Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Energie vom 14.5.2026:
Inhalt:
E.Sequens: Abfall für die Ewigkeit.
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden.
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL - Die geisterstadt, die niemals starb.
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer.
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick.
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
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Abfall für die Ewigkeit
13.05.2026 Wochenzeitung A2 Autor: EDVARD SEQUENS
Rubrik: Gesellschaft - Seite: 30
ULTIMATUM
Die tschechische Regierung beschäftigt sich mit einem verzwickten Problem: Wohin mit dem Abfall aus den Kernreaktoren, den niemand haben will und der noch mehrere Hunderttausend Jahre gefährlich bleiben wird? Einen Plan haben die staatlichen Behörden – seine aktuelle Version wird gerade einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Aber ist er gut?
Die Atomindustrie bemüht sich darum, hochradioaktive Brennelemente, die nach mehreren Jahren aus den Reaktoren entnommen werden, nicht als Abfall, sondern als zukünftigen Rohstoff zu bezeichnen. Im Industrieministerium sieht man das jedoch anders, denn man rechnet mit dem schnellen Bau eines tiefengeologischen Endlagers für hochradioaktive Abfälle und dessen Inbetriebnahme im Jahr 2050. Das Konzept entstand allerdings ohne einen Vergleich der Vorteile und Auswirkungen weiterer potenzieller Varianten, wie man es eigentlich erwarten würde. Denkbar wären unter anderem eine langfristige Lagerung bis zur Findung einer akzeptablen Lösung (Konzept der übergebenen Verantwortung), die Errichtung eines gemeinsamen internationalen Endlagers im Ausland oder die weitere Nutzung wiederaufbereiteten abgebrannten Brennstoffs in Reaktoren.
Im Fall eines tiefengeologischen Endlagers steht eine größere Lagerfläche im Spiel, zudem mit höherem Risiko einer Beeinträchtigung des Grundwassers, sowie eine längere Bauzeit mit einer größeren Menge an Aushubmaterial, als bisher angenommen wurde. Der Grund dafür ist das ambitionierte tschechische Atomprogramm: die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren in Dukovany und Temelín, der geplante Bau von bis zu vier neuen großen sowie sechs modularen Reaktoren in der Größe derjenigen von Dukovany. Dadurch kommen Tausende Tonnen Abfall hinzu, die entsorgt werden müssen. Die kürzlich angekündigte Verlängerung des Betriebs des Kernkraftwerks Dukovany auf achtzig Jahre wird sogar ein größeres Volumen abgebrannten Brennstoffs bedeuten, als im Konzept vorgesehen ist. Und falls am ausgewählten Standort für das Endlager in einem halben Kilometer Tiefe keine ausreichend ausgedehnte, unzerklüftete und qualitativ hochwertige Gesteinsschicht vorhanden sein sollte, müssten in Tschechien sogar zwei Endlager entstehen – was übrigens auch die zuständige Endlagerverwaltung SURAO zulässt.
Und hier kommen wir zum Geld. Dass Kernenergie teuer ist, ist allgemein bekannt. Doch es geht nicht nur um die Kosten neuer Reaktoren. Die sichere Lagerung sämtlicher radioaktiver Abfälle soll 560 Milliarden Kronen kosten, davon allein das tiefengeologische Endlager etwa 270 Milliarden (zu Preisen von 2024). Der Energiekonzern ČEZ zahlt zwar gesetzlich vorgeschriebene Gebühren an den Staat, damit dieser das Abfallproblem übernimmt, wie sich jedoch zeigt, könnte das nicht ausreichen.
Da der radioaktive Abfall für die Ewigkeit bei uns bleiben wird, sollte der Prozess der Standortsuche für ein tiefengeologisches Endlager gegenüber der Öffentlichkeit transparent sein, insbesondere gegenüber den Kommunalverwaltungen und den Bewohnern der betroffenen Gemeinden – also im Böhmerwaldvorland bei Horažďovice, bei Temelín, unter dem Berg Čeřínek in der Region Jihlava oder in der Nähe von Třebíč. Bislang ist das nicht ganz der Fall, wie die Proteste der Bürgermeister aus diesen Orten zeigen.
Werden wir noch eine Veränderung zum Besseren erleben?
/gr/
Mit Batterien im Netz verdienen Investoren und Endkunden
14.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Viktor Votruba
Rubrik: Verkehr - Seite: 11
Energie:
Die Einbindung großer Batteriespeicher in die Energiewirtschaft wird zu sinkenden Strompreisen auf dem Markt führen. Eine neue Analyse zeigt, wie sich diese Preise verändern könnten und welche Batteriekapazitäten Europa dafür benötigt. Davon werden Endkunden profitieren, doch auch Investoren in große Photovoltaikkraftwerke werden nicht leer ausgehen. Laut der genannten Analyse von SolarPower Europe, dem wichtigsten europäischen Branchenverband der Solarenergie, wird die Integration von Batterien ins Netz den Wert von Solarstrom um mehr als 70 Prozent steigern.
Solaranlagen erzeugen Strom gleichzeitig – nämlich dann, wenn die Sonne scheint – und können dadurch so viel Elektrizität ins Netz einspeisen, dass der Strompreis bis in den negativen Bereich fällt. Allein im vergangenen Jahr gab es insgesamt 392 Stunden mit negativen oder null Strompreisen, also mehr als 16 Tage von 365. Dabei kommt es zur sogenannten Kannibalisierung: Photovoltaikanlagen sägen sich gewissermaßen selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen, weil sie zur gleichen Zeit produzieren. Die Lösung sind Batteriespeicher, die den günstigen Strom für Zeiten mit höherem Bedarf speichern.
Für die Stabilität des Netzes ist es laut der Studie notwendig, dass die Batteriekapazität in der EU bis zum Jahr 2030 auf 600 GWh steigt – das ist das Achtfache der Kapazität des vergangenen Jahres. Zwar werden Batterien bereits in großem Umfang gebaut, doch der Ausbau müsste deutlich schneller erfolgen. Beim derzeitigen Tempo würde die Gesamtkapazität im Jahr 2030 lediglich auf 267 GWh steigen (etwa das Dreifache des Jahres 2025).
„Die tschechische Debatte über die Nutzung von Solarenergie dreht sich häufig vor allem um die Installation von Solarmodulen auf Einfamilienhäusern. Im europäischen Kontext gilt Solarenergie jedoch als ein Schlüsselakteur für die grundlegende Transformation der Energiewirtschaft. Die Diskussion betrifft nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Unternehmens- und Freiflächenanlagen, kombiniert mit Batterien und der Einbindung von Flexibilität“, sagt Jan Krčmář, Geschäftsführer des tschechischen Solarverbands. Mit der Situation in Tschechien wird sich die Konferenz „Solarenergie und Speicherung“ befassen, die Ende Mai in Prag stattfindet.
Die Analyse von SolarPower Europe konzentriert sich hauptsächlich auf den Vergleich zweier zentraler Szenarien für die Entwicklung der europäischen Energiewirtschaft bis 2030.
Das erste Szenario „Base Case“ (Business-as-usual) basiert auf den aktuellen Entwicklungstrends und den bestehenden Investitionsbedingungen. Demnach würde die EU ihre Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien nicht erreichen.
Das zweite Szenario „Solar+“ geht von einem schnelleren Ausbau von Photovoltaik und Speichern aus, was zur Erreichung der Klimaziele der EU führen soll. Und nicht nur das: Laut SolarPower Europe würde dieses Szenario auch die Betriebskosten des Stromsystems halbieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Fossile Brennstoffe und CO₂-Zertifikate machen heute 78 Prozent der Kosten des Stromsystems aus, sodass ihr Ersatz durch heimische erneuerbare Energiequellen zu niedrigeren Preisen führen wird.
Die Analyse geht davon aus, dass die jährlichen Betriebskosten des gesamten EU-Stromsystems dank der drastischen Einschränkung der Nutzung fossiler Brennstoffe von 112 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 55 Milliarden Euro im Jahr 2030 sinken würden.
Gegner eines schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien warnen häufig vor Preisinstabilität. Die Analyse behauptet jedoch das Gegenteil – vorausgesetzt, der Ausbau wird von Batteriespeichern begleitet.
Während fossile Energiequellen wegen der Brennstoffkosten teuer im Betrieb sind, machten die Betriebskosten der erneuerbaren Energiequellen selbst (wie Wind und Sonne) sowie der Verteilnetze laut der Analyse im Jahr 2025 in der EU nur etwa 0,5 Prozent der gesamten Betriebskosten des Systems aus. Deshalb führt ihr massiver Ausbau zu einer so deutlichen Senkung der Gesamtkosten.
Die Analyse berechnet auch konkrete Auswirkungen auf die Großhandelspreise für Strom. Das Basisszenario („Base Case“) geht von einem Rückgang auf 69 Euro/MWh aus, während „Solar+“ 63 Euro/MWh prognostiziert. Derzeit liegt dieser Strompreis bei rund 99 Euro/MWh.
viktor.votruba@hn.cz
/gr/
40 JAHRE SEIT TSCHERNOBYL
14.05.2026 Monatszeitung Mladý svět / Junge Welt Autorin: Lenka Němečková
Seite: 38
Die Geisterstadt, die niemals starb
Was fällt Ihnen ein, wenn man Tschernobyl sagt? Haben Sie die Ereignisse des Frühjahrs 1986 selbst erlebt? Haben Sie eine Dokumentation, einen Film oder die beliebte HBO-Serie gesehen? Die Katastrophe des Kernkraftwerks wirkt als derart abschreckendes Beispiel für Machtmissbrauch, dass man sich kaum gegen Gedanken wehren kann, was alles hätte passieren können, wenn …
In der Nacht des 26. April 1986 blieb in Tschernobyl die Zeit stehen und die Welt erbebte. Im Reaktor Nummer 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl kam es infolge einer Überhitzung zu einer Explosion. Die Detonation riss das Dach des Gebäudes weg und eine radioaktive Wolke, größer als jene von Hiroshima, gelangte in die Atmosphäre. Die gesamte Katastrophe war nicht nur ein technisches Versagen oder ein tragisches menschliches Fehlverhalten. Sie war das Scheitern eines ganzen Systems politischer Arroganz und ein Symbol für den Zerfall einer totalitären Epoche. In Prypjat steht bis heute das Rathaus mit Uhren, die auf 1:23 zeigen. Die Zeit der Explosion.
Staatsideologie über der Physik….
Hätte das sowjetische System die Warnungen der Wissenschaftler und die Konstruktionsmängel der RBMK-Reaktoren nicht ignoriert, hätte die Geschichte völlig anders verlaufen können. Der Reaktor hatte eine fatale Schwäche, die Wissenschaftler als positiven Dampfblasenkoeffizienten bezeichneten. In dem Moment, als das Wasser im Reaktorkern zu kochen begann und Dampf entstand, stieg die Leistung des Reaktors statt zu sinken rapide an. Die Wissenschaftler wussten bereits Jahre vor dem Unglück von diesem Risiko. Doch in einer Atmosphäre aus Angst und dem Druck, die Ziele der Fünfjahrespläne zu erfüllen, wurden kritische Hinweise unter den Teppich gekehrt. Priorität hatten billiger Strom und das Bild einer technologischen Beherrschung der Natur. „Wir befehlen Wind und Regen!“
Ehrgeiz über die Vernunft hinaus….
Wäre es während des Sicherheitstests nicht zu einer verhängnisvollen Verkettung menschlicher Fehler und unglücklicher Zufälle gekommen, könnte Block 4 vielleicht noch heute in Betrieb sein. Die Ingenieure wollten herausfinden, ob die Trägheit der Turbine bei einem Stromausfall die Pumpen weiter antreiben könnte. Da der Test mehrfach verschoben worden war, wurde er schließlich von einer weniger erfahrenen Nachtschicht durchgeführt. Die Bedienmannschaft schaltete Sicherheitssysteme ab und geriet in eine Situation, die in den Simulationen nicht vorgesehen war. Der Reaktor war instabil, durch Xenon „vergiftet“ und lief mit gefährlich niedriger Leistung. Der Befehl, den Test dennoch fortzusetzen, war der letzte Nagel zum Sarg.
