Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus tschechien Medien zur Kernkraft vom 30.9.2026:
Inhalt:
Temelín erweitert Lagerkapazitäten für Kernbrennstoff.
Die Entwicklung der Kernenergie scheitert an den hohen Kosten, meint der skeptische Experte Schneider.
Škoda JS beteiligt sich an Projekten mit Rolls-Royce SMR.
Erstes geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle nähert sich der Inbetriebnahme.
Polen startet Atom-Megaprojekt: Vertrag soll bis Jahresende stehen
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Temelín erweitert Lagerkapazitäten für Kernbrennstoff
30.9.2026 Jihoceska televize / Sübböhmisches Fernsehen 5.30 Uhr – Nachrichten
Am Kernkraftwerk Temelín wird derzeit eine wichtige Phase beim Ausbau der Lagerkapazitäten für Kernbrennstoff abgeschlossen. Insgesamt entstehen 102 neue Lagerplätze, die Brennstoffreserven für bis zu drei Jahre Kraftwerksbetrieb ermöglichen sollen.
Für die Eigenständigkeit und einen stabilen Betrieb des Kernkraftwerks Temelín ist eine ausreichende Brennstoffreserve von entscheidender Bedeutung. In diesen Tagen wird eine wichtige Etappe beim Ausbau der Lagerkapazitäten für frischen Kernbrennstoff abgeschlossen. Die 102 neuen Lagerplätze reichen für bis zu drei Jahre Kraftwerksbetrieb.
Bisher verfügt Temelín über Brennstoffreserven für mehr als zwei Jahre. Mit diesem Schritt stärkt ČEZ nach eigenen Angaben die Energieversorgungssicherheit der Tschechischen Republik.
/gr/
Die Entwicklung der Kernenergie scheitert an den hohen Kosten, meint der skeptische Experte Schneider
30. September 2026 Ekonomicky denik
Autor: David Tramba
Foto: Während Politiker darauf hoffen, bei der Eröffnung eines neuen Kernkraftwerks das Band durchschneiden zu können, könnte die Realität deutlich düsterer aussehen.
Auf eine große Renaissance der Kernenergie sollte man sich nicht einstellen, warnt der deutsche Energieexperte Mycle Schneider in seinem jüngst veröffentlichten World Nuclear Industry Status Report (WNISR). Der Hauptgrund sind die Kosten. Kernkraftwerke sind demnach deutlich teurer als andere emissionsarme Stromquellen. Wind- und Solarkraftwerke in Kombination mit Batteriespeichern könnten dieselbe Leistung zu geringeren Kosten erbringen, argumentiert Schneider in seinem Bericht. (https://www.worldnuclearreport.org/IMG/ ... 026-v1.pdf)
Als Beleg verweist er auf die diesjährige Studie des US-Beratungsunternehmens Lazard zu den sogenannten Levelized Cost of Energy (LCOE), also den Gesamtkosten für Bau und Betrieb verschiedener Kraftwerkstypen. Bei marktüblichen Kosten für Eigen- und Fremdkapital erweist sich ein neues Kernkraftwerk demnach als teuerste Stromquelle mit Kosten von rund 215 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh). Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten großer Solar- und Windkraftanlagen liegen bei etwa einem Drittel, nämlich rund 70 US-Dollar pro MWh.
Große Batteriespeicher haben die Spielregeln verändert…..
Die wirtschaftliche Rentabilität von Kernkraftwerken steht und fällt somit mit den Kapitalkosten. Bietet der Staat günstige Kredite an, können die LCOE von Kernkraftwerken bis auf etwa 100 US-Dollar pro MWh sinken. Die von tschechischen Politikern genannten Kosten der neuen Reaktorblöcke in Dukovany von rund 90 Euro pro MWh erzeugten Stroms könnten damit realistisch sein. Doch mit günstigem Kapital sinken auch die Kosten für Wind- und Solarkraftwerke. Deren LCOE könnten auf rund 50 US-Dollar (45 Euro) pro MWh fallen.
Skeptiker werden natürlich einwenden, dass ein Kernkraftwerk rund um die Uhr und sieben Tage die Woche kontinuierlich Strom ins Netz einspeist. Die Leistung von Wind- und Solaranlagen schwankt dagegen je nach Wetter- und anderen natürlichen Bedingungen. Doch hier, so Mycle Schneider, seien Batteriespeicher zum „Gamechanger“ geworden. Die Kosten für den Bau solcher Speicher sind allein zwischen den Jahren 2022 und 2025 um 63 Prozent gesunken. Viele Investoren setzen daher inzwischen auch ohne staatliche Förderung oder andere öffentliche Unterstützung auf den Bau von Batteriespeichern.
