Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Verfasst: Mi 11. Mär 2026, 08:15
Auswahl von relevanten Zeitungsatikeln aus Tschechien zum Thema Energie vom 11.3.2026:
Inhalt:
Europas Abkehr von der Kernenergie war ein Fehler, räumte von der Leyen auf dem Gipfel ein.
Die BIU / OIZP mahnt in den südböhmischen Städten an die Havarie in Fukushima.
Rochade in der Führung von ČEPS: Durčák an der Spitze endet.
Havlíček: Die Energiepolitik darf nicht wie unter der vorherigen Regierung vom Umweltressort bestimmt werden. Jurečka wurde von Lobbyisten beeinflusst.
Gespräch mit dem 1. Vizepremierminister und Minister für Industrie und Handel Karel Havlíček (ANO)
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Europas Abkehr von der Kernenergie war ein Fehler, räumte von der Leyen auf dem Gipfel ein
Tschechisches Fernsehen Quelle: ČTK, jch
10. 3. 2026
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bezeichnete am Dienstag auf dem Pariser Gipfel über die zivile Nutzung der Kernenergie die europäische Abkehr von der Kernenergie in der jüngeren Vergangenheit als Fehler. Kernenergie sei der Schlüssel zur Erreichung der europäischen Energieunabhängigkeit, sagte zu Beginn der Veranstaltung der französische Präsident Emmanuel Macron. Europa müsse seiner Meinung nach seine Standards vereinheitlichen, den Energiemarkt besser vernetzen und den Rahmen für staatliche Unterstützung konsolidieren. Für die Förderung der Kernenergie sprach sich auch der slowakische Premierminister Robert Fico (Smer) aus.
„Ich denke, es war ein strategischer Fehler, dass Europa einem zuverlässigen und verfügbaren Quellen niedriger Emissionen den Rücken gekehrt hat“, sagte von der Leyen mit Bezug auf die europäische Abkehr von der Kernenergie zu Beginn dieses Jahrhunderts, als sich beispielsweise auch ihr Heimatland Deutschland von dieser Energiequelle verabschiedete.
Während in den 1990er Jahren noch bis zu ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, sind es heute etwa fünfzehn Prozent, fügte sie hinzu. Brüssel bereite laut ihr eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Regeln für die Kernenergie vor, die Unterstützung bei der Einführung kleiner modularer Reaktoren sowie einen Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro (4,9 Milliarden Kronen) für Garantien für private Investitionen in innovative Nuklearprojekte.
Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hält das Ende der Kernenergie in Deutschland für einen Fehler. Er betrachtet diese Entscheidung jedoch als unumkehrbar. „Die Entscheidung ist irreversibel. Ich bedauere das, aber so ist es“, fügte er vor Journalisten nach einem Treffen mit dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš (ANO) hinzu.
Über die Beendigung der Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland hatte ursprünglich bereits im Mai 2011 die Regierung der Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Christlich Demokratischen Union entschieden, deren Mitglied auch Merz ist. Auslöser war die Havarie des Kernkraftwerks im japanischen Fukushima im selben Jahr. Die letzten drei Kernkraftwerke schaltete Deutschland im Jahr 2023 vom Netz ab und stellte damit nach mehr als sechzig Jahren die Stromerzeugung aus Kernenergie ein. Merz sagte, Deutschland konzentriere sich nun auf die Optimierung seiner Energiepolitik; auch die Stromnetze müssten seiner Meinung nach ausgebaut werden.
Kernenergie ist der Schlüssel zur Energieunabhängigkeit der EU, meint Macron….
„Die Kernenergie ist der Schlüssel, um Energieunabhängigkeit und zugleich Energiesouveränität, Dekarbonisierung und damit auch Klimaneutralität mit Blick auf das Jahr 2050 sowie Wettbewerbsfähigkeit und damit auch neue Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft zu erreichen“, zitierte AFP aus der Rede von Präsident Macron.
Die Europäische Union habe laut Macron erhebliche Defizite, etwa weil sie die Kernenergie nicht konsequent unterstütze. In der sogenannten EU-Taxonomie, die für die Förderung von Energiequellen entscheidend ist, wird die Kernenergie derzeit als vorübergehend grüne Energiequelle eingestuft. Frankreich und einige weitere Länder, darunter auch Tschechien, setzen sich dafür ein, sie als langfristige Energiequelle anzuerkennen. Gegen die Nutzung der Kernenergie stellen sich jedoch beispielsweise Deutschland oder Österreich.
Zur Unterstützung dieses Energietyps durch die EU rief am Dienstag auch der slowakische Premierminister Fico auf. Der nächste Haushalt der Europäischen Union für den Zeitraum 2028 bis 2034 sollte seiner Meinung nach die Kernenergie als dekarbonisierte Energiequelle anerkennen. Das bedeute keine direkte Finanzierung von Kernreaktoren aus EU-Mitteln, sondern einen gleichberechtigten Zugang zu Finanzmitteln wie bei anderen Energiequellen, erklärte Fico laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Eine stärkere Aktivität seines Landes im Bereich der Kernenergie kündigte etwa auch der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis an. Die Regierung in Athen werde eine Ministerkommission einrichten, um die Entwicklung der genannten kleinen modularen Reaktoren zu planen, die zum Energiemix des Landes beitragen sollen, berichtete Reuters.
