auf Baugenehmigung voraus, die von KHNP sogar früher als ursprünglich geplant übergeben wurden. Seine Genehmigung durch EDU II ist Voraussetzung für die Fortsetzung der nächsten Phase der Projektierungsarbeiten, die im kommenden Jahr mit der Genehmigung des sogenannten Basic Design abgeschlossen wird. Dieses konkretisiert die technischen Lösungen in größerer Detailtiefe und stellt eine wesentliche Informationsquelle für Lizenzierungs- und Genehmigungsverfahren dar. Laut Zeitplan soll es im nächsten Jahr fertiggestellt werden.
/gr/




Der tschechische Staat hat mit dem Unternehmen ČEZ eine Zusammenarbeit im Bereich der „modularen Kernenergie“ vereinbart
28.04.2026, Wochenzeitung Technický týdeník
Rubrik: Energie ~ Seite: 18

Der Staat und das Energieunternehmen ČEZ haben am 23. April ein Memorandum über die Zusammenarbeit beim Bau kleiner modularer Reaktoren unterzeichnet. Der Sprecher von ČEZ, Ladislav Kříž, erklärte gegenüber ČTK, dass der Hauptinhalt des Memorandums in der Vereinbarung besteht, dass ČEZ die staatlichen Ziele für die weitere Entwicklung modularer Reaktoren in Tschechien umsetzen wird.
ČEZ plant, bis zum Jahr 2050 modulare Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 3 GW zu errichten. Die bestehenden Kraftwerke in Dukovany und Temelín haben jeweils eine Leistung von etwa 2 GW. Der Preis eines modularen Reaktors soll laut Unternehmen vergleichbar mit dem großer Blöcke sein, wobei er proportional der geringeren Leistung eines modularen Reaktors entspricht. Der erste derartige Reaktor soll etwa Mitte der 2030er Jahre neben Temelín entstehen.
Das Unternehmen ČEZ arbeitet bei der Entwicklung mit Rolls-Royce SMR zusammen. Das tschechische Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Einstieg als Aktionär in das britische Unternehmen abgeschlossen, an dem es nun rund ein Fünftel hält. Dafür zahlte es etwa 6 Milliarden CZK. Die Firmen arbeiten gemeinsam an der Vorbereitung des Baus von bis zu drei modularen Reaktoren in Großbritannien, an dem sich ČEZ als Lieferant bestimmter Technologien beteiligen könnte. Anschließend sollen sie auch bei inländischen Reaktoren zusammenarbeiten.
Rolls-Royce SMR hat zudem in der vergangenen Woche mit der britischen staatlichen Organisation Great British Energy — Nuclear eine Vereinbarung unterzeichnet, um gemeinsam die ersten kleinen modularen Reaktoren in Europa zu bauen. Der Vertrag ermöglicht den sofortigen Beginn der Arbeiten zur Lieferung von drei Reaktoren. Das Unternehmen wird diese am Standort Wylfa auf der Insel Anglesey in Nordwales errichten.
Modulare Reaktoren sind Anlagen, die kleiner sind als die überwiegende Mehrheit der heute betriebenen Kernkraftwerksblöcke. Ihren Namen verdanken sie der Tatsache, dass sie serienmäßig in Fabriken hergestellt und anschließend schrittweise in mehreren Einheiten an einem Standort installiert werden können.
Zu ihren Vorteilen zählen geringere Investitionskosten (nicht pro Leistungseinheit, sondern insgesamt), eine relativ schnelle Errichtung solcher Anlagen und ein geringerer administrativer Aufwand als bei großen Blöcken. Diese Vorteile sind jedoch bislang praktisch nirgendwo nachgewiesen und beruhen weitgehend auf der Erwartung eines steigenden Interesses an der Kernenergie, auf Gewinnen aus zahlreichen neuen Aufträgen sowie auf damit verbundenen Skaleneffekten bei Bau und Produktion dieser Einheiten.
/gr/



Ist Rolls-Royce der beste Partner für ČEZ?
30.04.2026, Wochenzeitung Naše Pravda
Rubrik: Wirtschaft ~ Seite: 6