Gesamtkosten verschiedener Kraftwerkstypen (USD/MWh) in Abhängigkeit von den Kapitalkosten
Kraftwerkstyp Eigenkapital 6 %, Fremdkapital 5 % Eigenkapital 10 %, Fremdkapital 7 % Eigenkapital 12 %, Fremdkapital 8 %
Kernkraft 130 182 215
Gaskraftwerke (Backup) 160 192 210
Offshore-Wind 105 125 135
Kohlekraft 89 111 125
Gas-und-Dampf-Kraftwerke 74 84 90
Großflächige Solarenergie 53 62 69
Windenergie 53 62 68
Quelle: Lazard (Berechnung für Kraftwerke in den USA)
Das Ergebnis sind teilweise gigantische Megaprojekte mit Investitionsvolumen in Milliardenhöhe. Ein Beispiel ist ein 5,2 Gigawatt (GW) großer Photovoltaikpark, der mit Batteriespeichern mit einer Kapazität von 19 GWh kombiniert wird. Das Projekt wird vom Konzern Masdar in den Vereinigten Arabischen Emiraten gebaut. Nach seiner für das kommende Jahr geplanten Fertigstellung soll es eine stabile, steuerbare Energiequelle zu wettbewerbsfähigen Preisen darstellen.
Allerdings ist anzumerken, dass weder Schneider noch das Lazard-Team die Situation von Ländern berücksichtigen, in denen die Bedingungen für den Bau von Wind- und Solaranlagen weniger günstig sind. Beispiele dafür könnten Tschechien oder die Slowakei sein. Unter solchen Bedingungen kann die Kernenergie wirtschaftlich günstiger abschneiden als erneuerbare Energien.
Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung sinkt….
Mycle Schneider vergleicht in seinem World Nuclear Industry Status Report (WNISR) auch die Entwicklung der erneuerbaren Energien mit jener der Kernenergie. Die weltweit installierte Leistung von Photovoltaikanlagen stieg im vergangenen Jahr um 510 GW auf 2383 GW – ein Zuwachs von 27 Prozent. Die Windkraft legte um 159 GW auf 1291 GW zu – ebenfalls innerhalb nur eines Jahres. Die Leistung der Kernkraftwerke erhöhte sich dagegen lediglich um 1,5 GW auf 399,5 GW. Ein großer Teil der zusätzlichen Leistung neuer Reaktoren wurde durch die Stilllegung älterer Anlagen wieder aufgezehrt.
Anstelle der erhofften „nuklearen Renaissance“ beobachten wir laut Schneider somit einen langfristigen Bedeutungsverlust der Kernenergie. Vor 15 Jahren erzeugten Kernkraftwerke 12,8 Prozent des weltweit produzierten Stroms. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 8,8 Prozent. Der Anteil der erneuerbaren Energien, einschließlich der Wasserkraft, stieg im gleichen Zeitraum dagegen von 19,4 auf 33,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil der Kohlekraft an der weltweiten Stromproduktion sank im vergangenen Jahr auf 32,6 Prozent.
Große tschechische Atompläne….
Die tschechische Regierung setzt trotz der genannten Argumente auf einen ambitionierten Ausbau der Kernenergie. Geplant sind nicht nur vier große Reaktorblöcke des Typs APR1000 in Dukovany und Temelín, sondern gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Rolls-Royce SMR auch sechs Reaktoren mittlerer Leistung. Insgesamt könnten damit bis 2050 in Tschechien bis zu 7.000 Megawatt neue nukleare Kapazitäten hinzukommen.
Dabei handelt es sich allerdings lediglich um Pläne der Energiegruppe ČEZ. Auch andere Investoren erwägen den Bau eigener Kernreaktoren. Dazu gehören die Energiegruppe SUAZ Group sowie der Konzern Orlen, der in Tschechien die Erdölraffinerien in Litvínov und Kralupy nad Vltavou besitzt. Auch Veolia interessiert sich für die künftige Nutzung kleiner nuklearer Reaktoren, insbesondere zur Wärmeerzeugung.