Die Wahrheit gefährlicher als die Strahlung...
Hätte das sowjetische Regime versucht, die Katastrophe nicht vor den eigenen Bürgern und der Welt zu verheimlichen, hätten Tausende Leben gerettet werden können. Während die radioaktive Wolke in den Himmel stieg, spielten Kinder in der nahegelegenen Stadt Prypjat im Sand und in Kiew bereitete man die Maidemonstrationen vor. Der Kreml schwieg drei Tage lang. Eine offizielle Mitteilung erfolgte erst, nachdem das schwedische Kernkraftwerk Forsmark Alarm ausgelöst hatte. Die dortigen Detektoren registrierten ungewöhnliche Strahlung. An den Schuhen der Mitarbeiter fand man radioaktiven Staub, den der Wind aus dem Osten herangetragen hatte. Erst der internationale Druck zwang Gorbatschow einzugestehen, dass etwas Schreckliches geschehen war.
Offiziell starben direkt bei der Katastrophe und an akuter Strahlenkrankheit 31 Menschen. Die Schätzungen der langfristigen Opfer reichen von 4.000 (laut Weltgesundheitsorganisation) bis zu mehreren Zehntausend. Schilddrüsenkrebs traf vor allem Kinder. In Belarus und im Norden der Ukraine blieb eine Narbe zurück, die Ärzte bis heute sehen. Die radioaktive Wolke zog Ende April und Anfang Mai 1986 auch über die damalige Tschechoslowakei. In Prag, Brünn und auf der Böhmisch-Mährischen Höhe sammelten die Menschen Pilze und Kinder spielten draußen. Die staatliche Propaganda sprach von „präventiven Maßnahmen“.
Heldentum gemessen in Röntgen….
Die ersten Feuerwehrleute liefen nur in leichten Uniformen zum Kraftwerk. Später kamen Tausende Liquidatoren – Soldaten, Bergarbeiter, Fahrer –, um die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. Sie kämpften gegen einen unsichtbaren Feind ohne ausreichenden Schutz. Viele wussten, dass sie in den Tod gingen, opferten aber ihr Leben, um eine weitere Explosion zu verhindern. Dank ihnen wurde Tschernobyl auch zu einem Symbol des Heldentums. Frauen pflegten in Krankenhäusern ihre verstrahlten Ehemänner, obwohl Ärzte sie warnten, sich ihnen nicht zu nähern. Die Körper der direkten Opfer waren selbst nach dem Tod noch radioaktiv.
Hätten sich die drei Tschernobyl-Taucher Alexei Ananenko, Waleri Bespalow und Boris Baranow nicht geopfert, hätten die Folgen für Europa katastrophal sein können. Nur wenige Tage nach der Explosion drohte der geschmolzene Brennstoff den Betonboden zu durchdringen und die Wasserbecken unter dem Reaktor zu erreichen. Die anschließende Dampfexplosion hätte Schätzungen zufolge auch die übrigen drei Reaktoren zerstört. So viel Radioaktivität wäre freigesetzt worden, dass die Hälfte des Kontinents für Jahrhunderte unbewohnbar geworden wäre. Diese Männer machten sich in völliger Dunkelheit und kontaminiertem Wasser daran, die Ventile manuell zu öffnen und die Becken zu entleeren. Sie überlebten, doch ihre Tat bleibt einer der größten Akte menschlichen Mutes der Geschichte.
„Drei Tage“ dauern ewig...
Hätten die Bewohner von Prypjat gewusst, dass sie nie wieder in ihre Häuser zurückkehren würden, wären sie nicht nur mit einigen Dingen und Dokumenten gegangen. Die Lautsprecherdurchsage versprach eine Evakuierung von lediglich drei Tagen wegen einer „ungünstigen Strahlungssituation“. Die Menschen ließen halb aufgegessene Mittagessen auf den Tischen stehen, Haustiere in Käfigen und in den Wohnungen ihr gesamtes bisheriges Leben. Aus drei Tagen wurden vierzig Jahre und Prypjat verwandelte sich in eine Geisterstadt. In der einst modernen sowjetischen Stadt für 50.000 Menschen überwuchern Birken die Spielplätze. In den Fenstern der Plattenbauten hängen Vorhänge, die niemand jemals abgenommen hat. Und trotzdem gibt es hier Leben. Wildes, unerwartetes, schönes.
Heute ist die dreißig Kilometer große Sperrzone paradoxerweise eines der größten Naturreservate Europas. Wölfe, Elche, Wildschweine und seltene Przewalski-Pferde sind zurückgekehrt. Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Natur schneller erholt, als irgendjemand erwartet hatte. Nur Menschen leben hier nicht mehr – abgesehen von einer Handvoll alter Einwohner, die trotz des Verbots zurückkehrten. Und Touristen. Der Tourismus in der Zone ist inzwischen ein offizielles Geschäft. Menschen kommen, um überwucherte Schwimmbäder, verlassene Kindergärten und das riesige Riesenrad zu fotografieren. Was alles Menschen wohl als Adrenalinerlebnis anzieht?
Ein zerbrechliches Betongrab...
Wäre der erste Betonsarkophag nicht hastig errichtet worden, hätte die Strahlung weiterhin unkontrolliert in die Umgebung entweichen können. Die Rettungskräfte arbeiteten in Bereichen, in denen sich die sichere Aufenthaltsdauer in Sekunden messen ließ. Nur dadurch konnte die Katastrophe unter Kontrolle gebracht werden. Seit dem Jahr 2016 wird der Reaktor vom modernen Stahlbogen „New Safe Confinement“ überdeckt. Es handelt sich um das größte bewegliche Bauwerk der Welt mit einem Gewicht von 36.000 Tonnen. Die Welt konnte aufatmen.
Hätte es in den vergangenen Jahren nicht die russische Invasion in der Ukraine und die Kämpfe in der Umgebung des Kraftwerks gegeben, hätten wir glauben können, Tschernobyl sei nur noch ein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte.
Leider haben uns die Nachrichten vom Gegenteil überzeugt. Russische Soldaten begannen, sich im Roten Wald einzugraben – dem am stärksten kontaminierten Ort des Planeten. Das Aufwirbeln radioaktiven Staubs durch schweres Gerät und die Unterbrechung der Stromversorgung für die Kühlung abgebrannter Brennelemente erinnerten daran, wie fragil unsere Kontrolle über die Atomkraft ist, sobald menschliche Aggression ins Spiel kommt. Wie verletzlich unsere Vorstellung von Sicherheit sein kann, zeigte auch ein russischer Drohnenangriff im Februar 2025. Die Schutzkonstruktion wurde schwer beschädigt. Die Ukraine stellte Dutzende Millionen Euro für Reparaturen bereit, mit dem Ziel, sie bis zum Jahr 2030 wieder vollständig funktionsfähig zu machen.
Lehren als Notwendigkeit...
Hätte die Menschheit nicht aus Tschernobyl gelernt, würde die Kernenergie heute wahrscheinlich eine der größten Sicherheitsbedrohungen darstellen. Paradoxerweise führte die Tragödie jedoch zu einem enormen Fortschritt bei internationalen Kontrollmechanismen und zu offenerer Kommunikation. Jede Technologie ist nur so sicher, wie das System ehrlich und transparent ist, das sie kontrolliert.
Auch vierzig Jahre später bleibt die Sperrzone ein Mahnmal unserer Verletzlichkeit und eine Erinnerung daran, dass man mit den Naturgesetzen nicht verhandeln oder sie per Parteidekret außer Kraft setzen kann. Würden wir das vergessen, liefen wir Gefahr, dass sich die Geschichte in anderer Form wiederholt. Und das ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.
/gr/
Das Teilen von Strom bricht Rekorde. Die Frühjahrsbilanz übertraf den vergangenen Sommer
14.05.2026 0:00 Tageszeitung Českobudějovický deník Autor: Přemysl Spěvák
Rubrik: Ereignisse ~ Seite: 5
Das Volumen an Strom, das Haushalte, Unternehmen und Gemeinden untereinander geteilt haben, erreichte im März dieses Jahres einen Rekordwert von 11,4 GWh. Das ist fast viermal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und ein Fünftel mehr als während des bisherigen Höchststands im August. In Tschechien teilen inzwischen mehr als 41.000 Teilnehmer Strom miteinander. Fachleute weisen jedoch auf unnötig hohe Energieverluste hin.
Die insgesamt seit Einführung des Systems im Jahr 2024 geteilte Energiemenge erreichte fast 80 GWh. Laut dem Elektroenergetischen Datenzentrum (EDC) entspricht dies dem Verbrauch von etwa 26.000 Haushalten, also ungefähr einer Stadt von der Größe Mosts. Die Anfänge verliefen allerdings sehr langsam. Die Grenze von insgesamt 5 GWh pro Monat überschritten die Teilnehmer erstmals im Mai vergangenen Jahres.
Die Zahlen steigen jedoch weiter. Nach aktuellen Daten tauschten die Teilnehmer allein im März 11,4 GWh Strom untereinander aus – ein Rekordwert. Entscheidend waren neben der steigenden Zahl angeschlossener Standorte auch die überdurchschnittlich vielen Sonnentage.
Die durchschnittliche Sonnenscheindauer erreichte 174 Stunden, was 139 Prozent des Durchschnitts der Jahre 1991 bis 2020 entspricht. Damit herrschten ideale Bedingungen für die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen.
„Das Wetter im März hat in der Praxis gezeigt, wie effektiv das Teilen in Kombination mit Photovoltaik als Instrument der gemeinschaftlichen Energieversorgung ist. Das Rekordvolumen des geteilten Stroms, das die Werte vom März des vergangenen Jahres um das Vierfache überstieg, bestätigt, dass die Dezentralisierung der Energiewirtschaft in Tschechien aufgehört hat, nur Theorie zu sein, und zu einem Massenphänomen geworden ist. Menschen und Unternehmen haben gelernt, die Frühlingssonne maximal zu nutzen“, erklärte der Geschäftsführer des EDC, Petr Kusý.
Systemische Bremsen….
Ende März waren in Tschechien mehr als 41.000 Erzeugungsstellen und 25.000 Verbrauchsstellen registriert, die sich am Stromteilen beteiligen. Die Gesamtzahl der Sharing-Gruppen erreichte 24.355. Die Zahl der registrierten Energiegemeinschaften überschritt die Marke von 150. Obwohl die größte Gruppe weiterhin die sogenannten aktiven Kunden bilden, wächst die Zahl der Mehrfamilienhäuser dynamisch; beim EDC sind bereits 1.015 registriert.
„Die Zahl der Energiegemeinschaften ist im März sechsmal stärker gewachsen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, ergänzte Petr Kusý.
Trotz der Rekordzahlen stößt die gemeinschaftliche Energieversorgung auf Hindernisse. Die Union für Gemeinschaftsenergie weist in ihrer neuen Analyse darauf hin, dass die größte Barriere weiterhin das Fehlen einer dynamischen Methode zur Verteilung des geteilten Stroms (des sogenannten dynamischen Allokationsschlüssels) ist. Deren Einführung ist derzeit an die vollständige Inbetriebnahme des Elektroenergetischen Datenzentrums gekoppelt.
Wegen des Fehlens dieser technischen Lösung kommt es zu einer paradoxen Situation: Energiegemeinschaften verlieren bis zu 50 Prozent des erzeugten Stroms, der ansonsten innerhalb der Gemeinschaft genutzt werden könnte.
/gr/
Der Gewinn von ČEZ steigt – das Unternehmen meldet 14,5 Milliarden und einen höheren Jahresausblick
ČTK
14. Mai 2026
Der Energiekonzern ČEZ hat im ersten Quartal dieses Jahres einen Gewinn von 14,5 Milliarden Kronen erzielt. Der Nettogewinn der Gruppe stieg damit im Jahresvergleich um 13 Prozent, was laut dem Unternehmen auf das Auslaufen der Besteuerung außerordentlicher Gewinne durch die sogenannte Windfall Tax zurückzuführen ist, teilte die Firma heute in einer Pressemitteilung mit.
