Auswahl von Zeitungsartikeln aus Tschechien vom 25.3.2026 zum Thema Energie:
Inhalt:
Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine.
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit.
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf.
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2.
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien.
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe.
Aufregung um Kernenergie und Gas.
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
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Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine
25.03.2026 Tageszeitung Právo ČTK
Techniker im Kernkraftwerk Temelín installierten während der Abschaltung des zweiten Blocks ein neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine. Das System misst die Rotationszeit der Schaufeln mit einer Genauigkeit von milliardstel Sekunden.
Es handelt sich um eine weitere Maßnahme, die dazu beitragen soll, einen mehr als sechzigjährigen Betrieb des Kraftwerks zu sichern, teilte gestern der Sprecher des Kraftwerks, Marek Sviták, mit.
„Obwohl Temelín ein relativ junges Kraftwerk ist, entstehen ständig neue Technologien. Und wenn sie aus Sicht von Effizienz und Sicherheit sinnvoll sind, setzen wir sie in größtmöglichem Umfang ein. Das gilt für die Turbinendiagnostik ebenso wie für eine Reihe weiterer Anlagen“, sagte Bohdan Zronek, Vorstandsmitglied von ČEZ und Direktor der Abteilung Kernenergie.
/gr/
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit
25.03.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 8 Autor : LUBOŠ PALATA
Die Europäische Union kehrt nach Jahren der Abkehr von der Kernenergie wieder verstärkt zur Nutzung der Atomkraft zurück – und das nicht nur rhetorisch oder durch ihre Einstufung als akzeptable Form der Stromerzeugung, sondern auch durch konkrete Unterstützung der Forschung.
Die Europäische Kommission kündigte in den vergangenen Tagen an, 330 Millionen Euro (rund acht Milliarden Kronen) in die Kernforschung zu investieren, um den Übergang zu sauberer Energie zu beschleunigen. Mit 222 Millionen Euro wird die Kernfusion gefördert, mit dem Ziel, das erste Fusionskraftwerk der EU ans Netz anzuschließen. Die übrigen Mittel fließen in Sicherheit, Spaltungstechnologie sowie Nuklearmedizin.
Das Programm Euratom 2026–2027 soll die Energieunabhängigkeit der EU stärken, ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Entwicklung von Fachkräften fördern und Europa dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 näherbringen.
„Die EU will ein weltweiter Vorreiter bei innovativen Nukleartechnologien sein, die entscheidend für unsere Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung sind“, erklärte Ekaterina Sachariewa, EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation.
„Deshalb arbeiten wir eng mit Forschern, Industrie, Start-ups und Regulierungsbehörden an der Sicherheit kleiner modularer Reaktoren (SMR) und an der Beschleunigung der Fusion – mit dem Ziel, als Erste die Fusion aus dem Labor ins Stromnetz zu bringen. Dafür müssen wir sicherstellen, dass unsere exzellenten wissenschaftlichen Erkenntnisse nahtlos in Innovationen und industrielle Anwendungen überführt werden“, sagte Sachariewa.
Auch die Entwicklungsstrategie von ČEZ sieht den Bau kleiner modularer Reaktoren vor. „Das Hauptziel des SMR-Programms der ČEZ-Gruppe ist es, bis Ende der 2040er Jahre in Tschechien eine installierte Leistung von 3.000 MW aus SMR aufzubauen. Der erste SMR ist am Standort Temelín geplant, weitere in nichtnuklearen Standorten Tušimice und Dětmarovice“, erklärt ČEZ.
/gr/
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf
24.3.2025, Novinky.cz
Die Haupt-Hochspannungsleitung zum ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja wurde unterbrochen, und das von Russland besetzte Kraftwerk ist nun auf eine Ersatzleitung angewiesen. Dies teilte am Dienstag die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) mit, die vor Ort dauerhaft ein Team stationiert hat. Die UNO- Organisation rief zu einem lokalen Waffenstillstand auf, um notwendige Reparaturen durchführen zu können.
„Das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja hat heute die Verbindung zur 750-kV-Leitung Dniprovska verloren und ist damit für die externe Stromversorgung auf eine einzige Ersatzleitung angewiesen“, erklärte die IAEA am Dienstag auf X-Netzwerk.
Der IAEA-Chef Rafael Grossi hat laut einer Erklärung Gespräche mit beiden Kriegsparteien aufgenommen, um einen lokalen Waffenstillstand auszurufen, der die Reparatur der beschädigten Stromleitung ermöglichen würde.
Das Kernkraftwerk Saporischschja, das als das größte in Europa gilt, befindet sich im ukrainischen Enerhodar, nahe der Frontlinie. Russland nahm die Anlage kurz nach Beginn seiner Invasion in die Ukraine im Februar 2022 ein.
https://www.novinky.cz/clanek/valka-na- ... i-40569623
/gr/
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2
25.03.2026 0:00 Monatszeitung PRO-ENERGY Autor: KAREL SEDLÁČEK
Vier Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Gravelines, des größten in Frankreich, wurden im vergangenen Jahr wegen eines Schwarms von Quallen in den Wasserpumpstationen für mehrere Monate abgeschaltet. Die Stromproduktion musste vorübergehend vollständig eingestellt werden, und der Ruf der einst vorbildlichen französischen Kernkraftwerke erlitt Kratzer. Wird Macrones Plan zur Erneuerung der alternden Nuklearflotte ein ähnliches Schicksal ereilen?
Ein Quallenschwarm, der vorübergehend das größte französische Kernkraftwerk stilllegte, wurde zum Symbol tieferliegender struktureller Probleme im Nuklearsektor des Landes. Jahrzehnte verdeckter Subventionen, alternder Reaktoren sowie zunehmender Verzögerungen und Kostenüberschreitungen werfen inzwischen ernsthafte Zweifel an der Umsetzbarkeit von Präsident Macrons ambitioniertem Plan einer nuklearen Renaissance auf.
Vier Reaktorblöcke im größten französischen Kernkraftwerk Gravelines, das an der Küste des Ärmelkanals liegt, wurden im vergangenen Jahr für mehrere Monate aufgrund eines Quallenschwarms in den Wasserpumpstationen abgeschaltet. Der Betreiber EDF (Électricité de France) meldete eine „massive und unvorhersehbare“ Ansammlung von Quallen in den Filtertrommeln im nichtnuklearen Teil des Kraftwerks. Die Stromproduktion wurde vorübergehend vollständig eingestellt, und der Ruf der französischen Kernkraftwerke nahm Schaden.
Die Sicherheit des Kraftwerks – etwa 20 Kilometer östlich von Calais – seiner Mitarbeiter sowie der Umwelt war zwar nicht gefährdet, doch da an den verbleibenden zwei Blöcken Wartungsarbeiten stattfanden, wurde die Stromproduktion der ganzen Kernenergieanlage vorübergehend komplett eingestellt. Dieser Vorfall ist jedoch nicht der erste seiner Art: Bereits im Jahre 2013 legten Quallen einen Reaktor auch in Schweden lahm.
ES GEHT NICHT NUR UM QUALLEN...
Der Vorfall in Gravelines zog während der sommerlichen Nachrichtenflaute große mediale Aufmerksamkeit auf sich und rückte Kernkraftwerke, ihre Wirtschaftlichkeit und die mögliche Destabilisierung des Energiesystems in den Fokus. Frankreich galt lange als Vorbild bei der Nutzung der Kernenergie, auch weil viele Probleme verborgen blieben. Staatliche Subventionen, unzureichende Rücklagen für die Lagerung von Atommüll und aufgeschobene Risiken hielten den Strompreis niedrig. Nun holen die tatsächlichen Kosten das Land ein – und sie sind enorm.
Zur Erinnerung: Nach der Ölkrise im Jahre 1973 investierte Frankreich massiv in die Kernenergie, um energiepolitische Unabhängigkeit zu erreichen. Die Regierung trieb den Ausbau im Rahmen des sogenannten Messmer-Plans voran, benannt nach Premierminister Pierre Messmer. Bis zum Jahr 1994 nahm das staatliche Unternehmen EDF 50 Reaktoren in Betrieb – rund 90 % der heutigen französischen Kernkraftwerke.
Frankreich baute einen starken Energiesektor auf und exportierte Strom. Die Preise blieben langfristig stabil und erschwinglich. Das benötigte Uran stammte aus anderen Ländern als Öl und Gas. Frankreich war zwar weiterhin auf Importe angewiesen, jedoch nicht ausschließlich auf das OPEC-Kartell. Bei der Stromerzeugung sparte das Land Millionen Tonnen CO₂ im Vergleich zu Ländern wie Deutschland oder Italien, die stark auf Kohle und Gas setzen.
Die niedrigen Strompreise wurden politisch beeinflusst – und teuer erkauft. Studien, Regierungsberichte und Parlamentsdokumente belegen dies. Selbst der Bau von Reaktoren wurde stark subventioniert, viele Kosten wurden schlicht verschoben. Der Betrieb von Kernkraftwerken war dagegen relativ günstig, sodass EDF lange Zeit problemlos Kredite bedienen konnte. Auf den ersten Blick erschien Kernenergie daher wirtschaftlich – zumindest, wenn man nur Bau und Betrieb betrachtet.
Während der Corona-Pandemie verschob Frankreich jedoch Wartungsarbeiten an den Kernkraftwerken auf später. Im Jahre 2022 wurde schließlich Korrosion festgestellt. Aufgrund schlechter Inspektionsergebnisse mussten gleichzeitig 30 von 56 Reaktoren abgeschaltet werden. Ironischerweise musste Frankreich gerade im Jahr der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Strom importieren.
Die meisten Reaktoren der sogenannten Messmer-Flotte wurden für eine Laufzeit von 40 Jahren gebaut. Um ihre Lebensdauer um zehn Jahre zu verlängern, werden sie nun kostspielig modernisiert – etwa eine Milliarde Euro pro Kraftwerk, insgesamt rund 50 Milliarden Euro.
Gleichzeitig müssen neue Reaktoren gebaut werden. Ein Beispiel ist Flamanville, das erste neue Kernkraftwerk seit 25 Jahren. Ursprünglich mit drei Milliarden Euro veranschlagt und für das Jahr 2012 geplant, kostete es letztlich 13 Milliarden und ging erst im Jahre 2024 in Betrieb. Der Staat unterstützte erneut mit günstigen Krediten und Garantien. Trotz dieser Hilfe hat EDF heute Schulden von über 50 Milliarden Euro. Im Jahre 2023 musste der französische Staat das Unternehmen vollständig übernehmen und weitere Milliarden investieren. Allein die staatlich finanzierte Kernforschung seit dem Jahr 1950 kostete rund 40 Milliarden Euro.
EIN PLAN VOLLER FRAGEZEICHEN
Im Jahre 2022 rief Präsident Macron eine Renaissance der Kernenergie aus und kündigte Pläne für bis zu 14 neue Reaktoren an. Frankreich betreibt derzeit 57 Kernkraftwerke, von denen einige als veraltet gelten. Ein Endlager für radioaktive Abfälle ist nahe der deutschen Grenze geplant.
EDF stellte inzwischen einen neuen Plan für den Bau von lediglich sechs EPR2-Reaktoren an den Standorten Penly, Gravelines und Bugey vor, der teurer ausfällt als zuvor angenommen. Die Kostenschätzung liegt nun bei 72,8 Milliarden Euro (Preisstand 2020), während EDF im Jahre 2023 noch mit 51,7 Milliarden rechnete. Der erste Reaktor in Penly soll frühestens im Jahre 2038 in Betrieb gehen. Weitere Reaktoren sollen laut aktuellem Plan in Abständen von 12 bis 18 Monaten folgen.
Für das Jahr 2026 genehmigte EDF ein Budget von 2,7 Milliarden Euro für das Programm, kann den Bau neuer Kernkraftwerke jedoch nicht ohne staatliche Unterstützung und Risikoteilung finanzieren. Geplant sind staatliche Subventionen, darunter ein subventionierter Kredit, der mindestens die Hälfte der Baukosten decken soll. Konkrete Vertragsdetails liegen bislang nicht vor; es handelt sich um einen Rahmenplan.
REAKTOR EPR2
EPR2 (European Pressurized Reactor 2) ist ein fortschrittlicher Druckwasserreaktor der Generation III+, entwickelt vom französischen Unternehmen EDF in Zusammenarbeit mit Framatome. Es handelt sich um eine optimierte Version des ursprünglichen EPR, basierend auf Erfahrungen aus Projekten in Frankreich (Flamanville), Finnland (Olkiluoto) und China (Taishan).
Die elektrische Nettoleistung beträgt etwa 1.670 MWe. Der EPR2 verwendet deutlich weniger Komponenten als sein Vorgänger (z. B. 250 Rohrtypen statt 400 und nur 571 Ventile gegenüber ursprünglich 13.300), was Kosten senken und den Bau beschleunigen soll. Zudem ist er für eine stärkere Nutzung vorgefertigter Bauteile ausgelegt.
Auch das Containment (Schutzhülle) wurde angepasst: Statt einer doppelten Wand kommt eine einzelne, sehr starke Wand mit Metallauskleidung zum Einsatz. Der Reaktor kann bis zu 30 % MOX-Brennstoff (wiederaufbereiteter Brennstoff) nutzen und ist für flexiblen Betrieb („Load follow“) ausgelegt, um erneuerbare Energien im Netz zu ergänzen. Die geplante Betriebsdauer beträgt mindestens 60 Jahre.
/gr/
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien
25.03.2026 Monatszeitung Respekt Spezial Autor: MARTIN UHLÍŘ
Chatbots und andere intelligente Maschinen werden bald mehr Energie verschlingen als das Bitcoin-Mining. Wie viel genau, weiß niemand.
Der Supercomputer Karolina in Ostrava befindet sich in zwei Reihen von Schränken, die zusammen mit weiterer Hardware eine Halle von der Größe einer kleineren Turnhalle füllen.
Mit seinem Erscheinungsbild wird er den „Helden“ von Science-Fiction-Geschichten wie dem intelligenten Computer HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke gerecht. Bewundernswert sind jedoch auch seine Leistungsdaten: Er rechnet wie mindestens 100.000 vernetzte Laptops und hat eine maximale Leistungsaufnahme von rund einem Megawatt. Würde er dauerhaft unter Volllast laufen – was in der Praxis meist nicht der Fall ist –, würde er so viel Strom verbrauchen wie eine gewöhnliche tschechische Kleinstadt mit mehr als tausend Haushalten. Der Großteil entfällt auf die Berechnungen selbst, ein Teil wird für Kühlung und Klimatisierung der Halle benötigt. Der Sauerstoffgehalt ist hier wegen der Brandgefahr von üblichen 21 Prozent auf 15 Prozent reduziert, was dem Atmen in einer Höhe von etwa 2.700 Metern entspricht.
Karolina befindet sich im IT4Innovations, dem nationalen Supercomputerzentrum an der Technischen Universität Ostrava, das sich vor allem mit wissenschaftlichen Berechnungen beschäftigt. Ein Aufenthalt im Inneren dieser Maschine kommt dem nahe, was ein Besucher sehen würde, der physisch in das „Gehirn“ moderner künstlicher Intelligenz eintreten könnte, wie sie von privaten Unternehmen entwickelt wird – etwa das populäre Sprachmodell ChatGPT von OpenAI. Allerdings nur hinsichtlich des Prinzips, nicht der Größe: Diese ist bei Karolina eher bescheiden. Die Hardware, auf der große Chatbots nach dem Training laufen, kann über mehrere Rechenzentren verteilt sein – also über zahlreiche große Gebäude, die an Lagerhallen oder Fabriken voller Serverschränke erinnern.
Die Gesamtfläche, die Sprachmodelle und andere KI-Anwendungen wie Übersetzer, fortschrittliche Suchmaschinen oder Videogeneratoren benötigen, ist unbekannt; Unternehmen wie Microsoft, Google oder OpenAI geben diese Informationen nicht bekannt. Ebenso behalten sie Angaben zum Energieverbrauch und zu weiteren Umweltkosten für sich, etwa Wasserverbrauch zur Kühlung oder Treibhausgasemissionen. Eine Offenlegung würde den Bemühungen widersprechen, künstliche Intelligenz ausschließlich positiv darzustellen.
Die negativen Auswirkungen lassen sich jedoch nicht ignorieren. In Chile trocknen durch den Wasserverbrauch von Rechenzentren wichtige Trinkwasserreservoirs aus. In Südafrika kollabiert das ohnehin überlastete Stromnetz. Ähnlich ist die Lage in Zentralmexiko, wo Microsoft ein großes Rechenzentrum eröffnet hat. Laut The New York Times berichten Einheimische von häufigeren Stromausfällen, unterbrochenen Krankenhausoperationen, Schulschließungen und verlängerten Wasserknappheiten, die sogar eine Hepatitis-Epidemie begünstigten. In Irland, wo Rechenzentren bereits rund ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs ausmachen, hat die Regierung ihren Ausbau in der Umgebung von Dublin eingeschränkt.
Die meisten Rechenzentren befinden sich in den USA, wo sie etwa fünf Prozent des Stromverbrauchs ausmachen, gefolgt von China und Europa. Weltweit wächst ihre Zahl rasant – und damit auch der Energiebedarf. „Große Unternehmen sichern sich Strom aus Kernkraftwerken. Eine typische Lösung ist jedoch ein Gaskraftwerk direkt neben dem Rechenzentrum“, erklärt Ondřej Vysocký von IT4Innovations. Gaskraftwerke liefern stabile Energie und lassen sich schnell errichten.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Welt. Sie dienen nicht nur der KI, sondern auch der Cloud-Speicherung, wissenschaftlichen Berechnungen, Unternehmensentwicklung und dem Mining von Kryptowährungen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) wird sich ihr Energieverbrauch bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln – und KI wird der Haupttreiber dieses Wachstums sein. Ein aktuelles großes KI-Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie 100.000 Haushalte, während die größten im Bau befindlichen Anlagen den Verbrauch von zwei Millionen Haushalten erreichen sollen. Der genaue Anteil der KI am Gesamtverbrauch bleibt jedoch unklar.
Damit befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Künstliche Intelligenz ist eine Art Black Box – sowohl in Bezug auf ihre Funktionsweise als auch auf ihre Auswirkungen auf den Planeten. Selbst Experten verstehen nicht vollständig, wie sie „denkt“, und Wissenschaftler außerhalb der Industrie müssen sie wie ein fremdes Objekt untersuchen.
Fünf Temelíns sind nur der Anfang….
Noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts glaubten viele Wissenschaftler, dass für eine KI auf dem Niveau eines promovierten Experten ein spektakulärer Durchbruch nötig sei – etwa die Verbindung von Siliziumchips mit menschlichen Neuronen. Heute ist diese Intelligenz Realität – und sie entstand einfacher: durch massive Erhöhung der Rechenleistung. Je größer das „Computergehirn“, desto leistungsfähiger ist es. Ähnlich wie in der Natur führt Wachstum zu überraschenden Sprüngen in den Fähigkeiten.
Das hat jedoch seinen Preis. Laut Schätzungen von Live Science verbrauchte allein das Training des Sprachmodells GPT-4 rund 50 Gigawattstunden Energie – etwa so viel Strom, wie 50 Temelín-Reaktoren in einer Stunde erzeugen könnten. Diese Energiemenge könnte eine Stadt wie San Francisco etwa drei Tage lang versorgen.
Dabei ist GPT-4 nur eines von vielen Modellen, und das Training ist erst der Anfang. Der Betrieb selbst ist theoretisch weniger energieintensiv, doch die enorme Nutzerzahl gleicht das aus: ChatGPT verarbeitet laut OpenAI täglich rund 2,5 Milliarden Anfragen. Jede einzelne benötigt wenig Energie, doch in Summe entsteht ein erheblicher Verbrauch. Große KI-Rechenzentren verbrauchen daher so viel Strom wie kleinere Städte.
Wie hoch ist der Gesamtverbrauch? Einer der Experten, die das untersuchen, ist der niederländische Wissenschaftler Alex de Vries-Gao von der Freien Universität Amsterdam. Da Unternehmen keine Daten veröffentlichen, nutzt er indirekte Methoden – etwa die Produktionskapazitäten von Hardwareherstellern wie TSMC. Diese würden vollständig ausgelastet, so de Vries-Gao.
„Man könnte einwenden, dass die gekaufte Hardware nicht voll genutzt wird“, erklärt er. „Aber stellen Sie sich vor, Sie hätten 200.000 teure Server und ließen sie ungenutzt – das wäre ziemlich seltsam.“
Unter der Annahme, dass alle Server laufen, schätzt er, dass KI Ende des Jahres 2024 weltweit etwa zehn Gigawatt Leistung benötigte. Das entspricht mehr Strom als Länder wie Tschechien, Österreich oder Finnland verbrauchen. Gleichzeitig wäre dieser Bedarf noch mit etwa fünf Kernkraftwerken wie Temelín zu decken – also bislang kein gigantischer Wert. Er liegt deutlich unter dem Energieverbrauch des Bitcoin-Minings und macht etwa ein Fünftel des Verbrauchs aller Rechenzentren (ohne Krypto-Mining) aus.
Besorgniserregend ist jedoch das Wachstum: Bis Ende 2025 könnte der Verbrauch laut de Vries-Gao auf 23 Gigawatt steigen – mehr als eine Verdopplung. Damit würde KI das Bitcoin-Mining übertreffen und sich dem Stromverbrauch Großbritanniens annähern. Ob diese Prognose zutrifft, wird sich im Jahre 2026 zeigen, wenn klar ist, ob die Kunden der Hardwarehersteller tatsächlich die gesamte Produktion ausgeschöpft haben.
/gr/
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe
25.03.2026 Wochenzeitung Nástup Seite 3 Autorin: E. Minaříková
NORDBÖHMEN – Exkursionen in die Produktionsbetriebe der ČEZ-Gruppe erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit – sowohl im Rahmen des Schulunterrichts als auch im individuellen Industrietourismus. Die Infocenter und Kraftwerke von ČEZ wurden im vergangenen Jahr von insgesamt 297.000 Besuchern besichtigt – persönlich, online oder mithilfe von Virtual Reality.
Gerade VR erfreute sich großer Nachfrage: 145.000 Interessierte nutzten VR-Brillen für einen virtuellen Besuch, das sind um 10.000 mehr als im Jahr 2024. Physisch besuchten insgesamt 152.000 Menschen ausgewählte Anlagen des Energieunternehmens. Einen Anteil daran haben auch einige Standorte in Nordböhmen mit 12.893 Besuchern.
Traditionell verzeichnete das Infocenter der ČEZ-Gruppe im Kraftwerk Ledvice die meisten Besucher – und zwar einen Rekordwert von 11.211. Das sind 1.211 mehr als im Jahr 2024, womit die Gesamtbesucherzahl bereits zum zweiten Mal in Folge die symbolische Marke von 10.000 überschritt. Dieser Grenze hatte sich das Infocenter bereits 2023 genähert, als nur 138 Besucher fehlten.
Die Besucher des vergangenen Jahres bestanden vor allem aus Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden von Grund-, Mittel- und Hochschulen aus der gesamten Republik, darunter auch Kinder aus Kindergärten in der Umgebung des Kraftwerks. Zahlreich waren zudem Wochenend- und insbesondere Ferienbesuche von Familien mit Kindern im Rahmen des Industrietourismus.
Das Infocenter wurde auch von Ausländern besucht – insgesamt 302 Personen. Neben Bürgern aus EU-Staaten kamen im Rahmen ihrer Aufenthalte in der Tschechischen Republik – sei es privat oder beruflich – auch Besucher aus England, Nordmazedonien, den USA, Japan, der Schweiz, Kanada und Island. Fünf Besucher reisten sogar aus Sambia/Lesotho an.
/gr/
Aufregung um Kernenergie und Gas
25.03.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autorin: Dáša Hyklová
Rubrik: Wirtschaft - Seite: 11
Die Ausgestaltung der EU-Taxonomie gefährdet Dekarbonisierungspläne.
Die sogenannte EU-Taxonomie ist gewissermaßen ein europäischer grüner Fahrplan. Dieses komplexe Klassifikationssystem mit dem Anspruch zu definieren, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten ökologisch nachhaltig sind, trat vor sechs Jahren im Juli in Kraft. Konkrete Verpflichtungen für Unternehmen und Investoren wurden jedoch schrittweise eingeführt. Seitdem bemühen sich Unternehmen, die damit verbundenen starren Tabellen auszufüllen, um Subventionen, grüne Zertifikate oder günstigere Kredite zu erhalten.
Nachdem viele über die extreme bürokratische Belastung geklagt hatten, leitete die Europäische Kommission eine Bereinigung ein. Änderungen brachte das sogenannte Omnibus-Paket; zudem startete die Kommission im März eine öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der technischen Kriterien der Taxonomie. Unternehmen, Verbände, Experten und auch Einzelpersonen können sich bis Mitte April dazu äußern. Anschließend wird die Kommission die Vorschläge final anpassen und plant, sie im Sommer zu verabschieden. Danach haben das Europäische Parlament und der Rat der EU zwei bis vier Monate Zeit für die Prüfung.
Worum geht es eigentlich?
Zu den sechs Hauptzielen der EU-Taxonomie gehören die Abschwächung des Klimawandels, die Anpassung an den Klimawandel, die nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einschließlich Recycling und Reparatur, die Vermeidung und Verringerung von Umweltverschmutzung sowie der Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.
Damit Stromerzeugung als nachhaltig gelten kann, muss sie wesentlich zu mindestens einem dieser sechs Ziele beitragen, darf keines der übrigen fünf erheblich beeinträchtigen und muss zudem minimale soziale Standards wie Menschenrechte und Arbeitsbedingungen einhalten.
In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Unternehmen in einem Bereich „grün“ sein will – etwa bei der Installation von Solaranlagen –, muss es nachweisen, dass es die Biodiversität nicht schädigt. Entscheidet es sich beispielsweise, ein Solarkraftwerk auf einer alten Brachfläche zu errichten, beauftragt es einen Experten, der sicherstellt, dass alles mit der Taxonomie im Einklang steht – etwa dass die Installation auf Betonflächen keine seltenen Tierarten gefährdet.
„Die Taxonomie sollte ein Regelwerk unter anderem für den Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft sein. In ihrer jetzigen Form ist sie jedoch ein absurder Unsinn, und eine Welt nach der Taxonomie ist weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar, geschweige denn nachhaltig. Niemand in der Energiewirtschaft glaubt, dass die festgelegten Bedingungen erfüllbar sind“, warnt Michal Macenauer, Strategiechef der Beratungsfirma EGU.
Gas und Kernenergie im Nachteil
Experten warnen jedoch, dass die Bürokratie, die Brüssel derzeit abbauen will, bei der Taxonomie nur ein zweitrangiges Problem ist. Die größte Kontroverse und mögliche künftige Komplikationen betreffen die strengen Fristen für die Nutzung von Kernenergie und Erdgas. Genau darüber müsse jetzt ernsthaft diskutiert werden.
Die Aufnahme von Kernenergie und Gas in die EU-Taxonomie war eine der meistbeachteten Entscheidungen in der Geschichte der europäischen Energiepolitik. Die Debatte dauerte Jahre und mündete schließlich in einen sogenannten ergänzenden delegierten Rechtsakt, der beiden Energiequellen ein „grünes Label“ verlieh – allerdings mit vielen Einschränkungen. Die EU erkannte an, dass Kernenergie nur minimale Treibhausgasemissionen verursacht und das Netz stabilisieren kann. Damit sie jedoch als nachhaltig gilt, müssen neue Kernkraftwerksprojekte bis 2045 eine Baugenehmigung erhalten. Bestehende Anlagen können als nachhaltig gelten, wenn ihre Modernisierung bis zum Jahr 2040 genehmigt wird. Der Staat muss zudem einen detaillierten Plan und finanzielle Mittel für ein tiefengeologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle vorweisen, das bis zum Jahr 2050 in Betrieb sein muss. Außerdem müssen die besten verfügbaren Technologien, also Reaktoren der Generation III, eingesetzt werden.
Wie der Verband der Energiewirtschaft der Tschechischen Republik (SEČR) betont, ist Kernenergie unter den Bedingungen der Tschechischen Republik unersetzlich und daher auch künftig ein zentraler Bestandteil des Energiemixes. Der Verband empfiehlt entweder eine dauerhafte Einstufung entsprechender Technologien als nachhaltige Investitionen oder eine Verschiebung der Fristen 2040 und 2045 auf die Jahre 2060 bzw. 2065.
Dies sieht auch Macenauer so: „Im Bereich der Kernenergie wird es notwendig sein, sie nicht nur als vorübergehend nachhaltig anzuerkennen, sondern als dauerhaft nachhaltig. Wir weisen wiederholt darauf hin, dass die Energiewirtschaft der EU ohne Kernenergie unter keinen Umständen dauerhaft dekarbonisiert werden kann – unabhängig von der Preisentwicklung erneuerbarer Energien.“
Auch Erdgas betrachtet die Taxonomie als Übergangsbrennstoff. Es ist also nicht so sauber wie Wind oder Sonne, kann aber als notwendige Brücke beim Übergang von Kohle dienen. Die Bedingungen für die Einstufung von Gaskraftwerken als „grün“ sind in der EU sehr streng und zeitlich begrenzt. Im Übergangszeitraum müssen die direkten Emissionen unter 270 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde liegen, und die durchschnittlichen jährlichen Emissionen dürfen über 20 Jahre hinweg 550 Kilogramm CO₂ pro installiertem Kilowatt nicht überschreiten.
Aus Sicht potenzieller Investoren ist jedoch besonders umstritten, dass die Baugenehmigungen für solche Projekte bis Ende des Jahres 2030 erteilt werden müssen. Die Anlagen müssen zudem schrittweise auf kohlenstoffarme Gase wie Wasserstoff oder Biomethan umgestellt werden. Bis zum Jahr 2035 soll das eingesetzte Gas zu 100 Prozent aus diesen saubereren Varianten bestehen.
Die Situation rund um die Frist 2030 für neue Gaskraftwerke ist derzeit sehr angespannt und Gegenstand harter Verhandlungen zwischen einigen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. In vielen Ländern dauert es fünf bis acht Jahre, alle Genehmigungen für ein großes Kraftwerk zu erhalten. Projekte, die nicht bereits vor zwei Jahren vorbereitet wurden, werden die Frist 2030 nicht einhalten können, warnen Experten. Gleichzeitig werden Kohlekraftwerke aufgrund hoher Emissionszertifikatpreise schneller stillgelegt als erwartet. Die Verpflichtung, bis 2035 vollständig auf Wasserstoff umzusteigen, ist für Investoren riskant, da die entsprechende Infrastruktur nur langsam aufgebaut wird.
Fristen verschieben
Der Energieverband schlägt daher vor, die Fristen um zehn Jahre zu verschieben – also die Baugenehmigungen auf 2040 und die vollständige Ablösung von Erdgas auf das Jahr 2045. „Die derzeitige Festlegung der Fristen ist aus unserer Sicht unrealistisch, auch wegen der langsamen Entwicklung des Marktes für Wasserstoff und andere erneuerbare Gase. In der Tschechischen Republik wird es daher schwierig oder unmöglich sein, Erdgas nach Ablauf dieser Frist zu ersetzen“, warnt Josef Kotrba, Geschäftsführer des Energieverbands. Besonders die Dekarbonisierung von Fernwärmesystemen werde weiterhin vom Erdgas abhängen und sei aufgrund der geografischen Lage des Landes sozial sehr sensibel. Zudem gefährden die aktuellen Fristen notwendige Investitionen in die Versorgungssicherheit.
„Heute ist allen Experten klar, dass neben der Kernenergie erneuerbare Energien und Gas-und-Dampf-Kraftwerke die entscheidenden Energiequellen für die kommenden Jahrzehnte sein müssen. Die aktuellen Bedingungen der Taxonomie erschweren unsere geplanten Investitionen. Kaum ein Investor wird das Risiko kurzer Fristen, sich ändernder Bedingungen und letztlich unsicherer oder sogar verlustreicher Investitionen eingehen“, erklärt Blahoslav Němeček, Vorstandsmitglied von innogy Tschechien.
Nach Ansicht Macenauers ist nicht nur die Frist für Baugenehmigungen bis zum Jahr 2030 problematisch, sondern vor allem die Verpflichtung, fossiles Gas bis zum Jahr 2035 vollständig durch „grünes“ Gas zu ersetzen. „Emissionsfreies Gas kann aus Kapazitätsgründen nur teilweise organischen Ursprungs sein, der Großteil müsste synthetisch sein – entweder Wasserstoff oder synthetisches Methan. Wasserstoff wird bis 2035 mit Sicherheit weder in Tschechien noch in Deutschland oder anderen EU-Ländern in ausreichender Menge verfügbar sein“, argumentiert er. „Die Übergangsrolle von Erdgas muss über einen deutlich längeren Zeitraum gestreckt werden.“
Der Energieverband hat seine Stellungnahme bereits in die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission eingebracht. „Derzeit ist unser wichtigster Ansprechpartner das Ministerium für Industrie und Handel, mit dem wir in dieser Frage eine übereinstimmende Sicht haben und sehr gut zusammenarbeiten“, so der Verband.
Noch vor den Sommerferien planen Vertreter des Verbands eine Reise nach Brüssel. „Im Rahmen dieser Reise möchten wir uns unter anderem mit Vertretern der Europäischen Kommission treffen, die für die Taxonomie verantwortlich sind“, schließt Josef Kotrba.
Neben der Kernenergie müssen erneuerbare Energien und Gaskraftwerke Schlüsselquellen sein.
/gr/
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
Autor: Jiří Puchnar
24. März 2026, oenergetice.cz
Die finnische Regierung hat am 12. März dem Parlament einen Entwurf für ein neues Gesetz über die Kernenergie vorgelegt. Dieses soll das bisherige Gesetz aus dem Jahr 1987 ersetzen. Gleichzeitig sollen auch 14 weitere Rechtsvorschriften geändert werden, darunter das Gesetz zum Strahlenschutz.
Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Beschäftigung besteht das Ziel der Reform darin, sicherzustellen, dass die Nutzung der Kernenergie im gesamtgesellschaftlichen Interesse erfolgt, sicher betrieben wird und mit einem verantwortungsvollen Umgang mit radioaktiven Abfällen verbunden ist. Die neue Regelung soll zudem die Übereinstimmung mit europäischem Recht und internationalen Verpflichtungen Finnlands gewährleisten.
Reform soll neue Projekte beschleunigen…
Die Regierung von Premierminister Petteri Orpo will mit der Reform Finnlands Position als attraktiven Standort für Investitionen in die Kernenergie stärken. Die neue Gesetzgebung soll die Projektvorbereitung beschleunigen, die Kosteneffizienz erhöhen und die Planungs- sowie Umsetzungsprozesse besser vorhersehbar machen.
Das neue Gesetz soll flexiblere Genehmigungs-, Lizenzierungs- und Meldeverfahren einführen. Dadurch soll es einfacher werden, bereits genehmigte technische Lösungen wiederzuverwenden und zugleich neue Konzepte – einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMR) – weiterzuentwickeln. Die Reform soll zudem ermöglichen, Kernanlagen näher an den Orten des Stromverbrauchs zu errichten.
Einfachere Genehmigungen und Rolle der STUK….
Das Genehmigungsverfahren soll vor allem in den frühen Projektphasen vereinfacht werden, um Projektrisiken flexibler steuern zu können, ohne die Sicherheitsanforderungen zu senken. Bei Kernanlagen mit einer thermischen Leistung bis 50 MW soll künftig grundsätzlich das Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung entscheiden, während bei größeren Projekten diese Kompetenz weiterhin bei der Regierung verbleibt.
Gleichzeitig sollen auch die Vorschriften der finnischen Atomaufsichtsbehörde STUK angepasst werden. Die Reform soll das hohe Sicherheitsniveau beibehalten, übermäßig detaillierte Regulierung reduzieren und einen flexibleren regulatorischen Rahmen für neue Kernenergieprojekte schaffen.
Inkrafttreten des neuen Gesetzes im Jahr 2027...
Die finnische Ministerin für Umwelt und Klima, Sari Multala, erklärte, dass das Land weiterhin emissionsfreie, bezahlbare und zuverlässige Energiequellen benötigen werde, zu denen auch die Kernenergie gehöre. Die Reform solle sicherstellen, dass die Regulierung besser auf verschiedene technologische Lösungen und den weiteren technologischen Fortschritt abgestimmt ist. Gleichzeitig soll sie unterschiedliche Umsetzungsmodelle für Kernenergieprojekte unterstützen sowie das Risikomanagement, die Investitionssicherheit und den Zugang zu Finanzierung verbessern.
Das neue Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach Angaben der finnischen Regierung würde dies ermöglichen, Anträge auf Grundsatzentscheidungen noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode nach den neuen Regeln einzureichen.
In Finnland sind derzeit fünf Kernreaktorblöcke in zwei Kraftwerken in Betrieb. Im Kernkraftwerk Loviisa werden zwei Druckwasserreaktoren des Typs VVER-440/V-213 betrieben (Loviisa 1 und 2), die 1977 bzw. 1981 in Betrieb gingen. Das Kraftwerk Olkiluoto betreibt zwei Siedewasserreaktoren (Blöcke 1 und 2) aus den Jahren 1979 und 1982 sowie den neuen Block Olkiluoto 3 vom Typ EPR, der im Jahre 2023 den kommerziellen Betrieb aufnahm. Kernenergie deckt derzeit etwa 40 % der Stromerzeugung in Finnland.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... dporit-smr
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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Gabi Reitinger
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- Registriert: Mi 6. Okt 2021, 11:34
Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Ausgewählte Zeitungsartikel aus Tschechien zum Thema Energie vom 26.März 2026:
Inhalt:
Temelin: Ein Brennelement wird eine halbe Stunde lang verladen, insgesamt sind es 163.
Wegen Dukovany wird die Brücke stabiler.
Moravská Třebová hat die Behandlung des Vorhabens zum Bau von vier Windkraftanlagen verschoben.
Deutschland will seine Klimaziele unter anderem mithilfe von 2000 Windkraftanlagen erreichen.
Höhere Leistung und Wiederinbetriebnahmen: Die USA wollen innerhalb von drei Jahren die verfügbare Leistung bestehender Kernkraftwerke um 5 GW erhöhen
------
TEMELÍN: Ein Brennelement wird eine halbe Stunde lang verladen, insgesamt sind es 163
26.03.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Südböhmen – Seite 11 Autor: Jan Jakovljevič
Eine massive, ferngesteuerte Maschine bewegt sich langsam auf Schienen in der Reaktorhalle des abgeschalteten zweiten Blocks des Kernkraftwerks Temelín. Sie trägt eines von 163 Brennelementen, die derzeit in den Reaktor geladen werden. Der Transport jedes einzelnen dauert etwa eine halbe Stunde, bis Freitag soll alles abgeschlossen sein.
