Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Verfasst: Mi 25. Mär 2026, 09:10
Auswahl von Zeitungsartikeln aus Tschechien vom 25.3.2026 zum Thema Energie:
Inhalt:
Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine.
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit.
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf.
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2.
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien.
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe.
Aufregung um Kernenergie und Gas.
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
----------
Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine
25.03.2026 Tageszeitung Právo ČTK
Techniker im Kernkraftwerk Temelín installierten während der Abschaltung des zweiten Blocks ein neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine. Das System misst die Rotationszeit der Schaufeln mit einer Genauigkeit von milliardstel Sekunden.
Es handelt sich um eine weitere Maßnahme, die dazu beitragen soll, einen mehr als sechzigjährigen Betrieb des Kraftwerks zu sichern, teilte gestern der Sprecher des Kraftwerks, Marek Sviták, mit.
„Obwohl Temelín ein relativ junges Kraftwerk ist, entstehen ständig neue Technologien. Und wenn sie aus Sicht von Effizienz und Sicherheit sinnvoll sind, setzen wir sie in größtmöglichem Umfang ein. Das gilt für die Turbinendiagnostik ebenso wie für eine Reihe weiterer Anlagen“, sagte Bohdan Zronek, Vorstandsmitglied von ČEZ und Direktor der Abteilung Kernenergie.
/gr/
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit
25.03.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 8 Autor : LUBOŠ PALATA
Die Europäische Union kehrt nach Jahren der Abkehr von der Kernenergie wieder verstärkt zur Nutzung der Atomkraft zurück – und das nicht nur rhetorisch oder durch ihre Einstufung als akzeptable Form der Stromerzeugung, sondern auch durch konkrete Unterstützung der Forschung.
Die Europäische Kommission kündigte in den vergangenen Tagen an, 330 Millionen Euro (rund acht Milliarden Kronen) in die Kernforschung zu investieren, um den Übergang zu sauberer Energie zu beschleunigen. Mit 222 Millionen Euro wird die Kernfusion gefördert, mit dem Ziel, das erste Fusionskraftwerk der EU ans Netz anzuschließen. Die übrigen Mittel fließen in Sicherheit, Spaltungstechnologie sowie Nuklearmedizin.
Das Programm Euratom 2026–2027 soll die Energieunabhängigkeit der EU stärken, ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Entwicklung von Fachkräften fördern und Europa dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 näherbringen.
„Die EU will ein weltweiter Vorreiter bei innovativen Nukleartechnologien sein, die entscheidend für unsere Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung sind“, erklärte Ekaterina Sachariewa, EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation.
„Deshalb arbeiten wir eng mit Forschern, Industrie, Start-ups und Regulierungsbehörden an der Sicherheit kleiner modularer Reaktoren (SMR) und an der Beschleunigung der Fusion – mit dem Ziel, als Erste die Fusion aus dem Labor ins Stromnetz zu bringen. Dafür müssen wir sicherstellen, dass unsere exzellenten wissenschaftlichen Erkenntnisse nahtlos in Innovationen und industrielle Anwendungen überführt werden“, sagte Sachariewa.
Auch die Entwicklungsstrategie von ČEZ sieht den Bau kleiner modularer Reaktoren vor. „Das Hauptziel des SMR-Programms der ČEZ-Gruppe ist es, bis Ende der 2040er Jahre in Tschechien eine installierte Leistung von 3.000 MW aus SMR aufzubauen. Der erste SMR ist am Standort Temelín geplant, weitere in nichtnuklearen Standorten Tušimice und Dětmarovice“, erklärt ČEZ.
/gr/
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf
24.3.2025, Novinky.cz
Die Haupt-Hochspannungsleitung zum ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja wurde unterbrochen, und das von Russland besetzte Kraftwerk ist nun auf eine Ersatzleitung angewiesen. Dies teilte am Dienstag die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) mit, die vor Ort dauerhaft ein Team stationiert hat. Die UNO- Organisation rief zu einem lokalen Waffenstillstand auf, um notwendige Reparaturen durchführen zu können.
„Das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja hat heute die Verbindung zur 750-kV-Leitung Dniprovska verloren und ist damit für die externe Stromversorgung auf eine einzige Ersatzleitung angewiesen“, erklärte die IAEA am Dienstag auf X-Netzwerk.
Der IAEA-Chef Rafael Grossi hat laut einer Erklärung Gespräche mit beiden Kriegsparteien aufgenommen, um einen lokalen Waffenstillstand auszurufen, der die Reparatur der beschädigten Stromleitung ermöglichen würde.
Das Kernkraftwerk Saporischschja, das als das größte in Europa gilt, befindet sich im ukrainischen Enerhodar, nahe der Frontlinie. Russland nahm die Anlage kurz nach Beginn seiner Invasion in die Ukraine im Februar 2022 ein.
https://www.novinky.cz/clanek/valka-na- ... i-40569623
/gr/
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2
25.03.2026 0:00 Monatszeitung PRO-ENERGY Autor: KAREL SEDLÁČEK
Vier Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Gravelines, des größten in Frankreich, wurden im vergangenen Jahr wegen eines Schwarms von Quallen in den Wasserpumpstationen für mehrere Monate abgeschaltet. Die Stromproduktion musste vorübergehend vollständig eingestellt werden, und der Ruf der einst vorbildlichen französischen Kernkraftwerke erlitt Kratzer. Wird Macrones Plan zur Erneuerung der alternden Nuklearflotte ein ähnliches Schicksal ereilen?
Ein Quallenschwarm, der vorübergehend das größte französische Kernkraftwerk stilllegte, wurde zum Symbol tieferliegender struktureller Probleme im Nuklearsektor des Landes. Jahrzehnte verdeckter Subventionen, alternder Reaktoren sowie zunehmender Verzögerungen und Kostenüberschreitungen werfen inzwischen ernsthafte Zweifel an der Umsetzbarkeit von Präsident Macrons ambitioniertem Plan einer nuklearen Renaissance auf.
Vier Reaktorblöcke im größten französischen Kernkraftwerk Gravelines, das an der Küste des Ärmelkanals liegt, wurden im vergangenen Jahr für mehrere Monate aufgrund eines Quallenschwarms in den Wasserpumpstationen abgeschaltet. Der Betreiber EDF (Électricité de France) meldete eine „massive und unvorhersehbare“ Ansammlung von Quallen in den Filtertrommeln im nichtnuklearen Teil des Kraftwerks. Die Stromproduktion wurde vorübergehend vollständig eingestellt, und der Ruf der französischen Kernkraftwerke nahm Schaden.
Die Sicherheit des Kraftwerks – etwa 20 Kilometer östlich von Calais – seiner Mitarbeiter sowie der Umwelt war zwar nicht gefährdet, doch da an den verbleibenden zwei Blöcken Wartungsarbeiten stattfanden, wurde die Stromproduktion der ganzen Kernenergieanlage vorübergehend komplett eingestellt. Dieser Vorfall ist jedoch nicht der erste seiner Art: Bereits im Jahre 2013 legten Quallen einen Reaktor auch in Schweden lahm.
ES GEHT NICHT NUR UM QUALLEN...
Der Vorfall in Gravelines zog während der sommerlichen Nachrichtenflaute große mediale Aufmerksamkeit auf sich und rückte Kernkraftwerke, ihre Wirtschaftlichkeit und die mögliche Destabilisierung des Energiesystems in den Fokus. Frankreich galt lange als Vorbild bei der Nutzung der Kernenergie, auch weil viele Probleme verborgen blieben. Staatliche Subventionen, unzureichende Rücklagen für die Lagerung von Atommüll und aufgeschobene Risiken hielten den Strompreis niedrig. Nun holen die tatsächlichen Kosten das Land ein – und sie sind enorm.
Zur Erinnerung: Nach der Ölkrise im Jahre 1973 investierte Frankreich massiv in die Kernenergie, um energiepolitische Unabhängigkeit zu erreichen. Die Regierung trieb den Ausbau im Rahmen des sogenannten Messmer-Plans voran, benannt nach Premierminister Pierre Messmer. Bis zum Jahr 1994 nahm das staatliche Unternehmen EDF 50 Reaktoren in Betrieb – rund 90 % der heutigen französischen Kernkraftwerke.
Frankreich baute einen starken Energiesektor auf und exportierte Strom. Die Preise blieben langfristig stabil und erschwinglich. Das benötigte Uran stammte aus anderen Ländern als Öl und Gas. Frankreich war zwar weiterhin auf Importe angewiesen, jedoch nicht ausschließlich auf das OPEC-Kartell. Bei der Stromerzeugung sparte das Land Millionen Tonnen CO₂ im Vergleich zu Ländern wie Deutschland oder Italien, die stark auf Kohle und Gas setzen.
Die niedrigen Strompreise wurden politisch beeinflusst – und teuer erkauft. Studien, Regierungsberichte und Parlamentsdokumente belegen dies. Selbst der Bau von Reaktoren wurde stark subventioniert, viele Kosten wurden schlicht verschoben. Der Betrieb von Kernkraftwerken war dagegen relativ günstig, sodass EDF lange Zeit problemlos Kredite bedienen konnte. Auf den ersten Blick erschien Kernenergie daher wirtschaftlich – zumindest, wenn man nur Bau und Betrieb betrachtet.
Während der Corona-Pandemie verschob Frankreich jedoch Wartungsarbeiten an den Kernkraftwerken auf später. Im Jahre 2022 wurde schließlich Korrosion festgestellt. Aufgrund schlechter Inspektionsergebnisse mussten gleichzeitig 30 von 56 Reaktoren abgeschaltet werden. Ironischerweise musste Frankreich gerade im Jahr der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Strom importieren.