/gr/
Škoda JS beteiligt sich an Projekten mit Rolls-Royce SMR
29.09.2026 Wochenzeitung Technický týdeník
Die traditionelle tschechische Nukleartechnikfirma Škoda JS aus der ČEZ-Gruppe hat einen weiteren Erfolg im Bereich der kleinen modularen Reaktoren (SMR) erzielt. Für die britische Gesellschaft Rolls-Royce SMR, in die ČEZ im vergangenen Jahr umfangreich investiert hat, wird Škoda JS eine zentrale Komponente für die Steuerung des Reaktors liefern.
Rolls-Royce SMR hat Škoda JS als einzigen Lieferanten einer wichtigen Komponente des Kernreaktors ausgewählt. Das Unternehmen aus Plzeň wird Antriebe für die Steuerstäbe liefern, die für die Regelung der Reaktorleistung unerlässlich sind. Jeder modulare Reaktor von Rolls-Royce SMR wird mit Antrieben von Škoda JS ausgestattet sein – unabhängig davon, wo auf der Welt er gebaut wird.
Damit knüpft Škoda JS an einen früheren Erfolg an: Das Unternehmen wurde bereits als einer von zwei Lieferanten weiterer wichtiger Komponenten der nuklearen Insel ausgewählt. Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien soll in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre in Temelín entstehen.
„Die globale Lieferkette für kleine modulare Reaktoren entsteht gerade, und für unsere Industrieunternehmen ist es entscheidend, jetzt schnell zu handeln. Die Chance ist einzigartig. Wenn es ihnen gelingt, sich gleich zu Beginn in diese Lieferkette einzubinden, können sie über Jahrzehnte hinweg attraktive Aufträge erhalten“, sagte Daniel Beneš, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor von ČEZ. Er fügte hinzu: „Vor Škoda JS steht nun die Aufgabe, einen Prototyp speziell für kleine modulare Reaktoren zu entwickeln, um diese anschließend weltweit für Rolls-Royce SMR liefern zu können.“
Die Antriebsmechanismen der Steuerstäbe gehören zu den wichtigen Komponenten von Kernreaktoren und sind ein zentraler Bestandteil des Designs von Rolls-Royce SMR. Sie gewährleisten die präzise Bewegung der Steuerstäbe, mit denen die Reaktorleistung geregelt wird. Dadurch tragen sie zu einem sicheren Betrieb bei und ermöglichen bei Bedarf eine schnelle Abschaltung des Reaktors. Jeder Antrieb ist ein einzigartiger elektromechanischer Linearmotor mit einer Länge von knapp acht Metern und einem Gewicht von 450 Kilogramm. Er ist in der Lage, den Reaktor in allen Betriebszuständen sicher zu steuern.
„Der Vertrag umfasst auch die Vorbereitungen für die Serienproduktion bei Škoda JS sowie die Eckpunkte eines künftigen Vertrags über die weltweite Lieferung des Steuerungssystems für alle Rolls-Royce-SMR-Reaktoren. Dies könnte für uns künftig wiederkehrende Aufträge im Wert von mehr als einer Milliarde Kronen pro einzelnem SMR bedeuten“, erklärte Karel Bednář, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor von Škoda JS.
„Škoda JS hat unter Beweis gestellt, dass das Unternehmen zu den wenigen Firmen in Europa gehört, die in der Lage sind, eine der wichtigsten Komponenten unseres Kraftwerks zu liefern. Wir sind stolz darauf, dass Škoda JS zu unserem Partner geworden ist. Unsere Zusammenarbeit zeigt deutlich, welche Vorteile dieses Projekt für Industrieunternehmen mit sich bringt“, ergänzte Chris Cholerton, Generaldiektor von Rolls-Royce SMR.
Kleine modulare Reaktoren sind eine der Säulen der langfristigen Strategie von ČEZ und der modernen Energieversorgung der Tschechischen Republik. Sie sollen künftig Teil des tschechischen Energiemixes sein und neben großen Kernkraftwerksblöcken und erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen. Der erste kleine modulare Reaktor soll in unmittelbarer Nachbarschaft des bestehenden Kernkraftwerks Temelín errichtet werden.
ČEZ schloss im Jahre 2024 eine strategische Partnerschaft mit Rolls-Royce SMR. Dadurch beteiligt sich das Unternehmen direkt an der Entwicklung und Vorbereitung der SMR-Technologie. ČEZ wurde zu einem bedeutenden Minderheitsaktionär des britischen Unternehmens und erwarb einen Anteil von rund 20 Prozent. Damit ist ČEZ ein strategischer Investor mit weitreichenden Rechten innerhalb des Unternehmens.