„Das Beladen des Reaktors mit Brennstoff erfolgt unter Wasser. Die Brennelemente werden aus dem Lagerbecken an exakt festgelegte Positionen in den Reaktor transportiert“, beschreibt Miroslav Mazanec, Leiter der Gruppe für Verwaltung und Kontrolle von Kernbrennstoff und Reaktorkern.
Im Hinblick auf die Lebensdauer des Kraftwerks und einen sicheren langfristigen Betrieb werden teilweise abgebrannte Brennelemente an den Rand des Reaktorkerns eingesetzt. „Die frischen Elemente kommen eher ins Zentrum der aktiven Reaktorzone“, ergänzt Mazanec.
Jedes Brennelement hat die Form eines sechseckigen Prismas, ist viereinhalb Meter lang, wiegt 750 Kilogramm und besteht aus 312 Brennstäben. Diesmal wird noch russischer Brennstoff aus Vorräten verwendet, bei der Herbstabschaltung des ersten Blocks wird jedoch bereits amerikanischer Brennstoff von Westinghouse eingesetzt.
Obwohl es sich bereits um nahezu die fünfzigste Beladung der Temelín-Reaktoren handelt, legen die Energieexperten großen Wert auf Sicherheit. Neben drei lokalen Fachleuten überwachen auch nationale und internationale Institutionen den gesamten Prozess. „Die Internationale Atomenergie-Organisation verfolgt sämtliche Manipulationen mit Kernbrennstoff mithilfe von Kameras, die hier installiert sind. Kontrollen führt auch das Staatliche Amt für nukleare Sicherheit durch“, erklärt Kraftwerkssprecher Marek Sviták und zeigt auf die blauen Kameras an der Wand der Reaktorhalle.
Die derzeitige planmäßige zweimonatige Abschaltung des zweiten Blocks begann am 13. Februar und befindet sich nun im letzten Drittel. Mit dem Beladen des Brennstoffs und dem anschließenden Hochfahren des Reaktors tritt das Kraftwerk in die Endphase eines längeren Brennstoffzyklus ein. „In der Praxis bedeutet das einen Betrieb von 16 Monaten, gefolgt von einer zweimonatigen Abschaltung“, erläutert Sviták. Seit der Inbetriebnahme liefen die Blöcke über mehr als 20 Jahre hinweg jeweils zehn Monate zwischen den Abschaltungen. Vor drei Jahren begann jedoch der schrittweise Übergang zu einem längeren Brennstoffzyklus.
„Das Ziel ist es, mehr Strom zu erzeugen. Wir bauen nichts Neues, es geht nur um eine bessere Nutzung der bestehenden Technologie“, betont Sviták und fügt hinzu, dass dies weltweit gängige Praxis sei.
Abschaltungen gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten und sind laut Sviták deutlich komplexer als der eigentliche Betrieb. Innerhalb von zwei Monaten müssen die Techniker mehr als 18.000 Aufgaben bewältigen. „Neben dem Beladen des Brennstoffs sind das Kontrollen der Sicherheitssysteme, Überprüfungen der Turbine sowie 80 geplante Investitionsmaßnahmen, die das Kraftwerk weiter verbessern“, beschreibt Sviták.
Derzeit wird der Austausch des Überwachungssystems der Turbine abgeschlossen, bei dem spezielle Sensoren installiert wurden. Dadurch kann ihr Zustand während des Betriebs überwacht werden. Von zentraler Bedeutung ist außerdem die Modernisierung des Steuerungssystems des Kraftwerks. Diese begann bereits im Jahre 2022 und soll im Jahr 2029 abgeschlossen sein. Derzeit wird etwa ein Drittel der Technologie mithilfe des neuen Systems gesteuert, und auch die Block - Operateure arbeiten bereits in der neuen Umgebung. Der Übergang erfolgt jedoch schrittweise, da dafür ebenfalls nur die zweimonatigen Abschaltungen zur Verfügung stehen.
Bildunterschrift:
Der zweite Block ist abgeschaltet. Eine ferngesteuerte Maschine, die sich auf Schienen bewegt, nimmt auf einer Seite der Reaktorhalle ein Brennelement auf und bringt es anschließend an eine genau festgelegte Position im Reaktor. Alles geschieht unter Wasser.
/gr/
Wegen Dukovany wird die Brücke stabiler
26.03.2026 Tageszeitung Právo Region Vysocina – Seite 16 Autor: Jiří Bárta
Mit Havlíčkův Brod verbinden viele Autofahrer große Verkehrsprobleme. In diesem Jahr wird es jedoch besonders heftig.
Die drittgrößte Stadt der Region Vysočina bereitet sich nämlich auf erhebliche Einschränkungen vor. Die Straßen- und Autobahndirektion muss eine Brücke über den Fluss Sázava im Stadtverlauf abreißen und neu bauen. Die ersten Arbeiten beginnen gleich nach Ostern, die vollständige Sperrung gilt voraussichtlich ab etwa dem 20. Mai.
Die stark belastete vierspurige Brücke in der Masaryk-Straße, über die täglich 23.000 Fahrzeuge fahren, ist zwar nicht in einem schlechten Zustand, doch die neue wird stabiler sein – sie wird dann auch die Anforderungen für den Transport schwerer Lasten zum Ausbau des Kernkraftwerks Kernkraftwerk Dukovany erfüllen.
Neubau muss 900 Tonnen tragen können...
„Die umfassende Rekonstruktion der Brücke über den Fluss Sázava umfasst ihren Abriss und den Bau einer neuen Brücke mit einer Tragfähigkeit von bis zu 900 Tonnen. Bestandteil des Projekts sind auch die Verlegung von Versorgungsleitungen sowie die Anpassung angrenzender Abschnitte der Masaryk- und Lidická-Straße auf einer Länge von 206 Metern, einschließlich der Kreuzung mit der Straße I/34“, beschrieb Aleš Kratina, Leiter der Niederlassung Jihlava der Straßen- und Autobahndirektion, die Pläne.
Zunächst wird neben der bestehenden Brücke ein etwa 50 Meter langes provisorisches Bauwerk errichtet, das Rettungsdiensten und Bussen dienen wird. Davon sollen täglich rund 140 verkehren. Andere Autofahrer müssen Umleitungen über die nordöstliche und südöstliche Umgehungsstraße der Stadt nutzen.
„Der Grund sind die räumlichen Gegebenheiten sowie die Sicherstellung eines flüssigeren und sichereren Verkehrs“, erklärte Kratina.
Die neue Brücke wird von der Firma Strabag für rund 158 Millionen Kronen ohne Mehrwertsteuer gebaut. Autofahrer sollen sie im dritten Quartal 2027 nutzen können.
Die Sperrung der Masaryk-Straße wird jedoch tausende Fahrzeuge auf andere Routen lenken. „Die größten Probleme sind am Kreisverkehr beim Stříbrný Dvůr sowie am Kreisverkehr bei der St.-Katharina-Kirche im Stadtzentrum zu erwarten“, teilte die Stadt auf ihrer Website mit.
„Dass es gut ist, in den ersten zehn Tagen nach dem Abriss der Brücke nicht nach Brod zu fahren, werden wir überall kommunizieren. Wer die Stadt umgehen kann, sollte das tun“, zitierte die Nachrichtenagentur ČTK den stellvertretenden Bürgermeister Libor Honzárek (TOP 09). Die Einheimischen müssen sich zunächst an die veränderten Verkehrsströme gewöhnen.
Viele Einwohner waren überrascht, dass die Straßenbehörde auch den Kreisverkehr bei der „Selská jizba“ am Stadtrand anpassen wird. Dieser Abschnitt der Umgehungsstraße wurde erst im Dezember 2023 eröffnet. Auch diese Maßnahmen hängen mit dem künftigen Transport großer Lasten nach Dukovany zusammen. Die Arbeiten im Wert von neun Millionen Kronen sollen bis Mai abgeschlossen sein.
„Teil der Maßnahme ist eine Höhenanpassung der Mittelinsel in Richtung Havlíčkův Brod. Die Insel ist als überfahrbar konzipiert“, erklärte der regionale Sprecher der Straßenbehörde Jiří Veselý. Ein- und Ausfahrten des Kreisverkehrs werden zudem an den Rändern mit Pflaster verstärkt.
„Während der Arbeiten wird nur mit teilweisen Verkehrseinschränkungen gerechnet, der Verkehr wird im Bereich des umgebauten Kreisverkehrs durch Ampeln geregelt“, ergänzte Kratina.
Der gleichzeitige Beginn der Arbeiten ist laut Straßenbehörde das Ergebnis einer sorgfältigen Koordination der Sperrungen, um den Verkehr in der Region möglichst wenig zu beeinträchtigen.
/gr/
Moravská Třebová hat die Behandlung des Vorhabens zum Bau von vier Windkraftanlagen verschoben
ČTK
25. März 2026, oenergetice.cz
Die Stadtführung von Moravská Třebová im Bezirk Svitavy wird das Vorhaben, vier Windkraftanlagen unterhalb des Hřebečský hřbet zu errichten, vorerst nicht erneut beraten. Die Investorengesellschaft S&M hat bislang weder die Eigentumsverhältnisse mit den Grundstückseigentümern geklärt noch die erforderlichen Genehmigungen der Zivilluftfahrtbehörde eingeholt, teilte die Stadtverwaltung auf ihrer Website mit. Bereits im Februar hatten die Stadtverordneten die Entscheidung über den Bau der Windkraftanlagen vertagt und vom Unternehmen unter anderem eine Lärmstudie verlangt.
„Einerseits sind uns die Vorteile der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sowie das Potenzial künftiger Vorteile aus der gemeinschaftlichen Energieversorgung bekannt, andererseits können wir nicht über etwas entscheiden, zu dem uns wesentliche Informationen fehlen. Die Klärung dieser Angelegenheiten kann noch einige Zeit in Anspruch nehmen, dennoch handelt es sich um grundlegende Faktoren, ohne die die gesamte Situation nicht verantwortungsvoll bewertet werden kann“, erklärte Bürgermeister Pavel Charvát (ODS).
Eine Stellungnahme der Stadt zu dem Vorhaben ist mindestens für dieses Jahr aufgeschoben.
Die Windkraftanlagen sollen nicht auf dem Kamm, sondern am Hang darunter in Richtung Moravská Třebová errichtet werden. Jede Anlage soll eine Leistung von sieben Megawatt (MW) haben, die Höhe einschließlich der Rotorblätter würde 250 Meter erreichen. Für die Möglichkeit, die Windkraftanlagen zu betreiben, würde die Stadt Einnahmen für ihren Haushalt erhalten. Der Investor bot 1,2 Millionen Kronen pro Anlage an.
Das Unternehmen S&M CZ aus Jevíčko betreibt im Bezirk Svitavy und in der Region Orlickoústecko mehrere Windparks. Es errichtete beispielsweise die bislang leistungsstärkste Anlage bei Žipotín, einem Ortsteil der Gemeinde Gruna im Bezirk Svitavy, mit einer installierten Leistung von 4,2 MW. Ein weiterer Windpark ist nordöstlich von Moravská Třebová geplant und soll eine Gesamtleistung von 42 MW haben.
Quelle: https://oenergetice.cz/vetrne-elektrarn ... elektraren
/gr/
Deutschland will seine Klimaziele unter anderem mithilfe von 2000 Windkraftanlagen erreichen
ČTK
25. März 2026, oenergetice.cz
Berlin (ČTK) – Mit dem Bau von 2000 neuen Windkraftanlagen, der Ausweitung von Mischwäldern sowie einer stärkeren Förderung der Elektromobilität will Deutschland seine Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen. Das gab Umweltminister Carsten Schneider heute auf einer Pressekonferenz bekannt, auf der er einen Plan mit insgesamt 67 Punkten vorstellte. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent zu senken.
Das neue Klimaprogramm wurde heute von der deutschen Regierung verabschiedet. Nach Berechnungen von Nichtregierungsorganisationen besteht die Gefahr, dass Deutschland sein eigenes Klimaziel verfehlt. Neben dem Ziel für das Jahr 2030 gibt es auch ein Ziel für das Jahr 2045, bis zu dem die größte europäische Volkswirtschaft klimaneutral werden will. Die Regierung musste das Programm laut Gesetz ein Jahr nach Beginn der Legislaturperiode vorlegen – die Frist endete heute.
Neben dem Bau von etwa 2000 Windkraftanlagen an Land mit einer Kapazität von 12 Gigawatt will die Regierung auch die Ausweitung von Mischwäldern auf Kosten von Monokulturen fördern, da diese widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel sind. Das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz möchte zudem die Elektromobilität unterstützen, einschließlich des Verkaufs von Elektrofahrzeugen und des Ausbaus der Ladeinfrastruktur. Für die geplanten Maßnahmen stellt die Regierung laut Minister Schneider acht Milliarden Euro (195,5 Milliarden Kronen) bereit. Das Ziel ist es, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 27,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen.
„Dieses Programm wird dem Klimaschutz neuen Schwung verleihen und uns helfen, unabhängiger von teuren und unsicheren Öl- und Gaslieferungen zu werden“, sagte Minister Schneider.
„Wir werden die Wirtschaft modernisieren, die Gesellschaft krisenfester machen und der Natur helfen, damit sie uns helfen kann“, fügte er hinzu.
Kritiker werfen der Regierung vor, in ihrem Programm zur Erreichung der Klimaziele zu optimistisch zu sein. Unter anderem basiere es auf veralteten Daten und berücksichtige nicht ausreichend die weitreichenden Folgen der Energiekrise im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg im Nahen Osten. „Ich bin nicht naiv. Weitere Fortschritte werden notwendig sein, sind aber auch möglich“, entgegnete Minister Schneider auf die Kritik.
Zu den Kritikern gehört auch die Umweltorganisation Greenpeace. Sechs ihrer Mitglieder kletterten heute früh auf einen Baukran am Gebäude des Bundeskanzleramts im Zentrum Berlins. Von dort ließen sie sich an Seilen herab und entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit statt fossiler Politik“. „Mit diesem Klimaprogramm setzt die Regierung eher auf Hoffnung als auf Sicherheit“, erklärte der Greenpeace-Vertreter Martin Kaiser.
Seiner Ansicht nach seien deutlich strengere Maßnahmen erforderlich, insbesondere im Verkehrssektor. Dazu könnte auch die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen gehören.
Quelle: https://oenergetice.cz/nemecko/nemecko- ... elektraren
/gr/
Höhere Leistung und Wiederinbetriebnahmen: Die USA wollen innerhalb von drei Jahren die verfügbare Leistung bestehender Kernkraftwerke um 5 GW erhöhen
Eduard Majling
25. März 2026, oenergetice.cz
Mit dem Amtsantritt der Regierung von Donald Trump hat sich die Energiepolitik der US-Bundesregierung wieder stärker in Richtung der Entwicklung fossiler und nuklearer Energiequellen bewegt. Im Bereich der Kernenergie planen die USA, die Stromerzeugung aus bereits bestehenden Anlagen zu steigern. Dies soll durch eine Kombination aus Leistungssteigerungen und der Wiederinbetriebnahme zuvor stillgelegter Anlagen geschehen. Das US Department of Energy hat dafür Hunderte Milliarden Dollar in Form günstiger Kredite zur Finanzierung dieser Aktivitäten bereitgestellt.
Mit steigenden Preisen für Energierohstoffe, insbesondere für Erdgas, rückt die Kernenergie erneut in den Fokus vieler Debatten. Während hohe Gaspreise vor allem importabhängige Regionen wie Europa oder Asien belasten, wird auch in den Vereinigte Staaten intensiver über eine stärkere Nutzung der Kernenergie diskutiert. Die Erhöhung der verfügbaren Leistung von Kernkraftwerken wird sowohl durch Initiativen privater Unternehmen als auch durch föderale Politik und Förderprogramme vorangetrieben.
Das US-Energieministerium unterstützt diese Bemühungen durch das Programm UPRISE. Die Regierung von Präsident Trump hat sich im Bereich der Kernenergie sehr ambitionierte Ziele gesetzt: Die installierte Leistung soll von derzeit rund 100 GW auf 400 GW bis zum Jahr 2050 steigen. Das Programm UPRISE soll dazu beitragen, die Leistung durch möglichst kosteneffiziente und schnelle Maßnahmen zu erhöhen.
Nach Angaben des Ministeriums konzentriert sich das Programm auf die Verlängerung der Laufzeiten bestehender Reaktoren durch Lizenzverlängerungen, die Leistungssteigerung bestehender Anlagen, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Blöcke sowie die Optimierung der Betriebseffizienz durch moderne Technologien, einschließlich fortschrittlicher Kernbrennstofftechnologien. Das Ziel des Programms ist es, die Leistung der Kernkraftwerke bis Ende des Jahres 2027 um 2,5 GW und bis zum Jahr 2029 um weitere 2,5 GW zu erhöhen.
Hunderte Milliarden aus staatlichen Krediten...
Noch in diesem Jahr sollen das Amt für Kernenergie und das Amt für Finanzierung der Energiedominanz, die dem Energieministerium unterstellt sind, Workshops organisieren, um den Abschluss von Kooperationsverträgen zwischen Betreibern von Kernkraftwerken und Abnehmern des erzeugten Stroms zu erleichtern. Das Ministerium verfügt über mehr als 289 Milliarden Dollar in Form günstiger Kredite, die bis zu 80 % der förderfähigen Kosten für Maßnahmen zur Leistungssteigerung von Kernkraftwerken abdecken sollen.
Laut Ministerium waren staatliche Kredite entscheidend für die Inbetriebnahme neuer Blöcke im Kernkraftwerk Vogtle. Ebenso werden sie derzeit für die Wiederinbetriebnahme zuvor stillgelegter Anlagen wie Palisades und des Crane Clean Energy Center (früher bekannt als Three Mile Island) genutzt. Diese beiden Anlagen, die noch in diesem bzw. im kommenden Jahr wieder ans Netz gehen sollen, werden zusammen eine Leistung von über 1,6 GW bereitstellen.
https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... oju-o-5-gw
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Temelin: Ein Brennelement wird eine halbe Stunde lang verladen, insgesamt sind es 163.
Wegen Dukovany wird die Brücke stabiler.
Moravská Třebová hat die Behandlung des Vorhabens zum Bau von vier Windkraftanlagen verschoben.
Deutschland will seine Klimaziele unter anderem mithilfe von 2000 Windkraftanlagen erreichen.
Höhere Leistung und Wiederinbetriebnahmen: Die USA wollen innerhalb von drei Jahren die verfügbare Leistung bestehender Kernkraftwerke um 5 GW erhöhen
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TEMELÍN: Ein Brennelement wird eine halbe Stunde lang verladen, insgesamt sind es 163
26.03.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Südböhmen – Seite 11 Autor: Jan Jakovljevič
Eine massive, ferngesteuerte Maschine bewegt sich langsam auf Schienen in der Reaktorhalle des abgeschalteten zweiten Blocks des Kernkraftwerks Temelín. Sie trägt eines von 163 Brennelementen, die derzeit in den Reaktor geladen werden. Der Transport jedes einzelnen dauert etwa eine halbe Stunde, bis Freitag soll alles abgeschlossen sein.
„Das Beladen des Reaktors mit Brennstoff erfolgt unter Wasser. Die Brennelemente werden aus dem Lagerbecken an exakt festgelegte Positionen in den Reaktor transportiert“, beschreibt Miroslav Mazanec, Leiter der Gruppe für Verwaltung und Kontrolle von Kernbrennstoff und Reaktorkern.
Im Hinblick auf die Lebensdauer des Kraftwerks und einen sicheren langfristigen Betrieb werden teilweise abgebrannte Brennelemente an den Rand des Reaktorkerns eingesetzt. „Die frischen Elemente kommen eher ins Zentrum der aktiven Reaktorzone“, ergänzt Mazanec.
Jedes Brennelement hat die Form eines sechseckigen Prismas, ist viereinhalb Meter lang, wiegt 750 Kilogramm und besteht aus 312 Brennstäben. Diesmal wird noch russischer Brennstoff aus Vorräten verwendet, bei der Herbstabschaltung des ersten Blocks wird jedoch bereits amerikanischer Brennstoff von Westinghouse eingesetzt.
Obwohl es sich bereits um nahezu die fünfzigste Beladung der Temelín-Reaktoren handelt, legen die Energieexperten großen Wert auf Sicherheit. Neben drei lokalen Fachleuten überwachen auch nationale und internationale Institutionen den gesamten Prozess. „Die Internationale Atomenergie-Organisation verfolgt sämtliche Manipulationen mit Kernbrennstoff mithilfe von Kameras, die hier installiert sind. Kontrollen führt auch das Staatliche Amt für nukleare Sicherheit durch“, erklärt Kraftwerkssprecher Marek Sviták und zeigt auf die blauen Kameras an der Wand der Reaktorhalle.
Die derzeitige planmäßige zweimonatige Abschaltung des zweiten Blocks begann am 13. Februar und befindet sich nun im letzten Drittel. Mit dem Beladen des Brennstoffs und dem anschließenden Hochfahren des Reaktors tritt das Kraftwerk in die Endphase eines längeren Brennstoffzyklus ein. „In der Praxis bedeutet das einen Betrieb von 16 Monaten, gefolgt von einer zweimonatigen Abschaltung“, erläutert Sviták. Seit der Inbetriebnahme liefen die Blöcke über mehr als 20 Jahre hinweg jeweils zehn Monate zwischen den Abschaltungen. Vor drei Jahren begann jedoch der schrittweise Übergang zu einem längeren Brennstoffzyklus.
„Das Ziel ist es, mehr Strom zu erzeugen. Wir bauen nichts Neues, es geht nur um eine bessere Nutzung der bestehenden Technologie“, betont Sviták und fügt hinzu, dass dies weltweit gängige Praxis sei.
Abschaltungen gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten und sind laut Sviták deutlich komplexer als der eigentliche Betrieb. Innerhalb von zwei Monaten müssen die Techniker mehr als 18.000 Aufgaben bewältigen. „Neben dem Beladen des Brennstoffs sind das Kontrollen der Sicherheitssysteme, Überprüfungen der Turbine sowie 80 geplante Investitionsmaßnahmen, die das Kraftwerk weiter verbessern“, beschreibt Sviták.
Derzeit wird der Austausch des Überwachungssystems der Turbine abgeschlossen, bei dem spezielle Sensoren installiert wurden. Dadurch kann ihr Zustand während des Betriebs überwacht werden. Von zentraler Bedeutung ist außerdem die Modernisierung des Steuerungssystems des Kraftwerks. Diese begann bereits im Jahre 2022 und soll im Jahr 2029 abgeschlossen sein. Derzeit wird etwa ein Drittel der Technologie mithilfe des neuen Systems gesteuert, und auch die Block - Operateure arbeiten bereits in der neuen Umgebung. Der Übergang erfolgt jedoch schrittweise, da dafür ebenfalls nur die zweimonatigen Abschaltungen zur Verfügung stehen.
Bildunterschrift:
Der zweite Block ist abgeschaltet. Eine ferngesteuerte Maschine, die sich auf Schienen bewegt, nimmt auf einer Seite der Reaktorhalle ein Brennelement auf und bringt es anschließend an eine genau festgelegte Position im Reaktor. Alles geschieht unter Wasser.
/gr/
Wegen Dukovany wird die Brücke stabiler
26.03.2026 Tageszeitung Právo Region Vysocina – Seite 16 Autor: Jiří Bárta
Mit Havlíčkův Brod verbinden viele Autofahrer große Verkehrsprobleme. In diesem Jahr wird es jedoch besonders heftig.
Die drittgrößte Stadt der Region Vysočina bereitet sich nämlich auf erhebliche Einschränkungen vor. Die Straßen- und Autobahndirektion muss eine Brücke über den Fluss Sázava im Stadtverlauf abreißen und neu bauen. Die ersten Arbeiten beginnen gleich nach Ostern, die vollständige Sperrung gilt voraussichtlich ab etwa dem 20. Mai.
Die stark belastete vierspurige Brücke in der Masaryk-Straße, über die täglich 23.000 Fahrzeuge fahren, ist zwar nicht in einem schlechten Zustand, doch die neue wird stabiler sein – sie wird dann auch die Anforderungen für den Transport schwerer Lasten zum Ausbau des Kernkraftwerks Kernkraftwerk Dukovany erfüllen.
Neubau muss 900 Tonnen tragen können...
„Die umfassende Rekonstruktion der Brücke über den Fluss Sázava umfasst ihren Abriss und den Bau einer neuen Brücke mit einer Tragfähigkeit von bis zu 900 Tonnen. Bestandteil des Projekts sind auch die Verlegung von Versorgungsleitungen sowie die Anpassung angrenzender Abschnitte der Masaryk- und Lidická-Straße auf einer Länge von 206 Metern, einschließlich der Kreuzung mit der Straße I/34“, beschrieb Aleš Kratina, Leiter der Niederlassung Jihlava der Straßen- und Autobahndirektion, die Pläne.
Zunächst wird neben der bestehenden Brücke ein etwa 50 Meter langes provisorisches Bauwerk errichtet, das Rettungsdiensten und Bussen dienen wird. Davon sollen täglich rund 140 verkehren. Andere Autofahrer müssen Umleitungen über die nordöstliche und südöstliche Umgehungsstraße der Stadt nutzen.
„Der Grund sind die räumlichen Gegebenheiten sowie die Sicherstellung eines flüssigeren und sichereren Verkehrs“, erklärte Kratina.
Die neue Brücke wird von der Firma Strabag für rund 158 Millionen Kronen ohne Mehrwertsteuer gebaut. Autofahrer sollen sie im dritten Quartal 2027 nutzen können.
Die Sperrung der Masaryk-Straße wird jedoch tausende Fahrzeuge auf andere Routen lenken. „Die größten Probleme sind am Kreisverkehr beim Stříbrný Dvůr sowie am Kreisverkehr bei der St.-Katharina-Kirche im Stadtzentrum zu erwarten“, teilte die Stadt auf ihrer Website mit.
„Dass es gut ist, in den ersten zehn Tagen nach dem Abriss der Brücke nicht nach Brod zu fahren, werden wir überall kommunizieren. Wer die Stadt umgehen kann, sollte das tun“, zitierte die Nachrichtenagentur ČTK den stellvertretenden Bürgermeister Libor Honzárek (TOP 09). Die Einheimischen müssen sich zunächst an die veränderten Verkehrsströme gewöhnen.
Viele Einwohner waren überrascht, dass die Straßenbehörde auch den Kreisverkehr bei der „Selská jizba“ am Stadtrand anpassen wird. Dieser Abschnitt der Umgehungsstraße wurde erst im Dezember 2023 eröffnet. Auch diese Maßnahmen hängen mit dem künftigen Transport großer Lasten nach Dukovany zusammen. Die Arbeiten im Wert von neun Millionen Kronen sollen bis Mai abgeschlossen sein.
„Teil der Maßnahme ist eine Höhenanpassung der Mittelinsel in Richtung Havlíčkův Brod. Die Insel ist als überfahrbar konzipiert“, erklärte der regionale Sprecher der Straßenbehörde Jiří Veselý. Ein- und Ausfahrten des Kreisverkehrs werden zudem an den Rändern mit Pflaster verstärkt.
„Während der Arbeiten wird nur mit teilweisen Verkehrseinschränkungen gerechnet, der Verkehr wird im Bereich des umgebauten Kreisverkehrs durch Ampeln geregelt“, ergänzte Kratina.
Der gleichzeitige Beginn der Arbeiten ist laut Straßenbehörde das Ergebnis einer sorgfältigen Koordination der Sperrungen, um den Verkehr in der Region möglichst wenig zu beeinträchtigen.
/gr/
Moravská Třebová hat die Behandlung des Vorhabens zum Bau von vier Windkraftanlagen verschoben
ČTK
25. März 2026, oenergetice.cz
Die Stadtführung von Moravská Třebová im Bezirk Svitavy wird das Vorhaben, vier Windkraftanlagen unterhalb des Hřebečský hřbet zu errichten, vorerst nicht erneut beraten. Die Investorengesellschaft S&M hat bislang weder die Eigentumsverhältnisse mit den Grundstückseigentümern geklärt noch die erforderlichen Genehmigungen der Zivilluftfahrtbehörde eingeholt, teilte die Stadtverwaltung auf ihrer Website mit. Bereits im Februar hatten die Stadtverordneten die Entscheidung über den Bau der Windkraftanlagen vertagt und vom Unternehmen unter anderem eine Lärmstudie verlangt.
„Einerseits sind uns die Vorteile der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sowie das Potenzial künftiger Vorteile aus der gemeinschaftlichen Energieversorgung bekannt, andererseits können wir nicht über etwas entscheiden, zu dem uns wesentliche Informationen fehlen. Die Klärung dieser Angelegenheiten kann noch einige Zeit in Anspruch nehmen, dennoch handelt es sich um grundlegende Faktoren, ohne die die gesamte Situation nicht verantwortungsvoll bewertet werden kann“, erklärte Bürgermeister Pavel Charvát (ODS).
Eine Stellungnahme der Stadt zu dem Vorhaben ist mindestens für dieses Jahr aufgeschoben.
Die Windkraftanlagen sollen nicht auf dem Kamm, sondern am Hang darunter in Richtung Moravská Třebová errichtet werden. Jede Anlage soll eine Leistung von sieben Megawatt (MW) haben, die Höhe einschließlich der Rotorblätter würde 250 Meter erreichen. Für die Möglichkeit, die Windkraftanlagen zu betreiben, würde die Stadt Einnahmen für ihren Haushalt erhalten. Der Investor bot 1,2 Millionen Kronen pro Anlage an.
Das Unternehmen S&M CZ aus Jevíčko betreibt im Bezirk Svitavy und in der Region Orlickoústecko mehrere Windparks. Es errichtete beispielsweise die bislang leistungsstärkste Anlage bei Žipotín, einem Ortsteil der Gemeinde Gruna im Bezirk Svitavy, mit einer installierten Leistung von 4,2 MW. Ein weiterer Windpark ist nordöstlich von Moravská Třebová geplant und soll eine Gesamtleistung von 42 MW haben.
Quelle: https://oenergetice.cz/vetrne-elektrarn ... elektraren
/gr/
Deutschland will seine Klimaziele unter anderem mithilfe von 2000 Windkraftanlagen erreichen
ČTK
25. März 2026, oenergetice.cz
Berlin (ČTK) – Mit dem Bau von 2000 neuen Windkraftanlagen, der Ausweitung von Mischwäldern sowie einer stärkeren Förderung der Elektromobilität will Deutschland seine Klimaziele bis zum Jahr 2030 erreichen. Das gab Umweltminister Carsten Schneider heute auf einer Pressekonferenz bekannt, auf der er einen Plan mit insgesamt 67 Punkten vorstellte. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent zu senken.
Das neue Klimaprogramm wurde heute von der deutschen Regierung verabschiedet. Nach Berechnungen von Nichtregierungsorganisationen besteht die Gefahr, dass Deutschland sein eigenes Klimaziel verfehlt. Neben dem Ziel für das Jahr 2030 gibt es auch ein Ziel für das Jahr 2045, bis zu dem die größte europäische Volkswirtschaft klimaneutral werden will. Die Regierung musste das Programm laut Gesetz ein Jahr nach Beginn der Legislaturperiode vorlegen – die Frist endete heute.
Neben dem Bau von etwa 2000 Windkraftanlagen an Land mit einer Kapazität von 12 Gigawatt will die Regierung auch die Ausweitung von Mischwäldern auf Kosten von Monokulturen fördern, da diese widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel sind. Das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz möchte zudem die Elektromobilität unterstützen, einschließlich des Verkaufs von Elektrofahrzeugen und des Ausbaus der Ladeinfrastruktur. Für die geplanten Maßnahmen stellt die Regierung laut Minister Schneider acht Milliarden Euro (195,5 Milliarden Kronen) bereit. Das Ziel ist es, bis zum Ende dieses Jahrzehnts 27,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen.
„Dieses Programm wird dem Klimaschutz neuen Schwung verleihen und uns helfen, unabhängiger von teuren und unsicheren Öl- und Gaslieferungen zu werden“, sagte Minister Schneider.
„Wir werden die Wirtschaft modernisieren, die Gesellschaft krisenfester machen und der Natur helfen, damit sie uns helfen kann“, fügte er hinzu.
Kritiker werfen der Regierung vor, in ihrem Programm zur Erreichung der Klimaziele zu optimistisch zu sein. Unter anderem basiere es auf veralteten Daten und berücksichtige nicht ausreichend die weitreichenden Folgen der Energiekrise im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg im Nahen Osten. „Ich bin nicht naiv. Weitere Fortschritte werden notwendig sein, sind aber auch möglich“, entgegnete Minister Schneider auf die Kritik.
Zu den Kritikern gehört auch die Umweltorganisation Greenpeace. Sechs ihrer Mitglieder kletterten heute früh auf einen Baukran am Gebäude des Bundeskanzleramts im Zentrum Berlins. Von dort ließen sie sich an Seilen herab und entrollten ein Banner mit der Aufschrift „Freiheit statt fossiler Politik“. „Mit diesem Klimaprogramm setzt die Regierung eher auf Hoffnung als auf Sicherheit“, erklärte der Greenpeace-Vertreter Martin Kaiser.
Seiner Ansicht nach seien deutlich strengere Maßnahmen erforderlich, insbesondere im Verkehrssektor. Dazu könnte auch die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen gehören.
Quelle: https://oenergetice.cz/nemecko/nemecko- ... elektraren
/gr/
Höhere Leistung und Wiederinbetriebnahmen: Die USA wollen innerhalb von drei Jahren die verfügbare Leistung bestehender Kernkraftwerke um 5 GW erhöhen
Eduard Majling
25. März 2026, oenergetice.cz
Mit dem Amtsantritt der Regierung von Donald Trump hat sich die Energiepolitik der US-Bundesregierung wieder stärker in Richtung der Entwicklung fossiler und nuklearer Energiequellen bewegt. Im Bereich der Kernenergie planen die USA, die Stromerzeugung aus bereits bestehenden Anlagen zu steigern. Dies soll durch eine Kombination aus Leistungssteigerungen und der Wiederinbetriebnahme zuvor stillgelegter Anlagen geschehen. Das US Department of Energy hat dafür Hunderte Milliarden Dollar in Form günstiger Kredite zur Finanzierung dieser Aktivitäten bereitgestellt.
Mit steigenden Preisen für Energierohstoffe, insbesondere für Erdgas, rückt die Kernenergie erneut in den Fokus vieler Debatten. Während hohe Gaspreise vor allem importabhängige Regionen wie Europa oder Asien belasten, wird auch in den Vereinigte Staaten intensiver über eine stärkere Nutzung der Kernenergie diskutiert. Die Erhöhung der verfügbaren Leistung von Kernkraftwerken wird sowohl durch Initiativen privater Unternehmen als auch durch föderale Politik und Förderprogramme vorangetrieben.
Das US-Energieministerium unterstützt diese Bemühungen durch das Programm UPRISE. Die Regierung von Präsident Trump hat sich im Bereich der Kernenergie sehr ambitionierte Ziele gesetzt: Die installierte Leistung soll von derzeit rund 100 GW auf 400 GW bis zum Jahr 2050 steigen. Das Programm UPRISE soll dazu beitragen, die Leistung durch möglichst kosteneffiziente und schnelle Maßnahmen zu erhöhen.
Nach Angaben des Ministeriums konzentriert sich das Programm auf die Verlängerung der Laufzeiten bestehender Reaktoren durch Lizenzverlängerungen, die Leistungssteigerung bestehender Anlagen, die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Blöcke sowie die Optimierung der Betriebseffizienz durch moderne Technologien, einschließlich fortschrittlicher Kernbrennstofftechnologien. Das Ziel des Programms ist es, die Leistung der Kernkraftwerke bis Ende des Jahres 2027 um 2,5 GW und bis zum Jahr 2029 um weitere 2,5 GW zu erhöhen.
Hunderte Milliarden aus staatlichen Krediten...
Noch in diesem Jahr sollen das Amt für Kernenergie und das Amt für Finanzierung der Energiedominanz, die dem Energieministerium unterstellt sind, Workshops organisieren, um den Abschluss von Kooperationsverträgen zwischen Betreibern von Kernkraftwerken und Abnehmern des erzeugten Stroms zu erleichtern. Das Ministerium verfügt über mehr als 289 Milliarden Dollar in Form günstiger Kredite, die bis zu 80 % der förderfähigen Kosten für Maßnahmen zur Leistungssteigerung von Kernkraftwerken abdecken sollen.
Laut Ministerium waren staatliche Kredite entscheidend für die Inbetriebnahme neuer Blöcke im Kernkraftwerk Vogtle. Ebenso werden sie derzeit für die Wiederinbetriebnahme zuvor stillgelegter Anlagen wie Palisades und des Crane Clean Energy Center (früher bekannt als Three Mile Island) genutzt. Diese beiden Anlagen, die noch in diesem bzw. im kommenden Jahr wieder ans Netz gehen sollen, werden zusammen eine Leistung von über 1,6 GW bereitstellen.
https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... oju-o-5-gw
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
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Gabi Reitinger
- Beiträge: 584
- Registriert: Mi 6. Okt 2021, 11:34
Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Ausgewählte Zeitungsartikel aus Tschechien vom 27.3.2026:
Inhalt:
Es reichen nur wenige Eingriffe – und Tschechien geht das Licht aus. Die Energiewirtschaft ist verletzlicher, als wir ahnen.
Energiekrise bringt Kohle zurück ins Spiel.
Bei der Arbeit öffnet er Kernreaktoren, zu Hause repariert er Akkordeons.
Uranabbau in Tschechien: Wir haben uns der Sowjetunion ausgeliefert.
Die Verbrennungsanlage bei Temelín steht vor einem strengen UVP-Verfahren.
Über die Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka werden die Bürger in einem Referendum abstimmen.
Der Krieg im Iran ist ein Vorbote einer Energiekrise, warnt ein Experte. Asien kehrt zur Kohle zurück – welche Optionen hat Tschechien?
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Es reichen nur wenige Eingriffe – und Tschechien geht das Licht aus. Die Energiewirtschaft ist verletzlicher, als wir ahnen
27.3.2026 Seznam Zprávy
Oldřich Sklenář: Autor ist Analyst der Vereinigung für internationale Fragen
Das Energiesystem gehört zu den vorrangigen Zielen in modernen Konflikten und hybriden Operationen. Das tschechische ist dabei deutlich verwundbarer, als es von außen erscheinen mag. Die daraus resultierenden Risiken sind erheblich.
Die Debatte über die tschechische Energiewirtschaft konzentriert sich heute vor allem auf Kosten und Endpreise für Verbraucher, deutlich weniger jedoch auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Eingriffen. Dabei entscheiden etwa der Grad der Zentralisierung, die Kapazität grenzüberschreitender Verbindungen oder das Niveau der Cybersicherheit mit darüber, ob wir im Falle einer Sicherheitskrise in der Lage sein werden, Stromausfälle und damit verbundene Schäden zu verhindern.
