Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Verfasst: Do 14. Mai 2026, 07:42
Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Energie vom 14.5.2026:
Inhalt:
E.Sequens: Abfall für die Ewigkeit.
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden.
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL - Die geisterstadt, die niemals starb.
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer.
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick.
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
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Abfall für die Ewigkeit
13.05.2026 Wochenzeitung A2 Autor: EDVARD SEQUENS
Rubrik: Gesellschaft - Seite: 30
ULTIMATUM
Die tschechische Regierung beschäftigt sich mit einem verzwickten Problem: Wohin mit dem Abfall aus den Kernreaktoren, den niemand haben will und der noch mehrere Hunderttausend Jahre gefährlich bleiben wird? Einen Plan haben die staatlichen Behörden – seine aktuelle Version wird gerade einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Aber ist er gut?
Die Atomindustrie bemüht sich darum, hochradioaktive Brennelemente, die nach mehreren Jahren aus den Reaktoren entnommen werden, nicht als Abfall, sondern als zukünftigen Rohstoff zu bezeichnen. Im Industrieministerium sieht man das jedoch anders, denn man rechnet mit dem schnellen Bau eines tiefengeologischen Endlagers für hochradioaktive Abfälle und dessen Inbetriebnahme im Jahr 2050. Das Konzept entstand allerdings ohne einen Vergleich der Vorteile und Auswirkungen weiterer potenzieller Varianten, wie man es eigentlich erwarten würde. Denkbar wären unter anderem eine langfristige Lagerung bis zur Findung einer akzeptablen Lösung (Konzept der übergebenen Verantwortung), die Errichtung eines gemeinsamen internationalen Endlagers im Ausland oder die weitere Nutzung wiederaufbereiteten abgebrannten Brennstoffs in Reaktoren.
Im Fall eines tiefengeologischen Endlagers steht eine größere Lagerfläche im Spiel, zudem mit höherem Risiko einer Beeinträchtigung des Grundwassers, sowie eine längere Bauzeit mit einer größeren Menge an Aushubmaterial, als bisher angenommen wurde. Der Grund dafür ist das ambitionierte tschechische Atomprogramm: die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren in Dukovany und Temelín, der geplante Bau von bis zu vier neuen großen sowie sechs modularen Reaktoren in der Größe derjenigen von Dukovany. Dadurch kommen Tausende Tonnen Abfall hinzu, die entsorgt werden müssen. Die kürzlich angekündigte Verlängerung des Betriebs des Kernkraftwerks Dukovany auf achtzig Jahre wird sogar ein größeres Volumen abgebrannten Brennstoffs bedeuten, als im Konzept vorgesehen ist. Und falls am ausgewählten Standort für das Endlager in einem halben Kilometer Tiefe keine ausreichend ausgedehnte, unzerklüftete und qualitativ hochwertige Gesteinsschicht vorhanden sein sollte, müssten in Tschechien sogar zwei Endlager entstehen – was übrigens auch die zuständige Endlagerverwaltung SURAO zulässt.
Und hier kommen wir zum Geld. Dass Kernenergie teuer ist, ist allgemein bekannt. Doch es geht nicht nur um die Kosten neuer Reaktoren. Die sichere Lagerung sämtlicher radioaktiver Abfälle soll 560 Milliarden Kronen kosten, davon allein das tiefengeologische Endlager etwa 270 Milliarden (zu Preisen von 2024). Der Energiekonzern ČEZ zahlt zwar gesetzlich vorgeschriebene Gebühren an den Staat, damit dieser das Abfallproblem übernimmt, wie sich jedoch zeigt, könnte das nicht ausreichen.
Da der radioaktive Abfall für die Ewigkeit bei uns bleiben wird, sollte der Prozess der Standortsuche für ein tiefengeologisches Endlager gegenüber der Öffentlichkeit transparent sein, insbesondere gegenüber den Kommunalverwaltungen und den Bewohnern der betroffenen Gemeinden – also im Böhmerwaldvorland bei Horažďovice, bei Temelín, unter dem Berg Čeřínek in der Region Jihlava oder in der Nähe von Třebíč. Bislang ist das nicht ganz der Fall, wie die Proteste der Bürgermeister aus diesen Orten zeigen.
Werden wir noch eine Veränderung zum Besseren erleben?
/gr/
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden
14.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Viktor Votruba
Rubrik: Verkehr - Seite: 11
Energie:
Die Einbindung großer Batteriespeicher in die Energiewirtschaft wird zu sinkenden Strompreisen auf dem Markt führen. Eine neue Analyse zeigt, wie sich diese Preise verändern könnten und welche Batteriekapazitäten Europa dafür benötigt. Davon werden Endkunden profitieren, doch auch Investoren in große Photovoltaikkraftwerke werden nicht leer ausgehen. Laut der genannten Analyse von SolarPower Europe, dem wichtigsten europäischen Branchenverband der Solarenergie, wird die Integration von Batterien ins Netz den Wert von Solarstrom um mehr als 70 Prozent steigern.
Solaranlagen erzeugen Strom gleichzeitig – nämlich dann, wenn die Sonne scheint – und können dadurch so viel Elektrizität ins Netz einspeisen, dass der Strompreis bis in den negativen Bereich fällt. Allein im vergangenen Jahr gab es insgesamt 392 Stunden mit negativen oder null Strompreisen, also mehr als 16 Tage von 365. Dabei kommt es zur sogenannten Kannibalisierung: Photovoltaikanlagen sägen sich gewissermaßen selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen, weil sie zur gleichen Zeit produzieren. Die Lösung sind Batteriespeicher, die den günstigen Strom für Zeiten mit höherem Bedarf speichern.
Für die Stabilität des Netzes ist es laut der Studie notwendig, dass die Batteriekapazität in der EU bis zum Jahr 2030 auf 600 GWh steigt – das ist das Achtfache der Kapazität des vergangenen Jahres. Zwar werden Batterien bereits in großem Umfang gebaut, doch der Ausbau müsste deutlich schneller erfolgen. Beim derzeitigen Tempo würde die Gesamtkapazität im Jahr 2030 lediglich auf 267 GWh steigen (etwa das Dreifache des Jahres 2025).
„Die tschechische Debatte über die Nutzung von Solarenergie dreht sich häufig vor allem um die Installation von Solarmodulen auf Einfamilienhäusern. Im europäischen Kontext gilt Solarenergie jedoch als ein Schlüsselakteur für die grundlegende Transformation der Energiewirtschaft. Die Diskussion betrifft nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Unternehmens- und Freiflächenanlagen, kombiniert mit Batterien und der Einbindung von Flexibilität“, sagt Jan Krčmář, Geschäftsführer des tschechischen Solarverbands. Mit der Situation in Tschechien wird sich die Konferenz „Solarenergie und Speicherung“ befassen, die Ende Mai in Prag stattfindet.
Die Analyse von SolarPower Europe konzentriert sich hauptsächlich auf den Vergleich zweier zentraler Szenarien für die Entwicklung der europäischen Energiewirtschaft bis 2030.
Das erste Szenario „Base Case“ (Business-as-usual) basiert auf den aktuellen Entwicklungstrends und den bestehenden Investitionsbedingungen. Demnach würde die EU ihre Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien nicht erreichen.
Das zweite Szenario „Solar+“ geht von einem schnelleren Ausbau von Photovoltaik und Speichern aus, was zur Erreichung der Klimaziele der EU führen soll. Und nicht nur das: Laut SolarPower Europe würde dieses Szenario auch die Betriebskosten des Stromsystems halbieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Fossile Brennstoffe und CO₂-Zertifikate machen heute 78 Prozent der Kosten des Stromsystems aus, sodass ihr Ersatz durch heimische erneuerbare Energiequellen zu niedrigeren Preisen führen wird.