Die Kraftwerke von Rolls-Royce SMR werden eine Leistung von 470 MWe haben. Sie sollen eine stabile, erschwingliche und emissionsfreie Stromversorgung gewährleisten. Die Leistung eines einzelnen SMR würde ausreichen, um den jährlichen Strombedarf von einer Million tschechischer Haushalte zu decken.
Kleine modulare Reaktoren sollen künftig neben großen Kernkraftwerken, Gaskraftwerken und erneuerbaren Energiequellen Bestandteil des Energiemixes der Tschechischen Republik sein.
/gr/
Erstes geologisches Tiefenlager für radioaktive Abfälle nähert sich der Inbetriebnahme
29.09.2026 Wochnzeitung Technický týdeník
Das finnische Tiefenlager für radioaktive Abfälle Onkalo ist in eine weitere Vorbereitungsphase für die Endlagerung abgebrannter Kernbrennstoffe eingetreten.
Das Unternehmen Posiva hat mit den Arbeiten an der ersten tatsächlichen Einlagerungsbohrung begonnen, die Bestandteil des endgültigen Tiefenlagers werden soll. Das Projekt geht damit von den Erprobungsarbeiten zur Errichtung der Infrastruktur für den regulären Betrieb über. Finnland macht damit einen weiteren Schritt bei einem Projekt, über das seit Jahrzehnten diskutiert wird und das nun der tatsächlichen Nutzung näherkommt.
Die Bohrarbeiten haben in dem unterirdischen Komplex im Felsmassiv von Olkiluoto in einer Tiefe von mehr als 400 Metern begonnen. Die erste Bohrung entsteht im Boden eines bereits aufgefahrenen Einlagerungstunnels. Ihre Parameter zeigen, wie hohe Anforderungen Posiva an die Präzision stellt. Die fertige Einlagerungsbohrung soll 8,4 Meter tief und 1,75 Meter breit sein. Dabei darf ihre Mittelachse über die gesamte Länge nicht mehr als 25 Millimeter von der vertikalen Achse abweichen. Wird dieser Grenzwert überschritten, kann die Bohrung nicht für die endgültige Einlagerung des Brennstoffs genutzt werden.
Mindestens die ersten drei Bohrungen werden deshalb besonders eingehend kontrolliert und unmittelbar nach ihrer Fertigstellung erneut vermessen – noch bevor mit den nächsten Bohrungen begonnen wird. Es handelt sich um eine wichtige Betriebsphase, in der nicht nur die Bohrtechnik selbst überprüft wird, sondern auch die Fähigkeit, sie unter den Bedingungen des tatsächlichen Tiefenlagers wiederholt anzuwenden.
Im regulären Betrieb sollen etwa zwei Einlagerungsbohrungen pro Arbeitswoche fertiggestellt werden. Für die künftige Wirtschaftlichkeit des Betriebs wird es entscheidend sein, ein konstantes Arbeitstempo, eine gleichbleibend hohe Bohrqualität und die entsprechenden Kontrollverfahren aufrechtzuerhalten.
Ein halber Kilometer unter der Erde nach Jahrzehnten der Vorbereitung….
Der abgebrannte Brennstoff soll in Onkalo in einer Tiefe von rund 450 Metern im Felsgestein eingelagert werden. Das Konzept sieht hermetisch verschlossene Behälter aus Eisen und Kupfer, eine Bentonitbarriere, eine Verfüllung der Tunnel mit Tonmaterial, Verschlussbauwerke und das umgebende Gestein als weitere Barrieren vor.
Der erste Einlagerungstunnel, in dem derzeit die Bohrarbeiten stattfinden, ist rund 330 Meter lang und bietet Platz für etwa 30 Einlagerungsbohrungen. Während des gesamten geplanten Betriebszeitraums sollen rund 100 Einlagerungstunnel mit einer Gesamtlänge von etwa 35 Kilometern entstehen.
Finnland entwickelt damit nicht lediglich eine einmalige technische Lösung, sondern einen langfristigen industriellen Prozess. Für den europäischen Nuklearsektor ist von Bedeutung, dass Onkalo einen konkreten Weg vom geologischen Erkundungsprozess über den Bau unterirdischer Anlagen bis hin zur wiederholbaren Einlagerung von Brennstoff aufzeigt.
