Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Verfasst: Di 27. Jan 2026, 09:05
Auswahl relevanten Zeitungsartikeln aus tschechien Medien zum Thema Energie vom 27.Januar 2026:
Inhalt:
Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler, sagt der amtierende deutsche Bundeskanzler.
Die neue Regierung steuert auf eine Verstaatlichung von ČEZ zu.
Der Anstieg der Stromerzeugung in Tschechien wurde im vergangenen Jahr von Kernkraftwerken getragen.
Der Staat und ČEZ können Aktien von Minderheitsaktionären zurückkaufen, ohne sich auch nur um eine Krone zu verschulden.
Schließen oder subventionieren? ČEPS wird heute das Schicksal von Tykačs Kohlekraftwerken ankündigen
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Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler, sagt der amtierende deutsche Bundeskanzler
27.01.2026 Technische Wochenzeitung Seite: 15
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete in seiner Rede vor der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Dessau den Ausstieg aus der Kernenergie als einen „grundlegenden strategischen Fehler“.
Die Videodokumentation wurde von der Plattform Clash Report auf ihrem X-Account veröffentlicht. Die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken ist – zusammen mit den hohen Strompreisen – eines der Themen der aktuellen Regierung.
Mehr als 60 Jahre nach der Inbetriebnahme des ersten Kernreaktors schaltete Deutschland im April 2023 seine letzten noch betriebenen Kernkraftwerksblöcke ab. Zu diesem Zeitpunkt trugen die drei Kernkraftwerke im Land nur noch mit lediglich 5 % zur Stromerzeugung bei. Dieser Meilenstein beendete einen mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Ausstieg, den die Bundesregierung unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeleitet hatte.
Die Ergebnisse einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov, die im Frühjahr 2023 auf den Seiten der Organisation Clean Energy Wire veröffentlicht wurden, zeigten dabei, dass rund zwei Drittel der Deutschen gegen die bevorstehende Abschaltung der restlichen drei Atomanlagen waren. Ein Teil der Öffentlichkeit hätte einen weiteren Betrieb der Kernenergie begrüßt: 32 % der Befragten unterstützten eine zeitlich begrenzte Verlängerung des Betriebs, weitere 33 % sprachen sich für eine zeitlich unbegrenzte Fortsetzung aus. Dagegen befürworteten nur 26 % der Befragten eindeutig ein vollständiges Ende der Nutzung der Kernenergie.
Die neue Regierung schlägt einen anderen Kurs ein...
Der Amtsantritt der neuen deutschen Bundesregierung im Mai des vergangenen Jahres unter der Führung von Friedrich Merz signalisierte eine pragmatische Kehrtwende. Von einer Neubewertung des bisherigen blockierenden Ansatzes gegenüber der Kernenergie erhofften sich politische Vertreter – insbesondere aus Frankreich – eine mögliche Zusammenarbeit auf Ebene der Europäischen Union.
„Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler. Wenn es schon dazu kommen sollte, hätten zumindest die verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland noch vor drei Jahren weiter betrieben werden müssen … Jetzt realisieren wir die teuerste Energiewende der Welt. Ich kenne kein anderes Land, das es sich so kompliziert und zugleich so kostspielig macht wie Deutschland. Wir haben etwas geerbt, das wir nun korrigieren müssen, aber wir verfügen schlicht nicht über ausreichende Kapazitäten zur Energieerzeugung“, erklärte Merz im Januar dieses Jahres.
Die deutsche Regierung befasst sich seit Langem mit den hohen Strompreisen, die die heimische Industrie belasten und sie gegenüber ausländischer Konkurrenz benachteiligen. Im Rahmen von Gesprächen mit der Europäischen Kommission wird ein Programm für einen reduzierten Industriestrompreis vorbereitet.
Ist die Kernenergie in Deutschland wieder im Spiel?
Die amtierende deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, schloss aus, dass es zu einer Wiederinbetriebnahme kommen könnte. Als Gründe nannte sie die wirtschaftliche Belastung eines solchen Vorgehens sowie das Fehlen eines gesellschaftlichen Konsenses. Demgegenüber wies die Radiant Energy Group in ihrer Analyse aus dem vergangenen Jahr auf die technische Machbarkeit und den wirtschaftlichen Nutzen eines Neustarts stillgelegter Kernkraftwerke hin.
Eine Meinungsumfrage des Instituts Innofact auf den Seiten der Deutschen Welle vom April 2025 zeigt wiederum, dass rund 55 % der Deutschen für eine Rückkehr zur Kernenergie sind. Insgesamt 22 % der Befragten fordern, nur die zuletzt abgeschalteten Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen. 32 % sprachen sich auch für den Bau neuer Reaktoren aus. Lediglich 17 % der Befragten sind dagegen, der Rest bleibt unentschlossen. Die Umfrage ergab zudem, dass 57 % der Befragten weitere Investitionen in verschiedene Formen erneuerbarer Energien unterstützen.
/gr/
Die neue Regierung steuert auf eine Verstaatlichung von ČEZ zu
27.01.2026, Technische Wochenzeitung /jj/ Rubrik: Energie - Seite: 15
Die Aktien des Unternehmens ČEZ fielen Mitte Januar um mehrere Prozent als Reaktion auf die Äußerungen von Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček. Ihm zufolge wird der Staat noch in diesem Jahr vorbereitende Schritte zum Aufkauf der Anteile von Minderheitsaktionären und zur Verstaatlichung des Unternehmens einleiten.
Die Regierung bestätigte, dass sie es mit der Verstaatlichung des Energie-Giganten ernst meint. „Wir werden das nicht hinauszögern, wir haben ein bestimmtes vorbereitetes Szenario, wie wir weiter vorgehen werden“, sagte Havlíček. Der Prozess werde seinen Angaben zufolge in den kommenden Monaten eingeleitet. „Wir haben ein Modell vorbereitet, das weder den Staatshaushalt noch das Unternehmen ČEZ in wesentlicher Weise belasten wird“, fügte er hinzu.
Welches Modell für den Aktienaufkauf die Regierung anwenden will oder welche konkreten Schritte der Staat plant, präzisierte Havlíček nicht, da es sich um kursrelevante Informationen handelt. Analysten äußern jedoch Zweifel an der Möglichkeit, ČEZ zu verstaatlichen, ohne dass dies weder die Staatskasse noch das Energieunternehmen spürbar belastet.
Schätzungen zufolge könnte der Aufkauf rund 250 Milliarden Kronen kosten. Über diese Mittel verfügen jedoch weder ČEZ noch der Staat. Für den Rückkauf der Aktien müssten daher Kredite aufgenommen werden, die anschließend zurückgezahlt werden müssten. Dies würde sich negativ auf die wirtschaftliche Lage beider auswirken.
/gr/
Haushaltsdefizit wird 310 Milliarden Kronen betragen
27.01.2026, Tageszeitung Mladá fronta DNES Titelseite
Autoren: Eva Pospíšilová, Sabina Mrázová
Die Regierung hat den Entwurf des Staatshaushalts für dieses Jahr gebilligt. Den früheren Vorschlag von Stanjura hatte sie abgelehnt.
Den Entwurf des Staatshaushalts für dieses Jahr mit einem Defizit von 310 Milliarden Kronen billigte gestern die Regierung von Andrej Babiš (ANO).
Es handelt sich um eine überarbeitete Version des Entwurfs aus der Feder des ehemaligen Finanzministers Zbyněk Stanjura (ODS), der von einem Defizit in Höhe von 286 Milliarden Kronen ausgegangen war. Nach Angaben von Vertretern der aktuellen Koalition fehlten im ursprünglichen Entwurf jedoch einige Posten.
„Wir haben den verpfuschten Haushalt der Regierung von Petr Fiala überarbeitet. Weg sind künstlich aufgeblähte Einnahmen, weg sind fehlende obligatorische Ausgaben“, erklärte Finanzministerin Alena Schillerová und fügte hinzu, dass in den neuen Entwurf unter anderem 26 Milliarden Kronen für die Verkehrsinfrastruktur sowie 17 Milliarden Kronen für obligatorische Ausgaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales zur Unterstützung der Menschen aufgenommen wurden. Gespart werden soll hingegen beim Betrieb des Staates – um zehn Prozent.