Die EU-Staaten sollten nach Ansicht des französischen Präsidenten außerdem mehr Anstrengungen in eigene Kapazitäten zur Urananreicherung investieren, die zu zentralen innovativen Projekten innerhalb der Union werden sollten. Zwar bauen westliche Unternehmen ihre Kapazitäten aus, doch laut der Zeitung Financial Times importiert die EU weiterhin fast ein Viertel ihres Urans aus Russland, was Moskau ermöglicht, Druck auf die Siebenundzwanzig auszuüben.
Quelle: https://ct24.ceskatelevize.cz/clanek/sv ... ova-371148
/gr/
Die BIU / OIZP mahnt in den südböhmischen Städten an die Havarie in Fukushima
11.3.2026 Ekolist.cz
Fünfzehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima
Fünfzehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima, der zweitschwersten Nuklearkatastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie, bleibt dieses Ereignis ein bedeutender Meilenstein in der weltweiten Debatte über die Sicherheit der Kernenergie, das Krisenmanagement sowie die Transparenz öffentlicher Institutionen gegenüber der Bevölkerung.
Obwohl die direkten gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlenexposition nach bisherigen Erkenntnissen relativ begrenzt waren, sind die langfristigen sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Folgen der Katastrophe erheblich und beeinflussen bis heute das Leben von Hunderttausenden von Menschen. Die Beseitigung der Folgen der Havarie gehört zu den größten technischen und logistischen Projekten unserer Zeit und wird noch mehrere Jahrzehnte andauern.
Gleichzeitig planen zahlreiche Staaten den Bau neuer Kernkraftwerke, häufig auch in geopolitisch instabilen Regionen. Ein Beispiel ist der Iran, wo sich der Krieg auch in der Nähe des in Betrieb befindlichen Kernkraftwerks Buschehr bemerkbar gemacht hat. Bisher wurden zwar keine direkten Angriffe auf die Anlage oder auf die Baustellen weiterer Reaktorblöcke gemeldet, doch wurde der Bau nach Ausbruch des Konflikts vorübergehend unterbrochen, und Mitarbeiter des russischen Lieferunternehmens führen derzeit lediglich notwendige Arbeiten zu Ende. Zusammen mit der Ukraine wird damit auch der Iran zu einem weiteren Beispiel dafür, wie nukleare Anlagen Risiken ausgesetzt sein können, die sich aus bewaffneten Konflikten ergeben.
Die Bürgerinitiative Umweltschutz (OIŽP) bereitet daher anlässlich des Jahrestages der Katastrophe auch Informations- und Aufklärungsaktivitäten für die Öffentlichkeit vor. Diese sollen an die Erfahrungen aus Fukushima erinnern und zugleich auf die Risiken aufmerksam machen, die mit der Nutzung der Kernenergie in der heutigen Welt verbunden sind.
„Genau am Tag des fünfzehnten Jahrestages der Katastrophe von Fukushima, also am Mittwoch, werden wir den Bürgerinnen und Bürgern auf den Straßen von České Budějovice, Tábor und Soběslav zur Verfügung stehen. Wir möchten diesen Jahrestag gemeinsam mit der Öffentlichkeit begehen und offen über die Erfahrungen aus dieser Katastrophe sowie über die weiteren Zusammenhänge der Nutzung der Kernenergie sprechen“, erklärt Pavel Vlček von der Bürgerinitiative zum Schutz der Umwelt.
Bei den Treffen werden Vertreter der Vereinigung OIŽP Informationsflyer verteilen, die zu diesem Jahrestag vorbereitet wurden, und mit den Bürgerinnen und Bürgern über sicherheitspolitische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte der Kernenergie diskutieren.
https://ekolist.cz/cz/zpravodajstvi/tis ... y-fukusima
Rochade in der Führung von ČEPS: Durčák an der Spitze endet
11.03.2026 Tageszeitug Hospodářské noviny
Autor: Jan Brož
Im vergangenen Sommer griff der damalige Oppositionspolitiker Andrej Babiš (ANO) die Führung des staatlichen Unternehmens ČEPS, das das inländische Übertragungsnetz verwaltet, scharf an. Er machte sie für den massiven Stromausfall zu Beginn der Sommerferien verantwortlich, obwohl damals über die genauen Ursachen noch kaum etwas bekannt war und auch spätere Untersuchungen kein Verschulden konkreter Personen nachweisen konnten.
Nach dem Amtsantritt der neuen Regierung mit Babiš als Premierminister galten daher die Positionen der Führung von ČEPS als besonders gefährdet. Dies hat sich nun bestätigt. Wie die Unternehmenssprecherin Hana Klímová informierte, hat der nach den Wahlen neu zusammengesetzte Aufsichtsrat am Montag den Vorstandsvorsitzenden Martin Durčák abberufen, der mit dem letzten Märztag ausscheiden wird. Über die geplante Abberufung Durčáks berichtete zuerst das Portal Echo24.cz.
In den Vorstand kehrt dagegen Jan Kalina zurück, derzeit Mitglied des Vorstands des Energiekonzerns ČEZ, wo er die Abteilung für erneuerbare und konventionelle Energie leitet. Für Kalina ist ČEPS kein unbekanntes Umfeld. Er leitete das Unternehmen zwischen den Jahren 2016 und 2018, als er von dem früheren Leiter der Benzina-Tankstellen Martin Durčák abgelöst wurde. Dieser war während der damaligen Regierung Babiš an die Spitze von ČEPS berufen worden und blieb auch während der gesamten Amtszeit der Regierung von Premierminister Petr Fiala (ODS) im Amt.