Die Betriebserträge gingen hingegen um neun Prozent zurück und erreichten 85 Milliarden Kronen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank um 18 Prozent auf 35,3 Milliarden Kronen. Nach Angaben von ČEZ ist dies auf niedrigere Realisierungspreise für erzeugten Strom zurückzuführen. Gleichzeitig gab die Gruppe heute bekannt, ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben zu haben.
„Die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals haben die ursprünglichen Erwartungen übertroffen. Dazu beigetragen haben vor allem der stabile Betrieb der Erzeugungsanlagen, ein relativ kalter Winter sowie die vorsichtige Einkaufsstrategie der Vertriebsgesellschaften. Nach den Projektvorbereitungen ist es uns gelungen, die Investitionen in moderne und emissionsfreie Energie deutlich zu erhöhen. Insgesamt beliefen sich die Investitionen auf 16 Milliarden Kronen, was einem Anstieg von mehr als dem Doppelten im Jahresvergleich entspricht“, erklärte der Vorstandsvorsitzende und Generaldirektor von ČEZ, Daniel Beneš.
Die Investitionstätigkeit konzentrierte sich insbesondere auf emissionsfreie Energiequellen, die Modernisierung und Verstärkung der Verteilnetze sowie die Vorbereitung strategischer Energieprojekte. Begonnen wurde zudem mit dem Bau der Anlage zur energetischen Verwertung von Abfällen (ZEVO) in Mělník.
Das Stromerzeugungsvolumen von ČEZ sank im ersten Quartal im Jahresvergleich um vier Prozent auf 13,8 Terawattstunden (TWh). Die Stromverteilung im Netzgebiet von ČEZ Distribution stieg hingegen um vier Prozent auf 9,9 TWh, kalender- und klimabereinigt um zwei Prozent. Die Gasverteilung im Gebiet der GasNet-Gruppe nahm um acht Prozent auf 25,5 TWh zu.
„Drei Prozentpunkte entfielen auf das kältere Wetter, die restlichen fünf Prozent sind eine Folge der Übernahme der Gesellschaft Gas Distribution“, teilte das Unternehmen mit.
Die ČEZ-Gruppe hat ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Beim EBITDA erwartet sie nun 107 bis 112 Milliarden Kronen, der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 30 und 34 Milliarden Kronen liegen.
„Der Hauptgrund für die Anhebung der Prognose ist der Anstieg der Realisierungspreise in der Stromerzeugung sowie ein höheres Produktions- und Fördervolumen infolge der Krise im Persischen Golf und des Anstiegs der Marktpreise für Energie-Rohstoffe“, erklärte ČEZ.
ČEZ ist das größte Energieunternehmen in Tschechien. Mehrheitseigentümer ist der Staat, der über das Finanzministerium rund 70 Prozent der Aktien hält. Der Rest befindet sich im Besitz von Minderheitsaktionären. Die Regierung aus ANO, SPD und Motoristen plant die Verstaatlichung des Unternehmens.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... cni-vyhled
/gr/
Beschleunigungsgebiete für Wind,-und Solarkraftanlagen im Raum Zlín stoßen auf Widerstand der Gemeinden, die Region fordert Änderungen
ČTK
13. Mai 2026, oenergetice.cz
Die Region Zlín nimmt Stellung zum Entwurf der Beschleunigungsgebiete für den Bau von Wind- und Solarkraftwerken. Die Region wird ihre Anmerkungen am Donnerstag an das Ministerium für regionale Entwicklung übermitteln und fordert, dass diese im Entwurf berücksichtigt werden, teilte die Sprecherin der Regionalverwaltung, Soňa Ličková, heute der ČTK – Agentur mit. Die Änderungen betreffen die Gebiete Býškovice, Kunovice, Kelč und Lukoveček. In ihren Einwänden weist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore hin, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind, erklärte die Sprecherin.
Die von der Regierung vorgeschlagenen Zonen, die den Bau von Wind- und Solarkraftwerken in Tschechien beschleunigen sollen, stoßen in der Region Zlín auf den Widerstand der Kommunalverwaltungen. Der Regionshauptmann Radim Holiš (ANO) erklärte vergangene Woche in der Regionalversammlung, dass die Region die Meinung der Gemeinden zu den vorgeschlagenen Beschleunigungsgebieten respektieren werde.
„Als Rat der Region Zlín reagieren wir auf die Stellungnahmen der Gemeinden, die sich zum Vorschlag des Ministeriums geäußert haben. Wir respektieren ihre Positionen und werden uns als Region nicht in ihre Entscheidungen einmischen. Alle Stellungnahmen werden wir morgen (Donnerstag) an das Ministerium senden“, sagte Holiš.
Die Regionen können den Entwurf bis zum 15. Mai kommentieren.
In ihren Einwänden verweist die Region auf die unzureichende Berücksichtigung wichtiger Verkehrs- und Technikkorridore, die Bestandteil der regionalen Raumordnungsgrundsätze sind. „Dabei handelt es sich beispielsweise um geplante Straßenbauprojekte oder Korridore für Gaspipelines“, erklärte der Regionshauptmann.
Im Fall des Gebiets Lukoveček weist die Region außerdem auf mögliche negative Auswirkungen auf Landschaft und Umwelt hin. Der vorgeschlagene Standort liegt in der Nähe des Naturparks Hostýnské vrchy und betrifft hochwertige landwirtschaftliche Flächen.
„Der Bau von Windkraftanlagen könnte das Landschaftsbild dieses Gebiets beeinträchtigen“, sagte Holiš.
Die Regionalräte unterstützten im Einklang mit einem Beschluss der Regionalversammlung die Stellungnahmen von fast drei Dutzend Städten und Gemeinden, die mit der vorgeschlagenen Abgrenzung der Beschleunigungsgebiete nicht einverstanden sind.
„Ihre Stellungnahmen können Gemeinden und Bürger noch bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung senden. Sämtliche Stellungnahmen von Gemeinden, Vereinen und Bürgern zu den geplanten Beschleunigungsgebieten, die die Region Zlín erhalten hat oder bis Ende Mai noch erhalten wird, wird sie spätestens bis zum 1. Juni 2026 an das Ministerium für regionale Entwicklung weiterleiten, das für deren Bewertung und Bearbeitung verantwortlich ist“, erklärte die Sprecherin.
Der Staat rechnet in der Region Zlín mit der möglichen Entstehung von fünf Beschleunigungsgebieten für die Stromerzeugung aus Windenergie. Der Bau von Solaranlagen soll durch sechs Beschleunigungsgebiete ermöglicht werden.
Quelle: https://oenergetice.cz/obnovitelne-zdro ... ada-upravy
/gr/
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Re: Anti-Atom Monitoring der tschechischen Presse
Auswahl von relevanten Zeitungsartikeln aus Tschechien zum Thema Energie vom 15.5.2026:
nhalt:
Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in Mähren entstehen, sagte Havlíček.
Die Mährisch-Schlesische Region befasst sich mit einem modularen Reaktor.
Der Konflikt im Iran kurbelt die Stromerzeugung aus Kohle an. ČEZ erwartet deshalb für dieses Jahr einen höheren Gewinn.
Brand auf der Deponie beim Kohlekraftwerk Tušimice.
Das Königreich der Wildnis: Wie die Umgebung von Tschernobyl zum Eldorado für Tiere wurde.
Der kühle April erhöhte den Stromverbrauch in Tschechien. Solaranlagen erzeugten zum dritten Mal in der Geschichte mehr als 600 GWh
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Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in Mähren entstehen, sagte Havlíček
14.05.2026
Seznam Zprávy / ČTK
Tschechien erweitert seine Pläne für die Kernenergie. Der erste kleine modulare Reaktor könnte in Dětmarovice in der Region Mährisch-Schlesien auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks entstehen...
Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in der Region Mährisch-Schlesien gebaut werden. Mit dem Bau könnte im Jahr 2035 begonnen werden; derzeit wird der geeignetste Standort ausgewählt. Einer der in Betracht gezogenen Orte ist Dětmarovice im Gebiet Karviná, wo bis vor Kurzem ein Kohlekraftwerk stand. Das sagte heute der Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (ANO), während der Konferenz „Maschinenbau Ostrava 2026“ vor Journalisten.
Einen Vertrag über vorbereitende Arbeiten zur Entwicklung kleiner modularer Reaktoren haben im vergangenen Monat der Energiekonzern ČEZ und das britische Unternehmen Rolls-Royce SMR abgeschlossen. ČEZ erklärte, dass der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien in Temelín entstehen solle und dass nach vorläufigen Schätzungen der erste Block in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in Betrieb genommen werden könnte.
„Die Region Mährisch-Schlesien gehört zu den ausgewählten Standorten, und wir machen alles dafür, dass die ersten Reaktoren hier in der Region Mährisch-Schlesien gebaut werden. In diesem Fall eher ein Reaktor, aber in jedem Fall wird der geeignetste Standort in der Region ausgewählt. Der Grund dafür ist klar: Hier befindet sich Industrie, und wenn wir diese Industrie erhalten wollen, müssen wir ihr auch entsprechende Energiequellen sichern“, sagte Havlíček.
Die endgültige Ausarbeitung des Projekts werde die Regierung laut Havlíček im nächsten Jahr an ČEZ vergeben, und im Jahr 2028 müsse eine Entscheidung getroffen werden. Nach Angaben des Ministers könnten mehrere Projekte gleichzeitig genehmigt werden. Neben Temelín und der Region Mährisch-Schlesien werde auch über die Region Ústí diskutiert.
„Derzeit gibt es mehrere Orte, über die diskutiert wird. Einer der meistgenannten Orte ist natürlich Dětmarovice, das sage ich offen, weil es praktisch ist, da ČEZ Eigentümer des Geländes ist. Dadurch wäre es einfacher. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, und der Eingriff in die Umgebung wäre relativ gering“, sagte der Minister.
Der Kreishauptmann der Region Mährisch-Schlesien, Josef Bělica (ANO), erklärte, es sei wichtig, dass sich ein solches Bauprojekt möglichst nahe an der Industrie befinde, um die Übertragungswege zu verkürzen. Die Region verfüge bereits über Stellungnahmen mehrerer Gemeinden, die das Vorhaben stark unterstützen. „Ein entsprechendes Dokument werde ich der Kreisvertretung der Region Mährisch-Schlesien auf der Juni-Sitzung vorlegen, damit sich das höchste Organ der Region dazu äußern kann, dass wir den Bau kleiner modularer Reaktoren auf dem Gebiet der Region Mährisch-Schlesien sehr stark unterstützen“, sagte Bělica.
Havlíček erklärte, dass gemäß der Vereinbarung der erste Reaktor beziehungsweise wahrscheinlich die ersten drei Reaktoren in Großbritannien etwa in den Jahren 2033–2034 gebaut werden sollen. „Innerhalb eines Jahres nach dem ersten Spatenstich in Großbritannien wird mit dem Bau weiterer Reaktoren begonnen, und diese werden sich in der Tschechischen Republik befinden. Mit anderen Worten: Wir werden nach Großbritannien die Zweiten sein. Meine Schätzung ist das Jahr 2035“, sagte der Minister.
Die Auswahl des Standorts für die Reaktoren sei laut ihm anspruchsvoll. „Eine Sache ist natürlich die Fläche selbst – es handelt sich um Dutzende Hektar. Zweitens muss ein geeignetes geologisches Fundament vorhanden sein. Der Standort muss sich zudem leicht an die Infrastruktur von ČEPS, der Verteilerunternehmen und so weiter anschließen lassen. Es ist also nicht ganz trivial. In der Region Mährisch-Schlesien gibt es jedoch Standorte, an denen dies realisiert werden könnte. Es geht nur darum, den geeignetsten auszuwählen – auch mit Blick darauf, wie weit Industrieparks, Zonen und Produktionsstätten entfernt sind“, sagte Havlíček.