Die meisten Reaktoren der sogenannten Messmer-Flotte wurden für eine Laufzeit von 40 Jahren gebaut. Um ihre Lebensdauer um zehn Jahre zu verlängern, werden sie nun kostspielig modernisiert – etwa eine Milliarde Euro pro Kraftwerk, insgesamt rund 50 Milliarden Euro.
Gleichzeitig müssen neue Reaktoren gebaut werden. Ein Beispiel ist Flamanville, das erste neue Kernkraftwerk seit 25 Jahren. Ursprünglich mit drei Milliarden Euro veranschlagt und für das Jahr 2012 geplant, kostete es letztlich 13 Milliarden und ging erst im Jahre 2024 in Betrieb. Der Staat unterstützte erneut mit günstigen Krediten und Garantien. Trotz dieser Hilfe hat EDF heute Schulden von über 50 Milliarden Euro. Im Jahre 2023 musste der französische Staat das Unternehmen vollständig übernehmen und weitere Milliarden investieren. Allein die staatlich finanzierte Kernforschung seit dem Jahr 1950 kostete rund 40 Milliarden Euro.
EIN PLAN VOLLER FRAGEZEICHEN
Im Jahre 2022 rief Präsident Macron eine Renaissance der Kernenergie aus und kündigte Pläne für bis zu 14 neue Reaktoren an. Frankreich betreibt derzeit 57 Kernkraftwerke, von denen einige als veraltet gelten. Ein Endlager für radioaktive Abfälle ist nahe der deutschen Grenze geplant.
EDF stellte inzwischen einen neuen Plan für den Bau von lediglich sechs EPR2-Reaktoren an den Standorten Penly, Gravelines und Bugey vor, der teurer ausfällt als zuvor angenommen. Die Kostenschätzung liegt nun bei 72,8 Milliarden Euro (Preisstand 2020), während EDF im Jahre 2023 noch mit 51,7 Milliarden rechnete. Der erste Reaktor in Penly soll frühestens im Jahre 2038 in Betrieb gehen. Weitere Reaktoren sollen laut aktuellem Plan in Abständen von 12 bis 18 Monaten folgen.
Für das Jahr 2026 genehmigte EDF ein Budget von 2,7 Milliarden Euro für das Programm, kann den Bau neuer Kernkraftwerke jedoch nicht ohne staatliche Unterstützung und Risikoteilung finanzieren. Geplant sind staatliche Subventionen, darunter ein subventionierter Kredit, der mindestens die Hälfte der Baukosten decken soll. Konkrete Vertragsdetails liegen bislang nicht vor; es handelt sich um einen Rahmenplan.
REAKTOR EPR2
EPR2 (European Pressurized Reactor 2) ist ein fortschrittlicher Druckwasserreaktor der Generation III+, entwickelt vom französischen Unternehmen EDF in Zusammenarbeit mit Framatome. Es handelt sich um eine optimierte Version des ursprünglichen EPR, basierend auf Erfahrungen aus Projekten in Frankreich (Flamanville), Finnland (Olkiluoto) und China (Taishan).
Die elektrische Nettoleistung beträgt etwa 1.670 MWe. Der EPR2 verwendet deutlich weniger Komponenten als sein Vorgänger (z. B. 250 Rohrtypen statt 400 und nur 571 Ventile gegenüber ursprünglich 13.300), was Kosten senken und den Bau beschleunigen soll. Zudem ist er für eine stärkere Nutzung vorgefertigter Bauteile ausgelegt.
Auch das Containment (Schutzhülle) wurde angepasst: Statt einer doppelten Wand kommt eine einzelne, sehr starke Wand mit Metallauskleidung zum Einsatz. Der Reaktor kann bis zu 30 % MOX-Brennstoff (wiederaufbereiteter Brennstoff) nutzen und ist für flexiblen Betrieb („Load follow“) ausgelegt, um erneuerbare Energien im Netz zu ergänzen. Die geplante Betriebsdauer beträgt mindestens 60 Jahre.
/gr/
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien
25.03.2026 Monatszeitung Respekt Spezial Autor: MARTIN UHLÍŘ
Chatbots und andere intelligente Maschinen werden bald mehr Energie verschlingen als das Bitcoin-Mining. Wie viel genau, weiß niemand.
Der Supercomputer Karolina in Ostrava befindet sich in zwei Reihen von Schränken, die zusammen mit weiterer Hardware eine Halle von der Größe einer kleineren Turnhalle füllen.
Mit seinem Erscheinungsbild wird er den „Helden“ von Science-Fiction-Geschichten wie dem intelligenten Computer HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke gerecht. Bewundernswert sind jedoch auch seine Leistungsdaten: Er rechnet wie mindestens 100.000 vernetzte Laptops und hat eine maximale Leistungsaufnahme von rund einem Megawatt. Würde er dauerhaft unter Volllast laufen – was in der Praxis meist nicht der Fall ist –, würde er so viel Strom verbrauchen wie eine gewöhnliche tschechische Kleinstadt mit mehr als tausend Haushalten. Der Großteil entfällt auf die Berechnungen selbst, ein Teil wird für Kühlung und Klimatisierung der Halle benötigt. Der Sauerstoffgehalt ist hier wegen der Brandgefahr von üblichen 21 Prozent auf 15 Prozent reduziert, was dem Atmen in einer Höhe von etwa 2.700 Metern entspricht.
Karolina befindet sich im IT4Innovations, dem nationalen Supercomputerzentrum an der Technischen Universität Ostrava, das sich vor allem mit wissenschaftlichen Berechnungen beschäftigt. Ein Aufenthalt im Inneren dieser Maschine kommt dem nahe, was ein Besucher sehen würde, der physisch in das „Gehirn“ moderner künstlicher Intelligenz eintreten könnte, wie sie von privaten Unternehmen entwickelt wird – etwa das populäre Sprachmodell ChatGPT von OpenAI. Allerdings nur hinsichtlich des Prinzips, nicht der Größe: Diese ist bei Karolina eher bescheiden. Die Hardware, auf der große Chatbots nach dem Training laufen, kann über mehrere Rechenzentren verteilt sein – also über zahlreiche große Gebäude, die an Lagerhallen oder Fabriken voller Serverschränke erinnern.
Die Gesamtfläche, die Sprachmodelle und andere KI-Anwendungen wie Übersetzer, fortschrittliche Suchmaschinen oder Videogeneratoren benötigen, ist unbekannt; Unternehmen wie Microsoft, Google oder OpenAI geben diese Informationen nicht bekannt. Ebenso behalten sie Angaben zum Energieverbrauch und zu weiteren Umweltkosten für sich, etwa Wasserverbrauch zur Kühlung oder Treibhausgasemissionen. Eine Offenlegung würde den Bemühungen widersprechen, künstliche Intelligenz ausschließlich positiv darzustellen.
Die negativen Auswirkungen lassen sich jedoch nicht ignorieren. In Chile trocknen durch den Wasserverbrauch von Rechenzentren wichtige Trinkwasserreservoirs aus. In Südafrika kollabiert das ohnehin überlastete Stromnetz. Ähnlich ist die Lage in Zentralmexiko, wo Microsoft ein großes Rechenzentrum eröffnet hat. Laut The New York Times berichten Einheimische von häufigeren Stromausfällen, unterbrochenen Krankenhausoperationen, Schulschließungen und verlängerten Wasserknappheiten, die sogar eine Hepatitis-Epidemie begünstigten. In Irland, wo Rechenzentren bereits rund ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs ausmachen, hat die Regierung ihren Ausbau in der Umgebung von Dublin eingeschränkt.
Die meisten Rechenzentren befinden sich in den USA, wo sie etwa fünf Prozent des Stromverbrauchs ausmachen, gefolgt von China und Europa. Weltweit wächst ihre Zahl rasant – und damit auch der Energiebedarf. „Große Unternehmen sichern sich Strom aus Kernkraftwerken. Eine typische Lösung ist jedoch ein Gaskraftwerk direkt neben dem Rechenzentrum“, erklärt Ondřej Vysocký von IT4Innovations. Gaskraftwerke liefern stabile Energie und lassen sich schnell errichten.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Welt. Sie dienen nicht nur der KI, sondern auch der Cloud-Speicherung, wissenschaftlichen Berechnungen, Unternehmensentwicklung und dem Mining von Kryptowährungen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) wird sich ihr Energieverbrauch bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln – und KI wird der Haupttreiber dieses Wachstums sein. Ein aktuelles großes KI-Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie 100.000 Haushalte, während die größten im Bau befindlichen Anlagen den Verbrauch von zwei Millionen Haushalten erreichen sollen. Der genaue Anteil der KI am Gesamtverbrauch bleibt jedoch unklar.
Damit befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Künstliche Intelligenz ist eine Art Black Box – sowohl in Bezug auf ihre Funktionsweise als auch auf ihre Auswirkungen auf den Planeten. Selbst Experten verstehen nicht vollständig, wie sie „denkt“, und Wissenschaftler außerhalb der Industrie müssen sie wie ein fremdes Objekt untersuchen.
Fünf Temelíns sind nur der Anfang….
Noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts glaubten viele Wissenschaftler, dass für eine KI auf dem Niveau eines promovierten Experten ein spektakulärer Durchbruch nötig sei – etwa die Verbindung von Siliziumchips mit menschlichen Neuronen. Heute ist diese Intelligenz Realität – und sie entstand einfacher: durch massive Erhöhung der Rechenleistung. Je größer das „Computergehirn“, desto leistungsfähiger ist es. Ähnlich wie in der Natur führt Wachstum zu überraschenden Sprüngen in den Fähigkeiten.