Der Staat und das Energieunternehmen ČEZ haben ein Memorandum of Understanding zum Bau kleiner modularer Reaktoren (SMR) unterzeichnet. Kleine modulare Reaktoren werden von der britischen Firma Rolls-Royce SMR entwickelt, an der ČEZ eine Minderheitsbeteiligung hält. Der Präsident von Rolls-Royce hat zudem mit dem tschechischen Stromerzeuger eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der Vorbereitung des Baus von bis zu drei modularen Reaktoren am Standort Wylfa auf der Insel Anglesey in Nordwales geschlossen, an dem sich ČEZ als Lieferant bestimmter Technologien beteiligen könnte. Anschließend sollen sie auch bei inländischen Reaktoren zusammenarbeiten.
„Ehrlich gesagt denke ich, dass die Kapazitäten des tschechischen Nuklearsektors – und ich meine damit die personellen Kapazitäten – bereits jetzt ausgelastet sind, und schon jetzt fehlen Fachkräfte. Hier zwei oder drei Reaktortypen zu bauen, wird sehr anspruchsvoll sein“, sagte der Energieexperte Radek Škoda in einer Podiumsdiskussion des Instituts der tschechischen Linken zum Thema Energieprioritäten und Risiken.

Dominant ist seiner Meinung nach für die derzeitige Regierung das Projekt von Rolls-Royce, das sie SMR nennt. Was seine Größe betrifft, handelt es sich im Wesentlichen um eine Alternative zu Dukovany. Dukovany läuft derzeit mit einer Leistung von etwa 510 MW, ursprünglich wurde es für 440 MW gebaut, und der Reaktor von Rolls-Royce hat 470 MW – es handelt sich also im Grunde um einen vergleichbaren Reaktor mit den Reaktoren in Dukovany. Kleine Reaktoren werden üblicherweise bis etwa 300 MW gerechnet, sodass es sich eindeutig um einen leistungsmäßig großen Reaktor und nicht um einen kleinen handelt.
„Wenn wir uns ansehen, wie die SMR-Projekte aussehen, gehört das Projekt von Rolls-Royce definitiv nicht zur Spitze der Entwicklung“, warnte Škoda. „An der Spitze der SMR-Entwicklung stehen amerikanische, russische oder chinesische Projekte, und die Briten versuchen, aufzuholen – offenbar liegen sie etwa fünf Jahre zurück“, ergänzte er.
Der Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček, bestätigte nach der Vertragsunterzeichnung, dass der erste SMR in Tschechien in Temelín entstehen soll. Zuvor hatte ČEZ geschätzt, dass der erste Block eines kleinen modularen Reaktors in Temelín in der ersten Hälfte der 2030er Jahre entstehen könnte; inzwischen wurde die Inbetriebnahme in die zweite Hälfte der 2030er Jahre verschoben.

Der Preis des SMR in Temelín ist bislang nicht bekannt. Das Ziel der abgeschlossenen Verträge und Memoranden ist laut dem Vorstandsmitglied von ČEZ, Tomáš Pleskač, die Festlegung der Finanzierungsweise und des Investorenmodells. Die Zusammenarbeit mit Rolls-Royce SMR ist auf fünf Jahre angelegt; erst danach wird es möglich sein, den genauen Preis der kleinen modularen Reaktoren für die Tschechische Republik zu bestimmen.
/gr/



Aufgespaltene Firma ČEZ verschafft sich Spielraum für neue Investitionen
30.04.2026, Tageszeitung Mladá fronta DNES, Autorin:Dáša Hyklová
Rubrik: Wirtschaft - Seite: 14

Auf den Stromverkauf an Kunden wird die Aufspaltung keinen Einfluss haben, sind sich Energieexperten einig. Das neue Unternehmen soll im ersten Quartal des kommenden Jahres ausgegliedert werden.
Nach sechs Rückgängen in Folge legte die Prager Börse am Dienstag zu, als der PX-Index um 0,24 Prozent auf 2.597,91 Punkte stieg. Zu den Zugpferden gehörten dabei die Aktien des Unternehmens ČEZ. Der Aktienkurs des Energieriesen an der Prager Börse wird von einer Kombination aus marktbezogenen, politischen und unternehmensinternen Faktoren beeinflusst. Politik spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie wirtschaftliche Kennzahlen.