„Wenn wir dieses Geld nicht eingestellt hätten, könnten wir weder die Vorbereitung des Prager Rings fortsetzen noch den Bau der Eisenbahnverbindung Prag–Flughafen–Kladno weiterführen, wir könnten nicht endlich mit verschiedenen Umgehungsstraßen beginnen und das Autobahnnetz fertigstellen, das so viele Jahre nach der Revolution noch immer nicht vollendet ist“, stellte Ministerpräsident Andrej Babiš fest.
Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen seien dagegen die Verteidigungsausgaben gekürzt worden. Der Staat werde in diesem Jahr zudem kein Darlehen in Höhe von 18,3 Milliarden Kronen für den Bau neuer Kernkraftwerksblöcke im Kraftwerk Dukovany bereitstellen, da die EU die öffentliche Unterstützung für dieses Projekt bislang nicht genehmigt habe.
Die Oppositionsparteien halten das beschlossene Defizit für unverantwortlich hoch.
/gr/
Der Anstieg der Stromerzeugung in Tschechien wurde im vergangenen Jahr von Kernkraftwerken getragen
27.01.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 5
Autor: Přemysl Spěvák
Die tschechische Energiewirtschaft steht vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Die neue Regierung von Andrej Babiš und seinen Koalitionspartnern hat bedeutende Schritte angekündigt. Fachleuten zufolge zeigte sich im vergangenen Jahr, dass die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft nicht nur eine Frage des Baus neuer Erzeugungskapazitäten ist, sondern vor allem der Energienetzsteuerung, der Flexibilität und der Investitionen in die Netze. Zahlenmäßig stieg im vergangenen Jahr die Stromerzeugung der Kernkraftwerke – sie würde etwa den halbjährigen Verbrauch Tschechiens decken – ebenso wie die der Photovoltaikanlagen. Auf der anderen Seite erlebte der Solarmarkt nach Rekordzuwächsen im Jahr 2025 eine spürbare Abkühlung.
Mit einem Anteil von 42 Prozent an der in Tschechien erzeugten Elektrizität waren die Kernkraftwerke im vergangenen Jahr die größte Stromquelle in Tschechien. Der Anteil der Braunkohlekraftwerke sank auf 32,2 Prozent. Zulegen konnten die Solarkraftwerke mit 6,6 Prozent; dank eines Jahreszuwachses von 20 Prozent blieben sie die am schnellsten wachsende Stromerzeugungsart. Sie steigerten ihre Produktion bereits im dritten Jahr in Folge.
Die Kernkraftwerke Dukovany und Temelín überschritten im Jahre 2025 gemeinsam eine symbolische Produktionsmarke. Emissionsfrei erzeugten sie 30,3 Terawattstunden Strom, was ungefähr den halbjährigen Verbrauch der gesamten Tschechischen Republik decken würde. Das sind 900.000 MWh mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017.
In diesem Jahr soll die Stromproduktion aufgrund von geplanten Block-Abschaltungen für den Brennstoffwechsel in den Kernkraftwerken geringer ausfallen. „Gegen Ende des Jahrzehnts zielen wir jedoch auf eine durchschnittliche Jahresproduktion von über 32 TWh“, teilte Bohdan Zronek, Vorstandsmitglied des Unternehmens ČEZ und Direktor der CEZ-Abteilung Kernenergie, mit.
Tschechien verfügt über eine günstige Struktur der Energiequellen...
Nach Ansicht von Jiří Matoušek vom Unternehmen Centropol Energy verfügt Tschechien derzeit über eine vorteilhafte Aufteilung der Energiequellen. „Aus gut steuerbaren Quellen stammen mehr als 90 Prozent des Stroms“, sagte er. Neben Kohle- und Kernkraftwerken zählt er dazu auch Gas- und Wasserkraftwerke.
Ihm zufolge werden in den kommenden Jahren die Hauptthemen der Energiewirtschaft in Tschechien die Kapazität des Stromnetzes und dessen Schwachstellen sein, ferner das Management des Gleichgewichts im Elektrizitätssystem und damit verbunden der Bedarf an Flexibilität sowie die Sicherstellung der Rentabilität von Investitionen in den Bau von Gaskraftwerken. „Wir benötigen sie zwingend als Ersatz für die schrittweise stilllegenden Kohlekraftwerke“, betont Matoušek. Die Modernisierung der Netze sei zudem notwendig, um ein hohes Maß an Systemsicherheit zu erhalten.
Auch die erneuerbaren Energiequellen wachsen weiter. Laut der Analystin der Agentur STEM, Mahulena Kopecká, war das vergangene Jahr bei Solar- und Windenergie auch für Tschechien ein Meilenstein. „Im Juni verzeichnete Tschechien die bislang höchste Solarstromproduktion“, merkte sie an.
Auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und der Energienetze wollen sich in diesem Jahr auch die größten Energieunternehmen Tschechiens konzentrieren. Sie planen den Bau neuer und sauberer Heizkraftwerke sowie besserer Netze. Ein zentrales Thema der tschechischen Energiewirtschaft soll der Ausstieg aus der Strom- und Wärmeerzeugung aus Kohle sein. Möglicherweise bereits im Dezember 2026 oder im März 2027 ist die Schließung der Braunkohlekraftwerke Chvaletice und Počerady sowie des Heizkraftwerks Kladno geplant.
Nach Matoušeks Einschätzung wird das vollständige Ende der Stromerzeugung aus Kohle jedoch nicht über die Nacht kommen – und das auch nicht nach der Ankündigung der Gruppe Sev.en des Milliardärs Pavel Tykač, die genannten Kraftwerke und Heizkraftwerke nicht mehr betreiben will. „Mindestens eine der drei Anlagen der Gruppe wird sehr wahrscheinlich von dem halbstaatlichen Unternehmen ČEZ übernommen und in einem speziellen Betriebsmodus zusammen mit seinen modernisierten Kohlekraftwerken weiterbetrieben werden“, meint er.
Komplexe Ziele: ČEZ und Dukovany...
Die Regierung von Andrej Babiš (ANO) hat in ihrer Regierungserklärung klare Ziele formuliert: Neben der Ablehnung von Emissionszertifikaten will sie die Kontrolle über die Stromproduktion von ČEZ erlangen, an dem der Staat derzeit rund 70 Prozent der Aktien hält. Der neue Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) bestätigte den Beginn der Vorbereitungsarbeiten für den Aufkauf der restlichen Anteile und den Erwerb von 100 Prozent. Der Prozess werde seiner Einschätzung nach anderthalb bis zwei Jahre dauern.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Regierung im Energiebereich ist der Bau neuer Kernkraftwerksblöcke. „Wir werden die Genehmigungsverfahren für die neuen Kernkraftwerksblöcke Dukovany 5 und 6 einleiten und die Vorbereitung der Projekte für die Blöcke Temelín 3 und 4 vorantreiben. Die Kernenergie betrachten wir als Zukunft der tschechischen Energiewirtschaft“, vereinbarte die Koalition aus ANO, SPD und den Motoristen. Der erste neue Block in Dukovany soll erst im Jahr 2036 fertiggestellt werden. Sorgen bereitet der neuen Regierung auch die Einholung der Genehmigung der Staatsbeihilfe für die neuen Dukovany – Blöcke durch die Europäische Kommission, die sich voraussichtlich bis zum Jahr 2027 hinziehen wird.
Gleichzeitig will die neue Regierung den Bau neuer flexibler Erzeugungskapazitäten – insbesondere von Gaskraftwerken – beschleunigen, einige Kohlekraftwerke so lange in Betrieb halten, bis ausreichend andere stabile Energiequellen zur Verfügung stehen, und Blackouts oder Stromausfälle verhindern.
Auch eine weitere Entwicklung der erneuerbaren Energien lehnt sie nicht ab. „Wir werden uns auf die Förderung moderner Speichertechnologien konzentrieren. Ihre Entwicklung muss jedoch mit der Aufrechterhaltung der Stabilität der Übertragungs- und Verteilnetze im Einklang stehen. Wir werden den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken als wichtiges Regelungs- und Speicherelement des Stromsystems unterstützen“, heißt es in der Regierungserklärung.
Der Solarmarkt hat deutlich an Tempo verloren….