Das hat jedoch seinen Preis. Laut Schätzungen von Live Science verbrauchte allein das Training des Sprachmodells GPT-4 rund 50 Gigawattstunden Energie – etwa so viel Strom, wie 50 Temelín-Reaktoren in einer Stunde erzeugen könnten. Diese Energiemenge könnte eine Stadt wie San Francisco etwa drei Tage lang versorgen.
Dabei ist GPT-4 nur eines von vielen Modellen, und das Training ist erst der Anfang. Der Betrieb selbst ist theoretisch weniger energieintensiv, doch die enorme Nutzerzahl gleicht das aus: ChatGPT verarbeitet laut OpenAI täglich rund 2,5 Milliarden Anfragen. Jede einzelne benötigt wenig Energie, doch in Summe entsteht ein erheblicher Verbrauch. Große KI-Rechenzentren verbrauchen daher so viel Strom wie kleinere Städte.
Wie hoch ist der Gesamtverbrauch? Einer der Experten, die das untersuchen, ist der niederländische Wissenschaftler Alex de Vries-Gao von der Freien Universität Amsterdam. Da Unternehmen keine Daten veröffentlichen, nutzt er indirekte Methoden – etwa die Produktionskapazitäten von Hardwareherstellern wie TSMC. Diese würden vollständig ausgelastet, so de Vries-Gao.
„Man könnte einwenden, dass die gekaufte Hardware nicht voll genutzt wird“, erklärt er. „Aber stellen Sie sich vor, Sie hätten 200.000 teure Server und ließen sie ungenutzt – das wäre ziemlich seltsam.“
Unter der Annahme, dass alle Server laufen, schätzt er, dass KI Ende des Jahres 2024 weltweit etwa zehn Gigawatt Leistung benötigte. Das entspricht mehr Strom als Länder wie Tschechien, Österreich oder Finnland verbrauchen. Gleichzeitig wäre dieser Bedarf noch mit etwa fünf Kernkraftwerken wie Temelín zu decken – also bislang kein gigantischer Wert. Er liegt deutlich unter dem Energieverbrauch des Bitcoin-Minings und macht etwa ein Fünftel des Verbrauchs aller Rechenzentren (ohne Krypto-Mining) aus.
Besorgniserregend ist jedoch das Wachstum: Bis Ende 2025 könnte der Verbrauch laut de Vries-Gao auf 23 Gigawatt steigen – mehr als eine Verdopplung. Damit würde KI das Bitcoin-Mining übertreffen und sich dem Stromverbrauch Großbritanniens annähern. Ob diese Prognose zutrifft, wird sich im Jahre 2026 zeigen, wenn klar ist, ob die Kunden der Hardwarehersteller tatsächlich die gesamte Produktion ausgeschöpft haben.
/gr/
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe
25.03.2026 Wochenzeitung Nástup Seite 3 Autorin: E. Minaříková
NORDBÖHMEN – Exkursionen in die Produktionsbetriebe der ČEZ-Gruppe erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit – sowohl im Rahmen des Schulunterrichts als auch im individuellen Industrietourismus. Die Infocenter und Kraftwerke von ČEZ wurden im vergangenen Jahr von insgesamt 297.000 Besuchern besichtigt – persönlich, online oder mithilfe von Virtual Reality.
Gerade VR erfreute sich großer Nachfrage: 145.000 Interessierte nutzten VR-Brillen für einen virtuellen Besuch, das sind um 10.000 mehr als im Jahr 2024. Physisch besuchten insgesamt 152.000 Menschen ausgewählte Anlagen des Energieunternehmens. Einen Anteil daran haben auch einige Standorte in Nordböhmen mit 12.893 Besuchern.
Traditionell verzeichnete das Infocenter der ČEZ-Gruppe im Kraftwerk Ledvice die meisten Besucher – und zwar einen Rekordwert von 11.211. Das sind 1.211 mehr als im Jahr 2024, womit die Gesamtbesucherzahl bereits zum zweiten Mal in Folge die symbolische Marke von 10.000 überschritt. Dieser Grenze hatte sich das Infocenter bereits 2023 genähert, als nur 138 Besucher fehlten.
Die Besucher des vergangenen Jahres bestanden vor allem aus Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden von Grund-, Mittel- und Hochschulen aus der gesamten Republik, darunter auch Kinder aus Kindergärten in der Umgebung des Kraftwerks. Zahlreich waren zudem Wochenend- und insbesondere Ferienbesuche von Familien mit Kindern im Rahmen des Industrietourismus.
Das Infocenter wurde auch von Ausländern besucht – insgesamt 302 Personen. Neben Bürgern aus EU-Staaten kamen im Rahmen ihrer Aufenthalte in der Tschechischen Republik – sei es privat oder beruflich – auch Besucher aus England, Nordmazedonien, den USA, Japan, der Schweiz, Kanada und Island. Fünf Besucher reisten sogar aus Sambia/Lesotho an.
/gr/
Aufregung um Kernenergie und Gas
25.03.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autorin: Dáša Hyklová
Rubrik: Wirtschaft - Seite: 11
Die Ausgestaltung der EU-Taxonomie gefährdet Dekarbonisierungspläne.
Die sogenannte EU-Taxonomie ist gewissermaßen ein europäischer grüner Fahrplan. Dieses komplexe Klassifikationssystem mit dem Anspruch zu definieren, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten ökologisch nachhaltig sind, trat vor sechs Jahren im Juli in Kraft. Konkrete Verpflichtungen für Unternehmen und Investoren wurden jedoch schrittweise eingeführt. Seitdem bemühen sich Unternehmen, die damit verbundenen starren Tabellen auszufüllen, um Subventionen, grüne Zertifikate oder günstigere Kredite zu erhalten.
Nachdem viele über die extreme bürokratische Belastung geklagt hatten, leitete die Europäische Kommission eine Bereinigung ein. Änderungen brachte das sogenannte Omnibus-Paket; zudem startete die Kommission im März eine öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der technischen Kriterien der Taxonomie. Unternehmen, Verbände, Experten und auch Einzelpersonen können sich bis Mitte April dazu äußern. Anschließend wird die Kommission die Vorschläge final anpassen und plant, sie im Sommer zu verabschieden. Danach haben das Europäische Parlament und der Rat der EU zwei bis vier Monate Zeit für die Prüfung.
Worum geht es eigentlich?
Zu den sechs Hauptzielen der EU-Taxonomie gehören die Abschwächung des Klimawandels, die Anpassung an den Klimawandel, die nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einschließlich Recycling und Reparatur, die Vermeidung und Verringerung von Umweltverschmutzung sowie der Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.
Damit Stromerzeugung als nachhaltig gelten kann, muss sie wesentlich zu mindestens einem dieser sechs Ziele beitragen, darf keines der übrigen fünf erheblich beeinträchtigen und muss zudem minimale soziale Standards wie Menschenrechte und Arbeitsbedingungen einhalten.
In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Unternehmen in einem Bereich „grün“ sein will – etwa bei der Installation von Solaranlagen –, muss es nachweisen, dass es die Biodiversität nicht schädigt. Entscheidet es sich beispielsweise, ein Solarkraftwerk auf einer alten Brachfläche zu errichten, beauftragt es einen Experten, der sicherstellt, dass alles mit der Taxonomie im Einklang steht – etwa dass die Installation auf Betonflächen keine seltenen Tierarten gefährdet.
„Die Taxonomie sollte ein Regelwerk unter anderem für den Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft sein. In ihrer jetzigen Form ist sie jedoch ein absurder Unsinn, und eine Welt nach der Taxonomie ist weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar, geschweige denn nachhaltig. Niemand in der Energiewirtschaft glaubt, dass die festgelegten Bedingungen erfüllbar sind“, warnt Michal Macenauer, Strategiechef der Beratungsfirma EGU.
Gas und Kernenergie im Nachteil
Experten warnen jedoch, dass die Bürokratie, die Brüssel derzeit abbauen will, bei der Taxonomie nur ein zweitrangiges Problem ist. Die größte Kontroverse und mögliche künftige Komplikationen betreffen die strengen Fristen für die Nutzung von Kernenergie und Erdgas. Genau darüber müsse jetzt ernsthaft diskutiert werden.
Die Aufnahme von Kernenergie und Gas in die EU-Taxonomie war eine der meistbeachteten Entscheidungen in der Geschichte der europäischen Energiepolitik. Die Debatte dauerte Jahre und mündete schließlich in einen sogenannten ergänzenden delegierten Rechtsakt, der beiden Energiequellen ein „grünes Label“ verlieh – allerdings mit vielen Einschränkungen. Die EU erkannte an, dass Kernenergie nur minimale Treibhausgasemissionen verursacht und das Netz stabilisieren kann. Damit sie jedoch als nachhaltig gilt, müssen neue Kernkraftwerksprojekte bis 2045 eine Baugenehmigung erhalten. Bestehende Anlagen können als nachhaltig gelten, wenn ihre Modernisierung bis zum Jahr 2040 genehmigt wird. Der Staat muss zudem einen detaillierten Plan und finanzielle Mittel für ein tiefengeologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle vorweisen, das bis zum Jahr 2050 in Betrieb sein muss. Außerdem müssen die besten verfügbaren Technologien, also Reaktoren der Generation III, eingesetzt werden.
Wie der Verband der Energiewirtschaft der Tschechischen Republik (SEČR) betont, ist Kernenergie unter den Bedingungen der Tschechischen Republik unersetzlich und daher auch künftig ein zentraler Bestandteil des Energiemixes. Der Verband empfiehlt entweder eine dauerhafte Einstufung entsprechender Technologien als nachhaltige Investitionen oder eine Verschiebung der Fristen 2040 und 2045 auf die Jahre 2060 bzw. 2065.