Nach Angaben von World Nuclear News stellte Posiva am 30. Dezember 2021 den Antrag auf eine Betriebsgenehmigung für die Anlage zur Verkapselung und das endgültige Tiefenlager. Der Antrag bezieht sich auf einen Betrieb von März 2024 bis Ende 2070. Die endgültige Entscheidung liegt bei der finnischen Regierung; Voraussetzung dafür ist eine positive Stellungnahme der finnischen Strahlenschutz- und Nuklearaufsichtsbehörde STUK.
STUK begann im Mai 2022 mit der Prüfung und stellte nach früheren Angaben bereits fest, dass die sicherheitstechnischen Anforderungen für die Erteilung der Betriebsgenehmigung erfüllt sind. Posiva gibt inzwischen an, bis Ende 2026 die betriebliche Bereitschaft für den Beginn der endgültigen Einlagerung erreichen zu wollen.
Ein ähnliches Tiefenlager ist auch in Tschechien seit Langem geplant. Während das weltweit erste Tiefenlager dieser Art und Zweckbestimmung nun einen weiteren Schritt in Richtung regulären Betriebs macht, wird in Tschechien weiterhin über die Auswahl eines geeigneten Standorts diskutiert. Problematisch ist dabei insbesondere, dass bislang kein Verfahren etabliert wurde, das das Vertrauen der betroffenen Gemeinden gewinnen könnte. Auch ein langfristig stabiler Zeitplan ist noch nicht festgelegt.
Onkalo zeigt, dass es nicht ausreicht, lediglich ein geeignetes geologisches Umfeld auszuwählen. Entscheidend ist auch, jahrzehntelange Vorbereitungen in ein unter betrieblichen Bedingungen beherrschbares System zu überführen.
/gr/
Polen startet Atom-Megaprojekt: Vertrag soll bis Jahresende stehen
Autor: Martin Voříšek
30. September 2026, oenergetice.cz
Die für den Bau des ersten polnischen Kernkraftwerks verantwortliche Gesellschaft Polskie Elektrownie Jądrowe (PEJ) hat sich mit dem Konsortium Westinghouse-Bechtel auf die Bedingungen des Hauptvertrags für den Bau der neuen Reakorblöcke geeinigt. Die Verhandlungen gehen weiter, beide Seiten wollen den Vertrag bis zum Ende dieses Jahres abschließen. Gleichzeitig schreitet das Projekt von der Vorbereitungsphase zu ersten Arbeiten auf dem Baugelände voran. Was ist rund um Polens erstes Kernkraftwerk bisher geschehen?
Polen reihte sich erst im Oktober 2022 in die Gruppe der Staaten ein, die in der Europäischen Union ein neues Kernkraftwerk bauen wollen. Die polnische Regierung wählte damals den US-Konzern Westinghouse als Partner für das Projekt in Pommern. Das Projekt am Standort Lubiatowo-Kopalino sieht drei Reaktoren des Typs AP1000 vor. Darüber hinaus erhielt das Projekt eine wichtige Genehmigung bzw. Notifizierung durch die Europäische Kommission. Auch in Polen spielt beim Ausbau der Kernenergie somit der Staat die zentrale Rolle und nicht ein privater Investor. PEJ erwartet, dass der erste Reaktorblock 2036 den Betrieb aufnehmen wird.
Nach einer längeren Pause gibt es nun neue Informationen zu dem Projekt. Die Vorbereitung des sogenannten EPC-Vertrags, nach dem das Konsortium Westinghouse-Bechtel alle drei Reaktorblöcke errichten soll, soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Der Bau soll schlüsselfertig erfolgen.
Von der Einigung über die Vertragsbedingungen zum vollständigen EPC-Vertrag….
Die im September erzielte Vereinbarung betrifft die wichtigsten wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen. Nach Angaben von PEJ bildet sie die Grundlage für die weiteren Verhandlungen über die noch offenen Bestimmungen der Zusammenarbeit und die Anhänge zum Vertrag. Sowohl das Konsortium als auch der Investor erklären, dass sie den gesamten Prozess bis zum Jahresende abschließen wollen. Die Vereinbarung stellt somit bislang einen wichtigen Meilenstein dar, bedeutet jedoch noch nicht, dass der endgültige Bauvertrag unterzeichnet wurde.