Neben dem Stromausfall im vergangenen Jahr, dessen ursprüngliche Ursache der Sturz eines Leiters auf der Leitung V411 war, geriet ČEPS zuletzt vor allem im Zusammenhang mit der geplanten Stilllegung der Kohlekraftwerke der Gruppe Sev.en in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aufgabe des Betreibers des Übertragungsnetzes war es, zu bewerten, ob die Abschaltung dieser Anlagen die Energiesicherheit Tschechiens gefährden würde und ob es daher sinnvoll sei, ihren Betrieb weiterhin zu subventionieren.
Es gab Befürchtungen, dass die Führung von ČEPS unter starkem politischen Druck stehen würde, um das Ergebnis zu beeinflussen. Letztlich entschied der Netzbetreiber jedoch im Wesentlichen im Einklang mit seinen früheren Analysen. Das Kraftwerk Počerady und das Heizkraftwerk Kladno sind für die Stromversorgung Tschechiens nicht besonders entscheidend. Das Kraftwerk Chvaletice muss lediglich in einem eingeschränkten Betriebsmodus aufrechterhalten werden.
/gr/
Havlíček: Die Energiepolitik darf nicht wie unter der vorherigen Regierung vom Umweltressort bestimmt werden. Jurečka wurde von Lobbyisten beeinflusst.
11.3.2026 irozhlas.cz /Tschechischer Rundfunk
Gespräch mit dem 1. Vizepremierminister und Minister für Industrie und Handel Karel Havlíček (ANO)
Das Ziel der tschechischen Energiepolitik ist ein ausgewogener Energiemix. „Die Stimmen der erneuerbaren Quellen, der Kernenergie, des Gases und auch der Kohle müssen gehört werden“, beschreibt der 1. Vizepremierminister Karel Havlíček (ANO). In einem Interview für iROZHLAS.cz / für den Tschechischen Rundfunk lobt er die Koalitionszusammenarbeit auf einer mitte-rechts orientierten Grundlage mit SPD und Motoristen und vergleicht sie mit der Funktionsweise der vorherigen Regierung. Das Industrieministerium sei seiner Meinung nach damals zu einem zweitrangigen Ressort geworden und sei von den Ministerien für Finanzen oder Umwelt beeinflusst worden.
-Frage: Wie verliefen die Koalitionsverhandlungen über die wirtschaftliche Strategie der Regierung?Bis auf einige wenige Details handelt es sich nämlich praktisch Wort für Wort um die ursprüngliche Wirtschaftsstrategie der Bewegung ANO, die Sie ausgearbeitet und im Wahlkampf vorgestellt haben. Dabei haben sowohl SPD als auch Motoristen in manchen Punkten andere Positionen. Die SPD etwa wendet sich gegen ausländische Arbeitskräfte, und auch in der Koalition gibt es keine vollständige Einigkeit etwa beim Umgang mit erneuerbaren Stromquellen.
-Es war eine sehr sachliche Debatte. Ich sage es offen: Ich bin den Regierungsmitgliedern, aber auch den Koalitionspartnern dankbar, dass sie mir so viel Raum gegeben haben, diese Wirtschaftsstrategie nicht nur aus dem Programm der Bewegung ANO zu übernehmen, und dass sie sie nicht zerlegen wollten.
Natürlich gab es einzelne kleinere Punkte, die wir klären mussten, aber sie sagten ganz pragmatisch: „Du bist verantwortlich für die Wirtschaft des Landes, du bist verantwortlich für die Teams, die du aufstellst, du bist verantwortlich dafür, dass du das erfüllst, und wir werden dir da nicht hineinreden, weil die Vision und die Richtung richtig sind – und letztlich wirst du ohnehin dafür verantwortlich sein.“
-Sie verweisen darauf, dass Sie den Inhalt der Wirtschaftsstrategie mit Fachorganisationen, Industriellen und Ökonomen koordiniert und konsultiert haben. Als Sie dies später in der Koalition besprachen – wer war Ihr Ansprechpartner unter den Koalitionspartnern?
-Auf Koalitionsebene habe ich das mit Radim Fiala besprochen, der für die Wirtschaftspolitik der SPD zuständig ist und zugleich Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Abgeordnetenhauses ist. Deshalb musste ich diese Dinge unbedingt mit ihm abstimmen. Bis auf die erwähnten Kleinigkeiten waren wir uns einig. Dasselbe galt für die Motoristen, wo ich das vor allem mit ihrem Vorsitzenden Petr Macinka besprochen habe. Erst heute wird mir bewusst, wie wichtig diese Koalition ist.
-Wie meinen Sie das? Glauben Sie nicht, dass Sie sich auch mit anderen Parteien hätten einigen können – etwa mit den Parteien der vorherigen Regierung oder mit jenen, die nicht in das Parlament gekommen sind?
-Die Vorstellung, wir müssten zum Beispiel mit Stačilo! regieren … da würde ich mich aufhängen, weil ich mich mit ihnen nicht einigen könnte. Es geht nicht um Hass, aber mit Kateřina Konečná oder Jana Maláčová könnte ich mich nicht darauf einigen, wie unsere wirtschaftliche Strategie aussehen soll.