Und wie steht es um die grüne Energie in tschechischen Haushalten? Der Solarboom geriet im vergangenen Jahr ins Stocken. Darüber informierte der Solarverband. Die Gesamtzahl der neu angeschlossenen Photovoltaikanlagen sank auf 27.298 mit einer Gesamtleistung von 696 MWp. Gegenüber 2024 bedeutet dies einen Rückgang um mehr als 17.000 Installationen und 271 MWp, also nahezu ein Drittel der Leistung.
„Trotz des Rückgangs im vergangenen Jahr sind dank des Booms der vorangegangenen Jahre bereits 200.000 tschechische Haushalte besser auf jede weitere Energiekrise vorbereitet“, erklärte der Geschäftsführer des Solarverbands, Jan Krčmář. Photovoltaik sei für das Familienbudget die beste Absicherung gegen Schwankungen der Energiepreise.
Als Gründe für den Rückgang nennt er den Bereich der Einfamilienhäuser sowie die erneute Unterbrechung von Förderprogrammen. Neu in Betrieb genommene Photovoltaikanlagen von Unternehmen übertreffen dagegen leistungsmäßig bereits deutlich den Wohnsektor. Laut Krčmář motivieren Unternehmen sowohl Dekarbonisierungsziele als auch die Möglichkeit, Energiekosten zu fixieren.
Das Jahr 2026 soll den Beginn eines Aufschwungs bei der Speicherung und bei eigenständigen Batteriespeichern markieren. Ein entscheidender Impuls war die Novelle Lex Erneuerbare III, die im vergangenen Oktober einen attraktiven Markt für die Bereitstellung von Regelenergiedienstleistungen und Handelsflexibilität eröffnete. Die Verteilnetzbetreiber stehen vor einem beispiellosen Ansturm. „Wir stehen an der Schwelle einer Batterierevolution. Das aktuelle Volumen der Anschlussanträge entspricht leistungsmäßig nahezu dem Fünfzehnfachen der maximalen Belastung des tschechischen Stromsystems“, warnte Jan Fousek, Direktor des Verbands AKU-BAT CZ und Vorstandsvorsitzender des Solarverbands.
Stromerzeugung in der Tschechischen Republik im Jahr 2025:
Windkraftwerke: 0,8 % · Sonstige: 0,4 % · Steinkohle: 1,0 % · Pumpspeicherkraftwerke: 1,4 % · Wasserkraftwerke: 2,3 % · Sonstige erneuerbare Quellen: 3,2 % · Biomasse: 4,1 % · Gaskraftwerke: 5,2 % · Kernkraftwerke: 42,4 % · Braunkohle: 32,2 %
/gr/
Der Staat und ČEZ können Aktien von Minderheitsaktionären zurückkaufen, ohne sich auch nur um eine Krone zu verschulden
27.01.2026
Ekonomický deník
Autor: David Tramba
Die Regierung von Andrej Babiš will ČEZ zu hundert Prozent kontrollieren – auf eine Weise, die weder den Staatshaushalt noch das Unternehmen ČEZ finanziell belastet. Das klingt wie ein Zaubertrick, doch eine Lösung liegt direkt auf der Hand. ČEZ könnte den Strom- und Gasverteilbereich verkaufen und dadurch einen Betrag von 300 bis 400 Milliarden Kronen erlösen. Damit hätte das Unternehmen genug Mittel, um die Aktien der Minderheitsaktionäre zurückzukaufen – und es bliebe sogar noch Geld übrig.
Vertreter der neuen Regierung sprechen bislang in Rätseln. Der neue tschechische Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) erklärte Mitte Januar, dass die Regierung in diesem Jahr vorbereitende Schritte zum Rückkauf der ČEZ-Aktien und zur Verstaatlichung des größten tschechischen Stromerzeugers einleiten werde. Der gesamte Prozess werde anderthalb bis zwei Jahre dauern. Nähere Informationen nannte Havlíček jedoch nicht mit der Begründung, dass die Veröffentlichung solcher Details den Aktienkurs von ČEZ an der Börse beeinflussen könnte.
Woher sollen 250 Milliarden Kronen kommen?
Genau das ist in der vergangenen Woche allerdings passiert. Die ČEZ-Aktie verlor zeitweise bis zu 15 Prozent, um anschließend einen Teil der Verluste wieder wettzumachen. Bei einem Aktienkurs von rund 1.200 Kronen beläuft sich der Gesamtwert von ČEZ auf fast 648 Milliarden Kronen. Der Staat hält 69,78 Prozent der Aktien, die Minderheitsaktionäre den Rest. Ihr Anteil von mehr als 30 Prozent hat einen Wert von über 195 Milliarden Kronen. Rechnet man eine Prämie hinzu, die die Aktionäre zum Verkauf bewegen soll, können daraus die genannten 250 Milliarden Kronen werden. Damit stellt sich die Frage: Wer bezahlt diese hohe Rechnung für den Wunsch des Staates, ČEZ vollständig zu kontrollieren?
Nach Ansicht einiger Börsenanalysten gibt es eine Möglichkeit, diesen Betrag zu finanzieren, ohne dass der Staat oder ČEZ (in Form eines Rückkaufs eigener Aktien mit anschließender Einziehung) finanziell ausbluten. Diese Lösung besteht im Verkauf der Verteilungsdivision, zu der die Unternehmen ČEZ Distribuce und GasNet gehören. Die erst genannte sorgt für die Stromverteilung auf dem größten Teil des tschechischen Staatsgebiets, die zweit genannte ist der dominierende Gasnetzbetreiber.
Der Broker der Fio Bank, David Lamač, erklärte im Netzwerk X, dass die Verteilungsdivision der ČEZ-Gruppe einen Wert von 300 bis 400 Milliarden Kronen haben könnte. „Ich neige eher zu dem Szenario, dass es zunächst zu einer Aufspaltung der ČEZ-Gruppe in zwei Teile kommt und anschließend der Rückkauf des Produktionteils erfolgt“, sagte Lamač gegenüber der Zeitung Ekonomický deník. Er erinnerte zudem daran, dass ČEZ bereits in den Jahren 2007 und 2008 Erfahrungen mit dem Rückkauf eigener Aktien gesammelt habe, als das Unternehmen ohne größere Schwierigkeiten fast zehn Prozent der gesamten Aktien zurückkaufen konnte.
Sicheres, reguliertes Geschäft….
Der Ökonom Radim Dohnal bestätigt, dass der Kauf von 30 Prozent der ČEZ-Aktien durch den Staat bei gleichzeitigem Verkauf von 100 Prozent der Verteilungsaktivitäten als fiskalisch neutrale Operation enden könnte. In einem solchen Fall würde die Verschuldung der verkleinerten ČEZ-Gruppe ebenso wenig steigen wie die des Staates. Für viele Aktieninvestoren dürfte ein Energieerzeuger jedoch ein „langweiliges“ Unternehmen sein, das ČEZ an der Prager Börse nicht vollwertig ersetzen kann.
Die Verteilung von Strom und Gas ist ein finanziell stabiles Geschäft, da die Höhe der Netzentgelte von der Energieregulierungsbehörde (ERÚ) festgelegt wird. Sie geht dabei nach einer Formel vor, die neben der Kostendeckung auch einen angemessenen Gewinn vorsieht. Investment- und Pensionsfonds sowie andere vorsichtigere Investoren zeigen großes Interesse an Aktien von Energieverteilern. Das Risiko einer solchen Investition ist eher mit Anleihen vergleichbar als mit Aktien gewöhnlicher Unternehmen, die Marktrisiken ausgesetzt sind.
Rechnen wir kurz nach. Nach den Ergebnissen der ČEZ-Gruppe für die ersten drei Quartale des vergangenen Jahres erzielte die Verteilungsdivision ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von fast 28 Milliarden Kronen. Das entspricht rund 37 Milliarden Kronen für das Gesamtjahr. Energieverteiler werden üblicherweise zum Zehnfachen des EBITDA bewertet, bevor Schulden berücksichtigt werden. Damit liegen wir bei 370 Milliarden Kronen.
In der Praxis würde dieser Betrag jedoch durch die Verschuldung reduziert, die auf ČEZ Distribuce und insbesondere auf GasNet lastet. Zudem ist zu berücksichtigen, dass ČEZ an GasNet nicht zu hundert Prozent beteiligt ist, sondern nur zu etwas mehr als 55 Prozent. Der endgültige Wert könnte daher eher bei rund 300 Milliarden Kronen liegen. Die jüngste Aktienemission der Rüstungsgruppe CSG hat bestätigt, dass selbst ein relativ großes Aktienpaket im Wert von 100 Milliarden Kronen oder mehr erfolgreich über die Börse verkauft werden kann.