Die Fertigstellung des Vertrags läuft parallel zu den Vorbereitungen des Standorts und dem Genehmigungsverfahren. PEJ stellte im März beim polnischen Nationalen Atomamt einen Antrag auf eine Baugenehmigung und bereitet die Unterlagen für weitere erforderliche Genehmigungen vor. Im August übergab das Unternehmen das Baugelände an Bechtel, das damit die Koordinierung der Arbeiten und die Zusammenarbeit mit den Subunternehmern übernahm.
Baugelände wird vorbereitet, Lieferkette wächst….
Die ersten Arbeiten am Standort umfassen die Erschließung des weitläufigen Geländes, Entwässerungsarbeiten und den Aufbau einer temporären Infrastruktur. Das polnische Unternehmen Budimex soll beispielsweise rund 16 Kilometer provisorische Straßen errichten. Die Vorbereitungen umfassen außerdem Entwässerungsgräben sowie Einrichtungen für Logistik und Arbeitskräfte. Die genehmigten Arbeiten sollen vom dritten Quartal 2026 bis zum ersten Quartal 2029 dauern. Es handelt sich dabei allerdings zunächst um die Vorbereitung des Standorts für die weiteren Projektphasen und noch nicht um den eigentlichen Bau der Reaktorblöcke.
Gleichzeitig beteiligen sich immer mehr polnische Unternehmen an dem Projekt. Bechtel hat beispielsweise einen Vertrag mit Polimex Mostpostal über die Lieferung, Montage und Inbetriebnahme von zwei großen Montagehallen abgeschlossen. Dort sollen große Bau- und Maschinenmodule zusammengebaut werden, die aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts nicht als fertige Einheiten zur Baustelle transportiert werden können.
PEJ und die polnische Regierung betonen, dass die Einbindung heimischer Unternehmen Erfahrungen schaffen soll, die auch nach Fertigstellung des ersten Kraftwerks genutzt werden können. Nach Angaben der Regierung hat der Gesamtwert der Verträge mit polnischen Unternehmen im Projekt Lubiatowo-Kopalino 2,2 Milliarden Zloty überschritten.(Anm.: Die Gesamtkosten werden auf 42 bis 45 Milliarden Euro beziehungsweise 178 bis 192 Milliarden polnische Złoty geschätzt. Bislang entspricht dies lediglich rund 1,1 Prozent der Gesamtsumme.) Diese Summe allein sagt daher nichts darüber aus, welcher Anteil des Gesamtwerts des Kraftwerks letztlich auf heimische Zulieferer entfallen wird.
Auch beim tschechischen Projekt zum Ausbau des Kernkraftwerks Dukovany sollen heimische Zulieferer eingebunden werden. Die Forderung, dass tschechische Unternehmen 60 Prozent des Projekts übernehmen sollen, war eines der zentralen Themen der inzwischen abgeschlossenen Ausschreibung. Die bei Lieferungen und Arbeiten am heimischen Projekt gesammelten Erfahrungen sollen dazu beitragen, die Kompetenzen der tschechischen Industrie für weitere Nuklearprojekte weltweit auszubauen.
Nach jüngsten Angaben des KHNP-Chefs haben 13 tschechische Unternehmen mit der Registrierung als potenzielle Zulieferer für den nichtnuklearen Teil des Projekts begonnen. Mit im Mai geschlossenen Vorverträgen soll KHNP bereits 30 Prozent der Lieferungen abgesichert haben.
Staatliche Unterstützung soll finanzielle Unsicherheit verringern – Strompreis im Rahmen des CfD auf maximal 114 Euro/MWh geschätzt…
Die Europäische Kommission genehmigte die polnische staatliche Unterstützung für den Bau und Betrieb des Kraftwerks Ende vergangenen Jahres. Dies ist eine notwendige Voraussetzung für den EPC-Vertrag, denn die Vereinbarung zwischen Investor und Lieferant allein regelt weder die Finanzierung des Projekts noch die Überbrückung des langen Zeitraums zwischen Baubeginn und Betriebsaufnahme.
Das genehmigte Unterstützungspaket beruht auf drei Instrumenten: einer direkten finanziellen Unterstützung durch den Staat in Höhe von bis zu 30 Prozent, staatlichen Garantien für die gesamte Fremdfinanzierung des Projekts – für die verbleibenden 70 Prozent der Finanzierung übernimmt der Staat eine Garantie, die günstigere Kreditkonditionen ermöglichen soll – sowie einem zweiseitigen Differenzvertrag (CfD).