Man muss nicht gerade in einem Aufzug eingeschlossen sein oder an ein Beatmungsgerät angeschlossen, um einen Stromausfall am eigenen Leib zu spüren. Elektrizität ist unverzichtbar für die Verteilung von Trinkwasser, Treibstoffen, den Betrieb von Zahlungssystemen, die Sicherstellung von Internet- und Telefonkommunikation und viele weitere Bereiche, die unser tägliches Leben ermöglichen.
Ein großflächiger Ausfall muss nicht nur die Folge technischer Störungen oder unglücklicher Zufälle sein. Das Stromnetz gehört zu den prioritären Zielen in modernen Konflikten und hybriden Operationen. Beispiele sind wiederholte Angriffe auf Energieinfrastruktur während der russischen Aggression gegen die Ukraine oder frühere militärische Operationen, bei denen gezielt zentrale Elemente von Stromnetzen ausgeschaltet wurden.
Eine neue Waffe: der Blackout...
Erfahrungen aus Konflikten zeigen, dass es zur Auslösung großflächiger Ausfälle nicht immer notwendig ist, Kraftwerke selbst zu zerstören. Ebenso wirksam können Eingriffe auf Ebene der Übertragungs- und Verteilnetze sein – also Leitungen, Umspannwerke oder Steuerungssysteme. Diese Elemente zählen zu den kritischen Knotenpunkten, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen haben kann.
Ein Beispiel ist der Einsatz sogenannter „Blackout-Bombs“ während des ersten Golfkriegs, durch den etwa 85 % der irakischen Stromversorgung lahmgelegt wurden. Seitdem wurde diese Taktik auch bei den Luftangriffen auf Serbien im Jahr 1999 sowie während der Invasion im Irak 2003 eingesetzt. Heute verfügen nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch andere Länder über solche Waffen.
Heutzutage müssen derartige Angriffe zudem nicht mehr von unsichtbaren Bombern im Wert von Millionen durchgeführt werden, sondern können auch durch günstige Einwegdrohnen erfolgen, die in Zielnähe starten – wie etwa bei der ukrainischen Operation „Spinnennetz“. Gleichzeitig gilt: Je geringer die Zahl kritischer Knotenpunkte für Stromerzeugung und -übertragung ist, desto größer sind die potenziellen Auswirkungen eines solchen Angriffs.
Das tschechische Stromsystem wurde historisch als stark zentralisiertes System konzipiert, basierend auf großen Erzeugungsanlagen und einem übergeordneten Übertragungsnetz. Noch heute ist mehr als die Hälfte der Stromproduktion in wenigen Kern- und Kohlekraftwerken konzentriert. Auch der Bau neuer Kernkraftwerke – einschließlich kleiner modularer Reaktoren – wird daran wenig ändern. Im Gegenteil: Bis zu vier große Reaktoren, die die Leistung der bestehenden Anlagen übertreffen sollen, sind neben den heutigen Blöcken in Dukovany und Temelín geplant.
In der Nähe des Kernkraftwerks Temelín soll zudem der erste „kleine“ modulare Reaktor in Tschechien entstehen (die geplante Lösung der Firma Rolls-Royce entspricht leistungsmäßig eher den heutigen Dukovany-Blöcken). Drei weitere Reaktoren derselben Kategorie sollen am Standort des bestehenden Kohlekraftwerks Tušimice gebaut werden. Unterm Strich bedeutet das: In diesem Szenario wären 14 Kernreaktoren (6 bestehende und 8 neue) – und damit der Großteil der Stromproduktion – auf nur drei Standorte konzentriert.
Ein solcher Grad an Zentralisierung hat zwar seine Gründe, erhöht jedoch zwangsläufig die systemische Verwundbarkeit gegenüber militärischen und hybriden Bedrohungen.
Gleichzeitig zeigt die russische Aggression in unmittelbarer Nähe unserer Grenzen die Bedeutung von Angriffen auf Energieinfrastruktur. Neu ist das keineswegs – schon im Kalten Krieg gehörte die Energieversorgung zu den prioritären Zielen. Laut einer inzwischen freigegebenen Analyse des britischen Verteidigungsministeriums wurde im Falle eines Konflikts mit der Sowjetunion mit gezielten Angriffen auf sowjetische Kraftwerke gerechnet. Allgemein ging man damals davon aus, dass der Ausfall von etwa der Hälfte der Stromerzeugungskapazität zur Unfähigkeit führen würde, einen Konflikt fortzuführen.
Lehren aus der Ukraine...
Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen zugleich, wie solchen Angriffen begegnet werden kann. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hat das Land infolge russischer Angriffe bereits mehr als die Hälfte seiner Vorkriegs-Erzeugungskapazität verloren.
Neben Notfallmaßnahmen des Netzbetreibers und Eingriffen auf der Nachfrageseite gewinnt die Dezentralisierung der Stromerzeugung zunehmend an Bedeutung. Diese erfolgt etwa durch mobile Gasturbinen oder Hunderte relativ schnell einsetzbarer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Strom und Wärme zugleich erzeugen. Ein erheblicher Teil davon wird auch von tschechischen Herstellern in die Ukraine geliefert.
Zudem wächst die Bedeutung dezentraler lokaler Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen, die mit konventionellen Angriffen praktisch nicht flächendeckend außer Betrieb gesetzt werden können. In Kombination mit Batterien und anderen Energiequellen können sie die Versorgung kritischer Infrastruktur sichern – etwa von Wasserwerken, Kommunikations- und Informationssystemen, aber auch von Schulen und Krankenhäusern. Der Ausbau solcher Anlagen wird unter anderem auch von tschechischen Nichtregierungsorganisationen unterstützt.
Eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Energiesicherheit – nicht nur in der Ukraine – ist der Ausbau grenzüberschreitender Verbindungen. Dies ist auch für Tschechien von großer Bedeutung. Die Zahl der Länder, aus denen Strom importiert werden kann, lässt sich geografisch nicht verändern, wohl aber die Kapazität dieser Verbindungen. Diese ist in Tschechien im Verhältnis zum Bedarf deutlich geringer als im benachbarten Österreich und weniger als halb so groß wie in der Slowakei.
Gerade angesichts der starken Zentralisierung der tschechischen Energiequellen kann die Vernetzung mit Nachbarstaaten den Unterschied zwischen einem kurzfristigen Spannungsabfall und einem Blackout ausmachen – ähnlich wie im Mai 2021 beim Ausfall des größten polnischen Kohlekraftwerks.
Eine bessere Vernetzung könnte Tschechien nicht nur mehr Sicherheit bringen, sondern auch niedrigere Preise durch Stromimporte aus Ländern mit günstigeren Bedingungen für erneuerbare Energien. Ohne einen Ausbau dieser Verbindungen wird sich der Preisunterschied für Strom zwischen Tschechien und Deutschland künftig weiter zu Ungunsten Tschechiens vergrößern.
Cyberkrieg findet bereits statt….
Neben physischen Bedrohungen gewinnen auch Cyberrisiken an Bedeutung. Spätestens seit dem sogenannten Aurora-Experiment im Jahr 2007 ist bekannt, dass durch Manipulation von Steuerungssystemen nicht nur deren Funktion beeinträchtigt, sondern sogar physische Schäden verursacht werden können. Damals wurde ein Dieselgenerator zerstört – ähnlich jenen, die als Notstromquellen etwa für Rechenzentren, Krankenhäuser oder Kernkraftwerke dienen.
Drei Jahre später wurden mithilfe des Computervirus Stuxnet auf ähnliche Weise rund tausend Hochgeschwindigkeitszentrifugen zerstört, die im iranischen Urananreicherungsprogramm eingesetzt wurden – ein Beleg für die reale Verwundbarkeit cyber-physischer Systeme.
In Europa wurde ein Cyberangriff auf Energieinfrastruktur zuletzt Ende Dezember des vergangenen Jahres im benachbarten Polen registriert. Ziel der groß angelegten und koordinierten Aktion, hinter der laut verfügbaren Informationen russische Geheimdienste stehen, waren Heizwerke und erneuerbare Energiequellen, insbesondere Wind- und Solaranlagen.
Gerade bei Letzteren warnte im vergangenen Jahr auch das Nationale Amt für Cyber- und Informationssicherheit (NÚKIB). Es wies auf Risiken im Zusammenhang mit Fernzugriffen auf Wechselrichter chinesischer Herstellung hin, die eine zentrale Komponente von Photovoltaikanlagen darstellen. Laut NÚKIB kann gezielte Manipulation fortgeschrittener Betriebsfunktionen im Extremfall sogar den Betrieb des gesamten Verteilnetzes gefährden.
Dieses Szenario könnte realistischer sein, als es auf den ersten Blick scheint. China beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage von Cyberangriffen auf westliche Energiesysteme mit dem Ziel, großflächige Ausfälle oder einen Systemkollaps auszulösen.
Auch deshalb sollte Tschechien sehr vorsichtig sein, welche Technologien es einsetzt und auf welche Weise. Ein warnendes Beispiel ist die staatlich mitfinanzierte Einbindung chinesischer Drohnen in Sicherheitstests des Kernkraftwerks Dukovany. Das Verbot chinesischer Fahrzeuge auf dem Gelände des Unternehmens Orlen Unipetrol erscheint dagegen angesichts möglicher Risiken als sinnvoller Ausdruck vorsorglicher Vorsicht.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Energiesicherheit längst nicht mehr nur eine Frage ausreichender Ressourcen ist, sondern ebenso der Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems gegenüber Störungen und gezielten Angriffen. Wenn wir das Risiko großflächiger Ausfälle verringern wollen, müssen wir neben dem durchdachten Ausbau neuer Energiequellen auch systematisch die grenzüberschreitenden Verbindungen und den Cyberschutz kritischer Infrastruktur stärken. Ebenso wichtig ist es, Sicherheitsaspekte bei der Auswahl eingesetzter Technologien und ihrer Lieferanten zu berücksichtigen.
Die Energiewirtschaft wird zu einer der zentralen Säulen der nationalen Sicherheit. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, beeinflussen nicht nur den Strompreis, sondern auch die Fähigkeit des Staates, in Krisensituationen zu funktionieren.
Die Frage lautet daher nicht, ob wir uns Investitionen in mehr Resilienz leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, unsere Verwundbarkeit in diesem Bereich weiterhin zu ignorieren.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... ime-302458
/gr/
Energiekrise bringt Kohle zurück ins Spiel
27.03.2026 Wochenzeitung Homér Seite: 8
MOST - Die weltweite Energiekrise bringt die Kohle wieder ins Spiel. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird in Tschechien nicht so schnell erfolgen, wie ursprünglich erwartet. Die Strompreise sind in den letzten Wochen gestiegen, Gas wird ebenso rasch folgen, und die Preise für Kraftstoffe hat der Krieg im Osten bereits in astronomische Höhen getrieben – und der Preisanstieg ist noch nicht zu Ende. In dieser Situation kann Tschechien auf Kohlekraftwerke setzen.
Der Betrieb von Kohlekraftwerken erscheint angesichts der Entwicklungen auf dem Energiemarkt, bei denen die Strompreise steigen und die Preise für Emissionszertifikate sinken, plötzlich nicht mehr so aussichtslos wie noch Ende des vergangenen Jahres. In diesem und im kommenden Jahr erweist er sich als profitables Geschäft. Länger in Betrieb bleiben könnten die Kohlekraftwerke Chvaletice, Kladno und Počerady aus dem Portfolio der Gruppe Sev.en Česká energie. Die Einstellung ihres Betriebs spätestens im März des kommenden Jahres hatte die Gruppe bereits im November des vergangenen Jahres angekündigt. Nun lässt jedoch Pavel Tykač, dem die Kraftwerke gehören, die Möglichkeit einer Verlängerung der Kohlestromproduktion zu.
„Die Stilllegung der Kohlekraftwerke ist nicht sicher. Die geopolitische Krise kann sie wieder ins Spiel bringen“, sagte Pavel Tykač im Podcast „Štěpení“. Es sieht so aus, sie könnten mindestens ein Jahr länger im Betrieb bleiben. Auch wenn sich die Gruppe Sev.en Česká energie mit einer konkreten Stellungnahme zur Entscheidung über eine Verlängerung des Betriebs bislang zurückhaltend zeigt.
„Wir verfolgen und analysieren die Entwicklung auf dem Strommarkt. Derzeit lässt sich der Einfluss der aktuellen Situation auf den weiteren Betrieb unserer Anlagen noch nicht eindeutig bewerten“, erklärte die Sprecherin der Gruppe Sev.en, Eva Maříková. Auch die Energieregulierungsbehörde ERU hat bislang keine Informationen darüber, dass Sev.en eine solche Entscheidung getroffen hätte.
Mit der Verlängerung der Lebensdauer von Kohlekraftwerken hängt auch der Kohleabbau im Raum Most zusammen. Obwohl die Stilllegung der Kraftwerke nicht das vollständige Ende des Abbaus bedeuten würde, müsste es zu einer gewissen Einschränkung des Betriebs kommen. In der aktuellen Situation ist jedoch mehr als sicher, dass Interesse an der Moster Kohle bestehen bleibt.
Auch ČEZ gab an, dass man in diesem Jahr als Reaktion auf günstige Marktbedingungen mit einer leicht höheren Stromerzeugung aus Kohle rechne. Diese günstigen Marktbedingungen werden laut dem Direktor für Handel und Strategie von ČEZ, Pavel Cyrani, bis zum nächsten Jahr anhalten. Ab dem Jahr 2028 plant ČEZ, Kohleblöcke nur noch in der kälteren Jahreshälfte zu weiter betreiben.
In der letzten Präsentation für Investoren gab ČEZ an, dass man mit einem Rückgang des Anteils von Kohlekraftwerken an der Stromerzeugung von derzeit etwa 27 Prozent auf weniger als 10 Prozent im Jahr 2030 rechne. Die Abschaltung der letzten Kohleblöcke und das Ende des Kohleabbaus in den Nordböhmischen Tagebauen werden somit irgendwann zwischen den Jahre 2030 und 2032 erfolgen.
/gr/
Bei der Arbeit öffnet er Kernreaktoren, zu Hause repariert er Akkordeons
27.03.2026 Wochenzeitung Speciál DNES, Rubrik: Unsere Region – Südböhmen - Seite: 16
Als Kind wollte der heute fünfzigjährige Miroslav Pour Musiker werden. Besonders Akkordeons hatten es ihm angetan. Die Liebe zur Musik ist ihm geblieben. In seiner Freizeit widmet er sich ihr – wenn er gerade keinen Kernreaktor öffnet oder schließt.
-Sie arbeiten bei ŠKODA JS als Reaktorfachmann. Was kann man sich darunter vorstellen?
-Im Grunde die grundlegende Wartung und den Service des Reaktors. In der Praxis bedeutet das das Öffnen oder Schließen des Reaktors, Kontrollen verschiedener Teile oder die Vorbereitung für Montagearbeiten. Die eigentlichen Prüfungen der Anlagen führen dann andere Mitarbeiter oder externe Firmen durch.
-Wie öffnet man einen Kernreaktor?
-Das ist ein ziemlich anspruchsvoller Prozess, der aus vielen Schritten und Tätigkeiten besteht. Das gesamte Öffnen dauert etwa vier Tage, und die Arbeiten laufen rund um die Uhr. Wir müssen drei robuste Hauptteile demontieren, öffnen aber auch Hunderte kleinerer Flansche, über die verschiedene Messungen geführt werden. Es gibt also viel Arbeit, und bei diesen Tätigkeiten helfen wir uns mit Kollegen aus Dukovany. Entweder fahren wir zu ihnen oder sie zu uns – je nachdem, wo gerade eine Block-Abschaltung stattfindet.
-Der Deckel des Reaktors in Temelín wird von 54 Bolzen gehalten …
-Und das sind ordentliche Bolzen. Einer wiegt 310 Kilogramm und ist fast zwei Meter hoch. Wir ziehen sie alle gleichzeitig mit einer speziellen Maschine an. Diese spannt sie auf die erforderliche Vorspannung, danach werden die Muttern nachgezogen. So stellen wir sicher, dass jeder der 54 Bolzen mit dem gleichen Drehmoment angezogen ist. Dadurch dichtet der etwa 80 Tonnen schwere Deckel des Reaktordruckbehälters auch bei hohem Druck von fast 16 MPa zuverlässig ab.
-Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen?
-Der Hauptgrund war der Wunsch nach Veränderung. Fast dreißig Jahre habe ich bei einem Wasserwirtschaftsunternehmen gearbeitet. Ich brauchte einen neuen Impuls.
-Und den haben Sie in Temelín gefunden?
-Ja, genauer gesagt bei ŠKODA JS. Ich komme aus Dolní Bukovsko, das Kraftwerk liegt ganz in der Nähe meines Zuhauses. Auf der Website habe ich offene Stellen in Temelín verfolgt und es einfach versucht. Am Ende hat es bei seinem wichtigsten Zulieferer geklappt. Zufällig gehört ŠKODA JS inzwischen auch zur ČEZ-Gruppe.
-War das eine große Umstellung?
-Natürlich. Ich bin von der Wartung von Wasserleitungen zur Wartung eines Kernreaktors gewechselt. Das ist eine völlig andere Anlage, andere Systeme, anderes Werkzeug und auch ganz andere Regeln. Aus meinem vorherigen Job war ich Vorschriften gewohnt, aber hier geht es noch eine Stufe weiter. Das ist auch verständlich, wenn man in unmittelbarer Nähe eines Kernreaktors arbeitet.
-Hatten Sie Angst?
-Am Anfang gab es natürlich Bedenken. Die kamen vor allem aus Unwissenheit, verschwanden aber schnell nach der Ausbildung. Hier wird man auf alles sehr gut vorbereitet, alles ist streng kontrolliert, wir haben die notwendige Schutzausrüstung, und Dosimeter „überwachen“ uns ständig. Angst habe ich nicht mehr, Respekt bleibt jedoch.
-Während einer Block-Abschaltung bewegen Sie sich nur wenige Zentimeter vom Reaktor entfernt. Welche Strahlendosis bekommen Sie da?
-Im Jahr ist es etwa ein Millisievert, also ungefähr dreimal weniger als die jährliche Dosis durch natürliche Hintergrundstrahlung.
-Sind Sie jemals direkt in den Reaktor hineingekommen?
-In den Reaktor selbst nicht, aber an der Trennebene – also einem Teil des Reaktordruckbehälters – arbeite ich regelmäßig. Natürlich tragen wir Schutzkleidung und Masken. Das und die Einhaltung der Vorschriften reichen aus, um sicher zu bleiben.
-Wie entspannen Sie sich, wenn Sie gerade nicht am Reaktor arbeiten?
-Seit meiner Kindheit wollte ich Musiker werden. In gewisser Weise hat sich das auch erfüllt. Musik ist nämlich mein großes Hobby. Ich spiele Trompete und Akkordeon in gleich vier Bands.
-Wie viele Auftritte schaffen Sie pro Jahr?
-Es gab Zeiten, da habe ich bis zu achtzig Auftritte im Jahr geschafft. Jetzt sind es etwa halb so viele. Mit einer kleinen Band spielen wir auf Bällen, mit einem großen Blasorchester geben wir Konzerte bei Sommerveranstaltungen. Zu Weihnachten haben wir mehrere Konzerte in Kirchen.
-Gibt es einen Ort, an den Sie mit Ihrer Band besonders gern zurückkehren?
-Wir fahren sehr gern nach Chmelná bei Křemže. Jedes Jahr treten wir dort bei zwei Bällen auf. Es kommen viele Leute, die immer eine sehr angenehme Atmosphäre schaffen. Nach Covid hatten wir Sorge, ob die Besucherzahlen gut sein würden, aber in Chmelná werden wir jedes Mal großartig empfangen. Und ich genieße es immer, wenn wir zu Hause in Bukovsko auftreten.
/gr/
Uranabbau in Tschechien: Wir haben uns der Sowjetunion ausgeliefert
27.03.2026 Wochenzeitung Speciál DNES Seite 11
Autor: MATĚJ KLIMŠA
Der Uranabbau brachte den Bergleuten während des Kalten Krieges Wohlstand. Auch Nordböhmen geriet in den Fokus der Sowjetunion. Die Frage des Abbaus greift der Dokumentarfilm Uranové legendy auf.
Die Sowjetunion sicherte sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Monopol auf das tschechoslowakische Uran. „Es war ein totaler Verlust der Selbstbestimmung, bei dem wir uns der Sowjetunion mit allem, was wir hatten, ausgeliefert haben. Wir befanden uns in einer untergeordneten Position, und die Leute haben sich nicht darum gekümmert – es war ihnen gleichgültig“, erläuterte der Historiker aus Česká Lípa, Tomáš Cidlina, der an dem neuen Dokumentarfilm Uranové legendy / Uranlegenden mitgewirkt hat.
Für die Bergleute war es eine Zeit des Wohlstands. „Sie waren jung, hatten überdurchschnittliche Löhne im Vergleich zum Rest der Republik, waren stolz auf das, was sie taten, und lebten sehr gut“, beschrieb Rudolf Živec, der Ideengeber des neuen Dokumentarfilms. Das Filmteam führte während der Dreharbeiten Gespräche mit etwa zwanzig Menschen, die in der Uranindustrie gearbeitet hatten. Jeder wurde gefragt, ob er sich Gedanken darüber gemacht habe, wofür das tschechoslowakische Uran verwendet wird. Laut Cidlina habe damals niemand darüber nachgedacht.
„Es entsprach auch nicht dem Wesen jener Zeit, die individuelles Denken unterdrückte. Die Leute wurden sehr gut bezahlt, und damit wurde ihre Loyalität – und möglicherweise auch die gesundheitlichen Risiken, die sie eingingen – abgegolten.“
Rudolf Živec kam als zweijähriges Kind mit der sogenannten „Uran-Welle“ nach Nordböhmen. Seine Eltern erhielten eine Wohnung in Česká Lípa und Arbeit – genauso wie Tausende andere. „Die Stadt hatte damals etwa vierzehntausend Einwohner und entwickelte sich nach und nach zu einer Metropole mit deutlich höherer Bevölkerungszahl. Es entstanden Plattenbausiedlungen, weil die Uranarbeiter irgendwo untergebracht werden mussten“, erinnerte sich Živec.
Der Bau von Plattenbauten betraf nicht nur Česká Lípa oder Stráž pod Ralskem, sondern auch Mimoň oder beispielsweise Liberec. Der Zustrom der „Uranbevölkerung“ beeinflusste die damaligen Bewohner der Region erheblich – ebenso wie die massive Bautätigkeit.
„Es kam zu gewissen sozialen Spannungen zwischen der Nachkriegsbevölkerung und der Uran-Welle. Oft betrachtete man die Uranarbeiter als Menschen, die überdurchschnittlich verdienen, in Plattenbauten übernachten und sich nicht dafür interessieren, was im Stadtzentrum geschieht“, erklärte Cidlina und fügte hinzu, dass sich diese Unterschiede im Laufe der Jahrzehnte verwischt hätten.
Die Wiederbesiedlung war für die Region nicht einfach. „Die Landschaft bekam nach dem Krieg einen schweren Schlag – und kurz darauf noch einen zweiten. Vor dem Uranabbau war sie wunderschön, sauber und stark landwirtschaftlich geprägt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprach man davon, dass sie ein großes Kurpotenzial habe“, skizzierte Cidlina.
Der Aufbau der bergbaulichen Infrastruktur prägte sowohl die Landschaft als auch die Städte nachhaltig. „Heute sieht man an der Oberfläche praktisch keine Spuren des Abbaus mehr. Was jedoch als negatives Erbe bleibt, sind Säuren im Grundwasser. Das Unternehmen Diamo arbeitet bis heute an deren Reinigung – das ist die größte Belastung“, betonte Cidlina.
Die zentrale Aussage des Films ist, dass die Garantie staatlicher Sicherheit mit natürlichen Rohstoffen bezahlt werden kann. „In unserem Fall war es Uran. In Zukunft – etwa im Fall der Ukraine – könnten es Lithium oder andere wertvolle Rohstoffe sein. Das ist eine Art Blick auf die Gegenwart“, wies Živec hin.
Das ernste Thema des Dokumentarfilms wird durch animierte Geschichten durchzogen, die Bergbaulegenden darstellen. „Die meisten Leute kennen die Geschichte vom Hut, der allein mit dem Taxi fuhr. Diese Anekdote wird in ganz Tschechien gern erzählt. Regisseur Jan Dufek war kürzlich in Ostrava und hat sie auch dort gehört“, erzählte Živec. Die Legende vom Hut verweist gerade auf den Wohlstand, dank dessen sich ein Bergmann leisten konnte, ein Taxi für sich und ein zweites für seinen Hut zu bezahlen.
Laut Živec sollten sich die Zuschauer auf Grundlage des neuen Dokumentarfilms eine eigene Meinung darüber bilden, ob der Uranabbau sinnvoll war – und wenn ja, in welcher Hinsicht. „Ich fand es interessant, dass unsere Eltern zu Werkzeugen des Kalten Krieges wurden.“
/gr/
Die Verbrennungsanlage bei Temelín steht vor einem strengen UVP-Verfahren
27.03.2026 0:00 Právo ~ kal, ČTK Rubrik: Südwestböhmen - Seite: 17
Die Verbrennungsanlage für gefährliche Industrieabfälle in Hůrka bei Temelín im Raum České Budějovice / Budweis wird ein vollständiges Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (die sogenannte große UVP) durchlaufen. Das geht aus dem Abschluss des sogenannten Feststellungsverfahrens hervor, den das südböhmische Kreisamt am Mittwoch veröffentlicht hat. Damit kam es den Einwänden umliegender Gemeinden und Bürgerinitiativen entgegen. Gegen das Bauvorhaben, das die Firma Quail in Hůrka plant, wurde eine Petition mit 2.400 Unterschriften eingereicht.
„Innerhalb der gesetzlichen Frist erhielt das Kreisamt Stellungnahmen von zehn Gebietskörperschaften, drei betroffenen Verwaltungsbehörden sowie dreiunddreißig Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit. Zum veröffentlichten Vorhaben gingen beim Kreisamt zahlreiche relevante und begründete Einwände sowie Forderungen nach einer Überarbeitung der Dokumentation ein“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde.
Das Projekt wurde in die sogenannte Kategorie I eingestuft und unterliegt damit dem strengsten Prüfregime. Der Investor muss daher eine detaillierte UVP-Dokumentation ausarbeiten und sich mit einer Reihe wesentlicher Einwände auseinandersetzen, die im Verlauf des Feststellungsverfahrens von Gemeinden, Fachleuten und der Öffentlichkeit vorgebracht wurden.
Nach Angaben der Behörde ist es notwendig, die Dokumentation weiter auszuführen und zu ergänzen. Das Unternehmen soll beispielsweise die genaue Zusammensetzung der verbrannten Stoffe angeben, konkretisieren, wie mit bei höheren Temperaturen verbrannten Abfällen umgegangen wird, und die Behandlung gefährlicher Abfälle beschreiben, die beim Betrieb der Anlage entstehen.
Die regionale Hygienestation fordert zudem, die UVP- Dokumentation um eine Bewertung der Lärmbelastung durch das Vorhaben zu ergänzen, die eindeutig nachweist, dass die zulässigen Lärmgrenzwerte nicht überschritten werden.
/gr/
Über die Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka werden die Bürger in einem Referendum abstimmen
27.03.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník (ČTK)
Rubrik: Budweis und Umgebung - Seite: 4
Bezirk Budweis – Über den möglichen Bau einer Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka bei Temelín werden die Bürger in einem Referendum abstimmen. Gegen das Vorhaben, das derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA/ UVP) durchläuft, wurde eine Petition mit fast 2.400 Unterschriften eingereicht. Über die Ausrufung des Referendums entschieden die Gemeindevertreter von Temelín.
„Wir begrüßen die Entscheidung des Gemeinderats und betrachten sie als einen wichtigen Schritt“, erklärte der Sprecher des Petitionsausschusses, Pavel Píha. Er fügte hinzu, dass sich bereits zuvor auch die Stadtführung von Týn nad Vltavou sowie weitere Gemeinden in der Region – einschließlich ihrer Ortsteile und angeschlossenen Gemeinden wie Olešník, Všemyslice, Dříteň, Horní Kněžeklady oder Hluboká nad Vltavou – kritisch zu dem Vorhaben geäußert hätten.
Die Gemeindevertreter von Temelín hatten bereits am 4. Februar den Bau einer Verbrennungsanlage für gefährliche Industrieabfälle im Gebiet Hůrka abgelehnt. Geplant ist die Anlage von der Firma Quail, die zur spanischen Gesellschaft FCC gehört. Die Anwohner befürchten einen Anstieg des Schwerverkehrs. Nach Angaben des Unternehmens soll sich der Betrieb auf dem Gelände, auf dem bereits jetzt Abfälle verarbeitet werden, jedoch nur minimal erhöhen.
In der Verbrennungsanlage auf der Deponie in Hůrka sollen vor allem gefährliche Abfälle industrieller und kommunaler Art sowie auch medizinische Abfälle verarbeitet werden. Laut FCC erfüllt das Projekt alle Anforderungen an eine sichere Abfallbeseitigung; der Bau würde Investitionen in Höhe von ein bis zwei Milliarden Kronen erfordern.
/gr/
Der Krieg im Iran ist ein Vorbote einer Energiekrise, warnt ein Experte. Asien kehrt zur Kohle zurück – welche Optionen hat Tschechien?
27. 3. 2026 HN
Europa hat auf erneuerbare Energien und Gas als Übergangslösung gesetzt. Doch was passiert, wenn die Sonne nicht scheint, der Wind nicht weht und gleichzeitig ein Krieg im Persischen Golf ausbricht? Eine Reihe asiatischer Länder kehrt zur Kohle zurück, die Europa eigentlich zurückdrängen will. War der Ausstieg aus der Kohle sinnvoll? Reichen erneuerbare Energien aus? Der Energieexperte Jan Vondráš, Autor der sogenannten präsidialen Analyse der tschechischen Energiewirtschaft, skizziert mögliche Szenarien.
Mit dem Ausbruch des Krieges im Iran kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise. Laut Vondráš ist dies ein Vorbote einer weiteren tiefgreifenden Energiekrise. „Es wird sein wie während Covid mit den Masken. Viele amerikanische Gastanker waren auf dem Weg nach Europa – und was ist passiert? Die Asiaten haben gesagt, sie zahlen mehr, und die Tanker haben den Kurs geändert und befinden sich heute in Asien“, erklärt Vondráš. „Damit geraten wir wieder in eine Situation, in der wir uns fragen müssen, wie groß eigentlich die Chance der Tschechischen Republik ist, diese Lage einigermaßen vernünftig zu bewältigen“, so Vondráš. In Asien reagieren einige Staaten darauf mit einer Rückkehr zur Kohle.
„Die Chinesen bauen erneuerbare Energien, sie bauen Kernkraft, sie bauen einfach alles – auch Kohlekraftwerke. Sie nehmen zwei pro Woche in Betrieb. Der Anteil der Kohle an ihrem Energiemix ist enorm. In Europa wurde dagegen bereits vieles stillgelegt; übrig sind im Grunde Polen, die Tschechische Republik, Deutschland, einige Länder im Baltikum und Griechenland. Aber beispielsweise hat Italien kürzlich angekündigt, ein stillgelegtes Kohlekraftwerk wieder zu öffnen.“ Öl und Gas werden in Europa in größerem Umfang nämlich nur von Norwegen und – vor dem Aufkommen der Umweltbewegung – von Großbritannien gefördert. „Dann hat man aber beschlossen, dass auch Gas schlecht ist und nicht mehr gefördert wird. Und vor drei Tagen hatte England, soweit ich weiß, Gasreserven für zwei Tage …“
Eine logische Reaktion wären Kernkraftwerke, doch diese lassen sich laut Vondráš nicht so schnell bauen. „Ich bin Realist – ich sehe das eher in den Jahren 2042, 2043“, sagt er. Und die Zahl der Länder, aus denen Europa Strom importieren könnte, nimmt stetig ab. „Da ist Spanien, von wo wir aber nichts importieren können, dann das nukleare Frankreich, das jedoch Deutschland und seine Nachbarn unterstützt, und dann bleiben nur noch Norwegen und Schweden. Das ist alles. Sobald wir die verbleibenden Kohlekraftwerke abschalten, wird es keine Quellen mehr geben, aus denen wir Strom importieren können“, warnt der Energieexperte.
-Ist Gas die Lösung? „Ein Gas-und-Dampf-Kraftwerk hat dasselbe Problem wie ein Kohlekraftwerk – nämlich eine negative Marge“, erklärt Vondráš. „Kein Investor wird in den Bau investieren, wenn er keine garantierten Subventionen hat.“ Zudem drohen Versorgungsausfälle bei Gas, wie aktuell im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran.
Erneuerbare Energien sind laut Vondráš hervorragend, doch wenn im Winter die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, sind sie schlicht unzureichend. „Wenn wir uns die einzelnen Monate des Jahres ansehen, dann decken in den Wintermonaten – sagen wir Januar, Februar, März – Kohle und Kernenergie praktisch über 80 Prozent der Stromproduktion ab“, erklärt er. Braunkohle hat die Tschechische Republik ohne Aufhebung der Fördergrenzen noch für mindestens zehn Jahre. „Und wenn wir bis dahin etwas Neues gebaut haben, können wir diese Kraftwerke ruhig abschalten. Aber ohne eine Lösung ist das ein Risiko. Ich frage erneut: Woher sollen wir sonst den Strom beziehen?“
Quelle: https://byznys.hn.cz/c1-67860530-valka- ... i-ma-cesko
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Es reichen nur wenige Eingriffe – und Tschechien geht das Licht aus. Die Energiewirtschaft ist verletzlicher, als wir ahnen.
Energiekrise bringt Kohle zurück ins Spiel.
Bei der Arbeit öffnet er Kernreaktoren, zu Hause repariert er Akkordeons.
Uranabbau in Tschechien: Wir haben uns der Sowjetunion ausgeliefert.
Die Verbrennungsanlage bei Temelín steht vor einem strengen UVP-Verfahren.
Über die Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka werden die Bürger in einem Referendum abstimmen.
Der Krieg im Iran ist ein Vorbote einer Energiekrise, warnt ein Experte. Asien kehrt zur Kohle zurück – welche Optionen hat Tschechien?
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Es reichen nur wenige Eingriffe – und Tschechien geht das Licht aus. Die Energiewirtschaft ist verletzlicher, als wir ahnen
27.3.2026 Seznam Zprávy
Oldřich Sklenář: Autor ist Analyst der Vereinigung für internationale Fragen
Das Energiesystem gehört zu den vorrangigen Zielen in modernen Konflikten und hybriden Operationen. Das tschechische ist dabei deutlich verwundbarer, als es von außen erscheinen mag. Die daraus resultierenden Risiken sind erheblich.
Die Debatte über die tschechische Energiewirtschaft konzentriert sich heute vor allem auf Kosten und Endpreise für Verbraucher, deutlich weniger jedoch auf die Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Eingriffen. Dabei entscheiden etwa der Grad der Zentralisierung, die Kapazität grenzüberschreitender Verbindungen oder das Niveau der Cybersicherheit mit darüber, ob wir im Falle einer Sicherheitskrise in der Lage sein werden, Stromausfälle und damit verbundene Schäden zu verhindern.
Man muss nicht gerade in einem Aufzug eingeschlossen sein oder an ein Beatmungsgerät angeschlossen, um einen Stromausfall am eigenen Leib zu spüren. Elektrizität ist unverzichtbar für die Verteilung von Trinkwasser, Treibstoffen, den Betrieb von Zahlungssystemen, die Sicherstellung von Internet- und Telefonkommunikation und viele weitere Bereiche, die unser tägliches Leben ermöglichen.
Ein großflächiger Ausfall muss nicht nur die Folge technischer Störungen oder unglücklicher Zufälle sein. Das Stromnetz gehört zu den prioritären Zielen in modernen Konflikten und hybriden Operationen. Beispiele sind wiederholte Angriffe auf Energieinfrastruktur während der russischen Aggression gegen die Ukraine oder frühere militärische Operationen, bei denen gezielt zentrale Elemente von Stromnetzen ausgeschaltet wurden.
Eine neue Waffe: der Blackout...
Erfahrungen aus Konflikten zeigen, dass es zur Auslösung großflächiger Ausfälle nicht immer notwendig ist, Kraftwerke selbst zu zerstören. Ebenso wirksam können Eingriffe auf Ebene der Übertragungs- und Verteilnetze sein – also Leitungen, Umspannwerke oder Steuerungssysteme. Diese Elemente zählen zu den kritischen Knotenpunkten, deren Ausfall erhebliche Auswirkungen haben kann.
Ein Beispiel ist der Einsatz sogenannter „Blackout-Bombs“ während des ersten Golfkriegs, durch den etwa 85 % der irakischen Stromversorgung lahmgelegt wurden. Seitdem wurde diese Taktik auch bei den Luftangriffen auf Serbien im Jahr 1999 sowie während der Invasion im Irak 2003 eingesetzt. Heute verfügen nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern auch andere Länder über solche Waffen.
Heutzutage müssen derartige Angriffe zudem nicht mehr von unsichtbaren Bombern im Wert von Millionen durchgeführt werden, sondern können auch durch günstige Einwegdrohnen erfolgen, die in Zielnähe starten – wie etwa bei der ukrainischen Operation „Spinnennetz“. Gleichzeitig gilt: Je geringer die Zahl kritischer Knotenpunkte für Stromerzeugung und -übertragung ist, desto größer sind die potenziellen Auswirkungen eines solchen Angriffs.
Das tschechische Stromsystem wurde historisch als stark zentralisiertes System konzipiert, basierend auf großen Erzeugungsanlagen und einem übergeordneten Übertragungsnetz. Noch heute ist mehr als die Hälfte der Stromproduktion in wenigen Kern- und Kohlekraftwerken konzentriert. Auch der Bau neuer Kernkraftwerke – einschließlich kleiner modularer Reaktoren – wird daran wenig ändern. Im Gegenteil: Bis zu vier große Reaktoren, die die Leistung der bestehenden Anlagen übertreffen sollen, sind neben den heutigen Blöcken in Dukovany und Temelín geplant.
In der Nähe des Kernkraftwerks Temelín soll zudem der erste „kleine“ modulare Reaktor in Tschechien entstehen (die geplante Lösung der Firma Rolls-Royce entspricht leistungsmäßig eher den heutigen Dukovany-Blöcken). Drei weitere Reaktoren derselben Kategorie sollen am Standort des bestehenden Kohlekraftwerks Tušimice gebaut werden. Unterm Strich bedeutet das: In diesem Szenario wären 14 Kernreaktoren (6 bestehende und 8 neue) – und damit der Großteil der Stromproduktion – auf nur drei Standorte konzentriert.
Ein solcher Grad an Zentralisierung hat zwar seine Gründe, erhöht jedoch zwangsläufig die systemische Verwundbarkeit gegenüber militärischen und hybriden Bedrohungen.