Dies sieht auch Macenauer so: „Im Bereich der Kernenergie wird es notwendig sein, sie nicht nur als vorübergehend nachhaltig anzuerkennen, sondern als dauerhaft nachhaltig. Wir weisen wiederholt darauf hin, dass die Energiewirtschaft der EU ohne Kernenergie unter keinen Umständen dauerhaft dekarbonisiert werden kann – unabhängig von der Preisentwicklung erneuerbarer Energien.“
Auch Erdgas betrachtet die Taxonomie als Übergangsbrennstoff. Es ist also nicht so sauber wie Wind oder Sonne, kann aber als notwendige Brücke beim Übergang von Kohle dienen. Die Bedingungen für die Einstufung von Gaskraftwerken als „grün“ sind in der EU sehr streng und zeitlich begrenzt. Im Übergangszeitraum müssen die direkten Emissionen unter 270 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde liegen, und die durchschnittlichen jährlichen Emissionen dürfen über 20 Jahre hinweg 550 Kilogramm CO₂ pro installiertem Kilowatt nicht überschreiten.
Aus Sicht potenzieller Investoren ist jedoch besonders umstritten, dass die Baugenehmigungen für solche Projekte bis Ende des Jahres 2030 erteilt werden müssen. Die Anlagen müssen zudem schrittweise auf kohlenstoffarme Gase wie Wasserstoff oder Biomethan umgestellt werden. Bis zum Jahr 2035 soll das eingesetzte Gas zu 100 Prozent aus diesen saubereren Varianten bestehen.
Die Situation rund um die Frist 2030 für neue Gaskraftwerke ist derzeit sehr angespannt und Gegenstand harter Verhandlungen zwischen einigen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. In vielen Ländern dauert es fünf bis acht Jahre, alle Genehmigungen für ein großes Kraftwerk zu erhalten. Projekte, die nicht bereits vor zwei Jahren vorbereitet wurden, werden die Frist 2030 nicht einhalten können, warnen Experten. Gleichzeitig werden Kohlekraftwerke aufgrund hoher Emissionszertifikatpreise schneller stillgelegt als erwartet. Die Verpflichtung, bis 2035 vollständig auf Wasserstoff umzusteigen, ist für Investoren riskant, da die entsprechende Infrastruktur nur langsam aufgebaut wird.
Fristen verschieben
Der Energieverband schlägt daher vor, die Fristen um zehn Jahre zu verschieben – also die Baugenehmigungen auf 2040 und die vollständige Ablösung von Erdgas auf das Jahr 2045. „Die derzeitige Festlegung der Fristen ist aus unserer Sicht unrealistisch, auch wegen der langsamen Entwicklung des Marktes für Wasserstoff und andere erneuerbare Gase. In der Tschechischen Republik wird es daher schwierig oder unmöglich sein, Erdgas nach Ablauf dieser Frist zu ersetzen“, warnt Josef Kotrba, Geschäftsführer des Energieverbands. Besonders die Dekarbonisierung von Fernwärmesystemen werde weiterhin vom Erdgas abhängen und sei aufgrund der geografischen Lage des Landes sozial sehr sensibel. Zudem gefährden die aktuellen Fristen notwendige Investitionen in die Versorgungssicherheit.
„Heute ist allen Experten klar, dass neben der Kernenergie erneuerbare Energien und Gas-und-Dampf-Kraftwerke die entscheidenden Energiequellen für die kommenden Jahrzehnte sein müssen. Die aktuellen Bedingungen der Taxonomie erschweren unsere geplanten Investitionen. Kaum ein Investor wird das Risiko kurzer Fristen, sich ändernder Bedingungen und letztlich unsicherer oder sogar verlustreicher Investitionen eingehen“, erklärt Blahoslav Němeček, Vorstandsmitglied von innogy Tschechien.
Nach Ansicht Macenauers ist nicht nur die Frist für Baugenehmigungen bis zum Jahr 2030 problematisch, sondern vor allem die Verpflichtung, fossiles Gas bis zum Jahr 2035 vollständig durch „grünes“ Gas zu ersetzen. „Emissionsfreies Gas kann aus Kapazitätsgründen nur teilweise organischen Ursprungs sein, der Großteil müsste synthetisch sein – entweder Wasserstoff oder synthetisches Methan. Wasserstoff wird bis 2035 mit Sicherheit weder in Tschechien noch in Deutschland oder anderen EU-Ländern in ausreichender Menge verfügbar sein“, argumentiert er. „Die Übergangsrolle von Erdgas muss über einen deutlich längeren Zeitraum gestreckt werden.“
Der Energieverband hat seine Stellungnahme bereits in die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission eingebracht. „Derzeit ist unser wichtigster Ansprechpartner das Ministerium für Industrie und Handel, mit dem wir in dieser Frage eine übereinstimmende Sicht haben und sehr gut zusammenarbeiten“, so der Verband.
Noch vor den Sommerferien planen Vertreter des Verbands eine Reise nach Brüssel. „Im Rahmen dieser Reise möchten wir uns unter anderem mit Vertretern der Europäischen Kommission treffen, die für die Taxonomie verantwortlich sind“, schließt Josef Kotrba.
Neben der Kernenergie müssen erneuerbare Energien und Gaskraftwerke Schlüsselquellen sein.
/gr/
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
Autor: Jiří Puchnar
24. März 2026, oenergetice.cz
Die finnische Regierung hat am 12. März dem Parlament einen Entwurf für ein neues Gesetz über die Kernenergie vorgelegt. Dieses soll das bisherige Gesetz aus dem Jahr 1987 ersetzen. Gleichzeitig sollen auch 14 weitere Rechtsvorschriften geändert werden, darunter das Gesetz zum Strahlenschutz.
Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Beschäftigung besteht das Ziel der Reform darin, sicherzustellen, dass die Nutzung der Kernenergie im gesamtgesellschaftlichen Interesse erfolgt, sicher betrieben wird und mit einem verantwortungsvollen Umgang mit radioaktiven Abfällen verbunden ist. Die neue Regelung soll zudem die Übereinstimmung mit europäischem Recht und internationalen Verpflichtungen Finnlands gewährleisten.
Reform soll neue Projekte beschleunigen…
Die Regierung von Premierminister Petteri Orpo will mit der Reform Finnlands Position als attraktiven Standort für Investitionen in die Kernenergie stärken. Die neue Gesetzgebung soll die Projektvorbereitung beschleunigen, die Kosteneffizienz erhöhen und die Planungs- sowie Umsetzungsprozesse besser vorhersehbar machen.
Das neue Gesetz soll flexiblere Genehmigungs-, Lizenzierungs- und Meldeverfahren einführen. Dadurch soll es einfacher werden, bereits genehmigte technische Lösungen wiederzuverwenden und zugleich neue Konzepte – einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMR) – weiterzuentwickeln. Die Reform soll zudem ermöglichen, Kernanlagen näher an den Orten des Stromverbrauchs zu errichten.
Einfachere Genehmigungen und Rolle der STUK….
Das Genehmigungsverfahren soll vor allem in den frühen Projektphasen vereinfacht werden, um Projektrisiken flexibler steuern zu können, ohne die Sicherheitsanforderungen zu senken. Bei Kernanlagen mit einer thermischen Leistung bis 50 MW soll künftig grundsätzlich das Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung entscheiden, während bei größeren Projekten diese Kompetenz weiterhin bei der Regierung verbleibt.
Gleichzeitig sollen auch die Vorschriften der finnischen Atomaufsichtsbehörde STUK angepasst werden. Die Reform soll das hohe Sicherheitsniveau beibehalten, übermäßig detaillierte Regulierung reduzieren und einen flexibleren regulatorischen Rahmen für neue Kernenergieprojekte schaffen.
Inkrafttreten des neuen Gesetzes im Jahr 2027...
Die finnische Ministerin für Umwelt und Klima, Sari Multala, erklärte, dass das Land weiterhin emissionsfreie, bezahlbare und zuverlässige Energiequellen benötigen werde, zu denen auch die Kernenergie gehöre. Die Reform solle sicherstellen, dass die Regulierung besser auf verschiedene technologische Lösungen und den weiteren technologischen Fortschritt abgestimmt ist. Gleichzeitig soll sie unterschiedliche Umsetzungsmodelle für Kernenergieprojekte unterstützen sowie das Risikomanagement, die Investitionssicherheit und den Zugang zu Finanzierung verbessern.
Das neue Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach Angaben der finnischen Regierung würde dies ermöglichen, Anträge auf Grundsatzentscheidungen noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode nach den neuen Regeln einzureichen.
In Finnland sind derzeit fünf Kernreaktorblöcke in zwei Kraftwerken in Betrieb. Im Kernkraftwerk Loviisa werden zwei Druckwasserreaktoren des Typs VVER-440/V-213 betrieben (Loviisa 1 und 2), die 1977 bzw. 1981 in Betrieb gingen. Das Kraftwerk Olkiluoto betreibt zwei Siedewasserreaktoren (Blöcke 1 und 2) aus den Jahren 1979 und 1982 sowie den neuen Block Olkiluoto 3 vom Typ EPR, der im Jahre 2023 den kommerziellen Betrieb aufnahm. Kernenergie deckt derzeit etwa 40 % der Stromerzeugung in Finnland.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... dporit-smr
/gr/
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine.
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit.
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf.
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2.
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien.
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe.
Aufregung um Kernenergie und Gas.
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
----------
Temelin: neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine
25.03.2026 Tageszeitung Právo ČTK
Techniker im Kernkraftwerk Temelín installierten während der Abschaltung des zweiten Blocks ein neues Überwachungssystem zur Kontrolle der Turbine. Das System misst die Rotationszeit der Schaufeln mit einer Genauigkeit von milliardstel Sekunden.