-Stimmt, für sie wäre sie wohl zu rechts …
-Ich habe sie marktwirtschaftlich aufgebaut, der Motor des Wachstums muss der private Sektor sein. Wir haben eindeutig eine mitte-rechte Koalition. Die Bewegung ANO repräsentiert die Mitte, ich selbst bin innerhalb von ANO eher stärker marktwirtschaftlich und unternehmensfreundlich orientiert. Die Motoristen stehen klar im rechten Spektrum, und die SPD ebenfalls – das bedeutet, dass sich diese Strategie ideologisch im Grunde gut erarbeiten ließ.
Dukovany und Temelín
-Wenn wir uns auf die Energiepolitik innerhalb der Wirtschaftsstrategie konzentrieren, ergibt sich daraus, dass die Kernenergie künftig eine absolut zentrale Quelle sein wird. Sie möchten auf EU-Ebene die Taxonomie überarbeiten und die Kernenergie unter die sauberen Energiequellen einordnen …
-Ich ergänze gleich: Die Strategie im Energiebereich basiert vor allem auf einem Gleichgewicht zwischen stabilen und instabilen Energiequellen. Davon leitet sich vieles ab, denn wir können nicht eine stabile Quelle schließen, um stattdessen eine andere, instabile Quelle zu haben. Deshalb wollen wir Gas als Übergangsquelle nutzen.
-Wie sehen Sie die Zukunft weiterer tschechischer Investitionen in Kernkraftwerke?
-Wir haben Kernkraftwerke in Dukovany und Temelín, außerdem wird ein Projekt kleiner modularer Reaktoren vorbereitet. In welcher Phase befinden sich diese einzelnen Teile der tschechischen Kernenergie?
-Mit der vorherigen Regierung waren wir uns im strategischen Blick darauf einig, wie der tschechische Energiemix aussehen sollte. Aber ihnen fehlte der Durchsetzungswille und die Dynamik. Sie sagten zwar, Kernenergie sei gut, taten aber nicht viel dafür, und auch bei kleinen modularen Reaktoren bewegte sich nichts. Das erledigte alles ČEZ – all diese Schritte. Abgesehen davon, dass ein Vertrag mit KHNP unterzeichnet wurde, den wir vorbereitet hatten, kam es zu keinen grundlegenden strategischen Fortschritten.
-Werden die Koreaner die neuen Blöcke in Dukovany tatsächlich bauen können?
-Auf jeden Fall. Ein koreanischer Minister ist bereits zu uns gekommen, um sich kennenzulernen. Ich habe zwei Tage mit ihm verbracht, es war ein ausgezeichnetes Treffen. Wir haben den Zeitplan bestätigt, die Partnerschaft für die ersten beiden Blöcke bestätigt und alles bestätigt, was notwendig war.
Ich habe auch das sensible Thema der Lieferungen tschechischer Firmen und der Beteiligung unserer Industrie angesprochen. Wir sind zu einigen Schlussfolgerungen gekommen, und der Zeitplan gilt. Im Jahre 2029 soll mit dem Bau begonnen werden, und Ende 2036 oder Anfang 2037 soll alles fertig sein.
-Und was ist mit der Erweiterung von Temelín?
-Wir haben sofort mit der Vorbereitung von zwei weiteren Blöcken in Temelín begonnen. Gleichzeitig arbeiten wir an einem vollständigen Finanz-, Investitions- und Geschäftsmodell für kleine modulare Reaktoren. Das ist eine grundlegende Sache.
Das Industrieministerium bereitet Unterlagen für die Regierung vor, die im nächsten Jahr über die Fortsetzung des Kernenergieprogramms auf der Ebene von Temelín sowie über kleine modulare Reaktoren entscheiden soll. Das musste ich in Bewegung bringen – ebenso wie den weiteren Bau stabiler Energiequellen, unter anderem von Gaskraftwerken. Ein ganzes Team arbeitet daran, aber unser Antrieb ist grundlegend anders als bei der vorherigen Regierung.
Wirtschaftsministerium
-Sie kritisieren die vorherige Regierung. Sie waren ein großer Kritiker Ihres Nachfolgers im Amt des Industrieministers Jozef Síkela. Hat sich die Situation verbessert, nachdem er ein Jahr vor den Wahlen durch Lukáš Vlček (beide STAN) ersetzt wurde?
-Ich möchte mich dazu nicht mehr äußern, für mich ist das abgeschlossen. Ich könnte viele Beispiele aus dem Energie- oder Industriesektor anführen, wie es damals funktioniert hat, aber ich werde das nicht tun. Wir werden unsere Politik nicht darauf aufbauen, was in der vergangenen Periode nicht gelungen ist.
Eine Sache sage ich allerdings – auch wenn sie mir nicht leichtfällt: In den letzten vier Jahren wurde aus einem erstklassigen Ministerium mit starkem Gewicht in der Regierung, das ich in der vorvorigen Amtsperiode aufgebaut hatte, im Grunde ein Ressort ohne großen Einfluss. Der Finanzminister Zbyněk Stanjura (ODS) hat den Industrieminister regelrecht überrollt. Mir wäre so etwas nie passiert.