Der Hejtman erklärte, dass die Region sehr intensiv daran arbeite. „Ich denke, die Region Mährisch-Schlesien ist auf diese Technologien vorbereitet. Wir führen bereits seit einiger Zeit sehr detaillierte Gespräche mit ČEZ zu diesem Thema“, sagte Bělica. Er fügte hinzu, dass ihm bislang keine Gegner des Vorhabens bekannt seien.
Der Präsident des Nationalen Maschinenbau-Clusters und Generaldirektor der Cylinders Holding, Jan Světlík, sagte, wer gegen den Bau neuer Energiequellen protestiere, sage damit im Grunde, dass er teureren Strom wolle. „Wir werden neue Wohnsiedlungen anschließen müssen, neue Entwicklungsprojekte werden ebenfalls viel Energie benötigen. Ohne neue Energiequellen wird es also nicht gehen“, sagte Světlík.
ČEZ plant, bis zum Jahr 2050 modulare Reaktoren mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt in Tschechien zu bauen. Die bestehenden Kraftwerke in Dukovany und Temelín haben jeweils eine Leistung von etwa zwei Gigawatt. Der Preis eines modularen Reaktors soll laut dem Konzern ähnlich hoch sein wie bei großen Blöcken, wobei er dem geringeren Leistungsumfang modularer Reaktoren entsprechen werde. ČEZ arbeitet bei der Entwicklung mit Rolls-Royce SMR zusammen. Das tschechische Unternehmen schloss im vergangenen Jahr seinen Einstieg als Aktionär in das britische Unternehmen ab und hält nun etwa ein Fünftel der Anteile daran. Dafür zahlte es rund sechs Milliarden Kronen.
Kleine modulare Reaktoren (englisch: Small Modular Reactor – SMR) können serienmäßig in Fabriken hergestellt und anschließend blockweise an einem Standort konzentriert werden. Nach Ansicht von Experten für Kernenergie unterscheiden sie sich von großen Kernkraftwerksblöcken vor allem durch ihre geringere Leistung sowie durch einen schnelleren und einfacheren Bau. Der Betrieb könnte dagegen ähnlich sein.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... cek-306175
Die Mährisch-Schlesische Region befasst sich mit einem modularen Reaktor
15.05.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autor: Darek Štalmach
Rubrik: Mährisch-Schlesische Region - Seite: 9
Die Mährisch-Schlesische Region hat nach Ansicht des Industrie- und Handelsministers Karel Havlíček gute Chancen, dass hier einer der ersten kleinen modularen Reaktoren auf dem Gebiet der Tschechischen Republik entstehen könnte. Dieser könnte laut ihm bereits um das Jahr 2035 gebaut werden, und als möglicher Standort kommen beispielsweise Dětmarovice infrage.
Havlíček erklärte dies gestern in Ostrava im Rahmen der Konferenz Maschinenbau Ostrava 2026, die vom Nationalen Maschinenbaucluster im Areal Dolní oblast Vítkovic veranstaltet wurde. Nach Aussage des Ministers gehören kleine modulare Reaktoren zu den wichtigsten Themen der zukünftigen tschechischen Energiepolitik.
„Die Mährisch-Schlesische Region ist einer der ausgewählten Standorte, und wir tun alles dafür, dass die ersten Reaktoren hier entstehen. In diesem Fall eher ein einzelner Reaktor. Jedenfalls wird derzeit der geeignetste Standort in der Mährisch-Schlesischen Region ausgewählt, und der Grund dafür ist offensichtlich: Hier gibt es Industrie, und wenn wir sie erhalten wollen, müssen wir auch die Energieversorgung sicherstellen“, erklärte Havlíček.
Kleine modulare Reaktoren, auch mit den Abkürzungen SMR oder MMR bezeichnet, sollen kleinere Kernenergieanlagen sein, bei denen mit einem höheren Maß an standardisierter Produktion gerechnet wird. Im Vergleich zu großen Kernkraftwerksblöcken sollen sie einen schrittweisen Ausbau ermöglichen und auch an Orten eingesetzt werden können, an denen ein klassisches großes Kernkraftwerk keinen Sinn ergeben würde.
Von Bedeutung könnten sie nicht nur für die Stromerzeugung sein, sondern in manchen Fällen auch für die Wärmeversorgung oder die spätere Wasserstoffproduktion.
Die Tschechische Republik plant bei der Vorbereitung kleiner modularer Reaktoren bereits eine Zusammenarbeit des Unternehmens ČEZ mit der britischen Firma Rolls-Royce SMR.
Bislang wurde Temelín am häufigsten als erster tschechischer Standort genannt. Havlíček räumte in Ostrava jedoch ein, dass mehrere Projekte gleichzeitig infrage kommen könnten.
„Ich würde nicht von einem Vorrang sprechen“, antwortete der Industrieminister auf die Frage der Zeitung MF DNES, ob ein Standort in der Mährisch-Schlesischen Region Vorrang vor anderen Orten im Land hätte. „Es werden mehrere Standorte vorbereitet, und ich wage fast zu behaupten, dass mehrere Projekte gleichzeitig genehmigt werden. Diskutiert werden Temelín, die Mährisch-Schlesische Region und die Region Ústí“, ergänzte der Minister. „Ich kann mir vorstellen, dass der erste Start in der Mährisch-Schlesischen Region erfolgt.“
Als einer der am häufigsten genannten Standorte in der Region gelten Dětmarovice, wo kürzlich das Kohlekraftwerk des Unternehmens ČEZ stillgelegt wurde. Laut Havlíček könnte genau das ein Vorteil sein: „Dětmarovice gehört zu den am häufigsten diskutierten Standorten. Vorteilhaft ist, dass das Gelände ČEZ gehört, was vieles vereinfachen würde. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, und der Eingriff in die Umgebung wäre vergleichsweise gering.“
Der Kreishauptmann Josef Bělica bestätigte, dass sich die Region mit der Möglichkeit der Ansiedlung eines kleinen modularen Reaktors beschäftigt.
„Die Mährisch-Schlesische Region ist auf diese Technologien vorbereitet. Wir führen bereits seit einiger Zeit ziemlich detaillierte Gespräche mit ČEZ zu diesem Thema“, erklärte Bělica.
Der Bau könnte 2035 beginnen …
Auch nach seiner Ansicht hat der Standor Dětmarovice mehrere Vorteile, seien aber nicht die einzige Möglichkeit.
„Dort gibt es Infrastruktur, dort stand bereits ein großes Kraftwerk. Andererseits ist es wichtig, dass ein solcher Bau möglichst nahe an der Industrie liegt, um die Übertragungswege zu verkürzen“, sagte der mährisch – schlesische Kreishauptmann.
Die Region möchte auf der Sitzung der mährisch – schlesischen Kreisvertretung im Juni ein Dokument behandeln, mit dem der Bau kleiner modularer Reaktoren auf ihrem Gebiet offiziell unterstützt werden soll. Laut Bělica haben bereits mehrere Gemeinden ihre Unterstützung erklärt – sowohl auf Ebene der Bürgermeister als auch durch Beschlüsse von Räten und Gemeindevertretungen.
Nach Ansicht Havlíčeks sollte die Regierung im Jahr 2028 über die Vorbereitung der Projekte entscheiden. Falls der Zeitplan eingehalten werden kann, könnten die ersten Arbeiten in Tschechien kurz nach dem Beginn des Baus modularer Reaktoren in Großbritannien starten.
„Meine Schätzung ist das Jahr 2035. Und wenn wir wollen, dass 2034 oder 2035 mit dem Bau begonnen wird, muss die Regierung 2028 entscheiden“, sagte Havlíček.
Die Mährisch-Schlesische Region müsste jedoch nicht nur Standort sein, wo ein modularer Reaktor stehen wird. Die Unternehmensgruppe Witkowitz, die an die industrielle Tradition der Vítkovice-Werke anknüpft, möchte sich an deren Produktion beteiligen.
Die Generaldirektorin Michaela Žvaková erklärte, dass das Unternehmen derzeit mit Rolls-Royce SMR darüber verhandle, ob es qualifizierter Zulieferer werden könne.
„Unsere Gesellschaft Vítkovice energetické strojírenství/ Witkowitz Energie - Maschinenbau kann Ersatzteile für das Kernkraftwerk Dukovany herstellen, an das wir derzeit liefern. Deshalb haben wir begonnen, uns dafür zu interessieren, wie wir qualifizierter Lieferant von Rolls-Royce werden können, damit wir zumindest einen Teil der Komponenten für deren SMR liefern können“, erklärte Žvaková.
Laut ihr könnten die Vítkovice-Werke beispielsweise Teile großer Sicherheitsbehälter herstellen. Das Unternehmen müsse jedoch zunächst die Qualifikation für Nuklearzulieferungen durchlaufen.
„Wir stehen ganz am Anfang. Rolls-Royce begann Anfang Dezember 2025 mit uns über diese Möglichkeiten zu sprechen. Ich denke, es wird vielleicht ein halbes bis dreiviertel Jahr dauern, bis wir qualifizierter Lieferant werden. Die Sicherheitsanforderungen und alles, was die nukleare Sicherheit betrifft, sind dort deutlich strenger“, beschrieb die Direktorin die Situation.
Redakteur MF DNES
Der Konflikt im Iran kurbelt die Stromerzeugung aus Kohle an. ČEZ erwartet deshalb für dieses Jahr einen höheren Gewinn
15.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Jan Brož
Rubrik: Ereignisse ~ Seite: 4
Ereignisse – Energiewirtschaft:
In geringerem Ausmaß wiederholt sich in diesem Jahr die Situation von 2022. Damals ließ der Krieg in der Ukraine die Strompreise stark ansteigen, wodurch sich die Verstromung von Kohle in fossilen Kraftwerken, die zuvor an der Grenze der Rentabilität operierten, wirtschaftlich wieder lohnte. Einen ähnlichen Effekt hatte auch der diesjährige Angriff der USA und Israels auf den Iran.
Bei den Strompreisen selbst handelt es sich lediglich um kleinere Verschiebungen. Bei der Präsentation der Ergebnisse für das vergangene Jahr hatte der Energiekonzern ČEZ im März erklärt, Strom für das kommende Jahr zu einem Durchschnittspreis von 85 Euro pro Megawattstunde verkauft zu haben. Nun erhöhte sich dieser Wert zusammen mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen lediglich um einen Euro. Dennoch hat auch das erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis des halbstaatlichen Unternehmens.
„Es erscheint uns sinnvoll, die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken deutlich zu erhöhen, obwohl wir dies ursprünglich nicht geplant hatten“, sagte der Finanzdirektor von ČEZ, Martin Novák, gegenüber der Zeitung Hospodářské noviny. Die fossilen Kraftwerke des Konzerns – etwa Ledvice, Tušimice oder Prunéřov – produzierten im vergangenen Jahr 13,9 Terawattstunden Strom, und noch im März erwartete ČEZ für dieses Jahr nur einen geringfügigen Anstieg. Nun geht die Konzernleitung davon aus, dass die Kohleverstromung im laufenden Jahr auf 15,3 TWh steigen könnte, also um elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Das entspräche ungefähr dem Niveau der Jahre 2023 und 2024. Damals trugen dazu jedoch auch die polnischen Kraftwerke Skawina und Chorzów bei, die ČEZ vergangenes Jahr an die Gruppe ResInvest von Tomáš Novotný verkauft hat, ebenso wie das inzwischen stillgelegte Steinkohlekraftwerk Dětmarovice.