Die Energiegruppe ČEZ, an der der Staat rund 70 Prozent der Aktien hält und der Rest privaten Investoren gehört – diese Gruppe umfasst mehr als 150.000 natürliche Personen –, bestätigte Ende letzter Woche offiziell einen Plan für eine grundlegende Restrukturierung. Es handelt sich nicht nur um eine kosmetische Änderung, sondern um eine strategische Aufspaltung, die den Weg für eine künftige Übernahme der Schlüsselbereiche der Energieversorgung durch den Staat ebnen soll.
Die Führung von ČEZ schlug die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft vor, die im Falle der Zustimmung durch die Hauptversammlung im Juni bis Ende des ersten Quartals 2027 entstehen soll. Aus der bestehenden Konzernstruktur würden unter anderem die Unternehmen ČEZ Prodej, ČEZ Distribuce, GasNet, ČEZ ESCO, Handelsgesellschaften sowie das Telekommunikationsunternehmen Telco Pro Services in diese neue Einheit überführt. Die Muttergesellschaft würde mindestens 51 Prozent an der neuen Tochter behalten, den restlichen Anteil würde sie Investoren anbieten. Laut Analysten handelt es sich um einen entscheidenden Schritt für die geplante Verstaatlichung des Unternehmens.
„Die angekündigte Aufspaltung von ČEZ ist das logische Ergebnis des langfristigen Drucks des Staates auf die vollständige Kontrolle der Energieinfrastruktur und eine Folge des Bestrebens, den Erzeugungsbereich des Unternehmens zu verstaatlichen. Hier sehe ich die größten Vorteile. Das Kundensegment unterscheidet sich jedoch deutlich vom Erzeugungsbereich. Es ist eher ein dividendenstarker Cashflow-Generator ohne großen Investitionsbedarf – im Gegensatz zur Erzeugungssparte. Auch aus diesem Grund ergibt die Maßnahme Sinn“, sagt Jiří Tyleček, Leiter der Analysen bei XTB International.

Nach Ansicht von Michal Macenauer, Strategiechef des Beratungsunternehmens EGU, bringt die angekündigte Aufspaltung von ČEZ sowohl Vorteile als auch Risiken. „Das Unternehmen wird in zwei Teile geteilt, und einer davon wird wahrscheinlich langfristig börsennotiert bleiben. Das ist eine gute Nachricht. Der Teil, der in Technologien mit höherem Risiko und schwieriger Marktökonomie investieren muss, wird direkt im Staatsbesitz sein. Es geht vor allem um Investitionen in die Kernenergie, in gasbetriebene Reservekapazitäten, aber auch etwa in Speicherlösungen“, erklärte er gegenüber MF DNES. Sowohl staatliches als auch überwiegend staatliches Eigentum habe Vor- und Nachteile. „Beides kann zu Lösungen führen, aber auch zu Problemen. Entscheidend werden die Details sein: was genau übernommen wird, zu welchem Preis und was anschließend damit geschieht. Daher lässt sich derzeit nicht eindeutig sagen, ob die Aufspaltung gut oder schlecht ist, da wir diese Details noch nicht kennen“, erläutert er.
Auch Tyleček stimmt zu, dass im Falle einer Aufspaltung der rein staatliche Erzeugungsbereich freie Hand für strategische Investitionen in Kernenergie und erneuerbare Quellen haben wird, während sich der Kundenbereich besser auf Dezentralisierung und moderne Technologien konzentrieren kann. „Aus Sicht der Energiedienstleistungen könnten wir mehr Wettbewerb erleben. Insgesamt könnte ein stärkerer Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität bei der Leistungserbringung entstehen, sodass der Kunde davon profitieren sollte“, betont der Analyst.