Die Analyse geht davon aus, dass die jährlichen Betriebskosten des gesamten EU-Stromsystems dank der drastischen Einschränkung der Nutzung fossiler Brennstoffe von 112 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 55 Milliarden Euro im Jahr 2030 sinken würden.
Gegner eines schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien warnen häufig vor Preisinstabilität. Die Analyse behauptet jedoch das Gegenteil – vorausgesetzt, der Ausbau wird von Batteriespeichern begleitet.
Während fossile Energiequellen wegen der Brennstoffkosten teuer im Betrieb sind, machten die Betriebskosten der erneuerbaren Energiequellen selbst (wie Wind und Sonne) sowie der Verteilnetze laut der Analyse im Jahr 2025 in der EU nur etwa 0,5 Prozent der gesamten Betriebskosten des Systems aus. Deshalb führt ihr massiver Ausbau zu einer so deutlichen Senkung der Gesamtkosten.
Die Analyse berechnet auch konkrete Auswirkungen auf die Großhandelspreise für Strom. Das Basisszenario („Base Case“) geht von einem Rückgang auf 69 Euro/MWh aus, während „Solar+“ 63 Euro/MWh prognostiziert. Derzeit liegt dieser Strompreis bei rund 99 Euro/MWh.
viktor.votruba@hn.cz
/gr/
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL
14.05.2026 Monatszeitung Mladý svět / Junge Welt Autorin: Lenka Němečková
Seite: 38
Die Geisterstadt, die niemals starb
Was fällt Ihnen ein, wenn man Tschernobyl sagt? Haben Sie die Ereignisse des Frühjahrs 1986 selbst erlebt? Haben Sie eine Dokumentation, einen Film oder die beliebte HBO-Serie gesehen? Die Katastrophe des Kernkraftwerks wirkt als derart abschreckendes Beispiel für Machtmissbrauch, dass man sich kaum gegen Gedanken wehren kann, was alles hätte passieren können, wenn …
In der Nacht des 26. April 1986 blieb in Tschernobyl die Zeit stehen und die Welt erbebte. Im Reaktor Nummer 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl kam es infolge einer Überhitzung zu einer Explosion. Die Detonation riss das Dach des Gebäudes weg und eine radioaktive Wolke, größer als jene von Hiroshima, gelangte in die Atmosphäre. Die gesamte Katastrophe war nicht nur ein technisches Versagen oder ein tragisches menschliches Fehlverhalten. Sie war das Scheitern eines ganzen Systems politischer Arroganz und ein Symbol für den Zerfall einer totalitären Epoche. In Prypjat steht bis heute das Rathaus mit Uhren, die auf 1:23 zeigen. Die Zeit der Explosion.
Staatsideologie über der Physik….
Hätte das sowjetische System die Warnungen der Wissenschaftler und die Konstruktionsmängel der RBMK-Reaktoren nicht ignoriert, hätte die Geschichte völlig anders verlaufen können. Der Reaktor hatte eine fatale Schwäche, die Wissenschaftler als positiven Dampfblasenkoeffizienten bezeichneten. In dem Moment, als das Wasser im Reaktorkern zu kochen begann und Dampf entstand, stieg die Leistung des Reaktors statt zu sinken rapide an. Die Wissenschaftler wussten bereits Jahre vor dem Unglück von diesem Risiko. Doch in einer Atmosphäre aus Angst und dem Druck, die Ziele der Fünfjahrespläne zu erfüllen, wurden kritische Hinweise unter den Teppich gekehrt. Priorität hatten billiger Strom und das Bild einer technologischen Beherrschung der Natur. „Wir befehlen Wind und Regen!“
Ehrgeiz über die Vernunft hinaus….
Wäre es während des Sicherheitstests nicht zu einer verhängnisvollen Verkettung menschlicher Fehler und unglücklicher Zufälle gekommen, könnte Block 4 vielleicht noch heute in Betrieb sein. Die Ingenieure wollten herausfinden, ob die Trägheit der Turbine bei einem Stromausfall die Pumpen weiter antreiben könnte. Da der Test mehrfach verschoben worden war, wurde er schließlich von einer weniger erfahrenen Nachtschicht durchgeführt. Die Bedienmannschaft schaltete Sicherheitssysteme ab und geriet in eine Situation, die in den Simulationen nicht vorgesehen war. Der Reaktor war instabil, durch Xenon „vergiftet“ und lief mit gefährlich niedriger Leistung. Der Befehl, den Test dennoch fortzusetzen, war der letzte Nagel zum Sarg.
Die Wahrheit gefährlicher als die Strahlung...
Hätte das sowjetische Regime versucht, die Katastrophe nicht vor den eigenen Bürgern und der Welt zu verheimlichen, hätten Tausende Leben gerettet werden können. Während die radioaktive Wolke in den Himmel stieg, spielten Kinder in der nahegelegenen Stadt Prypjat im Sand und in Kiew bereitete man die Maidemonstrationen vor. Der Kreml schwieg drei Tage lang. Eine offizielle Mitteilung erfolgte erst, nachdem das schwedische Kernkraftwerk Forsmark Alarm ausgelöst hatte. Die dortigen Detektoren registrierten ungewöhnliche Strahlung. An den Schuhen der Mitarbeiter fand man radioaktiven Staub, den der Wind aus dem Osten herangetragen hatte. Erst der internationale Druck zwang Gorbatschow einzugestehen, dass etwas Schreckliches geschehen war.
Offiziell starben direkt bei der Katastrophe und an akuter Strahlenkrankheit 31 Menschen. Die Schätzungen der langfristigen Opfer reichen von 4.000 (laut Weltgesundheitsorganisation) bis zu mehreren Zehntausend. Schilddrüsenkrebs traf vor allem Kinder. In Belarus und im Norden der Ukraine blieb eine Narbe zurück, die Ärzte bis heute sehen. Die radioaktive Wolke zog Ende April und Anfang Mai 1986 auch über die damalige Tschechoslowakei. In Prag, Brünn und auf der Böhmisch-Mährischen Höhe sammelten die Menschen Pilze und Kinder spielten draußen. Die staatliche Propaganda sprach von „präventiven Maßnahmen“.
Heldentum gemessen in Röntgen….
Die ersten Feuerwehrleute liefen nur in leichten Uniformen zum Kraftwerk. Später kamen Tausende Liquidatoren – Soldaten, Bergarbeiter, Fahrer –, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. Sie kämpften gegen einen unsichtbaren Feind ohne ausreichenden Schutz. Viele wussten, dass sie in den Tod gingen, opferten aber ihr Leben, um eine weitere Explosion zu verhindern. Dank ihnen wurde Tschernobyl auch zu einem Symbol des Heldentums. Frauen pflegten in Krankenhäusern ihre verstrahlten Ehemänner, obwohl Ärzte sie warnten, sich ihnen nicht zu nähern. Die Körper der direkten Opfer waren selbst nach dem Tod noch radioaktiv.