Höhere Börsenstrompreise begünstigen nicht nur Kohle, sondern auch einen weiteren fossilen Energieträger – Gas. Die Produktion des Gas-und-Dampf-Kraftwerks Počerady von ČEZ, das sich am selben Standort wie das Kohlekraftwerk Počerady von Sev.en befindet, stieg in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um 50 Prozent. Laut Novák wirkte sich auch der relativ kalte Winter auf den Betrieb aus. ČEZ erwartet deshalb, dass Počerady in diesem Jahr 2,7 Terawattstunden Strom erzeugen wird. Auch in diesem Fall handelt es sich um einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der allerdings dadurch verzerrt wird, dass die Anlage im vergangenen Jahr wegen Wartungsarbeiten zeitweise abgeschaltet war. Für das Gesamtjahr rechnet ČEZ jedoch mit einer geringeren Stromproduktion aus Gas als noch vor zwei Monaten.
Das bedeutet also keinen grundlegenden Kurswechsel zugunsten fossiler Energie, sondern eher eine kurzfristige Schwankung. „In den Jahren 2027 und 2028 werden die Kohlekraftwerke profitabler sein, als es ursprünglich aussah. Aber es handelt sich um nichts Grundlegendes, sondern lediglich um eine leichte Verbesserung. Die Energielandschaft wird dadurch keineswegs grundlegend neu gezeichnet“, erklärte Finanzchef Novák. Für die Jahre 2029 und 2030 falle der sogenannte Kohlespread – also die Differenz zwischen dem Preis von Kohlestrom und den Kosten für Brennstoff und Emissionszertifikate – wieder negativ aus.
Für ČEZ und seine Aktionäre, einschließlich des Staates, bedeutet dies jedoch in diesem Jahr die Aussicht auf höhere Gewinne und Dividenden. Ursprünglich ging der Konzern davon aus, dass sich der operative Gewinn EBITDA in diesem Jahr zwischen 103 und 108 Milliarden Kronen bewegen könnte und der für die Dividendenhöhe wichtige Nettogewinn zwischen 27 und 31 Milliarden Kronen. Nun wurde die Prognose auf 107 bis 112 Milliarden beziehungsweise 30 bis 34 Milliarden Kronen angehoben.
Das EBITDA sank im ersten Quartal dieses Jahres dagegen um 18 Prozent auf 35,3 Milliarden Kronen, während der Nettogewinn um sechs Prozent auf 13,5 Milliarden Kronen stieg. Der Grund dafür ist vor allem das Ende der Besteuerung sogenannter Übergewinne („Windfall Tax“), die die Regierung von Petr Fiala (ODS) nach Ausbruch der Energiekrise im Jahr 2023 eingeführt hatte.
Entwicklung des Gewinns der ČEZ-Gruppe (in Milliarden CZK)...
Hinweis: Seit 2010 handelt es sich um den um außerordentliche Einflüsse bereinigten Nettogewinn, aus dem die Dividende für die Aktionäre berechnet wird. Als außerordentliche Einflüsse gelten jene, die grundsätzlich nicht mit der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des jeweiligen Jahres zusammenhängen (insbesondere Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte).
Redaktion HN – autori@hn.cz
/gr/
Brand auf der Deponie beim Kohlekraftwerk Tušimice
15.05.2026 Feuerwehrzeitung / Hasičské noviny (Wochenzeitung)
Rubrik: Ereignisse - Seite: 2
Der Feuerwehrleitstelle wurde ein Brand auf der Deponie in Tušimice gemeldet. Vier Einheiten des Brandschutzes wurden zum Einsatzort entsandt. Beim Eintreffen der ersten Einheit hatte das Feuer bereits eine Fläche von etwa 20 × 40 Metern erfasst. Den Feuerwehrleuten gelang es schnell, eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern, allerdings hatte das Feuer auch tiefere Schichten des Deponiekörpers erreicht.
Mithilfe eines Kompaktors wurde das brennende Material auseinandergezogen und anschließend gründlich mit Wasser durchtränkt. Insgesamt waren sieben Brandschutzeinheiten im Einsatz: die Berufsfeuerwehr Chomutov, die Feuerwehrstation Klášterec nad Ohří, die freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden Březno, Klášterec nad Ohří und Kadaň sowie die Betriebsfeuerwehren des Unternehmens ČEZ Kraftwerk Tušimice und SD Doly Nástup Tušimice.
Feuerwehr des Ústecký-Kreises
/gr/
Das Königreich der Wildnis: Wie die Umgebung von Tschernobyl zum Eldorado für Tiere wurde
15.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Jaroslav Petr
Rubrik: Wochenende/Wissenschaft - Seite: 22
Die Sperrzone von Tschernobyl sollte für viele Jahrtausende eine unbewohnbare radioaktive Wüste bleiben. Heute ist sie eines der größten europäischen Rückzugsgebiete für wild lebende Tiere. Sogar Arten, die andernorts vom Aussterben bedroht sind, kehren dorthin zurück.
Luchs, Wisent, Elch, Bär, Schwarzstorch, Seeadler … Das ist nur eine kleine Auswahl jener Tiere, für die die 2600 Quadratkilometer große Sperrzone von Tschernobyl zu einem Königreich geworden ist. Vor vierzig Jahren verschwanden sie nach der tragischen Reaktorkatastrophe aus dem Gebiet. Heute sind sie zurück und bilden überraschend große Populationen. Auch die Zahl der Wölfe, Füchse, Hirsche und Wildschweine nimmt zu. Zu den Rückkehrern gehört auch der seltene Schreiadler, und die Sperrzone von Tschernobyl ist inzwischen der einzige Ort weltweit, an dem die Population dieses prächtigen Greifvogels wächst.
Berichte in einigen Medien vermitteln den Eindruck, die Sperrzone sei ein postapokalyptisches Gebiet und ein Paradies für Mutanten. Im Jahr 2023 veröffentlichte beispielsweise ein Team unter Leitung von Timothy Mousseau von der University of South Carolina im Wissenschaftsjournal Science Advances eine Studie über Hunde in Tschernobyl. Viele Journalisten berichteten darüber im Stil von: „Die Hunde von Tschernobyl sind heute genetisch unterschiedlich, weil sie jahrelang ionisierender Strahlung ausgesetzt waren.“ Das entspricht jedoch nicht der Realität.
„Die Katastrophe von Tschernobyl hat eine dauerhafte Faszination für Strahlung und Mutationen ausgelöst. Es kursieren die unterschiedlichsten Behauptungen über betroffene Wildtiere und mutierte Tiere in der Sperrzone. Klare wissenschaftliche Beweise für bedeutende langfristige Auswirkungen der Strahlung zu finden, ist jedoch schwierig“, sagt der britische Ökologe Jim Smith von der University of Portsmouth.
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 setzte 400-mal mehr ionisierende Strahlung frei als die Atombombe von Hiroshima. Jim Smith bestreitet nicht, dass die anfänglich starke Strahlung einige Gebiete der Sperrzone schwer beschädigte. Das gilt etwa für den sogenannten Roten Wald in unmittelbarer Nähe des Reaktors auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern. Die dortigen Kiefern erhielten so hohe Strahlendosen, dass sie abstarben, vertrockneten und eine rötlich-braune Farbe annahmen. Manche Studien gingen davon aus, dass die Umgebung des havarierten Kraftwerks für Zehntausende Jahre unbewohnbar bleiben würde. Heute ist die Situation in Tschernobyl jedoch anders. Von der im Jahr 1986 freigesetzten Strahlung ist nur noch ein Zehntel übrig, und die gefährlichsten Isotope wie Jod-131 sind bereits vor vielen Jahren verschwunden.
Hunde und Laubfrösche…..
Die streunenden Hunde von Tschernobyl sind tatsächlich bemerkenswert. Sie bewegen sich in der Nähe von Orten, an denen sie Menschen begegnen können, in der Hoffnung, etwas Futter zu bekommen. Mousseau und seine Mitarbeiter stellten Unterschiede in der Erbinformation zwischen Hunden fest, die nahe am Kraftwerk leben, und Hunden aus zwei weiteren Gruppen, die weiter entfernt vom Unglücksort leben. Die Studie liefert jedoch keine Beweise dafür, dass diese Unterschiede durch Strahlung verursacht wurden. Dennoch hieß es in der Pressemitteilung der Universität, die Hunde „könnten sich genetisch aufgrund unterschiedlicher Strahlenbelastung unterscheiden“. Einige Journalisten und Teile der Öffentlichkeit zogen daraus den eindeutigen Schluss: Tiere in der Sperrzone von Tschernobyl seien schwere Mutanten.
Die Hundepopulationen in der Sperrzone unterscheiden sich tatsächlich genetisch voneinander. Die Strahlung spielt dabei jedoch offenbar keine bedeutende Rolle, da sich die Hunde außerhalb der Gebiete mit der höchsten Strahlenbelastung bewegen. In einer anderen Studie maß Mousseaus Team die Strahlenbelastung von zweihundert Hunden aus Tschernobyl. Nur bei vier Tieren wurden höhere Strahlendosen festgestellt als jene, denen in den Jahren nach dem Unfall westeuropäische Tierarten wie Schafe, Wildschweine oder Rentiere ausgesetzt waren. Als wesentlich wahrscheinlichere Ursache der genetischen Unterschiede sieht Mousseau die unterschiedliche Herkunft der Hunde an. Wahrscheinlich unterschieden sich bereits ihre Vorfahren genetisch, die schon vor dem Unfall in der Umgebung des Kraftwerks lebten. Auch Krankheiten könnten bei der genetischen Vielfalt der Hunde eine Rolle gespielt haben.
Spanische Wissenschaftler unter Leitung von Germán Orizaola von der Universität Oviedo untersuchten die Amphibien der Sperrzone besonders gründlich. Unter den dortigen Laubfröschen fanden sie beispielsweise vermehrt dunkel gefärbte Tiere, sogenannte Melanisten. Laut Orizaola könnte dies eine Anpassung an die erhöhte Strahlung sein, da das dunkle Hautpigment Melanin davor schützt. Ansonsten geht es den Tschernobyl-Fröschen jedoch gut. Sie erreichen ein normales Alter, leiden nicht unter erhöhtem Stress und weisen keine Schäden am Erbgut auf.
„Das heutige Strahlungsniveau in Tschernobyl ist nicht so hoch, dass es bei Laubfröschen chronische Schäden verursachen würde. Studien wie unsere sind entscheidend, um den Mythos zu widerlegen, dass die Sperrzone lebensfeindlich sei. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass das Gebiet zu einem äußerst wichtigen Zufluchtsort für bedrohte Wildtiere geworden ist“, erklärt Orizaola.
Mit Strahlung, aber ohne Menschen….
Die Sperrzone von Tschernobyl funktioniert wie ein riesiges Naturreservat und wird sogar für Tiere zum Rückzugsgebiet, die dort früher nie lebten. Zwischen den Jahren 1998 und 2004 wurden 36 Przewalski-Pferde in die Zone freigelassen. Die meisten stammten aus dem ukrainischen Reservat Askania Nova, einige aus einem örtlichen Zoo. Diese Pferde gelten oft als die letzten frei lebenden Wildpferde der Welt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Nachfahren domestizierter Pferde, die von Hirten der sogenannten Botai-Kultur gehalten wurden, die vor 5000 bis 6000 Jahren im Gebiet des heutigen Kasachstans lebten.
In Tschernobyl erlebt die Population der Przewalski-Pferde Höhen und Tiefen. Wilderer und Waldbrände bremsten zunächst das Wachstum der Population. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurden einige Pferde durch von russischen Truppen gelegte Minen getötet.
Das Schicksal der Tierwelt von Tschernobyl zeigt anschaulich, welchen Einfluss menschliche Aktivitäten auf die Landschaft haben. Der Mensch schadet den Tieren offenbar stärker als die radioaktive Kontamination. In seiner Abwesenheit nehmen Artenvielfalt und Tierzahlen dramatisch zu. Ähnliche Erfahrungen machten Wissenschaftler auch in anderen radioaktiv belasteten Gebieten. Eine große Artenvielfalt beobachten sie etwa in der Sperrzone rund um das japanische Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nach dem Unfall von 2011 oder in vergleichbaren Gebieten auf pazifischen Atollen, auf denen in den 1940er- und 1950er-Jahren Atomtests durchgeführt wurden.