Der Grund: teure Kernenergie….
Die Frage der Verstaatlichung, also der Übernahme von 100 Prozent der ČEZ-Aktien, gehört in Tschechien seit Jahren zu den wichtigsten politisch-wirtschaftlichen Themen. Auch die frühere Regierung von Petr Fiala suchte nach einem Weg, die vollständige Kontrolle über die Schlüsselenergieinfrastruktur des Landes – insbesondere Stromerzeugung und Kernkraftwerke – zu erlangen, ohne die Minderheitsaktionäre von ČEZ mit astronomischen Summen auszahlen zu müssen. Die vorige Regierung versuchte, ein Gesetz – oft als „Lex ČEZ“ bezeichnet – durchzusetzen, das die Aufspaltung des Unternehmens und das Herausdrängen der Aktionäre erleichtern sollte, stieß jedoch wegen möglicher Verfassungswidrigkeit auf starke Kritik von Juristen und dem Markt.
Für die derzeitige Regierung ist die Lösung der Situation rund um ČEZ noch dringlicher. Hauptgrund ist der geplante Bau von zwei neuen Blöcken in Dukovany. Das neue Kernkraftwerk ist ein extrem teures Projekt mit einer Amortisationszeit von mehreren Jahrzehnten. Die privaten Aktionäre von ČEZ wollen jedoch Gewinne und Dividenden jetzt sehen, nicht erst in 30 Jahren. Sie könnten die Unternehmensführung verklagen, weil Investitionen in die Kernenergie ihre Interessen und den Aktienwert beeinträchtigen.
Der Industrieminister Karel Havlíček betont seit Langem, dass der Staat ein derart strategisches Projekt nicht einem Unternehmen mit Minderheitsaktionären überlassen könne. Obwohl bereits die vorige Regierung entschieden hat, dass die beiden neuen Kernkraftwerksblöcke in Dukovany vom südkoreanischen Unternehmen KHNP gebaut werden sollen, befindet sich das Projekt noch in einem frühen Stadium, und Details der Finanzierung sind unbekannt. Der Staat will verständlicherweise bei der Umsetzung eines strategischen Energieprojekts freie Hand haben.
Eine Verstaatlichung von ČEZ kann laut Analyst Tyleček Vor- und Nachteile haben. „In Europa ist dies ein wachsender Trend, motiviert durch Energiesicherheit. Der Staat als 100-prozentiger Eigentümer der Stromerzeugung kann die Finanzierung neuer Kernkraftwerke sowie kleiner modularer Reaktoren garantieren, die als Zukunft der tschechischen Energie gelten“, ergänzt er. „Andererseits kann die Verstaatlichung zu mehr Bürokratie führen. ČEZ könnte zu einem schwarzen Loch für staatliche Subventionen werden, zu einem Versorgungsposten für Politiker und zu einem politisch beeinflussten Moloch. Das ist sehr wahrscheinlich, und es stellt sich die Frage, ob diese Ineffizienz langfristig durch höhere Energiesicherheit und andere Vorteile ausgeglichen wird“, warnt Tyleček.