Hätten sich die drei Tschernobyl-Taucher Alexei Ananenko, Waleri Bespalow und Boris Baranow nicht geopfert, hätten die Folgen für Europa katastrophal sein können. Nur wenige Tage nach der Explosion drohte der geschmolzene Brennstoff den Betonboden zu durchdringen und die Wasserbecken unter dem Reaktor zu erreichen. Die anschließende Dampfexplosion hätte Schätzungen zufolge auch die übrigen drei Reaktoren zerstört. So viel Radioaktivität wäre freigesetzt worden, dass die Hälfte des Kontinents für Jahrhunderte unbewohnbar geworden wäre. Diese Männer machten sich in völliger Dunkelheit und kontaminiertem Wasser daran, die Ventile manuell zu öffnen und die Becken zu entleeren. Sie überlebten, doch ihre Tat bleibt einer der größten Akte menschlichen Mutes der Geschichte.
„Drei Tage“ dauern ewig...
Hätten die Bewohner von Prypjat gewusst, dass sie nie wieder in ihre Häuser zurückkehren würden, wären sie nicht nur mit einigen Dingen und Dokumenten gegangen. Die Lautsprecherdurchsage versprach eine Evakuierung von lediglich drei Tagen wegen einer „ungünstigen Strahlungssituation“. Die Menschen ließen halb aufgegessene Mittagessen auf den Tischen stehen, Haustiere in Käfigen und in den Wohnungen ihr gesamtes bisheriges Leben. Aus drei Tagen wurden vierzig Jahre und Prypjat verwandelte sich in eine Geisterstadt. In der einst modernen sowjetischen Stadt für 50.000 Menschen überwuchern Birken die Spielplätze. In den Fenstern der Plattenbauten hängen Vorhänge, die niemand jemals abgenommen hat. Und trotzdem gibt es hier Leben. Wildes, unerwartetes, schönes.
Heute ist die dreißig Kilometer große Sperrzone paradoxerweise eines der größten Naturreservate Europas. Wölfe, Elche, Wildschweine und seltene Przewalski-Pferde sind zurückgekehrt. Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Natur schneller erholt, als irgendjemand erwartet hatte. Nur Menschen leben hier nicht mehr – abgesehen von einer Handvoll alter Einwohner, die trotz des Verbots zurückkehrten. Und Touristen. Der Tourismus in der Zone ist inzwischen ein offizielles Geschäft. Menschen kommen, um überwucherte Schwimmbäder, verlassene Kindergärten und das riesige Riesenrad zu fotografieren. Was alles Menschen wohl als Adrenalinerlebnis anzieht?
Ein zerbrechliches Betongrab...
Wäre der erste Betonsarkophag nicht hastig errichtet worden, hätte die Strahlung weiterhin unkontrolliert in die Umgebung entweichen können. Die Rettungskräfte arbeiteten in Bereichen, in denen sich die sichere Aufenthaltsdauer in Sekunden messen ließ. Nur dadurch konnte die Katastrophe unter Kontrolle gebracht werden. Seit dem Jahr 2016 wird der Reaktor vom modernen Stahlbogen „New Safe Confinement“ überdeckt. Es handelt sich um das größte bewegliche Bauwerk der Welt mit einem Gewicht von 36.000 Tonnen. Die Welt konnte aufatmen.
Hätte es in den vergangenen Jahren nicht die russische Invasion in der Ukraine und die Kämpfe in der Umgebung des Kraftwerks gegeben, hätten wir glauben können, Tschernobyl sei nur noch ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte.
Leider haben uns die Nachrichten vom Gegenteil überzeugt. Russische Soldaten begannen, sich im Roten Wald einzugraben – dem am stärksten kontaminierten Ort des Planeten. Das Aufwirbeln radioaktiven Staubs durch schweres Gerät und die Unterbrechung der Stromversorgung für die Kühlung abgebrannter Brennelemente erinnerten daran, wie fragil unsere Kontrolle über die Atomkraft ist, sobald menschliche Aggression ins Spiel kommt. Wie verletzlich unsere Vorstellung von Sicherheit sein kann, zeigte auch ein russischer Drohnenangriff im Februar 2025. Die Schutzkonstruktion wurde schwer beschädigt. Die Ukraine stellte Dutzende Millionen Euro für Reparaturen bereit, mit dem Ziel, sie bis zum Jahr 2030 wieder vollständig funktionsfähig zu machen.
Lehren als Notwendigkeit...
Hätte die Menschheit nicht aus Tschernobyl gelernt, würde die Kernenergie heute wahrscheinlich eine der größten Sicherheitsbedrohungen darstellen. Paradoxerweise führte die Tragödie jedoch zu einem enormen Fortschritt bei internationalen Kontrollmechanismen und zu offenerer Kommunikation. Jede Technologie ist nur so sicher, wie das System ehrlich und transparent ist, das sie kontrolliert.
Auch vierzig Jahre später bleibt die Sperrzone ein Mahnmal unserer Verletzlichkeit und eine Erinnerung daran, dass man mit den Naturgesetzen nicht verhandeln oder sie per Parteidekret außer Kraft setzen kann. Würden wir das vergessen, liefen wir Gefahr, dass sich die Geschichte in anderer Form wiederholt. Und das ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.
/gr/
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer
14.05.2026 0:00 Tageszeitung Českobudějovický deník Autor: Přemysl Spěvák
Rubrik: Ereignisse ~ Seite: 5
Das Volumen an Strom, das Haushalte, Unternehmen und Gemeinden untereinander geteilt haben, erreichte im März dieses Jahres einen Rekordwert von 11,4 GWh. Das ist fast viermal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und ein Fünftel mehr als während des bisherigen Höchststands im August. In Tschechien teilen inzwischen mehr als 41.000 Teilnehmer Strom miteinander. Fachleute weisen jedoch auf unnötig hohe Energieverluste hin.
Die insgesamt seit Einführung des Systems im Jahr 2024 geteilte Energiemenge erreichte fast 80 GWh. Laut dem Elektroenergetischen Datenzentrum (EDC) entspricht dies dem Verbrauch von etwa 26.000 Haushalten, also ungefähr einer Stadt von der Größe Mosts. Die Anfänge verliefen allerdings sehr langsam. Die Grenze von insgesamt 5 GWh pro Monat überschritten die Teilnehmer erstmals im Mai vergangenen Jahres.
Die Zahlen steigen jedoch weiter. Nach aktuellen Daten tauschten die Teilnehmer allein im März 11,4 GWh Strom untereinander aus – ein Rekordwert. Entscheidend waren neben der steigenden Zahl angeschlossener Standorte auch die überdurchschnittlich vielen Sonnentage.
Die durchschnittliche Sonnenscheindauer erreichte 174 Stunden, was 139 Prozent des Durchschnitts der Jahre 1991 bis 2020 entspricht. Damit herrschten ideale Bedingungen für die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen.
„Das Wetter im März hat in der Praxis gezeigt, wie effektiv das Teilen in Kombination mit Photovoltaik als Instrument der gemeinschaftlichen Energieversorgung ist. Das Rekordvolumen des geteilten Stroms, das die Werte vom März des vergangenen Jahres um das Vierfache überstieg, bestätigt, dass die Dezentralisierung der Energiewirtschaft in Tschechien aufgehört hat, nur Theorie zu sein, und zu einem Massenphänomen geworden ist. Menschen und Unternehmen haben gelernt, die Frühlingssonne maximal zu nutzen“, erklärte der Geschäftsführer des EDC, Petr Kusý.
Systemische Bremsen….
Ende März waren in Tschechien mehr als 41.000 Erzeugungsstellen und 25.000 Verbrauchsstellen registriert, die sich am Stromteilen beteiligen. Die Gesamtzahl der Sharing-Gruppen erreichte 24.355. Die Zahl der registrierten Energiegemeinschaften überschritt die Marke von 150. Obwohl die größte Gruppe weiterhin die sogenannten aktiven Kunden bilden, wächst die Zahl der Mehrfamilienhäuser dynamisch; beim EDC sind bereits 1.015 registriert.
