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Atomkraft – ein Denkfehler (PA)

Verfasst: Fr 20. Mär 2026, 12:43
von gwag
Was es bedeutet, von Energieimporten abhängig zu sein, ist in den letzten Tagen wieder deutlich sichtbar geworden. „Und wenn Krisen und Konflikte, wie aktuell der Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran, den Ölpreis steigen lassen, folgen auch meist andere Energieträger und eigentlich wird alles teurer“, sagt Manfred Doppler vom Anti Atom Komitee. „Was könnte vorteilhafter sein, als möglichst viel von der benötigten Energie im Land selbst zu erzeugen?“
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Nicht nur würden dadurch Vorgänge in weit entfernten Ländern unsere Wirtschaft und den Alltag weniger beeinflussen, das würde auch Milliarden Euro durch Energieimporte jährlich im Land halten. Es ist absurd, dass sich ausgerechnet da die Atomindustrie wieder ins Spiel bringen möchte. Wieder ist es auch die Kommissionspräsidentin von der Leyen persönlich, anscheinend dem Charme dieser Technologie und deren Lobbyisten erlegen, die sich dafür stark macht und auch schon großzügig eine Förderung zugesagt hat. Ein solches Vorgehen kann im wohlwollendsten Fall ignorant genannt werden. Immerhin entsteht der Eindruck, dass hier eine kleine Gruppe auf Kosten der Allgemeinheit und einer europäischen Energiezukunft begünstigt werden soll. Möglicherweise braucht auch der französische AKW-Betreiber ÉDF einfach nur weitere Subventionen, die sich Frankreich allein nicht mehr leisten kann.

Die Atomindustrie selbst kennt sicher ihre Grenzen und es geht ihr nicht darum, bezahlbare, saubere oder sichere Energie zu liefern, sondern darum, finanziert zu werden. Wäre Atomkraft zumindest wirtschaftlich erfolgreich, hätte sie sich über all die Jahrzehnte etablieren können, wäre sie nicht praktisch ausschließlich auf öffentliche Gelder angewiesen. „Es ist nicht zu erwarten, dass um geforderte hunderte Milliarden überall in Europa große und kleinere AKWs aus dem Boden schießen würden oder generell Kernspaltung einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung leisten könnte, auch nicht theoretisch und in weiter Zukunft“, sagt Gerold Wagner vom Anti Atom Komitee. „Hauptsächlich werden wir, die EU, nur um etliche Milliarden ärmer sein“, ergänzt Manfred Doppler. Schon gar nicht wird es in naher Zukunft oft als Heilsbringer genannte SMRs, Reaktoren kleinerer Bauart, geben. Das ist reines Marketing.

Wenn schon ein Preisanstieg bei Rohöl die Wirtschaft durcheinanderbringen kann, macht es eben erst recht keinen Sinn, auf Atomkraft als von vornherein teuerste Form der Energieerzeugung zu setzen. Allein die Hauptquelle für Brennstoff, Uran, ist weltweit nur äußerst begrenzt verfügbar, in ganz Europa überhaupt nicht, und nur von wenigen Lieferanten beziehbar. Die Abhängigkeit ist somit noch höher als bei Öl und Gas, bis hin zur Erpressbarkeit, und die Preise dafür steigen stetig auch schon ganz ohne Ausbau. Kalkulierbar sind die Kosten dafür keinesfalls und das Geld wiederum würde auf Neue großteils ins Ausland abfließen.

Es sind heuer bereits 15 Jahre seit der Katastrophe in Fukushima vergangen und 40 Jahre seit der von Tschernobyl. Der Atomindustrie sind solche Ereignisse keinen Kommentar wert, sie werden höchstens bagatellisiert und erst recht schweigsam gibt sie sich weiterhin in Bezug auf den anfallenden Atommüll.

Foto: Lothar Spurzem, Wikipedia, CC BY-SA 2.0 de
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:201 ... r_(Sp).jpg
Prototyp einer Maschine mit Abbruch­zange am Kühlturm des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich, 2018, in etwa 160 Meter Höhe