Gleichzeitig zeigt die russische Aggression in unmittelbarer Nähe unserer Grenzen die Bedeutung von Angriffen auf Energieinfrastruktur. Neu ist das keineswegs – schon im Kalten Krieg gehörte die Energieversorgung zu den prioritären Zielen. Laut einer inzwischen freigegebenen Analyse des britischen Verteidigungsministeriums wurde im Falle eines Konflikts mit der Sowjetunion mit gezielten Angriffen auf sowjetische Kraftwerke gerechnet. Allgemein ging man damals davon aus, dass der Ausfall von etwa der Hälfte der Stromerzeugungskapazität zur Unfähigkeit führen würde, einen Konflikt fortzuführen.
Lehren aus der Ukraine...
Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen zugleich, wie solchen Angriffen begegnet werden kann. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur hat das Land infolge russischer Angriffe bereits mehr als die Hälfte seiner Vorkriegs-Erzeugungskapazität verloren.
Neben Notfallmaßnahmen des Netzbetreibers und Eingriffen auf der Nachfrageseite gewinnt die Dezentralisierung der Stromerzeugung zunehmend an Bedeutung. Diese erfolgt etwa durch mobile Gasturbinen oder Hunderte relativ schnell einsetzbarer Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die Strom und Wärme zugleich erzeugen. Ein erheblicher Teil davon wird auch von tschechischen Herstellern in die Ukraine geliefert.
Zudem wächst die Bedeutung dezentraler lokaler Stromerzeugung durch Photovoltaikanlagen, die mit konventionellen Angriffen praktisch nicht flächendeckend außer Betrieb gesetzt werden können. In Kombination mit Batterien und anderen Energiequellen können sie die Versorgung kritischer Infrastruktur sichern – etwa von Wasserwerken, Kommunikations- und Informationssystemen, aber auch von Schulen und Krankenhäusern. Der Ausbau solcher Anlagen wird unter anderem auch von tschechischen Nichtregierungsorganisationen unterstützt.
Eine weitere Maßnahme zur Erhöhung der Energiesicherheit – nicht nur in der Ukraine – ist der Ausbau grenzüberschreitender Verbindungen. Dies ist auch für Tschechien von großer Bedeutung. Die Zahl der Länder, aus denen Strom importiert werden kann, lässt sich geografisch nicht verändern, wohl aber die Kapazität dieser Verbindungen. Diese ist in Tschechien im Verhältnis zum Bedarf deutlich geringer als im benachbarten Österreich und weniger als halb so groß wie in der Slowakei.
Gerade angesichts der starken Zentralisierung der tschechischen Energiequellen kann die Vernetzung mit Nachbarstaaten den Unterschied zwischen einem kurzfristigen Spannungsabfall und einem Blackout ausmachen – ähnlich wie im Mai 2021 beim Ausfall des größten polnischen Kohlekraftwerks.
Eine bessere Vernetzung könnte Tschechien nicht nur mehr Sicherheit bringen, sondern auch niedrigere Preise durch Stromimporte aus Ländern mit günstigeren Bedingungen für erneuerbare Energien. Ohne einen Ausbau dieser Verbindungen wird sich der Preisunterschied für Strom zwischen Tschechien und Deutschland künftig weiter zu Ungunsten Tschechiens vergrößern.
Cyberkrieg findet bereits statt….
Neben physischen Bedrohungen gewinnen auch Cyberrisiken an Bedeutung. Spätestens seit dem sogenannten Aurora-Experiment im Jahr 2007 ist bekannt, dass durch Manipulation von Steuerungssystemen nicht nur deren Funktion beeinträchtigt, sondern sogar physische Schäden verursacht werden können. Damals wurde ein Dieselgenerator zerstört – ähnlich jenen, die als Notstromquellen etwa für Rechenzentren, Krankenhäuser oder Kernkraftwerke dienen.
Drei Jahre später wurden mithilfe des Computervirus Stuxnet auf ähnliche Weise rund tausend Hochgeschwindigkeitszentrifugen zerstört, die im iranischen Urananreicherungsprogramm eingesetzt wurden – ein Beleg für die reale Verwundbarkeit cyber-physischer Systeme.
In Europa wurde ein Cyberangriff auf Energieinfrastruktur zuletzt Ende Dezember des vergangenen Jahres im benachbarten Polen registriert. Ziel der groß angelegten und koordinierten Aktion, hinter der laut verfügbaren Informationen russische Geheimdienste stehen, waren Heizwerke und erneuerbare Energiequellen, insbesondere Wind- und Solaranlagen.
Gerade bei Letzteren warnte im vergangenen Jahr auch das Nationale Amt für Cyber- und Informationssicherheit (NÚKIB). Es wies auf Risiken im Zusammenhang mit Fernzugriffen auf Wechselrichter chinesischer Herstellung hin, die eine zentrale Komponente von Photovoltaikanlagen darstellen. Laut NÚKIB kann gezielte Manipulation fortgeschrittener Betriebsfunktionen im Extremfall sogar den Betrieb des gesamten Verteilnetzes gefährden.
Dieses Szenario könnte realistischer sein, als es auf den ersten Blick scheint. China beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage von Cyberangriffen auf westliche Energiesysteme mit dem Ziel, großflächige Ausfälle oder einen Systemkollaps auszulösen.
Auch deshalb sollte Tschechien sehr vorsichtig sein, welche Technologien es einsetzt und auf welche Weise. Ein warnendes Beispiel ist die staatlich mitfinanzierte Einbindung chinesischer Drohnen in Sicherheitstests des Kernkraftwerks Dukovany. Das Verbot chinesischer Fahrzeuge auf dem Gelände des Unternehmens Orlen Unipetrol erscheint dagegen angesichts möglicher Risiken als sinnvoller Ausdruck vorsorglicher Vorsicht.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass Energiesicherheit längst nicht mehr nur eine Frage ausreichender Ressourcen ist, sondern ebenso der Widerstandsfähigkeit des gesamten Systems gegenüber Störungen und gezielten Angriffen. Wenn wir das Risiko großflächiger Ausfälle verringern wollen, müssen wir neben dem durchdachten Ausbau neuer Energiequellen auch systematisch die grenzüberschreitenden Verbindungen und den Cyberschutz kritischer Infrastruktur stärken. Ebenso wichtig ist es, Sicherheitsaspekte bei der Auswahl eingesetzter Technologien und ihrer Lieferanten zu berücksichtigen.
Die Energiewirtschaft wird zu einer der zentralen Säulen der nationalen Sicherheit. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, beeinflussen nicht nur den Strompreis, sondern auch die Fähigkeit des Staates, in Krisensituationen zu funktionieren.
Die Frage lautet daher nicht, ob wir uns Investitionen in mehr Resilienz leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, unsere Verwundbarkeit in diesem Bereich weiterhin zu ignorieren.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... ime-302458
/gr/
Energiekrise bringt Kohle zurück ins Spiel
27.03.2026 Wochenzeitung Homér Seite: 8
MOST - Die weltweite Energiekrise bringt die Kohle wieder ins Spiel. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird in Tschechien nicht so schnell erfolgen, wie ursprünglich erwartet. Die Strompreise sind in den letzten Wochen gestiegen, Gas wird ebenso rasch folgen, und die Preise für Kraftstoffe hat der Krieg im Osten bereits in astronomische Höhen getrieben – und der Preisanstieg ist noch nicht zu Ende. In dieser Situation kann Tschechien auf Kohlekraftwerke setzen.
Der Betrieb von Kohlekraftwerken erscheint angesichts der Entwicklungen auf dem Energiemarkt, bei denen die Strompreise steigen und die Preise für Emissionszertifikate sinken, plötzlich nicht mehr so aussichtslos wie noch Ende des vergangenen Jahres. In diesem und im kommenden Jahr erweist er sich als profitables Geschäft. Länger in Betrieb bleiben könnten die Kohlekraftwerke Chvaletice, Kladno und Počerady aus dem Portfolio der Gruppe Sev.en Česká energie. Die Einstellung ihres Betriebs spätestens im März des kommenden Jahres hatte die Gruppe bereits im November des vergangenen Jahres angekündigt. Nun lässt jedoch Pavel Tykač, dem die Kraftwerke gehören, die Möglichkeit einer Verlängerung der Kohlestromproduktion zu.
„Die Stilllegung der Kohlekraftwerke ist nicht sicher. Die geopolitische Krise kann sie wieder ins Spiel bringen“, sagte Pavel Tykač im Podcast „Štěpení“. Es sieht so aus, sie könnten mindestens ein Jahr länger im Betrieb bleiben. Auch wenn sich die Gruppe Sev.en Česká energie mit einer konkreten Stellungnahme zur Entscheidung über eine Verlängerung des Betriebs bislang zurückhaltend zeigt.
„Wir verfolgen und analysieren die Entwicklung auf dem Strommarkt. Derzeit lässt sich der Einfluss der aktuellen Situation auf den weiteren Betrieb unserer Anlagen noch nicht eindeutig bewerten“, erklärte die Sprecherin der Gruppe Sev.en, Eva Maříková. Auch die Energieregulierungsbehörde ERU hat bislang keine Informationen darüber, dass Sev.en eine solche Entscheidung getroffen hätte.
Mit der Verlängerung der Lebensdauer von Kohlekraftwerken hängt auch der Kohleabbau im Raum Most zusammen. Obwohl die Stilllegung der Kraftwerke nicht das vollständige Ende des Abbaus bedeuten würde, müsste es zu einer gewissen Einschränkung des Betriebs kommen. In der aktuellen Situation ist jedoch mehr als sicher, dass Interesse an der Moster Kohle bestehen bleibt.
Auch ČEZ gab an, dass man in diesem Jahr als Reaktion auf günstige Marktbedingungen mit einer leicht höheren Stromerzeugung aus Kohle rechne. Diese günstigen Marktbedingungen werden laut dem Direktor für Handel und Strategie von ČEZ, Pavel Cyrani, bis zum nächsten Jahr anhalten. Ab dem Jahr 2028 plant ČEZ, Kohleblöcke nur noch in der kälteren Jahreshälfte zu weiter betreiben.
In der letzten Präsentation für Investoren gab ČEZ an, dass man mit einem Rückgang des Anteils von Kohlekraftwerken an der Stromerzeugung von derzeit etwa 27 Prozent auf weniger als 10 Prozent im Jahr 2030 rechne. Die Abschaltung der letzten Kohleblöcke und das Ende des Kohleabbaus in den Nordböhmischen Tagebauen werden somit irgendwann zwischen den Jahre 2030 und 2032 erfolgen.
/gr/
Bei der Arbeit öffnet er Kernreaktoren, zu Hause repariert er Akkordeons
27.03.2026 Wochenzeitung Speciál DNES, Rubrik: Unsere Region – Südböhmen - Seite: 16
Als Kind wollte der heute fünfzigjährige Miroslav Pour Musiker werden. Besonders Akkordeons hatten es ihm angetan. Die Liebe zur Musik ist ihm geblieben. In seiner Freizeit widmet er sich ihr – wenn er gerade keinen Kernreaktor öffnet oder schließt.
-Sie arbeiten bei ŠKODA JS als Reaktorfachmann. Was kann man sich darunter vorstellen?
-Im Grunde die grundlegende Wartung und den Service des Reaktors. In der Praxis bedeutet das das Öffnen oder Schließen des Reaktors, Kontrollen verschiedener Teile oder die Vorbereitung für Montagearbeiten. Die eigentlichen Prüfungen der Anlagen führen dann andere Mitarbeiter oder externe Firmen durch.
-Wie öffnet man einen Kernreaktor?
-Das ist ein ziemlich anspruchsvoller Prozess, der aus vielen Schritten und Tätigkeiten besteht. Das gesamte Öffnen dauert etwa vier Tage, und die Arbeiten laufen rund um die Uhr. Wir müssen drei robuste Hauptteile demontieren, öffnen aber auch Hunderte kleinerer Flansche, über die verschiedene Messungen geführt werden. Es gibt also viel Arbeit, und bei diesen Tätigkeiten helfen wir uns mit Kollegen aus Dukovany. Entweder fahren wir zu ihnen oder sie zu uns – je nachdem, wo gerade eine Block-Abschaltung stattfindet.
-Der Deckel des Reaktors in Temelín wird von 54 Bolzen gehalten …
-Und das sind ordentliche Bolzen. Einer wiegt 310 Kilogramm und ist fast zwei Meter hoch. Wir ziehen sie alle gleichzeitig mit einer speziellen Maschine an. Diese spannt sie auf die erforderliche Vorspannung, danach werden die Muttern nachgezogen. So stellen wir sicher, dass jeder der 54 Bolzen mit dem gleichen Drehmoment angezogen ist. Dadurch dichtet der etwa 80 Tonnen schwere Deckel des Reaktordruckbehälters auch bei hohem Druck von fast 16 MPa zuverlässig ab.
-Wie sind Sie zu dieser Arbeit gekommen?
-Der Hauptgrund war der Wunsch nach Veränderung. Fast dreißig Jahre habe ich bei einem Wasserwirtschaftsunternehmen gearbeitet. Ich brauchte einen neuen Impuls.
-Und den haben Sie in Temelín gefunden?
-Ja, genauer gesagt bei ŠKODA JS. Ich komme aus Dolní Bukovsko, das Kraftwerk liegt ganz in der Nähe meines Zuhauses. Auf der Website habe ich offene Stellen in Temelín verfolgt und es einfach versucht. Am Ende hat es bei seinem wichtigsten Zulieferer geklappt. Zufällig gehört ŠKODA JS inzwischen auch zur ČEZ-Gruppe.
-War das eine große Umstellung?
-Natürlich. Ich bin von der Wartung von Wasserleitungen zur Wartung eines Kernreaktors gewechselt. Das ist eine völlig andere Anlage, andere Systeme, anderes Werkzeug und auch ganz andere Regeln. Aus meinem vorherigen Job war ich Vorschriften gewohnt, aber hier geht es noch eine Stufe weiter. Das ist auch verständlich, wenn man in unmittelbarer Nähe eines Kernreaktors arbeitet.
-Hatten Sie Angst?
-Am Anfang gab es natürlich Bedenken. Die kamen vor allem aus Unwissenheit, verschwanden aber schnell nach der Ausbildung. Hier wird man auf alles sehr gut vorbereitet, alles ist streng kontrolliert, wir haben die notwendige Schutzausrüstung, und Dosimeter „überwachen“ uns ständig. Angst habe ich nicht mehr, Respekt bleibt jedoch.
-Während einer Block-Abschaltung bewegen Sie sich nur wenige Zentimeter vom Reaktor entfernt. Welche Strahlendosis bekommen Sie da?
-Im Jahr ist es etwa ein Millisievert, also ungefähr dreimal weniger als die jährliche Dosis durch natürliche Hintergrundstrahlung.
-Sind Sie jemals direkt in den Reaktor hineingekommen?
-In den Reaktor selbst nicht, aber an der Trennebene – also einem Teil des Reaktordruckbehälters – arbeite ich regelmäßig. Natürlich tragen wir Schutzkleidung und Masken. Das und die Einhaltung der Vorschriften reichen aus, um sicher zu bleiben.
-Wie entspannen Sie sich, wenn Sie gerade nicht am Reaktor arbeiten?
-Seit meiner Kindheit wollte ich Musiker werden. In gewisser Weise hat sich das auch erfüllt. Musik ist nämlich mein großes Hobby. Ich spiele Trompete und Akkordeon in gleich vier Bands.
-Wie viele Auftritte schaffen Sie pro Jahr?
-Es gab Zeiten, da habe ich bis zu achtzig Auftritte im Jahr geschafft. Jetzt sind es etwa halb so viele. Mit einer kleinen Band spielen wir auf Bällen, mit einem großen Blasorchester geben wir Konzerte bei Sommerveranstaltungen. Zu Weihnachten haben wir mehrere Konzerte in Kirchen.
-Gibt es einen Ort, an den Sie mit Ihrer Band besonders gern zurückkehren?
-Wir fahren sehr gern nach Chmelná bei Křemže. Jedes Jahr treten wir dort bei zwei Bällen auf. Es kommen viele Leute, die immer eine sehr angenehme Atmosphäre schaffen. Nach Covid hatten wir Sorge, ob die Besucherzahlen gut sein würden, aber in Chmelná werden wir jedes Mal großartig empfangen. Und ich genieße es immer, wenn wir zu Hause in Bukovsko auftreten.
/gr/
Uranabbau in Tschechien: Wir haben uns der Sowjetunion ausgeliefert
27.03.2026 Wochenzeitung Speciál DNES Seite 11
Autor: MATĚJ KLIMŠA
Der Uranabbau brachte den Bergleuten während des Kalten Krieges Wohlstand. Auch Nordböhmen geriet in den Fokus der Sowjetunion. Die Frage des Abbaus greift der Dokumentarfilm Uranové legendy auf.
Die Sowjetunion sicherte sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein Monopol auf das tschechoslowakische Uran. „Es war ein totaler Verlust der Selbstbestimmung, bei dem wir uns der Sowjetunion mit allem, was wir hatten, ausgeliefert haben. Wir befanden uns in einer untergeordneten Position, und die Leute haben sich nicht darum gekümmert – es war ihnen gleichgültig“, erläuterte der Historiker aus Česká Lípa, Tomáš Cidlina, der an dem neuen Dokumentarfilm Uranové legendy / Uranlegenden mitgewirkt hat.
Für die Bergleute war es eine Zeit des Wohlstands. „Sie waren jung, hatten überdurchschnittliche Löhne im Vergleich zum Rest der Republik, waren stolz auf das, was sie taten, und lebten sehr gut“, beschrieb Rudolf Živec, der Ideengeber des neuen Dokumentarfilms. Das Filmteam führte während der Dreharbeiten Gespräche mit etwa zwanzig Menschen, die in der Uranindustrie gearbeitet hatten. Jeder wurde gefragt, ob er sich Gedanken darüber gemacht habe, wofür das tschechoslowakische Uran verwendet wird. Laut Cidlina habe damals niemand darüber nachgedacht.
„Es entsprach auch nicht dem Wesen jener Zeit, die individuelles Denken unterdrückte. Die Leute wurden sehr gut bezahlt, und damit wurde ihre Loyalität – und möglicherweise auch die gesundheitlichen Risiken, die sie eingingen – abgegolten.“
Rudolf Živec kam als zweijähriges Kind mit der sogenannten „Uran-Welle“ nach Nordböhmen. Seine Eltern erhielten eine Wohnung in Česká Lípa und Arbeit – genauso wie Tausende andere. „Die Stadt hatte damals etwa vierzehntausend Einwohner und entwickelte sich nach und nach zu einer Metropole mit deutlich höherer Bevölkerungszahl. Es entstanden Plattenbausiedlungen, weil die Uranarbeiter irgendwo untergebracht werden mussten“, erinnerte sich Živec.
Der Bau von Plattenbauten betraf nicht nur Česká Lípa oder Stráž pod Ralskem, sondern auch Mimoň oder beispielsweise Liberec. Der Zustrom der „Uranbevölkerung“ beeinflusste die damaligen Bewohner der Region erheblich – ebenso wie die massive Bautätigkeit.
„Es kam zu gewissen sozialen Spannungen zwischen der Nachkriegsbevölkerung und der Uran-Welle. Oft betrachtete man die Uranarbeiter als Menschen, die überdurchschnittlich verdienen, in Plattenbauten übernachten und sich nicht dafür interessieren, was im Stadtzentrum geschieht“, erklärte Cidlina und fügte hinzu, dass sich diese Unterschiede im Laufe der Jahrzehnte verwischt hätten.
Die Wiederbesiedlung war für die Region nicht einfach. „Die Landschaft bekam nach dem Krieg einen schweren Schlag – und kurz darauf noch einen zweiten. Vor dem Uranabbau war sie wunderschön, sauber und stark landwirtschaftlich geprägt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprach man davon, dass sie ein großes Kurpotenzial habe“, skizzierte Cidlina.
Der Aufbau der bergbaulichen Infrastruktur prägte sowohl die Landschaft als auch die Städte nachhaltig. „Heute sieht man an der Oberfläche praktisch keine Spuren des Abbaus mehr. Was jedoch als negatives Erbe bleibt, sind Säuren im Grundwasser. Das Unternehmen Diamo arbeitet bis heute an deren Reinigung – das ist die größte Belastung“, betonte Cidlina.
Die zentrale Aussage des Films ist, dass die Garantie staatlicher Sicherheit mit natürlichen Rohstoffen bezahlt werden kann. „In unserem Fall war es Uran. In Zukunft – etwa im Fall der Ukraine – könnten es Lithium oder andere wertvolle Rohstoffe sein. Das ist eine Art Blick auf die Gegenwart“, wies Živec hin.
Das ernste Thema des Dokumentarfilms wird durch animierte Geschichten durchzogen, die Bergbaulegenden darstellen. „Die meisten Leute kennen die Geschichte vom Hut, der allein mit dem Taxi fuhr. Diese Anekdote wird in ganz Tschechien gern erzählt. Regisseur Jan Dufek war kürzlich in Ostrava und hat sie auch dort gehört“, erzählte Živec. Die Legende vom Hut verweist gerade auf den Wohlstand, dank dessen sich ein Bergmann leisten konnte, ein Taxi für sich und ein zweites für seinen Hut zu bezahlen.
Laut Živec sollten sich die Zuschauer auf Grundlage des neuen Dokumentarfilms eine eigene Meinung darüber bilden, ob der Uranabbau sinnvoll war – und wenn ja, in welcher Hinsicht. „Ich fand es interessant, dass unsere Eltern zu Werkzeugen des Kalten Krieges wurden.“
/gr/
Die Verbrennungsanlage bei Temelín steht vor einem strengen UVP-Verfahren
27.03.2026 0:00 Právo ~ kal, ČTK Rubrik: Südwestböhmen - Seite: 17
Die Verbrennungsanlage für gefährliche Industrieabfälle in Hůrka bei Temelín im Raum České Budějovice / Budweis wird ein vollständiges Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren (die sogenannte große UVP) durchlaufen. Das geht aus dem Abschluss des sogenannten Feststellungsverfahrens hervor, den das südböhmische Kreisamt am Mittwoch veröffentlicht hat. Damit kam es den Einwänden umliegender Gemeinden und Bürgerinitiativen entgegen. Gegen das Bauvorhaben, das die Firma Quail in Hůrka plant, wurde eine Petition mit 2.400 Unterschriften eingereicht.
„Innerhalb der gesetzlichen Frist erhielt das Kreisamt Stellungnahmen von zehn Gebietskörperschaften, drei betroffenen Verwaltungsbehörden sowie dreiunddreißig Stellungnahmen aus der Öffentlichkeit. Zum veröffentlichten Vorhaben gingen beim Kreisamt zahlreiche relevante und begründete Einwände sowie Forderungen nach einer Überarbeitung der Dokumentation ein“, heißt es in der Stellungnahme der Behörde.
Das Projekt wurde in die sogenannte Kategorie I eingestuft und unterliegt damit dem strengsten Prüfregime. Der Investor muss daher eine detaillierte UVP-Dokumentation ausarbeiten und sich mit einer Reihe wesentlicher Einwände auseinandersetzen, die im Verlauf des Feststellungsverfahrens von Gemeinden, Fachleuten und der Öffentlichkeit vorgebracht wurden.
Nach Angaben der Behörde ist es notwendig, die Dokumentation weiter auszuführen und zu ergänzen. Das Unternehmen soll beispielsweise die genaue Zusammensetzung der verbrannten Stoffe angeben, konkretisieren, wie mit bei höheren Temperaturen verbrannten Abfällen umgegangen wird, und die Behandlung gefährlicher Abfälle beschreiben, die beim Betrieb der Anlage entstehen.
Die regionale Hygienestation fordert zudem, die UVP- Dokumentation um eine Bewertung der Lärmbelastung durch das Vorhaben zu ergänzen, die eindeutig nachweist, dass die zulässigen Lärmgrenzwerte nicht überschritten werden.
/gr/
Über die Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka werden die Bürger in einem Referendum abstimmen
27.03.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník (ČTK)
Rubrik: Budweis und Umgebung - Seite: 4
Bezirk Budweis – Über den möglichen Bau einer Verbrennungsanlage für gefährliche Abfälle in Hůrka bei Temelín werden die Bürger in einem Referendum abstimmen. Gegen das Vorhaben, das derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung (EIA/ UVP) durchläuft, wurde eine Petition mit fast 2.400 Unterschriften eingereicht. Über die Ausrufung des Referendums entschieden die Gemeindevertreter von Temelín.
„Wir begrüßen die Entscheidung des Gemeinderats und betrachten sie als einen wichtigen Schritt“, erklärte der Sprecher des Petitionsausschusses, Pavel Píha. Er fügte hinzu, dass sich bereits zuvor auch die Stadtführung von Týn nad Vltavou sowie weitere Gemeinden in der Region – einschließlich ihrer Ortsteile und angeschlossenen Gemeinden wie Olešník, Všemyslice, Dříteň, Horní Kněžeklady oder Hluboká nad Vltavou – kritisch zu dem Vorhaben geäußert hätten.
Die Gemeindevertreter von Temelín hatten bereits am 4. Februar den Bau einer Verbrennungsanlage für gefährliche Industrieabfälle im Gebiet Hůrka abgelehnt. Geplant ist die Anlage von der Firma Quail, die zur spanischen Gesellschaft FCC gehört. Die Anwohner befürchten einen Anstieg des Schwerverkehrs. Nach Angaben des Unternehmens soll sich der Betrieb auf dem Gelände, auf dem bereits jetzt Abfälle verarbeitet werden, jedoch nur minimal erhöhen.
In der Verbrennungsanlage auf der Deponie in Hůrka sollen vor allem gefährliche Abfälle industrieller und kommunaler Art sowie auch medizinische Abfälle verarbeitet werden. Laut FCC erfüllt das Projekt alle Anforderungen an eine sichere Abfallbeseitigung; der Bau würde Investitionen in Höhe von ein bis zwei Milliarden Kronen erfordern.
/gr/
Der Krieg im Iran ist ein Vorbote einer Energiekrise, warnt ein Experte. Asien kehrt zur Kohle zurück – welche Optionen hat Tschechien?
27. 3. 2026 HN
Europa hat auf erneuerbare Energien und Gas als Übergangslösung gesetzt. Doch was passiert, wenn die Sonne nicht scheint, der Wind nicht weht und gleichzeitig ein Krieg im Persischen Golf ausbricht? Eine Reihe asiatischer Länder kehrt zur Kohle zurück, die Europa eigentlich zurückdrängen will. War der Ausstieg aus der Kohle sinnvoll? Reichen erneuerbare Energien aus? Der Energieexperte Jan Vondráš, Autor der sogenannten präsidialen Analyse der tschechischen Energiewirtschaft, skizziert mögliche Szenarien.
Mit dem Ausbruch des Krieges im Iran kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Öl- und Gaspreise. Laut Vondráš ist dies ein Vorbote einer weiteren tiefgreifenden Energiekrise. „Es wird sein wie während Covid mit den Masken. Viele amerikanische Gastanker waren auf dem Weg nach Europa – und was ist passiert? Die Asiaten haben gesagt, sie zahlen mehr, und die Tanker haben den Kurs geändert und befinden sich heute in Asien“, erklärt Vondráš. „Damit geraten wir wieder in eine Situation, in der wir uns fragen müssen, wie groß eigentlich die Chance der Tschechischen Republik ist, diese Lage einigermaßen vernünftig zu bewältigen“, so Vondráš. In Asien reagieren einige Staaten darauf mit einer Rückkehr zur Kohle.
„Die Chinesen bauen erneuerbare Energien, sie bauen Kernkraft, sie bauen einfach alles – auch Kohlekraftwerke. Sie nehmen zwei pro Woche in Betrieb. Der Anteil der Kohle an ihrem Energiemix ist enorm. In Europa wurde dagegen bereits vieles stillgelegt; übrig sind im Grunde Polen, die Tschechische Republik, Deutschland, einige Länder im Baltikum und Griechenland. Aber beispielsweise hat Italien kürzlich angekündigt, ein stillgelegtes Kohlekraftwerk wieder zu öffnen.“ Öl und Gas werden in Europa in größerem Umfang nämlich nur von Norwegen und – vor dem Aufkommen der Umweltbewegung – von Großbritannien gefördert. „Dann hat man aber beschlossen, dass auch Gas schlecht ist und nicht mehr gefördert wird. Und vor drei Tagen hatte England, soweit ich weiß, Gasreserven für zwei Tage …“
Eine logische Reaktion wären Kernkraftwerke, doch diese lassen sich laut Vondráš nicht so schnell bauen. „Ich bin Realist – ich sehe das eher in den Jahren 2042, 2043“, sagt er. Und die Zahl der Länder, aus denen Europa Strom importieren könnte, nimmt stetig ab. „Da ist Spanien, von wo wir aber nichts importieren können, dann das nukleare Frankreich, das jedoch Deutschland und seine Nachbarn unterstützt, und dann bleiben nur noch Norwegen und Schweden. Das ist alles. Sobald wir die verbleibenden Kohlekraftwerke abschalten, wird es keine Quellen mehr geben, aus denen wir Strom importieren können“, warnt der Energieexperte.
-Ist Gas die Lösung? „Ein Gas-und-Dampf-Kraftwerk hat dasselbe Problem wie ein Kohlekraftwerk – nämlich eine negative Marge“, erklärt Vondráš. „Kein Investor wird in den Bau investieren, wenn er keine garantierten Subventionen hat.“ Zudem drohen Versorgungsausfälle bei Gas, wie aktuell im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran.
Erneuerbare Energien sind laut Vondráš hervorragend, doch wenn im Winter die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, sind sie schlicht unzureichend. „Wenn wir uns die einzelnen Monate des Jahres ansehen, dann decken in den Wintermonaten – sagen wir Januar, Februar, März – Kohle und Kernenergie praktisch über 80 Prozent der Stromproduktion ab“, erklärt er. Braunkohle hat die Tschechische Republik ohne Aufhebung der Fördergrenzen noch für mindestens zehn Jahre. „Und wenn wir bis dahin etwas Neues gebaut haben, können wir diese Kraftwerke ruhig abschalten. Aber ohne eine Lösung ist das ein Risiko. Ich frage erneut: Woher sollen wir sonst den Strom beziehen?“
Quelle: https://byznys.hn.cz/c1-67860530-valka- ... i-ma-cesko
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
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Gabi Reitinger
- Beiträge: 584
- Registriert: Mi 6. Okt 2021, 11:34
Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Auswahl von Zeitungsartikeln aus Tschechien aus dem Energiebereich vom 30.3.2026:
Inhalt:
Große Personalveränderungen: Babiš platziert seinen Mann in der Führung von ČEZ, Beneš’ Vertrauter wird ČEPS leiten.
Die Müllverbrennungsanlage wird durch außergewöhnlich starken Widerstand gebremst.
Israelische Angriffe trafen im Iran eine Nuklearanlage und einen im Bau befindlichen Reaktor.
Vietnam schloss ein Abkommen mit Russland über den Bau der ersten Kernkraftwerksblöcke im Land.
Europäische Reaktoren steuern auf eine Betriebsdauer von über 60 Jahren zu.
Welche unbekannten Umstände begleiteten bekannte Ereignisse?
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Große Personalveränderungen: Babiš platziert seinen Mann in der Führung von ČEZ, Beneš’ Vertrauter wird ČEPS leiten
30.03.2026
Ekonomický deník
Die aktuellen personellen Verschiebungen in den staatlich kontrollierten Energieunternehmen erinnern an Figurenbewegungen auf einem Schachbrett.
Neues Mitglied des Vorstands der Energiegruppe ČEZ wird ab Anfang April Ondřej Landa, der bereits seit vier Jahren die Abteilung Recht und Legislative im Unternehmen leitet. Landa ist ein ehemaliger stellvertretender Finanzminister aus der Zeit, als das Ressort von Andrej Babiš und Alena Schillerová (beide ANO) geführt wurde. Er übernimmt den Posten, der durch den Weggang von Jan Kalina frei geworden ist.
Kalina gehört zu den engsten Mitarbeitern des langjährigen ČEZ-Chefs Daniel Beneš. Anfang April wird er Mitglied des Vorstands von ČEPS, dem Betreiber des Übertragungsnetzes in Tschechien. Laut Quellen aus der Energiewirtschaft gilt es als nahezu sicher, dass Kalina in naher Zukunft auch Vorstandsvorsitzender von ČEPS wird.
Landa – ČEZ, Kalina – ČEPS...
Das Ergebnis wirkt wie ein für beide Seiten vorteilhafter Deal zwischen zwei sehr einflussreichen Männern. Premierminister Andrej Babiš wird damit seinen Vertreter in der obersten Führung der wichtigsten Energiegruppe des Landes haben, an der der Staat fast 70 Prozent der Anteile hält. An der Spitze des staatlich kontrollierten Unternehmens ČEPS wird Beneš’ Vertrauter Kalina den bisherigen Chef Martin Durčák ersetzen, mit dem der ČEZ-Chef ein angespanntes bis feindseliges Verhältnis hatte.
Ondřej Landa war zuvor als Jurist und Manager bei der Bank ČSOB tätig. Im Jahr 2015 wurde er zum stellvertretenden Finanzminister unter Andrej Babiš ernannt. Gleichzeitig war er als Vertreter des Ministeriums stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von ČEZ. Beide Funktionen übte er bis Januar 2022 aus, also bis kurz nach dem Regierungswechsel und dem Amtsantritt des Finanzministers Zbyněk Stanjura (ODS). Anschließend wechselte Landa zu ČEZ, wo er die Leitung der Abteilung Legal Affairs übernahm, der für Gesetzgebung, Regulierung und Beziehungen zu staatlichen Institutionen zuständig ist.
Dass Ondřej Landa als „Mann von Babiš“ gilt, wird auch durch einen weiteren Umstand gestützt: Sein Vater Jan Landa war langjähriger Manager in Babiš’ Chemieunternehmen Lovochemie und später Staatssekretär im Umweltministerium, als dieses von Richard Brabec (ANO) geführt wurde.
Der Vorstand von ČEZ wird weiterhin aus sieben Mitgliedern bestehen. Den Vorsitz hat seit September 2011 Daniel Beneš inne. Stellvertretender Vorsitzender ist Pavel Cyrani, weitere Mitglieder sind Martin Novák, Tomáš Pleskač, Bohdan Zronek und Michaela Chaloupková. Ab April kommt Ondřej Landa hinzu.
Der rätselhafte Sturz von Martin Durčák….
Wie die Zeitung Ekonomický deník bereits vor drei Wochen berichtete, beschloss der Aufsichtsrat des staatlichen Unternehmens ČEPS die Abberufung von Martin Durčák als Vorstandsvorsitzenden. Ursprünglich sollte er Ende März ausscheiden, letztlich musste er jedoch kurzfristig bereits am 12. März gehen. Zum neuen Vorstandsmitglied wurde Jan Kalina gewählt, der ČEPS bereits einmal – in den Jahren 2016 bis 2018 – geleitet hatte.
Gut informierte Quellen aus der Energiewirtschaft sprechen von einem schlechten Verhältnis zwischen Beneš und Durčák. Der einflussreiche ČEZ-Chef soll es schwer akzeptiert haben, dass sich Durčák als ebenbürtig betrachtete. Unter dessen Führung war ČEPS nämlich deutlich gewachsen: In der zweiten Hälfte des Jahres 2023 übernahm das Unternehmen von ausländischen Eigentümern den Betreiber unterirdischer Gasspeicher Gas Storage CZ sowie das Fernleitungsnetz NET4GAS. De facto entstand damit neben der ČEZ-Gruppe ein zweiter staatlicher Energiekonzern.
Konflikt mächtiger Manager
Die Beziehungen zwischen Beneš und Durčák verschlechterten sich weiter nach einem massiven Stromausfall Anfang Juli des vergangenen Jahres. ČEPS deutete damals an, dass eine der Ursachen eine fehlerhafte Reaktion des Kohlekraftwerks Ledvice gewesen sei, das ČEZ gehört. Beneš forderte daraufhin in einem offenen Brief die Energieregulierungsbehörde zu einer gründlichen Untersuchung auf und warf ČEPS Versagen in der Krisensituation vor. Er verwies auf den schlechten technischen Zustand des Netzes, unzureichendes Krisenmanagement sowie fehlerhafte Einschätzungen von Stromflüssen.
Ironischerweise wurde Durčák selbst während der ersten Regierung von Andrej Babiš im November 2018 an die Spitze von ČEPS berufen. Er ersetzte damals Jan Kalina, der wegen Vertrauensverlusts seitens der damaligen Regierung abberufen worden war. Kalina kehrte anschließend zur ČEZ-Gruppe zurück, wo er als Vorstandsmitglied für erneuerbare Energien und konventionelle Energieerzeugung verantwortlich war.
Autor: David Tramba
https://ekonomickydenik.cz/babis-dosadi ... lina-ceps/
/gr/
Die Müllverbrennungsanlage wird durch außergewöhnlich starken Widerstand gebremst
30.03.2026, Tageszeitung Mladá fronta DNES Seite 9
Autor: Antonín Pelíšek
Die Müllverbrennungsanlage bei Temelín wird von 55 Subjekten abgelehnt. Sie befürchten eine Verschlechterung der Verkehrssituation sowie Umweltverschmutzung.
TEMELÍN – Ein nahezu beispielloser Widerstand aus der Umgebung hat den Bau einer Müllverbrennungsanlage am Standort Hůrka nahe Temelín im Raum České Budějovice /Budweis gestoppt. In der Vorbereitungsphase äußerten sich 55 Subjekte negativ zu diesem Vorhaben, darunter zehn umliegende Gemeinden, außerdem Vereine, Institutionen und einzelne Einwohner. Nach Ansicht einiger Gegner übersteigt diese Zahl an ablehnenden Stellungnahmen sogar die Menge der Einwände gegen den Bau des Kernkraftwerks Temelín vor vierzig Jahren.
Offizielle Einwände ließ das damalige Regime jedoch nicht zu. „Das Projekt unterliegt nun der strengsten Prüfung“, erklärte Pavel Píha, Initiator der Petition gegen die Verbrennungsanlage und Einwohner des nahegelegenen Orts Litoradlice.
Die Ortschaft gehört zur Gemeinde Temelín, deren Gemeinderat sogar ein Referendum über die Verbrennungsanlage beschlossen hat. Auch die Vertreter der nahegelegenen Städte und Gemeinden Hluboká nad Vltavou, Týn nad Vltavou, Dříteň, Olešník und weiterer Orte lehnen das Projekt ab. Sie argumentieren übereinstimmend, dass die Müllverbrennungsanlage die Region zusätzlich belasten werde. „Das Gebiet ist bereits stark durch den Betrieb des Atomkraftwerks geprägt“, erinnern die Vertreter der Gemeinde Temelín.
Im Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung brachten die Beteiligten Einwände wie eine Verschlechterung des Verkehrs, des Klimas und der Luftqualität sowie die Gefahr einer Kontamination von Wasserquellen vor. „Das Projekt muss im gesamten Prozess hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bewertet werden“, erklärte die Umweltabteilung des Kreisamtes.