„Die Zahl der Energiegemeinschaften ist im März sechsmal stärker gewachsen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, ergänzte Petr Kusý.
Trotz der Rekordzahlen stößt die gemeinschaftliche Energieversorgung auf Hindernisse. Die Union für Gemeinschaftsenergie weist in ihrer neuen Analyse darauf hin, dass die größte Barriere weiterhin das Fehlen einer dynamischen Methode zur Verteilung des geteilten Stroms (des sogenannten dynamischen Allokationsschlüssels) ist. Deren Einführung ist derzeit an die vollständige Inbetriebnahme des Elektroenergetischen Datenzentrums gekoppelt.
Wegen des Fehlens dieser technischen Lösung kommt es zu einer paradoxen Situation: Energiegemeinschaften verlieren bis zu 50 Prozent des erzeugten Stroms, der ansonsten innerhalb der Gemeinschaft genutzt werden könnte.
/gr/
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick
ČTK
14. Mai 2026
Der Energiekonzern ČEZ hat im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 14,5 Milliarden Kronen erzielt. Der Nettogewinn der Gruppe stieg damit im Jahresvergleich um 13 Prozent, was laut dem Unternehmen auf das Auslaufen der Besteuerung außerordentlicher Gewinne durch die sogenannte Windfall Tax zurückzuführen ist, teilte die Firma heute in einer Pressemitteilung mit.
Die Betriebserträge gingen hingegen um neun Prozent zurück und erreichten 85 Milliarden Kronen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank um 18 Prozent auf 35,3 Milliarden Kronen. Nach Angaben von ČEZ ist dies auf niedrigere Realisierungspreise für erzeugten Strom zurückzuführen. Gleichzeitig gab die Gruppe heute bekannt, ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben zu haben.
„Die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals haben die ursprünglichen Erwartungen übertroffen. Dazu beigetragen haben vor allem der stabile Betrieb der Erzeugungsanlagen, ein relativ kalter Winter sowie die vorsichtige Einkaufsstrategie der Vertriebsgesellschaften. Nach den Projektvorbereitungen ist es uns gelungen, die Investitionen in moderne und emissionsfreie Energie deutlich zu erhöhen. Insgesamt beliefen sich die Investitionen auf 16 Milliarden Kronen, was einem Anstieg von mehr als dem Doppelten im Jahresvergleich entspricht“, erklärte der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor von ČEZ, Daniel Beneš.
Die Investitionstätigkeit konzentrierte sich insbesondere auf emissionsfreie Energiequellen, die Modernisierung und Verstärkung der Verteilnetze sowie die Vorbereitung strategischer Energieprojekte. Begonnen wurde zudem mit dem Bau der Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen (ZEVO) in Mělník.
Das Stromerzeugungsvolumen von ČEZ sank im ersten Quartal im Jahresvergleich um vier Prozent auf 13,8 Terawattstunden (TWh). Die Stromverteilung im Netzgebiet von ČEZ Distribution stieg hingegen um vier Prozent auf 9,9 TWh, kalender- und klimabereinigt um zwei Prozent. Die Gasverteilung im Gebiet der GasNet-Gruppe nahm um acht Prozent auf 25,5 TWh zu.
„Drei Prozentpunkte entfielen auf das kältere Wetter, die restlichen fünf Prozent sind eine Folge der Übernahme der Gesellschaft Gas Distribution“, teilte das Unternehmen mit.
Die ČEZ-Gruppe hat ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Beim EBITDA erwartet sie nun 107 bis 112 Milliarden Kronen, der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 30 und 34 Milliarden Kronen liegen.
„Der Hauptgrund für die Anhebung der Prognose ist der Anstieg der Realisierungspreise in der Stromerzeugung sowie ein höheres Produktions- und Fördervolumen infolge der Krise im Persischen Golf und des Anstiegs der Marktpreise für Energie-Rohstoffe“, erklärte ČEZ.
ČEZ ist das größte Energieunternehmen in Tschechien. Mehrheitseigentümer ist der Staat, der über das Finanzministerium rund 70 Prozent der Aktien hält. Der Rest befindet sich im Besitz von Minderheitsaktionären. Die Regierung aus ANO, SPD und Motoristen plant die Verstaatlichung des Unternehmens.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... cni-vyhled
/gr/
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
ČTK
13. Mai 2026, oenergetice.cz
Die Region Zlín nimmt Stellung zum Entwurf der Beschleunigungsgebiete für den Bau von Wind- und Solarkraftwerken. Die Region wird ihre Anmerkungen am Donnerstag an das Ministerium für regionale Entwicklung übermitteln und fordert, dass diese im Entwurf berücksichtigt werden, teilte die Sprecherin der Regionalverwaltung, Soňa Ličková, heute der ČTK – Agentur mit. Die Änderungen betreffen die Gebiete Býškovice, Kunovice, Kelč und Lukoveček. In ihren Einwänden weist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore hin, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind, erklärte die Sprecherin.
Die von der Regierung vorgeschlagenen Zonen, die den Bau von Wind- und Solarkraftwerken in Tschechien beschleunigen sollen, stoßen in der Region Zlín auf den Widerstand der Kommunalverwaltungen. Der Regionshauptmann Radim Holiš (ANO) erklärte vergangene Woche in der Regionalversammlung, dass die Region die Meinung der Gemeinden zu den vorgeschlagenen Beschleunigungsgebieten respektieren werde.
„Als Rat der Region Zlín reagieren wir auf die Stellungnahmen der Gemeinden, die sich zum Vorschlag des Ministeriums geäußert haben. Wir respektieren ihre Positionen und werden uns als Region nicht in ihre Entscheidungen einmischen. Alle Stellungnahmen werden wir morgen (Donnerstag) an das Ministerium senden“, sagte Holiš.
Die Regionen können den Entwurf bis zum 15. Mai kommentieren.
In ihren Einwänden verweist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind. „Dabei handelt es sich beispielsweise um geplante Straßenbauprojekte oder Korridore für Gaspipelines“, erklärte der Regionshauptmann.
Im Fall des Gebiets Lukoveček weist die Region außerdem auf mögliche negative Auswirkungen auf Landschaft und Umwelt hin. Der vorgeschlagene Standort liegt in der Nähe des Naturparks Hostýnské vrchy und betrifft hochwertige landwirtschaftliche Flächen.
„Der Bau von Windkraftanlagen könnte das Landschaftsbild dieses Gebiets beeinträchtigen“, sagte Holiš.
Die Regionalräte unterstützten im Einklang mit einem Beschluss der Regionalversammlung die Stellungnahmen von fast drei Dutzend Städten und Gemeinden, die mit der vorgeschlagenen Abgrenzung der Beschleunigungsgebiete nicht einverstanden sind.
„Ihre Stellungnahmen können Gemeinden und Bürger noch bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung senden. Sämtliche Stellungnahmen von Gemeinden, Vereinen und Bürgern zu den geplanten Beschleunigungsgebieten, die die Region Zlín erhalten hat oder bis Ende Mai noch erhalten wird, wird sie spätestens bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung weiterleiten, das für deren Bewertung und Bearbeitung verantwortlich ist“, erklärte die Sprecherin.
Der Staat rechnet in der Region Zlín mit der möglichen Entstehung von fünf Beschleunigungsgebieten für die Stromerzeugung aus Windenergie. Der Bau von Solaranlagen soll durch sechs Beschleunigungsgebiete ermöglicht werden.