Der Staat muss die Strom- und Gasverteilung dabei nicht zwingend selbst besitzen. Es genügt, dass die Höhe der Netzentgelte durch die ERÚ reguliert wird. Zudem würde Tschechien den Anforderungen der Europäischen Union an das sogenannte Unbundling – also die Trennung von Energiehandel und -verteilung – besser entsprechen. Bei einer anderen Eigentümerstruktur wäre das Verteilungsnetz zudem neutral, und es bestünde nicht die Gefahr, dass es bei Entscheidungen etwa über den Anschluss eines neuen Kraftwerks die eigene Muttergesellschaft gegenüber anderen Interessenten bevorzugt.
Ein Blick in die Vergangenheit...
Überlegungen zur Aufspaltung der ČEZ-Gruppe sind nicht neu. Bereits an der Wende der Jahre 2017 und 2018 wurde darüber gesprochen. Das Vorhaben, das damals auch vom ČEZ-Generaldirektor Daniel Beneš unterstützt wurde, scheiterte jedoch am Ministerpräsidenten Andrej Babiš. Er erklärte, dass neben der Stromerzeugung auch deren Verteilung und Verkauf unter staatlicher Kontrolle bleiben müssten. In diesem Fall wäre jedoch in der zweiten Gesellschaft kaum noch etwas übrig geblieben. Kurz darauf verschwanden die Überlegungen zur Aufteilung der ČEZ-Gruppe aus der öffentlichen Debatte.
Damit gilt weiterhin, was de Zeitung Ekonomický deník bereits Anfang November des vergangenen Jahres schrieb: Der entscheidende Faktor wird auch diesmal Ministerpräsident Andrej Babiš persönlich sein. Der Erfolg oder das Scheitern einer solchen Transaktion wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit maßgeblich von seiner wechselhaften Festlegung politischer Prioritäten im Zeitverlauf abhängen.
Quelle: https://ekonomickydenik.cz/stat-cez-vyk ... dluzit-se/
/gr/
Schließen oder subventionieren? ČEPS wird heute das Schicksal von Tykačs Kohlekraftwerken ankündigen
Autorin: Sofie Krýžová
27.01.2026, Seznam Zprávy
Der Übertragungsnetzbetreiber ČEPS wird am Dienstag eine Entscheidung darüber veröffentlichen, ob Tschechien zwei Kohlekraftwerke der Sev.en-Gruppe benötigt. Deren Betreiber bereitet ihre Stilllegung vor.
Der Betreiber des tschechischen Übertragungsnetzes, ČEPS, wird endgültig bekannt geben, wie das weitere Schicksal der Kohlekraftwerke der Sev.en-Gruppe des Unternehmers Pavel Tykač aussehen wird. Damit endet eine zweimonatige Wartezeit auf eine Entscheidung, die zeigen wird, in welche Richtung sich ein Teil der tschechischen Energiewirtschaft in den kommenden Monaten weiter entwickeln wird.
Sev.en hatte im vergangenen November angekündigt, möglicherweise bereits zum Ende dieses Jahres, spätestens jedoch im März 2027, seine Kohlekraftwerke Chvaletice und Počerady sowie das Heizkraftwerk Kladno zu schließen. Ihre Wirtschaftlichkeit geht angesichts der Strompreise und der Kosten für Emissionszertifikate nicht mehr auf, ein Weiterbetrieb würde sich nicht lohnen. Da es sich jedoch um kritische Infrastruktur handelt, ist der Betreiber verpflichtet, diese Absicht im Voraus bei ČEPS anzumelden.
Der Betreiber des Übertragungsnetzes prüfte, ob die Tschechische Republik ohne Tykačs Kohlekraftwerke auskommen kann oder nicht. Dabei ging es nicht nur um die Frage, ob nach dem Wegfall dieser Stromerzeugung ausreichend Strom zur Verfügung stünde, sondern auch um die Auswirkungen der Stilllegung dieser Anlagen auf die Stabilität des Netzes.
ČEPS wird somit die technischen Bedingungen sowie den Umfang eines möglichen Weiterbetriebs dieser Anlagen festlegen. Es gibt mehrere Szenarien: ČEPS kann beispielsweise die Schließung der Kohlekraftwerke genehmigen, zu dem Schluss kommen, dass Tschechien nicht einmal auf eines der Kraftwerke verzichten kann, oder den Betrieb nur eines Kraftwerks anordnen.
Sollte sich zeigen, dass Tschechien die Kraftwerke – insbesondere wegen der von ihnen erbrachten Systemdienstleistungen – doch benötigt, würde Sev.en sie vermutlich nicht mit Verlust betreiben. Ihr Betrieb und ein angemessener Gewinn müssten dann subventioniert werden, was seit dem vergangenen Jahr das Energiegesetz ermöglicht.
Die Energieregulierungsbehörde (ERÚ) hätte neun Monate Zeit, um über die Höhe und die Aufteilung der Unterstützung für diese Kraftwerke zu entscheiden. Sie müsste nicht nur prüfen, ob die Kraftwerke Anspruch auf eine Förderung für einen ansonsten verlustbringenden Betrieb haben. Die Zahlung wäre Bestandteil der regulierten Komponente des Strompreises, konkret der Entgelte für Systemdienstleistungen.
Der Regulator legt zudem fest, wie die Unterstützung ausgestaltet sein wird bzw. wie hoch sie ausfällt. Sie soll die Betriebskosten und einen angemessenen Gewinn decken. Tykač hatte jedoch zuvor angedeutet, dass der Betrieb beider Kraftwerke jährlich sechs Milliarden Kronen kosten würde. Sollte nur eines von ihnen in Betrieb bleiben, wäre der erforderliche Betrag entsprechend geringer.
Die Entscheidung von ČEPS wie auch die der Regulierungsbehörde erfordert keine weitere Zustimmung der Regierung oder anderer Gesetzgeber. „Das bedeutet natürlich nicht, dass die ERÚ nicht mit der Regierung und allen weiteren Akteuren über mögliche Auswirkungen und eventuelle Lösungen kommunizieren wird – insbesondere, wenn die Entscheidung die Endstrompreise stärker beeinflussen sollte“, erklärte der Sprecher der Behörde, Michal Kebort.
„Teil der Entscheidung ist die Festlegung oder die Art der Festlegung des Preises für die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung, die eine Abschlagszahlung zur Deckung eines nachgewiesenen Verlustes und eines angemessenen Gewinns darstellt, abgeleitet aus der Schätzung des Verlustes des Stromerzeugers gemäß § 34“, heißt es im Energiegesetz.
„Die festgelegte Höhe des Preises für die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung oder die Art seiner Festlegung kann die Energieregulierungsbehörde auf Antrag oder von Amts wegen während der Erfüllung der Verpflichtung über den Lizenzrahmen hinaus ändern, wenn sich die Voraussetzungen, unter denen der Preis festgelegt wurde, geändert haben oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund; der Übertragungsnetzbetreiber und der Stromerzeuger sind dann verpflichtet, die Änderung der Preishöhe unverzüglich im Vertrag über die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung zu berücksichtigen“, heißt es dort weiter.
Die Höhe der wahrscheinlichen Kosten hängt auch von der aktuellen Strommarktpreisentwicklung und von der Entwicklung der Emissionszertifikate ab. Berechnet wird sie zudem danach, in welchem Umfang die Anlage betrieben werden muss sowie welche Kosten für die Erzeugung einer Megawattstunde Strom und für das gesamte Liefervolumen anfallen.
Auch wenn es sich möglicherweise nicht unmittelbar um eine staatliche Beihilfe handelt, die der Genehmigung durch die Europäische Kommission bedarf – da es sich um einen Sicherheitsmechanismus handelt –, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Subvention letztlich doch von Brüssel genehmigt werden muss.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... ren-297352
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
Kubatova 6
370 04 České Budějovice
E-Mail: gabi.reitinger@oizp.cz
Tel: 603 805 799
Inhalt:
Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler, sagt der amtierende deutsche Bundeskanzler.