Es handelt sich um eine weitere Maßnahme, die dazu beitragen soll, einen mehr als sechzigjährigen Betrieb des Kraftwerks zu sichern, teilte gestern der Sprecher des Kraftwerks, Marek Sviták, mit.
„Obwohl Temelín ein relativ junges Kraftwerk ist, entstehen ständig neue Technologien. Und wenn sie aus Sicht von Effizienz und Sicherheit sinnvoll sind, setzen wir sie in größtmöglichem Umfang ein. Das gilt für die Turbinendiagnostik ebenso wie für eine Reihe weiterer Anlagen“, sagte Bohdan Zronek, Vorstandsmitglied von ČEZ und Direktor der Abteilung Kernenergie.
/gr/
Die Europäische Union stellt Mittel für die Entwicklung neuer Kernreaktoren bereit
25.03.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 8 Autor : LUBOŠ PALATA
Die Europäische Union kehrt nach Jahren der Abkehr von der Kernenergie wieder verstärkt zur Nutzung der Atomkraft zurück – und das nicht nur rhetorisch oder durch ihre Einstufung als akzeptable Form der Stromerzeugung, sondern auch durch konkrete Unterstützung der Forschung.
Die Europäische Kommission kündigte in den vergangenen Tagen an, 330 Millionen Euro (rund acht Milliarden Kronen) in die Kernforschung zu investieren, um den Übergang zu sauberer Energie zu beschleunigen. Mit 222 Millionen Euro wird die Kernfusion gefördert, mit dem Ziel, das erste Fusionskraftwerk der EU ans Netz anzuschließen. Die übrigen Mittel fließen in Sicherheit, Spaltungstechnologie sowie Nuklearmedizin.
Das Programm Euratom 2026–2027 soll die Energieunabhängigkeit der EU stärken, ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, die Entwicklung von Fachkräften fördern und Europa dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 näherbringen.
„Die EU will ein weltweiter Vorreiter bei innovativen Nukleartechnologien sein, die entscheidend für unsere Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung sind“, erklärte Ekaterina Sachariewa, EU-Kommissarin für Start-ups, Forschung und Innovation.
„Deshalb arbeiten wir eng mit Forschern, Industrie, Start-ups und Regulierungsbehörden an der Sicherheit kleiner modularer Reaktoren (SMR) und an der Beschleunigung der Fusion – mit dem Ziel, als Erste die Fusion aus dem Labor ins Stromnetz zu bringen. Dafür müssen wir sicherstellen, dass unsere exzellenten wissenschaftlichen Erkenntnisse nahtlos in Innovationen und industrielle Anwendungen überführt werden“, sagte Sachariewa.
Auch die Entwicklungsstrategie von ČEZ sieht den Bau kleiner modularer Reaktoren vor. „Das Hauptziel des SMR-Programms der ČEZ-Gruppe ist es, bis Ende der 2040er Jahre in Tschechien eine installierte Leistung von 3.000 MW aus SMR aufzubauen. Der erste SMR ist am Standort Temelín geplant, weitere in nichtnuklearen Standorten Tušimice und Dětmarovice“, erklärt ČEZ.
/gr/
Das Kernkraftwerk Saporischschja hat seine wichtigste externe Stromversorgungsleitung verloren, die IAEA ruft zu einem Waffenstillstand auf
24.3.2025, Novinky.cz
Die Haupt-Hochspannungsleitung zum ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja wurde unterbrochen, und das von Russland besetzte Kraftwerk ist nun auf eine Ersatzleitung angewiesen. Dies teilte am Dienstag die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) mit, die vor Ort dauerhaft ein Team stationiert hat. Die UNO- Organisation rief zu einem lokalen Waffenstillstand auf, um notwendige Reparaturen durchführen zu können.
„Das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja hat heute die Verbindung zur 750-kV-Leitung Dniprovska verloren und ist damit für die externe Stromversorgung auf eine einzige Ersatzleitung angewiesen“, erklärte die IAEA am Dienstag auf X-Netzwerk.
Der IAEA-Chef Rafael Grossi hat laut einer Erklärung Gespräche mit beiden Kriegsparteien aufgenommen, um einen lokalen Waffenstillstand auszurufen, der die Reparatur der beschädigten Stromleitung ermöglichen würde.
Das Kernkraftwerk Saporischschja, das als das größte in Europa gilt, befindet sich im ukrainischen Enerhodar, nahe der Frontlinie. Russland nahm die Anlage kurz nach Beginn seiner Invasion in die Ukraine im Februar 2022 ein.
https://www.novinky.cz/clanek/valka-na- ... i-40569623
/gr/
Macron vs. Quallen und das unsichere Versprechen von EPR2
25.03.2026 0:00 Monatszeitung PRO-ENERGY Autor: KAREL SEDLÁČEK
Vier Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Gravelines, des größten in Frankreich, wurden im vergangenen Jahr wegen eines Schwarms von Quallen in den Wasserpumpstationen für mehrere Monate abgeschaltet. Die Stromproduktion musste vorübergehend vollständig eingestellt werden, und der Ruf der einst vorbildlichen französischen Kernkraftwerke erlitt Kratzer. Wird Macrones Plan zur Erneuerung der alternden Nuklearflotte ein ähnliches Schicksal ereilen?
Ein Quallenschwarm, der vorübergehend das größte französische Kernkraftwerk stilllegte, wurde zum Symbol tieferliegender struktureller Probleme im Nuklearsektor des Landes. Jahrzehnte verdeckter Subventionen, alternder Reaktoren sowie zunehmender Verzögerungen und Kostenüberschreitungen werfen inzwischen ernsthafte Zweifel an der Umsetzbarkeit von Präsident Macrons ambitioniertem Plan einer nuklearen Renaissance auf.
Vier Reaktorblöcke im größten französischen Kernkraftwerk Gravelines, das an der Küste des Ärmelkanals liegt, wurden im vergangenen Jahr für mehrere Monate aufgrund eines Quallenschwarms in den Wasserpumpstationen abgeschaltet. Der Betreiber EDF (Électricité de France) meldete eine „massive und unvorhersehbare“ Ansammlung von Quallen in den Filtertrommeln im nichtnuklearen Teil des Kraftwerks. Die Stromproduktion wurde vorübergehend vollständig eingestellt, und der Ruf der französischen Kernkraftwerke nahm Schaden.
Die Sicherheit des Kraftwerks – etwa 20 Kilometer östlich von Calais – seiner Mitarbeiter sowie der Umwelt war zwar nicht gefährdet, doch da an den verbleibenden zwei Blöcken Wartungsarbeiten stattfanden, wurde die Stromproduktion der ganzen Kernenergieanlage vorübergehend komplett eingestellt. Dieser Vorfall ist jedoch nicht der erste seiner Art: Bereits im Jahre 2013 legten Quallen einen Reaktor auch in Schweden lahm.
ES GEHT NICHT NUR UM QUALLEN...
Der Vorfall in Gravelines zog während der sommerlichen Nachrichtenflaute große mediale Aufmerksamkeit auf sich und rückte Kernkraftwerke, ihre Wirtschaftlichkeit und die mögliche Destabilisierung des Energiesystems in den Fokus. Frankreich galt lange als Vorbild bei der Nutzung der Kernenergie, auch weil viele Probleme verborgen blieben. Staatliche Subventionen, unzureichende Rücklagen für die Lagerung von Atommüll und aufgeschobene Risiken hielten den Strompreis niedrig. Nun holen die tatsächlichen Kosten das Land ein – und sie sind enorm.
Zur Erinnerung: Nach der Ölkrise im Jahre 1973 investierte Frankreich massiv in die Kernenergie, um energiepolitische Unabhängigkeit zu erreichen. Die Regierung trieb den Ausbau im Rahmen des sogenannten Messmer-Plans voran, benannt nach Premierminister Pierre Messmer. Bis zum Jahr 1994 nahm das staatliche Unternehmen EDF 50 Reaktoren in Betrieb – rund 90 % der heutigen französischen Kernkraftwerke.
Frankreich baute einen starken Energiesektor auf und exportierte Strom. Die Preise blieben langfristig stabil und erschwinglich. Das benötigte Uran stammte aus anderen Ländern als Öl und Gas. Frankreich war zwar weiterhin auf Importe angewiesen, jedoch nicht ausschließlich auf das OPEC-Kartell. Bei der Stromerzeugung sparte das Land Millionen Tonnen CO₂ im Vergleich zu Ländern wie Deutschland oder Italien, die stark auf Kohle und Gas setzen.
Die niedrigen Strompreise wurden politisch beeinflusst – und teuer erkauft. Studien, Regierungsberichte und Parlamentsdokumente belegen dies. Selbst der Bau von Reaktoren wurde stark subventioniert, viele Kosten wurden schlicht verschoben. Der Betrieb von Kernkraftwerken war dagegen relativ günstig, sodass EDF lange Zeit problemlos Kredite bedienen konnte. Auf den ersten Blick erschien Kernenergie daher wirtschaftlich – zumindest, wenn man nur Bau und Betrieb betrachtet.
Während der Corona-Pandemie verschob Frankreich jedoch Wartungsarbeiten an den Kernkraftwerken auf später. Im Jahre 2022 wurde schließlich Korrosion festgestellt. Aufgrund schlechter Inspektionsergebnisse mussten gleichzeitig 30 von 56 Reaktoren abgeschaltet werden. Ironischerweise musste Frankreich gerade im Jahr der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Strom importieren.
Die meisten Reaktoren der sogenannten Messmer-Flotte wurden für eine Laufzeit von 40 Jahren gebaut. Um ihre Lebensdauer um zehn Jahre zu verlängern, werden sie nun kostspielig modernisiert – etwa eine Milliarde Euro pro Kraftwerk, insgesamt rund 50 Milliarden Euro.