Quelle: https://oenergetice.cz/obnovitelne-zdro ... ada-upravy
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
E.Sequens: Abfall für die Ewigkeit.
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden.
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL - Die geisterstadt, die niemals starb.
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer.
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick.
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
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Abfall für die Ewigkeit
13.05.2026 Wochenzeitung A2 Autor: EDVARD SEQUENS
Rubrik: Gesellschaft - Seite: 30
ULTIMATUM
Die tschechische Regierung beschäftigt sich mit einem verzwickten Problem: Wohin mit dem Abfall aus den Kernreaktoren, den niemand haben will und der noch mehrere Hunderttausend Jahre gefährlich bleiben wird? Einen Plan haben die staatlichen Behörden – seine aktuelle Version wird gerade einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Aber ist er gut?
Die Atomindustrie bemüht sich darum, hochradioaktive Brennelemente, die nach mehreren Jahren aus den Reaktoren entnommen werden, nicht als Abfall, sondern als zukünftigen Rohstoff zu bezeichnen. Im Industrieministerium sieht man das jedoch anders, denn man rechnet mit dem schnellen Bau eines tiefengeologischen Endlagers für hochradioaktive Abfälle und dessen Inbetriebnahme im Jahr 2050. Das Konzept entstand allerdings ohne einen Vergleich der Vorteile und Auswirkungen weiterer potenzieller Varianten, wie man es eigentlich erwarten würde. Denkbar wären unter anderem eine langfristige Lagerung bis zur Findung einer akzeptablen Lösung (Konzept der übergebenen Verantwortung), die Errichtung eines gemeinsamen internationalen Endlagers im Ausland oder die weitere Nutzung wiederaufbereiteten abgebrannten Brennstoffs in Reaktoren.
Im Fall eines tiefengeologischen Endlagers steht eine größere Lagerfläche im Spiel, zudem mit höherem Risiko einer Beeinträchtigung des Grundwassers, sowie eine längere Bauzeit mit einer größeren Menge an Aushubmaterial, als bisher angenommen wurde. Der Grund dafür ist das ambitionierte tschechische Atomprogramm: die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren in Dukovany und Temelín, der geplante Bau von bis zu vier neuen großen sowie sechs modularen Reaktoren in der Größe derjenigen von Dukovany. Dadurch kommen Tausende Tonnen Abfall hinzu, die entsorgt werden müssen. Die kürzlich angekündigte Verlängerung des Betriebs des Kernkraftwerks Dukovany auf achtzig Jahre wird sogar ein größeres Volumen abgebrannten Brennstoffs bedeuten, als im Konzept vorgesehen ist. Und falls am ausgewählten Standort für das Endlager in einem halben Kilometer Tiefe keine ausreichend ausgedehnte, unzerklüftete und qualitativ hochwertige Gesteinsschicht vorhanden sein sollte, müssten in Tschechien sogar zwei Endlager entstehen – was übrigens auch die zuständige Endlagerverwaltung SURAO zulässt.
Und hier kommen wir zum Geld. Dass Kernenergie teuer ist, ist allgemein bekannt. Doch es geht nicht nur um die Kosten neuer Reaktoren. Die sichere Lagerung sämtlicher radioaktiver Abfälle soll 560 Milliarden Kronen kosten, davon allein das tiefengeologische Endlager etwa 270 Milliarden (zu Preisen von 2024). Der Energiekonzern ČEZ zahlt zwar gesetzlich vorgeschriebene Gebühren an den Staat, damit dieser das Abfallproblem übernimmt, wie sich jedoch zeigt, könnte das nicht ausreichen.
Da der radioaktive Abfall für die Ewigkeit bei uns bleiben wird, sollte der Prozess der Standortsuche für ein tiefengeologisches Endlager gegenüber der Öffentlichkeit transparent sein, insbesondere gegenüber den Kommunalverwaltungen und den Bewohnern der betroffenen Gemeinden – also im Böhmerwaldvorland bei Horažďovice, bei Temelín, unter dem Berg Čeřínek in der Region Jihlava oder in der Nähe von Třebíč. Bislang ist das nicht ganz der Fall, wie die Proteste der Bürgermeister aus diesen Orten zeigen.
Werden wir noch eine Veränderung zum Besseren erleben?
/gr/
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden
14.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Viktor Votruba
Rubrik: Verkehr - Seite: 11
Energie:
Die Einbindung großer Batteriespeicher in die Energiewirtschaft wird zu sinkenden Strompreisen auf dem Markt führen. Eine neue Analyse zeigt, wie sich diese Preise verändern könnten und welche Batteriekapazitäten Europa dafür benötigt. Davon werden Endkunden profitieren, doch auch Investoren in große Photovoltaikkraftwerke werden nicht leer ausgehen. Laut der genannten Analyse von SolarPower Europe, dem wichtigsten europäischen Branchenverband der Solarenergie, wird die Integration von Batterien ins Netz den Wert von Solarstrom um mehr als 70 Prozent steigern.
Solaranlagen erzeugen Strom gleichzeitig – nämlich dann, wenn die Sonne scheint – und können dadurch so viel Elektrizität ins Netz einspeisen, dass der Strompreis bis in den negativen Bereich fällt. Allein im vergangenen Jahr gab es insgesamt 392 Stunden mit negativen oder null Strompreisen, also mehr als 16 Tage von 365. Dabei kommt es zur sogenannten Kannibalisierung: Photovoltaikanlagen sägen sich gewissermaßen selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen, weil sie zur gleichen Zeit produzieren. Die Lösung sind Batteriespeicher, die den günstigen Strom für Zeiten mit höherem Bedarf speichern.
Für die Stabilität des Netzes ist es laut der Studie notwendig, dass die Batteriekapazität in der EU bis zum Jahr 2030 auf 600 GWh steigt – das ist das Achtfache der Kapazität des vergangenen Jahres. Zwar werden Batterien bereits in großem Umfang gebaut, doch der Ausbau müsste deutlich schneller erfolgen. Beim derzeitigen Tempo würde die Gesamtkapazität im Jahr 2030 lediglich auf 267 GWh steigen (etwa das Dreifache des Jahres 2025).
„Die tschechische Debatte über die Nutzung von Solarenergie dreht sich häufig vor allem um die Installation von Solarmodulen auf Einfamilienhäusern. Im europäischen Kontext gilt Solarenergie jedoch als ein Schlüsselakteur für die grundlegende Transformation der Energiewirtschaft. Die Diskussion betrifft nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Unternehmens- und Freiflächenanlagen, kombiniert mit Batterien und der Einbindung von Flexibilität“, sagt Jan Krčmář, Geschäftsführer des tschechischen Solarverbands. Mit der Situation in Tschechien wird sich die Konferenz „Solarenergie und Speicherung“ befassen, die Ende Mai in Prag stattfindet.
Die Analyse von SolarPower Europe konzentriert sich hauptsächlich auf den Vergleich zweier zentraler Szenarien für die Entwicklung der europäischen Energiewirtschaft bis 2030.
Das erste Szenario „Base Case“ (Business-as-usual) basiert auf den aktuellen Entwicklungstrends und den bestehenden Investitionsbedingungen. Demnach würde die EU ihre Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien nicht erreichen.
Das zweite Szenario „Solar+“ geht von einem schnelleren Ausbau von Photovoltaik und Speichern aus, was zur Erreichung der Klimaziele der EU führen soll. Und nicht nur das: Laut SolarPower Europe würde dieses Szenario auch die Betriebskosten des Stromsystems halbieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Fossile Brennstoffe und CO₂-Zertifikate machen heute 78 Prozent der Kosten des Stromsystems aus, sodass ihr Ersatz durch heimische erneuerbare Energiequellen zu niedrigeren Preisen führen wird.