Das gesamte Interview:
https://www.irozhlas.cz/zpravy-domov/ha ... 110700_jgr
--
Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Europas Abkehr von der Kernenergie war ein Fehler, räumte von der Leyen auf dem Gipfel ein.
Die BIU / OIZP mahnt in den südböhmischen Städten an die Havarie in Fukushima.
Rochade in der Führung von ČEPS: Durčák an der Spitze endet.
Havlíček: Die Energiepolitik darf nicht wie unter der vorherigen Regierung vom Umweltressort bestimmt werden. Jurečka wurde von Lobbyisten beeinflusst.
Gespräch mit dem 1. Vizepremierminister und Minister für Industrie und Handel Karel Havlíček (ANO)
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Europas Abkehr von der Kernenergie war ein Fehler, räumte von der Leyen auf dem Gipfel ein
Tschechisches Fernsehen Quelle: ČTK, jch
10. 3. 2026
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, bezeichnete am Dienstag auf dem Pariser Gipfel über die zivile Nutzung der Kernenergie die europäische Abkehr von der Kernenergie in der jüngeren Vergangenheit als Fehler. Kernenergie sei der Schlüssel zur Erreichung der europäischen Energieunabhängigkeit, sagte zu Beginn der Veranstaltung der französische Präsident Emmanuel Macron. Europa müsse seiner Meinung nach seine Standards vereinheitlichen, den Energiemarkt besser vernetzen und den Rahmen für staatliche Unterstützung konsolidieren. Für die Förderung der Kernenergie sprach sich auch der slowakische Premierminister Robert Fico (Smer) aus.
„Ich denke, es war ein strategischer Fehler, dass Europa einem zuverlässigen und verfügbaren Quellen niedriger Emissionen den Rücken gekehrt hat“, sagte von der Leyen mit Bezug auf die europäische Abkehr von der Kernenergie zu Beginn dieses Jahrhunderts, als sich beispielsweise auch ihr Heimatland Deutschland von dieser Energiequelle verabschiedete.
Während in den 1990er Jahren noch bis zu ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, sind es heute etwa fünfzehn Prozent, fügte sie hinzu. Brüssel bereite laut ihr eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Regeln für die Kernenergie vor, die Unterstützung bei der Einführung kleiner modularer Reaktoren sowie einen Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro (4,9 Milliarden Kronen) für Garantien für private Investitionen in innovative Nuklearprojekte.
Auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hält das Ende der Kernenergie in Deutschland für einen Fehler. Er betrachtet diese Entscheidung jedoch als unumkehrbar. „Die Entscheidung ist irreversibel. Ich bedauere das, aber so ist es“, fügte er vor Journalisten nach einem Treffen mit dem tschechischen Premierminister Andrej Babiš (ANO) hinzu.
Über die Beendigung der Stromerzeugung aus Kernenergie in Deutschland hatte ursprünglich bereits im Mai 2011 die Regierung der Bundeskanzlerin Angela Merkel von der Christlich Demokratischen Union entschieden, deren Mitglied auch Merz ist. Auslöser war die Havarie des Kernkraftwerks im japanischen Fukushima im selben Jahr. Die letzten drei Kernkraftwerke schaltete Deutschland im Jahr 2023 vom Netz ab und stellte damit nach mehr als sechzig Jahren die Stromerzeugung aus Kernenergie ein. Merz sagte, Deutschland konzentriere sich nun auf die Optimierung seiner Energiepolitik; auch die Stromnetze müssten seiner Meinung nach ausgebaut werden.
Kernenergie ist der Schlüssel zur Energieunabhängigkeit der EU, meint Macron….
„Die Kernenergie ist der Schlüssel, um Energieunabhängigkeit und zugleich Energiesouveränität, Dekarbonisierung und damit auch Klimaneutralität mit Blick auf das Jahr 2050 sowie Wettbewerbsfähigkeit und damit auch neue Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft zu erreichen“, zitierte AFP aus der Rede von Präsident Macron.
Die Europäische Union habe laut Macron erhebliche Defizite, etwa weil sie die Kernenergie nicht konsequent unterstütze. In der sogenannten EU-Taxonomie, die für die Förderung von Energiequellen entscheidend ist, wird die Kernenergie derzeit als vorübergehend grüne Energiequelle eingestuft. Frankreich und einige weitere Länder, darunter auch Tschechien, setzen sich dafür ein, sie als langfristige Energiequelle anzuerkennen. Gegen die Nutzung der Kernenergie stellen sich jedoch beispielsweise Deutschland oder Österreich.
Zur Unterstützung dieses Energietyps durch die EU rief am Dienstag auch der slowakische Premierminister Fico auf. Der nächste Haushalt der Europäischen Union für den Zeitraum 2028 bis 2034 sollte seiner Meinung nach die Kernenergie als dekarbonisierte Energiequelle anerkennen. Das bedeute keine direkte Finanzierung von Kernreaktoren aus EU-Mitteln, sondern einen gleichberechtigten Zugang zu Finanzmitteln wie bei anderen Energiequellen, erklärte Fico laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Eine stärkere Aktivität seines Landes im Bereich der Kernenergie kündigte etwa auch der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis an. Die Regierung in Athen werde eine Ministerkommission einrichten, um die Entwicklung der genannten kleinen modularen Reaktoren zu planen, die zum Energiemix des Landes beitragen sollen, berichtete Reuters.