Die neue Regierung steuert auf eine Verstaatlichung von ČEZ zu.
Der Anstieg der Stromerzeugung in Tschechien wurde im vergangenen Jahr von Kernkraftwerken getragen.
Der Staat und ČEZ können Aktien von Minderheitsaktionären zurückkaufen, ohne sich auch nur um eine Krone zu verschulden.
Schließen oder subventionieren? ČEPS wird heute das Schicksal von Tykačs Kohlekraftwerken ankündigen
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Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler, sagt der amtierende deutsche Bundeskanzler
27.01.2026 Technische Wochenzeitung Seite: 15
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete in seiner Rede vor der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Dessau den Ausstieg aus der Kernenergie als einen „grundlegenden strategischen Fehler“.
Die Videodokumentation wurde von der Plattform Clash Report auf ihrem X-Account veröffentlicht. Die Wiederinbetriebnahme von Kernkraftwerken ist – zusammen mit den hohen Strompreisen – eines der Themen der aktuellen Regierung.
Mehr als 60 Jahre nach der Inbetriebnahme des ersten Kernreaktors schaltete Deutschland im April 2023 seine letzten noch betriebenen Kernkraftwerksblöcke ab. Zu diesem Zeitpunkt trugen die drei Kernkraftwerke im Land nur noch mit lediglich 5 % zur Stromerzeugung bei. Dieser Meilenstein beendete einen mehr als zwei Jahrzehnte andauernden Ausstieg, den die Bundesregierung unter der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeleitet hatte.
Die Ergebnisse einer Meinungsumfrage des Instituts YouGov, die im Frühjahr 2023 auf den Seiten der Organisation Clean Energy Wire veröffentlicht wurden, zeigten dabei, dass rund zwei Drittel der Deutschen gegen die bevorstehende Abschaltung der restlichen drei Atomanlagen waren. Ein Teil der Öffentlichkeit hätte einen weiteren Betrieb der Kernenergie begrüßt: 32 % der Befragten unterstützten eine zeitlich begrenzte Verlängerung des Betriebs, weitere 33 % sprachen sich für eine zeitlich unbegrenzte Fortsetzung aus. Dagegen befürworteten nur 26 % der Befragten eindeutig ein vollständiges Ende der Nutzung der Kernenergie.
Die neue Regierung schlägt einen anderen Kurs ein...
Der Amtsantritt der neuen deutschen Bundesregierung im Mai des vergangenen Jahres unter der Führung von Friedrich Merz signalisierte eine pragmatische Kehrtwende. Von einer Neubewertung des bisherigen blockierenden Ansatzes gegenüber der Kernenergie erhofften sich politische Vertreter – insbesondere aus Frankreich – eine mögliche Zusammenarbeit auf Ebene der Europäischen Union.
„Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein grundlegender strategischer Fehler. Wenn es schon dazu kommen sollte, hätten zumindest die verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland noch vor drei Jahren weiter betrieben werden müssen … Jetzt realisieren wir die teuerste Energiewende der Welt. Ich kenne kein anderes Land, das es sich so kompliziert und zugleich so kostspielig macht wie Deutschland. Wir haben etwas geerbt, das wir nun korrigieren müssen, aber wir verfügen schlicht nicht über ausreichende Kapazitäten zur Energieerzeugung“, erklärte Merz im Januar dieses Jahres.
Die deutsche Regierung befasst sich seit Langem mit den hohen Strompreisen, die die heimische Industrie belasten und sie gegenüber ausländischer Konkurrenz benachteiligen. Im Rahmen von Gesprächen mit der Europäischen Kommission wird ein Programm für einen reduzierten Industriestrompreis vorbereitet.
Ist die Kernenergie in Deutschland wieder im Spiel?
Die amtierende deutsche Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, schloss aus, dass es zu einer Wiederinbetriebnahme kommen könnte. Als Gründe nannte sie die wirtschaftliche Belastung eines solchen Vorgehens sowie das Fehlen eines gesellschaftlichen Konsenses. Demgegenüber wies die Radiant Energy Group in ihrer Analyse aus dem vergangenen Jahr auf die technische Machbarkeit und den wirtschaftlichen Nutzen eines Neustarts stillgelegter Kernkraftwerke hin.
Eine Meinungsumfrage des Instituts Innofact auf den Seiten der Deutschen Welle vom April 2025 zeigt wiederum, dass rund 55 % der Deutschen für eine Rückkehr zur Kernenergie sind. Insgesamt 22 % der Befragten fordern, nur die zuletzt abgeschalteten Reaktoren wieder in Betrieb zu nehmen. 32 % sprachen sich auch für den Bau neuer Reaktoren aus. Lediglich 17 % der Befragten sind dagegen, der Rest bleibt unentschlossen. Die Umfrage ergab zudem, dass 57 % der Befragten weitere Investitionen in verschiedene Formen erneuerbarer Energien unterstützen.
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Die neue Regierung steuert auf eine Verstaatlichung von ČEZ zu
27.01.2026, Technische Wochenzeitung /jj/ Rubrik: Energie - Seite: 15
Die Aktien des Unternehmens ČEZ fielen Mitte Januar um mehrere Prozent als Reaktion auf die Äußerungen von Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček. Ihm zufolge wird der Staat noch in diesem Jahr vorbereitende Schritte zum Aufkauf der Anteile von Minderheitsaktionären und zur Verstaatlichung des Unternehmens einleiten.
Die Regierung bestätigte, dass sie es mit der Verstaatlichung des Energie-Giganten ernst meint. „Wir werden das nicht hinauszögern, wir haben ein bestimmtes vorbereitetes Szenario, wie wir weiter vorgehen werden“, sagte Havlíček. Der Prozess werde seinen Angaben zufolge in den kommenden Monaten eingeleitet. „Wir haben ein Modell vorbereitet, das weder den Staatshaushalt noch das Unternehmen ČEZ in wesentlicher Weise belasten wird“, fügte er hinzu.
Welches Modell für den Aktienaufkauf die Regierung anwenden will oder welche konkreten Schritte der Staat plant, präzisierte Havlíček nicht, da es sich um kursrelevante Informationen handelt. Analysten äußern jedoch Zweifel an der Möglichkeit, ČEZ zu verstaatlichen, ohne dass dies weder die Staatskasse noch das Energieunternehmen spürbar belastet.
Schätzungen zufolge könnte der Aufkauf rund 250 Milliarden Kronen kosten. Über diese Mittel verfügen jedoch weder ČEZ noch der Staat. Für den Rückkauf der Aktien müssten daher Kredite aufgenommen werden, die anschließend zurückgezahlt werden müssten. Dies würde sich negativ auf die wirtschaftliche Lage beider auswirken.
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Haushaltsdefizit wird 310 Milliarden Kronen betragen
27.01.2026, Tageszeitung Mladá fronta DNES Titelseite
Autoren: Eva Pospíšilová, Sabina Mrázová
Die Regierung hat den Entwurf des Staatshaushalts für dieses Jahr gebilligt. Den früheren Vorschlag von Stanjura hatte sie abgelehnt.
Den Entwurf des Staatshaushalts für dieses Jahr mit einem Defizit von 310 Milliarden Kronen billigte gestern die Regierung von Andrej Babiš (ANO).
Es handelt sich um eine überarbeitete Version des Entwurfs aus der Feder des ehemaligen Finanzministers Zbyněk Stanjura (ODS), der von einem Defizit in Höhe von 286 Milliarden Kronen ausgegangen war. Nach Angaben von Vertretern der aktuellen Koalition fehlten im ursprünglichen Entwurf jedoch einige Posten.
„Wir haben den verpfuschten Haushalt der Regierung von Petr Fiala überarbeitet. Weg sind künstlich aufgeblähte Einnahmen, weg sind fehlende obligatorische Ausgaben“, erklärte Finanzministerin Alena Schillerová und fügte hinzu, dass in den neuen Entwurf unter anderem 26 Milliarden Kronen für die Verkehrsinfrastruktur sowie 17 Milliarden Kronen für obligatorische Ausgaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales zur Unterstützung der Menschen aufgenommen wurden. Gespart werden soll hingegen beim Betrieb des Staates – um zehn Prozent.