Gleichzeitig müssen neue Reaktoren gebaut werden. Ein Beispiel ist Flamanville, das erste neue Kernkraftwerk seit 25 Jahren. Ursprünglich mit drei Milliarden Euro veranschlagt und für das Jahr 2012 geplant, kostete es letztlich 13 Milliarden und ging erst im Jahre 2024 in Betrieb. Der Staat unterstützte erneut mit günstigen Krediten und Garantien. Trotz dieser Hilfe hat EDF heute Schulden von über 50 Milliarden Euro. Im Jahre 2023 musste der französische Staat das Unternehmen vollständig übernehmen und weitere Milliarden investieren. Allein die staatlich finanzierte Kernforschung seit dem Jahr 1950 kostete rund 40 Milliarden Euro.
EIN PLAN VOLLER FRAGEZEICHEN
Im Jahre 2022 rief Präsident Macron eine Renaissance der Kernenergie aus und kündigte Pläne für bis zu 14 neue Reaktoren an. Frankreich betreibt derzeit 57 Kernkraftwerke, von denen einige als veraltet gelten. Ein Endlager für radioaktive Abfälle ist nahe der deutschen Grenze geplant.
EDF stellte inzwischen einen neuen Plan für den Bau von lediglich sechs EPR2-Reaktoren an den Standorten Penly, Gravelines und Bugey vor, der teurer ausfällt als zuvor angenommen. Die Kostenschätzung liegt nun bei 72,8 Milliarden Euro (Preisstand 2020), während EDF im Jahre 2023 noch mit 51,7 Milliarden rechnete. Der erste Reaktor in Penly soll frühestens im Jahre 2038 in Betrieb gehen. Weitere Reaktoren sollen laut aktuellem Plan in Abständen von 12 bis 18 Monaten folgen.
Für das Jahr 2026 genehmigte EDF ein Budget von 2,7 Milliarden Euro für das Programm, kann den Bau neuer Kernkraftwerke jedoch nicht ohne staatliche Unterstützung und Risikoteilung finanzieren. Geplant sind staatliche Subventionen, darunter ein subventionierter Kredit, der mindestens die Hälfte der Baukosten decken soll. Konkrete Vertragsdetails liegen bislang nicht vor; es handelt sich um einen Rahmenplan.
REAKTOR EPR2
EPR2 (European Pressurized Reactor 2) ist ein fortschrittlicher Druckwasserreaktor der Generation III+, entwickelt vom französischen Unternehmen EDF in Zusammenarbeit mit Framatome. Es handelt sich um eine optimierte Version des ursprünglichen EPR, basierend auf Erfahrungen aus Projekten in Frankreich (Flamanville), Finnland (Olkiluoto) und China (Taishan).
Die elektrische Nettoleistung beträgt etwa 1.670 MWe. Der EPR2 verwendet deutlich weniger Komponenten als sein Vorgänger (z. B. 250 Rohrtypen statt 400 und nur 571 Ventile gegenüber ursprünglich 13.300), was Kosten senken und den Bau beschleunigen soll. Zudem ist er für eine stärkere Nutzung vorgefertigter Bauteile ausgelegt.
Auch das Containment (Schutzhülle) wurde angepasst: Statt einer doppelten Wand kommt eine einzelne, sehr starke Wand mit Metallauskleidung zum Einsatz. Der Reaktor kann bis zu 30 % MOX-Brennstoff (wiederaufbereiteter Brennstoff) nutzen und ist für flexiblen Betrieb („Load follow“) ausgelegt, um erneuerbare Energien im Netz zu ergänzen. Die geplante Betriebsdauer beträgt mindestens 60 Jahre.
/gr/
Fresser namens KI: Künstliche Intelligenz verbraucht bereits mehr Strom als ganz Tschechien
25.03.2026 Monatszeitung Respekt Spezial Autor: MARTIN UHLÍŘ
Chatbots und andere intelligente Maschinen werden bald mehr Energie verschlingen als das Bitcoin-Mining. Wie viel genau, weiß niemand.
Der Supercomputer Karolina in Ostrava befindet sich in zwei Reihen von Schränken, die zusammen mit weiterer Hardware eine Halle von der Größe einer kleineren Turnhalle füllen.
Mit seinem Erscheinungsbild wird er den „Helden“ von Science-Fiction-Geschichten wie dem intelligenten Computer HAL 9000 aus 2001: Odyssee im Weltraum von Arthur C. Clarke gerecht. Bewundernswert sind jedoch auch seine Leistungsdaten: Er rechnet wie mindestens 100.000 vernetzte Laptops und hat eine maximale Leistungsaufnahme von rund einem Megawatt. Würde er dauerhaft unter Volllast laufen – was in der Praxis meist nicht der Fall ist –, würde er so viel Strom verbrauchen wie eine gewöhnliche tschechische Kleinstadt mit mehr als tausend Haushalten. Der Großteil entfällt auf die Berechnungen selbst, ein Teil wird für Kühlung und Klimatisierung der Halle benötigt. Der Sauerstoffgehalt ist hier wegen der Brandgefahr von üblichen 21 Prozent auf 15 Prozent reduziert, was dem Atmen in einer Höhe von etwa 2.700 Metern entspricht.
Karolina befindet sich im IT4Innovations, dem nationalen Supercomputerzentrum an der Technischen Universität Ostrava, das sich vor allem mit wissenschaftlichen Berechnungen beschäftigt. Ein Aufenthalt im Inneren dieser Maschine kommt dem nahe, was ein Besucher sehen würde, der physisch in das „Gehirn“ moderner künstlicher Intelligenz eintreten könnte, wie sie von privaten Unternehmen entwickelt wird – etwa das populäre Sprachmodell ChatGPT von OpenAI. Allerdings nur hinsichtlich des Prinzips, nicht der Größe: Diese ist bei Karolina eher bescheiden. Die Hardware, auf der große Chatbots nach dem Training laufen, kann über mehrere Rechenzentren verteilt sein – also über zahlreiche große Gebäude, die an Lagerhallen oder Fabriken voller Serverschränke erinnern.
Die Gesamtfläche, die Sprachmodelle und andere KI-Anwendungen wie Übersetzer, fortschrittliche Suchmaschinen oder Videogeneratoren benötigen, ist unbekannt; Unternehmen wie Microsoft, Google oder OpenAI geben diese Informationen nicht bekannt. Ebenso behalten sie Angaben zum Energieverbrauch und zu weiteren Umweltkosten für sich, etwa Wasserverbrauch zur Kühlung oder Treibhausgasemissionen. Eine Offenlegung würde den Bemühungen widersprechen, künstliche Intelligenz ausschließlich positiv darzustellen.
Die negativen Auswirkungen lassen sich jedoch nicht ignorieren. In Chile trocknen durch den Wasserverbrauch von Rechenzentren wichtige Trinkwasserreservoirs aus. In Südafrika kollabiert das ohnehin überlastete Stromnetz. Ähnlich ist die Lage in Zentralmexiko, wo Microsoft ein großes Rechenzentrum eröffnet hat. Laut The New York Times berichten Einheimische von häufigeren Stromausfällen, unterbrochenen Krankenhausoperationen, Schulschließungen und verlängerten Wasserknappheiten, die sogar eine Hepatitis-Epidemie begünstigten. In Irland, wo Rechenzentren bereits rund ein Fünftel des gesamten Stromverbrauchs ausmachen, hat die Regierung ihren Ausbau in der Umgebung von Dublin eingeschränkt.
Die meisten Rechenzentren befinden sich in den USA, wo sie etwa fünf Prozent des Stromverbrauchs ausmachen, gefolgt von China und Europa. Weltweit wächst ihre Zahl rasant – und damit auch der Energiebedarf. „Große Unternehmen sichern sich Strom aus Kernkraftwerken. Eine typische Lösung ist jedoch ein Gaskraftwerk direkt neben dem Rechenzentrum“, erklärt Ondřej Vysocký von IT4Innovations. Gaskraftwerke liefern stabile Energie und lassen sich schnell errichten.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Welt. Sie dienen nicht nur der KI, sondern auch der Cloud-Speicherung, wissenschaftlichen Berechnungen, Unternehmensentwicklung und dem Mining von Kryptowährungen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) wird sich ihr Energieverbrauch bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln – und KI wird der Haupttreiber dieses Wachstums sein. Ein aktuelles großes KI-Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie 100.000 Haushalte, während die größten im Bau befindlichen Anlagen den Verbrauch von zwei Millionen Haushalten erreichen sollen. Der genaue Anteil der KI am Gesamtverbrauch bleibt jedoch unklar.
Damit befinden wir uns in einer paradoxen Situation: Künstliche Intelligenz ist eine Art Black Box – sowohl in Bezug auf ihre Funktionsweise als auch auf ihre Auswirkungen auf den Planeten. Selbst Experten verstehen nicht vollständig, wie sie „denkt“, und Wissenschaftler außerhalb der Industrie müssen sie wie ein fremdes Objekt untersuchen.
Fünf Temelíns sind nur der Anfang….
Noch zu Beginn des letzten Jahrzehnts glaubten viele Wissenschaftler, dass für eine KI auf dem Niveau eines promovierten Experten ein spektakulärer Durchbruch nötig sei – etwa die Verbindung von Siliziumchips mit menschlichen Neuronen. Heute ist diese Intelligenz Realität – und sie entstand einfacher: durch massive Erhöhung der Rechenleistung. Je größer das „Computergehirn“, desto leistungsfähiger ist es. Ähnlich wie in der Natur führt Wachstum zu überraschenden Sprüngen in den Fähigkeiten.