Die EU-Staaten sollten nach Ansicht des französischen Präsidenten außerdem mehr Anstrengungen in eigene Kapazitäten zur Urananreicherung investieren, die zu zentralen innovativen Projekten innerhalb der Union werden sollten. Zwar bauen westliche Unternehmen ihre Kapazitäten aus, doch laut der Zeitung Financial Times importiert die EU weiterhin fast ein Viertel ihres Urans aus Russland, was Moskau ermöglicht, Druck auf die Siebenundzwanzig auszuüben.
Quelle: https://ct24.ceskatelevize.cz/clanek/sv ... ova-371148
/gr/
Die BIU / OIZP mahnt in den südböhmischen Städten an die Havarie in Fukushima
11.3.2026 Ekolist.cz
Fünfzehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima
Fünfzehn Jahre nach der Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima, der zweitschwersten Nuklearkatastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie, bleibt dieses Ereignis ein bedeutender Meilenstein in der weltweiten Debatte über die Sicherheit der Kernenergie, das Krisenmanagement sowie die Transparenz öffentlicher Institutionen gegenüber der Bevölkerung.
Obwohl die direkten gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlenexposition nach bisherigen Erkenntnissen relativ begrenzt waren, sind die langfristigen sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Folgen der Katastrophe erheblich und beeinflussen bis heute das Leben von Hunderttausenden von Menschen. Die Beseitigung der Folgen der Havarie gehört zu den größten technischen und logistischen Projekten unserer Zeit und wird noch mehrere Jahrzehnte andauern.
Gleichzeitig planen zahlreiche Staaten den Bau neuer Kernkraftwerke, häufig auch in geopolitisch instabilen Regionen. Ein Beispiel ist der Iran, wo sich der Krieg auch in der Nähe des in Betrieb befindlichen Kernkraftwerks Buschehr bemerkbar gemacht hat. Bisher wurden zwar keine direkten Angriffe auf die Anlage oder auf die Baustellen weiterer Reaktorblöcke gemeldet, doch wurde der Bau nach Ausbruch des Konflikts vorübergehend unterbrochen, und Mitarbeiter des russischen Lieferunternehmens führen derzeit lediglich notwendige Arbeiten zu Ende. Zusammen mit der Ukraine wird damit auch der Iran zu einem weiteren Beispiel dafür, wie nukleare Anlagen Risiken ausgesetzt sein können, die sich aus bewaffneten Konflikten ergeben.
Die Bürgerinitiative Umweltschutz (OIŽP) bereitet daher anlässlich des Jahrestages der Katastrophe auch Informations- und Aufklärungsaktivitäten für die Öffentlichkeit vor. Diese sollen an die Erfahrungen aus Fukushima erinnern und zugleich auf die Risiken aufmerksam machen, die mit der Nutzung der Kernenergie in der heutigen Welt verbunden sind.
„Genau am Tag des fünfzehnten Jahrestages der Katastrophe von Fukushima, also am Mittwoch, werden wir den Bürgerinnen und Bürgern auf den Straßen von České Budějovice, Tábor und Soběslav zur Verfügung stehen. Wir möchten diesen Jahrestag gemeinsam mit der Öffentlichkeit begehen und offen über die Erfahrungen aus dieser Katastrophe sowie über die weiteren Zusammenhänge der Nutzung der Kernenergie sprechen“, erklärt Pavel Vlček von der Bürgerinitiative zum Schutz der Umwelt.
Bei den Treffen werden Vertreter der Vereinigung OIŽP Informationsflyer verteilen, die zu diesem Jahrestag vorbereitet wurden, und mit den Bürgerinnen und Bürgern über sicherheitspolitische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte der Kernenergie diskutieren.
https://ekolist.cz/cz/zpravodajstvi/tis ... y-fukusima
Rochade in der Führung von ČEPS: Durčák an der Spitze endet
11.03.2026 Tageszeitug Hospodářské noviny
Autor: Jan Brož
Im vergangenen Sommer griff der damalige Oppositionspolitiker Andrej Babiš (ANO) die Führung des staatlichen Unternehmens ČEPS, das das inländische Übertragungsnetz verwaltet, scharf an. Er machte sie für den massiven Stromausfall zu Beginn der Sommerferien verantwortlich, obwohl damals über die genauen Ursachen noch kaum etwas bekannt war und auch spätere Untersuchungen kein Verschulden konkreter Personen nachweisen konnten.
Nach dem Amtsantritt der neuen Regierung mit Babiš als Premierminister galten daher die Positionen der Führung von ČEPS als besonders gefährdet. Dies hat sich nun bestätigt. Wie die Unternehmenssprecherin Hana Klímová informierte, hat der nach den Wahlen neu zusammengesetzte Aufsichtsrat am Montag den Vorstandsvorsitzenden Martin Durčák abberufen, der mit dem letzten Märztag ausscheiden wird. Über die geplante Abberufung Durčáks berichtete zuerst das Portal Echo24.cz.
In den Vorstand kehrt dagegen Jan Kalina zurück, derzeit Mitglied des Vorstands des Energiekonzerns ČEZ, wo er die Abteilung für erneuerbare und konventionelle Energie leitet. Für Kalina ist ČEPS kein unbekanntes Umfeld. Er leitete das Unternehmen zwischen den Jahren 2016 und 2018, als er von dem früheren Leiter der Benzina-Tankstellen Martin Durčák abgelöst wurde. Dieser war während der damaligen Regierung Babiš an die Spitze von ČEPS berufen worden und blieb auch während der gesamten Amtszeit der Regierung von Premierminister Petr Fiala (ODS) im Amt.