Damit wurde das Vorhaben in die sogenannte „große UVP“ (EIA) überführt, in der unabhängige Experten das Projekt beurteilen werden. Nach Angaben der Behörde muss der Antragsteller darin alle Einwände berücksichtigen und unter anderem die Liste der angelieferten Abfälle, den Umgang mit Reststoffen sowie weitere Bedingungen konkretisieren.
Zweieinhalbtausend Unterschriften in einer Woche….
Die Müllverbrennungsanlage soll von dem multinationalen Unternehmen Quail errichtet werden, zu dessen Konzern auch die Firma FCC gehört, die sich mit kommunalen Abfällen befasst. Laut Projekt soll die Anlage jährlich 20.000 Tonnen Abfall verbrennen und daraus Strom erzeugen. Nach der Verbrennung bleibt etwa ein Drittel als gefährlicher Abfall – Schlacke und Flugasche – zurück, der in vorgesehene Lagerstätten gebracht wird.
Die Sprecherin von FCC, Kristina Jakubcová, bestätigte bereits früher gegenüber der Zeitung MF DNES, dass der Abfall keinesfalls auf die Deponie im nahegelegenen Ort Mydlovary gebracht werde.
Die Bewohner sorgen sich dennoch über die zunehmende Kumulation der Auswirkungen weiterer Industrieprojekte in der Region. Geplant sind zusätzliche Kernreaktoren, eine Photovoltaikanlage, und auch ein tiefengeologisches Lager für radioaktive Abfälle ist nicht ausgeschlossen. Einer der ausgewählten Standorte, Janoch, grenzt direkt an den vorgesehenen Standort der Verbrennungsanlage Hůrka.
Zudem muss auch die Infrastruktur ausgebaut werden. Gegen die Verbrennungsanlage sprechen sich auch Fischerei- und Jagdverbände aus. Sie erinnern daran, dass die Region historisch als Gebiet von Landwirten und Obstbauern bekannt ist.
Der Investor plant, die Anlage zwischen den Jahren 2027 und 2035 in Betrieb zu nehmen. Teil des Genehmigungsverfahrens wird auch eine öffentliche Anhörung sein. Die Petition dagegen wurde innerhalb einer Woche von fast zweieinhalbtausend Menschen unterzeichnet.
Redakteur MF DNES
/gr/
Israelische Angriffe trafen im Iran eine Nuklearanlage und einen im Bau befindlichen Reaktor
ČTK
27. März 2026, oenergetice.cz
Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels haben im Iran mehrere nukleare Anlagen getroffen, darunter auch einen Schwerwasserreaktor im Kraftwerk Arak, berichteten heute Agenturen unter Berufung auf iranische Medien. Zu dem Angriff auf den Reaktor, der sich laut früheren Informationen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) noch im Bau befindet, bekannte sich Israel, schreiben Medien. Bereits im Krieg im vergangenen Juni war die Anlage israelischen Angriffen ausgesetzt. Laut Medien wurden bei den aktuellen Angriffen keine Menschen verletzt und es kam zu keinem Austritt von Radioaktivität.
Der Schwerwasserreaktor in Arak befindet sich etwa 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Nach einer Erklärung der IAEO vom vergangenen Juni, als die Anlage von einem israelischen Angriff getroffen wurde, ist der Reaktor noch im Bau. Auch beim damaligen Angriff wurde kein Austritt von Radioaktivität festgestellt.
Die iranische Atomenergieorganisation (AEOI) teilte heute am Nachmittag mit, dass die amerikanischen und israelischen Angriffe auch eine Anlage zur Herstellung von Uran-Konzentrat getroffen haben. Dieses wird anschließend zur Produktion von Brennstoff für Kernreaktoren verwendet. Auch in diesem Fall wurden keine radioaktiven Lecks gemeldet.
Die israelischen Streitkräfte erklärten am Abend, sie hätten „wiederholte Versuche zur Wiederaufnahme“ des Reaktors in Arak durch das iranische Regime nach dem Angriff im Juni festgestellt. „Die israelische Armee hat daher die Anlage erneut angegriffen“, bestätigte Tel Aviv. Die israelische Armee bekannte sich auch zu dem Angriff auf die Anlage zur Herstellung von Uran-Konzentrat, da dieser Prozess ihrer Ansicht nach „am Anfang der Produktionskette von Kernwaffen“ steht.
Das Projekt des Schwerwasserreaktors wurde nach dem Atomabkommen aus dem Jahr 2015 so umgestaltet, dass die Anlage nicht zur Gewinnung von Kernwaffenmaterial genutzt werden kann. Laut der heutigen Erklärung der israelischen Armee habe Iran jedoch die Änderungen nicht umgesetzt, die die Produktion von waffenfähigem Plutonium verhindern würden, berichten israelische Medien.
Teheran weist seit langem zurück, dass es Ambitionen habe, eine Nuklearwaffe zu entwickeln. Gerade die Möglichkeit, dass Iran eine Atombombe erlangen könnte, gehört zu den Gründen, mit denen die USA und Israel die Angriffe auf Iran vor etwa einem Monat begründet haben.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... e-vystavbe
/gr/
Vietnam schloss ein Abkommen mit Russland über den Bau der ersten Kernkraftwerksblöcke im Land
Autor: Eduard Majling
26. März 2026, oenergetice.cz
Vertreter Vietnams und Russlands unterzeichneten Anfang dieser Woche ein neues zwischenstaatliches Abkommen, das zum Bau von zwei Kernkraftwerksblöcken vom Typ VVER-1200 führen soll. Die beiden Länder hatten sich bereits im Jahr 2009 grundsätzlich auf den Bau der neuen Blöcke geeinigt, das Projekt wurde jedoch vor zehn Jahren gestoppt. Später überdachte die Regierung jedoch ihre Ambitionen im Bereich der Kernenergie, wodurch der Weg für das Projekt erneut frei wurde.
Die Pläne Vietnams zur Entwicklung der Kernenergie reichen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück, bislang verfügt das Land jedoch über keine Kernkraftwerke. Dem Beginn des Baus seiner ersten Kernkraftwerksblöcke kam Vietnam vor knapp zwei Jahrzehnten am nächsten, nachdem es sich mit Russland auf den Bau von zwei VVER-1200-Blöcken am Standort Ninh Thuan geeinigt hatte. Ende des Jahres 2011 wurden sogar bereits vorbereitende Arbeiten aufgenommen, im Jahre 2016 setzte die vietnamesische Regierung das Projekt jedoch wegen Bedenken hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit aus.
Nach fast zehn Jahren kam jedoch die Wende, als die Regierung beschloss, ihre kernenergetischen Ambitionen wiederzubeleben. Im November 2024 stimmte die Regierung laut dem Portal World Nuclear News für die Wiederaufnahme des Kernenergieprojekts Ninh Thuan.
Dieses Projekt soll den Bau von zwei Kraftwerken mit jeweils zwei Reaktorblöcken umfassen. Das Kraftwerk Ninh Thuan 1 sollte von Anfang an vom russischen Unternehmen Rosatom betreut werden, während das zweite Kraftwerk von japanischen Unternehmen errichtet werden sollte. Im Dezember 2024 zog sich Japan laut der Nachrichtenagentur Reuters jedoch aus diesem Projekt zurück.
Im Fall des Projekts Ninh Thuan 1 laufen die Arbeiten jedoch weiter. Die jüngste Entwicklung ist der Abschluss eines neuen zwischenstaatlichen Abkommens zwischen Vietnam und dem russischen Unternehmen Rosatom. Nach Angaben von Rosatom soll das Abkommen den Bau von zwei Kernkraftwerksblöcken mit einer gesamten installierten Leistung von 2,4 GW ermöglichen. Der Termin für die Inbetriebnahme der neuen Blöcke ist ungewiss. Im Februar des vergangenen Jahres setzte der vietnamesische Premierminister das Ziel, den Bau bis zum Jahr 2030 abzuschließen, bei der Unterzeichnung des Abkommens Anfang dieser Woche wurde jedoch kein konkreter Termin genannt. Ebenso wurden keine Angaben zu den Kosten der neuen Blöcke veröffentlicht.
https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... oku-v-zemi
Europäische Reaktoren steuern auf eine Betriebsdauer von über 60 Jahren zu
Autor: Martin Voříšek
30. März 2026, oenergetice.cz
Der Betrieb von Kernkraftwerken über 60 Jahre hinaus entwickelt sich in Europa zunehmend von einer technischen Debatte hin zur energiepolitischen Praxis. Der Grund liegt auf der Hand: die Sicherung einer stabilen, emissionsfreien Stromquelle, die helfen kann, die Zeit bis zum Bau neuer Reaktoren zu überbrücken.
Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfügt Europa bislang nicht über ein einheitliches System, das die Verlängerung der Betriebsdauer von 60 auf 80 Jahre nach einem standardisierten Verfahren regelt. Jedes Land nutzt daher seinen eigenen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen.
Schweden: Forsmark und Ringhals peilen 80 Jahre an
Den derzeit konkretesten europäischen Fall stellen die schwedischen Kraftwerke Forsmark und Ringhals dar. Das Unternehmen Vattenfall gab im Jahr 2024 bekannt, dass die Eigentümer beider Standorte eine strategische Entscheidung getroffen haben, die Betriebsdauer der bestehenden Blöcke von 60 auf 80 Jahre zu verlängern.
Es handelt sich jedoch noch nicht um eine endgültige regulatorische Genehmigung. Nun sollen detaillierte technische Analysen, wirtschaftliche Bewertungen und Entscheidungen über den Umfang der notwendigen Investitionen folgen. Diese betreffen insbesondere die Erneuerung großer Anlagen wie Turbinen, Generatoren, Kondensatoren sowie Steuerungs- und Leitsysteme.
Auch beim Block Oskarshamn 3 wird die Frage eines langfristigen Betriebs aufgeworfen. Dessen Eigentümer Fortum und Uniper haben angekündigt, Maßnahmen zu prüfen, die einen Betrieb bis zu 80 Jahren ermöglichen könnten.
Im Gegensatz zu Forsmark und Ringhals befindet sich dieser Fall jedoch bislang nur in der Studienphase. Es handelt sich also um eine technische und wirtschaftliche Prüfung, nicht um ein klar angekündigtes Investitionsvorhaben.
Niederlande: Gesetz bremst Borssele….
Im niederländischen Fall ist nicht der technische Zustand der Anlage das Hauptproblem, sondern die Gesetzgebung. Für den Block Borssele gilt derzeit eine gesetzliche Begrenzung, nach der nach dem Jahr 2033 keine Stromerzeugung aus Kernkraft mehr erfolgen darf.
Die niederländische Regierung kündigte daher im Jahre 2025 an, dieses Gesetz ändern zu wollen. Erst danach kann der Betreiber bei der Aufsichtsbehörde eine Verlängerung des Betriebs beantragen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde sich die Betriebsdauer von Borssele faktisch 80 Jahren annähern.
Finnland: Loviisa bereits bis 2050 genehmigt...
Am weitesten ist innerhalb Europas Finnland. Die dortige Regierung erteilte dem Kraftwerk Loviisa im Jahr 2023 neue Betriebsgenehmigungen bis Ende 2050.
Für den älteren der beiden Blöcke bedeutet dies eine Betriebsdauer von etwa 73 Jahren. Finnland zeigt damit, dass auch im europäischen Umfeld ein Betrieb deutlich über 60 Jahre hinaus formal genehmigt werden kann, sofern der Betreiber die technische Eignung und Sicherheit der Anlage nachweist.
Schweiz: Beznau überschreitet die 60-Jahre-Marke….
Auch die Schweiz bestätigt, dass ein langfristiger Betrieb von Kernkraftwerken realistisch ist. Das Unternehmen Axpo gab im Dezember 2024 bekannt, dass das Kraftwerk Beznau bis zum Jahr 2033 weiter betrieben werden soll. Damit wird Beznau im Jahr 2033 auf 64 Betriebsjahre kommen. Die Entscheidung basiert laut Unternehmen auf technischen, organisatorischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Aspekten. Für den Weiterbetrieb sind zusätzliche Investitionen in Höhe von 350 Millionen CHF (ca. 9,4 Milliarden Kronen) geplant.
Nach Angaben von Axpo wird bei den Kraftwerken Leibstadt und Gösgen ebenfalls geprüft, ob ein Betrieb über 60 Jahre hinaus möglich ist. Das zeigt, dass sich das Thema „60+ Jahre“ in der Schweiz nicht nur auf Beznau beschränkt, sondern auch andere Reaktorblöcke betrifft.
Frankreich: vorerst eher technische Vorbereitung….
Frankreich ist für die europäische Debatte über den langfristigen Betrieb von Kernreaktoren besonders wichtig, da es die größte Kernkraftwerksflotte Europas betreibt. Das Unternehmen EDF, das die Anlagen betreibt, hat bislang jedoch keine konkreten Blöcke benannt, die auf eine Betriebsdauer von 80 Jahren ausgerichtet sind.
Obwohl das Unternehmen offen damit arbeitet, dass die Möglichkeit eines Betriebs über 60 Jahre hinaus technisch bewertet werden muss, handelt es sich eher um eine technologische und programmatische Vorbereitung.
Der französische Fall ist daher als Vorbereitung und strategische Diskussion zu verstehen, nicht als endgültige Entscheidung über einen 80-jährigen Betrieb konkreter Blöcke.
USA verfügen über ein standardisiertes System für 80 Jahre Betrieb
Einen grundlegenden Unterschied zu Europa stellen die Vereinigten Staaten dar. Die dortige Aufsichtsbehörde NRC verwendet ein standardisiertes Verfahren namens „Subsequent License Renewal“, also eine weitere Lizenzverlängerung nach der vorherigen Verlängerung auf 60 Jahre.
Dieses System ermöglicht eine Verlängerung des Betriebs auf bis zu 80 Jahre und basiert auf klar definierten Anforderungen an das Alterungsmanagement von Anlagen, die Bewertung der Materialdegradation sowie die Aktualisierung von Sicherheitsanalysen.
Das amerikanische Modell ist nicht nur Theorie. Die NRC erteilt solche Lizenzen bereits. So wurden laut Federal Register dem Kraftwerk Oconee am 31. März 2025 entsprechende verlängerte Betriebsgenehmigungen erteilt. Zuvor erhielten auch die Reaktoren Turkey Point und North Anna vergleichbare Genehmigungen.
Europa wird wahrscheinlich seinen eigenen Weg gehen
Der europäische Weg zu einer Betriebsdauer von Reaktoren über 60 Jahre hinaus wird vermutlich langsamer und weniger einheitlich verlaufen als in den USA. Am nächsten an einer expliziten Verlängerung auf 80 Jahre ist derzeit Schweden, Finnland verfügt bereits über genehmigte Laufzeiten deutlich über 60 Jahre, und die Niederlande versuchen, gesetzliche Hürden zu beseitigen.
Es ist daher offensichtlich, dass das Thema langfristiger Betrieb in Europa weiter an Bedeutung gewinnen wird. Neben dem technischen Zustand der Anlagen werden dabei zunehmend auch der regulatorische Rahmen, der Investitionsaufwand und die Fähigkeit der Betreiber entscheidend sein, einen sicheren Langzeitbetrieb zu gewährleisten.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... et-provozu
/gr/
Welche unbekannten Umstände begleiteten bekannte Ereignisse?
30.03.2026 Wochenzeitung 21. STOLETÍ JUNIOR Seite: 31
April und Mai sind Monate, in denen die Geschichte mehr als einmal in Bewegung geraten ist. Gerade im Frühling ereigneten sich Geschehnisse, über die wir in der Schule lernen und die fast jeder kennt – das Ende des Zweiten Weltkriegs, dramatische Momente des Kalten Krieges sowie Geschichten großer Marken. Weniger bekannt ist jedoch, welche Zufälle, Fehler oder unerwarteten Zusammenhänge diese berühmten Momente begleiteten:
Die Katastrophe von Tschernobyl und ein Experiment, das nie hätte stattfinden sollen:
Am 26. April 1986 kam es zu einem schweren Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl.
Es handelte sich um eine der schlimmsten Nuklearkatastrophen der Geschichte. Die Explosion von Reaktor Nummer 4 verursachte den Austritt gefährlicher Strahlung in die Umgebung, und große Gebiete der damaligen Sowjetunion sowie Teile Europas wurden dadurch betroffen. Die nahegelegene Stadt Prypjat, in der die Mitarbeiter des Kraftwerks mit ihren Familien lebten, musste rasch evakuiert werden. Die Menschen durften nur das Nötigste mitnehmen und kehrten nie zurück.
Wenige wissen jedoch, dass es während eines Sicherheitstests zu dem Unfall kam. Die Techniker wollten herausfinden, ob das Kraftwerk auch bei einem Stromausfall noch kurzzeitig Elektrizität erzeugen kann. Der Test wurde mehrfach verschoben und fand schließlich nachts statt, als eine weniger erfahrene Schicht im Dienst war. Zudem wies der Reaktor Konstruktionsfehler auf, von denen das Bedienpersonal nichts wusste. Durch die Kombination aus technischen Problemen und menschlichen Fehlern verwandelte sich der Test innerhalb weniger Sekunden in eine Katastrophe.
/gr/
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Große Personalveränderungen: Babiš platziert seinen Mann in der Führung von ČEZ, Beneš’ Vertrauter wird ČEPS leiten.
Die Müllverbrennungsanlage wird durch außergewöhnlich starken Widerstand gebremst.
Israelische Angriffe trafen im Iran eine Nuklearanlage und einen im Bau befindlichen Reaktor.
Vietnam schloss ein Abkommen mit Russland über den Bau der ersten Kernkraftwerksblöcke im Land.
Europäische Reaktoren steuern auf eine Betriebsdauer von über 60 Jahren zu.
Welche unbekannten Umstände begleiteten bekannte Ereignisse?
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Große Personalveränderungen: Babiš platziert seinen Mann in der Führung von ČEZ, Beneš’ Vertrauter wird ČEPS leiten
30.03.2026
Ekonomický deník
Die aktuellen personellen Verschiebungen in den staatlich kontrollierten Energieunternehmen erinnern an Figurenbewegungen auf einem Schachbrett.
Neues Mitglied des Vorstands der Energiegruppe ČEZ wird ab Anfang April Ondřej Landa, der bereits seit vier Jahren die Abteilung Recht und Legislative im Unternehmen leitet. Landa ist ein ehemaliger stellvertretender Finanzminister aus der Zeit, als das Ressort von Andrej Babiš und Alena Schillerová (beide ANO) geführt wurde. Er übernimmt den Posten, der durch den Weggang von Jan Kalina frei geworden ist.
Kalina gehört zu den engsten Mitarbeitern des langjährigen ČEZ-Chefs Daniel Beneš. Anfang April wird er Mitglied des Vorstands von ČEPS, dem Betreiber des Übertragungsnetzes in Tschechien. Laut Quellen aus der Energiewirtschaft gilt es als nahezu sicher, dass Kalina in naher Zukunft auch Vorstandsvorsitzender von ČEPS wird.
Landa – ČEZ, Kalina – ČEPS...
Das Ergebnis wirkt wie ein für beide Seiten vorteilhafter Deal zwischen zwei sehr einflussreichen Männern. Premierminister Andrej Babiš wird damit seinen Vertreter in der obersten Führung der wichtigsten Energiegruppe des Landes haben, an der der Staat fast 70 Prozent der Anteile hält. An der Spitze des staatlich kontrollierten Unternehmens ČEPS wird Beneš’ Vertrauter Kalina den bisherigen Chef Martin Durčák ersetzen, mit dem der ČEZ-Chef ein angespanntes bis feindseliges Verhältnis hatte.
Ondřej Landa war zuvor als Jurist und Manager bei der Bank ČSOB tätig. Im Jahr 2015 wurde er zum stellvertretenden Finanzminister unter Andrej Babiš ernannt. Gleichzeitig war er als Vertreter des Ministeriums stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats von ČEZ. Beide Funktionen übte er bis Januar 2022 aus, also bis kurz nach dem Regierungswechsel und dem Amtsantritt des Finanzministers Zbyněk Stanjura (ODS). Anschließend wechselte Landa zu ČEZ, wo er die Leitung der Abteilung Legal Affairs übernahm, der für Gesetzgebung, Regulierung und Beziehungen zu staatlichen Institutionen zuständig ist.
Dass Ondřej Landa als „Mann von Babiš“ gilt, wird auch durch einen weiteren Umstand gestützt: Sein Vater Jan Landa war langjähriger Manager in Babiš’ Chemieunternehmen Lovochemie und später Staatssekretär im Umweltministerium, als dieses von Richard Brabec (ANO) geführt wurde.
Der Vorstand von ČEZ wird weiterhin aus sieben Mitgliedern bestehen. Den Vorsitz hat seit September 2011 Daniel Beneš inne. Stellvertretender Vorsitzender ist Pavel Cyrani, weitere Mitglieder sind Martin Novák, Tomáš Pleskač, Bohdan Zronek und Michaela Chaloupková. Ab April kommt Ondřej Landa hinzu.
Der rätselhafte Sturz von Martin Durčák….
Wie die Zeitung Ekonomický deník bereits vor drei Wochen berichtete, beschloss der Aufsichtsrat des staatlichen Unternehmens ČEPS die Abberufung von Martin Durčák als Vorstandsvorsitzenden. Ursprünglich sollte er Ende März ausscheiden, letztlich musste er jedoch kurzfristig bereits am 12. März gehen. Zum neuen Vorstandsmitglied wurde Jan Kalina gewählt, der ČEPS bereits einmal – in den Jahren 2016 bis 2018 – geleitet hatte.
Gut informierte Quellen aus der Energiewirtschaft sprechen von einem schlechten Verhältnis zwischen Beneš und Durčák. Der einflussreiche ČEZ-Chef soll es schwer akzeptiert haben, dass sich Durčák als ebenbürtig betrachtete. Unter dessen Führung war ČEPS nämlich deutlich gewachsen: In der zweiten Hälfte des Jahres 2023 übernahm das Unternehmen von ausländischen Eigentümern den Betreiber unterirdischer Gasspeicher Gas Storage CZ sowie das Fernleitungsnetz NET4GAS. De facto entstand damit neben der ČEZ-Gruppe ein zweiter staatlicher Energiekonzern.
Konflikt mächtiger Manager
Die Beziehungen zwischen Beneš und Durčák verschlechterten sich weiter nach einem massiven Stromausfall Anfang Juli des vergangenen Jahres. ČEPS deutete damals an, dass eine der Ursachen eine fehlerhafte Reaktion des Kohlekraftwerks Ledvice gewesen sei, das ČEZ gehört. Beneš forderte daraufhin in einem offenen Brief die Energieregulierungsbehörde zu einer gründlichen Untersuchung auf und warf ČEPS Versagen in der Krisensituation vor. Er verwies auf den schlechten technischen Zustand des Netzes, unzureichendes Krisenmanagement sowie fehlerhafte Einschätzungen von Stromflüssen.
Ironischerweise wurde Durčák selbst während der ersten Regierung von Andrej Babiš im November 2018 an die Spitze von ČEPS berufen. Er ersetzte damals Jan Kalina, der wegen Vertrauensverlusts seitens der damaligen Regierung abberufen worden war. Kalina kehrte anschließend zur ČEZ-Gruppe zurück, wo er als Vorstandsmitglied für erneuerbare Energien und konventionelle Energieerzeugung verantwortlich war.
Autor: David Tramba
https://ekonomickydenik.cz/babis-dosadi ... lina-ceps/
/gr/
Die Müllverbrennungsanlage wird durch außergewöhnlich starken Widerstand gebremst
30.03.2026, Tageszeitung Mladá fronta DNES Seite 9
Autor: Antonín Pelíšek
Die Müllverbrennungsanlage bei Temelín wird von 55 Subjekten abgelehnt. Sie befürchten eine Verschlechterung der Verkehrssituation sowie Umweltverschmutzung.
TEMELÍN – Ein nahezu beispielloser Widerstand aus der Umgebung hat den Bau einer Müllverbrennungsanlage am Standort Hůrka nahe Temelín im Raum České Budějovice /Budweis gestoppt. In der Vorbereitungsphase äußerten sich 55 Subjekte negativ zu diesem Vorhaben, darunter zehn umliegende Gemeinden, außerdem Vereine, Institutionen und einzelne Einwohner. Nach Ansicht einiger Gegner übersteigt diese Zahl an ablehnenden Stellungnahmen sogar die Menge der Einwände gegen den Bau des Kernkraftwerks Temelín vor vierzig Jahren.
Offizielle Einwände ließ das damalige Regime jedoch nicht zu. „Das Projekt unterliegt nun der strengsten Prüfung“, erklärte Pavel Píha, Initiator der Petition gegen die Verbrennungsanlage und Einwohner des nahegelegenen Orts Litoradlice.
Die Ortschaft gehört zur Gemeinde Temelín, deren Gemeinderat sogar ein Referendum über die Verbrennungsanlage beschlossen hat. Auch die Vertreter der nahegelegenen Städte und Gemeinden Hluboká nad Vltavou, Týn nad Vltavou, Dříteň, Olešník und weiterer Orte lehnen das Projekt ab. Sie argumentieren übereinstimmend, dass die Müllverbrennungsanlage die Region zusätzlich belasten werde. „Das Gebiet ist bereits stark durch den Betrieb des Atomkraftwerks geprägt“, erinnern die Vertreter der Gemeinde Temelín.
Im Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung brachten die Beteiligten Einwände wie eine Verschlechterung des Verkehrs, des Klimas und der Luftqualität sowie die Gefahr einer Kontamination von Wasserquellen vor. „Das Projekt muss im gesamten Prozess hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit bewertet werden“, erklärte die Umweltabteilung des Kreisamtes.
Damit wurde das Vorhaben in die sogenannte „große UVP“ (EIA) überführt, in der unabhängige Experten das Projekt beurteilen werden. Nach Angaben der Behörde muss der Antragsteller darin alle Einwände berücksichtigen und unter anderem die Liste der angelieferten Abfälle, den Umgang mit Reststoffen sowie weitere Bedingungen konkretisieren.
Zweieinhalbtausend Unterschriften in einer Woche….
Die Müllverbrennungsanlage soll von dem multinationalen Unternehmen Quail errichtet werden, zu dessen Konzern auch die Firma FCC gehört, die sich mit kommunalen Abfällen befasst. Laut Projekt soll die Anlage jährlich 20.000 Tonnen Abfall verbrennen und daraus Strom erzeugen. Nach der Verbrennung bleibt etwa ein Drittel als gefährlicher Abfall – Schlacke und Flugasche – zurück, der in vorgesehene Lagerstätten gebracht wird.
Die Sprecherin von FCC, Kristina Jakubcová, bestätigte bereits früher gegenüber der Zeitung MF DNES, dass der Abfall keinesfalls auf die Deponie im nahegelegenen Ort Mydlovary gebracht werde.
Die Bewohner sorgen sich dennoch über die zunehmende Kumulation der Auswirkungen weiterer Industrieprojekte in der Region. Geplant sind zusätzliche Kernreaktoren, eine Photovoltaikanlage, und auch ein tiefengeologisches Lager für radioaktive Abfälle ist nicht ausgeschlossen. Einer der ausgewählten Standorte, Janoch, grenzt direkt an den vorgesehenen Standort der Verbrennungsanlage Hůrka.
Zudem muss auch die Infrastruktur ausgebaut werden. Gegen die Verbrennungsanlage sprechen sich auch Fischerei- und Jagdverbände aus. Sie erinnern daran, dass die Region historisch als Gebiet von Landwirten und Obstbauern bekannt ist.
Der Investor plant, die Anlage zwischen den Jahren 2027 und 2035 in Betrieb zu nehmen. Teil des Genehmigungsverfahrens wird auch eine öffentliche Anhörung sein. Die Petition dagegen wurde innerhalb einer Woche von fast zweieinhalbtausend Menschen unterzeichnet.
Redakteur MF DNES
/gr/
Israelische Angriffe trafen im Iran eine Nuklearanlage und einen im Bau befindlichen Reaktor
ČTK
27. März 2026, oenergetice.cz
Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels haben im Iran mehrere nukleare Anlagen getroffen, darunter auch einen Schwerwasserreaktor im Kraftwerk Arak, berichteten heute Agenturen unter Berufung auf iranische Medien. Zu dem Angriff auf den Reaktor, der sich laut früheren Informationen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) noch im Bau befindet, bekannte sich Israel, schreiben Medien. Bereits im Krieg im vergangenen Juni war die Anlage israelischen Angriffen ausgesetzt. Laut Medien wurden bei den aktuellen Angriffen keine Menschen verletzt und es kam zu keinem Austritt von Radioaktivität.
Der Schwerwasserreaktor in Arak befindet sich etwa 250 Kilometer südwestlich von Teheran. Nach einer Erklärung der IAEO vom vergangenen Juni, als die Anlage von einem israelischen Angriff getroffen wurde, ist der Reaktor noch im Bau. Auch beim damaligen Angriff wurde kein Austritt von Radioaktivität festgestellt.
Die iranische Atomenergieorganisation (AEOI) teilte heute am Nachmittag mit, dass die amerikanischen und israelischen Angriffe auch eine Anlage zur Herstellung von Uran-Konzentrat getroffen haben. Dieses wird anschließend zur Produktion von Brennstoff für Kernreaktoren verwendet. Auch in diesem Fall wurden keine radioaktiven Lecks gemeldet.
Die israelischen Streitkräfte erklärten am Abend, sie hätten „wiederholte Versuche zur Wiederaufnahme“ des Reaktors in Arak durch das iranische Regime nach dem Angriff im Juni festgestellt. „Die israelische Armee hat daher die Anlage erneut angegriffen“, bestätigte Tel Aviv. Die israelische Armee bekannte sich auch zu dem Angriff auf die Anlage zur Herstellung von Uran-Konzentrat, da dieser Prozess ihrer Ansicht nach „am Anfang der Produktionskette von Kernwaffen“ steht.
Das Projekt des Schwerwasserreaktors wurde nach dem Atomabkommen aus dem Jahr 2015 so umgestaltet, dass die Anlage nicht zur Gewinnung von Kernwaffenmaterial genutzt werden kann. Laut der heutigen Erklärung der israelischen Armee habe Iran jedoch die Änderungen nicht umgesetzt, die die Produktion von waffenfähigem Plutonium verhindern würden, berichten israelische Medien.
Teheran weist seit langem zurück, dass es Ambitionen habe, eine Nuklearwaffe zu entwickeln. Gerade die Möglichkeit, dass Iran eine Atombombe erlangen könnte, gehört zu den Gründen, mit denen die USA und Israel die Angriffe auf Iran vor etwa einem Monat begründet haben.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... e-vystavbe
/gr/
Vietnam schloss ein Abkommen mit Russland über den Bau der ersten Kernkraftwerksblöcke im Land
Autor: Eduard Majling
26. März 2026, oenergetice.cz
Vertreter Vietnams und Russlands unterzeichneten Anfang dieser Woche ein neues zwischenstaatliches Abkommen, das zum Bau von zwei Kernkraftwerksblöcken vom Typ VVER-1200 führen soll. Die beiden Länder hatten sich bereits im Jahr 2009 grundsätzlich auf den Bau der neuen Blöcke geeinigt, das Projekt wurde jedoch vor zehn Jahren gestoppt. Später überdachte die Regierung jedoch ihre Ambitionen im Bereich der Kernenergie, wodurch der Weg für das Projekt erneut frei wurde.
Die Pläne Vietnams zur Entwicklung der Kernenergie reichen bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück, bislang verfügt das Land jedoch über keine Kernkraftwerke. Dem Beginn des Baus seiner ersten Kernkraftwerksblöcke kam Vietnam vor knapp zwei Jahrzehnten am nächsten, nachdem es sich mit Russland auf den Bau von zwei VVER-1200-Blöcken am Standort Ninh Thuan geeinigt hatte. Ende des Jahres 2011 wurden sogar bereits vorbereitende Arbeiten aufgenommen, im Jahre 2016 setzte die vietnamesische Regierung das Projekt jedoch wegen Bedenken hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit aus.
Nach fast zehn Jahren kam jedoch die Wende, als die Regierung beschloss, ihre kernenergetischen Ambitionen wiederzubeleben. Im November 2024 stimmte die Regierung laut dem Portal World Nuclear News für die Wiederaufnahme des Kernenergieprojekts Ninh Thuan.
Dieses Projekt soll den Bau von zwei Kraftwerken mit jeweils zwei Reaktorblöcken umfassen. Das Kraftwerk Ninh Thuan 1 sollte von Anfang an vom russischen Unternehmen Rosatom betreut werden, während das zweite Kraftwerk von japanischen Unternehmen errichtet werden sollte. Im Dezember 2024 zog sich Japan laut der Nachrichtenagentur Reuters jedoch aus diesem Projekt zurück.
Im Fall des Projekts Ninh Thuan 1 laufen die Arbeiten jedoch weiter. Die jüngste Entwicklung ist der Abschluss eines neuen zwischenstaatlichen Abkommens zwischen Vietnam und dem russischen Unternehmen Rosatom. Nach Angaben von Rosatom soll das Abkommen den Bau von zwei Kernkraftwerksblöcken mit einer gesamten installierten Leistung von 2,4 GW ermöglichen. Der Termin für die Inbetriebnahme der neuen Blöcke ist ungewiss. Im Februar des vergangenen Jahres setzte der vietnamesische Premierminister das Ziel, den Bau bis zum Jahr 2030 abzuschließen, bei der Unterzeichnung des Abkommens Anfang dieser Woche wurde jedoch kein konkreter Termin genannt. Ebenso wurden keine Angaben zu den Kosten der neuen Blöcke veröffentlicht.
https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... oku-v-zemi
Europäische Reaktoren steuern auf eine Betriebsdauer von über 60 Jahren zu
Autor: Martin Voříšek
30. März 2026, oenergetice.cz
Der Betrieb von Kernkraftwerken über 60 Jahre hinaus entwickelt sich in Europa zunehmend von einer technischen Debatte hin zur energiepolitischen Praxis. Der Grund liegt auf der Hand: die Sicherung einer stabilen, emissionsfreien Stromquelle, die helfen kann, die Zeit bis zum Bau neuer Reaktoren zu überbrücken.
Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfügt Europa bislang nicht über ein einheitliches System, das die Verlängerung der Betriebsdauer von 60 auf 80 Jahre nach einem standardisierten Verfahren regelt. Jedes Land nutzt daher seinen eigenen gesetzlichen und regulatorischen Rahmen.
Schweden: Forsmark und Ringhals peilen 80 Jahre an
Den derzeit konkretesten europäischen Fall stellen die schwedischen Kraftwerke Forsmark und Ringhals dar. Das Unternehmen Vattenfall gab im Jahr 2024 bekannt, dass die Eigentümer beider Standorte eine strategische Entscheidung getroffen haben, die Betriebsdauer der bestehenden Blöcke von 60 auf 80 Jahre zu verlängern.
Es handelt sich jedoch noch nicht um eine endgültige regulatorische Genehmigung. Nun sollen detaillierte technische Analysen, wirtschaftliche Bewertungen und Entscheidungen über den Umfang der notwendigen Investitionen folgen. Diese betreffen insbesondere die Erneuerung großer Anlagen wie Turbinen, Generatoren, Kondensatoren sowie Steuerungs- und Leitsysteme.
Auch beim Block Oskarshamn 3 wird die Frage eines langfristigen Betriebs aufgeworfen. Dessen Eigentümer Fortum und Uniper haben angekündigt, Maßnahmen zu prüfen, die einen Betrieb bis zu 80 Jahren ermöglichen könnten.
Im Gegensatz zu Forsmark und Ringhals befindet sich dieser Fall jedoch bislang nur in der Studienphase. Es handelt sich also um eine technische und wirtschaftliche Prüfung, nicht um ein klar angekündigtes Investitionsvorhaben.
Niederlande: Gesetz bremst Borssele….
Im niederländischen Fall ist nicht der technische Zustand der Anlage das Hauptproblem, sondern die Gesetzgebung. Für den Block Borssele gilt derzeit eine gesetzliche Begrenzung, nach der nach dem Jahr 2033 keine Stromerzeugung aus Kernkraft mehr erfolgen darf.
Die niederländische Regierung kündigte daher im Jahre 2025 an, dieses Gesetz ändern zu wollen. Erst danach kann der Betreiber bei der Aufsichtsbehörde eine Verlängerung des Betriebs beantragen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde sich die Betriebsdauer von Borssele faktisch 80 Jahren annähern.
Finnland: Loviisa bereits bis 2050 genehmigt...
Am weitesten ist innerhalb Europas Finnland. Die dortige Regierung erteilte dem Kraftwerk Loviisa im Jahr 2023 neue Betriebsgenehmigungen bis Ende 2050.
Für den älteren der beiden Blöcke bedeutet dies eine Betriebsdauer von etwa 73 Jahren. Finnland zeigt damit, dass auch im europäischen Umfeld ein Betrieb deutlich über 60 Jahre hinaus formal genehmigt werden kann, sofern der Betreiber die technische Eignung und Sicherheit der Anlage nachweist.
Schweiz: Beznau überschreitet die 60-Jahre-Marke….
Auch die Schweiz bestätigt, dass ein langfristiger Betrieb von Kernkraftwerken realistisch ist. Das Unternehmen Axpo gab im Dezember 2024 bekannt, dass das Kraftwerk Beznau bis zum Jahr 2033 weiter betrieben werden soll. Damit wird Beznau im Jahr 2033 auf 64 Betriebsjahre kommen. Die Entscheidung basiert laut Unternehmen auf technischen, organisatorischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Aspekten. Für den Weiterbetrieb sind zusätzliche Investitionen in Höhe von 350 Millionen CHF (ca. 9,4 Milliarden Kronen) geplant.
Nach Angaben von Axpo wird bei den Kraftwerken Leibstadt und Gösgen ebenfalls geprüft, ob ein Betrieb über 60 Jahre hinaus möglich ist. Das zeigt, dass sich das Thema „60+ Jahre“ in der Schweiz nicht nur auf Beznau beschränkt, sondern auch andere Reaktorblöcke betrifft.
Frankreich: vorerst eher technische Vorbereitung….
Frankreich ist für die europäische Debatte über den langfristigen Betrieb von Kernreaktoren besonders wichtig, da es die größte Kernkraftwerksflotte Europas betreibt. Das Unternehmen EDF, das die Anlagen betreibt, hat bislang jedoch keine konkreten Blöcke benannt, die auf eine Betriebsdauer von 80 Jahren ausgerichtet sind.
Obwohl das Unternehmen offen damit arbeitet, dass die Möglichkeit eines Betriebs über 60 Jahre hinaus technisch bewertet werden muss, handelt es sich eher um eine technologische und programmatische Vorbereitung.
Der französische Fall ist daher als Vorbereitung und strategische Diskussion zu verstehen, nicht als endgültige Entscheidung über einen 80-jährigen Betrieb konkreter Blöcke.