„Vielleicht sollten wir unsere Vorhersagen über die mittel- und langfristigen Auswirkungen von Radioaktivität auf die Umwelt überdenken. Bevor wir das tun, müssen wir jedoch besser verstehen, welche Mechanismen es Wildtieren ermöglichen, in radioaktiv kontaminierten Gebieten zu leben. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Sind die Organismen in Tschernobyl geringerer Strahlung ausgesetzt, als wir erwartet haben? Verursacht diese Strahlung weniger Schäden? Oder verfügen die Organismen vielleicht über wirksamere Mechanismen zur Reparatur von Zellschäden durch Strahlung, als wir angenommen haben?“, fragt Germán Orizaola.
autori@hn.cz
/gr/
Der kühle April erhöhte den Stromverbrauch in Tschechien. Solaranlagen erzeugten zum dritten Mal in der Geschichte mehr als 600 GWh
15. Mai 2026, oenergetice.cz
Autor: Jan Budín
Die tschechischen Solarkraftwerke waren im April erneut die drittgrößte Stromquelle nach Kernkraftwerken und Braunkohlekraftwerken. Laut den auf Energostat veröffentlichten Daten speisten sie 612 GWh Strom ins Netz ein, was den dritthöchsten Monatswert in der Geschichte darstellt. Mehr Strom erzeugten diese Anlagen nur im Juni und August des vergangenen Jahres. Die starke Solarstromproduktion im April führte dazu, dass die Strompreise am Day-Ahead-Markt häufig in den negativen Bereich fielen. Am Sonntag, dem 26. April, näherten sich die Preise sogar mehrfach dem Preisminimum von -500 EUR/MWh.
Der Monat April lag laut den auf der Website des tschechischen Marktbetreibers OTE, a.s. veröffentlichten Daten mit einer Durchschnittstemperatur von 8,3 Grad Celsius um 0,4 Grad unter dem langfristigen Temperaturmittel. Zum Vergleich: Die Durchschnittstemperatur im April 2025 lag um mehr als 2 Grad Celsius höher. Das kühlere Wetter führte zu einem Anstieg des Stromverbrauchs in Tschechien um 4,3 % gegenüber dem Vorjahr auf 5,15 TWh. Im Vergleich zum März sank der Stromverbrauch im April jedoch um fast 0,5 TWh.
Die Stromerzeugung in Tschechien erreichte im April 5,9 TWh und lag damit praktisch auf demselben Niveau wie im April 2025. Gegenüber März entspricht dies einem Rückgang um 0,6 Twh.
Die wichtigste Stromquelle waren im April die Kernkraftwerke mit einer Produktion von mehr als 2,4 TWh. Die Braunkohlekraftwerke verzeichneten im Jahresvergleich einen Produktionsrückgang von fast 5 % auf 1,7 TWh. Dennoch blieben sie mit großem Abstand die zweitgrößte Stromquelle in Tschechien, da die drittplatzierten Solarkraftwerke trotz eines Produktionsanstiegs von fast 14 % im Jahresvergleich lediglich 612 GWh Strom ins Netz einspeisten.
Den größten Rückgang der Stromproduktion im Jahresvergleich verzeichneten im April die mit Erdgas betriebenen Kraftwerke. Sie lieferten weniger als 275 GWh Strom ins Netz, was 101 GWh beziehungsweise 27,0 % weniger als im April 2025 entspricht.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... ci-600-gwh
/gr/
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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nhalt:
Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in Mähren entstehen, sagte Havlíček.
Die Mährisch-Schlesische Region befasst sich mit einem modularen Reaktor.
Der Konflikt im Iran kurbelt die Stromerzeugung aus Kohle an. ČEZ erwartet deshalb für dieses Jahr einen höheren Gewinn.
Brand auf der Deponie beim Kohlekraftwerk Tušimice.
Das Königreich der Wildnis: Wie die Umgebung von Tschernobyl zum Eldorado für Tiere wurde.
Der kühle April erhöhte den Stromverbrauch in Tschechien. Solaranlagen erzeugten zum dritten Mal in der Geschichte mehr als 600 GWh
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Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in Mähren entstehen, sagte Havlíček
14.05.2026
Seznam Zprávy / ČTK
Tschechien erweitert seine Pläne für die Kernenergie. Der erste kleine modulare Reaktor könnte in Dětmarovice in der Region Mährisch-Schlesien auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks entstehen...
Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien könnte in der Region Mährisch-Schlesien gebaut werden. Mit dem Bau könnte im Jahr 2035 begonnen werden; derzeit wird der geeignetste Standort ausgewählt. Einer der in Betracht gezogenen Orte ist Dětmarovice im Gebiet Karviná, wo bis vor Kurzem ein Kohlekraftwerk stand. Das sagte heute der Minister für Industrie und Handel, Karel Havlíček (ANO), während der Konferenz „Maschinenbau Ostrava 2026“ vor Journalisten.
Einen Vertrag über vorbereitende Arbeiten zur Entwicklung kleiner modularer Reaktoren haben im vergangenen Monat der Energiekonzern ČEZ und das britische Unternehmen Rolls-Royce SMR abgeschlossen. ČEZ erklärte, dass der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien in Temelín entstehen solle und dass nach vorläufigen Schätzungen der erste Block in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre in Betrieb genommen werden könnte.
„Die Region Mährisch-Schlesien gehört zu den ausgewählten Standorten, und wir machen alles dafür, dass die ersten Reaktoren hier in der Region Mährisch-Schlesien gebaut werden. In diesem Fall eher ein Reaktor, aber in jedem Fall wird der geeignetste Standort in der Region ausgewählt. Der Grund dafür ist klar: Hier befindet sich Industrie, und wenn wir diese Industrie erhalten wollen, müssen wir ihr auch entsprechende Energiequellen sichern“, sagte Havlíček.
Die endgültige Ausarbeitung des Projekts werde die Regierung laut Havlíček im nächsten Jahr an ČEZ vergeben, und im Jahr 2028 müsse eine Entscheidung getroffen werden. Nach Angaben des Ministers könnten mehrere Projekte gleichzeitig genehmigt werden. Neben Temelín und der Region Mährisch-Schlesien werde auch über die Region Ústí diskutiert.
„Derzeit gibt es mehrere Orte, über die diskutiert wird. Einer der meistgenannten Orte ist natürlich Dětmarovice, das sage ich offen, weil es praktisch ist, da ČEZ Eigentümer des Geländes ist. Dadurch wäre es einfacher. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, und der Eingriff in die Umgebung wäre relativ gering“, sagte der Minister.
Der Kreishauptmann der Region Mährisch-Schlesien, Josef Bělica (ANO), erklärte, es sei wichtig, dass sich ein solches Bauprojekt möglichst nahe an der Industrie befinde, um die Übertragungswege zu verkürzen. Die Region verfüge bereits über Stellungnahmen mehrerer Gemeinden, die das Vorhaben stark unterstützen. „Ein entsprechendes Dokument werde ich der Kreisvertretung der Region Mährisch-Schlesien auf der Juni-Sitzung vorlegen, damit sich das höchste Organ der Region dazu äußern kann, dass wir den Bau kleiner modularer Reaktoren auf dem Gebiet der Region Mährisch-Schlesien sehr stark unterstützen“, sagte Bělica.
Havlíček erklärte, dass gemäß der Vereinbarung der erste Reaktor beziehungsweise wahrscheinlich die ersten drei Reaktoren in Großbritannien etwa in den Jahren 2033–2034 gebaut werden sollen. „Innerhalb eines Jahres nach dem ersten Spatenstich in Großbritannien wird mit dem Bau weiterer Reaktoren begonnen, und diese werden sich in der Tschechischen Republik befinden. Mit anderen Worten: Wir werden nach Großbritannien die Zweiten sein. Meine Schätzung ist das Jahr 2035“, sagte der Minister.
Die Auswahl des Standorts für die Reaktoren sei laut ihm anspruchsvoll. „Eine Sache ist natürlich die Fläche selbst – es handelt sich um Dutzende Hektar. Zweitens muss ein geeignetes geologisches Fundament vorhanden sein. Der Standort muss sich zudem leicht an die Infrastruktur von ČEPS, der Verteilerunternehmen und so weiter anschließen lassen. Es ist also nicht ganz trivial. In der Region Mährisch-Schlesien gibt es jedoch Standorte, an denen dies realisiert werden könnte. Es geht nur darum, den geeignetsten auszuwählen – auch mit Blick darauf, wie weit Industrieparks, Zonen und Produktionsstätten entfernt sind“, sagte Havlíček.
Der Hejtman erklärte, dass die Region sehr intensiv daran arbeite. „Ich denke, die Region Mährisch-Schlesien ist auf diese Technologien vorbereitet. Wir führen bereits seit einiger Zeit sehr detaillierte Gespräche mit ČEZ zu diesem Thema“, sagte Bělica. Er fügte hinzu, dass ihm bislang keine Gegner des Vorhabens bekannt seien.
Der Präsident des Nationalen Maschinenbau-Clusters und Generaldirektor der Cylinders Holding, Jan Světlík, sagte, wer gegen den Bau neuer Energiequellen protestiere, sage damit im Grunde, dass er teureren Strom wolle. „Wir werden neue Wohnsiedlungen anschließen müssen, neue Entwicklungsprojekte werden ebenfalls viel Energie benötigen. Ohne neue Energiequellen wird es also nicht gehen“, sagte Světlík.
ČEZ plant, bis zum Jahr 2050 modulare Reaktoren mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt in Tschechien zu bauen. Die bestehenden Kraftwerke in Dukovany und Temelín haben jeweils eine Leistung von etwa zwei Gigawatt. Der Preis eines modularen Reaktors soll laut dem Konzern ähnlich hoch sein wie bei großen Blöcken, wobei er dem geringeren Leistungsumfang modularer Reaktoren entsprechen werde. ČEZ arbeitet bei der Entwicklung mit Rolls-Royce SMR zusammen. Das tschechische Unternehmen schloss im vergangenen Jahr seinen Einstieg als Aktionär in das britische Unternehmen ab und hält nun etwa ein Fünftel der Anteile daran. Dafür zahlte es rund sechs Milliarden Kronen.
Kleine modulare Reaktoren (englisch: Small Modular Reactor – SMR) können serienmäßig in Fabriken hergestellt und anschließend blockweise an einem Standort konzentriert werden. Nach Ansicht von Experten für Kernenergie unterscheiden sie sich von großen Kernkraftwerksblöcken vor allem durch ihre geringere Leistung sowie durch einen schnelleren und einfacheren Bau. Der Betrieb könnte dagegen ähnlich sein.
Quelle: https://www.seznamzpravy.cz/clanek/ekon ... cek-306175
Die Mährisch-Schlesische Region befasst sich mit einem modularen Reaktor
15.05.2026 Tageszeitung Mladá fronta DNES Autor: Darek Štalmach
Rubrik: Mährisch-Schlesische Region - Seite: 9
Die Mährisch-Schlesische Region hat nach Ansicht des Industrie- und Handelsministers Karel Havlíček gute Chancen, dass hier einer der ersten kleinen modularen Reaktoren auf dem Gebiet der Tschechischen Republik entstehen könnte. Dieser könnte laut ihm bereits um das Jahr 2035 gebaut werden, und als möglicher Standort kommen beispielsweise Dětmarovice infrage.
Havlíček erklärte dies gestern in Ostrava im Rahmen der Konferenz Maschinenbau Ostrava 2026, die vom Nationalen Maschinenbaucluster im Areal Dolní oblast Vítkovic veranstaltet wurde. Nach Aussage des Ministers gehören kleine modulare Reaktoren zu den wichtigsten Themen der zukünftigen tschechischen Energiepolitik.
„Die Mährisch-Schlesische Region ist einer der ausgewählten Standorte, und wir tun alles dafür, dass die ersten Reaktoren hier entstehen. In diesem Fall eher ein einzelner Reaktor. Jedenfalls wird derzeit der geeignetste Standort in der Mährisch-Schlesischen Region ausgewählt, und der Grund dafür ist offensichtlich: Hier gibt es Industrie, und wenn wir sie erhalten wollen, müssen wir auch die Energieversorgung sicherstellen“, erklärte Havlíček.