Die Analyse geht davon aus, dass die jährlichen Betriebskosten des gesamten EU-Stromsystems dank der drastischen Einschränkung der Nutzung fossiler Brennstoffe von 112 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 55 Milliarden Euro im Jahr 2030 sinken würden.
Gegner eines schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien warnen häufig vor Preisinstabilität. Die Analyse behauptet jedoch das Gegenteil – vorausgesetzt, der Ausbau wird von Batteriespeichern begleitet.
Während fossile Energiequellen wegen der Brennstoffkosten teuer im Betrieb sind, machten die Betriebskosten der erneuerbaren Energiequellen selbst (wie Wind und Sonne) sowie der Verteilnetze laut der Analyse im Jahr 2025 in der EU nur etwa 0,5 Prozent der gesamten Betriebskosten des Systems aus. Deshalb führt ihr massiver Ausbau zu einer so deutlichen Senkung der Gesamtkosten.
Die Analyse berechnet auch konkrete Auswirkungen auf die Großhandelspreise für Strom. Das Basisszenario („Base Case“) geht von einem Rückgang auf 69 Euro/MWh aus, während „Solar+“ 63 Euro/MWh prognostiziert. Derzeit liegt dieser Strompreis bei rund 99 Euro/MWh.
viktor.votruba@hn.cz
/gr/
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL
14.05.2026 Monatszeitung Mladý svět / Junge Welt Autorin: Lenka Němečková
Seite: 38
Die Geisterstadt, die niemals starb
Was fällt Ihnen ein, wenn man Tschernobyl sagt? Haben Sie die Ereignisse des Frühjahrs 1986 selbst erlebt? Haben Sie eine Dokumentation, einen Film oder die beliebte HBO-Serie gesehen? Die Katastrophe des Kernkraftwerks wirkt als derart abschreckendes Beispiel für Machtmissbrauch, dass man sich kaum gegen Gedanken wehren kann, was alles hätte passieren können, wenn …
In der Nacht des 26. April 1986 blieb in Tschernobyl die Zeit stehen und die Welt erbebte. Im Reaktor Nummer 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl kam es infolge einer Überhitzung zu einer Explosion. Die Detonation riss das Dach des Gebäudes weg und eine radioaktive Wolke, größer als jene von Hiroshima, gelangte in die Atmosphäre. Die gesamte Katastrophe war nicht nur ein technisches Versagen oder ein tragisches menschliches Fehlverhalten. Sie war das Scheitern eines ganzen Systems politischer Arroganz und ein Symbol für den Zerfall einer totalitären Epoche. In Prypjat steht bis heute das Rathaus mit Uhren, die auf 1:23 zeigen. Die Zeit der Explosion.
Staatsideologie über der Physik….
Hätte das sowjetische System die Warnungen der Wissenschaftler und die Konstruktionsmängel der RBMK-Reaktoren nicht ignoriert, hätte die Geschichte völlig anders verlaufen können. Der Reaktor hatte eine fatale Schwäche, die Wissenschaftler als positiven Dampfblasenkoeffizienten bezeichneten. In dem Moment, als das Wasser im Reaktorkern zu kochen begann und Dampf entstand, stieg die Leistung des Reaktors statt zu sinken rapide an. Die Wissenschaftler wussten bereits Jahre vor dem Unglück von diesem Risiko. Doch in einer Atmosphäre aus Angst und dem Druck, die Ziele der Fünfjahrespläne zu erfüllen, wurden kritische Hinweise unter den Teppich gekehrt. Priorität hatten billiger Strom und das Bild einer technologischen Beherrschung der Natur. „Wir befehlen Wind und Regen!“
Ehrgeiz über die Vernunft hinaus….
Wäre es während des Sicherheitstests nicht zu einer verhängnisvollen Verkettung menschlicher Fehler und unglücklicher Zufälle gekommen, könnte Block 4 vielleicht noch heute in Betrieb sein. Die Ingenieure wollten herausfinden, ob die Trägheit der Turbine bei einem Stromausfall die Pumpen weiter antreiben könnte. Da der Test mehrfach verschoben worden war, wurde er schließlich von einer weniger erfahrenen Nachtschicht durchgeführt. Die Bedienmannschaft schaltete Sicherheitssysteme ab und geriet in eine Situation, die in den Simulationen nicht vorgesehen war. Der Reaktor war instabil, durch Xenon „vergiftet“ und lief mit gefährlich niedriger Leistung. Der Befehl, den Test dennoch fortzusetzen, war der letzte Nagel zum Sarg.
Die Wahrheit gefährlicher als die Strahlung...
Hätte das sowjetische Regime versucht, die Katastrophe nicht vor den eigenen Bürgern und der Welt zu verheimlichen, hätten Tausende Leben gerettet werden können. Während die radioaktive Wolke in den Himmel stieg, spielten Kinder in der nahegelegenen Stadt Prypjat im Sand und in Kiew bereitete man die Maidemonstrationen vor. Der Kreml schwieg drei Tage lang. Eine offizielle Mitteilung erfolgte erst, nachdem das schwedische Kernkraftwerk Forsmark Alarm ausgelöst hatte. Die dortigen Detektoren registrierten ungewöhnliche Strahlung. An den Schuhen der Mitarbeiter fand man radioaktiven Staub, den der Wind aus dem Osten herangetragen hatte. Erst der internationale Druck zwang Gorbatschow einzugestehen, dass etwas Schreckliches geschehen war.
Offiziell starben direkt bei der Katastrophe und an akuter Strahlenkrankheit 31 Menschen. Die Schätzungen der langfristigen Opfer reichen von 4.000 (laut Weltgesundheitsorganisation) bis zu mehreren Zehntausend. Schilddrüsenkrebs traf vor allem Kinder. In Belarus und im Norden der Ukraine blieb eine Narbe zurück, die Ärzte bis heute sehen. Die radioaktive Wolke zog Ende April und Anfang Mai 1986 auch über die damalige Tschechoslowakei. In Prag, Brünn und auf der Böhmisch-Mährischen Höhe sammelten die Menschen Pilze und Kinder spielten draußen. Die staatliche Propaganda sprach von „präventiven Maßnahmen“.
Heldentum gemessen in Röntgen….
Die ersten Feuerwehrleute liefen nur in leichten Uniformen zum Kraftwerk. Später kamen Tausende Liquidatoren – Soldaten, Bergarbeiter, Fahrer –, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. Sie kämpften gegen einen unsichtbaren Feind ohne ausreichenden Schutz. Viele wussten, dass sie in den Tod gingen, opferten aber ihr Leben, um eine weitere Explosion zu verhindern. Dank ihnen wurde Tschernobyl auch zu einem Symbol des Heldentums. Frauen pflegten in Krankenhäusern ihre verstrahlten Ehemänner, obwohl Ärzte sie warnten, sich ihnen nicht zu nähern. Die Körper der direkten Opfer waren selbst nach dem Tod noch radioaktiv.
Hätten sich die drei Tschernobyl-Taucher Alexei Ananenko, Waleri Bespalow und Boris Baranow nicht geopfert, hätten die Folgen für Europa katastrophal sein können. Nur wenige Tage nach der Explosion drohte der geschmolzene Brennstoff den Betonboden zu durchdringen und die Wasserbecken unter dem Reaktor zu erreichen. Die anschließende Dampfexplosion hätte Schätzungen zufolge auch die übrigen drei Reaktoren zerstört. So viel Radioaktivität wäre freigesetzt worden, dass die Hälfte des Kontinents für Jahrhunderte unbewohnbar geworden wäre. Diese Männer machten sich in völliger Dunkelheit und kontaminiertem Wasser daran, die Ventile manuell zu öffnen und die Becken zu entleeren. Sie überlebten, doch ihre Tat bleibt einer der größten Akte menschlichen Mutes der Geschichte.