„Wenn wir dieses Geld nicht eingestellt hätten, könnten wir weder die Vorbereitung des Prager Rings fortsetzen noch den Bau der Eisenbahnverbindung Prag–Flughafen–Kladno weiterführen, wir könnten nicht endlich mit verschiedenen Umgehungsstraßen beginnen und das Autobahnnetz fertigstellen, das so viele Jahre nach der Revolution noch immer nicht vollendet ist“, stellte Ministerpräsident Andrej Babiš fest.
Im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen seien dagegen die Verteidigungsausgaben gekürzt worden. Der Staat werde in diesem Jahr zudem kein Darlehen in Höhe von 18,3 Milliarden Kronen für den Bau neuer Kernkraftwerksblöcke im Kraftwerk Dukovany bereitstellen, da die EU die öffentliche Unterstützung für dieses Projekt bislang nicht genehmigt habe.
Die Oppositionsparteien halten das beschlossene Defizit für unverantwortlich hoch.
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Der Anstieg der Stromerzeugung in Tschechien wurde im vergangenen Jahr von Kernkraftwerken getragen
27.01.2026 Tageszeitung Českobudějovický deník Seite 5
Autor: Přemysl Spěvák
Die tschechische Energiewirtschaft steht vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Die neue Regierung von Andrej Babiš und seinen Koalitionspartnern hat bedeutende Schritte angekündigt. Fachleuten zufolge zeigte sich im vergangenen Jahr, dass die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft nicht nur eine Frage des Baus neuer Erzeugungskapazitäten ist, sondern vor allem der Energienetzsteuerung, der Flexibilität und der Investitionen in die Netze. Zahlenmäßig stieg im vergangenen Jahr die Stromerzeugung der Kernkraftwerke – sie würde etwa den halbjährigen Verbrauch Tschechiens decken – ebenso wie die der Photovoltaikanlagen. Auf der anderen Seite erlebte der Solarmarkt nach Rekordzuwächsen im Jahr 2025 eine spürbare Abkühlung.
Mit einem Anteil von 42 Prozent an der in Tschechien erzeugten Elektrizität waren die Kernkraftwerke im vergangenen Jahr die größte Stromquelle in Tschechien. Der Anteil der Braunkohlekraftwerke sank auf 32,2 Prozent. Zulegen konnten die Solarkraftwerke mit 6,6 Prozent; dank eines Jahreszuwachses von 20 Prozent blieben sie die am schnellsten wachsende Stromerzeugungsart. Sie steigerten ihre Produktion bereits im dritten Jahr in Folge.
Die Kernkraftwerke Dukovany und Temelín überschritten im Jahre 2025 gemeinsam eine symbolische Produktionsmarke. Emissionsfrei erzeugten sie 30,3 Terawattstunden Strom, was ungefähr den halbjährigen Verbrauch der gesamten Tschechischen Republik decken würde. Das sind 900.000 MWh mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017.
In diesem Jahr soll die Stromproduktion aufgrund von geplanten Block-Abschaltungen für den Brennstoffwechsel in den Kernkraftwerken geringer ausfallen. „Gegen Ende des Jahrzehnts zielen wir jedoch auf eine durchschnittliche Jahresproduktion von über 32 TWh“, teilte Bohdan Zronek, Vorstandsmitglied des Unternehmens ČEZ und Direktor der CEZ-Abteilung Kernenergie, mit.
Tschechien verfügt über eine günstige Struktur der Energiequellen...
Nach Ansicht von Jiří Matoušek vom Unternehmen Centropol Energy verfügt Tschechien derzeit über eine vorteilhafte Aufteilung der Energiequellen. „Aus gut steuerbaren Quellen stammen mehr als 90 Prozent des Stroms“, sagte er. Neben Kohle- und Kernkraftwerken zählt er dazu auch Gas- und Wasserkraftwerke.
Ihm zufolge werden in den kommenden Jahren die Hauptthemen der Energiewirtschaft in Tschechien die Kapazität des Stromnetzes und dessen Schwachstellen sein, ferner das Management des Gleichgewichts im Elektrizitätssystem und damit verbunden der Bedarf an Flexibilität sowie die Sicherstellung der Rentabilität von Investitionen in den Bau von Gaskraftwerken. „Wir benötigen sie zwingend als Ersatz für die schrittweise stilllegenden Kohlekraftwerke“, betont Matoušek. Die Modernisierung der Netze sei zudem notwendig, um ein hohes Maß an Systemsicherheit zu erhalten.
Auch die erneuerbaren Energiequellen wachsen weiter. Laut der Analystin der Agentur STEM, Mahulena Kopecká, war das vergangene Jahr bei Solar- und Windenergie auch für Tschechien ein Meilenstein. „Im Juni verzeichnete Tschechien die bislang höchste Solarstromproduktion“, merkte sie an.
Auf den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und der Energienetze wollen sich in diesem Jahr auch die größten Energieunternehmen Tschechiens konzentrieren. Sie planen den Bau neuer und sauberer Heizkraftwerke sowie besserer Netze. Ein zentrales Thema der tschechischen Energiewirtschaft soll der Ausstieg aus der Strom- und Wärmeerzeugung aus Kohle sein. Möglicherweise bereits im Dezember 2026 oder im März 2027 ist die Schließung der Braunkohlekraftwerke Chvaletice und Počerady sowie des Heizkraftwerks Kladno geplant.
Nach Matoušeks Einschätzung wird das vollständige Ende der Stromerzeugung aus Kohle jedoch nicht über die Nacht kommen – und das auch nicht nach der Ankündigung der Gruppe Sev.en des Milliardärs Pavel Tykač, die genannten Kraftwerke und Heizkraftwerke nicht mehr betreiben will. „Mindestens eine der drei Anlagen der Gruppe wird sehr wahrscheinlich von dem halbstaatlichen Unternehmen ČEZ übernommen und in einem speziellen Betriebsmodus zusammen mit seinen modernisierten Kohlekraftwerken weiterbetrieben werden“, meint er.
Komplexe Ziele: ČEZ und Dukovany...
Die Regierung von Andrej Babiš (ANO) hat in ihrer Regierungserklärung klare Ziele formuliert: Neben der Ablehnung von Emissionszertifikaten will sie die Kontrolle über die Stromproduktion von ČEZ erlangen, an dem der Staat derzeit rund 70 Prozent der Aktien hält. Der neue Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) bestätigte den Beginn der Vorbereitungsarbeiten für den Aufkauf der restlichen Anteile und den Erwerb von 100 Prozent. Der Prozess werde seiner Einschätzung nach anderthalb bis zwei Jahre dauern.
Ein weiterer wichtiger Punkt der Regierung im Energiebereich ist der Bau neuer Kernkraftwerksblöcke. „Wir werden die Genehmigungsverfahren für die neuen Kernkraftwerksblöcke Dukovany 5 und 6 einleiten und die Vorbereitung der Projekte für die Blöcke Temelín 3 und 4 vorantreiben. Die Kernenergie betrachten wir als Zukunft der tschechischen Energiewirtschaft“, vereinbarte die Koalition aus ANO, SPD und den Motoristen. Der erste neue Block in Dukovany soll erst im Jahr 2036 fertiggestellt werden. Sorgen bereitet der neuen Regierung auch die Einholung der Genehmigung der Staatsbeihilfe für die neuen Dukovany – Blöcke durch die Europäische Kommission, die sich voraussichtlich bis zum Jahr 2027 hinziehen wird.
Gleichzeitig will die neue Regierung den Bau neuer flexibler Erzeugungskapazitäten – insbesondere von Gaskraftwerken – beschleunigen, einige Kohlekraftwerke so lange in Betrieb halten, bis ausreichend andere stabile Energiequellen zur Verfügung stehen, und Blackouts oder Stromausfälle verhindern.
Auch eine weitere Entwicklung der erneuerbaren Energien lehnt sie nicht ab. „Wir werden uns auf die Förderung moderner Speichertechnologien konzentrieren. Ihre Entwicklung muss jedoch mit der Aufrechterhaltung der Stabilität der Übertragungs- und Verteilnetze im Einklang stehen. Wir werden den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken als wichtiges Regelungs- und Speicherelement des Stromsystems unterstützen“, heißt es in der Regierungserklärung.
Der Solarmarkt hat deutlich an Tempo verloren….