Kleine modulare Reaktoren, auch mit den Abkürzungen SMR oder MMR bezeichnet, sollen kleinere Kernenergieanlagen sein, bei denen mit einem höheren Maß an standardisierter Produktion gerechnet wird. Im Vergleich zu großen Kernkraftwerksblöcken sollen sie einen schrittweisen Ausbau ermöglichen und auch an Orten eingesetzt werden können, an denen ein klassisches großes Kernkraftwerk keinen Sinn ergeben würde.
Von Bedeutung könnten sie nicht nur für die Stromerzeugung sein, sondern in manchen Fällen auch für die Wärmeversorgung oder die spätere Wasserstoffproduktion.
Die Tschechische Republik plant bei der Vorbereitung kleiner modularer Reaktoren bereits eine Zusammenarbeit des Unternehmens ČEZ mit der britischen Firma Rolls-Royce SMR.
Bislang wurde Temelín am häufigsten als erster tschechischer Standort genannt. Havlíček räumte in Ostrava jedoch ein, dass mehrere Projekte gleichzeitig infrage kommen könnten.
„Ich würde nicht von einem Vorrang sprechen“, antwortete der Industrieminister auf die Frage der Zeitung MF DNES, ob ein Standort in der Mährisch-Schlesischen Region Vorrang vor anderen Orten im Land hätte. „Es werden mehrere Standorte vorbereitet, und ich wage fast zu behaupten, dass mehrere Projekte gleichzeitig genehmigt werden. Diskutiert werden Temelín, die Mährisch-Schlesische Region und die Region Ústí“, ergänzte der Minister. „Ich kann mir vorstellen, dass der erste Start in der Mährisch-Schlesischen Region erfolgt.“
Als einer der am häufigsten genannten Standorte in der Region gelten Dětmarovice, wo kürzlich das Kohlekraftwerk des Unternehmens ČEZ stillgelegt wurde. Laut Havlíček könnte genau das ein Vorteil sein: „Dětmarovice gehört zu den am häufigsten diskutierten Standorten. Vorteilhaft ist, dass das Gelände ČEZ gehört, was vieles vereinfachen würde. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden, und der Eingriff in die Umgebung wäre vergleichsweise gering.“
Der Kreishauptmann Josef Bělica bestätigte, dass sich die Region mit der Möglichkeit der Ansiedlung eines kleinen modularen Reaktors beschäftigt.
„Die Mährisch-Schlesische Region ist auf diese Technologien vorbereitet. Wir führen bereits seit einiger Zeit ziemlich detaillierte Gespräche mit ČEZ zu diesem Thema“, erklärte Bělica.
Der Bau könnte 2035 beginnen …
Auch nach seiner Ansicht hat der Standor Dětmarovice mehrere Vorteile, seien aber nicht die einzige Möglichkeit.
„Dort gibt es Infrastruktur, dort stand bereits ein großes Kraftwerk. Andererseits ist es wichtig, dass ein solcher Bau möglichst nahe an der Industrie liegt, um die Übertragungswege zu verkürzen“, sagte der mährisch – schlesische Kreishauptmann.
Die Region möchte auf der Sitzung der mährisch – schlesischen Kreisvertretung im Juni ein Dokument behandeln, mit dem der Bau kleiner modularer Reaktoren auf ihrem Gebiet offiziell unterstützt werden soll. Laut Bělica haben bereits mehrere Gemeinden ihre Unterstützung erklärt – sowohl auf Ebene der Bürgermeister als auch durch Beschlüsse von Räten und Gemeindevertretungen.
Nach Ansicht Havlíčeks sollte die Regierung im Jahr 2028 über die Vorbereitung der Projekte entscheiden. Falls der Zeitplan eingehalten werden kann, könnten die ersten Arbeiten in Tschechien kurz nach dem Beginn des Baus modularer Reaktoren in Großbritannien starten.
„Meine Schätzung ist das Jahr 2035. Und wenn wir wollen, dass 2034 oder 2035 mit dem Bau begonnen wird, muss die Regierung 2028 entscheiden“, sagte Havlíček.
Die Mährisch-Schlesische Region müsste jedoch nicht nur Standort sein, wo ein modularer Reaktor stehen wird. Die Unternehmensgruppe Witkowitz, die an die industrielle Tradition der Vítkovice-Werke anknüpft, möchte sich an deren Produktion beteiligen.
Die Generaldirektorin Michaela Žvaková erklärte, dass das Unternehmen derzeit mit Rolls-Royce SMR darüber verhandle, ob es qualifizierter Zulieferer werden könne.
„Unsere Gesellschaft Vítkovice energetické strojírenství/ Witkowitz Energie - Maschinenbau kann Ersatzteile für das Kernkraftwerk Dukovany herstellen, an das wir derzeit liefern. Deshalb haben wir begonnen, uns dafür zu interessieren, wie wir qualifizierter Lieferant von Rolls-Royce werden können, damit wir zumindest einen Teil der Komponenten für deren SMR liefern können“, erklärte Žvaková.
Laut ihr könnten die Vítkovice-Werke beispielsweise Teile großer Sicherheitsbehälter herstellen. Das Unternehmen müsse jedoch zunächst die Qualifikation für Nuklearzulieferungen durchlaufen.
„Wir stehen ganz am Anfang. Rolls-Royce begann Anfang Dezember 2025 mit uns über diese Möglichkeiten zu sprechen. Ich denke, es wird vielleicht ein halbes bis dreiviertel Jahr dauern, bis wir qualifizierter Lieferant werden. Die Sicherheitsanforderungen und alles, was die nukleare Sicherheit betrifft, sind dort deutlich strenger“, beschrieb die Direktorin die Situation.
Redakteur MF DNES
Der Konflikt im Iran kurbelt die Stromerzeugung aus Kohle an. ČEZ erwartet deshalb für dieses Jahr einen höheren Gewinn
15.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Jan Brož
Rubrik: Ereignisse ~ Seite: 4
Ereignisse – Energiewirtschaft:
In geringerem Ausmaß wiederholt sich in diesem Jahr die Situation von 2022. Damals ließ der Krieg in der Ukraine die Strompreise stark ansteigen, wodurch sich die Verstromung von Kohle in fossilen Kraftwerken, die zuvor an der Grenze der Rentabilität operierten, wirtschaftlich wieder lohnte. Einen ähnlichen Effekt hatte auch der diesjährige Angriff der USA und Israels auf den Iran.
Bei den Strompreisen selbst handelt es sich lediglich um kleinere Verschiebungen. Bei der Präsentation der Ergebnisse für das vergangene Jahr hatte der Energiekonzern ČEZ im März erklärt, Strom für das kommende Jahr zu einem Durchschnittspreis von 85 Euro pro Megawattstunde verkauft zu haben. Nun erhöhte sich dieser Wert zusammen mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen lediglich um einen Euro. Dennoch hat auch das erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis des halbstaatlichen Unternehmens.
„Es erscheint uns sinnvoll, die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken deutlich zu erhöhen, obwohl wir dies ursprünglich nicht geplant hatten“, sagte der Finanzdirektor von ČEZ, Martin Novák, gegenüber der Zeitung Hospodářské noviny. Die fossilen Kraftwerke des Konzerns – etwa Ledvice, Tušimice oder Prunéřov – produzierten im vergangenen Jahr 13,9 Terawattstunden Strom, und noch im März erwartete ČEZ für dieses Jahr nur einen geringfügigen Anstieg. Nun geht die Konzernleitung davon aus, dass die Kohleverstromung im laufenden Jahr auf 15,3 TWh steigen könnte, also um elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Das entspräche ungefähr dem Niveau der Jahre 2023 und 2024. Damals trugen dazu jedoch auch die polnischen Kraftwerke Skawina und Chorzów bei, die ČEZ vergangenes Jahr an die Gruppe ResInvest von Tomáš Novotný verkauft hat, ebenso wie das inzwischen stillgelegte Steinkohlekraftwerk Dětmarovice.
Höhere Börsenstrompreise begünstigen nicht nur Kohle, sondern auch einen weiteren fossilen Energieträger – Gas. Die Produktion des Gas-und-Dampf-Kraftwerks Počerady von ČEZ, das sich am selben Standort wie das Kohlekraftwerk Počerady von Sev.en befindet, stieg in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um 50 Prozent. Laut Novák wirkte sich auch der relativ kalte Winter auf den Betrieb aus. ČEZ erwartet deshalb, dass Počerady in diesem Jahr 2,7 Terawattstunden Strom erzeugen wird. Auch in diesem Fall handelt es sich um einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der allerdings dadurch verzerrt wird, dass die Anlage im vergangenen Jahr wegen Wartungsarbeiten zeitweise abgeschaltet war. Für das Gesamtjahr rechnet ČEZ jedoch mit einer geringeren Stromproduktion aus Gas als noch vor zwei Monaten.
Das bedeutet also keinen grundlegenden Kurswechsel zugunsten fossiler Energie, sondern eher eine kurzfristige Schwankung. „In den Jahren 2027 und 2028 werden die Kohlekraftwerke profitabler sein, als es ursprünglich aussah. Aber es handelt sich um nichts Grundlegendes, sondern lediglich um eine leichte Verbesserung. Die Energielandschaft wird dadurch keineswegs grundlegend neu gezeichnet“, erklärte Finanzchef Novák. Für die Jahre 2029 und 2030 falle der sogenannte Kohlespread – also die Differenz zwischen dem Preis von Kohlestrom und den Kosten für Brennstoff und Emissionszertifikate – wieder negativ aus.
Für ČEZ und seine Aktionäre, einschließlich des Staates, bedeutet dies jedoch in diesem Jahr die Aussicht auf höhere Gewinne und Dividenden. Ursprünglich ging der Konzern davon aus, dass sich der operative Gewinn EBITDA in diesem Jahr zwischen 103 und 108 Milliarden Kronen bewegen könnte und der für die Dividendenhöhe wichtige Nettogewinn zwischen 27 und 31 Milliarden Kronen. Nun wurde die Prognose auf 107 bis 112 Milliarden beziehungsweise 30 bis 34 Milliarden Kronen angehoben.
Das EBITDA sank im ersten Quartal dieses Jahres dagegen um 18 Prozent auf 35,3 Milliarden Kronen, während der Nettogewinn um sechs Prozent auf 13,5 Milliarden Kronen stieg. Der Grund dafür ist vor allem das Ende der Besteuerung sogenannter Übergewinne („Windfall Tax“), die die Regierung von Petr Fiala (ODS) nach Ausbruch der Energiekrise im Jahr 2023 eingeführt hatte.
Entwicklung des Gewinns der ČEZ-Gruppe (in Milliarden CZK)...
Hinweis: Seit 2010 handelt es sich um den um außerordentliche Einflüsse bereinigten Nettogewinn, aus dem die Dividende für die Aktionäre berechnet wird. Als außerordentliche Einflüsse gelten jene, die grundsätzlich nicht mit der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit des jeweiligen Jahres zusammenhängen (insbesondere Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte).
Redaktion HN – autori@hn.cz
/gr/
Brand auf der Deponie beim Kohlekraftwerk Tušimice
15.05.2026 Feuerwehrzeitung / Hasičské noviny (Wochenzeitung)
Rubrik: Ereignisse - Seite: 2
Der Feuerwehrleitstelle wurde ein Brand auf der Deponie in Tušimice gemeldet. Vier Einheiten des Brandschutzes wurden zum Einsatzort entsandt. Beim Eintreffen der ersten Einheit hatte das Feuer bereits eine Fläche von etwa 20 × 40 Metern erfasst. Den Feuerwehrleuten gelang es schnell, eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern, allerdings hatte das Feuer auch tiefere Schichten des Deponiekörpers erreicht.