Der Differenzvertrag soll 40 Jahre gelten, obwohl der ursprüngliche polnische Vorschlag eine Laufzeit von 60 Jahren vorgesehen hatte – ähnlich wie bei der ersten Notifizierung der staatlichen Unterstützung für den Ausbau von Dukovany.
Die von der Europäischen Kommission festgelegten Bedingungen sehen auch Einschränkungen beim Verkauf des erzeugten Stroms vor. Der Stromverkauf soll eine Kombination aus längerfristigen Verträgen und dem Handel an der Strombörse umfassen. Die polnische Regierung gibt an, dass bis zu 30 Prozent der Produktion über Auktionen und die verbleibenden 70 Prozent auf organisierten Märkten bzw. Börsen verkauft werden sollen.
Der im Rahmen des Differenzvertrags garantierte Ausübungspreis soll 500 Złoty pro MWh – also etwa 115 Euro/MWh – nicht überschreiten. Damit läge er etwas über der Spanne von 85 bis 105 Euro/MWh, mit der die tschechische Notifizierung der staatlichen Unterstützung für zwei neue Reaktorblöcke in Dukovany im Basisszenario rechnet.
Wie in anderen Ländern wird auch dieses Projekt von einem Unternehmen umgesetzt, das sich vollständig im Besitz des polnischen Staates befindet. Die Regierung tritt somit nicht nur als Unterstützer auf, sondern über PEJ auch als Investor und künftiger Eigentümer des Kraftwerks. Dieses Modell ist in Europa nicht unbekannt. Einen ähnlichen Ansatz beim Bau von Kernkraftwerken verfolgen unter anderem das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Frankreich und auch Tschechien.
Zweites Kernkraftwerk: Regierung sucht nach einem anderen Finanzierungsmodell...
Polen bereitet außerdem den Bau eines zweiten großen Kernkraftwerks vor. Die im Juni 2026 aktualisierte staatliche Nuklearstrategie sieht zwei große Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 6 bis 9 GW vor. Für das zweite Kraftwerk, das als EJ2 bezeichnet wird, gelten Bełchatów und Konin als bevorzugte Standorte. Die Regierung will den strategischen Partner und die Technologie im Jahre 2027 auswählen, etwa im Jahre 2032 mit dem Bau beginnen und den ersten Reaktorblock um das Jahr 2040 in Betrieb nehmen.
Das Programm ist bislang allerdings nur ein Vorschlag, der noch von der Regierung beraten werden muss. Im Gegensatz zum ersten Kraftwerk steht weder die Investorenstruktur fest noch ist das Projekt über die Anfangsphase hinausgekommen.
Die polnische Regierung bemüht sich darum, dass das neue Projekt nicht ausschließlich auf öffentlichen Geldern basiert. Der Wettbewerbsdialog mit potenziellen Partnern soll nicht ur die Technologie, sondern auch die Finanzierung des Projekts umfassen. Die Regierung möchte, dass sich der strategische Partner bereits in einer frühen Phase mit Kapital beteiligt. Auch eine Einbindung künftiger Stromabnehmer über Unternehmensverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), oder über Beteiligungsmodelle wird erwogen.
Der Staat soll sich aus dem Projekt jedoch nicht vollständig zurückziehen: Die Regierung geht davon aus, dass auch in diesem Fall eine staatliche Unterstützung erforderlich sein wird, beispielsweise in Form eines Differenzvertrags.
Polen sucht beim zweiten Kraftwerk somit eine andere Verteilung der Risiken als beim Projekt Lubiatowo-Kopalino – nicht jedoch einen Weg ohne staatliche Unterstützung. Vor der Beteiligung des Staates soll der Technologiepartner eine größere Rolle übernehmen, während der Staat weiterhin dazu beitragen soll, die Finanzierbarkeit des Projekts sicherzustellen.
Wie bereits erwähnt, steht das Projekt allerdings noch ganz am Anfang. Polen muss potenzielle Investoren davon überzeugen, dass das Vorhaben für sie wirtschaftlich attraktiv ist. Eine solche Aufgabe konnte bei keinem der Kernkraftwerksneubauten der vergangenen Jahre vollständig gelöst werden. Auch das zweite polnische Atomprojekt könnte daher letztlich wieder unter vollständige staatliche Kontrolle geraten.
Quelle: https://oenergetice.cz/zahranicni/polsk ... konce-roku
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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Gabi Reitinger
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