Und wie steht es um die grüne Energie in tschechischen Haushalten? Der Solarboom geriet im vergangenen Jahr ins Stocken. Darüber informierte der Solarverband. Die Gesamtzahl der neu angeschlossenen Photovoltaikanlagen sank auf 27.298 mit einer Gesamtleistung von 696 MWp. Gegenüber 2024 bedeutet dies einen Rückgang um mehr als 17.000 Installationen und 271 MWp, also nahezu ein Drittel der Leistung.
„Trotz des Rückgangs im vergangenen Jahr sind dank des Booms der vorangegangenen Jahre bereits 200.000 tschechische Haushalte besser auf jede weitere Energiekrise vorbereitet“, erklärte der Geschäftsführer des Solarverbands, Jan Krčmář. Photovoltaik sei für das Familienbudget die beste Absicherung gegen Schwankungen der Energiepreise.
Als Gründe für den Rückgang nennt er den Bereich der Einfamilienhäuser sowie die erneute Unterbrechung von Förderprogrammen. Neu in Betrieb genommene Photovoltaikanlagen von Unternehmen übertreffen dagegen leistungsmäßig bereits deutlich den Wohnsektor. Laut Krčmář motivieren Unternehmen sowohl Dekarbonisierungsziele als auch die Möglichkeit, Energiekosten zu fixieren.
Das Jahr 2026 soll den Beginn eines Aufschwungs bei der Speicherung und bei eigenständigen Batteriespeichern markieren. Ein entscheidender Impuls war die Novelle Lex Erneuerbare III, die im vergangenen Oktober einen attraktiven Markt für die Bereitstellung von Regelenergiedienstleistungen und Handelsflexibilität eröffnete. Die Verteilnetzbetreiber stehen vor einem beispiellosen Ansturm. „Wir stehen an der Schwelle einer Batterierevolution. Das aktuelle Volumen der Anschlussanträge entspricht leistungsmäßig nahezu dem Fünfzehnfachen der maximalen Belastung des tschechischen Stromsystems“, warnte Jan Fousek, Direktor des Verbands AKU-BAT CZ und Vorstandsvorsitzender des Solarverbands.
Stromerzeugung in der Tschechischen Republik im Jahr 2025:
Windkraftwerke: 0,8 % · Sonstige: 0,4 % · Steinkohle: 1,0 % · Pumpspeicherkraftwerke: 1,4 % · Wasserkraftwerke: 2,3 % · Sonstige erneuerbare Quellen: 3,2 % · Biomasse: 4,1 % · Gaskraftwerke: 5,2 % · Kernkraftwerke: 42,4 % · Braunkohle: 32,2 %
/gr/
Der Staat und ČEZ können Aktien von Minderheitsaktionären zurückkaufen, ohne sich auch nur um eine Krone zu verschulden
27.01.2026
Ekonomický deník
Autor: David Tramba
Die Regierung von Andrej Babiš will ČEZ zu hundert Prozent kontrollieren – auf eine Weise, die weder den Staatshaushalt noch das Unternehmen ČEZ finanziell belastet. Das klingt wie ein Zaubertrick, doch eine Lösung liegt direkt auf der Hand. ČEZ könnte den Strom- und Gasverteilbereich verkaufen und dadurch einen Betrag von 300 bis 400 Milliarden Kronen erlösen. Damit hätte das Unternehmen genug Mittel, um die Aktien der Minderheitsaktionäre zurückzukaufen – und es bliebe sogar noch Geld übrig.
Vertreter der neuen Regierung sprechen bislang in Rätseln. Der neue tschechische Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (ANO) erklärte Mitte Januar, dass die Regierung in diesem Jahr vorbereitende Schritte zum Rückkauf der ČEZ-Aktien und zur Verstaatlichung des größten tschechischen Stromerzeugers einleiten werde. Der gesamte Prozess werde anderthalb bis zwei Jahre dauern. Nähere Informationen nannte Havlíček jedoch nicht mit der Begründung, dass die Veröffentlichung solcher Details den Aktienkurs von ČEZ an der Börse beeinflussen könnte.
Woher sollen 250 Milliarden Kronen kommen?
Genau das ist in der vergangenen Woche allerdings passiert. Die ČEZ-Aktie verlor zeitweise bis zu 15 Prozent, um anschließend einen Teil der Verluste wieder wettzumachen. Bei einem Aktienkurs von rund 1.200 Kronen beläuft sich der Gesamtwert von ČEZ auf fast 648 Milliarden Kronen. Der Staat hält 69,78 Prozent der Aktien, die Minderheitsaktionäre den Rest. Ihr Anteil von mehr als 30 Prozent hat einen Wert von über 195 Milliarden Kronen. Rechnet man eine Prämie hinzu, die die Aktionäre zum Verkauf bewegen soll, können daraus die genannten 250 Milliarden Kronen werden. Damit stellt sich die Frage: Wer bezahlt diese hohe Rechnung für den Wunsch des Staates, ČEZ vollständig zu kontrollieren?
Nach Ansicht einiger Börsenanalysten gibt es eine Möglichkeit, diesen Betrag zu finanzieren, ohne dass der Staat oder ČEZ (in Form eines Rückkaufs eigener Aktien mit anschließender Einziehung) finanziell ausbluten. Diese Lösung besteht im Verkauf der Verteilungsdivision, zu der die Unternehmen ČEZ Distribuce und GasNet gehören. Die erst genannte sorgt für die Stromverteilung auf dem größten Teil des tschechischen Staatsgebiets, die zweit genannte ist der dominierende Gasnetzbetreiber.
Der Broker der Fio Bank, David Lamač, erklärte im Netzwerk X, dass die Verteilungsdivision der ČEZ-Gruppe einen Wert von 300 bis 400 Milliarden Kronen haben könnte. „Ich neige eher zu dem Szenario, dass es zunächst zu einer Aufspaltung der ČEZ-Gruppe in zwei Teile kommt und anschließend der Rückkauf des Produktionteils erfolgt“, sagte Lamač gegenüber der Zeitung Ekonomický deník. Er erinnerte zudem daran, dass ČEZ bereits in den Jahren 2007 und 2008 Erfahrungen mit dem Rückkauf eigener Aktien gesammelt habe, als das Unternehmen ohne größere Schwierigkeiten fast zehn Prozent der gesamten Aktien zurückkaufen konnte.
Sicheres, reguliertes Geschäft….
Der Ökonom Radim Dohnal bestätigt, dass der Kauf von 30 Prozent der ČEZ-Aktien durch den Staat bei gleichzeitigem Verkauf von 100 Prozent der Verteilungsaktivitäten als fiskalisch neutrale Operation enden könnte. In einem solchen Fall würde die Verschuldung der verkleinerten ČEZ-Gruppe ebenso wenig steigen wie die des Staates. Für viele Aktieninvestoren dürfte ein Energieerzeuger jedoch ein „langweiliges“ Unternehmen sein, das ČEZ an der Prager Börse nicht vollwertig ersetzen kann.
Die Verteilung von Strom und Gas ist ein finanziell stabiles Geschäft, da die Höhe der Netzentgelte von der Energieregulierungsbehörde (ERÚ) festgelegt wird. Sie geht dabei nach einer Formel vor, die neben der Kostendeckung auch einen angemessenen Gewinn vorsieht. Investment- und Pensionsfonds sowie andere vorsichtigere Investoren zeigen großes Interesse an Aktien von Energieverteilern. Das Risiko einer solchen Investition ist eher mit Anleihen vergleichbar als mit Aktien gewöhnlicher Unternehmen, die Marktrisiken ausgesetzt sind.
Rechnen wir kurz nach. Nach den Ergebnissen der ČEZ-Gruppe für die ersten drei Quartale des vergangenen Jahres erzielte die Verteilungsdivision ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) von fast 28 Milliarden Kronen. Das entspricht rund 37 Milliarden Kronen für das Gesamtjahr. Energieverteiler werden üblicherweise zum Zehnfachen des EBITDA bewertet, bevor Schulden berücksichtigt werden. Damit liegen wir bei 370 Milliarden Kronen.
In der Praxis würde dieser Betrag jedoch durch die Verschuldung reduziert, die auf ČEZ Distribuce und insbesondere auf GasNet lastet. Zudem ist zu berücksichtigen, dass ČEZ an GasNet nicht zu hundert Prozent beteiligt ist, sondern nur zu etwas mehr als 55 Prozent. Der endgültige Wert könnte daher eher bei rund 300 Milliarden Kronen liegen. Die jüngste Aktienemission der Rüstungsgruppe CSG hat bestätigt, dass selbst ein relativ großes Aktienpaket im Wert von 100 Milliarden Kronen oder mehr erfolgreich über die Börse verkauft werden kann.