USA verfügen über ein standardisiertes System für 80 Jahre Betrieb
Einen grundlegenden Unterschied zu Europa stellen die Vereinigten Staaten dar. Die dortige Aufsichtsbehörde NRC verwendet ein standardisiertes Verfahren namens „Subsequent License Renewal“, also eine weitere Lizenzverlängerung nach der vorherigen Verlängerung auf 60 Jahre.
Dieses System ermöglicht eine Verlängerung des Betriebs auf bis zu 80 Jahre und basiert auf klar definierten Anforderungen an das Alterungsmanagement von Anlagen, die Bewertung der Materialdegradation sowie die Aktualisierung von Sicherheitsanalysen.
Das amerikanische Modell ist nicht nur Theorie. Die NRC erteilt solche Lizenzen bereits. So wurden laut Federal Register dem Kraftwerk Oconee am 31. März 2025 entsprechende verlängerte Betriebsgenehmigungen erteilt. Zuvor erhielten auch die Reaktoren Turkey Point und North Anna vergleichbare Genehmigungen.
Europa wird wahrscheinlich seinen eigenen Weg gehen
Der europäische Weg zu einer Betriebsdauer von Reaktoren über 60 Jahre hinaus wird vermutlich langsamer und weniger einheitlich verlaufen als in den USA. Am nächsten an einer expliziten Verlängerung auf 80 Jahre ist derzeit Schweden, Finnland verfügt bereits über genehmigte Laufzeiten deutlich über 60 Jahre, und die Niederlande versuchen, gesetzliche Hürden zu beseitigen.
Es ist daher offensichtlich, dass das Thema langfristiger Betrieb in Europa weiter an Bedeutung gewinnen wird. Neben dem technischen Zustand der Anlagen werden dabei zunehmend auch der regulatorische Rahmen, der Investitionsaufwand und die Fähigkeit der Betreiber entscheidend sein, einen sicheren Langzeitbetrieb zu gewährleisten.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... et-provozu
/gr/
Welche unbekannten Umstände begleiteten bekannte Ereignisse?
30.03.2026 Wochenzeitung 21. STOLETÍ JUNIOR Seite: 31
April und Mai sind Monate, in denen die Geschichte mehr als einmal in Bewegung geraten ist. Gerade im Frühling ereigneten sich Geschehnisse, über die wir in der Schule lernen und die fast jeder kennt – das Ende des Zweiten Weltkriegs, dramatische Momente des Kalten Krieges sowie Geschichten großer Marken. Weniger bekannt ist jedoch, welche Zufälle, Fehler oder unerwarteten Zusammenhänge diese berühmten Momente begleiteten:
Die Katastrophe von Tschernobyl und ein Experiment, das nie hätte stattfinden sollen:
Am 26. April 1986 kam es zu einem schweren Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl.
Es handelte sich um eine der schlimmsten Nuklearkatastrophen der Geschichte. Die Explosion von Reaktor Nummer 4 verursachte den Austritt gefährlicher Strahlung in die Umgebung, und große Gebiete der damaligen Sowjetunion sowie Teile Europas wurden dadurch betroffen. Die nahegelegene Stadt Prypjat, in der die Mitarbeiter des Kraftwerks mit ihren Familien lebten, musste rasch evakuiert werden. Die Menschen durften nur das Nötigste mitnehmen und kehrten nie zurück.
Wenige wissen jedoch, dass es während eines Sicherheitstests zu dem Unfall kam. Die Techniker wollten herausfinden, ob das Kraftwerk auch bei einem Stromausfall noch kurzzeitig Elektrizität erzeugen kann. Der Test wurde mehrfach verschoben und fand schließlich nachts statt, als eine weniger erfahrene Schicht im Dienst war. Zudem wies der Reaktor Konstruktionsfehler auf, von denen das Bedienpersonal nichts wusste. Durch die Kombination aus technischen Problemen und menschlichen Fehlern verwandelte sich der Test innerhalb weniger Sekunden in eine Katastrophe.
/gr/
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
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Gabi Reitinger
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Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Auswahl von Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Energi vom 1.April 2026:
Inhalt:
Der Staat kaufte bereits vor einem Jahr das Projekt der neuen Blöcke in Dukovany. Bezahlen wird er dafür jedoch erst im Februar 2027.
Leyen zur Energiepolitik:
Emissionszertifikate funktionieren. Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler..
Unantastbare Nichtregierungsorganisationen.
Windkraftanlagen in Ralsko werden nicht gebaut. Es weht dort zu wenig Wind.
Italien verschiebt das Ende der Kohle auf 2038. Regierung Meloni lockert die Ziele der Klimapolitik
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Der Staat kaufte bereits vor einem Jahr das Projekt der neuen Blöcke in Dukovany. Bezahlen wird er dafür jedoch erst im Februar 2027
30.03.2026
Ekonomický deník
Der Staat wird dem Unternehmen ČEZ die Firma, die den Bau von zwei neuen Kernkraftwerksblöcken in Dukovany vorbereitet, erst später bezahlen. Nach Angaben des Vizepremiers Karel Havlíček (ANO) wird der Staat den Kaufpreis für den 80-prozentigen Anteil für EDU II im Februar des nächsten Jahres begleichen. „Es handelt sich um eine technische Angelegenheit, die wir zu diesem Zeitpunkt erledigen mussten“, sagte Havlíček nach der Regierungssitzung.
Der Minister für Industrie und Handel, Havlíček, erwähnte außerdem die Unterzeichnung eines Memorandums mit dem slowakischen Wirtschaftsministerium. Dieses betrifft den geplanten Bau einer neuen Kernkraftquelle in Jaslovské Bohunice. Tschechien wird sich daran jedoch nicht direkt beteiligen. Die Auswirkungen werden vielmehr umgekehrt sein – das Memorandum sieht den Austritt des Unternehmens ČEZ aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit der slowakischen Staatsfirma JAVYS vor.
Der Staat eilt mit der Zahlung nicht...
Zur Erinnerung: Die Transaktion zwischen dem Staat und der ČEZ-Gruppe fand im vergangenen Jahr Ende April / Anfang Mai statt. Auf Grundlage einer Entscheidung der tschechischen Regierung wurde der Mehrheitsanteil an der Projektgesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II) vom Staat übernommen. ČEZ verkaufte dem Staat fast 80 Prozent der Anteile und behielt nur etwas mehr als 20 Prozent. Der Verkaufspreis, der bis heute nicht bezahlt wurde, liegt bei etwa 3,6 Milliarden Kronen.
Die Gesellschaft Elektrárna Dukovany II ist der Investor für den Bau von zwei neuen Kernkraftwerksblöcken mit einer Gesamtleistung von mehr als 2000 Megawatt. Diese soll nach der Regierungsentscheidung von der koreanischen Firma KHNP errichtet werden. Die Unterzeichnung des Vertrags verzögerte sich jedoch aufgrund von Obstruktionen des unterlegenen Bieters, also des französischen Unternehmens EDF. Sie erfolgte erst Anfang Juni des vergangenen Jahres. Seitdem laufen die Vorbereitungsarbeiten, damit der Bau im Jahr 2030 beginnen kann.
Slowakei...
Was die Slowakei betrifft, wurde im Jahr 2009 das Gemeinschaftsunternehmen Jadrová energetická spoločnosť Slovenska (JESS) gegründet. Die staatliche JAVYS hält darin 51 Prozent der Aktien, ČEZ besitzt die verbleibenden 49 Prozent. Doch die Begeisterung der ČEZ-Führung für den Bau eines neuen Kernreaktors in Jaslovské Bohunice ließ schnell nach. Bereits Anfang des Jahres 2013 begann ČEZ nach Wegen zu suchen, sich aus dem slowakischen Projekt zurückzuziehen.
In den letzten Monaten ist das Projekt zum Bau eines neuen Blocks in Jaslovské Bohunice erneut belebt worden. Diesmal jedoch ausschließlich unter Regie der slowakischen Regierung. Die Vereinigten Staaten und die Slowakei unterzeichneten im Januar ein zwischenstaatliches Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Kernenergie. Bestandteil der Vereinbarung ist der Bau eines Kernkraftwerksblocks mit einer Leistung von 1200 Megawatt nach dem Design des Unternehmens Westinghouse.
Quelle: https://ekonomickydenik.cz/stat-nezapla ... ny-za-rok/
/gr/
Leyen zur Energiepolitik:
01.04.2026 Wochenzeitung Týden Rubrik: Wirtschaft - Seite: 28
Emissionszertifikate funktionieren. Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler..
Aufgrund des Emissionshandelssystems ETS steigen die Energiepreise und die Industrie gerät unter Druck. Nach Ansicht der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, funktioniert das System der Zertifikate jedoch. Auf dem EU-Gipfel stimmte sie allerdings Änderungen zu und will sich auf vier Hauptbereiche konzentrieren, die den Strompreis bestimmen. Auf dem Pariser Gipfel zur zivilen Nutzung der Kernenergie räumte sie ein, dass die Abkehr von der Kernenergie ein strategischer Fehler war.
Das Emissionshandelssystem ETS soll durch Gebühren zur Senkung der Emissionen motivieren. Unternehmen müssen für jede ausgestoßene Tonne CO₂ Zertifikate erwerben. Je mehr Emissionen, desto höher die Kosten. Von der Leyen forderte die EU-Staaten auf, die bestehenden Regeln zu nutzen, um Steuern zu senken und die Vorschriften für staatliche Beihilfen flexibler anzuwenden, um Unternehmen und Haushalte zu unterstützen, die in Schwierigkeiten geraten sind.
Die Kommission werde sich zudem auf die eigentlichen Produktionskosten, Netz- und Übertragungsgebühren, Steuern und Abgaben sowie die Kosten für Emissionszertifikate konzentrieren. Sie will einen Legislativvorschlag vorlegen, der den Preisdruck mindern soll. Angesichts steigender Energiepreise seien laut von der Leyen Maßnahmen nötig, die vorübergehend und gezielt sind und Bürgern wie Unternehmen sofortige Entlastung verschaffen.
Eine Änderung des EU-Emissionshandelssystems ETS fordert beispielsweise der tschechische Premierminister Andrej Babiš. Tschechien werde weiter nach Verbündeten für seine Vorschläge suchen, darunter die Ausklammerung energieintensiver Industrien aus dem Emissionshandelssystem bis zum Jahr 2034. „Es ist uns gelungen durchzusetzen, dass die Europäische Kommission – obwohl ursprünglich Juli vorgesehen war – einen konkreten Plan zur Überarbeitung der Richtlinie über Emissionszertifikate vorbereitet … sodass dies im Juni im Europäischen Rat behandelt wird“, erklärte er. Eine Erwähnung energieintensiver Industrien konnte Tschechien auch in die Gipfelschlussfolgerungen einbringen. „Gleichzeitig sind kurzfristig gezielte Lösungen erforderlich, um erschwingliche Energiepreise sicherzustellen, unter Berücksichtigung technologischer Neutralität und der spezifischen Situationen der Mitgliedstaaten“, heißt es in dem Dokument.
Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler...
Während in den 1990er Jahren bis zu ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, sind es heute etwa 15 Prozent. „Ich denke, es war ein strategischer Fehler, dass Europa sich von einer zuverlässigen und verfügbaren Quelle kohlenstoffarmer Elektrizität abgewandt hat“, sagte von der Leyen auf dem Pariser Gipfel mit Blick auf den europäischen Atomausstieg zu Beginn dieses Jahrhunderts, als sich beispielsweise auch ihr Heimatland Deutschland von dieser Energiequelle verabschiedete. Brüssel plant laut ihr eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Regeln für die Kernenergie, die Förderung kleiner modularer Reaktoren sowie einen Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro (4,9 Milliarden Kronen) für Garantien bei privaten Investitionen in innovative Nuklearprojekte.
Die Europäische Union weist nach Ansicht von Präsident Emmanuel Macron erhebliche Defizite auf, etwa darin, dass sie die Kernenergie nicht konsequent unterstützt. „Die Kernenergie ist der Schlüssel zur Erreichung von Energieunabhängigkeit und Energiesouveränität, zur Dekarbonisierung und damit zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050, zur Wettbewerbsfähigkeit und auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft“, sagte der französische Präsident. In der sogenannten EU-Taxonomie, die für die Förderung von Energiequellen wichtig ist, wird die Kernenergie derzeit als vorübergehend „grüne“ Quelle eingestuft. Frankreich und einige andere Länder, darunter Tschechien, setzen sich dafür ein, sie als langfristige Quelle anzuerkennen. Gegen die Nutzung der Kernenergie stellen sich hingegen beispielsweise Deutschland und Österreich.
Die EU-Staaten sollten laut Macron zudem mehr Anstrengungen in eigene Kapazitäten zur Urananreicherung investieren, um diese zu zentralen Innovationsprojekten innerhalb der Union zu machen. Laut der Zeitung Financial Times importieren EU-Länder jedoch weiterhin fast ein Viertel ihres Urans aus Russland, was Moskau ermöglicht, Druck auf die Union auszuüben.
/gr/
Unantastbare Nichtregierungsorganisationen
01.04.2026 Wochenzeitung Týden Autor: Jan Štoll Rubrik: Thema - Seite: 6
So ist es nicht! Wir wollen Transparenz, donnert Babiš
Drohungen mit Vernichtung und vulgäre Beschimpfungen. Damit sehen sich Menschen wie Natálie Vachatová konfrontiert, die sich nur am Rande an den ersten Überlegungen zu einem Gesetz beteiligt haben, das die Finanzierung und Verbindungen von Nichtregierungsorganisationen offenlegen soll. Dieses wurde inzwischen mit dem Etikett „russisches Gesetz“ versehen. Doch seine Gegner sind beim Premier und ANO-Chef Andrej Babiš hart aufgelaufen. Seiner Ansicht nach bilden manche NGOs eine Grauzone von Lobbying und ausländischen Einflüssen – und das will er angehen.
In Tschechien soll ein Pendant zum amerikanischen Gesetz FARA entstehen, nach dem sich bereits seit 1938 Personen und Organisationen registrieren müssen, die in den USA im Interesse ausländischer Einflussnahme tätig sind. Ein Gesetz mit ähnlicher Zielsetzung gilt auch in Russland – daher die Bezeichnung „russisches Gesetz“ – sowie in weiteren Ländern wie Australien, Großbritannien, Kanada oder auch Ungarn.
Blinder Hass der Masse...
Nach der Veröffentlichung von Informationen, dass an dem Gesetzentwurf die Babiš-Beraterin Natálie Vachatová beteiligt war, ergoss sich in sozialen Netzwerken und in Kommentaren unter Beiträgen einiger NGOs ein regelrechter „Auslese“-Querschnitt der tschechischen Gesellschaft über sie. „Geh zurück nach Moskau, russische H...!“ Aber auch anderswo: „Ich hoffe, wir haben noch funktionierende Geheimdienste, die wissen, was zu tun ist – und vor allem, dass es wie ein Unfall aussieht.“ „Kollaborateurin, du H..., jemand wird dir bald zeigen, was mit solchem Abschaum wie dir bei uns passiert.“
Vachatová lässt sich das nicht gefallen, auch wenn sie weiß, dass der Rechtsweg lang sein wird. „Natürlich hat das auch meine Familie getroffen. Ich habe kleine Kinder, und zu behaupten, ich hätte keine Angst um unsere Sicherheit, wäre gelogen“, sagte sie dem Magazin Týden und fügte hinzu, dass sich ihr Rechtsvertreter bereits damit befasse. „Wir werden nicht nur auf Drohungen reagieren, sondern auch auf nachweisbare Lügen, die im öffentlichen Raum aufgetaucht sind“, ergänzte sie.
Die Reaktionen der Menschen hängen mit Aussagen Vachatovás aus der Vergangenheit zusammen, über die Medien berichtet haben. „Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie zwölf Jahre alte, aus dem Kontext gerissene und mit heutiger Perspektive interpretierte Aussagen missbraucht werden können“, sagte sie. Die Redaktion überprüfte ihre Existenz etwa in der Gruppe „Freunde Russlands in der Tschechischen Republik“ im Zusammenhang mit dem Abschuss von Flug MH17 und mit der Nichtausstrahlung russischer Stellungnahmen in den Medien. Vachatová hat dafür eine Erklärung: „Es war eine analytische Frage zu einer Zeit, in der es noch keine klaren Schlussfolgerungen gab. Dass ich den Abschuss eines Flugzeugs gutheißen würde, ist eine dreiste Lüge. Ebenso die Behauptung, ich hätte Filme verbieten wollen – das ist nie passiert“, erklärte sie. „2014 habe ich dort unmittelbar nach meiner Rückkehr vom Maidan, wo ich persönlich war, einige Beiträge kommentiert, bei mehreren geschrieben, dass es Fakes seien, und die Gruppe kurz darauf verlassen. Meine damaligen Überlegungen entsprachen dem Kontext des Jahres 2014, als sich in ähnlicher Weise und zur gleichen Zeit auch Menschen wie der heutige Präsidentenberater Petr Kolář oder Henry Kissinger äußerten. Das war damals ein normaler Bestandteil der öffentlichen Debatte, kein extremer Standpunkt.“
Einige Medien veröffentlichten auch die Feststellung, dass ihr Bruder mit Geschäften in Russland verbunden sei. „Mein Bruder ging vor sechzehn Jahren als Angestellter einer tschechischen Firma nach Russland, ließ sich dort nieder und gründete eine Familie. Wir haben minimalen Kontakt, wir haben uns seit über drei Jahren nicht gesehen, und sein Leben hat nichts mit meiner Arbeit zu tun“, verteidigt sie sich.
Weder russisch noch amerikanisch...
Zunächst ist daran zu erinnern, dass ein Dokument an die Öffentlichkeit gelangte, das einem Zwischenstadium zwischen sachlichem Entwurf und ausformulierter Gesetzesfassung entsprach – also ein Text, der meilenweit von verabschiedungsreifer Gesetzgebung entfernt war. Zur tschechischen Vorlage bekennt sich als Autor der Vorsitzende von PRO, Jindřich Rajchl. Er wies jeglichen russischen Einfluss zurück und bezeichnete die Verbindung zu Russland als peinlich und naiv. „Ich bin vom amerikanischen Gesetz ausgegangen. Ich sehe keinen Grund, warum ein Gesetz, das in den USA seit dem Jhr 1938 gilt, nicht auch bei uns gelten sollte“, sagte Rajchl. Das bestätigte der Redaktion auch Vachatová. Sie bestritt, das Gesetz geschrieben zu haben, und wollte sich ursprünglich nicht dazu äußern; angesichts der Umstände entschied sie sich jedoch schließlich zu einer ausführlicheren Stellungnahme. Ihre Eingriffe hätten sich ihrer Aussage nach darauf beschränkt, Rajchl „einzubremsen“, der den Text deutlich schärfer konzipiert habe. Die amerikanische Version des Gesetzes ist in einigen Punkten nämlich wesentlich strenger, etwa bei der Kennzeichnung der Beteiligten; betroffene Organisationen müssen beispielsweise Materialien mit Angaben darüber versehen, wer sie in Auftrag gegeben hat und für wen sie verbreitet werden. Sie ist aber auch deutlich konkreter in der Definition der betroffenen Organisationen und zielt nicht auf Gruppen wie NGOs ab, sondern definiert Tätigkeiten. Dagegen war der Entwurf aus Rajchls Feder sehr unbestimmt und breit gefasst, was die betroffenen Subjekte betrifft – und darin dem russischen Gesetz tatsächlich näher. Daraus können die Risiken resultieren, die NGOs befürchten. „Wir leben in einem freien Land, in dem geltende Gesetze bestehen. Und dieses [Gesetz über ausländische Agenten] ist ein Instrument, das Autoritäre zur Kontrolle der Gesellschaft nutzen. Nicht umsonst nennt man es ein russisches Gesetz“, erklärte der Direktor der Organisation Člověk v tísni / Mensch im Not, Šimon Pánek.
Andererseits zielt das Gesetz in Russland direkt auf die Medienfreiheit, was Rajchls Entwurf nicht tat. Hinzuzufügen ist, dass ein Vergleich des tschechischen Gesetzes unter Verweis auf die unterschiedlichen Rechtssysteme der USA und Russlands sowie die völlig unterschiedliche gesellschaftliche Ordnung nur bedingt möglich ist. „Das amerikanische FARA-Gesetz funktioniert mehr als siebzig Jahre länger als das russische. Ein ähnliches System haben Israel, Australien, und auch die Europäische Kommission bereitet derzeit eine entsprechende Richtlinie vor. Zu behaupten, Transparenz bei der Finanzierung sei eine russische Idee, ist ungefähr so logisch wie zu sagen, die Steuererklärung sei eine kommunistische Erfindung“, fügte Vachatová hinzu.
Erschrockene Pfadfinder...
Gegen die Entstehung des Gesetzes wandten sich NGOs im Bereich der Menschenrechte. „Das neu entstehende Gesetz zur Registrierung von Subjekten mit ausländischen Verbindungen nehmen wir als weiteren Versuch des Staates wahr, die Arbeit des nichtstaatlichen Sektors einzuschränken und zu erschweren – inspiriert vom berüchtigten russischen Gesetz, mit dem Ziel, NGOs in der Öffentlichkeit zu diffamieren und zu stigmatisieren“, erklärte die Direktorin von Amnesty International Tschechien, Lucie Laštíková.
Der Sprecher von Člověk v tísni / Mensch im Not, Tomáš Urban, ergänzte, man arbeite mit Partnern aus mehr als 30 Ländern zusammen. „Wir würden automatisch unter das Gesetz fallen. In der Praxis würde das Registrierungspflichten, laufende Berichte und die Veröffentlichung von Mitarbeiterlisten samt Tätigkeitsbeschreibungen bedeuten – also Daten, die in Ländern wie Russland, Belarus oder Afghanistan die Sicherheit unserer Mitarbeitenden direkt gefährden.“
Auch tschechische Pfadfinder meldeten sich unter vielen anderen zu Wort und erklärten, dass das Gesetz auch sie betreffen würde, etwa bei der Teilnahme befreundeter ausländischer Pfadfinder an ihren Veranstaltungen. „Dieses Gesetz würde Tschechien autoritären Ländern wie Russland annähern, die Instrumente zur Schikane Unbequemer schaffen – etwa von Kritikern oder Korruptionsbekämpfern. Aufgrund unklarer Formulierungen im Gesetz könnte zudem praktisch jeder unbequem werden: Einzelpersonen, Vereine, Bildungseinrichtungen, Unternehmer oder auch Kirchen“, erklärten sie.
Vachatová zeigt Verständnis für die Sorgen der Pfadfinder und ähnlicher Organisationen. „Oft wurde argumentiert, das Gesetz würde Imker, Feuerwehrleute oder Wohltätigkeitsorganisationen belasten. Das ist Unsinn – auf diese sollte es nicht zutreffen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Verein, der sich um Senioren kümmert, und einer Organisation, die aktiv unsere Gesetzgebung verändert, Druck auf Ministerien ausübt und dabei Millionen aus internationalen Strukturen bezieht. Zwischen gemeinnütziger Tätigkeit und politischem Lobbying müssen wir klar unterscheiden“, sagte sie.
Gegen das Gesetz stellte sich auch der Rat der Gelehrten Gesellschaft der Tschechischen Republik und rief zur Einstellung der Vorbereitungen auf. Besonders kritisiert wurde, dass das Gesetz auch die akademische Sphäre betreffen würde, die in den USA vom Geltungsbereich ausgenommen ist. „Ein freiheitliches akademisches Umfeld gehört zu den Grundpfeilern der liberalen Demokratie, ist Quelle wissenschaftlichen Fortschritts und kritischer Welterkenntnis. Gerade deshalb werden akademische Freiheiten in autoritären Regimen systematisch eingeschränkt und politischer Kontrolle unterworfen. Die Stigmatisierung internationaler Zusammenarbeit und ausländischer Finanzierung innerhalb der demokratischen Welt steht im direkten Widerspruch zu den Prinzipien freier Wissenschaft und letztlich auch einer offenen Gesellschaft“, erklärte die Gelehrte Gesellschaft.
Vachatová dämpft jedoch auch Befürchtungen hinsichtlich möglicher Sanktionen bei administrativen Fehlern von NGOs. „Der eigentliche Entwurf wird erst entstehen, und die größte Herausforderung wird darin bestehen, ihn so zu definieren, dass er sich nur auf eng abgegrenzte Aktivitäten mit direktem Einfluss auf die öffentliche Macht bezieht. Der Staat hat ein legitimes Recht, dort Transparenz zu verlangen, wo Politik gemacht wird – aber diese Regulierung muss chirurgisch präzise sein. Ich weise entschieden zurück, dass es um Schikane geht“, sagte sie.
Das Gesetz kommt, kündigte Babiš an...
Der heftige Widerstand gipfelte in einer Demonstration der Initiative „Million Momente für Demokratie“. Die anschließende Aussage des Justizministers Jeroným Tejc (ANO), dass weder Ministerium noch Regierung ein Gesetz gegen NGOs vorbereiten, wirkte wie ein Rückzieher. „Dieser Punkt wird umgesetzt. Das Justizministerium wird bei Bedarf Mitgestalter sein. Er wird dadurch umgesetzt, dass das Finanzministerium eine Verordnung über Art, Fristen und Umfang der für den Staatshaushalt vorzulegenden Daten vorbereitet“, sagte Tejc.
Später knüpfte Premier Babiš daran an: „Das stimmt, wir haben nie ein solches Gesetz vorbereitet“, bestätigte er. „Wir wollen kein Gesetz gegen NGOs. Das haben wir nie gesagt, das wurde von den Medien verdreht. Wir wollen ein Transparenzgesetz – das ist ein grundlegender Unterschied, der in der Debatte absichtlich verwischt wird“, erklärte er.
„Das Finanzministerium wird eine Verordnung über ein Register öffentlicher Zuschüsse für NGOs vorbereiten. Das ist der erste Schritt. Wir haben uns mit Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) darauf geeinigt, dies vierteljährlich zu veröffentlichen. Das Regierungsprogramm spricht aber auch von Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden. Dieser Punkt bleibt bestehen, den werden wir ebenfalls angehen, aber er ist komplizierter“, fügte er hinzu.
Er erklärte das Vorgehen damit, dass er kein hastig und schlecht formuliertes Gesetz wolle. „Ich will, dass es präzise geschrieben ist und für alle ohne Ausnahme gilt, egal ob das Geld aus internationalen Institutionen, aus dem Westen oder – es ist egal woher – kommt, aber wir müssen es wissen. Das Gesetz muss widerspiegeln, was wir heute sehen: eine wachsende Grauzone zwischen bürgerschaftlichem Aktivismus, Lobbying und aus dem Ausland finanzierter Einflussnahme auf den Staat“, sagte er.
Seiner Meinung nach gibt es in der Tschechischen Republik keinen umfassenden Überblick darüber, wie viel ausländisches Geld in Organisationen fließt, die für Gesetzesänderungen lobbyieren, in Beratungsgremien der Regierung sitzen oder Staatsbedienstete schulen. „Die Informationen sind verstreut in Jahresberichten, Förderdatabanken und Registern verschiedener Institutionen“, sagte Babiš. Jeder Minister habe daher den Auftrag erhalten, die notwendigen NGOs zu definieren.
FALL der Südböhmischen Mütter...
Auch Stimmen, die eine Pflicht für Bürgervereinigungen fordern, ausländische Finanzierung offenzulegen, tauchten in Tschechien bereits zu Beginn des Jahrtausends auf. Österreich, das Kernenergie ablehnt, führte eine scharfe Kampagne zur Schließung des Kernkraftwerks Temelín. Zu den lautstärksten tschechischen Gegnern gehörte die Vereinigung „Jihočeské matky“ (Südböhmische Mütter), geleitet von Dana Kuchtová. Die Aktivitäten führten zu Spekulationen, dass sie Geld aus Österreich erhalte und somit für fremde Interessen „bezahlt“ werde. Es blieb jedoch bei Spekulationen, da kein Gesetz eine Offenlegungspflicht vorsah. Im Jahre 2006 erklärte der damalige Vorsitzende des Amtes für Wettbewerbsschutz, Martin Pecina, in anderem Zusammenhang: „Frau Kuchtová, die als sogenannte südböhmische Mutter bekannt wurde, wurde für ihre Aktivitäten gegen unsere Kernkraftwerke aus Konkurrenzquellen bezahlt, konkret aus Österreich.“ Kuchtová bestätigte daraufhin, dass die Vereinigung tatsächlich Gelder von österreichischen und deutschen Stiftungen sowie NGOs erhalten habe, bezeichnete dies jedoch als transparent.
Heute existiert ein Kreis von Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden und zugleich in Beratungsgremien der Regierung sitzen, an Strategien mitarbeiten, in Förderkommissionen tätig sind und Mittel aus Programmen beziehen, deren Rahmen sie selbst mitgestalten. Ist das nicht ein Interessenkonflikt? fragte Premier Andrej Babiš.
FALL Voice of Europe
Im März 2024 setzte die Regierung Viktor Volodymyrovyč Medvedčuk, Artem Pavlovič Marčevskyj und die Firma Voice of Europe auf die Sanktionsliste. Die Plattform sollte unter anderem Wahlen zum Europäischen Parlament beeinflussen. Finanziert wurde sie von der Russischen Föderation, die auch Millionenbeträge an einige politische Akteure gezahlt haben soll. Das russische Einflussnetzwerk wurde erst durch den Sicherheits- und Informationsdienst im Rahmen internationaler Zusammenarbeit aufgedeckt, obwohl es bereits seit dem Jahr 2017 aktiv war. In der Zwischenzeit hatte etwa der ehemalige Präsident Václav Klaus – ohne es zu wissen – der Plattform ein Interview gegeben. „Als der Besuch vereinbart wurde, lief das protokollarisch. Man fragte, ob uns ein kurzes Interview etwas ausmache. Was Voice of Europe ist, wussten wir nicht“, verteidigte ihn sein Sprecher. Auch der ehemalige Außenminister Cyril Svoboda gab ein Interview. „Ich gebe Interviews jedem, auch kleineren Internet-TV-Sendern. Die Eigentümerstruktur habe ich nicht geprüft“, erklärte er.
„Ich weise entschieden zurück, dass es um Schikane geht.“
– Beraterin des Premierministers Natálie Vachatová
/gr/
Windkraftanlagen in Ralsko werden nicht gebaut. Es weht dort zu wenig Wind
01.04.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor Viktor Votruba Seite: 2
Ein neues Zentrum der Windenergie mit bis zu sechzehn Anlagen in der Region Liberec wird nicht entstehen. Das Projekt, das im vergangenen Sommer vom Unternehmen ČEZ PV & Wind angekündigt wurde, sollte der größte Windpark in Tschechien werden. Das ehemalige Militärgebiet Ralsko schien sich für diese Nutzung zu eignen. Seit dem Jahr 2010 befindet sich dort auch das größte Photovoltaikkraftwerk Tschechiens, weitere Anlagen sind in der Region in Vorbereitung.
Als Erster berichtete der Regierungsbeauftragte für Klimapolitik und den Green Deal, Filip Turek (Motoristen), in einem Video auf seinem Facebook-Profil über das Ende des Projekts. Dafür erhielt er viel Zuspruch von seinen Anhängern. Wie die Zeitung Hospodářské noviny jedoch herausfande, hatte Turek auf diese Entscheidung keinen Einfluss.
„Ich habe gute Nachrichten für diejenigen unter Ihnen, die befürchten, dass in Ihrer Nähe Windkraftanlagen gebaut werden. Konkret teile ich den Einwohnern von Ralsko mit, dass heute Morgen ein Schreiben an Ihren Bürgermeister verschickt wurde, wonach in Ralsko keine Windkraftanlagen gebaut werden. Ich gratuliere Ihnen also“, erklärte Turek am Montag in den sozialen Netzwerken.
Das Video erweckt den Eindruck, als habe Turek zu dieser Entscheidung beigetragen. Dem ist jedoch nicht so. Laut dem Energieunternehmen ČEZ liegen andere Gründe zugrunde. „Wir haben vor allem auf den Abschluss langfristiger Windmessungen am Standort und deren Auswertung durch einen akkreditierten unabhängigen Experten gewartet. Es hat sich gezeigt, dass die langfristige Windgeschwindigkeit am vorgesehenen Standort keine ausreichenden Garantien für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit des Projekts bietet. Daher haben wir beschlossen, die weitere Entwicklung nicht fortzusetzen“, sagte ČEZ-Sprecher Martin Schreier.
Dass ČEZ hinter der Beendigung des Projekts steht, bestätigte später auch Turek gegenüber der Zeitung Hospodářské noviny. Der Bürgermeister von Ralsko, Miroslav Tůma (ANO), erklärte, er habe den Brief noch nicht gesehen, doch die Einstellung des Projekts sei für ihn keine Überraschung. „Dass die Anlagen nicht gebaut werden, hat bereits vergangene Woche der Stadtrat beschlossen und anschließend auch ČEZ“, sagte Tůma.
Am vergangenen Dienstag entschied der Stadtrat von Ralsko in einer außerordentlichen Sitzung, die Verhandlungen mit der ČEZ-Gruppe über den Windpark nicht fortzusetzen. Kritisiert wurde, dass der Investor nicht mit der Stadtverwaltung kommuniziere. Nach Angaben der Stadt reagierte er auch nicht auf Einladungen zu öffentlichen Debatten, die lokale Organisationen wie etwa die Initiative „Kraj pod Ralskem“ organisiert hatten. „Wir haben ČEZ im Januar eingeladen, an Diskussionen teilzunehmen, und bis heute keine Antwort erhalten. Die Situation ist nicht einfach, es gibt viele offene Fragen“, erklärte Tůma nach der Sitzung. Bis zu den Kommunalwahlen im Oktober werde sich der Stadtrat laut Bürgermeister nicht mehr mit dem Thema befassen.
„Bereits vergangene Woche haben wir die Stellungnahme der Stadt Ralsko zur Kenntnis genommen, die Gespräche über das Windparkprojekt nicht weiterzuführen. Mit der Stadtführung haben wir wiederholt verhandelt und ihr stets alle aktuellen Informationen zum Projekt zur Verfügung gestellt. Wie bei unseren anderen Windkraftprojekten in Tschechien waren wir bereit, das Projekt in einer öffentlichen Debatte vorzustellen – zu dem Zeitpunkt, an dem seine grundlegenden Parameter endgültig feststehen“, reagierte Sprecher Schreier.
Im ehemaligen Militärgebiet Ralsko plante ČEZ PV & Wind den Bau von 16 Windkraftanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 88,96 bis 115,2 Megawatt (MW). Das Vorhaben betraf die Ortsteile Náhlov und Svébořice.
Der Investor rechnete mit einer Gesamthöhe der Anlagen von bis zu 250 Metern. Beim Kreisamt in Liberec gingen zu dem Vorhaben nahezu 200 Stellungnahmen sowie drei Petitionen ein. Eine davon wurde online von fast 2000 Menschen unterzeichnet.
/gr/
Italien verschiebt das Ende der Kohle auf 2038. Regierung Meloni lockert die Ziele der Klimapolitik
Autor: ČTK
31. März 2026, idnes.cz
Italien wird den Termin für die endgültige Stilllegung seiner Kohlekraftwerke um 13 Jahre auf 2038 verschieben. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den am Dienstag die Abgeordnetenkammer gebilligt hat. Der Schritt deutet darauf hin, dass die Regierung von Premierministerin Giorgia Meloni angesichts wachsender Probleme bei der Sicherung der Energieversorgung im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran bereit ist, ihre Klimapolitik zu lockern, schrieb die Agentur Reuters.
Italien verfügt derzeit über vier Kohlekraftwerke. Drei davon gehören dem größten Energieunternehmen des Landes, Enel. Die unabhängige Klima-NGO ECCO weist jedoch darauf hin, dass zwei Kraftwerke im Januar ihre Genehmigung zur Kohleverbrennung verloren haben und ihre Wiederinbetriebnahme neue Genehmigungen erfordern würde – ein Verfahren, das Jahre dauern kann.
Energieminister Gilberto Pichetto Fratin erklärte in diesem Monat, dass die Kraftwerke wieder in Betrieb genommen werden könnten, falls der Konflikt im Nahen Osten eine Energiekrise auslösen sollte. Italien ist stark von Gasimporten abhängig. Rom steht daher unter Druck von Industrie und Verbrauchern wegen steigender, ohnehin schon hoher Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten. Dass Kohlekraftwerke die durch den Krieg verursachten Energieprobleme lindern könnten, wurde laut AFP auch von anderen Ländern wie Deutschland, Südkorea, den Philippinen und Japan angedeutet.
Nach seinem Energie- und Klimaplan (PNIEC) aus dem Jahr 2024 sollte Italien die Kohle eigentlich bis Ende des Jahres 2025 vollständig aufgeben. Die neue Regelung, die den Termin auf das Jahr 2038 verschiebt, muss noch vom Senat gebilligt werden, doch angesichts der Unterstützung der Regierung wird ihre Verabschiedung erwartet.
Die Partei Lega, Teil der Regierungskoalition und Initiatorin der Verschiebung, erklärte, es sei „richtig und verantwortungsvoll“, den Kohleausstieg angesichts der aktuellen schweren internationalen Energiekrise neu zu bewerten. Oppositionsparteien aus dem Mitte-links-Spektrum sowie Umweltorganisationen verurteilten den Schritt hingegen. Die italienische Sektion des World Wide Fund for Nature (WWF), die sich für Umweltschutz und nachhaltige Energie einsetzt, bezeichnete die Entscheidung als „gefährliche Kehrtwende im Kampf gegen den Klimawandel und als Bedrohung für die Gesundheit der Bürger“.
Im Jahr 2024 hatte Italien als Vorsitzland der Gruppe führender Industrienationen G7 Gespräche geleitet, bei denen sich die Mitglieder darauf einigten, die Nutzung von Kohle in der Energieerzeugung bis zum Jahr 2035 zu beenden.
Die gesamte Stromerzeugung aus Kohle in Italien belief sich im vergangenen Jahr auf etwa 2975 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht weniger als einem Prozent der gesamten nationalen Stromproduktion, wie aus Daten des staatlich kontrollierten Übertragungsnetzbetreibers Terna hervorgeht.
Quelle:
https://www.idnes.cz/ekonomika/zahranic ... nicni_sahu
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Der Staat kaufte bereits vor einem Jahr das Projekt der neuen Blöcke in Dukovany. Bezahlen wird er dafür jedoch erst im Februar 2027.
Leyen zur Energiepolitik:
Emissionszertifikate funktionieren. Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler..
Unantastbare Nichtregierungsorganisationen.
Windkraftanlagen in Ralsko werden nicht gebaut. Es weht dort zu wenig Wind.