Mithilfe eines Kompaktors wurde das brennende Material auseinandergezogen und anschließend gründlich mit Wasser durchtränkt. Insgesamt waren sieben Brandschutzeinheiten im Einsatz: die Berufsfeuerwehr Chomutov, die Feuerwehrstation Klášterec nad Ohří, die freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden Březno, Klášterec nad Ohří und Kadaň sowie die Betriebsfeuerwehren des Unternehmens ČEZ Kraftwerk Tušimice und SD Doly Nástup Tušimice.
Feuerwehr des Ústecký-Kreises
/gr/
Das Königreich der Wildnis: Wie die Umgebung von Tschernobyl zum Eldorado für Tiere wurde
15.05.2026 Tageszeitung Hospodářské noviny Autor: Jaroslav Petr
Rubrik: Wochenende/Wissenschaft - Seite: 22
Die Sperrzone von Tschernobyl sollte für viele Jahrtausende eine unbewohnbare radioaktive Wüste bleiben. Heute ist sie eines der größten europäischen Rückzugsgebiete für wild lebende Tiere. Sogar Arten, die andernorts vom Aussterben bedroht sind, kehren dorthin zurück.
Luchs, Wisent, Elch, Bär, Schwarzstorch, Seeadler … Das ist nur eine kleine Auswahl jener Tiere, für die die 2600 Quadratkilometer große Sperrzone von Tschernobyl zu einem Königreich geworden ist. Vor vierzig Jahren verschwanden sie nach der tragischen Reaktorkatastrophe aus dem Gebiet. Heute sind sie zurück und bilden überraschend große Populationen. Auch die Zahl der Wölfe, Füchse, Hirsche und Wildschweine nimmt zu. Zu den Rückkehrern gehört auch der seltene Schreiadler, und die Sperrzone von Tschernobyl ist inzwischen der einzige Ort weltweit, an dem die Population dieses prächtigen Greifvogels wächst.
Berichte in einigen Medien vermitteln den Eindruck, die Sperrzone sei ein postapokalyptisches Gebiet und ein Paradies für Mutanten. Im Jahr 2023 veröffentlichte beispielsweise ein Team unter Leitung von Timothy Mousseau von der University of South Carolina im Wissenschaftsjournal Science Advances eine Studie über Hunde in Tschernobyl. Viele Journalisten berichteten darüber im Stil von: „Die Hunde von Tschernobyl sind heute genetisch unterschiedlich, weil sie jahrelang ionisierender Strahlung ausgesetzt waren.“ Das entspricht jedoch nicht der Realität.
„Die Katastrophe von Tschernobyl hat eine dauerhafte Faszination für Strahlung und Mutationen ausgelöst. Es kursieren die unterschiedlichsten Behauptungen über betroffene Wildtiere und mutierte Tiere in der Sperrzone. Klare wissenschaftliche Beweise für bedeutende langfristige Auswirkungen der Strahlung zu finden, ist jedoch schwierig“, sagt der britische Ökologe Jim Smith von der University of Portsmouth.
Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 setzte 400-mal mehr ionisierende Strahlung frei als die Atombombe von Hiroshima. Jim Smith bestreitet nicht, dass die anfänglich starke Strahlung einige Gebiete der Sperrzone schwer beschädigte. Das gilt etwa für den sogenannten Roten Wald in unmittelbarer Nähe des Reaktors auf einer Fläche von etwa zehn Quadratkilometern. Die dortigen Kiefern erhielten so hohe Strahlendosen, dass sie abstarben, vertrockneten und eine rötlich-braune Farbe annahmen. Manche Studien gingen davon aus, dass die Umgebung des havarierten Kraftwerks für Zehntausende Jahre unbewohnbar bleiben würde. Heute ist die Situation in Tschernobyl jedoch anders. Von der im Jahr 1986 freigesetzten Strahlung ist nur noch ein Zehntel übrig, und die gefährlichsten Isotope wie Jod-131 sind bereits vor vielen Jahren verschwunden.
Hunde und Laubfrösche…..
Die streunenden Hunde von Tschernobyl sind tatsächlich bemerkenswert. Sie bewegen sich in der Nähe von Orten, an denen sie Menschen begegnen können, in der Hoffnung, etwas Futter zu bekommen. Mousseau und seine Mitarbeiter stellten Unterschiede in der Erbinformation zwischen Hunden fest, die nahe am Kraftwerk leben, und Hunden aus zwei weiteren Gruppen, die weiter entfernt vom Unglücksort leben. Die Studie liefert jedoch keine Beweise dafür, dass diese Unterschiede durch Strahlung verursacht wurden. Dennoch hieß es in der Pressemitteilung der Universität, die Hunde „könnten sich genetisch aufgrund unterschiedlicher Strahlenbelastung unterscheiden“. Einige Journalisten und Teile der Öffentlichkeit zogen daraus den eindeutigen Schluss: Tiere in der Sperrzone von Tschernobyl seien schwere Mutanten.
Die Hundepopulationen in der Sperrzone unterscheiden sich tatsächlich genetisch voneinander. Die Strahlung spielt dabei jedoch offenbar keine bedeutende Rolle, da sich die Hunde außerhalb der Gebiete mit der höchsten Strahlenbelastung bewegen. In einer anderen Studie maß Mousseaus Team die Strahlenbelastung von zweihundert Hunden aus Tschernobyl. Nur bei vier Tieren wurden höhere Strahlendosen festgestellt als jene, denen in den Jahren nach dem Unfall westeuropäische Tierarten wie Schafe, Wildschweine oder Rentiere ausgesetzt waren. Als wesentlich wahrscheinlichere Ursache der genetischen Unterschiede sieht Mousseau die unterschiedliche Herkunft der Hunde an. Wahrscheinlich unterschieden sich bereits ihre Vorfahren genetisch, die schon vor dem Unfall in der Umgebung des Kraftwerks lebten. Auch Krankheiten könnten bei der genetischen Vielfalt der Hunde eine Rolle gespielt haben.
Spanische Wissenschaftler unter Leitung von Germán Orizaola von der Universität Oviedo untersuchten die Amphibien der Sperrzone besonders gründlich. Unter den dortigen Laubfröschen fanden sie beispielsweise vermehrt dunkel gefärbte Tiere, sogenannte Melanisten. Laut Orizaola könnte dies eine Anpassung an die erhöhte Strahlung sein, da das dunkle Hautpigment Melanin davor schützt. Ansonsten geht es den Tschernobyl-Fröschen jedoch gut. Sie erreichen ein normales Alter, leiden nicht unter erhöhtem Stress und weisen keine Schäden am Erbgut auf.
„Das heutige Strahlungsniveau in Tschernobyl ist nicht so hoch, dass es bei Laubfröschen chronische Schäden verursachen würde. Studien wie unsere sind entscheidend, um den Mythos zu widerlegen, dass die Sperrzone lebensfeindlich sei. Im Gegenteil: Sie zeigen, dass das Gebiet zu einem äußerst wichtigen Zufluchtsort für bedrohte Wildtiere geworden ist“, erklärt Orizaola.
Mit Strahlung, aber ohne Menschen….
Die Sperrzone von Tschernobyl funktioniert wie ein riesiges Naturreservat und wird sogar für Tiere zum Rückzugsgebiet, die dort früher nie lebten. Zwischen den Jahren 1998 und 2004 wurden 36 Przewalski-Pferde in die Zone freigelassen. Die meisten stammten aus dem ukrainischen Reservat Askania Nova, einige aus einem örtlichen Zoo. Diese Pferde gelten oft als die letzten frei lebenden Wildpferde der Welt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Nachfahren domestizierter Pferde, die von Hirten der sogenannten Botai-Kultur gehalten wurden, die vor 5000 bis 6000 Jahren im Gebiet des heutigen Kasachstans lebten.
In Tschernobyl erlebt die Population der Przewalski-Pferde Höhen und Tiefen. Wilderer und Waldbrände bremsten zunächst das Wachstum der Population. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine wurden einige Pferde durch von russischen Truppen gelegte Minen getötet.
Das Schicksal der Tierwelt von Tschernobyl zeigt anschaulich, welchen Einfluss menschliche Aktivitäten auf die Landschaft haben. Der Mensch schadet den Tieren offenbar stärker als die radioaktive Kontamination. In seiner Abwesenheit nehmen Artenvielfalt und Tierzahlen dramatisch zu. Ähnliche Erfahrungen machten Wissenschaftler auch in anderen radioaktiv belasteten Gebieten. Eine große Artenvielfalt beobachten sie etwa in der Sperrzone rund um das japanische Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nach dem Unfall von 2011 oder in vergleichbaren Gebieten auf pazifischen Atollen, auf denen in den 1940er- und 1950er-Jahren Atomtests durchgeführt wurden.
„Vielleicht sollten wir unsere Vorhersagen über die mittel- und langfristigen Auswirkungen von Radioaktivität auf die Umwelt überdenken. Bevor wir das tun, müssen wir jedoch besser verstehen, welche Mechanismen es Wildtieren ermöglichen, in radioaktiv kontaminierten Gebieten zu leben. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Sind die Organismen in Tschernobyl geringerer Strahlung ausgesetzt, als wir erwartet haben? Verursacht diese Strahlung weniger Schäden? Oder verfügen die Organismen vielleicht über wirksamere Mechanismen zur Reparatur von Zellschäden durch Strahlung, als wir angenommen haben?“, fragt Germán Orizaola.
autori@hn.cz
/gr/
Der kühle April erhöhte den Stromverbrauch in Tschechien. Solaranlagen erzeugten zum dritten Mal in der Geschichte mehr als 600 GWh
15. Mai 2026, oenergetice.cz
Autor: Jan Budín
Die tschechischen Solarkraftwerke waren im April erneut die drittgrößte Stromquelle nach Kernkraftwerken und Braunkohlekraftwerken. Laut den auf Energostat veröffentlichten Daten speisten sie 612 GWh Strom ins Netz ein, was den dritthöchsten Monatswert in der Geschichte darstellt. Mehr Strom erzeugten diese Anlagen nur im Juni und August des vergangenen Jahres. Die starke Solarstromproduktion im April führte dazu, dass die Strompreise am Day-Ahead-Markt häufig in den negativen Bereich fielen. Am Sonntag, dem 26. April, näherten sich die Preise sogar mehrfach dem Preisminimum von -500 EUR/MWh.
Der Monat April lag laut den auf der Website des tschechischen Marktbetreibers OTE, a.s. veröffentlichten Daten mit einer Durchschnittstemperatur von 8,3 Grad Celsius um 0,4 Grad unter dem langfristigen Temperaturmittel. Zum Vergleich: Die Durchschnittstemperatur im April 2025 lag um mehr als 2 Grad Celsius höher. Das kühlere Wetter führte zu einem Anstieg des Stromverbrauchs in Tschechien um 4,3 % gegenüber dem Vorjahr auf 5,15 TWh. Im Vergleich zum März sank der Stromverbrauch im April jedoch um fast 0,5 TWh.
Die Stromerzeugung in Tschechien erreichte im April 5,9 TWh und lag damit praktisch auf demselben Niveau wie im April 2025. Gegenüber März entspricht dies einem Rückgang um 0,6 Twh.
Die wichtigste Stromquelle waren im April die Kernkraftwerke mit einer Produktion von mehr als 2,4 TWh. Die Braunkohlekraftwerke verzeichneten im Jahresvergleich einen Produktionsrückgang von fast 5 % auf 1,7 TWh. Dennoch blieben sie mit großem Abstand die zweitgrößte Stromquelle in Tschechien, da die drittplatzierten Solarkraftwerke trotz eines Produktionsanstiegs von fast 14 % im Jahresvergleich lediglich 612 GWh Strom ins Netz einspeisten.
Den größten Rückgang der Stromproduktion im Jahresvergleich verzeichneten im April die mit Erdgas betriebenen Kraftwerke. Sie lieferten weniger als 275 GWh Strom ins Netz, was 101 GWh beziehungsweise 27,0 % weniger als im April 2025 entspricht.
Quelle: https://oenergetice.cz/energetika-v-cr/ ... ci-600-gwh
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Mgr. Gabriela Reitingerova
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