Der Staat muss die Strom- und Gasverteilung dabei nicht zwingend selbst besitzen. Es genügt, dass die Höhe der Netzentgelte durch die ERÚ reguliert wird. Zudem würde Tschechien den Anforderungen der Europäischen Union an das sogenannte Unbundling – also die Trennung von Energiehandel und -verteilung – besser entsprechen. Bei einer anderen Eigentümerstruktur wäre das Verteilungsnetz zudem neutral, und es bestünde nicht die Gefahr, dass es bei Entscheidungen etwa über den Anschluss eines neuen Kraftwerks die eigene Muttergesellschaft gegenüber anderen Interessenten bevorzugt.
Ein Blick in die Vergangenheit...
Überlegungen zur Aufspaltung der ČEZ-Gruppe sind nicht neu. Bereits an der Wende der Jahre 2017 und 2018 wurde darüber gesprochen. Das Vorhaben, das damals auch vom ČEZ-Generaldirektor Daniel Beneš unterstützt wurde, scheiterte jedoch am Ministerpräsidenten Andrej Babiš. Er erklärte, dass neben der Stromerzeugung auch deren Verteilung und Verkauf unter staatlicher Kontrolle bleiben müssten. In diesem Fall wäre jedoch in der zweiten Gesellschaft kaum noch etwas übrig geblieben. Kurz darauf verschwanden die Überlegungen zur Aufteilung der ČEZ-Gruppe aus der öffentlichen Debatte.
Damit gilt weiterhin, was de Zeitung Ekonomický deník bereits Anfang November des vergangenen Jahres schrieb: Der entscheidende Faktor wird auch diesmal Ministerpräsident Andrej Babiš persönlich sein. Der Erfolg oder das Scheitern einer solchen Transaktion wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit maßgeblich von seiner wechselhaften Festlegung politischer Prioritäten im Zeitverlauf abhängen.
Quelle: https://ekonomickydenik.cz/stat-cez-vyk ... dluzit-se/
/gr/
Schließen oder subventionieren? ČEPS wird heute das Schicksal von Tykačs Kohlekraftwerken ankündigen
Autorin: Sofie Krýžová
27.01.2026, Seznam Zprávy
Der Übertragungsnetzbetreiber ČEPS wird am Dienstag eine Entscheidung darüber veröffentlichen, ob Tschechien zwei Kohlekraftwerke der Sev.en-Gruppe benötigt. Deren Betreiber bereitet ihre Stilllegung vor.
Der Betreiber des tschechischen Übertragungsnetzes, ČEPS, wird endgültig bekannt geben, wie das weitere Schicksal der Kohlekraftwerke der Sev.en-Gruppe des Unternehmers Pavel Tykač aussehen wird. Damit endet eine zweimonatige Wartezeit auf eine Entscheidung, die zeigen wird, in welche Richtung sich ein Teil der tschechischen Energiewirtschaft in den kommenden Monaten weiter entwickeln wird.
Sev.en hatte im vergangenen November angekündigt, möglicherweise bereits zum Ende dieses Jahres, spätestens jedoch im März 2027, seine Kohlekraftwerke Chvaletice und Počerady sowie das Heizkraftwerk Kladno zu schließen. Ihre Wirtschaftlichkeit geht angesichts der Strompreise und der Kosten für Emissionszertifikate nicht mehr auf, ein Weiterbetrieb würde sich nicht lohnen. Da es sich jedoch um kritische Infrastruktur handelt, ist der Betreiber verpflichtet, diese Absicht im Voraus bei ČEPS anzumelden.
Der Betreiber des Übertragungsnetzes prüfte, ob die Tschechische Republik ohne Tykačs Kohlekraftwerke auskommen kann oder nicht. Dabei ging es nicht nur um die Frage, ob nach dem Wegfall dieser Stromerzeugung ausreichend Strom zur Verfügung stünde, sondern auch um die Auswirkungen der Stilllegung dieser Anlagen auf die Stabilität des Netzes.
ČEPS wird somit die technischen Bedingungen sowie den Umfang eines möglichen Weiterbetriebs dieser Anlagen festlegen. Es gibt mehrere Szenarien: ČEPS kann beispielsweise die Schließung der Kohlekraftwerke genehmigen, zu dem Schluss kommen, dass Tschechien nicht einmal auf eines der Kraftwerke verzichten kann, oder den Betrieb nur eines Kraftwerks anordnen.
Sollte sich zeigen, dass Tschechien die Kraftwerke – insbesondere wegen der von ihnen erbrachten Systemdienstleistungen – doch benötigt, würde Sev.en sie vermutlich nicht mit Verlust betreiben. Ihr Betrieb und ein angemessener Gewinn müssten dann subventioniert werden, was seit dem vergangenen Jahr das Energiegesetz ermöglicht.
Die Energieregulierungsbehörde (ERÚ) hätte neun Monate Zeit, um über die Höhe und die Aufteilung der Unterstützung für diese Kraftwerke zu entscheiden. Sie müsste nicht nur prüfen, ob die Kraftwerke Anspruch auf eine Förderung für einen ansonsten verlustbringenden Betrieb haben. Die Zahlung wäre Bestandteil der regulierten Komponente des Strompreises, konkret der Entgelte für Systemdienstleistungen.
Der Regulator legt zudem fest, wie die Unterstützung ausgestaltet sein wird bzw. wie hoch sie ausfällt. Sie soll die Betriebskosten und einen angemessenen Gewinn decken. Tykač hatte jedoch zuvor angedeutet, dass der Betrieb beider Kraftwerke jährlich sechs Milliarden Kronen kosten würde. Sollte nur eines von ihnen in Betrieb bleiben, wäre der erforderliche Betrag entsprechend geringer.
Die Entscheidung von ČEPS wie auch die der Regulierungsbehörde erfordert keine weitere Zustimmung der Regierung oder anderer Gesetzgeber. „Das bedeutet natürlich nicht, dass die ERÚ nicht mit der Regierung und allen weiteren Akteuren über mögliche Auswirkungen und eventuelle Lösungen kommunizieren wird – insbesondere, wenn die Entscheidung die Endstrompreise stärker beeinflussen sollte“, erklärte der Sprecher der Behörde, Michal Kebort.
„Teil der Entscheidung ist die Festlegung oder die Art der Festlegung des Preises für die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung, die eine Abschlagszahlung zur Deckung eines nachgewiesenen Verlustes und eines angemessenen Gewinns darstellt, abgeleitet aus der Schätzung des Verlustes des Stromerzeugers gemäß § 34“, heißt es im Energiegesetz.
„Die festgelegte Höhe des Preises für die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung oder die Art seiner Festlegung kann die Energieregulierungsbehörde auf Antrag oder von Amts wegen während der Erfüllung der Verpflichtung über den Lizenzrahmen hinaus ändern, wenn sich die Voraussetzungen, unter denen der Preis festgelegt wurde, geändert haben oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund; der Übertragungsnetzbetreiber und der Stromerzeuger sind dann verpflichtet, die Änderung der Preishöhe unverzüglich im Vertrag über die Dienstleistung der Bereitstellung von Leistung zu berücksichtigen“, heißt es dort weiter.
Die Höhe der wahrscheinlichen Kosten hängt auch von der aktuellen Strommarktpreisentwicklung und von der Entwicklung der Emissionszertifikate ab. Berechnet wird sie zudem danach, in welchem Umfang die Anlage betrieben werden muss sowie welche Kosten für die Erzeugung einer Megawattstunde Strom und für das gesamte Liefervolumen anfallen.
Auch wenn es sich möglicherweise nicht unmittelbar um eine staatliche Beihilfe handelt, die der Genehmigung durch die Europäische Kommission bedarf – da es sich um einen Sicherheitsmechanismus handelt –, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Subvention letztlich doch von Brüssel genehmigt werden muss.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... ren-297352
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Mgr. Gabriela Reitingerova
OIŽP - Občanská iniciativa pro ochranu životního prostředí / BIU - Bürgeriniative Umweltschutz
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