Italien verschiebt das Ende der Kohle auf 2038. Regierung Meloni lockert die Ziele der Klimapolitik
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Der Staat kaufte bereits vor einem Jahr das Projekt der neuen Blöcke in Dukovany. Bezahlen wird er dafür jedoch erst im Februar 2027
30.03.2026
Ekonomický deník
Der Staat wird dem Unternehmen ČEZ die Firma, die den Bau von zwei neuen Kernkraftwerksblöcken in Dukovany vorbereitet, erst später bezahlen. Nach Angaben des Vizepremiers Karel Havlíček (ANO) wird der Staat den Kaufpreis für den 80-prozentigen Anteil für EDU II im Februar des nächsten Jahres begleichen. „Es handelt sich um eine technische Angelegenheit, die wir zu diesem Zeitpunkt erledigen mussten“, sagte Havlíček nach der Regierungssitzung.
Der Minister für Industrie und Handel, Havlíček, erwähnte außerdem die Unterzeichnung eines Memorandums mit dem slowakischen Wirtschaftsministerium. Dieses betrifft den geplanten Bau einer neuen Kernkraftquelle in Jaslovské Bohunice. Tschechien wird sich daran jedoch nicht direkt beteiligen. Die Auswirkungen werden vielmehr umgekehrt sein – das Memorandum sieht den Austritt des Unternehmens ČEZ aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit der slowakischen Staatsfirma JAVYS vor.
Der Staat eilt mit der Zahlung nicht...
Zur Erinnerung: Die Transaktion zwischen dem Staat und der ČEZ-Gruppe fand im vergangenen Jahr Ende April / Anfang Mai statt. Auf Grundlage einer Entscheidung der tschechischen Regierung wurde der Mehrheitsanteil an der Projektgesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II) vom Staat übernommen. ČEZ verkaufte dem Staat fast 80 Prozent der Anteile und behielt nur etwas mehr als 20 Prozent. Der Verkaufspreis, der bis heute nicht bezahlt wurde, liegt bei etwa 3,6 Milliarden Kronen.
Die Gesellschaft Elektrárna Dukovany II ist der Investor für den Bau von zwei neuen Kernkraftwerksblöcken mit einer Gesamtleistung von mehr als 2000 Megawatt. Diese soll nach der Regierungsentscheidung von der koreanischen Firma KHNP errichtet werden. Die Unterzeichnung des Vertrags verzögerte sich jedoch aufgrund von Obstruktionen des unterlegenen Bieters, also des französischen Unternehmens EDF. Sie erfolgte erst Anfang Juni des vergangenen Jahres. Seitdem laufen die Vorbereitungsarbeiten, damit der Bau im Jahr 2030 beginnen kann.
Slowakei...
Was die Slowakei betrifft, wurde im Jahr 2009 das Gemeinschaftsunternehmen Jadrová energetická spoločnosť Slovenska (JESS) gegründet. Die staatliche JAVYS hält darin 51 Prozent der Aktien, ČEZ besitzt die verbleibenden 49 Prozent. Doch die Begeisterung der ČEZ-Führung für den Bau eines neuen Kernreaktors in Jaslovské Bohunice ließ schnell nach. Bereits Anfang des Jahres 2013 begann ČEZ nach Wegen zu suchen, sich aus dem slowakischen Projekt zurückzuziehen.
In den letzten Monaten ist das Projekt zum Bau eines neuen Blocks in Jaslovské Bohunice erneut belebt worden. Diesmal jedoch ausschließlich unter Regie der slowakischen Regierung. Die Vereinigten Staaten und die Slowakei unterzeichneten im Januar ein zwischenstaatliches Abkommen über die Zusammenarbeit im Bereich der zivilen Kernenergie. Bestandteil der Vereinbarung ist der Bau eines Kernkraftwerksblocks mit einer Leistung von 1200 Megawatt nach dem Design des Unternehmens Westinghouse.
Quelle: https://ekonomickydenik.cz/stat-nezapla ... ny-za-rok/
/gr/
Leyen zur Energiepolitik:
01.04.2026 Wochenzeitung Týden Rubrik: Wirtschaft - Seite: 28
Emissionszertifikate funktionieren. Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler..
Aufgrund des Emissionshandelssystems ETS steigen die Energiepreise und die Industrie gerät unter Druck. Nach Ansicht der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, funktioniert das System der Zertifikate jedoch. Auf dem EU-Gipfel stimmte sie allerdings Änderungen zu und will sich auf vier Hauptbereiche konzentrieren, die den Strompreis bestimmen. Auf dem Pariser Gipfel zur zivilen Nutzung der Kernenergie räumte sie ein, dass die Abkehr von der Kernenergie ein strategischer Fehler war.
Das Emissionshandelssystem ETS soll durch Gebühren zur Senkung der Emissionen motivieren. Unternehmen müssen für jede ausgestoßene Tonne CO₂ Zertifikate erwerben. Je mehr Emissionen, desto höher die Kosten. Von der Leyen forderte die EU-Staaten auf, die bestehenden Regeln zu nutzen, um Steuern zu senken und die Vorschriften für staatliche Beihilfen flexibler anzuwenden, um Unternehmen und Haushalte zu unterstützen, die in Schwierigkeiten geraten sind.
Die Kommission werde sich zudem auf die eigentlichen Produktionskosten, Netz- und Übertragungsgebühren, Steuern und Abgaben sowie die Kosten für Emissionszertifikate konzentrieren. Sie will einen Legislativvorschlag vorlegen, der den Preisdruck mindern soll. Angesichts steigender Energiepreise seien laut von der Leyen Maßnahmen nötig, die vorübergehend und gezielt sind und Bürgern wie Unternehmen sofortige Entlastung verschaffen.
Eine Änderung des EU-Emissionshandelssystems ETS fordert beispielsweise der tschechische Premierminister Andrej Babiš. Tschechien werde weiter nach Verbündeten für seine Vorschläge suchen, darunter die Ausklammerung energieintensiver Industrien aus dem Emissionshandelssystem bis zum Jahr 2034. „Es ist uns gelungen durchzusetzen, dass die Europäische Kommission – obwohl ursprünglich Juli vorgesehen war – einen konkreten Plan zur Überarbeitung der Richtlinie über Emissionszertifikate vorbereitet … sodass dies im Juni im Europäischen Rat behandelt wird“, erklärte er. Eine Erwähnung energieintensiver Industrien konnte Tschechien auch in die Gipfelschlussfolgerungen einbringen. „Gleichzeitig sind kurzfristig gezielte Lösungen erforderlich, um erschwingliche Energiepreise sicherzustellen, unter Berücksichtigung technologischer Neutralität und der spezifischen Situationen der Mitgliedstaaten“, heißt es in dem Dokument.
Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein Fehler...
Während in den 1990er Jahren bis zu ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, sind es heute etwa 15 Prozent. „Ich denke, es war ein strategischer Fehler, dass Europa sich von einer zuverlässigen und verfügbaren Quelle kohlenstoffarmer Elektrizität abgewandt hat“, sagte von der Leyen auf dem Pariser Gipfel mit Blick auf den europäischen Atomausstieg zu Beginn dieses Jahrhunderts, als sich beispielsweise auch ihr Heimatland Deutschland von dieser Energiequelle verabschiedete. Brüssel plant laut ihr eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Regeln für die Kernenergie, die Förderung kleiner modularer Reaktoren sowie einen Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro (4,9 Milliarden Kronen) für Garantien bei privaten Investitionen in innovative Nuklearprojekte.
Die Europäische Union weist nach Ansicht von Präsident Emmanuel Macron erhebliche Defizite auf, etwa darin, dass sie die Kernenergie nicht konsequent unterstützt. „Die Kernenergie ist der Schlüssel zur Erreichung von Energieunabhängigkeit und Energiesouveränität, zur Dekarbonisierung und damit zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050, zur Wettbewerbsfähigkeit und auch zur Schaffung neuer Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft“, sagte der französische Präsident. In der sogenannten EU-Taxonomie, die für die Förderung von Energiequellen wichtig ist, wird die Kernenergie derzeit als vorübergehend „grüne“ Quelle eingestuft. Frankreich und einige andere Länder, darunter Tschechien, setzen sich dafür ein, sie als langfristige Quelle anzuerkennen. Gegen die Nutzung der Kernenergie stellen sich hingegen beispielsweise Deutschland und Österreich.
Die EU-Staaten sollten laut Macron zudem mehr Anstrengungen in eigene Kapazitäten zur Urananreicherung investieren, um diese zu zentralen Innovationsprojekten innerhalb der Union zu machen. Laut der Zeitung Financial Times importieren EU-Länder jedoch weiterhin fast ein Viertel ihres Urans aus Russland, was Moskau ermöglicht, Druck auf die Union auszuüben.
/gr/
Unantastbare Nichtregierungsorganisationen
01.04.2026 Wochenzeitung Týden Autor: Jan Štoll Rubrik: Thema - Seite: 6
So ist es nicht! Wir wollen Transparenz, donnert Babiš
Drohungen mit Vernichtung und vulgäre Beschimpfungen. Damit sehen sich Menschen wie Natálie Vachatová konfrontiert, die sich nur am Rande an den ersten Überlegungen zu einem Gesetz beteiligt haben, das die Finanzierung und Verbindungen von Nichtregierungsorganisationen offenlegen soll. Dieses wurde inzwischen mit dem Etikett „russisches Gesetz“ versehen. Doch seine Gegner sind beim Premier und ANO-Chef Andrej Babiš hart aufgelaufen. Seiner Ansicht nach bilden manche NGOs eine Grauzone von Lobbying und ausländischen Einflüssen – und das will er angehen.
In Tschechien soll ein Pendant zum amerikanischen Gesetz FARA entstehen, nach dem sich bereits seit 1938 Personen und Organisationen registrieren müssen, die in den USA im Interesse ausländischer Einflussnahme tätig sind. Ein Gesetz mit ähnlicher Zielsetzung gilt auch in Russland – daher die Bezeichnung „russisches Gesetz“ – sowie in weiteren Ländern wie Australien, Großbritannien, Kanada oder auch Ungarn.
Blinder Hass der Masse...
Nach der Veröffentlichung von Informationen, dass an dem Gesetzentwurf die Babiš-Beraterin Natálie Vachatová beteiligt war, ergoss sich in sozialen Netzwerken und in Kommentaren unter Beiträgen einiger NGOs ein regelrechter „Auslese“-Querschnitt der tschechischen Gesellschaft über sie. „Geh zurück nach Moskau, russische H...!“ Aber auch anderswo: „Ich hoffe, wir haben noch funktionierende Geheimdienste, die wissen, was zu tun ist – und vor allem, dass es wie ein Unfall aussieht.“ „Kollaborateurin, du H..., jemand wird dir bald zeigen, was mit solchem Abschaum wie dir bei uns passiert.“
Vachatová lässt sich das nicht gefallen, auch wenn sie weiß, dass der Rechtsweg lang sein wird. „Natürlich hat das auch meine Familie getroffen. Ich habe kleine Kinder, und zu behaupten, ich hätte keine Angst um unsere Sicherheit, wäre gelogen“, sagte sie dem Magazin Týden und fügte hinzu, dass sich ihr Rechtsvertreter bereits damit befasse. „Wir werden nicht nur auf Drohungen reagieren, sondern auch auf nachweisbare Lügen, die im öffentlichen Raum aufgetaucht sind“, ergänzte sie.
Die Reaktionen der Menschen hängen mit Aussagen Vachatovás aus der Vergangenheit zusammen, über die Medien berichtet haben. „Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie zwölf Jahre alte, aus dem Kontext gerissene und mit heutiger Perspektive interpretierte Aussagen missbraucht werden können“, sagte sie. Die Redaktion überprüfte ihre Existenz etwa in der Gruppe „Freunde Russlands in der Tschechischen Republik“ im Zusammenhang mit dem Abschuss von Flug MH17 und mit der Nichtausstrahlung russischer Stellungnahmen in den Medien. Vachatová hat dafür eine Erklärung: „Es war eine analytische Frage zu einer Zeit, in der es noch keine klaren Schlussfolgerungen gab. Dass ich den Abschuss eines Flugzeugs gutheißen würde, ist eine dreiste Lüge. Ebenso die Behauptung, ich hätte Filme verbieten wollen – das ist nie passiert“, erklärte sie. „2014 habe ich dort unmittelbar nach meiner Rückkehr vom Maidan, wo ich persönlich war, einige Beiträge kommentiert, bei mehreren geschrieben, dass es Fakes seien, und die Gruppe kurz darauf verlassen. Meine damaligen Überlegungen entsprachen dem Kontext des Jahres 2014, als sich in ähnlicher Weise und zur gleichen Zeit auch Menschen wie der heutige Präsidentenberater Petr Kolář oder Henry Kissinger äußerten. Das war damals ein normaler Bestandteil der öffentlichen Debatte, kein extremer Standpunkt.“
Einige Medien veröffentlichten auch die Feststellung, dass ihr Bruder mit Geschäften in Russland verbunden sei. „Mein Bruder ging vor sechzehn Jahren als Angestellter einer tschechischen Firma nach Russland, ließ sich dort nieder und gründete eine Familie. Wir haben minimalen Kontakt, wir haben uns seit über drei Jahren nicht gesehen, und sein Leben hat nichts mit meiner Arbeit zu tun“, verteidigt sie sich.
Weder russisch noch amerikanisch...
Zunächst ist daran zu erinnern, dass ein Dokument an die Öffentlichkeit gelangte, das einem Zwischenstadium zwischen sachlichem Entwurf und ausformulierter Gesetzesfassung entsprach – also ein Text, der meilenweit von verabschiedungsreifer Gesetzgebung entfernt war. Zur tschechischen Vorlage bekennt sich als Autor der Vorsitzende von PRO, Jindřich Rajchl. Er wies jeglichen russischen Einfluss zurück und bezeichnete die Verbindung zu Russland als peinlich und naiv. „Ich bin vom amerikanischen Gesetz ausgegangen. Ich sehe keinen Grund, warum ein Gesetz, das in den USA seit dem Jhr 1938 gilt, nicht auch bei uns gelten sollte“, sagte Rajchl. Das bestätigte der Redaktion auch Vachatová. Sie bestritt, das Gesetz geschrieben zu haben, und wollte sich ursprünglich nicht dazu äußern; angesichts der Umstände entschied sie sich jedoch schließlich zu einer ausführlicheren Stellungnahme. Ihre Eingriffe hätten sich ihrer Aussage nach darauf beschränkt, Rajchl „einzubremsen“, der den Text deutlich schärfer konzipiert habe. Die amerikanische Version des Gesetzes ist in einigen Punkten nämlich wesentlich strenger, etwa bei der Kennzeichnung der Beteiligten; betroffene Organisationen müssen beispielsweise Materialien mit Angaben darüber versehen, wer sie in Auftrag gegeben hat und für wen sie verbreitet werden. Sie ist aber auch deutlich konkreter in der Definition der betroffenen Organisationen und zielt nicht auf Gruppen wie NGOs ab, sondern definiert Tätigkeiten. Dagegen war der Entwurf aus Rajchls Feder sehr unbestimmt und breit gefasst, was die betroffenen Subjekte betrifft – und darin dem russischen Gesetz tatsächlich näher. Daraus können die Risiken resultieren, die NGOs befürchten. „Wir leben in einem freien Land, in dem geltende Gesetze bestehen. Und dieses [Gesetz über ausländische Agenten] ist ein Instrument, das Autoritäre zur Kontrolle der Gesellschaft nutzen. Nicht umsonst nennt man es ein russisches Gesetz“, erklärte der Direktor der Organisation Člověk v tísni / Mensch im Not, Šimon Pánek.
Andererseits zielt das Gesetz in Russland direkt auf die Medienfreiheit, was Rajchls Entwurf nicht tat. Hinzuzufügen ist, dass ein Vergleich des tschechischen Gesetzes unter Verweis auf die unterschiedlichen Rechtssysteme der USA und Russlands sowie die völlig unterschiedliche gesellschaftliche Ordnung nur bedingt möglich ist. „Das amerikanische FARA-Gesetz funktioniert mehr als siebzig Jahre länger als das russische. Ein ähnliches System haben Israel, Australien, und auch die Europäische Kommission bereitet derzeit eine entsprechende Richtlinie vor. Zu behaupten, Transparenz bei der Finanzierung sei eine russische Idee, ist ungefähr so logisch wie zu sagen, die Steuererklärung sei eine kommunistische Erfindung“, fügte Vachatová hinzu.
Erschrockene Pfadfinder...
Gegen die Entstehung des Gesetzes wandten sich NGOs im Bereich der Menschenrechte. „Das neu entstehende Gesetz zur Registrierung von Subjekten mit ausländischen Verbindungen nehmen wir als weiteren Versuch des Staates wahr, die Arbeit des nichtstaatlichen Sektors einzuschränken und zu erschweren – inspiriert vom berüchtigten russischen Gesetz, mit dem Ziel, NGOs in der Öffentlichkeit zu diffamieren und zu stigmatisieren“, erklärte die Direktorin von Amnesty International Tschechien, Lucie Laštíková.
Der Sprecher von Člověk v tísni / Mensch im Not, Tomáš Urban, ergänzte, man arbeite mit Partnern aus mehr als 30 Ländern zusammen. „Wir würden automatisch unter das Gesetz fallen. In der Praxis würde das Registrierungspflichten, laufende Berichte und die Veröffentlichung von Mitarbeiterlisten samt Tätigkeitsbeschreibungen bedeuten – also Daten, die in Ländern wie Russland, Belarus oder Afghanistan die Sicherheit unserer Mitarbeitenden direkt gefährden.“
Auch tschechische Pfadfinder meldeten sich unter vielen anderen zu Wort und erklärten, dass das Gesetz auch sie betreffen würde, etwa bei der Teilnahme befreundeter ausländischer Pfadfinder an ihren Veranstaltungen. „Dieses Gesetz würde Tschechien autoritären Ländern wie Russland annähern, die Instrumente zur Schikane Unbequemer schaffen – etwa von Kritikern oder Korruptionsbekämpfern. Aufgrund unklarer Formulierungen im Gesetz könnte zudem praktisch jeder unbequem werden: Einzelpersonen, Vereine, Bildungseinrichtungen, Unternehmer oder auch Kirchen“, erklärten sie.
Vachatová zeigt Verständnis für die Sorgen der Pfadfinder und ähnlicher Organisationen. „Oft wurde argumentiert, das Gesetz würde Imker, Feuerwehrleute oder Wohltätigkeitsorganisationen belasten. Das ist Unsinn – auf diese sollte es nicht zutreffen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Verein, der sich um Senioren kümmert, und einer Organisation, die aktiv unsere Gesetzgebung verändert, Druck auf Ministerien ausübt und dabei Millionen aus internationalen Strukturen bezieht. Zwischen gemeinnütziger Tätigkeit und politischem Lobbying müssen wir klar unterscheiden“, sagte sie.
Gegen das Gesetz stellte sich auch der Rat der Gelehrten Gesellschaft der Tschechischen Republik und rief zur Einstellung der Vorbereitungen auf. Besonders kritisiert wurde, dass das Gesetz auch die akademische Sphäre betreffen würde, die in den USA vom Geltungsbereich ausgenommen ist. „Ein freiheitliches akademisches Umfeld gehört zu den Grundpfeilern der liberalen Demokratie, ist Quelle wissenschaftlichen Fortschritts und kritischer Welterkenntnis. Gerade deshalb werden akademische Freiheiten in autoritären Regimen systematisch eingeschränkt und politischer Kontrolle unterworfen. Die Stigmatisierung internationaler Zusammenarbeit und ausländischer Finanzierung innerhalb der demokratischen Welt steht im direkten Widerspruch zu den Prinzipien freier Wissenschaft und letztlich auch einer offenen Gesellschaft“, erklärte die Gelehrte Gesellschaft.
Vachatová dämpft jedoch auch Befürchtungen hinsichtlich möglicher Sanktionen bei administrativen Fehlern von NGOs. „Der eigentliche Entwurf wird erst entstehen, und die größte Herausforderung wird darin bestehen, ihn so zu definieren, dass er sich nur auf eng abgegrenzte Aktivitäten mit direktem Einfluss auf die öffentliche Macht bezieht. Der Staat hat ein legitimes Recht, dort Transparenz zu verlangen, wo Politik gemacht wird – aber diese Regulierung muss chirurgisch präzise sein. Ich weise entschieden zurück, dass es um Schikane geht“, sagte sie.
Das Gesetz kommt, kündigte Babiš an...
Der heftige Widerstand gipfelte in einer Demonstration der Initiative „Million Momente für Demokratie“. Die anschließende Aussage des Justizministers Jeroným Tejc (ANO), dass weder Ministerium noch Regierung ein Gesetz gegen NGOs vorbereiten, wirkte wie ein Rückzieher. „Dieser Punkt wird umgesetzt. Das Justizministerium wird bei Bedarf Mitgestalter sein. Er wird dadurch umgesetzt, dass das Finanzministerium eine Verordnung über Art, Fristen und Umfang der für den Staatshaushalt vorzulegenden Daten vorbereitet“, sagte Tejc.
Später knüpfte Premier Babiš daran an: „Das stimmt, wir haben nie ein solches Gesetz vorbereitet“, bestätigte er. „Wir wollen kein Gesetz gegen NGOs. Das haben wir nie gesagt, das wurde von den Medien verdreht. Wir wollen ein Transparenzgesetz – das ist ein grundlegender Unterschied, der in der Debatte absichtlich verwischt wird“, erklärte er.
„Das Finanzministerium wird eine Verordnung über ein Register öffentlicher Zuschüsse für NGOs vorbereiten. Das ist der erste Schritt. Wir haben uns mit Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) darauf geeinigt, dies vierteljährlich zu veröffentlichen. Das Regierungsprogramm spricht aber auch von Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden. Dieser Punkt bleibt bestehen, den werden wir ebenfalls angehen, aber er ist komplizierter“, fügte er hinzu.
Er erklärte das Vorgehen damit, dass er kein hastig und schlecht formuliertes Gesetz wolle. „Ich will, dass es präzise geschrieben ist und für alle ohne Ausnahme gilt, egal ob das Geld aus internationalen Institutionen, aus dem Westen oder – es ist egal woher – kommt, aber wir müssen es wissen. Das Gesetz muss widerspiegeln, was wir heute sehen: eine wachsende Grauzone zwischen bürgerschaftlichem Aktivismus, Lobbying und aus dem Ausland finanzierter Einflussnahme auf den Staat“, sagte er.
Seiner Meinung nach gibt es in der Tschechischen Republik keinen umfassenden Überblick darüber, wie viel ausländisches Geld in Organisationen fließt, die für Gesetzesänderungen lobbyieren, in Beratungsgremien der Regierung sitzen oder Staatsbedienstete schulen. „Die Informationen sind verstreut in Jahresberichten, Förderdatabanken und Registern verschiedener Institutionen“, sagte Babiš. Jeder Minister habe daher den Auftrag erhalten, die notwendigen NGOs zu definieren.
FALL der Südböhmischen Mütter...
Auch Stimmen, die eine Pflicht für Bürgervereinigungen fordern, ausländische Finanzierung offenzulegen, tauchten in Tschechien bereits zu Beginn des Jahrtausends auf. Österreich, das Kernenergie ablehnt, führte eine scharfe Kampagne zur Schließung des Kernkraftwerks Temelín. Zu den lautstärksten tschechischen Gegnern gehörte die Vereinigung „Jihočeské matky“ (Südböhmische Mütter), geleitet von Dana Kuchtová. Die Aktivitäten führten zu Spekulationen, dass sie Geld aus Österreich erhalte und somit für fremde Interessen „bezahlt“ werde. Es blieb jedoch bei Spekulationen, da kein Gesetz eine Offenlegungspflicht vorsah. Im Jahre 2006 erklärte der damalige Vorsitzende des Amtes für Wettbewerbsschutz, Martin Pecina, in anderem Zusammenhang: „Frau Kuchtová, die als sogenannte südböhmische Mutter bekannt wurde, wurde für ihre Aktivitäten gegen unsere Kernkraftwerke aus Konkurrenzquellen bezahlt, konkret aus Österreich.“ Kuchtová bestätigte daraufhin, dass die Vereinigung tatsächlich Gelder von österreichischen und deutschen Stiftungen sowie NGOs erhalten habe, bezeichnete dies jedoch als transparent.
Heute existiert ein Kreis von Organisationen, die aus dem Ausland finanziert werden und zugleich in Beratungsgremien der Regierung sitzen, an Strategien mitarbeiten, in Förderkommissionen tätig sind und Mittel aus Programmen beziehen, deren Rahmen sie selbst mitgestalten. Ist das nicht ein Interessenkonflikt? fragte Premier Andrej Babiš.
FALL Voice of Europe
Im März 2024 setzte die Regierung Viktor Volodymyrovyč Medvedčuk, Artem Pavlovič Marčevskyj und die Firma Voice of Europe auf die Sanktionsliste. Die Plattform sollte unter anderem Wahlen zum Europäischen Parlament beeinflussen. Finanziert wurde sie von der Russischen Föderation, die auch Millionenbeträge an einige politische Akteure gezahlt haben soll. Das russische Einflussnetzwerk wurde erst durch den Sicherheits- und Informationsdienst im Rahmen internationaler Zusammenarbeit aufgedeckt, obwohl es bereits seit dem Jahr 2017 aktiv war. In der Zwischenzeit hatte etwa der ehemalige Präsident Václav Klaus – ohne es zu wissen – der Plattform ein Interview gegeben. „Als der Besuch vereinbart wurde, lief das protokollarisch. Man fragte, ob uns ein kurzes Interview etwas ausmache. Was Voice of Europe ist, wussten wir nicht“, verteidigte ihn sein Sprecher. Auch der ehemalige Außenminister Cyril Svoboda gab ein Interview. „Ich gebe Interviews jedem, auch kleineren Internet-TV-Sendern. Die Eigentümerstruktur habe ich nicht geprüft“, erklärte er.
„Ich weise entschieden zurück, dass es um Schikane geht.“
– Beraterin des Premierministers Natálie Vachatová
/gr/
Windkraftanlagen in Ralsko werden nicht gebaut. Es weht dort zu wenig Wind
01.04.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor Viktor Votruba Seite: 2
Ein neues Zentrum der Windenergie mit bis zu sechzehn Anlagen in der Region Liberec wird nicht entstehen. Das Projekt, das im vergangenen Sommer vom Unternehmen ČEZ PV & Wind angekündigt wurde, sollte der größte Windpark in Tschechien werden. Das ehemalige Militärgebiet Ralsko schien sich für diese Nutzung zu eignen. Seit dem Jahr 2010 befindet sich dort auch das größte Photovoltaikkraftwerk Tschechiens, weitere Anlagen sind in der Region in Vorbereitung.
Als Erster berichtete der Regierungsbeauftragte für Klimapolitik und den Green Deal, Filip Turek (Motoristen), in einem Video auf seinem Facebook-Profil über das Ende des Projekts. Dafür erhielt er viel Zuspruch von seinen Anhängern. Wie die Zeitung Hospodářské noviny jedoch herausfande, hatte Turek auf diese Entscheidung keinen Einfluss.
„Ich habe gute Nachrichten für diejenigen unter Ihnen, die befürchten, dass in Ihrer Nähe Windkraftanlagen gebaut werden. Konkret teile ich den Einwohnern von Ralsko mit, dass heute Morgen ein Schreiben an Ihren Bürgermeister verschickt wurde, wonach in Ralsko keine Windkraftanlagen gebaut werden. Ich gratuliere Ihnen also“, erklärte Turek am Montag in den sozialen Netzwerken.
Das Video erweckt den Eindruck, als habe Turek zu dieser Entscheidung beigetragen. Dem ist jedoch nicht so. Laut dem Energieunternehmen ČEZ liegen andere Gründe zugrunde. „Wir haben vor allem auf den Abschluss langfristiger Windmessungen am Standort und deren Auswertung durch einen akkreditierten unabhängigen Experten gewartet. Es hat sich gezeigt, dass die langfristige Windgeschwindigkeit am vorgesehenen Standort keine ausreichenden Garantien für eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit des Projekts bietet. Daher haben wir beschlossen, die weitere Entwicklung nicht fortzusetzen“, sagte ČEZ-Sprecher Martin Schreier.
Dass ČEZ hinter der Beendigung des Projekts steht, bestätigte später auch Turek gegenüber der Zeitung Hospodářské noviny. Der Bürgermeister von Ralsko, Miroslav Tůma (ANO), erklärte, er habe den Brief noch nicht gesehen, doch die Einstellung des Projekts sei für ihn keine Überraschung. „Dass die Anlagen nicht gebaut werden, hat bereits vergangene Woche der Stadtrat beschlossen und anschließend auch ČEZ“, sagte Tůma.
Am vergangenen Dienstag entschied der Stadtrat von Ralsko in einer außerordentlichen Sitzung, die Verhandlungen mit der ČEZ-Gruppe über den Windpark nicht fortzusetzen. Kritisiert wurde, dass der Investor nicht mit der Stadtverwaltung kommuniziere. Nach Angaben der Stadt reagierte er auch nicht auf Einladungen zu öffentlichen Debatten, die lokale Organisationen wie etwa die Initiative „Kraj pod Ralskem“ organisiert hatten. „Wir haben ČEZ im Januar eingeladen, an Diskussionen teilzunehmen, und bis heute keine Antwort erhalten. Die Situation ist nicht einfach, es gibt viele offene Fragen“, erklärte Tůma nach der Sitzung. Bis zu den Kommunalwahlen im Oktober werde sich der Stadtrat laut Bürgermeister nicht mehr mit dem Thema befassen.
„Bereits vergangene Woche haben wir die Stellungnahme der Stadt Ralsko zur Kenntnis genommen, die Gespräche über das Windparkprojekt nicht weiterzuführen. Mit der Stadtführung haben wir wiederholt verhandelt und ihr stets alle aktuellen Informationen zum Projekt zur Verfügung gestellt. Wie bei unseren anderen Windkraftprojekten in Tschechien waren wir bereit, das Projekt in einer öffentlichen Debatte vorzustellen – zu dem Zeitpunkt, an dem seine grundlegenden Parameter endgültig feststehen“, reagierte Sprecher Schreier.
Im ehemaligen Militärgebiet Ralsko plante ČEZ PV & Wind den Bau von 16 Windkraftanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 88,96 bis 115,2 Megawatt (MW). Das Vorhaben betraf die Ortsteile Náhlov und Svébořice.
Der Investor rechnete mit einer Gesamthöhe der Anlagen von bis zu 250 Metern. Beim Kreisamt in Liberec gingen zu dem Vorhaben nahezu 200 Stellungnahmen sowie drei Petitionen ein. Eine davon wurde online von fast 2000 Menschen unterzeichnet.
/gr/
Italien verschiebt das Ende der Kohle auf 2038. Regierung Meloni lockert die Ziele der Klimapolitik
Autor: ČTK
31. März 2026, idnes.cz
Italien wird den Termin für die endgültige Stilllegung seiner Kohlekraftwerke um 13 Jahre auf 2038 verschieben. Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den am Dienstag die Abgeordnetenkammer gebilligt hat. Der Schritt deutet darauf hin, dass die Regierung von Premierministerin Giorgia Meloni angesichts wachsender Probleme bei der Sicherung der Energieversorgung im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran bereit ist, ihre Klimapolitik zu lockern, schrieb die Agentur Reuters.
Italien verfügt derzeit über vier Kohlekraftwerke. Drei davon gehören dem größten Energieunternehmen des Landes, Enel. Die unabhängige Klima-NGO ECCO weist jedoch darauf hin, dass zwei Kraftwerke im Januar ihre Genehmigung zur Kohleverbrennung verloren haben und ihre Wiederinbetriebnahme neue Genehmigungen erfordern würde – ein Verfahren, das Jahre dauern kann.
Energieminister Gilberto Pichetto Fratin erklärte in diesem Monat, dass die Kraftwerke wieder in Betrieb genommen werden könnten, falls der Konflikt im Nahen Osten eine Energiekrise auslösen sollte. Italien ist stark von Gasimporten abhängig. Rom steht daher unter Druck von Industrie und Verbrauchern wegen steigender, ohnehin schon hoher Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten. Dass Kohlekraftwerke die durch den Krieg verursachten Energieprobleme lindern könnten, wurde laut AFP auch von anderen Ländern wie Deutschland, Südkorea, den Philippinen und Japan angedeutet.
Nach seinem Energie- und Klimaplan (PNIEC) aus dem Jahr 2024 sollte Italien die Kohle eigentlich bis Ende des Jahres 2025 vollständig aufgeben. Die neue Regelung, die den Termin auf das Jahr 2038 verschiebt, muss noch vom Senat gebilligt werden, doch angesichts der Unterstützung der Regierung wird ihre Verabschiedung erwartet.
Die Partei Lega, Teil der Regierungskoalition und Initiatorin der Verschiebung, erklärte, es sei „richtig und verantwortungsvoll“, den Kohleausstieg angesichts der aktuellen schweren internationalen Energiekrise neu zu bewerten. Oppositionsparteien aus dem Mitte-links-Spektrum sowie Umweltorganisationen verurteilten den Schritt hingegen. Die italienische Sektion des World Wide Fund for Nature (WWF), die sich für Umweltschutz und nachhaltige Energie einsetzt, bezeichnete die Entscheidung als „gefährliche Kehrtwende im Kampf gegen den Klimawandel und als Bedrohung für die Gesundheit der Bürger“.
Im Jahr 2024 hatte Italien als Vorsitzland der Gruppe führender Industrienationen G7 Gespräche geleitet, bei denen sich die Mitglieder darauf einigten, die Nutzung von Kohle in der Energieerzeugung bis zum Jahr 2035 zu beenden.
Die gesamte Stromerzeugung aus Kohle in Italien belief sich im vergangenen Jahr auf etwa 2975 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht weniger als einem Prozent der gesamten nationalen Stromproduktion, wie aus Daten des staatlich kontrollierten Übertragungsnetzbetreibers Terna hervorgeht.
Quelle:
https://www.idnes.cz/ekonomika/zahranic ... nicni_sahu
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
-
Gabi Reitinger
- Beiträge: 584
- Registriert: Mi 6. Okt 2021, 11:34
Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Energie vom 2.4.2026:
Inhalt:
Heißwasserleitung aus Dukovany: Eine Energierevolution wird die Heizpreise für Tausende Haushalte verändern.
Emissionszertifikate stehen vor einer wichtigen Änderung, die der Industrie helfen könnte. Weitere Anpassung will Brüssel im Juli vorstellen.
Die Stromproduktion in den Kohlekraftwerken Chvaletice und Počerady wird später enden.
Erste Fördermittel für Auswirkungen des Dukovany- Ausbaus auf dem Weg.
Deutschland sollte seine Ablehnung der Kernenergie überdenken, meint Ministerin.
Der älteste koreanische Reaktor erhält grünes Licht für den Neustart – Rückkehr in den Betrieb nach drei Jahren.
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Heißwasserleitung aus Dukovany: Eine Energierevolution wird die Heizpreise für Tausende Haushalte verändern
02.04.2026, Monatszeitung Královopolské listy Seite 6 Herausgeber: Statutarstadt Brünn, CZ)
In einer Zeit, in der Energiepreise durch internationale Ereignisse und Schwankungen auf den Energiemärkten beeinflusst werden, bereiten die Heizwerke / Teplárny Brno eines der größten Energieprojekte in der jüngeren Geschichte der Stadt vor. Eine Heißwasserleitung vom Kernkraftwerk Dukovany soll die stabile Wärmeversorgung für Brünn für Jahrzehnte sichern, die Abhängigkeit von Erdgas deutlich verringern und mehr Preissicherheit für Haushalte und öffentliche Einrichtungen bringen.
Eines der größten Energieprojekte für Brünn
Die Gesellschaft Teplárny Brno / Heizwerke Brünn planen den Bau einer Heißwasserleitung, die Wärme in die Stadt bringt, die bei der Stromerzeugung im Kernkraftwerk Dukovany entsteht.
Die Haupttrasse der Leitung wird etwa 42 Kilometer lang sein und größtenteils unterirdisch durch unbebautes Gebiet zwischen der Region Vysočina und Südmähren verlaufen. In Brünn selbst werden daran weitere rund 53 Kilometer neuer und modernisierter Leitungen anschließen, die die neue Quelle mit dem bestehenden Fernwärmenetz verbinden.
Nach Inbetriebnahme könnte die Leitung etwa die Hälfte des jährlichen Wärmebedarfs in Brünn decken.
Wärme für eine Viertelmillion Einwohner….
An die Heißwasserleitung werden alle Haushalte in Brünn angeschlossen, die derzeit die zentrale Wärmeversorgung der Heizwerke Brünn nutzen — das sind etwa 250.000 Einwohner.
Auch Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen und einige Industriegebiete werden die neue Wärmequelle nutzen.
Ein wesentlicher Vorteil des Projekts ist die deutliche Reduzierung der Abhängigkeit Brünns von Erdgas. Derzeit erzeugen die Heizwerke Brünn / Teplárny Brno etwa 80 % der Wärme aus Erdgas. Nach Fertigstellung des Projekts könnte dieser Anteil auf etwa 10 % sinken.
Damit erhält Brünn eine stabile Wärmequelle, die nicht von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe abhängig ist, und kann mögliche Energiekrisen besser bewältigen.
Sauberere Luft für Brünn...
Die Heißwasserleitung bringt auch erhebliche Vorteile für die Umwelt. Durch die Nutzung der Wärme aus dem Kernkraftwerk Dukovany wird die Menge an Brennstoffen reduziert, die zur Wärmeerzeugung in Brünn benötigt werden.
Jährlich könnten so etwa 135.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr den Emissionen, die entstehen würden, wenn etwa 50.000 Autos aus den Straßen Brünns verschwinden.
Ein Projekt für heutige und zukünftige Generationen
Das Projekt der Gesellschaft Teplárny Brno ermöglicht eine effiziente Nutzung der Wärme, die bei der Stromerzeugung im Kernkraftwerk Dukovany entsteht und derzeit größtenteils ungenutzt bleibt. Durch die Zuführung dieser Energie nach Brünn wird die Gesamteffizienz des Energiesystems erhöht und gleichzeitig der Bedarf an lokalen Wärmequellen gesenkt.
Wenn alles nach Plan verläuft, könnte der Bau der Leitung im nächsten Jahr beginnen und im Jahre 2032 erfolgreich abgeschlossen sein.
Das Projekt knüpft an die hundertjährige Tradition der Brünner Fernwärmeversorgung an und soll auch für kommende Generationen eine zuverlässige und erschwingliche Wärmeversorgung sichern.
Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte unter: www.horkovod.cz.
/gr/
Emissionszertifikate stehen vor einer wichtigen Änderung, die der Industrie helfen könnte. Weitere Anpassung will Brüssel im Juli vorstellen
02.04.2026, Tageszeitung Hospodářské noviny Seite 3
Autor: Petr Zenkner
In den vergangenen Jahren waren aus Brüssel keine Worte über Erleichterungen im System der Emissionszertifikate (EU ETS) zu hören. Alle bisherigen Anpassungen dieses Systems, das den Ausstoß von Kohlendioxid bepreist, führten stets zu strengeren Regeln. Unter zunehmendem Druck beginnt die Europäische Kommission jedoch einzuräumen, dass Änderungen möglich sind – wie sie auch von der tschechischen Regierung von Andrej Babiš (ANO) gefordert werden.