Neben dem Stromausfall im vergangenen Jahr, dessen ursprüngliche Ursache der Sturz eines Leiters auf der Leitung V411 war, geriet ČEPS zuletzt vor allem im Zusammenhang mit der geplanten Stilllegung der Kohlekraftwerke der Gruppe Sev.en in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Aufgabe des Betreibers des Übertragungsnetzes war es, zu bewerten, ob die Abschaltung dieser Anlagen die Energiesicherheit Tschechiens gefährden würde und ob es daher sinnvoll sei, ihren Betrieb weiterhin zu subventionieren.
Es gab Befürchtungen, dass die Führung von ČEPS unter starkem politischen Druck stehen würde, um das Ergebnis zu beeinflussen. Letztlich entschied der Netzbetreiber jedoch im Wesentlichen im Einklang mit seinen früheren Analysen. Das Kraftwerk Počerady und das Heizkraftwerk Kladno sind für die Stromversorgung Tschechiens nicht besonders entscheidend. Das Kraftwerk Chvaletice muss lediglich in einem eingeschränkten Betriebsmodus aufrechterhalten werden.
/gr/
Havlíček: Die Energiepolitik darf nicht wie unter der vorherigen Regierung vom Umweltressort bestimmt werden. Jurečka wurde von Lobbyisten beeinflusst.
11.3.2026 irozhlas.cz /Tschechischer Rundfunk
Gespräch mit dem 1. Vizepremierminister und Minister für Industrie und Handel Karel Havlíček (ANO)
Das Ziel der tschechischen Energiepolitik ist ein ausgewogener Energiemix. „Die Stimmen der erneuerbaren Quellen, der Kernenergie, des Gases und auch der Kohle müssen gehört werden“, beschreibt der 1. Vizepremierminister Karel Havlíček (ANO). In einem Interview für iROZHLAS.cz / für den Tschechischen Rundfunk lobt er die Koalitionszusammenarbeit auf einer mitte-rechts orientierten Grundlage mit SPD und Motoristen und vergleicht sie mit der Funktionsweise der vorherigen Regierung. Das Industrieministerium sei seiner Meinung nach damals zu einem zweitrangigen Ressort geworden und sei von den Ministerien für Finanzen oder Umwelt beeinflusst worden.
-Frage: Wie verliefen die Koalitionsverhandlungen über die wirtschaftliche Strategie der Regierung?Bis auf einige wenige Details handelt es sich nämlich praktisch Wort für Wort um die ursprüngliche Wirtschaftsstrategie der Bewegung ANO, die Sie ausgearbeitet und im Wahlkampf vorgestellt haben. Dabei haben sowohl SPD als auch Motoristen in manchen Punkten andere Positionen. Die SPD etwa wendet sich gegen ausländische Arbeitskräfte, und auch in der Koalition gibt es keine vollständige Einigkeit etwa beim Umgang mit erneuerbaren Stromquellen.
-Es war eine sehr sachliche Debatte. Ich sage es offen: Ich bin den Regierungsmitgliedern, aber auch den Koalitionspartnern dankbar, dass sie mir so viel Raum gegeben haben, diese Wirtschaftsstrategie nicht nur aus dem Programm der Bewegung ANO zu übernehmen, und dass sie sie nicht zerlegen wollten.
Natürlich gab es einzelne kleinere Punkte, die wir klären mussten, aber sie sagten ganz pragmatisch: „Du bist verantwortlich für die Wirtschaft des Landes, du bist verantwortlich für die Teams, die du aufstellst, du bist verantwortlich dafür, dass du das erfüllst, und wir werden dir da nicht hineinreden, weil die Vision und die Richtung richtig sind – und letztlich wirst du ohnehin dafür verantwortlich sein.“
-Sie verweisen darauf, dass Sie den Inhalt der Wirtschaftsstrategie mit Fachorganisationen, Industriellen und Ökonomen koordiniert und konsultiert haben. Als Sie dies später in der Koalition besprachen – wer war Ihr Ansprechpartner unter den Koalitionspartnern?
-Auf Koalitionsebene habe ich das mit Radim Fiala besprochen, der für die Wirtschaftspolitik der SPD zuständig ist und zugleich Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Abgeordnetenhauses ist. Deshalb musste ich diese Dinge unbedingt mit ihm abstimmen. Bis auf die erwähnten Kleinigkeiten waren wir uns einig. Dasselbe galt für die Motoristen, wo ich das vor allem mit ihrem Vorsitzenden Petr Macinka besprochen habe. Erst heute wird mir bewusst, wie wichtig diese Koalition ist.
-Wie meinen Sie das? Glauben Sie nicht, dass Sie sich auch mit anderen Parteien hätten einigen können – etwa mit den Parteien der vorherigen Regierung oder mit jenen, die nicht in das Parlament gekommen sind?
-Die Vorstellung, wir müssten zum Beispiel mit Stačilo! regieren … da würde ich mich aufhängen, weil ich mich mit ihnen nicht einigen könnte. Es geht nicht um Hass, aber mit Kateřina Konečná oder Jana Maláčová könnte ich mich nicht darauf einigen, wie unsere wirtschaftliche Strategie aussehen soll.