Das hat jedoch seinen Preis. Laut Schätzungen von Live Science verbrauchte allein das Training des Sprachmodells GPT-4 rund 50 Gigawattstunden Energie – etwa so viel Strom, wie 50 Temelín-Reaktoren in einer Stunde erzeugen könnten. Diese Energiemenge könnte eine Stadt wie San Francisco etwa drei Tage lang versorgen.
Dabei ist GPT-4 nur eines von vielen Modellen, und das Training ist erst der Anfang. Der Betrieb selbst ist theoretisch weniger energieintensiv, doch die enorme Nutzerzahl gleicht das aus: ChatGPT verarbeitet laut OpenAI täglich rund 2,5 Milliarden Anfragen. Jede einzelne benötigt wenig Energie, doch in Summe entsteht ein erheblicher Verbrauch. Große KI-Rechenzentren verbrauchen daher so viel Strom wie kleinere Städte.
Wie hoch ist der Gesamtverbrauch? Einer der Experten, die das untersuchen, ist der niederländische Wissenschaftler Alex de Vries-Gao von der Freien Universität Amsterdam. Da Unternehmen keine Daten veröffentlichen, nutzt er indirekte Methoden – etwa die Produktionskapazitäten von Hardwareherstellern wie TSMC. Diese würden vollständig ausgelastet, so de Vries-Gao.
„Man könnte einwenden, dass die gekaufte Hardware nicht voll genutzt wird“, erklärt er. „Aber stellen Sie sich vor, Sie hätten 200.000 teure Server und ließen sie ungenutzt – das wäre ziemlich seltsam.“
Unter der Annahme, dass alle Server laufen, schätzt er, dass KI Ende des Jahres 2024 weltweit etwa zehn Gigawatt Leistung benötigte. Das entspricht mehr Strom als Länder wie Tschechien, Österreich oder Finnland verbrauchen. Gleichzeitig wäre dieser Bedarf noch mit etwa fünf Kernkraftwerken wie Temelín zu decken – also bislang kein gigantischer Wert. Er liegt deutlich unter dem Energieverbrauch des Bitcoin-Minings und macht etwa ein Fünftel des Verbrauchs aller Rechenzentren (ohne Krypto-Mining) aus.
Besorgniserregend ist jedoch das Wachstum: Bis Ende 2025 könnte der Verbrauch laut de Vries-Gao auf 23 Gigawatt steigen – mehr als eine Verdopplung. Damit würde KI das Bitcoin-Mining übertreffen und sich dem Stromverbrauch Großbritanniens annähern. Ob diese Prognose zutrifft, wird sich im Jahre 2026 zeigen, wenn klar ist, ob die Kunden der Hardwarehersteller tatsächlich die gesamte Produktion ausgeschöpft haben.
/gr/
Großes Interesse an Infocentern und Produktionsanlagen der ČEZ-Gruppe
25.03.2026 Wochenzeitung Nástup Seite 3 Autorin: E. Minaříková
NORDBÖHMEN – Exkursionen in die Produktionsbetriebe der ČEZ-Gruppe erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit – sowohl im Rahmen des Schulunterrichts als auch im individuellen Industrietourismus. Die Infocenter und Kraftwerke von ČEZ wurden im vergangenen Jahr von insgesamt 297.000 Besuchern besichtigt – persönlich, online oder mithilfe von Virtual Reality.
Gerade VR erfreute sich großer Nachfrage: 145.000 Interessierte nutzten VR-Brillen für einen virtuellen Besuch, das sind um 10.000 mehr als im Jahr 2024. Physisch besuchten insgesamt 152.000 Menschen ausgewählte Anlagen des Energieunternehmens. Einen Anteil daran haben auch einige Standorte in Nordböhmen mit 12.893 Besuchern.
Traditionell verzeichnete das Infocenter der ČEZ-Gruppe im Kraftwerk Ledvice die meisten Besucher – und zwar einen Rekordwert von 11.211. Das sind 1.211 mehr als im Jahr 2024, womit die Gesamtbesucherzahl bereits zum zweiten Mal in Folge die symbolische Marke von 10.000 überschritt. Dieser Grenze hatte sich das Infocenter bereits 2023 genähert, als nur 138 Besucher fehlten.
Die Besucher des vergangenen Jahres bestanden vor allem aus Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden von Grund-, Mittel- und Hochschulen aus der gesamten Republik, darunter auch Kinder aus Kindergärten in der Umgebung des Kraftwerks. Zahlreich waren zudem Wochenend- und insbesondere Ferienbesuche von Familien mit Kindern im Rahmen des Industrietourismus.
Das Infocenter wurde auch von Ausländern besucht – insgesamt 302 Personen. Neben Bürgern aus EU-Staaten kamen im Rahmen ihrer Aufenthalte in der Tschechischen Republik – sei es privat oder beruflich – auch Besucher aus England, Nordmazedonien, den USA, Japan, der Schweiz, Kanada und Island. Fünf Besucher reisten sogar aus Sambia/Lesotho an.
/gr/
Aufregung um Kernenergie und Gas
25.03.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autorin: Dáša Hyklová
Rubrik: Wirtschaft - Seite: 11
Die Ausgestaltung der EU-Taxonomie gefährdet Dekarbonisierungspläne.
Die sogenannte EU-Taxonomie ist gewissermaßen ein europäischer grüner Fahrplan. Dieses komplexe Klassifikationssystem mit dem Anspruch zu definieren, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten ökologisch nachhaltig sind, trat vor sechs Jahren im Juli in Kraft. Konkrete Verpflichtungen für Unternehmen und Investoren wurden jedoch schrittweise eingeführt. Seitdem bemühen sich Unternehmen, die damit verbundenen starren Tabellen auszufüllen, um Subventionen, grüne Zertifikate oder günstigere Kredite zu erhalten.
Nachdem viele über die extreme bürokratische Belastung geklagt hatten, leitete die Europäische Kommission eine Bereinigung ein. Änderungen brachte das sogenannte Omnibus-Paket; zudem startete die Kommission im März eine öffentliche Konsultation zur Überarbeitung der technischen Kriterien der Taxonomie. Unternehmen, Verbände, Experten und auch Einzelpersonen können sich bis Mitte April dazu äußern. Anschließend wird die Kommission die Vorschläge final anpassen und plant, sie im Sommer zu verabschieden. Danach haben das Europäische Parlament und der Rat der EU zwei bis vier Monate Zeit für die Prüfung.
Worum geht es eigentlich?
Zu den sechs Hauptzielen der EU-Taxonomie gehören die Abschwächung des Klimawandels, die Anpassung an den Klimawandel, die nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft einschließlich Recycling und Reparatur, die Vermeidung und Verringerung von Umweltverschmutzung sowie der Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme.
Damit Stromerzeugung als nachhaltig gelten kann, muss sie wesentlich zu mindestens einem dieser sechs Ziele beitragen, darf keines der übrigen fünf erheblich beeinträchtigen und muss zudem minimale soziale Standards wie Menschenrechte und Arbeitsbedingungen einhalten.
In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Unternehmen in einem Bereich „grün“ sein will – etwa bei der Installation von Solaranlagen –, muss es nachweisen, dass es die Biodiversität nicht schädigt. Entscheidet es sich beispielsweise, ein Solarkraftwerk auf einer alten Brachfläche zu errichten, beauftragt es einen Experten, der sicherstellt, dass alles mit der Taxonomie im Einklang steht – etwa dass die Installation auf Betonflächen keine seltenen Tierarten gefährdet.
„Die Taxonomie sollte ein Regelwerk unter anderem für den Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft sein. In ihrer jetzigen Form ist sie jedoch ein absurder Unsinn, und eine Welt nach der Taxonomie ist weder wirtschaftlich noch technisch realisierbar, geschweige denn nachhaltig. Niemand in der Energiewirtschaft glaubt, dass die festgelegten Bedingungen erfüllbar sind“, warnt Michal Macenauer, Strategiechef der Beratungsfirma EGU.
Gas und Kernenergie im Nachteil
Experten warnen jedoch, dass die Bürokratie, die Brüssel derzeit abbauen will, bei der Taxonomie nur ein zweitrangiges Problem ist. Die größte Kontroverse und mögliche künftige Komplikationen betreffen die strengen Fristen für die Nutzung von Kernenergie und Erdgas. Genau darüber müsse jetzt ernsthaft diskutiert werden.
Die Aufnahme von Kernenergie und Gas in die EU-Taxonomie war eine der meistbeachteten Entscheidungen in der Geschichte der europäischen Energiepolitik. Die Debatte dauerte Jahre und mündete schließlich in einen sogenannten ergänzenden delegierten Rechtsakt, der beiden Energiequellen ein „grünes Label“ verlieh – allerdings mit vielen Einschränkungen. Die EU erkannte an, dass Kernenergie nur minimale Treibhausgasemissionen verursacht und das Netz stabilisieren kann. Damit sie jedoch als nachhaltig gilt, müssen neue Kernkraftwerksprojekte bis 2045 eine Baugenehmigung erhalten. Bestehende Anlagen können als nachhaltig gelten, wenn ihre Modernisierung bis zum Jahr 2040 genehmigt wird. Der Staat muss zudem einen detaillierten Plan und finanzielle Mittel für ein tiefengeologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle vorweisen, das bis zum Jahr 2050 in Betrieb sein muss. Außerdem müssen die besten verfügbaren Technologien, also Reaktoren der Generation III, eingesetzt werden.
Wie der Verband der Energiewirtschaft der Tschechischen Republik (SEČR) betont, ist Kernenergie unter den Bedingungen der Tschechischen Republik unersetzlich und daher auch künftig ein zentraler Bestandteil des Energiemixes. Der Verband empfiehlt entweder eine dauerhafte Einstufung entsprechender Technologien als nachhaltige Investitionen oder eine Verschiebung der Fristen 2040 und 2045 auf die Jahre 2060 bzw. 2065.