So lassen sich die Aussagen des EU-Klimakommissars Wopke Hoekstra verstehen, der Änderungen in der sogenannten Marktstabilitätsreserve (Market Stability Reserve) vorschlagen will. Hinter diesem technischen Begriff verbirgt sich ein Mechanismus, der in den vergangenen sieben Jahren 3,2 Milliarden Zertifikate vom Markt „abgezogen“ hat und so dazu beitrug, die Preise hoch zu halten. Zur Veranschaulichung: Am Mittwoch lag der Preis eines Zertifikats bei 75 Euro – noch vor wenigen Jahren waren es etwa 25 Euro.
Laut Hoekstra ist der Vorschlag „ein erster Schritt zur Modernisierung des Emissionshandelsmarktes“. Größere Änderungen für die Zeit nach dem Jahr 2030 will Brüssel Anfang Juli vorstellen. Alle Vorschläge müssen anschließend noch vom Europäischen Parlament und den Regierungen der Mitgliedstaaten beraten werden.
Millionen Zertifikate in der Reserve...
Worin besteht die vorgestellte Änderung? Das derzeitige Reservesystem ist so eingestellt, dass automatisch alle Zertifikate oberhalb von 400 Millionen Einheiten gelöscht werden. Die neue Regelung soll dazu führen, dass diese Zertifikate in der Reserve für „zukünftige Jahre“ erhalten bleiben.
„Das ist eine positive Nachricht, denn bisher zielten alle Änderungen darauf ab, das System zu verschärfen. Das ist der erste kleine Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Es ist ein Signal, dass es künftig mehr Zertifikate geben könnte“, sagte Josef Kotrba, Geschäftsführer des Energieverbands.
Nach Schätzungen von Experten, mit denen die Zeitung sprach, könnten allein in diesem Jahr rund 200 Millionen zusätzliche Zertifikate im System verbleiben. Hoekstra äußerte sich jedoch nicht zu den Regeln, unter denen diese Zertifikate wieder auf den Markt gelangen könnten – erst das wäre eine Maßnahme, die die Preise tatsächlich senken könnte.
Druck aus Tschechien...
Ministerpräsident Babiš drängt stark auf eine Reform des Systems und versucht, unter den EU-Staaten Verbündete zu gewinnen. Die tschechischen Vorschläge wurden in einem Brief vom 27. Februar an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, detailliert dargelegt. Darin wird unter anderem eine Preisobergrenze von 30 Euro pro Zertifikat erwähnt.
Laut Kotrba könnten auch Änderungen bei den kostenlosen Emissionszertifikaten dazu beitragen, das Angebot zu erhöhen und die Preise zu senken – etwa indem deren Umfang nicht so schnell reduziert wird. Das Problem wird vor allem in den 2030er-Jahren relevant. So werden beispielsweise die Třinecké železárny / Eisenwerke Trinec in diesem Jahr rund 2,5 Milliarden Kronen für Zertifikate ausgeben, künftig könnten es jedoch bis zu sechs Milliarden sein.
Realistische Ziele für Tschechien...
Für Tschechien, wo die Industrie einen deutlich größeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat als in vielen anderen EU-Ländern, ist der vorsichtige Kurs Brüssels positiv. Die Ziele der Regierung sollten jedoch der aktuellen Stimmung in der EU entsprechen. „Diese ist derzeit nicht auf eine Revolution des Emissionshandelssystems eingestellt, sondern eher auf seine Evolution“, sagte Daniel Urban, Generaldirektor des Industrie- und Verkehrsverbands.
Auch Hoekstra erklärte vor dem EU-Gipfel im März, dass die Mitgliedstaaten „bedeutende Unterstützungserklärungen“ abgegeben hätten. In den Schlussfolgerungen des Gipfels wurde zudem betont, dass das System weiterhin auf marktwirtschaftlichen Prinzipien basieren müsse – also dass mit Zertifikaten gehandelt wird.
Laut Urban könnte es für Unternehmen, die oft Milliarden in die Dekarbonisierung investieren müssen, motivierend sein, wenn sie in dieser Zeit keine Emissionszertifikate kaufen müssten. „Wenn sich ein Unternehmen zu Investitionen in die Dekarbonisierung verpflichtet, braucht es während dieser Zeit so etwas wie ‚Zertifikatsferien‘“, fügte er hinzu.
Politische Verhandlungen in Brüssel...
Genau über solche Maßnahmen wird derzeit in Brüssel verhandelt. Für tschechische Unternehmen ist es positiv, dass die Verhandlungen nicht vom faktischen Umweltminister und Green-Deal-Beauftragten Filip Turek (Motoristen) geführt werden, dem praktische Kenntnisse des ETS-Systems fehlen, sondern vom stellvertretenden Minister Vladislav Smrž, der von der ANO-Bewegung nominiert wurde und bereits früher im Ministerium tätig war. In der vergangenen Woche lobbyierten Smrž und Babiš in Brüssel für Änderungen am ETS-System.
Nach Informationen der Zeitung beginnt Babiš allmählich zu erkennen, dass die von ihm vorgeschlagene Preisobergrenze für Zertifikate nicht vollständig realistisch ist.
Unterschiedliche Interessen in der EU...
Unter den großen westeuropäischen Staaten hat Tschechien nur einen Verbündeten für eine tiefgreifendere Reform: Italien. Für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist der Zertifikatspreis entscheidend, da fast 40 Prozent des Stroms im Land aus Gas erzeugt werden.
Spanien hingegen unterstützt das derzeitige System, da es dank erneuerbarer Energien günstigeren Strom hat. Frankreich profitiert von seiner Kernenergie. Und obwohl der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mehrfach über Änderungen gesprochen hat, werden seine Aussagen oft vom Koalitionspartner SPD relativiert, der das Umweltministerium kontrolliert. Zudem nimmt die deutsche Öffentlichkeit die Klimaziele deutlich ernster als die tschechische, was die Politik berücksichtigen muss.
Kritik an geplanter Ausweitung...
Die tschechische Regierung kritisiert langfristig auch die geplante Ausweitung des Emissionshandelssystems auf den Straßenverkehr und das Heizen. Dieses System, bekannt als EU ETS 2, existiert bislang noch nicht und soll nach einer einjährigen Verschiebung im Jahr 2028 in Betrieb gehen.
/gr/
Die Stromproduktion in den Kohlekraftwerken Chvaletice und Počerady wird später enden
02.04.2026, Tageszeitung Právo, Seite 13
Autor: Martin Procházka
Der Betrieb der Kohlekraftwerke Počerady und Chvaletice wird mindestens bis zum 31. März 2027 fortgesetzt, möglicherweise auch länger. Die Energiegruppe Sev.en des Milliardärs Pavel Tykač hat damit ihren ursprünglichen Plan verschoben, wonach die Anlagen bereits zum Jahreswechsel dieses und des kommenden Jahres stillgelegt werden sollten. Über die Änderung informierte Unternehmenssprecherin Eva Maříková.
Die Entscheidung wurde ihr zufolge von der Entwicklung auf den Energiemärkten beeinflusst, insbesondere von den Preisen für Strom, Emissionszertifikate sowie Erdgas. Die Gruppe hat die Verlängerung des Betriebs bereits dem staatlichen Übertragungsnetzbetreiber ČEPS mitgeteilt.
„Wir beobachten und bewerten kontinuierlich alle Veränderungen auf dem Energiemarkt. Wir schließen nicht aus, dass wir nach Auswertung der Marktsituation die Stromproduktion im Kraftwerk Počerady und im Kraftwerk Chvaletice auch nach dem 31. März 2027 fortsetzen werden“, sagte Maříková.
Der Analyst Jiří Gavor vom Unternehmen ENA erklärte, dass er einen solchen Schritt erwartet habe und dass er in die breitere Marktentwicklung passe. „Die Preise für Emissionszertifikate sind gesunken, und Strom an der Börse ist teurer geworden. Die ursprünglichen wirtschaftlichen Berechnungen, die Sev.en zur Ankündigung der Stilllegung der Kraftwerke geführt haben, sehen jetzt deutlich anders aus“, sagte er. Seiner Ansicht nach hat sich dadurch die Rentabilität von Kohlekraftwerken verbessert, die noch vor kurzem unter starkem Druck standen, schnell geschlossen zu werden.
Gavor wies zugleich darauf hin, dass es sich nicht nur um eine kurzfristige Schwankung handelt. „Es zeigt sich, wie stark die europäische Energiewirtschaft von der Entwicklung der Preise für Zertifikate und Gas abhängt. Sobald sich diese Parameter ändern, ändert sich auch die Entscheidung der Unternehmen darüber, ob sich der Betrieb von Kraftwerken lohnt“, fügte er hinzu.
Während im vergangenen November Strom noch für etwa 95 Euro pro Megawattstunde gehandelt wurde, liegt der Preis inzwischen über 100 Euro. Im Gegensatz dazu ist der Preis für Emissionszertifikate von etwa 83 Euro auf rund 64 Euro pro Tonne Kohlendioxid gesunken. Diese Veränderungen haben laut Gavor die Wirtschaftlichkeit des Betriebs grundlegend verändert.
Auch die Spannungen im Nahen Osten wirken sich stark auf die Energiepreise aus. Der Konflikt in der Region treibt die Ölpreise nach oben und sorgt für Unsicherheit auf dem Gasmarkt. Die Vereinigten Staaten und Israel griffen Ende Februar den Iran an; eine Schlüsselrolle spielt dabei die Schließung der Straße von Hormus, durch die unter normalen Umständen ein bedeutender Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen fließt.
Auch die Politik reagiert auf die Entwicklung. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte, dass die Europäische Union koordiniert vorgehen müsse, und bereitet Vorschläge vor, um die Auswirkungen der Krise zu mildern. Der tschechische Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) griff erneut die Frage von Anpassungen im Emissionshandelssystem auf, einschließlich einer möglichen Regulierung der Zertifikatspreise.
Auch in Italien Verschiebung...
Auch Italien wird den Termin für die endgültige Stilllegung seiner Kohlekraftwerke verschieben – und zwar sogar bis ins Jahr 2038. Dies geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den die untere Kammer des Parlaments gestern verabschiedet hat.
Dieser Schritt deutet darauf hin, dass die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angesichts wachsender Probleme bei der Sicherstellung der Energieversorgung bereit ist, ihre Klimapolitik zu lockern, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Dass Kohlekraftwerke zur Abmilderung der durch den Krieg verursachten Energieprobleme beitragen könnten, haben zuvor auch Deutschland, Südkorea, die Philippinen und Japan angedeutet.
Die ursprünglichen Berechnungen, die Sev.en zur Ankündigung der Stilllegung der Kraftwerke führten, sind jetzt anders.
Jiří Gavor, ENA
/gr/
Erste Fördermittel für Auswirkungen des Dukovany- Ausbaus auf dem Weg
02.04.2026, Tageszeitung Právo, Region Mähren und Schlesien
Der Kreisrat hat die ersten Fördermittel aus einem Programm zur Unterstützung bei der Bewältigung der regionalen Auswirkungen des Baus des Kernkraftwerks Dukovany in Südmähren genehmigt.
Insgesamt fünf Millionen Kronen sollen Gemeinden und Städten in der Region dabei helfen, sich auf die erhöhte Bautätigkeit vorzubereiten, die mit dem Bau eines neuen Reaktorblocks einhergeht. Ein bereits bewilligter Teil der Fördermittel in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Kronen geht nun an die ersten sechs Antragsteller für Projektdokumentationen und die Umsetzung kleinerer Maßnahmen.
Das geplante Bauvorhaben in Dukovany – das sogenannte EDU II – wird sich erheblich auf Dutzende Gemeinden in fünf Verwaltungsgebieten auswirken: rund um Ivančice, Moravský Krumlov, Znojmo, Pohořelice und Rosice.
/gr/
Deutschland sollte seine Ablehnung der Kernenergie überdenken, meint Ministerin
02.04.2026, Tageszeitung Právo Rubrik- Aus dem Ausland – Seite 18
Autor: Adam Kotrbatý
Die Abhängigkeit Deutschlands von Erdgas ist so groß, dass sie das Land verwundbar macht. Nach Ansicht der deutschen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sollte Berlin daher seine bisherige ablehnende Haltung zur Kernenergie überdenken. Ihrer Meinung nach gibt es im Energiesektor aufgrund der Entscheidungen früherer Regierungen derzeit keine echte Alternative zum Gas.
Reiches Aussagen sind ein weiterer Beitrag zur zunehmenden deutschen Debatte über die Entscheidung, die bereits im Jahre 2011 von der Regierung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen wurde.
„Wir können uns entscheiden, dass wir kein Interesse an Kernenergie haben. Dann bleiben wir beim Gas und werden stärker von einer einzigen Energiequelle abhängig. Oder wir sagen, dass uns diese Technologie wieder interessiert“, zitierte die Zeitung The Financial Times die Ministerin. Deutschland hatte den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie als Reaktion auf die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima beschlossen. Der Ausstieg wurde im Jahre 2023 von der Regierung unter Olaf Scholz abgeschlossen.
Auch der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Abschaltung der Kernkraftwerke in den vergangenen Wochen als Fehler. „Ich bedaure das, aber so ist die Realität, und wir konzentrieren uns auf die Energiepolitik, die wir heute haben“, sagte er.
Die Debatte über die Kernenergie in Deutschland flammt zu einer Zeit wieder auf, in der die Gaspreise aufgrund des Kriegs im Nahen Osten deutlich steigen. Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar sind sie um 60 Prozent gestiegen.
Ein Teil der europäischen Staaten setzt hingegen zunehmend auf Kernenergie als emissionsarme Energiequelle. Über den Ausbau bestehender Kernkraftwerke oder den Bau neuer Anlagen wird beispielsweise in Frankreich, Schweden und Polen nachgedacht. Auch die tschechische Regierung plant den Ausbau der Kernenergie.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Abschaltung der Kernkraftwerke als Fehler.
/gr/
Der älteste koreanische Reaktor erhält grünes Licht für den Neustart – Rückkehr in den Betrieb nach drei Jahren
Autor: Eduard Majling,
2. April 2026, oenergetice.cz
Das südkoreanische Unternehmen Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP) hat die Genehmigung erhalten, seinen Reaktorblock Kori 2 wieder in Betrieb zu nehmen. Dieser war im Frühjahr 2023 abgeschaltet worden, nachdem seine ursprüngliche Betriebsgenehmigung für 40 Jahre ausgelaufen war. In den vergangenen drei Jahren wurde der Block umfassend modernisiert und überprüft, wodurch KHNP eine Verlängerung der Lizenz um weitere zehn Jahre sichern konnte.
Kernkraftwerke sind in Südkorea eine wichtige Stromquelle: 26 betriebsfähige Reaktoren liefern etwa ein Drittel der Stromproduktion des Landes. Die ältesten Anlagen sind bereits über 40 Jahre alt – darunter auch der zweite Block des Kernkraftwerks Kori. Dieses Kraftwerk ist insgesamt die älteste nukleare Anlage des Landes, wobei der erste Block bereits im Jahre 2017 stillgelegt wurde.
Damit wurde Kori 2 zum ältesten noch betriebenen Reaktor des Landes. Sein Betrieb wurde jedoch im April 2023 nach Ablauf der 40-jährigen Lizenz vorübergehend eingestellt. Seitdem wurde der Block modernisiert, um seine Lebensdauer zu verlängern und die Betriebssicherheit zu erhöhen. Dazu gehörten unter anderem konstruktive Anpassungen für das Management von Störfällen, etwa ein externer Kühlmittel-Einspeisekreislauf für den Reaktor sowie neue Systeme zur Stromversorgung wichtiger Sicherheitseinrichtungen.
Der Betreiber KHNP hatte bereits im Frühjahr 2022 einen Sicherheitsbewertungsbericht zur Lebensdauerverlängerung eingereicht. Die südkoreanische Atomaufsichtsbehörde NSSC genehmigte laut dem Portal World Nuclear News den Weiterbetrieb bis zum Jahr 2033 bereits im vergangenen November und hat nun nach Abschluss weiterer Prüfungen bestätigt, dass der Block wieder in Betrieb gehen kann. Aufgrund der längeren Stillstandszeit wurden umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt, die die Einsatzbereitschaft des Reaktors über seine ursprünglich geplante Lebensdauer hinaus bestätigten.
Ähnlich wie beim zweiten Block wurde auch der Betrieb des dritten und vierten Blocks des Kraftwerks ausgesetzt – im September 2024 beziehungsweise im August des vergangenen Jahres –, nachdem auch deren 40-jährige Betriebsgenehmigungen ausgelaufen waren. Auch für diese Blöcke sowie für weitere sieben Reaktoren, deren Lizenzen bis zum Ende dieses Jahrzehnts auslaufen, plant KHNP eine Verlängerung der Laufzeit.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... o-3-letech
/gr/
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Heißwasserleitung aus Dukovany: Eine Energierevolution wird die Heizpreise für Tausende Haushalte verändern.
Emissionszertifikate stehen vor einer wichtigen Änderung, die der Industrie helfen könnte. Weitere Anpassung will Brüssel im Juli vorstellen.
Die Stromproduktion in den Kohlekraftwerken Chvaletice und Počerady wird später enden.
Erste Fördermittel für Auswirkungen des Dukovany- Ausbaus auf dem Weg.
Deutschland sollte seine Ablehnung der Kernenergie überdenken, meint Ministerin.
Der älteste koreanische Reaktor erhält grünes Licht für den Neustart – Rückkehr in den Betrieb nach drei Jahren.
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Heißwasserleitung aus Dukovany: Eine Energierevolution wird die Heizpreise für Tausende Haushalte verändern
02.04.2026, Monatszeitung Královopolské listy Seite 6 Herausgeber: Statutarstadt Brünn, CZ)
In einer Zeit, in der Energiepreise durch internationale Ereignisse und Schwankungen auf den Energiemärkten beeinflusst werden, bereiten die Heizwerke / Teplárny Brno eines der größten Energieprojekte in der jüngeren Geschichte der Stadt vor. Eine Heißwasserleitung vom Kernkraftwerk Dukovany soll die stabile Wärmeversorgung für Brünn für Jahrzehnte sichern, die Abhängigkeit von Erdgas deutlich verringern und mehr Preissicherheit für Haushalte und öffentliche Einrichtungen bringen.
Eines der größten Energieprojekte für Brünn
Die Gesellschaft Teplárny Brno / Heizwerke Brünn planen den Bau einer Heißwasserleitung, die Wärme in die Stadt bringt, die bei der Stromerzeugung im Kernkraftwerk Dukovany entsteht.
Die Haupttrasse der Leitung wird etwa 42 Kilometer lang sein und größtenteils unterirdisch durch unbebautes Gebiet zwischen der Region Vysočina und Südmähren verlaufen. In Brünn selbst werden daran weitere rund 53 Kilometer neuer und modernisierter Leitungen anschließen, die die neue Quelle mit dem bestehenden Fernwärmenetz verbinden.
Nach Inbetriebnahme könnte die Leitung etwa die Hälfte des jährlichen Wärmebedarfs in Brünn decken.
Wärme für eine Viertelmillion Einwohner….
An die Heißwasserleitung werden alle Haushalte in Brünn angeschlossen, die derzeit die zentrale Wärmeversorgung der Heizwerke Brünn nutzen — das sind etwa 250.000 Einwohner.
Auch Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen und einige Industriegebiete werden die neue Wärmequelle nutzen.
Ein wesentlicher Vorteil des Projekts ist die deutliche Reduzierung der Abhängigkeit Brünns von Erdgas. Derzeit erzeugen die Heizwerke Brünn / Teplárny Brno etwa 80 % der Wärme aus Erdgas. Nach Fertigstellung des Projekts könnte dieser Anteil auf etwa 10 % sinken.
Damit erhält Brünn eine stabile Wärmequelle, die nicht von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe abhängig ist, und kann mögliche Energiekrisen besser bewältigen.
Sauberere Luft für Brünn...
Die Heißwasserleitung bringt auch erhebliche Vorteile für die Umwelt. Durch die Nutzung der Wärme aus dem Kernkraftwerk Dukovany wird die Menge an Brennstoffen reduziert, die zur Wärmeerzeugung in Brünn benötigt werden.
Jährlich könnten so etwa 135.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr den Emissionen, die entstehen würden, wenn etwa 50.000 Autos aus den Straßen Brünns verschwinden.
Ein Projekt für heutige und zukünftige Generationen
Das Projekt der Gesellschaft Teplárny Brno ermöglicht eine effiziente Nutzung der Wärme, die bei der Stromerzeugung im Kernkraftwerk Dukovany entsteht und derzeit größtenteils ungenutzt bleibt. Durch die Zuführung dieser Energie nach Brünn wird die Gesamteffizienz des Energiesystems erhöht und gleichzeitig der Bedarf an lokalen Wärmequellen gesenkt.
Wenn alles nach Plan verläuft, könnte der Bau der Leitung im nächsten Jahr beginnen und im Jahre 2032 erfolgreich abgeschlossen sein.
Das Projekt knüpft an die hundertjährige Tradition der Brünner Fernwärmeversorgung an und soll auch für kommende Generationen eine zuverlässige und erschwingliche Wärmeversorgung sichern.
Weitere Informationen zum Projekt finden Interessierte unter: www.horkovod.cz.
/gr/
Emissionszertifikate stehen vor einer wichtigen Änderung, die der Industrie helfen könnte. Weitere Anpassung will Brüssel im Juli vorstellen
02.04.2026, Tageszeitung Hospodářské noviny Seite 3
Autor: Petr Zenkner
In den vergangenen Jahren waren aus Brüssel keine Worte über Erleichterungen im System der Emissionszertifikate (EU ETS) zu hören. Alle bisherigen Anpassungen dieses Systems, das den Ausstoß von Kohlendioxid bepreist, führten stets zu strengeren Regeln. Unter zunehmendem Druck beginnt die Europäische Kommission jedoch einzuräumen, dass Änderungen möglich sind – wie sie auch von der tschechischen Regierung von Andrej Babiš (ANO) gefordert werden.
So lassen sich die Aussagen des EU-Klimakommissars Wopke Hoekstra verstehen, der Änderungen in der sogenannten Marktstabilitätsreserve (Market Stability Reserve) vorschlagen will. Hinter diesem technischen Begriff verbirgt sich ein Mechanismus, der in den vergangenen sieben Jahren 3,2 Milliarden Zertifikate vom Markt „abgezogen“ hat und so dazu beitrug, die Preise hoch zu halten. Zur Veranschaulichung: Am Mittwoch lag der Preis eines Zertifikats bei 75 Euro – noch vor wenigen Jahren waren es etwa 25 Euro.
Laut Hoekstra ist der Vorschlag „ein erster Schritt zur Modernisierung des Emissionshandelsmarktes“. Größere Änderungen für die Zeit nach dem Jahr 2030 will Brüssel Anfang Juli vorstellen. Alle Vorschläge müssen anschließend noch vom Europäischen Parlament und den Regierungen der Mitgliedstaaten beraten werden.
Millionen Zertifikate in der Reserve...
Worin besteht die vorgestellte Änderung? Das derzeitige Reservesystem ist so eingestellt, dass automatisch alle Zertifikate oberhalb von 400 Millionen Einheiten gelöscht werden. Die neue Regelung soll dazu führen, dass diese Zertifikate in der Reserve für „zukünftige Jahre“ erhalten bleiben.
„Das ist eine positive Nachricht, denn bisher zielten alle Änderungen darauf ab, das System zu verschärfen. Das ist der erste kleine Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Es ist ein Signal, dass es künftig mehr Zertifikate geben könnte“, sagte Josef Kotrba, Geschäftsführer des Energieverbands.
Nach Schätzungen von Experten, mit denen die Zeitung sprach, könnten allein in diesem Jahr rund 200 Millionen zusätzliche Zertifikate im System verbleiben. Hoekstra äußerte sich jedoch nicht zu den Regeln, unter denen diese Zertifikate wieder auf den Markt gelangen könnten – erst das wäre eine Maßnahme, die die Preise tatsächlich senken könnte.
Druck aus Tschechien...
Ministerpräsident Babiš drängt stark auf eine Reform des Systems und versucht, unter den EU-Staaten Verbündete zu gewinnen. Die tschechischen Vorschläge wurden in einem Brief vom 27. Februar an die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, detailliert dargelegt. Darin wird unter anderem eine Preisobergrenze von 30 Euro pro Zertifikat erwähnt.
Laut Kotrba könnten auch Änderungen bei den kostenlosen Emissionszertifikaten dazu beitragen, das Angebot zu erhöhen und die Preise zu senken – etwa indem deren Umfang nicht so schnell reduziert wird. Das Problem wird vor allem in den 2030er-Jahren relevant. So werden beispielsweise die Třinecké železárny / Eisenwerke Trinec in diesem Jahr rund 2,5 Milliarden Kronen für Zertifikate ausgeben, künftig könnten es jedoch bis zu sechs Milliarden sein.
Realistische Ziele für Tschechien...
Für Tschechien, wo die Industrie einen deutlich größeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat als in vielen anderen EU-Ländern, ist der vorsichtige Kurs Brüssels positiv. Die Ziele der Regierung sollten jedoch der aktuellen Stimmung in der EU entsprechen. „Diese ist derzeit nicht auf eine Revolution des Emissionshandelssystems eingestellt, sondern eher auf seine Evolution“, sagte Daniel Urban, Generaldirektor des Industrie- und Verkehrsverbands.
Auch Hoekstra erklärte vor dem EU-Gipfel im März, dass die Mitgliedstaaten „bedeutende Unterstützungserklärungen“ abgegeben hätten. In den Schlussfolgerungen des Gipfels wurde zudem betont, dass das System weiterhin auf marktwirtschaftlichen Prinzipien basieren müsse – also dass mit Zertifikaten gehandelt wird.
Laut Urban könnte es für Unternehmen, die oft Milliarden in die Dekarbonisierung investieren müssen, motivierend sein, wenn sie in dieser Zeit keine Emissionszertifikate kaufen müssten. „Wenn sich ein Unternehmen zu Investitionen in die Dekarbonisierung verpflichtet, braucht es während dieser Zeit so etwas wie ‚Zertifikatsferien‘“, fügte er hinzu.
Politische Verhandlungen in Brüssel...
Genau über solche Maßnahmen wird derzeit in Brüssel verhandelt. Für tschechische Unternehmen ist es positiv, dass die Verhandlungen nicht vom faktischen Umweltminister und Green-Deal-Beauftragten Filip Turek (Motoristen) geführt werden, dem praktische Kenntnisse des ETS-Systems fehlen, sondern vom stellvertretenden Minister Vladislav Smrž, der von der ANO-Bewegung nominiert wurde und bereits früher im Ministerium tätig war. In der vergangenen Woche lobbyierten Smrž und Babiš in Brüssel für Änderungen am ETS-System.
Nach Informationen der Zeitung beginnt Babiš allmählich zu erkennen, dass die von ihm vorgeschlagene Preisobergrenze für Zertifikate nicht vollständig realistisch ist.
Unterschiedliche Interessen in der EU...
Unter den großen westeuropäischen Staaten hat Tschechien nur einen Verbündeten für eine tiefgreifendere Reform: Italien. Für Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist der Zertifikatspreis entscheidend, da fast 40 Prozent des Stroms im Land aus Gas erzeugt werden.
Spanien hingegen unterstützt das derzeitige System, da es dank erneuerbarer Energien günstigeren Strom hat. Frankreich profitiert von seiner Kernenergie. Und obwohl der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz mehrfach über Änderungen gesprochen hat, werden seine Aussagen oft vom Koalitionspartner SPD relativiert, der das Umweltministerium kontrolliert. Zudem nimmt die deutsche Öffentlichkeit die Klimaziele deutlich ernster als die tschechische, was die Politik berücksichtigen muss.
Kritik an geplanter Ausweitung...
Die tschechische Regierung kritisiert langfristig auch die geplante Ausweitung des Emissionshandelssystems auf den Straßenverkehr und das Heizen. Dieses System, bekannt als EU ETS 2, existiert bislang noch nicht und soll nach einer einjährigen Verschiebung im Jahr 2028 in Betrieb gehen.
/gr/
Die Stromproduktion in den Kohlekraftwerken Chvaletice und Počerady wird später enden
02.04.2026, Tageszeitung Právo, Seite 13
Autor: Martin Procházka
Der Betrieb der Kohlekraftwerke Počerady und Chvaletice wird mindestens bis zum 31. März 2027 fortgesetzt, möglicherweise auch länger. Die Energiegruppe Sev.en des Milliardärs Pavel Tykač hat damit ihren ursprünglichen Plan verschoben, wonach die Anlagen bereits zum Jahreswechsel dieses und des kommenden Jahres stillgelegt werden sollten. Über die Änderung informierte Unternehmenssprecherin Eva Maříková.
Die Entscheidung wurde ihr zufolge von der Entwicklung auf den Energiemärkten beeinflusst, insbesondere von den Preisen für Strom, Emissionszertifikate sowie Erdgas. Die Gruppe hat die Verlängerung des Betriebs bereits dem staatlichen Übertragungsnetzbetreiber ČEPS mitgeteilt.
„Wir beobachten und bewerten kontinuierlich alle Veränderungen auf dem Energiemarkt. Wir schließen nicht aus, dass wir nach Auswertung der Marktsituation die Stromproduktion im Kraftwerk Počerady und im Kraftwerk Chvaletice auch nach dem 31. März 2027 fortsetzen werden“, sagte Maříková.
Der Analyst Jiří Gavor vom Unternehmen ENA erklärte, dass er einen solchen Schritt erwartet habe und dass er in die breitere Marktentwicklung passe. „Die Preise für Emissionszertifikate sind gesunken, und Strom an der Börse ist teurer geworden. Die ursprünglichen wirtschaftlichen Berechnungen, die Sev.en zur Ankündigung der Stilllegung der Kraftwerke geführt haben, sehen jetzt deutlich anders aus“, sagte er. Seiner Ansicht nach hat sich dadurch die Rentabilität von Kohlekraftwerken verbessert, die noch vor kurzem unter starkem Druck standen, schnell geschlossen zu werden.
Gavor wies zugleich darauf hin, dass es sich nicht nur um eine kurzfristige Schwankung handelt. „Es zeigt sich, wie stark die europäische Energiewirtschaft von der Entwicklung der Preise für Zertifikate und Gas abhängt. Sobald sich diese Parameter ändern, ändert sich auch die Entscheidung der Unternehmen darüber, ob sich der Betrieb von Kraftwerken lohnt“, fügte er hinzu.
Während im vergangenen November Strom noch für etwa 95 Euro pro Megawattstunde gehandelt wurde, liegt der Preis inzwischen über 100 Euro. Im Gegensatz dazu ist der Preis für Emissionszertifikate von etwa 83 Euro auf rund 64 Euro pro Tonne Kohlendioxid gesunken. Diese Veränderungen haben laut Gavor die Wirtschaftlichkeit des Betriebs grundlegend verändert.
Auch die Spannungen im Nahen Osten wirken sich stark auf die Energiepreise aus. Der Konflikt in der Region treibt die Ölpreise nach oben und sorgt für Unsicherheit auf dem Gasmarkt. Die Vereinigten Staaten und Israel griffen Ende Februar den Iran an; eine Schlüsselrolle spielt dabei die Schließung der Straße von Hormus, durch die unter normalen Umständen ein bedeutender Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen fließt.
Auch die Politik reagiert auf die Entwicklung. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen erklärte, dass die Europäische Union koordiniert vorgehen müsse, und bereitet Vorschläge vor, um die Auswirkungen der Krise zu mildern. Der tschechische Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) griff erneut die Frage von Anpassungen im Emissionshandelssystem auf, einschließlich einer möglichen Regulierung der Zertifikatspreise.
Auch in Italien Verschiebung...
Auch Italien wird den Termin für die endgültige Stilllegung seiner Kohlekraftwerke verschieben – und zwar sogar bis ins Jahr 2038. Dies geht aus einem Gesetzentwurf hervor, den die untere Kammer des Parlaments gestern verabschiedet hat.
Dieser Schritt deutet darauf hin, dass die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni angesichts wachsender Probleme bei der Sicherstellung der Energieversorgung bereit ist, ihre Klimapolitik zu lockern, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Dass Kohlekraftwerke zur Abmilderung der durch den Krieg verursachten Energieprobleme beitragen könnten, haben zuvor auch Deutschland, Südkorea, die Philippinen und Japan angedeutet.
Die ursprünglichen Berechnungen, die Sev.en zur Ankündigung der Stilllegung der Kraftwerke führten, sind jetzt anders.
Jiří Gavor, ENA
/gr/
Erste Fördermittel für Auswirkungen des Dukovany- Ausbaus auf dem Weg
02.04.2026, Tageszeitung Právo, Region Mähren und Schlesien
Der Kreisrat hat die ersten Fördermittel aus einem Programm zur Unterstützung bei der Bewältigung der regionalen Auswirkungen des Baus des Kernkraftwerks Dukovany in Südmähren genehmigt.
Insgesamt fünf Millionen Kronen sollen Gemeinden und Städten in der Region dabei helfen, sich auf die erhöhte Bautätigkeit vorzubereiten, die mit dem Bau eines neuen Reaktorblocks einhergeht. Ein bereits bewilligter Teil der Fördermittel in Höhe von insgesamt 1,2 Millionen Kronen geht nun an die ersten sechs Antragsteller für Projektdokumentationen und die Umsetzung kleinerer Maßnahmen.
Das geplante Bauvorhaben in Dukovany – das sogenannte EDU II – wird sich erheblich auf Dutzende Gemeinden in fünf Verwaltungsgebieten auswirken: rund um Ivančice, Moravský Krumlov, Znojmo, Pohořelice und Rosice.
/gr/
Deutschland sollte seine Ablehnung der Kernenergie überdenken, meint Ministerin
02.04.2026, Tageszeitung Právo Rubrik- Aus dem Ausland – Seite 18
Autor: Adam Kotrbatý
Die Abhängigkeit Deutschlands von Erdgas ist so groß, dass sie das Land verwundbar macht. Nach Ansicht der deutschen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sollte Berlin daher seine bisherige ablehnende Haltung zur Kernenergie überdenken. Ihrer Meinung nach gibt es im Energiesektor aufgrund der Entscheidungen früherer Regierungen derzeit keine echte Alternative zum Gas.
Reiches Aussagen sind ein weiterer Beitrag zur zunehmenden deutschen Debatte über die Entscheidung, die bereits im Jahre 2011 von der Regierung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen wurde.
„Wir können uns entscheiden, dass wir kein Interesse an Kernenergie haben. Dann bleiben wir beim Gas und werden stärker von einer einzigen Energiequelle abhängig. Oder wir sagen, dass uns diese Technologie wieder interessiert“, zitierte die Zeitung The Financial Times die Ministerin. Deutschland hatte den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie als Reaktion auf die Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima beschlossen. Der Ausstieg wurde im Jahre 2023 von der Regierung unter Olaf Scholz abgeschlossen.
Auch der amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Abschaltung der Kernkraftwerke in den vergangenen Wochen als Fehler. „Ich bedaure das, aber so ist die Realität, und wir konzentrieren uns auf die Energiepolitik, die wir heute haben“, sagte er.
Die Debatte über die Kernenergie in Deutschland flammt zu einer Zeit wieder auf, in der die Gaspreise aufgrund des Kriegs im Nahen Osten deutlich steigen. Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar sind sie um 60 Prozent gestiegen.
Ein Teil der europäischen Staaten setzt hingegen zunehmend auf Kernenergie als emissionsarme Energiequelle. Über den Ausbau bestehender Kernkraftwerke oder den Bau neuer Anlagen wird beispielsweise in Frankreich, Schweden und Polen nachgedacht. Auch die tschechische Regierung plant den Ausbau der Kernenergie.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Abschaltung der Kernkraftwerke als Fehler.
/gr/
Der älteste koreanische Reaktor erhält grünes Licht für den Neustart – Rückkehr in den Betrieb nach drei Jahren
Autor: Eduard Majling,
2. April 2026, oenergetice.cz
Das südkoreanische Unternehmen Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP) hat die Genehmigung erhalten, seinen Reaktorblock Kori 2 wieder in Betrieb zu nehmen. Dieser war im Frühjahr 2023 abgeschaltet worden, nachdem seine ursprüngliche Betriebsgenehmigung für 40 Jahre ausgelaufen war. In den vergangenen drei Jahren wurde der Block umfassend modernisiert und überprüft, wodurch KHNP eine Verlängerung der Lizenz um weitere zehn Jahre sichern konnte.
Kernkraftwerke sind in Südkorea eine wichtige Stromquelle: 26 betriebsfähige Reaktoren liefern etwa ein Drittel der Stromproduktion des Landes. Die ältesten Anlagen sind bereits über 40 Jahre alt – darunter auch der zweite Block des Kernkraftwerks Kori. Dieses Kraftwerk ist insgesamt die älteste nukleare Anlage des Landes, wobei der erste Block bereits im Jahre 2017 stillgelegt wurde.
Damit wurde Kori 2 zum ältesten noch betriebenen Reaktor des Landes. Sein Betrieb wurde jedoch im April 2023 nach Ablauf der 40-jährigen Lizenz vorübergehend eingestellt. Seitdem wurde der Block modernisiert, um seine Lebensdauer zu verlängern und die Betriebssicherheit zu erhöhen. Dazu gehörten unter anderem konstruktive Anpassungen für das Management von Störfällen, etwa ein externer Kühlmittel-Einspeisekreislauf für den Reaktor sowie neue Systeme zur Stromversorgung wichtiger Sicherheitseinrichtungen.
Der Betreiber KHNP hatte bereits im Frühjahr 2022 einen Sicherheitsbewertungsbericht zur Lebensdauerverlängerung eingereicht. Die südkoreanische Atomaufsichtsbehörde NSSC genehmigte laut dem Portal World Nuclear News den Weiterbetrieb bis zum Jahr 2033 bereits im vergangenen November und hat nun nach Abschluss weiterer Prüfungen bestätigt, dass der Block wieder in Betrieb gehen kann. Aufgrund der längeren Stillstandszeit wurden umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt, die die Einsatzbereitschaft des Reaktors über seine ursprünglich geplante Lebensdauer hinaus bestätigten.
Ähnlich wie beim zweiten Block wurde auch der Betrieb des dritten und vierten Blocks des Kraftwerks ausgesetzt – im September 2024 beziehungsweise im August des vergangenen Jahres –, nachdem auch deren 40-jährige Betriebsgenehmigungen ausgelaufen waren. Auch für diese Blöcke sowie für weitere sieben Reaktoren, deren Lizenzen bis zum Ende dieses Jahrzehnts auslaufen, plant KHNP eine Verlängerung der Laufzeit.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... o-3-letech
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
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Tel: 603 805 799