-Stimmt, für sie wäre sie wohl zu rechts …
-Ich habe sie marktwirtschaftlich aufgebaut, der Motor des Wachstums muss der private Sektor sein. Wir haben eindeutig eine mitte-rechte Koalition. Die Bewegung ANO repräsentiert die Mitte, ich selbst bin innerhalb von ANO eher stärker marktwirtschaftlich und unternehmensfreundlich orientiert. Die Motoristen stehen klar im rechten Spektrum, und die SPD ebenfalls – das bedeutet, dass sich diese Strategie ideologisch im Grunde gut erarbeiten ließ.
Dukovany und Temelín
-Wenn wir uns auf die Energiepolitik innerhalb der Wirtschaftsstrategie konzentrieren, ergibt sich daraus, dass die Kernenergie künftig eine absolut zentrale Quelle sein wird. Sie möchten auf EU-Ebene die Taxonomie überarbeiten und die Kernenergie unter die sauberen Energiequellen einordnen …
-Ich ergänze gleich: Die Strategie im Energiebereich basiert vor allem auf einem Gleichgewicht zwischen stabilen und instabilen Energiequellen. Davon leitet sich vieles ab, denn wir können nicht eine stabile Quelle schließen, um stattdessen eine andere, instabile Quelle zu haben. Deshalb wollen wir Gas als Übergangsquelle nutzen.
-Wie sehen Sie die Zukunft weiterer tschechischer Investitionen in Kernkraftwerke?
-Wir haben Kernkraftwerke in Dukovany und Temelín, außerdem wird ein Projekt kleiner modularer Reaktoren vorbereitet. In welcher Phase befinden sich diese einzelnen Teile der tschechischen Kernenergie?
-Mit der vorherigen Regierung waren wir uns im strategischen Blick darauf einig, wie der tschechische Energiemix aussehen sollte. Aber ihnen fehlte der Durchsetzungswille und die Dynamik. Sie sagten zwar, Kernenergie sei gut, taten aber nicht viel dafür, und auch bei kleinen modularen Reaktoren bewegte sich nichts. Das erledigte alles ČEZ – all diese Schritte. Abgesehen davon, dass ein Vertrag mit KHNP unterzeichnet wurde, den wir vorbereitet hatten, kam es zu keinen grundlegenden strategischen Fortschritten.
-Werden die Koreaner die neuen Blöcke in Dukovany tatsächlich bauen können?
-Auf jeden Fall. Ein koreanischer Minister ist bereits zu uns gekommen, um sich kennenzulernen. Ich habe zwei Tage mit ihm verbracht, es war ein ausgezeichnetes Treffen. Wir haben den Zeitplan bestätigt, die Partnerschaft für die ersten beiden Blöcke bestätigt und alles bestätigt, was notwendig war.
Ich habe auch das sensible Thema der Lieferungen tschechischer Firmen und der Beteiligung unserer Industrie angesprochen. Wir sind zu einigen Schlussfolgerungen gekommen, und der Zeitplan gilt. Im Jahre 2029 soll mit dem Bau begonnen werden, und Ende 2036 oder Anfang 2037 soll alles fertig sein.
-Und was ist mit der Erweiterung von Temelín?
-Wir haben sofort mit der Vorbereitung von zwei weiteren Blöcken in Temelín begonnen. Gleichzeitig arbeiten wir an einem vollständigen Finanz-, Investitions- und Geschäftsmodell für kleine modulare Reaktoren. Das ist eine grundlegende Sache.
Das Industrieministerium bereitet Unterlagen für die Regierung vor, die im nächsten Jahr über die Fortsetzung des Kernenergieprogramms auf der Ebene von Temelín sowie über kleine modulare Reaktoren entscheiden soll. Das musste ich in Bewegung bringen – ebenso wie den weiteren Bau stabiler Energiequellen, unter anderem von Gaskraftwerken. Ein ganzes Team arbeitet daran, aber unser Antrieb ist grundlegend anders als bei der vorherigen Regierung.
Wirtschaftsministerium
-Sie kritisieren die vorherige Regierung. Sie waren ein großer Kritiker Ihres Nachfolgers im Amt des Industrieministers Jozef Síkela. Hat sich die Situation verbessert, nachdem er ein Jahr vor den Wahlen durch Lukáš Vlček (beide STAN) ersetzt wurde?
-Ich möchte mich dazu nicht mehr äußern, für mich ist das abgeschlossen. Ich könnte viele Beispiele aus dem Energie- oder Industriesektor anführen, wie es damals funktioniert hat, aber ich werde das nicht tun. Wir werden unsere Politik nicht darauf aufbauen, was in der vergangenen Periode nicht gelungen ist.
Eine Sache sage ich allerdings – auch wenn sie mir nicht leichtfällt: In den letzten vier Jahren wurde aus einem erstklassigen Ministerium mit starkem Gewicht in der Regierung, das ich in der vorvorigen Amtsperiode aufgebaut hatte, im Grunde ein Ressort ohne großen Einfluss. Der Finanzminister Zbyněk Stanjura (ODS) hat den Industrieminister regelrecht überrollt. Mir wäre so etwas nie passiert.
Das gesamte Interview:
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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