„Drei Tage“ dauern ewig...
Hätten die Bewohner von Prypjat gewusst, dass sie nie wieder in ihre Häuser zurückkehren würden, wären sie nicht nur mit einigen Dingen und Dokumenten gegangen. Die Lautsprecherdurchsage versprach eine Evakuierung von lediglich drei Tagen wegen einer „ungünstigen Strahlungssituation“. Die Menschen ließen halb aufgegessene Mittagessen auf den Tischen stehen, Haustiere in Käfigen und in den Wohnungen ihr gesamtes bisheriges Leben. Aus drei Tagen wurden vierzig Jahre und Prypjat verwandelte sich in eine Geisterstadt. In der einst modernen sowjetischen Stadt für 50.000 Menschen überwuchern Birken die Spielplätze. In den Fenstern der Plattenbauten hängen Vorhänge, die niemand jemals abgenommen hat. Und trotzdem gibt es hier Leben. Wildes, unerwartetes, schönes.
Heute ist die dreißig Kilometer große Sperrzone paradoxerweise eines der größten Naturreservate Europas. Wölfe, Elche, Wildschweine und seltene Przewalski-Pferde sind zurückgekehrt. Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Natur schneller erholt, als irgendjemand erwartet hatte. Nur Menschen leben hier nicht mehr – abgesehen von einer Handvoll alter Einwohner, die trotz des Verbots zurückkehrten. Und Touristen. Der Tourismus in der Zone ist inzwischen ein offizielles Geschäft. Menschen kommen, um überwucherte Schwimmbäder, verlassene Kindergärten und das riesige Riesenrad zu fotografieren. Was alles Menschen wohl als Adrenalinerlebnis anzieht?
Ein zerbrechliches Betongrab...
Wäre der erste Betonsarkophag nicht hastig errichtet worden, hätte die Strahlung weiterhin unkontrolliert in die Umgebung entweichen können. Die Rettungskräfte arbeiteten in Bereichen, in denen sich die sichere Aufenthaltsdauer in Sekunden messen ließ. Nur dadurch konnte die Katastrophe unter Kontrolle gebracht werden. Seit dem Jahr 2016 wird der Reaktor vom modernen Stahlbogen „New Safe Confinement“ überdeckt. Es handelt sich um das größte bewegliche Bauwerk der Welt mit einem Gewicht von 36.000 Tonnen. Die Welt konnte aufatmen.
Hätte es in den vergangenen Jahren nicht die russische Invasion in der Ukraine und die Kämpfe in der Umgebung des Kraftwerks gegeben, hätten wir glauben können, Tschernobyl sei nur noch ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte.
Leider haben uns die Nachrichten vom Gegenteil überzeugt. Russische Soldaten begannen, sich im Roten Wald einzugraben – dem am stärksten kontaminierten Ort des Planeten. Das Aufwirbeln radioaktiven Staubs durch schweres Gerät und die Unterbrechung der Stromversorgung für die Kühlung abgebrannter Brennelemente erinnerten daran, wie fragil unsere Kontrolle über die Atomkraft ist, sobald menschliche Aggression ins Spiel kommt. Wie verletzlich unsere Vorstellung von Sicherheit sein kann, zeigte auch ein russischer Drohnenangriff im Februar 2025. Die Schutzkonstruktion wurde schwer beschädigt. Die Ukraine stellte Dutzende Millionen Euro für Reparaturen bereit, mit dem Ziel, sie bis zum Jahr 2030 wieder vollständig funktionsfähig zu machen.
Lehren als Notwendigkeit...
Hätte die Menschheit nicht aus Tschernobyl gelernt, würde die Kernenergie heute wahrscheinlich eine der größten Sicherheitsbedrohungen darstellen. Paradoxerweise führte die Tragödie jedoch zu einem enormen Fortschritt bei internationalen Kontrollmechanismen und zu offenerer Kommunikation. Jede Technologie ist nur so sicher, wie das System ehrlich und transparent ist, das sie kontrolliert.
Auch vierzig Jahre später bleibt die Sperrzone ein Mahnmal unserer Verletzlichkeit und eine Erinnerung daran, dass man mit den Naturgesetzen nicht verhandeln oder sie per Parteidekret außer Kraft setzen kann. Würden wir das vergessen, liefen wir Gefahr, dass sich die Geschichte in anderer Form wiederholt. Und das ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.
/gr/
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer
14.05.2026 0:00 Tageszeitung Českobudějovický deník Autor: Přemysl Spěvák
Rubrik: Ereignisse ~ Seite: 5
Das Volumen an Strom, das Haushalte, Unternehmen und Gemeinden untereinander geteilt haben, erreichte im März dieses Jahres einen Rekordwert von 11,4 GWh. Das ist fast viermal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und ein Fünftel mehr als während des bisherigen Höchststands im August. In Tschechien teilen inzwischen mehr als 41.000 Teilnehmer Strom miteinander. Fachleute weisen jedoch auf unnötig hohe Energieverluste hin.
Die insgesamt seit Einführung des Systems im Jahr 2024 geteilte Energiemenge erreichte fast 80 GWh. Laut dem Elektroenergetischen Datenzentrum (EDC) entspricht dies dem Verbrauch von etwa 26.000 Haushalten, also ungefähr einer Stadt von der Größe Mosts. Die Anfänge verliefen allerdings sehr langsam. Die Grenze von insgesamt 5 GWh pro Monat überschritten die Teilnehmer erstmals im Mai vergangenen Jahres.
Die Zahlen steigen jedoch weiter. Nach aktuellen Daten tauschten die Teilnehmer allein im März 11,4 GWh Strom untereinander aus – ein Rekordwert. Entscheidend waren neben der steigenden Zahl angeschlossener Standorte auch die überdurchschnittlich vielen Sonnentage.
Die durchschnittliche Sonnenscheindauer erreichte 174 Stunden, was 139 Prozent des Durchschnitts der Jahre 1991 bis 2020 entspricht. Damit herrschten ideale Bedingungen für die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen.
„Das Wetter im März hat in der Praxis gezeigt, wie effektiv das Teilen in Kombination mit Photovoltaik als Instrument der gemeinschaftlichen Energieversorgung ist. Das Rekordvolumen des geteilten Stroms, das die Werte vom März des vergangenen Jahres um das Vierfache überstieg, bestätigt, dass die Dezentralisierung der Energiewirtschaft in Tschechien aufgehört hat, nur Theorie zu sein, und zu einem Massenphänomen geworden ist. Menschen und Unternehmen haben gelernt, die Frühlingssonne maximal zu nutzen“, erklärte der Geschäftsführer des EDC, Petr Kusý.
Systemische Bremsen….
Ende März waren in Tschechien mehr als 41.000 Erzeugungsstellen und 25.000 Verbrauchsstellen registriert, die sich am Stromteilen beteiligen. Die Gesamtzahl der Sharing-Gruppen erreichte 24.355. Die Zahl der registrierten Energiegemeinschaften überschritt die Marke von 150. Obwohl die größte Gruppe weiterhin die sogenannten aktiven Kunden bilden, wächst die Zahl der Mehrfamilienhäuser dynamisch; beim EDC sind bereits 1.015 registriert.