Dies sieht auch Macenauer so: „Im Bereich der Kernenergie wird es notwendig sein, sie nicht nur als vorübergehend nachhaltig anzuerkennen, sondern als dauerhaft nachhaltig. Wir weisen wiederholt darauf hin, dass die Energiewirtschaft der EU ohne Kernenergie unter keinen Umständen dauerhaft dekarbonisiert werden kann – unabhängig von der Preisentwicklung erneuerbarer Energien.“
Auch Erdgas betrachtet die Taxonomie als Übergangsbrennstoff. Es ist also nicht so sauber wie Wind oder Sonne, kann aber als notwendige Brücke beim Übergang von Kohle dienen. Die Bedingungen für die Einstufung von Gaskraftwerken als „grün“ sind in der EU sehr streng und zeitlich begrenzt. Im Übergangszeitraum müssen die direkten Emissionen unter 270 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde liegen, und die durchschnittlichen jährlichen Emissionen dürfen über 20 Jahre hinweg 550 Kilogramm CO₂ pro installiertem Kilowatt nicht überschreiten.
Aus Sicht potenzieller Investoren ist jedoch besonders umstritten, dass die Baugenehmigungen für solche Projekte bis Ende des Jahres 2030 erteilt werden müssen. Die Anlagen müssen zudem schrittweise auf kohlenstoffarme Gase wie Wasserstoff oder Biomethan umgestellt werden. Bis zum Jahr 2035 soll das eingesetzte Gas zu 100 Prozent aus diesen saubereren Varianten bestehen.
Die Situation rund um die Frist 2030 für neue Gaskraftwerke ist derzeit sehr angespannt und Gegenstand harter Verhandlungen zwischen einigen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. In vielen Ländern dauert es fünf bis acht Jahre, alle Genehmigungen für ein großes Kraftwerk zu erhalten. Projekte, die nicht bereits vor zwei Jahren vorbereitet wurden, werden die Frist 2030 nicht einhalten können, warnen Experten. Gleichzeitig werden Kohlekraftwerke aufgrund hoher Emissionszertifikatpreise schneller stillgelegt als erwartet. Die Verpflichtung, bis 2035 vollständig auf Wasserstoff umzusteigen, ist für Investoren riskant, da die entsprechende Infrastruktur nur langsam aufgebaut wird.
Fristen verschieben
Der Energieverband schlägt daher vor, die Fristen um zehn Jahre zu verschieben – also die Baugenehmigungen auf 2040 und die vollständige Ablösung von Erdgas auf das Jahr 2045. „Die derzeitige Festlegung der Fristen ist aus unserer Sicht unrealistisch, auch wegen der langsamen Entwicklung des Marktes für Wasserstoff und andere erneuerbare Gase. In der Tschechischen Republik wird es daher schwierig oder unmöglich sein, Erdgas nach Ablauf dieser Frist zu ersetzen“, warnt Josef Kotrba, Geschäftsführer des Energieverbands. Besonders die Dekarbonisierung von Fernwärmesystemen werde weiterhin vom Erdgas abhängen und sei aufgrund der geografischen Lage des Landes sozial sehr sensibel. Zudem gefährden die aktuellen Fristen notwendige Investitionen in die Versorgungssicherheit.
„Heute ist allen Experten klar, dass neben der Kernenergie erneuerbare Energien und Gas-und-Dampf-Kraftwerke die entscheidenden Energiequellen für die kommenden Jahrzehnte sein müssen. Die aktuellen Bedingungen der Taxonomie erschweren unsere geplanten Investitionen. Kaum ein Investor wird das Risiko kurzer Fristen, sich ändernder Bedingungen und letztlich unsicherer oder sogar verlustreicher Investitionen eingehen“, erklärt Blahoslav Němeček, Vorstandsmitglied von innogy Tschechien.
Nach Ansicht Macenauers ist nicht nur die Frist für Baugenehmigungen bis zum Jahr 2030 problematisch, sondern vor allem die Verpflichtung, fossiles Gas bis zum Jahr 2035 vollständig durch „grünes“ Gas zu ersetzen. „Emissionsfreies Gas kann aus Kapazitätsgründen nur teilweise organischen Ursprungs sein, der Großteil müsste synthetisch sein – entweder Wasserstoff oder synthetisches Methan. Wasserstoff wird bis 2035 mit Sicherheit weder in Tschechien noch in Deutschland oder anderen EU-Ländern in ausreichender Menge verfügbar sein“, argumentiert er. „Die Übergangsrolle von Erdgas muss über einen deutlich längeren Zeitraum gestreckt werden.“
Der Energieverband hat seine Stellungnahme bereits in die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission eingebracht. „Derzeit ist unser wichtigster Ansprechpartner das Ministerium für Industrie und Handel, mit dem wir in dieser Frage eine übereinstimmende Sicht haben und sehr gut zusammenarbeiten“, so der Verband.
Noch vor den Sommerferien planen Vertreter des Verbands eine Reise nach Brüssel. „Im Rahmen dieser Reise möchten wir uns unter anderem mit Vertretern der Europäischen Kommission treffen, die für die Taxonomie verantwortlich sind“, schließt Josef Kotrba.
Neben der Kernenergie müssen erneuerbare Energien und Gaskraftwerke Schlüsselquellen sein.
/gr/
Finnland bereitet ein neues Atomgesetz vor. Es soll Genehmigungsverfahren vereinfachen und SMR fördern
Autor: Jiří Puchnar
24. März 2026, oenergetice.cz
Die finnische Regierung hat am 12. März dem Parlament einen Entwurf für ein neues Gesetz über die Kernenergie vorgelegt. Dieses soll das bisherige Gesetz aus dem Jahr 1987 ersetzen. Gleichzeitig sollen auch 14 weitere Rechtsvorschriften geändert werden, darunter das Gesetz zum Strahlenschutz.
Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Beschäftigung besteht das Ziel der Reform darin, sicherzustellen, dass die Nutzung der Kernenergie im gesamtgesellschaftlichen Interesse erfolgt, sicher betrieben wird und mit einem verantwortungsvollen Umgang mit radioaktiven Abfällen verbunden ist. Die neue Regelung soll zudem die Übereinstimmung mit europäischem Recht und internationalen Verpflichtungen Finnlands gewährleisten.
Reform soll neue Projekte beschleunigen…
Die Regierung von Premierminister Petteri Orpo will mit der Reform Finnlands Position als attraktiven Standort für Investitionen in die Kernenergie stärken. Die neue Gesetzgebung soll die Projektvorbereitung beschleunigen, die Kosteneffizienz erhöhen und die Planungs- sowie Umsetzungsprozesse besser vorhersehbar machen.
Das neue Gesetz soll flexiblere Genehmigungs-, Lizenzierungs- und Meldeverfahren einführen. Dadurch soll es einfacher werden, bereits genehmigte technische Lösungen wiederzuverwenden und zugleich neue Konzepte – einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMR) – weiterzuentwickeln. Die Reform soll zudem ermöglichen, Kernanlagen näher an den Orten des Stromverbrauchs zu errichten.
Einfachere Genehmigungen und Rolle der STUK….
Das Genehmigungsverfahren soll vor allem in den frühen Projektphasen vereinfacht werden, um Projektrisiken flexibler steuern zu können, ohne die Sicherheitsanforderungen zu senken. Bei Kernanlagen mit einer thermischen Leistung bis 50 MW soll künftig grundsätzlich das Ministerium für Wirtschaft und Beschäftigung entscheiden, während bei größeren Projekten diese Kompetenz weiterhin bei der Regierung verbleibt.
Gleichzeitig sollen auch die Vorschriften der finnischen Atomaufsichtsbehörde STUK angepasst werden. Die Reform soll das hohe Sicherheitsniveau beibehalten, übermäßig detaillierte Regulierung reduzieren und einen flexibleren regulatorischen Rahmen für neue Kernenergieprojekte schaffen.
Inkrafttreten des neuen Gesetzes im Jahr 2027...
Die finnische Ministerin für Umwelt und Klima, Sari Multala, erklärte, dass das Land weiterhin emissionsfreie, bezahlbare und zuverlässige Energiequellen benötigen werde, zu denen auch die Kernenergie gehöre. Die Reform solle sicherstellen, dass die Regulierung besser auf verschiedene technologische Lösungen und den weiteren technologischen Fortschritt abgestimmt ist. Gleichzeitig soll sie unterschiedliche Umsetzungsmodelle für Kernenergieprojekte unterstützen sowie das Risikomanagement, die Investitionssicherheit und den Zugang zu Finanzierung verbessern.
Das neue Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nach Angaben der finnischen Regierung würde dies ermöglichen, Anträge auf Grundsatzentscheidungen noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode nach den neuen Regeln einzureichen.
In Finnland sind derzeit fünf Kernreaktorblöcke in zwei Kraftwerken in Betrieb. Im Kernkraftwerk Loviisa werden zwei Druckwasserreaktoren des Typs VVER-440/V-213 betrieben (Loviisa 1 und 2), die 1977 bzw. 1981 in Betrieb gingen. Das Kraftwerk Olkiluoto betreibt zwei Siedewasserreaktoren (Blöcke 1 und 2) aus den Jahren 1979 und 1982 sowie den neuen Block Olkiluoto 3 vom Typ EPR, der im Jahre 2023 den kommerziellen Betrieb aufnahm. Kernenergie deckt derzeit etwa 40 % der Stromerzeugung in Finnland.
Quelle: https://oenergetice.cz/jaderne-elektrar ... dporit-smr
/gr/
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799