Der Direktor des Beratungsunternehmens EGU, Macenauer, bestätigt, dass die Strukturänderung von ČEZ Auswirkungen auf den Energiemarkt in Tschechien haben wird. „Ja, sehr breit, aber ich glaube nicht, dass sie besonders stark ausfallen werden – weder positiv noch potenziell negativ. Wichtig ist, dass auch der Teil des Unternehmens im vollständigen Staatsbesitz auf einem Energiemarkt operieren wird, der zumindest teilweise vorhersehbar ist und faire Regeln hat, die für alle gelten“, sagt er. Problematisch wäre es seiner Meinung nach, wenn dadurch Investitionen anderer Akteure entwertet würden. „Derzeit droht das jedoch nicht“, fügt er hinzu.
Die Zukunft von ČEZ wird laut Macenauer von der Qualität der Eigentümerausübung und Kontrolle abhängen. Einige staatliche Unternehmen leiden unter geringerer Effizienz, was jedoch häufig in Ländern mit schwächerer Unternehmenskultur vorkommt. „Ein Beispiel für nicht ganz gelungenes Eigentum ist etwa das französische Unternehmen EDF, bei dem die Zukunft der Kernenergie durch das Abschöpfen von Mitteln aus dem Betrieb bestehender Anlagen gebremst wird. Ein Beispiel für ein gut funktionierendes Unternehmen ist dagegen das norwegische Statkraft, das in vielen EU-Ländern tätig ist und sich in Norwegen vor allem auf die Stromerzeugung aus Wasserkraft konzentriert“, nennt er Beispiele aus Europa.
Zu weiteren staatlichen Unternehmen gehört auch der wichtigste estnische Energieversorger Eesti Energia, der Ölschiefer abbaut und Strom erzeugt. Ähnlich ist die Situation im benachbarten Lettland, wo das Unternehmen Latvenergo – Marktführer und einer der größten Stromproduzenten im Baltikum – vollständig im Staatsbesitz ist.

Keine Änderung für Kunden...
„Ich begrüße, dass ein Plan umgesetzt wird, der optimal ist – nämlich die Aufspaltung des Unternehmens ohne die Notwendigkeit einer vollständigen Verstaatlichung von ČEZ in seiner derzeitigen Form. Es wurde eine Variante gewählt, die die finanziellen Anforderungen der Transaktion minimiert, was von Ratingagenturen positiv bewertet wird“, sagte Jiří Gavor, Geschäftsführer der Vereinigung unabhängiger Energieversorger (ANDE), gegenüber MF DNES. Die Agentur Moody’s hat in ihrer jüngsten Bewertung im April tatsächlich das Rating von Baa1 auf A3 angehoben. Hauptgrund war die Neubewertung der starken Beziehung zwischen ČEZ und dem tschechischen Staat sowie die hohe Wahrscheinlichkeit staatlicher Unterstützung im Bedarfsfall. Die Agentur S&P Global bestätigte in ihrer Bewertung vom 28. April das Rating auf A-, änderte jedoch den Ausblick von stabil auf negativ. Sie äußert Bedenken hinsichtlich der geplanten Ausgliederung regulierter Aktivitäten (Vertrieb und Verkauf) in eine neue Tochtergesellschaft und dem anschließenden Verkauf eines Minderheitsanteils, da dies die Stabilität der künftigen Cashflows der Gruppe beeinträchtigen könnte.
Jiří Gavor ist jedoch der Ansicht, dass der Kundenbereich von ČEZ für private Investoren attraktiv sein wird und dass der strategische Erzeugungsbereich dem Staat ermöglichen wird, Investitionen und Maßnahmen effizienter umzusetzen, die für die staatliche Energiepolitik prioritär, für privates Kapital jedoch riskanter sind. „Neben der Kernenergie betrifft das beispielsweise den Ausstieg aus der Kohleverstromung und den Lithiumabbau. Auf den Stromverkauf an Endkunden wird das keine Auswirkungen haben – die Tätigkeit wird wie bisher fortgeführt“, ergänzt er.
Auch Tyleček bestätigt, dass sich für den normalen Kunden kurzfristig nichts ändert. Langfristig sollte der Staat jedoch durch die vollständige Kontrolle über die Stromerzeugung stabilere Strompreise und ein vorhersehbares Umfeld für Unternehmen und Haushalte gewährleisten. Die Ausgliederung des Kundensegments könnte zudem bedeuten, dass das neue Unternehmen stärker unter Beobachtung steht, was zu besserem Service und mehr Innovation führen könnte. „Der Kunde könnte auch von einer höheren Energiesicherheit profitieren. Daher erwarte ich, dass die Ausgliederung des Kundensegments für den tschechischen Verbraucher positiv sein wird“, schließt Analyst Tyleček.
Entwicklung der ČEZ-Aktienkurse an der Prager Börse
Quelle: Prague Stock Exchange
Redakteurin MF DNES
/gr/



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