„Die Zahl der Energiegemeinschaften ist im März sechsmal stärker gewachsen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, ergänzte Petr Kusý.
Trotz der Rekordzahlen stößt die gemeinschaftliche Energieversorgung auf Hindernisse. Die Union für Gemeinschaftsenergie weist in ihrer neuen Analyse darauf hin, dass die größte Barriere weiterhin das Fehlen einer dynamischen Methode zur Verteilung des geteilten Stroms (des sogenannten dynamischen Allokationsschlüssels) ist. Deren Einführung ist derzeit an die vollständige Inbetriebnahme des Elektroenergetischen Datenzentrums gekoppelt.
Wegen des Fehlens dieser technischen Lösung kommt es zu einer paradoxen Situation: Energiegemeinschaften verlieren bis zu 50 Prozent des erzeugten Stroms, der ansonsten innerhalb der Gemeinschaft genutzt werden könnte.
/gr/
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick
ČTK
14. Mai 2026
Der Energiekonzern ČEZ hat im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 14,5 Milliarden Kronen erzielt. Der Nettogewinn der Gruppe stieg damit im Jahresvergleich um 13 Prozent, was laut dem Unternehmen auf das Auslaufen der Besteuerung außerordentlicher Gewinne durch die sogenannte Windfall Tax zurückzuführen ist, teilte die Firma heute in einer Pressemitteilung mit.
Die Betriebserträge gingen hingegen um neun Prozent zurück und erreichten 85 Milliarden Kronen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank um 18 Prozent auf 35,3 Milliarden Kronen. Nach Angaben von ČEZ ist dies auf niedrigere Realisierungspreise für erzeugten Strom zurückzuführen. Gleichzeitig gab die Gruppe heute bekannt, ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben zu haben.
„Die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals haben die ursprünglichen Erwartungen übertroffen. Dazu beigetragen haben vor allem der stabile Betrieb der Erzeugungsanlagen, ein relativ kalter Winter sowie die vorsichtige Einkaufsstrategie der Vertriebsgesellschaften. Nach den Projektvorbereitungen ist es uns gelungen, die Investitionen in moderne und emissionsfreie Energie deutlich zu erhöhen. Insgesamt beliefen sich die Investitionen auf 16 Milliarden Kronen, was einem Anstieg von mehr als dem Doppelten im Jahresvergleich entspricht“, erklärte der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor von ČEZ, Daniel Beneš.
Die Investitionstätigkeit konzentrierte sich insbesondere auf emissionsfreie Energiequellen, die Modernisierung und Verstärkung der Verteilnetze sowie die Vorbereitung strategischer Energieprojekte. Begonnen wurde zudem mit dem Bau der Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen (ZEVO) in Mělník.
Das Stromerzeugungsvolumen von ČEZ sank im ersten Quartal im Jahresvergleich um vier Prozent auf 13,8 Terawattstunden (TWh). Die Stromverteilung im Netzgebiet von ČEZ Distribution stieg hingegen um vier Prozent auf 9,9 TWh, kalender- und klimabereinigt um zwei Prozent. Die Gasverteilung im Gebiet der GasNet-Gruppe nahm um acht Prozent auf 25,5 TWh zu.
„Drei Prozentpunkte entfielen auf das kältere Wetter, die restlichen fünf Prozent sind eine Folge der Übernahme der Gesellschaft Gas Distribution“, teilte das Unternehmen mit.
Die ČEZ-Gruppe hat ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Beim EBITDA erwartet sie nun 107 bis 112 Milliarden Kronen, der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 30 und 34 Milliarden Kronen liegen.
„Der Hauptgrund für die Anhebung der Prognose ist der Anstieg der Realisierungspreise in der Stromerzeugung sowie ein höheres Produktions- und Fördervolumen infolge der Krise im Persischen Golf und des Anstiegs der Marktpreise für Energie-Rohstoffe“, erklärte ČEZ.
ČEZ ist das größte Energieunternehmen in Tschechien. Mehrheitseigentümer ist der Staat, der über das Finanzministerium rund 70 Prozent der Aktien hält. Der Rest befindet sich im Besitz von Minderheitsaktionären. Die Regierung aus ANO, SPD und Motoristen plant die Verstaatlichung des Unternehmens.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... cni-vyhled
/gr/
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
ČTK
13. Mai 2026, oenergetice.cz
Die Region Zlín nimmt Stellung zum Entwurf der Beschleunigungsgebiete für den Bau von Wind- und Solarkraftwerken. Die Region wird ihre Anmerkungen am Donnerstag an das Ministerium für regionale Entwicklung übermitteln und fordert, dass diese im Entwurf berücksichtigt werden, teilte die Sprecherin der Regionalverwaltung, Soňa Ličková, heute der ČTK – Agentur mit. Die Änderungen betreffen die Gebiete Býškovice, Kunovice, Kelč und Lukoveček. In ihren Einwänden weist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore hin, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind, erklärte die Sprecherin.
Die von der Regierung vorgeschlagenen Zonen, die den Bau von Wind- und Solarkraftwerken in Tschechien beschleunigen sollen, stoßen in der Region Zlín auf den Widerstand der Kommunalverwaltungen. Der Regionshauptmann Radim Holiš (ANO) erklärte vergangene Woche in der Regionalversammlung, dass die Region die Meinung der Gemeinden zu den vorgeschlagenen Beschleunigungsgebieten respektieren werde.
„Als Rat der Region Zlín reagieren wir auf die Stellungnahmen der Gemeinden, die sich zum Vorschlag des Ministeriums geäußert haben. Wir respektieren ihre Positionen und werden uns als Region nicht in ihre Entscheidungen einmischen. Alle Stellungnahmen werden wir morgen (Donnerstag) an das Ministerium senden“, sagte Holiš.
Die Regionen können den Entwurf bis zum 15. Mai kommentieren.
In ihren Einwänden verweist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind. „Dabei handelt es sich beispielsweise um geplante Straßenbauprojekte oder Korridore für Gaspipelines“, erklärte der Regionshauptmann.
Im Fall des Gebiets Lukoveček weist die Region außerdem auf mögliche negative Auswirkungen auf Landschaft und Umwelt hin. Der vorgeschlagene Standort liegt in der Nähe des Naturparks Hostýnské vrchy und betrifft hochwertige landwirtschaftliche Flächen.
„Der Bau von Windkraftanlagen könnte das Landschaftsbild dieses Gebiets beeinträchtigen“, sagte Holiš.
Die Regionalräte unterstützten im Einklang mit einem Beschluss der Regionalversammlung die Stellungnahmen von fast drei Dutzend Städten und Gemeinden, die mit der vorgeschlagenen Abgrenzung der Beschleunigungsgebiete nicht einverstanden sind.
„Ihre Stellungnahmen können Gemeinden und Bürger noch bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung senden. Sämtliche Stellungnahmen von Gemeinden, Vereinen und Bürgern zu den geplanten Beschleunigungsgebieten, die die Region Zlín erhalten hat oder bis Ende Mai noch erhalten wird, wird sie spätestens bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung weiterleiten, das für deren Bewertung und Bearbeitung verantwortlich ist“, erklärte die Sprecherin.
Der Staat rechnet in der Region Zlín mit der möglichen Entstehung von fünf Beschleunigungsgebieten für die Stromerzeugung aus Windenergie. Der Bau von Solaranlagen soll durch sechs Beschleunigungsgebiete ermöglicht werden.
Quelle: https://oenergetice.cz/obnovitelne-zdro ... ada-upravy
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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